Biologie statt Biologismus

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Die Biologie ist die Lehre von der Natur. Verwechselt wird Biologie oft mit Biologismus. Antje Schrupp hat sich mit dem Unterschied auseinandergesetzt. In ihrem Blog schreibt sie dazu:

„Schon lange habe ich vor, einen Artikel über den Unterschied zwischen Biologie und Biologismus zu schreiben. Mir fällt nämlich auf, dass der Vorwurf des „Biologismus“ heute immer öfter auch gegen Frauen und ihre Ideen eingesetzt wird, was wiederum dazu führt, dass das Reden über Biologie, über Körperlichkeit und damit über die Grenzen, die unserem souveränen Weltgestalten möglicherweise gesetzt sind, tabuisiert wird. Eigentlich handelt es sich dabei ja um eine traditionelle Kritik von Frauen an der Idee, ihre weibliche Biologie oder „Natur“ würde sie auf bestimmte Rollen oder Verhaltensweisen festnageln. Der „Biologismus“ hatte sich im 19. Jahrhundert ausgebreitet, weil die Männer in einer gewissen Erklärungsnot waren: Sie hatten (mit der Französischen Revolution) die Idee in die Welt gesetzt, dass alle Menschen gleich seien, aber für Frauen sollte das nicht gelten: Frauen hatten kein Wahlrecht, durften nicht auf Universitäten und so weiter. Von Anfang an haben Frauenrechtlerinnen auf diese Inkonsequenz hingewiesen. Und weil es keine logische oder auch nur plausible Begründung gab, behaupteten maßgebliche Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Aufklärung kurzerhand, Frauen seien von ihrer „Natur“ her eben für solche Dinge nicht geeignet. Das löste im Lauf des Jahrhunderts einen Riesenberg an Forschungen aus, die auch in der Tat ganz überwiegend zu dem Ergebnis kamen, dass Frauen nicht etwa aufgrund von bestimmten, von Männern getroffenen politischen Entscheidungen nicht wählen, nicht öffentlich auftreten, bestimmte Jobs nicht bekommen und so weiter konnten, sondern aufgrund der wissenschaftlichen Tatsache, dass ihre „Biologie“ das eben nun mal nicht zulasse“. (http://antjeschrupp.com
/2011/01/06/biologie-und-biologismus/)

Der Vorbehalt gerade auch von Feministinnen gegenüber der Biologie, liegt also nicht in der Biologie selbst begründet, sondern in einer patriarchalen Ideologisierung der Biologie, dem Missbrauch der Biologie, um patriarchale Herrschaftsverhältnisse zu implementieren und zu zementieren.

Das Ideal der französischen Revolution: „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“, bleibt innerhalb der patriarchalen Doktrin. Es richtet sich nur an Männer. Der Feminismus wendet sich gegen den Ausschluss der Frauen von diesem Gleichheitsideal. Gleichzeitig ist dieses Gleichheitsideal aber auch die Falle des Feminismus, denn er erkennt nicht, dass das Gleichheitsideal den Mann als Vorbild und Maßstab hat, was für das Überleben der Menschenart und das Leben insgesamt fatal ist. Die Biologie hingegen setzt nicht auf Gleichheit, sondern auf Diversität, Integration und Kooperation, um Leben bestmöglich und vor allem auch langfristig abzusichern.

Die biologische Realität:
Aus der Biologie wissen wir heute, dass menschliches Leben zu Beginn immer weiblich angelegt ist und, dass eine männliche Differenzierung erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet. Wir wissen heute auch, dass der Samen des Mannes kein Samen ist, sondern Pollen. Wir wissen heute auch, dass die Spermien nicht etwa aktiv schwimmen, sondern dass sie vom Gebärmutterschleim transportiert werden, d.h. also, dass der aktive Part nicht beim Mann liegt sondern, wenn schon, bei der Frau. Wir wissen auch, dass es eine Lüge ist, dass zu Beginn der Befruchtung unter den Spermien ein Konkurrenzkampf stattfindet und das stärkste Spermium den Konkurrenzkampf gewinnt. Die Theorie des Konkurrenzkampfs zwischen den Spermien gehört zur Kriegsideologie des Patriarchats, denn tatsächlich handelt es sich bei der Befruchtung um den Vorgang der Kooperation, denn nur in der Kooperation zwischen Gebärmutterschleim und der gegenseitigen Hilfe der Spermien untereinander kann eine Befruchtung stattfinden. Wir wissen heute auch einiges über die Mitochondrien. Mitochondrien sind Zellorganellen mit eigener Erbsubstanz. Sie sind die Energiekraftwerke der Zellen! Mitochondrien werden über das Plasma der Eizelle – nur von der Mutter vererbt, d.h. die Energiekraftwerke der Zellen, wo das ATP (Adenosintriphosphat), sozusagen das Benzin der Stoffwechselvorgänge herkommt, diese Energiekraftwerke werden nur matrilinear vererbt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine weitere Beobachtung der WissenschaftlerInnen. Man weiß heute, dass durch das Spermium einige männliche Mitochondrien in das Plasma der befruchteten Eizelle (Zygote) importiert werden. Diese männlichen Mitochondrien werden jedoch, wie es aussieht, recht schnell eliminiert, denn sie gelten als potentiell gefährlicher Zellmüll.

Die Natur schreibt also sehr deutlich ein anderes Skript als uns patriarchale Männer die letzten zweitausend Jahre weis machen wollten. Tatsächlich offenbaren diese mit ihren Behauptungen wider die Natur, dass sie jede Weisheit verloren haben. Kein Wunder! Verweigert doch der patriarchale Mann vom Baum der Weisheit zu essen, jenem Weisheitsbaum, der von paradiesischen Zuständen auf Erden berichtet, als die Männer sich noch innerhalb der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mütter bewegten.

Diese Ordnung macht ganz klar, dass die Natur zur menschlichen Arterhaltung den Weg der Kooperation zwischen Männlich und Weiblich gewählt hat, dass diese Kooperation aber innerhalb der Natürlichen Ordnung der Mutter erfolgt, also einer mütterlichen Integration bedarf.

Einer Gleichordnung zwischen Vater und Mutter, wie sie auch der Gender-Feminismus vertritt, misst sie hingegen keine Bedeutung bei, da sie schon aus Gründen der genetischen Diversität keine monogame Paarbeziehung sondern eine wechselnde Sexualität von Frauen vorzieht und dem Vater deshalb auch kein natürlich
sichtbares Kriterium zur sicheren Bestimmung von Vaterschaft gegeben hat. Wer trotzdem auf einer biologisch nicht verankerten „Gleichordnung“ beharrt, befindet sich in einem typisch patriarchalen Denkansatz, nämlich dem, dass die Natur etwas nicht optimiert hat, und der Mensch der Natur künstlich nachhelfen muss. Da wir in unserem ganzen Denken tief patriarchalisch konditioniert sind, fällt das den Meisten, auch den meisten Frauen, nicht einmal auf.

Text aus: Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur – Weckruf für Zukunft, 2014, S. 46-49

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4 Gedanken zu „Biologie statt Biologismus

  1. Liebe Kirsten,
    „(…) Gleichzeitig ist dieses Gleichheitsideal aber auch die Falle des Feminismus, denn er erkennt nicht, dass das Gleichheitsideal den Mann als Vorbild und Maßstab hat, (…). Dies muss Feministinnen eben klar werden! Ohne Vorreiterinnen wie den Feministinnen z.B. auch Elisabeth Selbert, ohne Feminismus – behaupte ich – wäre das allgemeine Frauenbewusstseien, aber auch das gesellschaftliche noch nicht so weit. Ich bin z.B. eine politische, spirituelle und matrivitale Feministin. Nach wie vor gilt der Satz:“Das Private ist politisch.“ Mein Privates ist All-täglich matrivital-rückgebunden-spirituell 😉 . Aus dem Alltäglichen zum Matrivitalspirituellen.

    Zu Elisabeth Selbert, die „vor etwa 65 Jahren um die Aufnahme eines Satzes ins Grundgesetz unter großen Schwierigkeiten kämpfte, der das Leben aller Frauen (und auch Männer) in unserer Gesellschaft verändern sollte. Am 23. Mai 1949 wurde der Artikel 3 Absatz 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. Das verdanken wir der Abgeordneten und Juristin Elisabeth Selbert. Dabei wurde Selbert eine anständige Ausbildung oder gar Karriere nicht in die Wiege gelegt. (…)“ (siehe http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/specials/portrait-elisabeth-selbert-102.html) Gestriger Film im WDR „Sternstunde ihres Lebens“, mehr Infos dazu s. Link.
    Damals gab es nur nur vier weibliche Abgeordnete im Parlamentarischen Rat:Elisabeth Selbert ihre Mitstreiterin Frieda Nadig und ihre anfänglichen, männerangepassten Gegnerinnen Helene Wessel und Helene Weber.
    „Noch bis 1977 waren Frauen gesetzlich „zur Führung des Haushaltes“ verpflichtet, der Ehemann konnte darüber bestimmen, ob seine Angetraute arbeiten gehen durfte. Die rechtliche Verankerung der Gleichberechtigung und die praktische Umsetzung klafften in dieser Zeit weit auseinander.“ (s. Link) Das ist doch ein Mutanten-Wahn!!!

    „Zunehmend melden sich aber Männer zu Wort: Ihnen reicht es jetzt mit der Gleichberechtigung.“ s. Link. Das ist ebenfalls der Männergrößenwahn! Und hier greift dein_e „(…) was für das Überleben der Menschenart und das Leben insgesamt fatal ist. Die Biologie hingegen setzt nicht auf Gleichheit, sondern auf Diversität, Integration und Kooperation, um Leben bestmöglich und vor allem auch langfristig abzusichern.(…)“ und auch meine Biologie der Naturgesetze, der wirklichen Realität.
    XX-Frauen nutzen nicht ihre natürlichen Anlagen, ihre Naturgeschenke, wenn sie sich auf das „Männliche“ reduzieren (lassen).
    Herzliche Grüße! Roswitha

  2. Danke Roswitha für deine klaren Worte zum Weltfrauentag 2015 und dein Wissen, das du hier mit uns teilst. Deine Wortschöpfung matrivital finde ich übrigens sehr interessant. In meinem ersten Buch „Starke Mütter verändern die Welt“ habe ich eine ähnliche Wortschöpfung verwendet, nämlich matrivivial – als am mütterlichen Sein und am Leben orientiert! Herzliche Frühlinggrüße von Kirsten Armbruster

  3. Das Virus benötigt eine Wirtszelle, trotz des Genoms, dass es mit sich führt.
    Der genetische Inhalt des Virus sind die Erbinformationen des Virus und für seine Fortpflanzung benötigt es eine Wirtszelle.
    Das Virus überträgt der von ihm befallenen Zelle allerdings lediglich seinen genetischen Inhalt, aus dem die Wirtszelle dann neue Viren produziert.
    Es ist also das Genom selber, dass eine Wirtszelle benötigt

    Das Spermium überträgt der Eizelle lediglich seinen genetischen Inhalt (DNA + mRNA) und ist aufgrund seines maximal reduzierten Aufbaus qualitativ keine Zelle mehr, auch wenn es Keimzelle und Samenzelle genannt wird.
    Die Eizelle fungiert somit eindeutig als Wirtszelle des Spermiums, bzw. seines genetischen Inhaltes (DNA, mRNA)

    Die Zelle ist die kleinste Einheit aller lebenden Organismen (Zelltheorie) und die Theorie der geschlechtlichen Fortpflanzung definiert die Eizelle als Wirtszelle des Spermiums, bzw. seines genetischen Inhaltes.

    Somit widerspricht die Theorie der geschlechtlichen Fortpflanzung unverblümt der Zelltheorie.

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