Matrifokale Frauen

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Foto links. „Groß-Mütter-Denkmal aus Stein“ von der Bildhauerin Sieglinde Maul; Die Großen Mütter, die O-M-A-S werden im Patriarchat mitleidig-herablassend-abwertend behandelt. Wenn wir sagen, dass kann ja sogar die OMA verstehen, meinen wir damit, dass selbst „die Dümmsten“ in einer Gesellschaft das verstehen; das signalisiert in der hierarchischen Wertschätzungsskala des Patriarchats stehen Großmütter, die Großen Mütter, ganz unten. Dementsprechend werden sie monetär mit Almosen abgespeist und in Altersheime abgeschoben als unnützer Ballast einer wurzellosen Gesellschaft. In Wahrheit enthält das Wort O-MA-S jedoch alle, das Leben erklärende Mutterbuchstaben: das O, das Symbol der Bauch-Höhle und des Lebenskreises; das M und das A, die Symbole der gespreizten Beine der Mutter bei der Geburt und das S, das Schlangensymbol für die Nabelschlange als Zeichen für die engste Bindung, die Menschen jemals in ihren Leben haben können. Nicht zufällig hat Gott Vater mit seiner Herrschaftskopftheologie das A, das Alpha der gespreizten Beine bei der Geburt und das O, das BauchOmega, samt der Wandlung von Tod in Leben, also die Rückbindung im Lebenskreis aus der ursprünglichen Matrifokalen Religion (Religio) patriarchal okkupiert. Foto rechts: Die „Quellmutter“ der Bildhauerin Sieglinde Maul; Die Mutter ist die Quelle unser aller Leben, nicht nur die körperliche Eizellen mit Zytoplama-Nabelschnur-Gebärmutter-Vagina-Vulva-Mutterbrust-Mutter, sondern auch Mutter Natur, ohne die menschliches Leben nicht existieren kann; Fotos: Sieglinde Maul

 

Das Matrifokale-Frauen-Manifest

 Matrifokale Frauen sind an der Natur orientierte Frauen

Matrifokale Frauen durchblicken daher die Strukturen des Patriarchats

Matrifokale Frauen sind hochpolitisch, denn sie wissen natürlich , dass es ein wesentlicher Teil des Patriarchats ist, Frauen ins Private abzuschieben und sie damit von der Politeia, dem öffentlichen Raum auszusperren

Matrifokale Frauen kennen ihre uralte Religion von Gott MUTTER und wissen sie zu unterscheiden von den Theologien des Patriarchats, denn Anbindung, Losbindung und Rückbindung, der Ursprung von Religionn, kann immer nur durch den Körper der Mutter erfolgen

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

 Sie schweigen nicht mehr über dessen ungeheuerliche Missstände

Sie sehen nicht mehr über dessen apokalyptische Lebensraumzerstörung hinweg

Sie überspielen nicht mehr das Ausmaß an Gewalt gegen die Natur und den Körper der Frau

Sie lassen sich nicht mehr aus dem öffentlichen Raum herauskatapultieren

Sie dulden nicht mehr eine ausschließende, generische Männeransprechsprache

Sie lassen sich nicht mehr trennen von der Commons-Ebene der matrilinearen Linie

Sie dulden nicht mehr das Trenne-und-Herrsche-Dogma des Patriarchats

Sie folgen nicht mehr der There-is-no-alternative-Kriegsrhetorik des Patriarchats

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie verbleiben nicht mehr im Opferstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-Sünde-Schuld-Sühne-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Liebe-Harmonie-Friede-Freude-Eierkuchen-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Passivstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-sind-nichts-wert-dein-Körper-ist-falsch-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Der-Mann-kann-nicht-anders-Täter-Entschuldigungsstatus

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie kennen die ganze Geschichte – Herstory und History – der Menschheit

Sie trennen zwischen Biologie als Naturwissenschaft und Biologismus als deren Missbrauch

Sie wissen um die freie sexuelle Wahl der Frau, die biologisch verankerte female choice

Sie gehen der heteronormativen Paarfixierung des Patriarchats nicht mehr auf den Leim

Sie durchblicken die Mann-wird-Gott-Machttheologie des Patriarchats

Sie kennen die Rahmenbedingungen erdgebundener Matrifokaler Ökonomie

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie beenden das Dauererektionsdenken eines Homo-politicus-theologicus-ökonomicus

Sie entlarven Konkurrenzdenken als nicht evolutionär, sondern patriarchal nützlich

Sie betten Rationalität und Individualität in Emotionalität und Kooperation ein

Sie ergänzen Freiheit und Autonomie durch Empathie und kollektives Bindungsbewusstsein

Sie stellen die Egomanie und die Herrschaft des patriarchalen Mannes an den Pranger

Sie setzen auf konstruktive Seinsmacht statt auf destruktive Herrschaftsmacht

Sie zeigen Alternativen zum Patriarchat auf

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie setzen Mütter ins Zentrum der Gesellschaft

Sie denken vom Bauch, der Quelle menschlichen Lebens

Sie holen sich ihre Matrifokale Kulturgeschichte zurück

Sie holen sich ihre Matrifokale Religion zurück

Sie holen sich die Matrilineare Körperbindung als lebensgründende-engste Anbindung zurück

Sie beenden dadurch die ausgesetzte Reputation von Müttern im Patriarchat

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie definieren Wissenschaft neu

Sie definieren Familie und Zusammenleben neu

Sie definieren Arbeit neu

Sie definieren Ökonomie neu

Sie definieren Wohnen neu

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie fordern Wiedergutmachung:

ideell

monetär

ökologisch

Sie kennen nämlich die Folgen des Patriarchats:

Die Natur überlebt

Der Mensch nicht

Das machen sie,

weil sie nicht kurzfristig denken,

sondern eingebettet

in eine lange Folge von

Generation zu Generation

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Matrifokale Männer und Väter

      1 . Patriarchatskritik bedeutet nicht Männer- oder Väter-Bashing

In einer Zeit großer ideologischer Verwirrung wie dem Patriarchat ist es immer sinnvoll sich an der Natur zu orientieren. Auf die Genealogie des Menschen bezogen bedeutet dies: Erstens die Vermehrung des Menschen erfolgt bisexuell, wobei die Mutter, wie bei allen Säugetierarten, den allergrößten Teil der körperlich-biologischen Fortpflanzungsarbeit übernimmt und der biologische Vater im Vergleich zur Mutter nur einen sehr kleinen Teil. (Link Mutterbiologische tatsachen). Zweitens bedeutet es, dass alle Männer Söhne von Müttern sind, weil sie im Körper der Mutter heranwachsen und ohne sie schlicht nicht existieren würden. Männer und natürlich auch biologische Väter sind ebenso wie Töchter, Intersexuelle und Transsexuelle Teil der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter und durch die Nabelanbindung auch angebunden an die Religion von Gott MUTTER, die eben nichts anderes spiegelt als die Natürlichen Gegebenheiten, in denen die Menschenspezies eingebunden sind.

Des Weiteren haben wir aufgezeigt, dass die Erkenntnis von Vaterschaft im Zuge des Neolithikums des Modus II/III im Zuge von Herdenhaltung von Tieren wie Schafen, Ziegen und insbesondere Rindern (Bott, Gerhard, 2009, S. 132-208) und einer damit verbundenen Änderung der männlichen Ökonomie vom Jäger zum Hirten, welche auf Freiheitsberaubung und damit Herrschaft fußt, innerhalb weniger Jahrtausende zum Patriarchat, einem zerstörerischen Väterherrschaftssystem geführt hat, in dem wir auch heute noch leben und das aufgrund seiner Zerstörungskraft auf ganzer Linie abzulehnen ist.

Tatsache ist aber auch, dass nicht nur Frauen, Kinder, Tiere, Pflanzen und die gesamte Natur unter diesem zerstörerischen patriarchalen System leiden, sondern auch ein großer Teil der Männer und damit auch Väter. Es gilt also zwischen Patriarchat als lebenszerstörender Herrschaftsstruktur und Männern, die natürlich auch Väter sein können, zu unterscheiden, auch deshalb, weil das Patriarchat ja inzwischen auch von vielen patriarchal-konditionierten Frauen stark gestützt wird.

Leider beobachten wir zurzeit, dass die Begriffe Matrifokalität und Patriarchatskritik von einigen Frauen zu einem generellen Väter-Bashing missbraucht werden, von dem wir uns in aller Deutlichkeit distanzieren. Männer zu diskriminieren, nur weil sie Väter sind, bedeutet, dass der Begriff der Matrifokalität und das damit einher gehende Verständnis der Integrativen Ordnung der Mutter sowie die damit verbundene Religion von Gott MUTTER fehlinterpretiert werden. Wir konstatieren daher ausdrücklich: Patriarchatskritik richtet sich nicht gegen Männer, respektive Väter per se, sondern gegen patriarchale Gesellschaftsstrukturen, die immer auf struktureller Gewalt basieren und gegen Menschen, die diese gewaltbasierten Gesellschaftsstrukturen erhalten oder sogar ausbauen wollen. Das bedeutet konkret:

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine Geschichtsschreibung, welche die Matrifokale Menschheitsgeschichte unterschlägt
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen alle Theologien, welche die ursprüngliche Religion von Gott MUTTER mit Gewalt okkupiert haben und den Mann durch herrschaftsideologische, kriegsverherrlichende Schriften wider die Natur an die Spitze einer angeblich männlichen Schöpfung gesetzt haben. Das betrifft nicht nur die heutigen 5 Welttheologien wie Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus, sondern gleichfalls die indoeuropäischen Vater-Gott-Theologien der Griechen, Römer, Kelten und Germanen, ebenso wie die altägyptische und mesopotamische Theologie, die häufig die Basis sind für den sich heute ausbreitenden Paganismus, tatsächlich aber in ihrer Göttergenealogie tief im Patriarchat verankert sind. Dies bedeutet de facto: Wir unterstützen Religionsfreiheit aber keine auf Gewalt basierende indoktrinierte Theologiefreiheit!
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die staatlich und theologisch ideologische Idealisierung der Paarungs-Vater-Mutter-Kind-Familie als einziger rechtlich geschützter und steuerlich begünstigter Vorstellung von Familie, welche die Mutter von einer menschenartgerechten, kooperativ-gemeinschaftlichen Daseinsfürsorge isoliert, alle Beteiligten damit in ein finanziell und arbeitsorganisatorisch desaströses Überforderungslebenskonzept treibt und jede andere Form des gemeinschaftlichen Zusammenlebens diskriminiert.
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine vaterstaatliche Rechtsprechung, welche patriarchal-historisch vorwiegend an männlichen Lebensentwürfen und Väterrechten orientiert ist und die Natürliche Matrifokale Ordnung des Menschen missachtet.
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die nur auf Ausbeutung fixierte, zerstörerische, naturverachtende Wachstumsökonomie des Kapitalismus, welche Fürsorgearbeit als nicht geldwert definiert hat und Gesamthandeigentum und Gemeinwohl immer der Privateigentumsakkumulation einiger ganz weniger Männer unterordnet und das, obwohl in den demokratischen Verfassungen eigentlich definiert ist, dass „alle Wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen habe“, wie Christian Felber in seinem Buch über „Gemeinwohlökonomie“ (2014) aufgezeigt hat, was bedeutet, dass sich Demokratien genauso wenig wie Diktaturen an Verfassungen halten

2 . Väter gab es schon immer

Um besser zu verstehen, was Matrifokale Männer und Väter auszeichnet, lohnt es sich die durch die Patriarchatskritikforschung frei gelegten soziobiologischen Verhältnisse der WildbeuterInnen im Paläolithikum näher anzuschauen.

Gerhard Bott schreibt in seinem ersten Band „Die Erfindung der Götter“ (2009), dass bereits die Menschenart heidelbergensis in Gemeinschaften oder Horden von 100 bis 120 Individuen lebten (S. 22). Bott schreibt:

„Diese neuen Erkenntnisse zur Hordengröße stammen aus den Ausgrabungen in Sima de los Huesos bei Atapuerca. Sie werden beschrieben bei ARSUAGA (S. 290f) und stammen vom Paläodemographen Jean-Pierre BOQUET-APPEL“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 23).

In seinem bahnbrechenden Werk arbeitet Bott heraus, dass nicht wie heute die Vater-Mutter-Kind-Paarungsfamilie die Ursprungsfamilie des Menschen ist, sondern die konsanguinale matrilineare Blutsfamilie. Bott schreibt ein paar Seiten weiter:

„Eine Betrachtung, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, kann, schon aus soziobiologischen Gründen, heute nicht mehr die Paarungsfamilie zur menschlichen Ur-Familie erklären, sondern muss von der Annahme ausgehen, dass der paläolithische homo sapiens in Blutsfamilien lebte, um die sich infolge der genetisch programmierten Exogamie, blutsfamilienfremde Sexualpartner gruppierten, die, geschart um eine solche Blutsfamilie als Kern, mit dieser eine Lebens-Arbeits-Aneignungs- und Konsumgemeinschaft bildeten. Diese Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird oft als „Horde“ oder „band“ bezeichnet, die ich aber Genossenschaft nenne, weil dies von heutigen soziologischen wie juristischen Erkenntnissen ausgehend, die angemessene und treffende Bezeichnung ist“. (ebenda, S. 32/33; Hervorhebung nicht im Originaltext).

Bott führt weiter aus:

„Die Wildbeuter-Genossenschaft des Paläolithikums, die sich um eine Blutsfamilie als Kern schart, ist eine Gemeinschaft von Nicht-sesshaften mit aneignender Wirtschaftsweise. Diese Wirtschaftsgenossenschaft war soziologisch und juristisch gesehen eine Gesamthandsgemeinschaft, es ging um gemeinschaftliche Aneignung der beiden geschlechtsspezifischen Arbeitsgemeinschaften: Das Jägerkollektiv der Männer teilte das gemeinsam erlegte Wildbret, oft große Huftiere, an denen es natürlich kein individuelles Privateigentum gab, mit dem Sammlerinnen-Kollektiv der Frauen und Kinder und erhielt dafür Anteil an deren Sammelgut, das ebenfalls Gesamthandeigentum war. Dieses kollektive Sammeln der Frauen bzw. Jagen der Männer bietet dem Einzelnen nicht nur Gesellschaft, sondern, was im Paläolithikum das Wichtigste war, vor allem gegenseitige Hilfe und Schutz bei der Aneignungsarbeit. Wie wir sahen, war der Nahrungsbeitrag des Jägerkollektivs, das ja praktisch während des gesamten Paläolithikums nur mit Speeren jagte, weil Pfeil und Bogen erst im Magdalénien, rund 2500 Jahre vor Beginn des Neolithikums erfunden wurden, gering und machte etwa nur ein Viertel der Nahrung aus. Die Verteilung zum Konsum findet in diesen akephalen und egalitären Genossenschaften durch Konsens statt, d.h. entsprechend den gemeinschaftlich gefundenen Regeln und Gebräuchen. Der gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhang von Blutsfamilie und Gesamthandeigentum ist von grundlegender Bedeutung. Während die spätere Paarungsfamilie auf dem Privateigentum beruht, ist die Blutsfamilie gekennzeichnet durch das Gesamthandeigentum, d.h. es gibt kein Privateigentum an den Ressourcen“. (ebenda, S. 33/34; Hervorhebungen nicht im Originaltext).

Die matrilineare Blutsfamilie der WildbeuterInnen im Paläolithikum zeichnet sich einerseits durch die female choice, die biologisch verankerte, freie Sexualitätsauswahl der Frau, andererseits aber auch durch ein auf Chemotaxis gesteuertes Inzestverbot innerhalb dieser matrilinearen Abstammungslinie aus. (Bott, Gerhard, 2009; S. 22-72; Armbruster, Kirsten, 2013, S. 15-17). Das bedeutet aber auch, dass sich die Lebensweise der WildbeuterInnen von denen der sesshaften NeolithikerInnen wesentlich unterschied, denn die exogamen Sexualpartner – heute ausgedrückt die biologischen Väter – waren in die Matrifokale Ordnung des Paläolithikums auch sozial integriert. Bott präzisiert die Matrifokale Ordnung der WildbeuterInnen im zweiten Band „Die Erfindung der Götter“ (2014):

„Die als Sammlerinnen kooperierende Gemeinschaft der Frauen mit ihren Abkömmlingen beschaffte mindestens zwei Drittel der Gesamtmenge ihrer als autarke Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft nomadisierenden Genossenschaft, der etwa 30 geschlechtsreife Frauen/Mütter mit deren 60 Abkömmlingen, d.h. Kindern und Heranwachsenden angehörten, sowie 30 geschlechtsreife exogame Männer. Diese 30 aus anderen Wildbeuter-Genossenschaften stammenden und von den Frauen in die Genossenschaften aufgenommenen Männer beschafften durch die Jagdbeute des Jägerkollektivs im Durchschnitt ein Drittel der Gesamtnahrung, je nach Jägerglück manchmal weniger, manchmal mehr. Da die 30 erwachsenen Frauen/Mütter alle miteinander blutsverwandt waren, d.h. derselben konsanguinalen Geburtsfamilie entstammten, bildeten sie mit ihren Kindern eine matrilineare Blutsfamilie, zu welcher also mit Ausnahme der „fremdblütigen“ Männer, etwa 90 Individuen der Genossenschaft von 120 Köpfen gehörten. Die 30 geschlechtsreifen Männer, die als „Familien-Fremde“ von jener gemeinsam lebenden und sammelnden Blutsfamilie in ihren (biologischen) Sozialverband aufgenommen wurden, waren die exogamen Sexualpartner der Frauen … und betrachteten deren Blutsfamilie als ihre neue Lebensgemeinschaft, nachdem sie, sobald geschlechtsreif geworden, ihre eigene matrilineare Blutsfamilie, in die sie hineingeboren worden waren, zu verlassen hatten, um Platz zu machen für die fremden, exogamen Männer, die von ihren Müttern, Schwestern, Cousinen in ihre Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen wurden (vgl. mein Kapitel II, S. 22 ff.). Die Männer waren also für die Frauen Fremde, denn sie mussten Familien-Fremde sein. Sie waren aber durch Sexual- und Liebesbeziehungen mit den Frauen ihres neuen Sozialverbandes eng verbunden. (Bott, Gerhard: 2014, S. 117).

Bott ergänzt ein paar Seiten weiter die Beschreibung der paläolithischen Lebensverhältnisse:

„Jeder junge Mann einer paläolithischen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird nach seiner Pubertät den Tag mit Ungeduld erwarten, an dem er seine Geburtsgenossenschaft verlassen kann, weil dort ja alle weiblichen Wesen der Blutsfamilien-Exogamie wegen für ihn sexuell tabu sind. Wenn er als junger Jägers-Mann aufgenommen wird in eine andere blutsfremde Wildbeutergenossenschaft, eröffnet sich ihm die Chance seine gerade erwachte Sexualität auszuleben, sofern ein (oder mehrere) der Frauen ihn zum Sexualpartner wählen. Regelmäßig wird der junge Mann in diejenige Genossenschaft eingeführt werden, in welche der Bruder seiner Mutter oder sein älterer (matrilinearer) Bruder zuvor bereits aufgenommen worden waren und diese blutsverwandten Männer initiieren ihren jungen matrilinearen Blutsverwandten in ihr Jägerkollektiv und sorgen für seine Ausbildung“. (ebenda, S. 121/122).

Aus den paläolithischen Verhältnissen der WildbeuterInnen können wir für die heutige Zeit ablesen, dass Männer nicht nur als Söhne, Brüder, und Onkel – wie es die sogenannten Matriarchatsfrauen aus Beobachtungen heute noch matrilinear lebender Völker wie den Mosuo in China oder den Khasi in Indien propagieren – in die Gemeinschaft integriert wurden (Tazi-Preve, Mariam Irene, 2017, S. 162-164), sondern auch als Väter, denn viele der exogamen Sexualpartner werden biologische Väter gewesen sein, auch wenn Vaterschaft nicht explizit benannt wurde, weil ja offensichtlich war, dass der Mann als biologischer Vater im Vergleich zur Mutter eine sehr geringe Rolle spielt.

Tatsächlich bieten die Ergebnisse der Patriarchatskritikforschung über das Sozialleben der WildbeuterInnen einige sehr interessante Schlüsse für das heutige Zusammenleben, auch deshalb, weil durch die Freilegung der matrifokalen Menschheitsgeschichte und der damit einhergehenden Religion von Gott MUTTER nicht einfach Erkenntnisse aus fernen Kulturen übertragen werden müssen, sondern mit dem Verstehen der matrifokalen Wurzeln der Menschheit überall auf der Welt die Wurzeln soziobiologischen Lebens an den Orten, wo wir leben, nachvollziehbar werden. Das bedeutet, dass wir nicht nur in Europa, sondern überall und gerade auch in den heutigen politischen Krisenherden des Mittleren und Nahen Ostens und in Afrika regional verankerte Lösungsansätze ableiten können, indem wir uns wieder an die menschenartgerechte matrifokale Form des Zusammenlebens erinnern. An dieser Stelle seien ein paar wichtige Komponenten hervorgehoben:

  • Männer und Väter sind nicht per se das Problem, sondern patriarchale Männer und Väter
  • Männer und explizit Väter waren den größten Teil der Menschheitsgeschichte nicht die Ernährer der Sippe, sondern Teil einer gesamthänderischen gemeinschaftlichen Ökonomie. Tatsächlich entsteht das Modell „der Vater als Ernährer“ erst im Zuge der Patriarchalisierung im Laufe des Neolithikums und zwar parallel zur Durchsetzung der Paarungsfamilie erstmals ab circa 4500 v.u.Z.
  • Die einzige Wirtschaftsweise für die auf kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge angewiesene Menschenart ist eine gesamtsolidarische Wirtschaftsgemeinschaft, eine Gesamthandwirtschaft, wo es auf jede Hand und jede Form der Arbeit ankommt und keine, auf narzisstisches Machotum gegründete Männer-Privileg-Wirtschaft, wie wir es sowohl im Privateigentums-Kapitalismus (Neoliberalismus) als auch im Männer-Staats-Kapitalismus (genannt Kommunismus und Sozialismus) der Jetztzeit im ewig polaren politischen Rechts-Links-Diskurs sehen, der keine Lösungen findet, da beide Konzepte an menschlichen Bedürfnissen gleichermaßen vorbei argumentieren, weil die menschenartgerechte Natürliche Integrative Ordnung der Mutter keinerlei Beachtung findet.

3 . Der Mann als alleiniger Ernährer ist ein Paradigma des Patriarchats

Da der Mann bis heute insbesondere als Vater einer Kleinfamilien-Paarungsfamilie, trotz gut ausgebildeter Frauen, seine Hauptidentifikation in der Haupternährerrolleseiner Familie“ sieht, lohnt es sich, sich mit dieser Ernährer-Rolle noch einmal genauer auseinander zu setzen. Da die Menschen erst ab 10 500 v.u.Z., erstmals in den Gebieten des Fruchtbaren Halbmonds und in Anatolien, sesshaft wurden und erst da anfingen zu einer produzierenden Wirtschaftsweise überzugehen, bedeutet das, dass die Menschen den größten Teil der Menschheitsgeschichte als WildbeuterInnen lebten und sich in dieser Zeit tatsächlich hauptsächlich vom Sammeln und nur zu einem kleinen Teil von der Jagd ernährten. Gesammelt wurden nicht nur Pflanzen, Pilze, Wurzeln, Beeren und Nüsse, sondern auch Muscheln, Schnecken, Würmer, Maden, Larven und Insekten als Proteinquelle. Dass sich die Menschen evolutionsbiologisch schon sehr früh auch von Insekten ernährten, zeigen die neusten genetischen Studien, welche bei den Säugetieren einschließlich des Menschen im Genom Reste Chitin-verdauernder Enzyme, den sogenannten Chitinasen, nachweisen konnten.

„In unserem Genom finden sich nicht nur Spuren von drei urtümlichen Säugetier-Genen, die unsere Vorfahren die Verdauung von Insekten erlaubten. Wir alle verfügen auch über ein aktives Chitinase-Gen. Einfacher gesagt: Unser Verdauungssystem ist bis heute darauf ausgelegt, Insekten zu verarbeiten“,

schreibt SPIEGELONLINE in dem Artikel „Der Mensch, ein geborener Insektenfresser“ vom 17.5.2018 und bezieht sich dabei auf einen Artikel in Science Advances (http://advances.sciencemag.org/content/4/5eaar6478)

Das zeigt noch einmal deutlich drei Dinge, die gerade auch für die heutige Zeit von Interesse sind.

  • Die Jagd des Mannes spielte für die Ernährung im Paläolithikum nur eine geringe Rolle
  • Der Mann war nicht der Ernährer „seiner Familie“ und die Frau als Mutter befand sich deshalb nicht in einem ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis der Männer, geschweige denn der Väter, sondern die ökonomische Versorgung erfolgte gesamthänderisch
  • Auch Männer brauchen nicht jeden Tag Fleisch, um gut zu leben. Tatsächlich ist der hohe Fleischkonsum unserer Gesellschaft nicht paläolithisch sondern patriarchal begründet, denn bei dem historisch vermittelten Bild des Jägers als ERNÄHRER handelt es sich um Patriarchatspropaganda

Schauen wir nämlich auf die historisch ersten großflächigen Abbildungen von Jagdszenen, so finden wir diese überraschenderweise nicht in den paläolithischen Höhlen – was nach dem offiziell vermittelten Bild über die Steinzeit, welches den Mann als Jäger und Ernährer einer Paarungsfamilie und die Höhlen, dem androzentrischen Weltbild des Patriarchats entsprechend, als Jagdheiligtümer interpretiert, – zu erwarten wäre.

Historisch finden wir prominente Jagddarstellungen tatsächlich erstmals in Verbindung mit der Rinderdomestikation und zwar einmal in Chatal Höyük, in Anatolien, in der Türkei (circa 6500 v.u.Z.), aber auch in Spanien, was an den teils kriegerischen Jagddarstellungen in der levantinischen Felskunst deutlich nachvollziehbar ist. Letztere gehen wahrscheinlich auf die ab 5700 v.u.Z. aus Nordafrika nach Spanien eingewanderten Impresso-Cardinal-Keramiker zurück, die ebenfalls Rinderzüchter waren. (Bott, Gerhard; 2009, S. 140). Diese Zeichnungen heben sich stark ab von der frankokantabrischen Höhlenmalerei des Paläolithikums. (Bandi, Hans Georg; 1951, http://doi.org/10.5169seals-114008, ETH Bibliothek, Schweiz).

Großflächige Abbildungen von Jagdszenen finden wir also zu einem Zeitpunkt, wo sich das Verständnis des Mannes als Jäger und Schamane der Tiere innerhalb der Religion von Gott MUTTER, welche ja auch die Mutter der Tiere ist, zum Hirten und zum HERRN der Tiere wandelt. Vergleichen wir also die männlichen Darstellungen aus dem Paläolithikum mit denen im Neolithikum im Modus III, sehen wir große Unterschiede im Weltbild. Die folgenden Abbildungen zeigen eine der wenigen männlichen Darstellungen aus den paläolithischen Höhlen, links eine als mögliche Jagdszene interpretierbare Ritzung und daneben wahrscheinlich zwei Darstellungen von männlichen Schamanen. Alle Darstellungen stammen aus dem Magdalénien (14 000-12 000 v.u.Z.). Die mögliche Jagdszene fand sich in der Grotte de la Vache in Alliat und die beiden Darstellungen der Schamanen stammen aus der Höhle „Des Trois Frères“. Beide Höhlen liegen in den französischen Pyrenäen, im Département Ariège.

Jäger Paläolithikum

 

Schamane 1 Schamane 2

Bild links. Jagdszene aus der Grotte de la Vache in Alliat, Ariège, Magdalenien 14 000-12 000 v.u.Z., Frankreich, Foto Franz Armbruster Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye; Bild Mitte und rechts: Männliche Schamanen aus der Höhle Des Trois Frères, Montesquieu-Avantès, Ariège, Frankreich, Foto in der Mitte: Franz Armbruster: Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye, Foto rechts Skizze des sogenannten „Tanzenden Schamanen“ nach Henri Breuil aus donsmaps

Ganz anders sind die großflächigen Jagddarstellungen aus Catal Höyük aus dem Neolithikum des Modus III von welcher die Jagd auf einen großen roten Stier besonders hervorsticht.

Chatal Höyük 2

 

 

Chatal Höyük

 

 

Großflächige Jagdszenen in Chatal Höyük, Anatolien, Türkei; (circa 6500 v.u.Z.). Foto links: Sieglinde Maul, Foto rechts: Die Jagd auf einen Auerochsen: „A reconstruction of the aurochs“: Creative Commons 3.0; User: Omar Hoftun

 

An der zeitlichen Einordnung dieser völlig unterschiedlichen Darstellungen sehen wir mit Beginn der Tierzucht einen deutlichen Bruch im Weltbild. Während im Paläolithikum das Töten eines Tieres vielleicht in schamanische Achtsamkeits- und Dankbarkeitsrituale eingebettet war, deuten die neolithischen Jagdszenen eher auf eine Hetzjagd um des „Vergnügens“ willens hin, denn die Jagd diente nach der Rinderdomestikation, noch weniger der Ernährung als im Paläolithikum. Die Ernährung war aber fleischlastig und die Knochenfunde in Chatal Höyük zeigen, dass diese zu 90 % von Rindern abstammen, die Frauen aber parallel dazu 14 verschiedene Kulturpflanzen anbauten, während eine Ernährung durch Milch im großen Stil zu diesem Zeitpunkt nicht anzunehmen ist, da die Bevölkerung unter Laktoseintoleranz litt. (Bott, Gerhard, 2014, S. 107-109, Bollongino, Ruth, 2006).

Der alleinige Ernährer wurde der Mann aber erst in der Kupfersteinzeit, und zwar zu dem Zeitpunkt als er im Prozess der Herdenhaltung von Rindern die Gesamthandökonomie durch Akkumulation von Privateigentum tiefgründig veränderte, und ab 4500 v.u.Z. mit dem durch Ochsen gezogenen Pflug, die Frauen auch noch aus ihrer angestammten neolithischen Ökonomie der Pflanzenproduktion vertrieb. Die Rolle des Manns als Ernährer steht also in direktem Zusammenhang mit Väterherrschaft, sie ist eines der Kernstücke des Patriarchats, denn der Verlust der eigenen Ökonomie zwang die Frauen erst dazu, ihre matrifokale Blutsfamilie notgedrungen zu verlassen und sich auf die patrilineare und patrilokale Paarungsfamilie einzulassen.

Ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Mann, insbesondere auch als Mutter vom Vater der Kinder sind also, ebenso wie die Isolierung und die Abtrennung von menschlicher Gemeinschaft und damit verbundener Erziehungskooperation, zwei herausragende Kennzeichen des Patriarchats.

4 . Die Aktivierung männlicher Fürsorgebereitschaft

Got_You_Daddy

Vater und Kleinkind: Neuste soziobiologische Forschungsergebnisse zeigen, dass die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys die männliche Fürsorgebereitschaft steigert; Foto: Wikimedia Commons, 2.0; User Flickr

Nachdem wir heute wissen, dass eine kooperative Jungenaufzucht und wie Sarah Blaffer Hrdy es nennt eine alloelterliche Beteiligung bei der Kinderbetreuung mit vielen Bezugspersonen, insbesondere mit matrilinear weiblichen Verwandten wie Schwestern oder Großmüttern von zentraler Bedeutung sind, (Blaffer Hrdy, Sarah; 2010, S. 147-156 und Link: Die Evolution frisst keine Kinder), beschäftigen wir uns genauer mit der männlichen Bereitschaft für Fürsorgearbeit, die ja im Patriarchat exorbitant niedrig ist.

In ihrem wichtigen Buch „Mütter und andere“ (2010) hat sich die amerikanische Anthropologin und Soziobiologin Blaffer Hrdy auch mit dem „Paradoxon fakultativer väterlicher Fürsorge“ beschäftigt. Blaffer Hrdy schreibt:

„Menschliche Mütter können realistischerweise nicht darauf vertrauen, dass der Mann, mit dem sie sich paaren, gewissermaßen darauf programmiert wäre, ihr bei der Aufzucht von Kindern zu helfen, selbst wenn es mit hoher Wahrscheinlichkeit seine eigenen Kinder sind“. (ebenda, S. 224).

Blaffer Hrdy konstatiert aber auch, dass die Häufigkeit von Vater-Kind-Interaktionen bei WildbeuterInnenvölkern insgesamt höher ist als in Agrar-. Hirten- oder in den meisten postindustriellen Gesellschaften. (ebenda, S. 223). Ein paar Seiten später konkretisiert die Wissenschaftlerin das Wissen über wildbeuterisch lebende Gemeinschaften. Sie schreibt:

„Die meisten Jäger-Sammler leben in Familieneinheiten mit starkem Zusammenhalt… Die Zusammensetzung dieser Familien aber schwankt mit der Zeit. Was wir als die Kernfamilie (Vater, Mutter und ihre Kinder) idealisieren, war oftmals nur eine vorübergehende und zudem alles andere als optimale Phase, da zwei Eltern, auf sich allein gestellt, die Bedürfnisse mehrerer Kinder wohl kaum befriedigen konnten. Zur Beschreibung der typischen oder natürlichen Pleistozän-Familie benutze ich daher lieber Begriffe wie verwandtenbasiert, kinderzentriert, opportunistisch, mobil und sehr, sehr flexibel. Die Einheiten der Kinderaufzucht waren grundsätzlich elastisch, das heißt, sie dehnten sich aus und schrumpften in dem Maße, wie Individuen aus Not- oder Mangelsituationen zu entkommen suchten und dorthin zogen, wo es nicht nur Nahrung und Wasser gab, sondern wo sie auch soziale Unterstützung vermuteten oder Grund zu der Annahme hatten, dass andere Familienmitglieder ihre Unterstützung brauchten. Diese alloelterlichen Sicherheitsnetze schufen die Voraussetzungen, unter denen sich ein hochgradig variables väterliches Engagement überhaupt erst entwickeln konnte“ (ebenda, S. 230/231).

Blaffer Hrdy weist darauf hin, dass bei den 5400 Säugetierarten auf der Erde bei den meisten Arten die Väter bemerkenswert wenig tun. Sie schreibt:

„Männliche Fürsorge findet sich nur bei einem Bruchteil der Säugetiere“. (ebenda, S. 221).

Sie weist dann aber explizit darauf hin, dass dies bei Primaten anders ist:

„Im Vergleich dazu sind die Männchen in der Ordnung Primaten ein regelrechtes Muster an Fürsorglichkeit, da sie die Jungen nicht nur intensiv beschützen, sondern auch direkt umsorgen“. (ebenda, S. 221).

Auffallend ist jedoch, dass innerhalb der Primaten die Menschengattung Homo sapiens sich besonders durch eine enorme Schwankungsbreite der Fürsorgebereitschaft innerhalb der Art auszeichnet. Blaffer Hrdy schreibt:

„Bei einigen Primaten kümmern sich die Männchen sehr intensiv um die Jungen, bei anderen tun sie dies nur in Notfällen, während sich wieder andere überhaupt nicht kümmern. Aber das Ausmaß dieser zwischenartlichen Variation verblasst im Vergleich zu der immensen Schwankungsbreite, die man innerhalb der einen Art Homo sapiens findet. Das Spektrum der materiellen oder emotionalen Unterstützung reicht von „Nur Sperma“ bis zu der obsessiven Hingabe einer Mrs. Doubtfire, … Beim Menschen bestehen zwischen Kulturen und Individuen größere Unterschiede in der Form und im Ausmaß der väterlichen Investitionen als bei allen anderen Primaten zusammengenommen“. (ebenda, S. 224).

Eine Seite vorher bekräftigt die Forscherin allerdings, dass „Kinderfürsorge durch Männer seit langer Zeit integraler Bestandteil menschlicher Anpassung ist (S. 223), weil bei Männern auch physiologische Veränderungen nachweisbar sind, wenn sie in die Kinderfürsorge integriert sind. Blaffer Hrdy schreibt:

„Wie bei anderen Säugetieren mit einem hohen Maß an männlicher Jungenfürsorge kommt es auch bei Männern zu physiologischen Veränderungen, wenn sie bloß eine bestimmte Zeit in engem Kontakt mit werdenden Müttern und mit Neugeborenen verbringen“. (ebenda. S. 223).

Die Evolutionsbiologin schließt daraus:

Männliche Fürsorgepotenziale sind in der DNA unserer Spezies codiert. Doch im Unterschied zu anderen Säugetieren mit extrem kostspieligen Jungen und fast obligater Fürsorge durch beide Elternteile kümmern sich Männer ein wenig, viel oder überhaupt nicht um ihre Kinder“. (ebenda, S. 224).

Hier stellt sich natürlich für jede NaturwissenschaftlerIn die Frage, zu ergründen welche sozialen und ökologischen Bedingungen die Ausbildung männlicher/väterlicher Fürsorgebereitschaft begünstigen. Hierzu gibt es interessante Forschungsergebnisse von Barry Hewlett, die auf vergleichenden Studien zwischen zwei afrikanischen WildbeuterInnengesellschaften, nämlich den !Kung und den Aka beruhen, die sich beide durch liebevolle Väter auszeichnen, zwischen denen aber trotzdem große Unterschiede in der Interaktion mit den Kindern bestehen. Blaffer Hrdy fasst die diesbezüglichen Forschungsergebnisse zusammen:

„Laut Hewlett lässt sich die Abweichung durch die unterschiedliche Häufigkeit von Gelegenheiten erklären, in denen sich Männer in der Nähe ihrer Kinder aufhalten. Während !Kung-Männer mit Bogen und Giftpfeilen auf die Jagd gehen, ihre Beutetiere über enorme Entfernungen verfolgen und daher längere Zeit fern des Lagers verbringen, jagen die Aka mit Netzen, und Frauen und Kinder begleiten die Männer oftmals auf die Jagd in die Wälder. Aka- (wie auch Efé)-Männer verbringen viel Zeit im Lager und haben mehr Freizeit, um sich mit Kleinkindern und Kindern zu beschäftigen   die Gewissheit über die Vaterschaft, die in evolutionsbiologischen Interpretationen männlichen Verhaltens immer so eine zentrale Stellung eingenommen hat, ist nur ein Faktor, der die Fürsorglichkeit von Männern gegenüber Babys beeinflusst. Die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys an sich machen Männer – selbst einen Mann, der nicht der leibliche Vater ist – fürsorglicher“. (ebenda, S. 232).

Tatsächlich hat der enge Umgang von Männern mit Kleinkindern und Kindern, wie aufgrund der grundsätzlichen genetischen Codierung von Fürsorgebereitschaft von Männern und Vätern nicht anders zu erwarten, auch psychologische, endokrinologische und neurologische Auswirkungen auf Männer und Jungen, die als sehr positiv zu interpretieren sind. Während die männlich-militärische Kampferziehung des Patriarchats (eine „echter“ Mann weint nicht) auf eine maximale Steigerung des Testosteronspiegels abzielt, um Männer zu Kämpfern abzurichten, sinkt der Testosteronspiegel bei Männern und Vätern, wenn diese in Kontakt mit schwangeren Müttern und anschließend mit deren Neugeborenen sind. Desgleichen steigen bei Männern durch den Kontakt mit Babys die Hormonspiegel an Prolaktin, aber auch bei dem Hormon Cortisol. Das Hormon Prolaktin wird im Allgemeinen mit dem Brutverhalten weiblicher Vögel und der Laktation von Säugetieren und Cortisol mit der mütterlichen Feinfühligkeit gegenüber Kleinkindern in Verbindung gebracht, wie Blaffer Hrdy weiter ausführt. (ebenda. S. 233). Sie fasst zusammen:

„Je mehr frühere Erfahrungen ein Mann mit der Kinderfürsorge hat, je länger er in Kontakt mit Babys gewesen ist, je stärker er emotional engagiert ist und je feinfühliger er auf ihre Bedürfnisse reagiert, desto deutlicher sind in der Regel die physiologischen Auswirkungen“. (ebenda, S. 234).

5 . Matrifokale Männer und Väter heute

Das Patriarchat beginnt mit der Tierzucht. Zucht und züchtigen haben die gleiche Wortwurzel. Das Patriarchat züchtet nicht nur Tiere und Pflanzen. Es züchtet auch Frauen und Männer und die natürliche Varianz dazwischen wird weggezüchtet, denn in der Zucht ist alles machbar und dient der patriarchalen MACHT: Frauen und insbesondere Mütter werden auf schwach, „lieb“ und abhängig gezüchtet und Männer und insbesondere Väter auf aggressiv, narzisstisch und dominant. Beides ist nicht nur widernatürlich, sondern ausgesprochen lebensdumm und bedient sich des Mittels der Gewalt. Nicht zufällig sprechen wir bis heute von einem „Zuchthaus“, wenn wir von einem Gefängnis sprechen. (Anregung von Gertrud Gansl in persönlicher Mitteilung). Tatsächlich ist das gesamte Gesellschaftssystem des Patriarchats ein Zuchthaus und wir Er-ZIEHEN unsere Kinder passend für dieses Zuchthaus. Er-Ziehen, bedeutet nichts anderes als: er zieht. Nützlich ist dieses Er-Ziehen als gesellschaftskonformes Abrichten nur für eine ganz kleine hierarchisch-elitäre Gruppe von vor allem Männern, den Patriarchen, die an der Spitze der Herrschaftspyramide thronen und auch einigen patriarchalen Frauen. Das Leben selbst nimmt dabei ungeheuren Schaden.

5.1 Auch Männer verdanken einer Mutter ihr Leben

Matrifokale Männer und Väter durchblicken das zerstörerische System des Patriarchats, weil sie mit der Natur und ihren Zyklen und Rhythmen verbunden sind und diese Anbindung und Verbundenheit mit der Natur, dieses Religio mit der Natur ist das Gegenteil von dem patriarchalen Paradigma, die Natur beherrschen zu wollen. Weil matrifokale Männer und Väter mit der Natur verbunden sind, können sie selbstverständlich erkennen, dass die Natur nicht den Müttern und den Vätern jeweils zur Hälfte die biologische Arbeit an der Generationenfolge zugeteilt hat, sondern, dass die Mütter den allergrößten Teil dieser für die Menschenart überlebenswichtigen Arbeit leisten. Da matrifokale Männer und Väter deshalb auch erkennen und benennen können, dass auch sie den Müttern und nicht den Patriarchen ihr Leben verdanken, ist es für sie nur folgerichtig, dass die Mütter im Zentrum einer menschlichen Gesellschaft stehen müssen, um die für die Menschenart erforderliche, kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge umfassend zu gewährleisten. Matrifokalität folgt also nur der Logik der Natur! Es ist kein hierarchisch-elitär-herrschaftliches System, wie das Patriarchat und das Matriarchat mit Heros und Königtum, sondern es ist ein menschenartnatürlicher, mutterzentrierter Kreis.

5.2. Der systemimmanente Destruktivismus des Patriarchats

 Matrifokale Männer und Väter erkennen den systemimmanenten Destruktivismus des Patriarchats und sie versuchen dieser Zerstörungsherrschaft etwas entgegen zu setzen. Konkret bedeutet dies, dass matrifokale Männer und Väter ökologisch, empathisch, emotional intelligent, kooperativ statt ausschließlich konkurrenzorientiert, lebenszyklisch-kreisförmig und Fürsorgearbeit erkennend und ausübend denken. Dadurch erkennen sie auch den perfiden Umgang des Patriarchats mit letzterer, nämlich,

  • dass die für das Leben unabdingbare Fürsorgearbeit von Kindern und alten Menschen, ohne die Leben nicht funktioniert und die damit verbundene Arbeit der Daseinsfürsorge bis heute vor allem den Müttern aufgelastet wird
  • dass diese Arbeit dann per patriarchaler Definition nicht als Arbeit anerkannt, im Bruttosozialprodukt (BSP) nicht aufgeführt, und durch diese Unsichtbarkeits-Machung nicht nur als nicht lohnwürdig, sondern auch als keinerlei Wertschätzung bedürfend deklariert wird
  • dass in der Folge der patriarchatsideologischen Unsichtbarkeitmachung der Fürsorgearbeit heutige Vater-Mutter-Kinder-Paarungsfamilien und noch viel stärker Alleinerziehende, die zu mehr als 90 % ebenfalls Mütter und keine Väter sind, durch die fürsorgearbeitausschließende Definition des Arbeitsbegriffs in eine weitere kapitalistische Ausbeutungsstufe hineingezwungen werden durch die Normalpropagierung einer Dreifacharbeitsbelastung als fortschrittlicher Errungenschaft von „moderner“ staatlicher Familienpolitik

Weil matrifokale Männer und Väter Fürsorgearbeit sehende und tätigende Männer sind, setzen sie sich zusammen mit Frauen und Müttern dafür ein, diese patriarchatsideologische Fehlbeurteilung von Arbeit zu korrigieren. Sie packen also selbsthändisch an bei der Fürsorgearbeit, die auch manchmal im wahrsten Sinn des Wortes „Scheißarbeit“ und „Dreckwegmacharbeit“ ist, und nicht nur Spielen mit dem Nachwuchs bedeutet, während die langweiligen, alltäglich anfallenden, lebensüberwichtigen Routinearbeiten und das Putzen und Reinigen an Frauen delegiert wird, entweder an die eigene „Hausfrau“ oder an bezahlte Putzfrauen, da die „Herren der Schöpfung“ sich zu fein sind oder sich zu wichtig nehmen für die Alltagsarbeit.

Matrifokale Männer und Väter sind aber auch mit den Gesetzen der Physik vertraut und erkennen, dass es grundsätzlich anderer Formen des Wirtschaftens bedarf. Das bedeutet, wir brauchen nicht nur eine Ökonomie, die mit gemeinschaftlicher Fürsorgearbeit und den Grundbedürfnissen des Lebens und des Sterbens in Einklang zu bringen ist, sondern auch eine Ökonomie, in welcher zunehmend die Erkenntnis umgesetzt wird, dass die vom Patriarchat propagierte ökonomisch-exponentielle Wachstumskurve irgendwann abreißt, weil natürliches Wachstum immer nur zyklisch verläuft. Das impliziert, dass wir tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Ökonomie angehen müssen. Wir brauchen also eine Ökonomie, welche die Natur, einschließlich der Natur der Mütter nicht ausbeutet. Noch einmal auf den Punkt gebracht, brauchen wir eine Ökonomie, welche nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur arbeitet.

5.3 Die systemimmanente Gewalt des Patriarchats

Die Basis des Patriarchats ist Gewalt. Matrifokale Männer und Väter erkennen nicht nur die verschiedenen Erscheinungsformen von patriarchaler Gewalt, sondern stellen sich ihr gemeinsam mit Frauen und Müttern entgegen, sei es der Alltagsgewalt, der Kriegsgewalt zugunsten der patriarchalen Machtelite und zum Schaden des Lebens, aber auch der strukturellen Gewalt.

Da matrifokale Männer den Körper der Frau und ihre Vulva ehren und heiligen, da sie diesem weiblichen Körper ihr eigenes Leben verdanken, üben matrifokale Männer und Väter nicht nur in persona keine körperliche oder psychische Gewalt gegenüber Frauen und Kindern aus, sondern sie arbeiten auch aktiv daran, dass Gewalt gesellschaftlich umfänglich geächtet und geahndet wird und eine Wiedergutmachung bei den Opfern erfolgt.

Eine Ächtung von Gewalt beinhaltet Alltagsgewalt wie Schlagen und Prügeln mit Händen und Gegenständen, Fesseln, Treten, Würgen, Sexualisierte Gewalt durch Pornographie, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch von Kindern, Frauen, Männern, Intersexuellen und Transsexuellen, Homophobie, Prostitution, Leihmutterschaft, Totschlag, Mord, die Ausübung psychischer Gewalt durch Ausnutzung ungleicher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, eine Verbannung von Frauen aus der Öffentlichkeit durch Einsperren in Häusern oder körperverhüllende, nicht dem Wärme- oder Sonnenschutz, sondern patriarchal indoktrinierenden theologischen Moralvorschriften dienenden Kleidungsstücken, Genitalverstümmelung, Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Plündern und Brandschatzen, Folterungen, Versklavung, Gewalt durch Waffen in Form von Messern, Schwertern, Säbeln, Pistolen, Gewehren, Bomben aller Art, einschließlich Atombomben, Wasserstoffbomben und Giftgas, Gewalt gegen Tiere durch landwirtschaftliche Massentierhaltung und Fließbandschlachtungen, Gewalt gegen die Umwelt durch großflächigen Gifteinsatz von Pestiziden, Herbiziden, Insektiziden und Überdüngung, rücksichtslose Zerstörung der Lebensräume durch Monokulturen, Abholzung, Fracking, Staudammbauten, großflächigen, rücksichtslosen, Lebensraum vergiftenden und zerstörenden Bergbau aber auch die strukturelle Gewalt durch Mansplaining und Manspreading, welche den öffentlichen Raum als männlich definiert hat und sich darin äußert, dass der Mann von sich ausgehend, den gesamten öffentlichen Raum nach seinem Gutdünken definiert hat: den Raum der Theologie, den Raum der Politik, den Raum der Ökonomie und den Raum der Rechtsprechung.

Matrifokale Männer und Väter sind also herzlich willkommen! Wie könnte es auch anders sein, sind sie doch alle unsere Söhne!

Literaturverzeichnis:

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Seed, John; Macy, Joanna; Fleming Pat; Naess, Arne: Denken wie ein Berg – Ganzheitliche Ökologie: Die Konferenz des Lebens, 1989

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Winkler, Gabriele: CARE REVOLUTION; Sch

Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

DSC_6139Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien

 Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der Menschheitsgeschichte und in der Gottesgeschichte unsichtbar gemacht durch die haltlose Behauptung: der Mann stand schon immer im Zentrum von Geschichte und Religion.

Die neuesten Erkenntnisse der interdisziplinären Patriarchatskritikforschung strafen diese Ideologien Lügen und entlarven deren Dogmen als Bastionen patriarchaler Definitions- und Ordnungsmacht, um männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren.

Das Virtuelle Museum www.herstory-history.com korrigiert die falschen Lehren des Patriarchats und lenkt den Blick auf die ursprüngliche Bedeutung der Mütter, nicht als passives, auf Kinder reduziertes Gefäß des Mannes, sondern als Trägerinnen menschlicher Kultur und Religion.

Die Entwicklung des emotional modernen Menschen

Menschliche Kultur in ihren Ursprüngen zeigt sich nach den neusten Erkenntnissen der Soziobiologie, entgegen der üblichen evolutionspsychologischen Beschreibungen, in denen Aggression und Killerinstinkte in der Evolutionsanthropologie einen großen Raum einnehmen, als das Gegenteil, nämlich als friedlich, empathisch, altruistisch, schenkbereit und hypersozial. Das patriarchale Paradigma, den Mann als Dreh- und Angelpunkt der Evolution ins Zentrum zu setzen, verstellte nur den Blickwinkel auf den tatsächlichen Ursprung der menschlichen Evolution, in der die Mütter im Zentrum standen. Die amerikanische Anthropologin und Primatenforscherin Sarah Blaffer Hrdy, die den „emotional modernen Menschen“ in die wissenschaftliche Diskussion einbringt, schreibt:

„Evolutionär gesehen, sind anatomisch und verhaltensmäßig moderne Menschen bemerkenswert jung. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass emotional moderne Menschen viel älter sind. Mit „emotional modern“ meine ich jene zweibeinigen Menschenaffen, die mit der Bereitschaft zu teilen und mit empathischen, intersubjektiven Fähigkeiten geboren wurden, welche sich tiefgreifend von jenen unterschieden, wie wir sie bei heutigen Schimpansen beobachten“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mütter und Andere, 2009, S. 98).

Auf die ungewöhnlichen intersubjektiven Fähigkeiten des Menschen hatte erstmals Michael Tomasello, der amerikanische Leiter der Leipziger Forschungsgruppe für Entwicklungspsychologie mit seinen MitarbeiterInnen hingewiesen und im Jahr 2005 hatten sie eine neue Trennlinie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Menschenaffen vorgeschlagen. Sie schrieben:

„Wir sind der Auffassung …, dass der entscheidende Unterschied zwischen der Kognition des Menschen und der anderer Arten die Fähigkeit ist, an gemeinschaftlichen Aktivitäten mit gemeinsamen Zielen und Intentionen mitzuwirken. Im Augenblick kennzeichnet dieses Merkmal zusammen mit unserem außergewöhnlich großen Gehirnvolumen und unserem Sprachvermögen die neue Trennlinie, die uns von anderen Menschenaffen unterscheidet. Entsprechend sind Menschen und nur Menschen darauf ausgelegt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die gemeinsame Ziele und sozial koordinierte Handlungspläne umfassen“. (zit. Aus Blaffer Hrdy: Mütter und Andere, 2009, S. 22/23).

In ihrem die Menschheitsgeschichte revolutionierenden Buch „Mütter und Andere“, in dem Blaffer Hrdy den wissenschaftlichen Beweis führt, wie die Evolution den Menschen zu sozialen Wesen machte, weist sie schon in ihrem einführenden Text auf eine dringend notwendige andere Sichtweise in der anthropologischen und soziobiologischen Wissenschaft hin. Sie schreibt:

„Die Tatsache, dass Kinder so sehr auf Nahrung angewiesen sind, die andere beschaffen, ist ein Grund weshalb diejenigen, die nach allgemeinen menschlichen Merkmalen suchen, gut beraten wären, mit der Bereitschaft zum Teilen zu beginnen“. (ebenda, S. 34).

Die Wissenschaftlerin führt weiter aus:

„Das Teilen von Nahrung mit unreifen Individuen, die zu jung sind, um sich selbst zu versorgen oder die Nahrung richtig zu verwerten, ist ein entscheidendes, aber oft übersehenes Kapitel der menschlichen Entwicklungsgeschichte… Bei keiner anderen Art aber sind unreife Individuen, was ihre Ernährung betrifft, jahrelang so sehr auf andere angewiesen wie beim Menschen“. (ebenda, S. 116).

Das ist der Grund warum hominine Kleinkinder unter anderen Bedingungen aufwuchsen als die Nachkommen aller anderen Primaten. Sie schreibt:

„Vermutlich bereits vor 1,8 Millionen Jahren wurden hominine Junge neben der Mutter von einer ganzen Reihe weiterer Individuen umsorgt und ernährt, und diese Aufzuchtbedingungen schufen die Voraussetzung für das Auftreten eines emotional modernen Menschenaffen“. (ebenda, S. 99).

Aus dieser Tatsache entwickelt sich beim Menschen ein besonders ausgeprägtes kooperatives Aufzuchtverhalten, das die Fürsorge und die Ernährung der Jungen auf mehrere Schultern verteilt. (ebenda, S. 118). Dieses kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen unterscheidet sich signifikant von dem der Menschenaffen, wie den Gorillas, den Orang-Utans oder auch den mit den Menschen genetisch am stärksten verwandten Menschenaffen wie den Schimpansen (pan troglodytes) oder den Bonobos (pan paniscus), wo ausschließlich die Mütter die erste und einzige Quelle von Körperwärme, Fortbewegung, Ernährung und Sicherheit sind. (ebenda, S. 101).

Blaffer Hrdy führt weiter aus:

„Bei Schimpansen, die ebenfalls langsam heranwachsen, werden Jungtiere insofern mit Nahrung versorgt, als ihre Mütter sie nach Nahrung greifen lassen… Doch nur bei Menschen beginnt mütterliches und alloelterliches Nahrungsteilen in den ersten Lebensmonaten und wird dann jahrelang fortgeführt. Auf vorgekaute Säuglingsnahrung folgt „Fingerfood“, und darauf wiederum Nüsse und gekochte Wurzeln, die von Großmüttern und Großtanten gesammelt und oft mühsam zubereitet werden – sowie die köstlichsten Speisen überhaupt, Honig und Fleisch, die der Vater, der Onkel oder andere Jäger mitbringen“. (ebenda, S. 117).

Blaffer Hrdy spricht explizit von der „Schenkbereitschaft“ der Menschengattung. Sie erläutert:

„Fälle von nichtmenschlichen Tieren, die in echter Großzügigkeit freiwillig einen Leckerbissen anbieten, sind selten, außer bei Arten, die, wie der Mensch, eine intensive evolutionäre Geschichte der sogenannten kooperativen Jungenaufzucht haben, bei der Jungtiere gemeinsam umsorgt und ernährt werden. Unter den höheren Primaten genießt der Mensch wegen seiner ständigen Bereitschaft, kleine Gefälligkeiten zu tauschen und Geschenke zu machen, eine Sonderstellung. (ebenda, S. 42).

Die Entstehung von Matrifokalität auf der Grundlage des kooperativen Aufzuchtverhaltens

Aufgrund dieses für den Menschen ausgeprägten kooperativen Aufzuchtverhaltens, das noch vor der Sprachentwicklung eines der Kennzeichen der Menschwerdung ist, erklärt sich nun, warum sich beim Menschen im Pleistozän das Zusammenleben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch als besonders günstig erwies. Schauen wir uns an warum:

 Exogamie ist bei den Paniden genetisch angelegt und wird durch Chemotaxis gesteuert. Das bedeutet beim pan paniscus, dass geschlechtsreife Frauen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Töchter emigrieren, die Söhne bleiben in ihrer Geburts-Familie. Pan paniscus ist also virilokal. (Bott, Gerhard, 2009, S. 17). Das ist möglich, weil die Menschenaffenbabys ausschließlich von der Mutter versorgt werden. Das andere – kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen – verlangt aber ein matrifokales Zusammenleben, das noch besser verständlich wird, wenn die von Kristen Hawkes und ihrem Team erstmals postulierte Großmutterthese in die früheste Soziobiologie des Menschen mit einbezogen wird.

Großmutterhypothese statt Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese

Da sich inzwischen geklärt hat, dass die Jäger in WildbeuterInnengemeinschaften nicht die Hauptversorger der Sippen waren, da ihre Beute viel zu unsicher für die täglich nötige Kalorienzufuhr war, sondern die tägliche Ernährung der Sippe von den Sammelfähigkeiten der Frauen abhing, ist die von patriarchalen Wissenschaftlern favorisierte Jagdhypothese, welche den Mann als Haupternährer und Versorger der Sippe und die Mutter in ökonomischer Abhängigkeit von ihm, in sich zusammengefallen. Die damit verbundene soziobiologische Lehre „Sex für Beute“ ist also falsch. Stattdessen ist dank der anderen Herangehensweise weiblicher Wissenschaftlerinnen die Großmutter-Hypothese in der Anthropologie angekommen. Forschungen der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah an Großmüttern beim wildbeuterisch lebenden Volk der Hazda zeigten nämlich, dass die eifrigsten Nahrungssammlerinnen die Großmütter und Großtanten waren. Blaffer Hrdy fasst die Forschungsergebnisse von Kristen Hawkes und ihren MitarbeiterInnen an den Hazda in Tansania sowie Paul Turkes Forschungsberichte vom Ifaluk-Atoll und Flinns Berichte von Trinidad, die alle die Großmutterhypothese stützen, wie folgt zusammen:

„…die Vorliebe der Hazda-Männer für prestigeträchtiges Großwild wie Elenantilopen hatte zur Folge, dass sie nur selten Beute machten…. An den meisten Tagen kehrten die Männer mit leeren Händen zurück, und es war die Tag für Tag von Frauen gesammelte Nahrung, die die Kinder satt machte. Hawkes und ihren Mitarbeitern fiel noch etwas anderes auf. Die Sammlerinnen, die morgens als Erste das Lager verließen und am Abend als Letzte zurückkehrten, sowie diejenigen, die die schwersten Lasten trugen, waren (anders als man erwarten sollte) nicht junge Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Und es waren auch nicht die Mütter mit hungrigen Kindern, die im Lager auf ihre Rückkehr warteten. Die eifrigsten Nahrungssammlerinnen waren vielmehr alte Frauen mit ledergegerbten Gesichtern, deren Blüte lange zurücklag. In einem wegweisenden Aufsatz mit dem Titel „Hart arbeitende Hazda-Großmütter“ beschrieben die Forscher Großtanten und Großmütter, die, statt die Beine hochzulegen und ihre nicht länger durch die Mühen der Kinderaufzucht belasteten “goldenen Jahre“ zu genießen, härter arbeiteten denn je. Kinder in diesen Wildbeutergruppen, die eine Großmutter oder Großtante hatten, die bei ihrer Ernährung halfen, wuchsen schneller heran. In Zeiten der Nahrungsknappheit hatten diese Kinder höhere Überlebenschancen. Turkes Berichte vom Ifaluk-Atoll, Flinns Berichte von Trinidad und jetzt diese Erkenntnisse über Jäger-Sammler in Tansania wiesen alle auf bemerkenswerte Parallelen zwischen Gruppen mit kooperativer Jungenaufzucht hin. In allen Studien waren es hilfsbereite Alloeltern – ältere Schwestern, Großmütter oder Großtanten -, die Mütter erlaubten, mehr Nachkommen mit besseren Überlebenschancen hervorzubringen“. (ebenda, S. 151/152).

Diese Forschungsergebnisse sind revolutionär, belegen sie doch, dass Großmütter und Großtanten einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der nächsten Generation liefern. Begreift man den Beitrag der Großmütter für die nächste Generation als menschenartgerecht, erklärt sich der evolutionsbiologische Nutzen der ungewöhnlich langen Lebensdauer von Menschenmüttern nach der Menopause, und es wird auch deutlich, dass Menschenmänner auch heute noch im Vergleich zu Frauen eine signifikant geringere Lebensdauer haben.

Auf der Basis der Großmutterhypothese schauten sich die britischen Anthropologinnen Rebecca Sear und Ruth Mace noch einmal die Unterlagen einer Studie über die Gesundheit von Mutter und Kind genauer an, die zwischen 1950 und 1980 vom United Kingdom Medical Research Council bei den Mandinka-Ackerbauern in Gambia erhoben worden waren und zu den aufwändigsten Studien zählt, die in einer traditionellen Gesellschaft jemals durchgeführt wurden. Auch die von den Forscherinnen neu interpretierten Ergebnisse dieser Studien verändern die übliche patriarchale Herangehensweise der Anthropologie in bedeutender Weise, lenken sie doch den Blick darauf, dass die höheren Überlebenschancen von Kindern vor allem an ein matrilineares Verwandtschaftsverhältnis gekoppelt ist. Blaffer Hrdy fasst auch die Ergebnisse der britischen Anthropologinnen Sear und Mace zusammen:

„Aus der Sicht eines Madinka-Kindes war es buchstäblich lebensrettend, wenn es eine ältere Schwester hatte, die babysitten konnte, oder eine Großmutter mütterlicherseits, die zusätzliche Nahrung besorgte und sich um das Kind kümmerte. Die Anwesenheit des leiblichen Vaters, von Großeltern väterlicherseits oder eines älteren Bruders hatte dagegen keine messbaren Auswirkungen auf die Überlebenschancen von Kindern. Wenn aber nach dem Verlust des Vaters ein Stiefvater die Bühne betrat, sanken die Überlebenschancen des Kindes deutlich. Ansonsten hatten Väter, wie es die Forscher unverhohlen formulierten, „absolut keinen Effekt auf den anthropometrischen Status oder die Überlebenschancen eines Kindes“ – sofern Allomütter zur Verfügung standen“. (ebenda, S. 154).

Tatsächlich bietet die wissenschaftliche Focussierung auf Großmütter und insbesondere auf matrilineare Großmütter die Lösung dafür, warum sich beim Menschen im Laufe des Pleistozäns das Leben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch durchsetzte.

 Was bedeutet Matrifokalität?

Matrifokalität bedeutet Mütter im Focus, Mütter im Zentrum und beinhaltete Matrilinearität und Matrilokalität.

 Matrilinearität heißt, dass die Verwandtschaft unilinear matrilinear abgeleitet wurde. Bei einer frei gelebten, wechselnden, von den Frauen durch die biologisch verankerte female choice bestimmten Sexualität war individuelle Vaterschaft nicht nachweisbar und deswegen ohne Bedeutung. Wenn individuelle Vaterschaft keine Bedeutung hat, dann ergibt sich daraus, die Abstammung nur über die Mutter abzuleiten. Matrilokalität bedeutet, dass die Töchter die matrilineare Blutsfamilie nicht verließen. Das war die direkte Folge des kooperativen Aufzuchtverhaltens beim Menschen, um die Ernährung ihrer Kinder durch konsanguinale Verwandtschaftsbeziehungen bestmöglich abzusichern.

Matrifokalität bewegte sich biologisch immer innerhalb der von der freien Entscheidung der Frau bestimmten Sexualität, der sogenannten female choice, die Vergewaltigung ausschließt und der ebenfalls biologisch durch Chemotaxis determinierten Inzestschranke. Das bedeutet, dass in der paläolithischen, matrilinearen, wildbeuterisch, egalitär lebenden Blutsfamilie aufgrund der Inzestschranke die geschlechtsreifen Brüder nicht matrilokal lebten und stattdessen nicht blutsverwandte Männer als Sexualpartner aus anderen Sippen sozial und ökonomisch eingegliedert wurden. Das bedeutet, wir haben im größten Teil des Pleistozäns ein kollektives fürsorgliches Väterbewusstsein, jedoch kein individuelles, aus dem sich „Väterrechte“ ableiten lassen. (Armbruster, Kirsten, 2014)

Die Entstehung der Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung

Die beiden Lieblingsthesen der gängigen Anthropologie und der Archäologie, nämlich die „Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese“ und die auf ihr gegründete weitere These, die „monogame Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung“ bereits für den Anfang der Menschheitsgeschichte zu postulieren, und damit zu suggerieren, das Patriarchat habe es schon immer gegeben, diese Thesen erweisen sich als Kardinalfehler patriarchal-ideologisch geprägter „Wissenschaft“. Das schöne Wort „Kardinalfehler“ verweist auch gleich auf eine weitere Ideologie, dem dieser Fehler ebenso zugrunde liegt: dem Kardinal, und so entlarvt Sprache bis heute das Patriarchat. Wen wundert es, basiert doch auch die Entstehung von Sprache im Pleistozän auf Muttersprache und damit Mutterkultur.

Wie Gerhard Bott in seinem ebenfalls revolutionären Buch „Die Erfindung der Götter“ (Band 1: 2009 und Band 2: 2014) logisch brillant abgeleitet hat, entwickelt sich die Paarungsfamilie und die damit verbundene bilineare Vater-Mutter-Abstammung erst im Laufe des Neolithikums im Zuge der ökonomischen Implementierung von Tierzucht in Form von Herdenhaltung. Mit der Herdenhaltung einher geht ein verändertes Bedeutungsverständnis von männlicher Fruchtbarkeit, welche der weiblichen im Zuge der Herdenhaltung überlegen zu sein scheint, denn im Zuge der Herdenhaltung von Tieren erfahren die Männer, dass nur wenige männliche Tiere ausreichen, um eine weibliche Herde zu begatten. (Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu, 2010, S. 187). Bott schreibt: über den Wandel der unilinear matrilinearen Blutsfamilie zur bilinearen Paarungsfamilie im Modus II/III des Neolithikums:

„Erst jetzt wandelt sich die matrilineare Unilinearität des Verwandtschafts- und Gesellschaftssystems zur Bilinearität, d.h. erst jetzt wird die unilineare Matrilinearität des Verwandtschaftssystems ergänzt durch patrilineare Verwandtschaft. An die Stelle der allein auf die Mutter bezogenen Blutsfamilie tritt die auf die Eltern bezogene Paarungsfamilie, die auch als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft institutionalisiert wird, und zwar vom Mann, eine neue Familienform, welche die Blutsfamilie ersetzt und zersetzt, indem das genossenschaftliche Gesamthandseigentum privatisiert wird zum Privateigentum… Erst mit der neolithischen Paarungsfamilie, die durch die Heilige Hochzeit geheiligt wird…, kann der Mann Patrilinearität, Patrilokalität der Exogamie und Patrifokalität durchsetzen“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 130).

In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich auf den falschen und irreführenden Matriarchatsbegriff hingewiesen. Wie in dieser soziobiologischen Freilegung von Matrifokalität deutlich sichtbar wurde, hat es eine Mütterherrschaft – was der Spiegelbegriff Matriarchat zu Patriarchat assoziiert – nie gegeben, weshalb der Begriff schon an sich unsinnig ist. Noch unsinniger wird er allerdings durch die Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth, die ausgerechnet die „Heilige Hochzeit“- auch noch in der neusten Auflage ihres Buchs „Die Göttin und ihr Heros“ (2011) -, zum Kernstück eines angeblichen Matriarchats erhoben hat, womit sie ihre völlige Unkenntnis der soziobiologischen Menschheitsgeschichte offenbart und durch diese Unkenntnis gleichzeitig untermauert, dass der Matriarchatsbegriff in jeder Hinsicht abzulehnen ist, weil er großen Schaden bei der patriarchatskritischen Freilegung menschlicher Geschichte anrichtet.

 Schlussfolgerung: Matrifokalität und das Fehlen von Krieg

Zum Abschluss dieser evolutionsbiologischen Abhandlung zur Menschheitsgeschichte, welche die neusten evolutionspsychologischen Erkenntnisse eines empathischen, altruistischen, schenkbereiten, hypersozialen Ursprung des Menschen mit der soziobiologischen matrifokalen Lebensform des Menschen kausal in Zusammenhang stellt, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass menschliche Kultur im Pleistozän und auch noch in weiten Teilen des Neolithikums geprägt ist durch das Fehlen eines der Hauptmerkmale des Patriarchats, nämlich dem FEHLEN VON KRIEG. Gewalttätige Auseinandersetzungen in Gruppen konnte die Archäologie nämlich erst im Laufe des Neolithikums um 6300 v.u.Z. in der Ofnethöhle im süddeutschen Nördlinger Riess feststellen, wo an sechs Schädeln Hiebverletzungen nachweisbar waren. Der nächste Fund, der auf Gewalteinwirkung schließen lässt, konnte archäologisch erst wieder eintausenddreihundert Jahre später, 5000 v.u.Z. ebenfalls in Deutschland, in Talheim bei Heilbronn ausgemacht werden. Das Kriegszeitalter selbst beginnt mit der Bronzezeit, dem ersten Auftauchen von Streitwagenkriegern ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und ist eng korreliert mit der Metallgewinnung durch Bergbau und der Pferdedomestikation, die Voraussetzung waren für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung und interessanterweise mit der erstmaligen namentlichen Nennung von Göttern und Göttinnen zeitlich einhergehen. (LINK Zeitgeschichtstafel).

Das bedeutet, dass die Menschheit den allergrößten Teil ihrer Geschichte ihrer hypersozialen Natur gemäß in Frieden lebte, was eine soziologisch kulturelle Großleistung und der Tatsache geschuldet ist, dass die Mütter im Zentrum menschlicher Gemeinschaft standen. Matrifokalität war also nicht nur die Voraussetzung für menschliche Kulturentwicklung, sondern auch der Garant für Frieden. Es bedeutet auch, dass mit der Zerstörung von Matrifokalität wenig später das Kriegszeitalter beginnt, dessen Heroisierung Gegenstand der geschriebenen patriarchalen History ist, während die Herstory, die wesentlich längere und kulturell bedeutungsvolle Menschheitsgeschichte der Matrifokalität von der patriarchalen Geschichtsschreibung unterschlagen wird.

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter Im Zentrum, 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, 2009 und 2014

Flinn, Mark V.: Household composition and female reproductive strategies in a Trinidadian village in: The sociobiology of sexual and reproductive strategies, hg von A. E. Rasa, C. Vogel und E. Voland, 1989, S. 206-233

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 2011

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.G. Blurton Jones: Hardworking Hadza grandmothers in Comparative socioecology; The behavioral ecology of humans and other mammals, hg. Von R.A. Foley, 1989, S. 341-366

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.g. Blurton Jones: Hadza women´s time allocation, offspring provisioning and the evolution of post-menopausal lifespans; Current Anthropology, 38, 1997, S. 551-577

Sear, Rebecca, Fiona Steele, Ian A. McGregor und Ruth Mace: The effects of kin on child mortality in rural Gambia; Demography, 39, 2002, S. 43-63

Sear, Rebecca: Kin and child survival in rural Malawi. Are matrilineal kin always beneficial in a matrilineal society? Human Nature, 19, 2008, S. 277-293

Tomasello, Michael, Malinda Carpenter, Josep Call, Tanya Behne und Henrike Moll: Unterstanding and sharing intentions. The origins of cultural cognition: Behavioral and Brain Sciences 28, 2005, S. 675-691

Turke, Paul: Helpers at the nest; Childcare networks on Ifaluk in: Human reproductive behavior. A Darwinian perspective, hg von L. Betzig, M. Borgerhoff Mulder und P. Turke, 1988, S. 173-188

Von Klimaveränderungen und dem Beginn des Neolithikums

 

Klima

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis unserer Geschichte und dem Verständnis, wie das Patriarchat enstand. Hier der erste Teil der Trilogie.

https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/von-klimaveraenderungen-und-dem-beginn-des-neolithikums

 

Von ohnmächtigen Müttern

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Aus dem Buch:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 220-224

Herrschaft wurde über Theologie erst richtig politisch internalisiert, das heißt zur Macht befähigt, und bis heute ist Politik nicht entkoppelt von diesen Theologien. Die Dreierphalanx aus herdenideologisierter Wirtschaft, patriarchaler Machttheologie und Politik bilden auch in unseren Tagen den Paradigmenmix für unser Denken und unser Handeln. Die von jeglichen Emotionen, jeglicher Empathie und jeglichem Altruismus befreite Wissenschaft, welche die reine Ratio essentialisiert und dabei die Weisheit verraten hat, ist nur eine Dienerin der Dreierphalanx aus Ökonomie, Theologie und Politik und verschlimmert damit die Situation. Als Reparaturmechanismen dieses maroden und natürlich völlig unzeitgemäßen Systems wurden die letzten Jahre ökologisches, soziales und feministisches Gedankengut in dieses System integriert, wohlbemerkt integriert. Die Ökologie, die Natur müssen sich in der patriarchalen Logik immer der Ökonomie unterordnen, dass bedeutet de facto, dass die Erde, das Wasser und die Luft, ohne die ein Leben gar nicht möglich ist, immer dem Geld untergeordnet werden. Dies hat zur Konsequenz, dass nicht die Person das meiste Geld bekommt, die am meisten dafür sorgt, dass unsere Lebensgrundlage erhalten bleibt, sondern die Person, die am skrupellosesten und zerstörerischsten mit unseren Ressourcen umgeht. Diese Reihenfolge der patriarchalen Prioritäten ist in ihrer Kurzfristigkeit absurd, und die Absurdität kann an einer ganz einfachen mathematischen Reihe aufgezeigt werden. Man frage sich nur einmal, wie lange ein Mensch ohne Luft, ohne Wasser, ohne die Erde, oder aber ohne Geld überleben kann. Schnell wird offensichtlich, dass Luft und Wasser die sensibelsten Lebensparameter sind, und es daher sinnvoll wäre, diejenigen am meisten zu bezahlen, die am besten diese lebensbestimmenden Elemente bewahren.

Analog zur Ökologie müssen sich Mütter und Kinder ebenso dem Diktat einer patriarchalisierten Ökonomie unterordnen. Das heißt, eine Mutter hat entweder die Wahl, sich finanziell in völlige Abhängigkeit von einem Mann zu begeben, weil ihre Arbeitsleistung der Schwangerschaft, der Geburt, der Ernährung und der Fürsorge für ein neues Menschenleben, die sogenannte Reproduktionsarbeit als ökonomisch nicht relevant und damit nicht geldwert erachtet wird. Oder aber sie hat die Möglichkeit, sich möglichst schnell wieder in die geldwerte, nach patriarchalen Prinzipien funktionierende Ökonomie, einzuordnen. Diese Entscheidung zahlt sie dann psychologisch mit schlechtem Gewissen, Trennungsängsten, Dauerorganisationsstress und einer permanenten Angst vor jeder Kinderkrankheit, weil dann jedes Mal eine Betreuungsumorganisation vonnöten ist. Von jeder Mutter, aber auch von jedem sozialen und partnerschaftlich orientierten Vater wird gefordert, dass sie sich, wenn sie im ökonomischen Konkurrenzkampf bestehen wollen, dem patriarchalen Dogma „Oeconomy first“ unterordnen. Das bedeutet, dass Eltern und Kinder in ungleich höherem Maß perfekt funktionieren müssen als Singles, um in diesem auf reinem Wettbewerb getrimmten System nicht abzurutschen. Nicht umsonst sind Kinder in unserer Gesellschaft das größte Armutsrisiko. In der Praxis heißt dies, Familien stehen in unserem patriarchalen System unter Dauerdruck. Sie sind kaum Orte der Gelassenheit, des Optimismus oder der Lebensfreude, was sie eigentlich sein sollten. Sie sind vielmehr durchorganisierte Hochleistungszentren, die täglich darum kämpfen, ihre Kinder optimal in dieser auf Wettbewerb beruhenden Gesellschaft zu positionieren. Kein Wunder, dass Familien, die eigentlich Orte der Geborgenheit sein sollten, besonders häufig Orte der Gewalt und der Verzweiflung sind, und ein großer Teil der Ehen diesen Bedingungen nicht standhält und kaputt geht. Kinder müssen sich in unsere patriarchal-ökonomisch definierte Funktionalität perfekt einfügen. Sie dürfen nicht mehr träumen, sie dürfen nicht mehr trödeln, und sie dürfen auch nicht mehr krank sein, obwohl es Teil ihrer natürlichen Entwicklung ist, sowohl die Welt in einem langsamen Tempo zu entdecken, als auch ihr Immunsystem über eine Auseinandersetzung mit diversen Krankheitserregern erst einmal aufzubauen. Aber hierzu ist Zeit der Pflege und der Erholung vonnöten, die wir in unserem gehetzten Leben niemandem mehr zugestehen. Kinder müssen auch, in unserer auf Effektivität und Effizienz getrimmten patriarchalen Welt, Selbstläufer sein in der Schule. Sind sie das nicht, was eher die Regel als die Ausnahme ist, so ist ein elterlicher, meistens mütterlicher Leistungsmarathon vonnöten. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, Eltern-Kind-Schulgespräche, Eltern-Lehrer-Schulgespräche, Ergotherapie, Logopädie, Medienkompetenz sind angesagt, die Eltern und Kinder gleichermaßen stark unter Erfolgsdruck und Stress bringen. Daneben gibt es die ganz normalen ganzheitlichen Förderprogramme wie Musikunterricht, Ballettunterricht, Sportunterricht, Vereinsarbeit, und die dazu nötigen Fahrdienste zu bewältigen. All dies erledigen die heutigen Supereltern neben einem möglichst beidgeschlechtlichen Vollzeitjob, der selbstverständlich allererste Priorität genießt, nebenbei. Die Hausarbeit wie Putzen, Kochen, Spülen, Einkaufen, Waschen, Bügeln und Reparieren, erledigt sich abends und am Wochenende ganz von selbst, oder wird im Niedriglohnsektor zu 99,9 % von Putz-Frauen nicht -Männern erledigt, damit wenigstens noch ein wenig Zeit bleibt für Nebenbeibeschäftigungen wie Trösten, Vorlesen, Singen, Schmusen, Kuscheln, Reden, Erzählen, Toben, Spielen oder auch Streiten.

Von der Gesellschaft wird ganz selbstverständlich in solchen Situationen erwartet, dass eine Oma im Hintergrund bereit steht, welche die geforderte Flexibilität unseres Arbeitsmarktes jederzeit auffängt. Das heißt, unser patriarchales ökonomisches System beruht, nach wie vor, auf der kostenlosen Arbeit oder Niedriglohnarbeit von Frauen. Hat jemand keine Oma in der Nähe, weil man ja bereits, aufgrund der ebenfalls von der Ökonomie geforderten Mobilität, den heimatlichen Wohnort verlassen hat, sind geldwerte Leistungen für eine fremde Betreuungsperson erforderlich. Dies mag für gut Verdienende erschwinglich sein, aber eine Durchschnittsverdienende wird schnell feststellen, dass am Monatsende von ihrem Verdienst nichts übrig geblieben ist. Unsere neue Art der Berufstätigkeit von Müttern, wird daher vor allem auf Kosten von Großmüttern ausgetragen. Dies mag in unserer Generation noch funktionieren, aber bereits in der nächsten Generation, sind ja die Omas selbst berufstätig. Wer übernimmt dann die flexible Kinderbetreuung? Auch unsere wünschenswerte Ausdehnung der Kinderbetreuung auf Männer, seien es die genetischen Väter oder andere männliche Bezugspersonen, löst nicht das eigentliche Problem, dass Kinder in unserer patriarchalen Ökonomie als soziale Randfaktoren betrachtet werden. Ein partnerschaftlich gesinnter Mann, der sich seinen Kindern widmen will, wird nämlich dieselben Probleme haben, wie die Mütter: Die Zerrissenheit zwischen zwei Welten, die diametral entgegengesetzten Gesetzmäßigkeiten folgen: Die heutige auf Konkurrenz, maximaler Leistung, Schnelligkeit, Flexibilität und Mobilität beruhende Berufswelt der geldwerten Ökonomie und der natürlichen, nicht auf ein Jahr, sondern auf zwanzigjähriger Gehirn- und Persönlichkeitsreifung beruhenden Entwicklung eines Homo sapiens.

Wir merken anscheinend nicht, dass wir es, mit der auf der patriarchalen Herdenideologie beruhenden Ökonomie, die erstmals die Frauen und Mütter von der Ökonomie ausschloss, mit einem Systemfehler zu tun haben. Wir merken anscheinend nicht, dass die Ökologie, die Natur, die begrenzten Ressourcen unseres Planeten im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen. Wir merken auch nicht, dass die Mutter und die Kinder im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen, und nicht eine auf maximale Akkumulierung und damit Ausbeutung beruhende Ökonomie. Das Leben auf Erden ist an Mütterlichkeit gebunden. Das ist das Naturgesetz der Erde. Die Erde selbst ist, wie alle Naturvölker wussten und bis heute wissen, eine Mutter, und die Natur hat die Mutter dazu eingesetzt neues Leben zu gebären und zu nähren. Deshalb bevorzugt die Natur auch eine mütterliche, fürsorgende Art der Erden-Haushaltsführung und keine patriarchal ausbeuterische, hierarchische und kriegerische, wie sie die letzten Jahrtausende verbreitet wurde. Wird die mütterliche Art der Erden-Haushaltsführung nicht praktiziert, entstehen Krieg, Ausbeutung, Sklaverei, Folter, schweres Leid, Mangel, Not, Elend, Traumatisierung und Unheil, das heißt: Das Leben kann unter solchen Bedingungen nicht funktionieren, es entsteht Chaos, Agonie. Die mütterlichen Urgesetze der Erde scheinen den meisten Menschen heute wie hinter einem undurchsichtigen Schleier verborgen. Dies führt zu einer Orientierungslosigkeit, die praktisch alle Bereiche unseres Lebens durchzieht, einer Verwirrung, die durch eine patriarchalisch angemaßte Definitions- und Erziehungsmacht, verursacht und über Jahrtausende mit Gewalt durchgesetzt wurde. Diese Orientierungslosigkeit ist das Ergebnis einer durch falsche Werte internalisierten gewaltinduzierten Herrschaftsmacht, welche die Welttheologien, die Geschichte, das gesamte ethische Wertesystem, die Philosophie, die Psychologie, die Sexualität, die Soziologie, die Archäologie, die Anthropologie, das Bildungssystem und die Wirtschaft okkupiert hat: Es bedeutet de facto, dass sich unsere gesamte Gesellschaft im werteinternalisierten Belagerungszustand befindet, verursacht durch eine Jahrtausende währende Gehirnwäsche: Unsere Geschichte und damit die Wurzeln unserer Gesellschaft, unserer rein männlich ausgerichteter Arbeits-Wirtschafts-Wachstumsmythos, der unseren Lebensraum Erde an den Rand des Kollaps katapultiert hat, und unsere soziologische Struktur, die behauptet, dass der Krieg die Mutter aller Dinge ist, verkennend, dass der Krieg erst mit der Machtübernahme des Vaters überhaupt erst in die Welt kam, all dies befindet sich in einem Zustand der Fälschung, der Lebenslüge. Wenn wir diese Lebenslüge enttarnt haben, können wir ein neues Denken entwickeln, ein Denken, das ich mit dem Begriff Gaiakompetenz umschreibe.

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Weltweit finden wir Mutterberge und Landschaftsahninnen, die das Wissen um die Alte Religion von Gott der MUTTER aus der Zeit des Paläolithikum und des Neolithikum bewahrt haben. In meinem Buch: „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ (2010), habe ich mich auf die bis heute in der Landschaft erhalten gebliebenen Spuren dieser Ältesten Religion begeben. Wir finden sie nicht nur in der Schweiz am Materhorn (Matterhorn) , sondern auch bei der Chomulung-Ma, der „Mutter des Universums“, dem höchsten Berg der Welt in Nepal, der in typisch europäisch-patriarchaler Überlegenheit unter dem Namen Mount Everest, benannt nach dem britischen Landvermesser Sir George Everest, weltbekannt ist. Wir finden diese Religion bei der Anna-Purna, der „nahrungsspendenden Göttin“, aber auch in Japan bei der Fujiya-Ma, in Tansania, in Afrika bei der Kili-Ma-Njaro, bei der Da-Ma-Vand im Iran, bei der Ararat in der Türkei, welche die Türkinnen Agri dagi und die Armenierinnen Ma-sis nennen. Wir finden sie ebenfalls bei der Bergmutter Athos, die Frauen heute nicht mehr betreten dürfen, obwohl sie im Griechischen „To perivoli tis Panagias“ heißt, was der Garten der Gottesmutter bedeutet und eigentlich „Der Garten von Gott der MUTTER“ meint. Die uralte mütterliche Religion wird aber auch sichtbar bei der großen Bergmutter Ma-cchu Picchu in Peru, der Gebieterin des Westens im Tal der Königinnen in Luxor in Ägypten, die als Vorbild für die Pyramiden der patriarchalen Pharaonen diente oder auch bei der Uluru in Australien.  Mit zahlreichen Abbildungen und Informationen werden die Mutterberge in dem nachfolgenden pdf-Dokument wieder sichtbar und zeigen einen wesentlichen Aspekt von der in der Natur und deshalb bis heute in der Landschaft verwurzelten Religion auf.

Das vorliegende pdf-Dokument zum Wiederentdecken aus dem Buch

„Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 45-59“

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Patriarchatskritik – Anstoß für eine überfällige Gesellschaftsdebatte

Die Menschheit lebt bis auf wenige Ausnahmen seit dem Beginn der Bronzezeit (Beginn: 3300 v.u. Zeitrechnung im Vorderen Orient, 2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa), in der kriegerischen Gesellschaftsform des Patriarchats.

Patriarchat heißt Herrschaft der Väter. Patriarchat bedeutet, dass unser ganzes Denken von dem bestimmt wird, was Väter in einer langen patrilinearen Ahnenreihe gedacht, gesagt, aufgezeichnet, gelehrt, gepredigt, geschrieben, befohlen, als scheinbar richtig definiert und mit Gewalt und waffenbasierter Kriegsführung durchgesetzt haben. Das hatte zur Folge, dass das Leben seit ein paar Tausend Jahren einer manipulativen Gehirnwäsche unterzogen wurde und bis heute wird, die zu einer Verschiebung der Internalisierung von Werten geführt hat, die auf das Leben insgesamt tief zerstörerisch wirkt.

Die Patriarchatskritik decodiert die Gehirnwäsche des Patriarchats, der wir alle ausgesetzt sind, mithilfe eines wissenschaftlichen, interdisziplinären Forschungsansatzes, in der Erkenntnisse der Archäologie, der Anthropologie, der Religionswissenschaften, der Linguistik, der Soziologie, der Biologie, der Genetik, der Kulturwissenschaften und der Landschaftsmythologie einfließen. Schwerpunktmäßig betrifft die Patriarchatskritik folgende Themenbereiche:

 

  • Die Geschichtsschreibung, welche die soziologische Lebensform der Matrifokalität und die damit einhergehende Kulturleistung der Mütter während des größten Teils der Menschheitsgeschichte negiert und unterschlägt
  • Die Theologien, welche die ursprüngliche, in der Natur verankerte, mütterliche Religion versucht haben zu zerstören, um männliche Herrschaft durch erfundene, dogmatisch niedergeschriebene, theologische Ideologien zu legitimieren
  • Die Kontrolle der Sexualität und der Gebärfähigkeit der Frauen durch patriarchale Familienkonstellationen, Jungfernkult und männlichen Fruchtbarkeitswahn, die einerseits zu erheblichen Beschneidungen weiblicher Lebensfreiheit, einer Trennung der menschenartwichtigen Großmutter-Mutter-Tochter-Beziehung und andererseits weltweit zu exponentiellem Bevölkerungswachstum geführt haben
  • Die kriegsbasierte Installation von Vaterstaaten auf der Basis der patriarchalen Verquickung von Politik, Rechtssprechung, Theologie, Wissenschaft und Militär
  • Die kapitalistische Form der Wirtschaft, die auf der Ausbeutung der Natur und der Frau fußt und ihren Anfang hat mit dem Beginn der Rinderdomestikation (circa 6500 v.u.Z.) und der damit verbundenen, menschengeschichtlich ersten Privateigentumsbildung auf der Grundlage der capites, den Häuptern einer Herde und sich hierarchisch zementiert mit dem Beginn des Metallzeitalters
  • Die Definition des Arbeitsbegriffs, welche die Carearbeit als nicht geldwert belegt und deshalb Mütter erheblich finanziell diskreditiert

 

Die Patriarchatskritikforschung denkt radikal, das heißt ihre Forschungen sind verwurzelt in der Natur, welche die Grundlage des Lebens ist, und sie beginnt am Anfang der Menschheitsgeschichte. Durch diesen radikalen, im Leben verwurzelten und gleichzeitig wissenschaftlich interdisziplinären Ansatz konnte die Patriarchatskritikforschung nachweisen, dass das Patriarchat menschengeschichtlich nicht schon immer da war, sondern erst seit ein paar Tausend Jahren existiert. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat auch nicht gottgewollt ist, sondern sich lediglich mit erfundenen Theologien ein Gottesbild geformt hat, um die ursprüngliche göttliche Mutter vergessen zu machen, und eine Herrschaft der Väter theologisch zu legitimieren. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat die Sexualität und die Gebärfähigkeit der Frau kontrollieren will und deshalb die einzigartige Potenz der Frau, Mutter zu werden, den Angriffen des Patriarchats besonders ausgesetzt ist. Und sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat weder menschenartgerecht noch natürlich ist, sondern der Natur und dem Leben gegenüber tiefgreifend zerstörerisch wirkt, so dass es höchste Zeit ist, den zerstörerischen patriarchalen Indoktrinationen wirksam entgegenzutreten.

Die Patriarchatskritik delegitimiert die Definitionsmacht des Patriarchats und entlarvt sie als androzentrischen Irrtum, wie Gerda Lerner es 1995 bereits in ihrem Buch „Die Entstehung des Patriarchats“ treffend formuliert hat. Lerner schrieb:

„Historiker haben das Wirken von Frauen zugeschüttet“ (S. 279) … Frauen hatten keine Geschichte – das wurde ihnen gesagt, und das glaubten sie. So war es letzten Endes die Hegemonie des Mannes über das anerkannte Symbolsystem, durch die die Frauen am entschiedensten benachteiligt wurden“. (S. 272).

Und sie präzisiert weiter:

„Diese Wirkung der männlichen Hegemonie war für Frauen besonders schädlich und hat ihren untergeordneten Status für Jahrtausende fixiert. Dass den Frauen eine eigene Geschichte versagt worden ist, hat immer erneut dafür gesorgt, dass Frauen die Ideologie des Patriarchats akzeptierten, was ihr Selbstwertgefühl nachhaltig unterminiert hat. Die Männer-Version der Geschichte, legitimiert als „allgemeingültige Wahrheit“, hat Frauen als Randfiguren der Zivilisation und als Opfer der geschichtlichen Entwicklung dargestellt“. (S. 276).

Lerner bringt es auf den Punkt, indem sie benennt, dass Frauen durch das Zuschütten der eigenen Geschichte das Stigma der Bedeutungslosigkeit erhalten haben (S. 277).

Mit dem Stigma der Bedeutungslosigkeit, damit kämpfen Frauen bis heute, egal ob es um das geht, was Frauen sagen, was sie schreiben, was sie arbeiten. Was Frauen machen, ist nichts wert oder viel weniger wert als alles, was ein Mann tut. Das ist so definiert im Patriarchat. Und Gerda Lerner erkennt und benennt deutlich, dass eine der wesentlichen Ursachen für die uneingeschränkte Macht der Männer, verbindliche Symbolsysteme zu schaffen am Monopol der Männer beim Festlegen von Definitionen liegt. (S. 272). In ihrer vortrefflichen Analyse des Patriarchats führt sie hierzu weiter aus:

„Auf der Basis solcher symbolischen Konstrukte, die eingebettet sind in die griechische Philosophie, die jüdisch-christliche Theologien und die Rechtstradition, auf die die westliche Kultur gegründet ist, haben Männer die Welt in ihren eigenen Begriffen erklärt und die Leitfragen in einem Sinn definiert, der sie selbst in den Mittelpunkt des Diskurses rückt. Indem sie unter die Begriffe jemand, man, jedermann die Frau subsumierten und ihnen die Repräsentation der ganzen Menschheit zuschrieben, haben Männer einen begrifflichen Irrtum von ungeheurer Wirkung in das gesamte Denken eingefügt“. (S. 272/273).

Gerda Lerner fordert zur Richtigstellung dieses androzentrischen Irrtums eine radikale Umstrukturierung des Denkens und der Analyse durch Frauen. Sie schreibt weiter:

„Die vielleicht größte Herausforderung für denkende Frauen ist die Aufgabe, den Wunsch nach Sicherheit und Zustimmung hinter sich zu lassen und die „unweiblichste“ aller Eigenschaften zu entwickeln – intellektuelle Arroganz, die höchste Form der Hybris, die sich das Recht zubilligt, die Welt neu zu ordnen“. (S. 283).

Während Simone de Beauvoir, die Ikone des europäischen Feminismus, in ihrem einflussreichen Buch „Das andere Geschlecht“ (1968, S. 13) noch den androzentrischen Irrtum übernahm und den Frauen, wie im Patriarchat gang und gäbe, unterstellt, dass sie keine eigene Vergangenheit, keine Geschichte und keine Religion hätten, hat die Patriarchatskritikforschung diesen Irrtum des Feminismus längst widerlegt, den androzentrischen Irrtum korrigiert, die Vergangenheit mithilfe der Patriarchatskritikforschung neu geordnet und definiert. Mit dieser Neudefinition von Geschichte und Gesellschaft wurde der patriarchal gewollte Opferstatus verlassen und die denkerische Grundlage geschaffen, die Zukunft des Lebens auf der Erde tiefgreifend umzugestalten. Diese Umgestaltung kann gemeinsam mit patriarchatskritischen Männern und Vätern geschehen, denn nicht der Mann im Allgemeinen und der Vater im Besonderen ist das Ziel der Patriarchatskritik, sondern das Gesellschaftssystem des Patriarchats als zerstörerisches Herrschaftssystem.

Literatur zum Thema:

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, Norderstedt, 2013

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur; Weckruf für Zukunft; Norderstedt, 2014

Orientierung: Gut zur Einführung ins Thema: bewusst sehr kompakt und preiswert, Wichtige Zeittafel in dem Buch „Gott die MUTTER“ zum besseren Verständnis der matrifokalen Geschichte und der Patriarchalisierung mit Beginn des Wechsels von der Steinzeit hin zum Metallzeitalter

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, Norderstedt, 2013

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER; Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, Norderstedt, 2014

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, Riedenburg, 2010

Orientierung: Weiterführung des Themas, insbesondere, um die vom Patriarchat unsichtbar gemachte weibliche Menschheitsgeschichte out of africa nach Europa ins weibliche Bewusstsein zurückzuholen und den Beginn der Patriarchalisierung zu verstehen; In dem Buch „Das Muttertabu“ wird auch der „Mythologische Muttermord“ ausführlich behandelt. Dort findet sich neben einer patriarchatskritischen Abhandlung des Monotheismus auch eine patriarchatskritische Abhandlung über den Buddhismus und den Hinduismus

Armbruster, Kirsten: Mit Hagazussa durch das Jahr; eine Magische Hexengeschichte für Groß und Klein, Norderstedt, 2015

Orientierung: Die entpatriarchalisierten Jahreskreisfeste in Märchenform auch für Schulkinder zum Vorlesen geeignet

Armbruster, Kirsten: Je suis Charlène – Was Sie schon immer über Religion wissen wollten – Mit einem politischen Statement, Norderstedt, 2015

Orientierung: Humoreske und Politik unter Einbeziehung des Islam

Armbruster, Kirsten: Starke Mütter verändern die Welt; Was schiefläuft und wie wir Gutes Leben für alle erreichen, Rüsselsheim, 2007

Blog:

kirstenarmbruster.wordpress.com

 www.kirsten-armbruster.de

 

 

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere – Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat, Berlin 2010

Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur, Berlin 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie; Norderstedt, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter Band 2; Norderstedt, 2014

Daly, Mary: Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des Radikalen Feminismus, München 1991

De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht; Sitte und Sexus der Frau, Hamburg, 1968

Derungs, Kurt und Isabelle M.: Magische Stätten der Heilkraft: Marienorte mythologisch neu entdeckt. Quellen, Steine, Bäume, Pflanzen, Grenchen, 2006

Eisler, Riane: The Real Wealth of Nations, San Francisco 2008

Felber, Christian: Gemeinwohlökonomie; Wien, 2014

Fester, Richard; König, Marie E.P.; Jonas, Doris F.; Jonas A. David: Weib und Macht – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau, Frankfurt am Main, 1980

Finkelstein, Israel und Silbermann, Neil A.: Keine Posaunen vor Jericho; Die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2004

Gimbutas Marija: Die Zivilisation der Göttin; Frankfurt am M., 1996

Gimbutas, Marija: Die Sprache der Göttin; Frankfurt am. M., 1998

Haarmann, Harald: Die Indoeuropäer; Herkunft, Sprachen, Kulturen, München 2010

Haarmann, Harald: Weltgeschichte der Sprachen; Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart, München, 2010

Haarmann; Harald: Geschichte der Sintflut; Auf den Spuren der frühen Zivilisationen, München 2005

Hamel, Elisabeth: Das Werden der Völker in Europa; Forschungen aus Archäologie, Sprachwissenschaft und Genetik, Berlin, 2007

James, E.O.: Der Kult der Großen Göttin, Bern 2003

König, Marie E.P.: Am Anfang der Kultur; Die Zeichensprache des frühen Menschen, Wien, 1981

Kutter, Erni: Der Kult der drei Jungfrauen; Eine Kraftquelle Weiblicher Spiritualität neu entdeckt, Norderstedt

Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats, Frankfurt a.M., 1995

Meier-Seethaler, Carola: Von der göttlichen Löwin zum Wahrzeichen männlicher Macht; Ursprung und Wandel großer Symbole, Zürich, 1993

Merchant Carolyn: Der Tod der Natur, Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft, München, 1994

Mies, Maria, Shiva, Vandana: Ökofeminismus: die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker – Eine neue Welt wird geboren, Neu-Ulm, 2016

Mulack, Christa: Religion ist zu wichtig, um sie den Männern zu überlassen; Die Göttin kehrt zurück, Stuttgart, 2011

Scheidler, Fabian: Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation, Wien, 2016

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung; Bergisch Gladbach, 2003

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt, Norderstedt

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht; Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte, Norderstedt, 2011, 2012

Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu, Stuttgart 2006

Walker, Barbara: Das Geheime Wissen der Frauen, Ein Lexikon, München, 1995

Walker, Barbara: Die geheimen Symbole der Frauen; Lexikon der weiblichen Spiritualität, München 1997

Weiler, Gerda: Der Aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine Feministische Anthropologie, Frankfurt am Main, 1994

Winker, Gabriele: CARE Revolution, Schritte in eine Solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015

Die Baskinnen und warum drei Viertel unserer Gene von ihnen abstammen

Das einzige Volk in Europa, das bis heute vorindoeuropäische matrifokale Wurzeln erhalten hat, ist das Volk der Baskinnen in Südfrankreich und Nordspanien, wo nicht zufällig der Caminos Francés, der Hauptweg des Muschelwegs beginnt, den das Patriarchat Jacobsweg nennt. Die Baskinnen sind nicht nur religionssoziologisch von besonderem Interesse, weil , wie der baskische Archäologe José Miguel de Barandiarán schreibt, die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich sind. (Siehe hierzu: Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014, S. 57-73) . Sie sind auch linguistisch und genetisch von besonderem wissenschaftlichen Interesse. In meinem Buch „Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 103-11“, habe ich mich auf die lingusitischen und genetischen Spuren der Baskinnen begeben.  Hier das pdf Dokument dazu:

Die Basken und warum drei Viertel unserer Gene von ihnen abstammen

Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung

Zeittafel aus dem Buch: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus von Armbruster, Kirsten, 2013


Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung

I. Zeit der Heiligen Steine : Zeit der Matrifokalität

1. Paläolithikum (Altsteinzeit)

Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann

500 000 bis 300 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Tan-Tan in Marokko mit rotem Ocker

300 000, eventuell sogar 600 000 v.u.Z.: Älteste Begräbnisstätte (mortuary site) in Europa in der Höhle von Sima de los Huesos (Pit of the Bones), Atapuerca, Burgos, Spanien

280 000 bis 250 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Rebekhat Ram aus rotem Tuffstein, Golanhöhen, Israel/Syrien

100 000 v.u.Z.: Bisher ältestes erhaltenes Grab in der Höhle von Qafzeh bei Nazareth in Israel

40 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Willendorf, Wachau, Österreich
25 000 bis 20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Laussel, Dordogne, und Lespugue, Haute Garonne, Frankreich

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Dolni Vestonice, Mähren, Tschechien

20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Avdeevo, Russland

18 600 v.u.Z.: Älteste Bestattung in Deutschland in der Mittleren Klausenhöhle in Essing (Cro-Magnon-Mensch), Altmühltal, Bayern. Der circa 30-jährige Tote war in eine dicke Schicht Rötel gehüllt.


2. Neolithikum (Jungsteinzeit)

ab 10 500 v.u.Z. in Anatolien und Vorderer Orient
ab 6500 v.u.Z. in Südosteuropa
ab 5500 v.u.Z. in Mittel- und Westeuropa

Beginn der Sesshaftigkeit mit Gartenbaukulturen und Kleintierhaltung vor allem als weibliche Ökonomie, weiterhin ergänzende Jägerökonomie; 7000 v.u.Z.: Beginn der Rinderdomestikation als hauptsächlich männliche Ökonomie (Cowboyökonomie)?


II. Metallzeitalter: Zeit des Patriarchats

1. Chalkolithikum (Kupfersteinzeit)

ab dem späten 5. Jahrtausend v.u.Z. im Vorderen Orient
ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

Beginn von patriarchalen hierarchischen Gesellschaftsstrukturen

4500 v.u.Z. Beginn des Pflugackerbaus
4000 v.u.Z.: Beginn der Pferdedomestikation
Beginn erster hierarchischer Gesellschaften mit Herrschergräbern in Arsan Tepe in Anatolien mit einer Grabbeigabe von Kupferschwertern und um 4500 v.u.Z. in Warna am Schwarzen Meer im heutigen Bulgarien mit Kupferwaffen, einer Muttergottheit und dem ältesten Goldfund weltweit (Haarmann, Harald, 2005, S. 79; Bott, Gerhard, 2009, S. 317)

2. Bronzezeit: Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient
2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

3500 v.u.Z.: Auftauchen der ersten Streitwagenkrieger als Voraussetzung für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Hierzu zählen die Sumerer, die indoeuropäischen Kurgan-Völker (Hethiter, Arier, Churriter, Achäer) und die hamito-semitischen Akkader, Amoriter und Aramäer (Bott, Gerhard, 2009, S. 395/396)

ab 3300 v.u.Z. erste namentlich erwähnte männliche Vegetationsgötter in Mesopotamien Ea/Enki, in Sumer Dumuzi und in Ägypten Min/Osiris

ab 2000 v.u.Z. Auftauchen der ersten Reiterkrieger

1500 v.u.Z. Auftauchen des ersten monotheistischen Gottes Aton in Ägypten

3. Eisenzeit: Durchsetzung des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 1400 v.u.Z. in Kleinasien
ab 1000 v.u.Z. in Europa

1100 v.u.Z. Muttermord im babylonischen Weltschöpfungsepos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat
650 v.u.Z. in der Zeit von König Josia Durchsetzung der ersten monotheistischen Theologie im Judentum
458. v.u.Z. Muttermord in der griechischen Orestie

4. Spätere Geschichte

Weltweite Durchsetzung der patriarchalen Indoktrinationen: die offizielle Geschichte wird als rein männliche Geschichte dargestellt; Urvaterlüge; patriarchale Weltreligionen als politische Theologien

6. bis 8. Jahrhundert n.u.Z.: Beginn der Christianisierung in Mitteleuropa
13. bis 20. Jahrhundert: Zeit der Inquisition und Hexenverfolgung in Europa und imperialistische Kolonisation, in der die Erinnerung an Gott die MUTTER mit äußerster Brutalität ausgemerzt werden sollte.

Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz – Die Religion von Gott der MUTTER

Vorwort aus dem Buch:

 Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

„Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz. Diese, uns aus Märchen bekannten Farben, geben die Farben der göttlichen Kosmischen Mutter wieder, die als aseitätische, parthenogenetische Gott die MUTTER schon in den Höhlen des Paläolithikums (Altsteinzeit) im Zentrum von Religion stand. Bis heute wird dieses Alte Wissen tradiert durch die Überlieferung, der zur Folge der Storch, in seinen typischen Mutterfarben, die Kinder bringt, wobei die Wenigsten die Wurzeln dieser Überlieferung heute noch verstehen.

Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.

Im Patriarchat wird die mütterliche Religion, die auf der matrilinearen Abstammung beruht, durch kopfgeburtliche Theologien ersetzt und im Zuge dieser Theologisierung von ursprünglicher Religion vermännlicht, wozu es vieler unnatürlicher Indoktrinationen bedarf. Gott wird als Ergebnis dieser kopfgeburtlichen Theologisierungen ein Vater. (Armbruster, Kirsten, 2014, S. 14-15). Das Wort Religion wird also von den patriarchalen Theologien missbraucht, denn das Wort Religion macht nur im mütterlich-göttlichen Verständnis einen Sinn.

In dem ersten Band dieser Reihe: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013), wurden die Grundlagen der Religion um Gott die MUTTER, deren geschichtliche Einordnung sowie deren Vereinnahmung, Dämonisierung und scheinbare Vernichtung, insbesondere durch die monotheistischen politischen Theologien, wieder freigelegt.

Da der Europarat 1987 den Jacobsweg, der heute große Teile Europas durchzieht, zum ersten europäischen Kulturweg deklarierte, war es interessant, der Frage nachzugehen, ob sich die Religion von Gott der MUTTER auf diesem Wallfahrtsweg wiederfinden lässt. Da der Jacobsweg als Wallfahrtssymbol die Muschel hat, ein seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) bekanntes, zutiefst weibliches Symbol, war das wahrscheinlich. Der interdisziplinäre Ansatz der Patriarchatskritikforschung offenbarte dann auch sehr schnell, dass für den ersten europäischen Kulturweg nicht zufällig die Muschel als Wallfahrtssymbol gewählt wurde, sondern dass die Bezeichnung Jacobsweg für den ursprünglichen Muschelweg tatsächlich nur eine späte, patriarchal-kriegerische Überlagerung darstellt, und der Muschel-Wallfahrtsweg, wie kein anderer, die Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Diese, unser heutiges, von patriarchalen Indoktrinationen geprägtes Weltbild erschütternden Forschungsergebnisse wurden in dem ebenfalls 2013 erschienenen Buch: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdec-kung der Wurzeln Europas, veröffentlicht.

Die Forschungsergebnisse im Überblick

Die ältesten Spuren von Menschen in Europa finden wir in Atapuerca in Spanien am Muschelweg

Auf dem Muschelweg finden wir schon sehr frühe Spuren der Religion von Gott der MUTTER, denn die Muschel symbolisiert als Grabbeigabe schon im Paläolithikum in Verbindung mit rotem Ocker das Tor zu neuem Leben.

Wallfahrtswege sind ein Erbe der WidbeuterInnen aus dem Paläolithikum und in Europa sind sie vergleichbar mit den Traumpfaden der Aborigines in Australien.

Das Gebiet in Südfrankreich und Nordspanien, das heute zum Hauptweg des Muschelwegs zählt, ist in Europa das klimatische Rückzugsgebiet der Menschen während der Eiszeiten. Deshalb finden wir hier konzentriert die berühmten Höhlenmalereien des Paläolithikums, die sich als Kathedralen der Steinzeit erweisen, eingebettet in ein soziales Netz der Matrifokalität und in die Religion von Gott der MUTTER.

In den besonderen Focus rücken hierbei die Vorfahren der heutigen BaskInnen, deren Lebensgebiet nicht nur in Aquitanien in Südfrankreich zu finden ist, wo heute die vier Hauptrouten des französischen Muschelwegs sich vereinigen, sondern die gesamten Pyrenäen und den östlichen Teil Nordspaniens umfasste.

Da inzwischen humangenetisch nachgewiesen ist, dass die genetischen Wurzeln von 60-80% der heutigen EuropäerInnen auf die Vorfahren der BaskInnen zurückgehen, können wir davon ausgehen, dass diese Menschen nach der letzten Eiszeit, entlang der Flusstäler, Europa rückbesiedelten und ihre mütterliche Zivilisation mit den aus der Matrifokalität stammenden, erworbenen Kulturtechniken und der Religion von Gott der MUTTER mitbrachten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir heute auch den weit verbreiteten katholischen Anna-Maria-Kult als nicht christlich entlarven und ihn auf die matrifokalen Lebensverhältnisse und den damit verbundenen Kult der göttlichen Mutter während der Steinzeit zurückführen. Ins besondere Interesse rückt hierbei die baskische Göttin Mari, die in Europa bis heute am meisten von der vorpatriarchalen Alten Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Matrifokalität ist nicht nur die Wurzel von Religion, sondern die Wurzel von menschlicher Kultur insgesamt. Da das Wissen über Matrifokalität durch die patriarchalen his-storischen Verdrehungen und Unterschlagungen für die Meisten noch so wenig präsent ist, wurden die heute bereits freigelegten her-storischen Tatsachen in dem 2014 erschienenen Buch „Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur“, zusammengefasst. (Armbruster, Kirsten: Matrifokalität, 2014).