Matrifokale Frauen

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Foto links. „Groß-Mütter-Denkmal aus Stein“ von der Bildhauerin Sieglinde Maul; Die Großen Mütter, die O-M-A-S werden im Patriarchat mitleidig-herablassend-abwertend behandelt. Wenn wir sagen, dass kann ja sogar die OMA verstehen, meinen wir damit, dass selbst „die Dümmsten“ in einer Gesellschaft das verstehen; das signalisiert in der hierarchischen Wertschätzungsskala des Patriarchats stehen Großmütter, die Großen Mütter, ganz unten. Dementsprechend werden sie monetär mit Almosen abgespeist und in Altersheime abgeschoben als unnützer Ballast einer wurzellosen Gesellschaft. In Wahrheit enthält das Wort O-MA-S jedoch alle, das Leben erklärende Mutterbuchstaben: das O, das Symbol der Bauch-Höhle und des Lebenskreises; das M und das A, die Symbole der gespreizten Beine der Mutter bei der Geburt und das S, das Schlangensymbol für die Nabelschlange als Zeichen für die engste Bindung, die Menschen jemals in ihren Leben haben können. Nicht zufällig hat Gott Vater mit seiner Herrschaftskopftheologie das A, das Alpha der gespreizten Beine bei der Geburt und das O, das BauchOmega, samt der Wandlung von Tod in Leben, also die Rückbindung im Lebenskreis aus der ursprünglichen Matrifokalen Religion (Religio) patriarchal okkupiert. Foto rechts: Die „Quellmutter“ der Bildhauerin Sieglinde Maul; Die Mutter ist die Quelle unser aller Leben, nicht nur die körperliche Eizellen mit Zytoplama-Nabelschnur-Gebärmutter-Vagina-Vulva-Mutterbrust-Mutter, sondern auch Mutter Natur, ohne die menschliches Leben nicht existieren kann; Fotos: Sieglinde Maul

Das Matrifokale-Frauen-Manifest

 Matrifokale Frauen sind an der Natur orientierte Frauen

Sie durchblicken daher die Strukturen des Patriarchats

 

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

 Sie schweigen nicht mehr über dessen ungeheuerliche Missstände

Sie sehen nicht mehr über dessen apokalyptische Lebensraumzerstörung hinweg

Sie überspielen nicht mehr das Ausmaß an Gewalt gegen die Natur und den Körper der Frau

Sie lassen sich nicht mehr aus dem öffentlichen Raum herauskatapultieren

Sie dulden nicht mehr eine ausschließende, generische Männeransprechsprache

Sie lassen sich nicht mehr trennen von der Commons-Ebene der matrilinearen Linie

Sie dulden nicht mehr das Trenne-und-Herrsche-Dogma des Patriarchats

Sie folgen nicht mehr der There-is-no-alternative-Kriegsrhetorik des Patriarchats

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie verbleiben nicht mehr im Opferstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-Sünde-Schuld-Sühne-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Liebe-Harmonie-Friede-Freude-Eierkuchen-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Passivstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-sind-nichts-wert-dein-Körper-ist-falsch-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Der-Mann-kann-nicht-anders-Täter-Entschuldigungsstatus

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie kennen die ganze Geschichte – Herstory und History – der Menschheit

Sie trennen zwischen Biologie als Naturwissenschaft und Biologismus als deren Missbrauch

Sie wissen um die freie sexuelle Wahl der Frau, die biologisch verankerte female choice

Sie gehen der heteronormativen Paarfixierung des Patriarchats nicht mehr auf den Leim

Sie durchblicken die Mann-wird-Gott-Machttheologie des Patriarchats

Sie kennen die Rahmenbedingungen erdgebundener Ökonomie

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie beenden das Dauererektionsdenken eines Homo-politicus-theologicus-ökonomicus

Sie entlarven Konkurrenzdenken als nicht evolutionär, sondern patriarchal nützlich

Sie betten Rationalität und Individualität in Emotionalität und Kooperation ein

Sie ergänzen Freiheit und Autonomie durch Empathie und kollektives Bindungsbewusstsein

Sie stellen die Egomanie und die Herrschaft des patriarchalen Mannes an den Pranger

Sie setzen auf konstruktive Seinsmacht statt auf destruktive Herrschaftsmacht

Sie zeigen Alternativen zum Patriarchat auf

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie setzen Mütter ins Zentrum der Gesellschaft

Sie denken vom Bauch, der Quelle menschlichen Lebens

Sie holen sich ihre Matrifokale Kulturgeschichte zurück

Sie holen sich ihre Matrifokale Religion zurück

Sie holen sich die Matrilineare Körperbindung als lebensgründende-engste Anbindung zurück

Sie beenden dadurch die ausgesetzte Reputation von Müttern im Patriarchat

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie definieren Wissenschaft neu

Sie definieren Familie und Zusammenleben neu

Sie definieren Arbeit neu

Sie definieren Ökonomie neu

Sie definieren Wohnen neu

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie fordern Wiedergutmachung:

ideell

monetär

ökologisch

Sie kennen nämlich die Folgen des Patriarchats:

Die Natur überlebt

Der Mensch nicht

Das machen sie,

weil sie nicht kurzfristig denken,

sondern eingebettet

in eine lange Folge von

Generation zu Generation

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Matrifokale Männer und Väter

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Matrifokale Männer sind immer mit der Natur verbundene Männer; Bild links: Matrifokaler Mann und Vater in seinem Permakulturgarten in Aquitanien, in Frankreich, einer Gegend, wo in den Höhlen die starken matrifokal-paläolithischen Wurzeln Europas liegen; Bild rechts: ein matrifokaler Vater mit seinem Kind; Fotos: Susan-Barbara Elb

1 . Patriarchatskritik bedeutet nicht Männer- oder Väter-Bashing

In einer Zeit großer ideologischer Verwirrung wie dem Patriarchat ist es immer sinnvoll sich an der Natur zu orientieren. Auf die Genealogie des Menschen bezogen bedeutet dies: Erstens die Vermehrung des Menschen erfolgt bisexuell, wobei die Mutter, wie bei allen Säugetierarten, den allergrößten Teil der körperlich-biologischen Fortpflanzungsarbeit übernimmt und der biologische Vater im Vergleich zur Mutter nur einen sehr kleinen Teil. (Link Mutterbiologische tatsachen). Zweitens bedeutet es, dass alle Männer Söhne von Müttern sind, weil sie im Körper der Mutter heranwachsen und ohne sie schlicht nicht existieren würden. Männer und natürlich auch biologische Väter sind ebenso wie Töchter, Intersexuelle und Transsexuelle Teil der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter und durch die Nabelanbindung auch angebunden an die Religion von Gott MUTTER, die eben nichts anderes spiegelt als die Natürlichen Gegebenheiten, in denen die Menschenspezies eingebunden sind.

Des Weiteren haben wir aufgezeigt, dass die Erkenntnis von Vaterschaft im Zuge des Neolithikums des Modus II/III im Zuge von Herdenhaltung von Tieren wie Schafen, Ziegen und insbesondere Rindern (Bott, Gerhard, 2009, S. 132-208) und einer damit verbundenen Änderung der männlichen Ökonomie vom Jäger zum Hirten, welche auf Freiheitsberaubung und damit Herrschaft fußt, innerhalb weniger Jahrtausende zum Patriarchat, einem zerstörerischen Väterherrschaftssystem geführt hat, in dem wir auch heute noch leben und das aufgrund seiner Zerstörungskraft auf ganzer Linie abzulehnen ist.

Tatsache ist aber auch, dass nicht nur Frauen, Kinder, Tiere, Pflanzen und die gesamte Natur unter diesem zerstörerischen patriarchalen System leiden, sondern auch ein großer Teil der Männer und damit auch Väter. Es gilt also zwischen Patriarchat als lebenszerstörender Herrschaftsstruktur und Männern, die natürlich auch Väter sein können, zu unterscheiden, auch deshalb, weil das Patriarchat ja inzwischen auch von vielen patriarchal-konditionierten Frauen stark gestützt wird.

Leider beobachten wir zurzeit, dass die Begriffe Matrifokalität und Patriarchatskritik von einigen Frauen zu einem generellen Väter-Bashing missbraucht werden, von dem wir uns in aller Deutlichkeit distanzieren. Männer zu diskriminieren, nur weil sie Väter sind, bedeutet, dass der Begriff der Matrifokalität und das damit einher gehende Verständnis der Integrativen Ordnung der Mutter sowie die damit verbundene Religion von Gott MUTTER fehlinterpretiert werden. Wir konstatieren daher ausdrücklich: Patriarchatskritik richtet sich nicht gegen Männer, respektive Väter per se, sondern gegen patriarchale Gesellschaftsstrukturen, die immer auf struktureller Gewalt basieren und gegen Menschen, die diese gewaltbasierten Gesellschaftsstrukturen erhalten oder sogar ausbauen wollen. Das bedeutet konkret:

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine Geschichtsschreibung, welche die Matrifokale Menschheitsgeschichte unterschlägt
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen alle Theologien, welche die ursprüngliche Religion von Gott MUTTER mit Gewalt okkupiert haben und den Mann durch herrschaftsideologische, kriegsverherrlichende Schriften wider die Natur an die Spitze einer angeblich männlichen Schöpfung gesetzt haben. Das betrifft nicht nur die heutigen 5 Welttheologien wie Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus, sondern gleichfalls die indoeuropäischen Vater-Gott-Theologien der Griechen, Römer, Kelten und Germanen, ebenso wie die altägyptische und mesopotamische Theologie, die häufig die Basis sind für den sich heute ausbreitenden Paganismus, tatsächlich aber in ihrer Göttergenealogie tief im Patriarchat verankert sind. Dies bedeutet de facto: Wir unterstützen Religionsfreiheit aber keine auf Gewalt basierende indoktrinierte Theologiefreiheit!
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die staatlich und theologisch ideologische Idealisierung der Paarungs-Vater-Mutter-Kind-Familie als einziger rechtlich geschützter und steuerlich begünstigter Vorstellung von Familie, welche die Mutter von einer menschenartgerechten, kooperativ-gemeinschaftlichen Daseinsfürsorge isoliert, alle Beteiligten damit in ein finanziell und arbeitsorganisatorisch desaströses Überforderungslebenskonzept treibt und jede andere Form des gemeinschaftlichen Zusammenlebens diskriminiert.
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine vaterstaatliche Rechtsprechung, welche patriarchal-historisch vorwiegend an männlichen Lebensentwürfen und Väterrechten orientiert ist und die Natürliche Matrifokale Ordnung des Menschen missachtet.
  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die nur auf Ausbeutung fixierte, zerstörerische, naturverachtende Wachstumsökonomie des Kapitalismus, welche Fürsorgearbeit als nicht geldwert definiert hat und Gesamthandeigentum und Gemeinwohl immer der Privateigentumsakkumulation einiger ganz weniger Männer unterordnet und das, obwohl in den demokratischen Verfassungen eigentlich definiert ist, dass „alle Wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen habe“, wie Christian Felber in seinem Buch über „Gemeinwohlökonomie“ (2014) aufgezeigt hat, was bedeutet, dass sich Demokratien genauso wenig wie Diktaturen an Verfassungen halten

2 . Väter gab es schon immer

Um besser zu verstehen, was Matrifokale Männer und Väter auszeichnet, lohnt es sich die durch die Patriarchatskritikforschung frei gelegten soziobiologischen Verhältnisse der WildbeuterInnen im Paläolithikum näher anzuschauen.

Gerhard Bott schreibt in seinem ersten Band „Die Erfindung der Götter“ (2009), dass bereits die Menschenart heidelbergensis in Gemeinschaften oder Horden von 100 bis 120 Individuen lebten (S. 22). Bott schreibt:

„Diese neuen Erkenntnisse zur Hordengröße stammen aus den Ausgrabungen in Sima de los Huesos bei Atapuerca. Sie werden beschrieben bei ARSUAGA (S. 290f) und stammen vom Paläodemographen Jean-Pierre BOQUET-APPEL“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 23).

In seinem bahnbrechenden Werk arbeitet Bott heraus, dass nicht wie heute die Vater-Mutter-Kind-Paarungsfamilie die Ursprungsfamilie des Menschen ist, sondern die konsanguinale matrilineare Blutsfamilie. Bott schreibt ein paar Seiten weiter:

„Eine Betrachtung, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, kann, schon aus soziobiologischen Gründen, heute nicht mehr die Paarungsfamilie zur menschlichen Ur-Familie erklären, sondern muss von der Annahme ausgehen, dass der paläolithische homo sapiens in Blutsfamilien lebte, um die sich infolge der genetisch programmierten Exogamie, blutsfamilienfremde Sexualpartner gruppierten, die, geschart um eine solche Blutsfamilie als Kern, mit dieser eine Lebens-Arbeits-Aneignungs- und Konsumgemeinschaft bildeten. Diese Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird oft als „Horde“ oder „band“ bezeichnet, die ich aber Genossenschaft nenne, weil dies von heutigen soziologischen wie juristischen Erkenntnissen ausgehend, die angemessene und treffende Bezeichnung ist“. (ebenda, S. 32/33; Hervorhebung nicht im Originaltext).

Bott führt weiter aus:

„Die Wildbeuter-Genossenschaft des Paläolithikums, die sich um eine Blutsfamilie als Kern schart, ist eine Gemeinschaft von Nicht-sesshaften mit aneignender Wirtschaftsweise. Diese Wirtschaftsgenossenschaft war soziologisch und juristisch gesehen eine Gesamthandsgemeinschaft, es ging um gemeinschaftliche Aneignung der beiden geschlechtsspezifischen Arbeitsgemeinschaften: Das Jägerkollektiv der Männer teilte das gemeinsam erlegte Wildbret, oft große Huftiere, an denen es natürlich kein individuelles Privateigentum gab, mit dem Sammlerinnen-Kollektiv der Frauen und Kinder und erhielt dafür Anteil an deren Sammelgut, das ebenfalls Gesamthandeigentum war. Dieses kollektive Sammeln der Frauen bzw. Jagen der Männer bietet dem Einzelnen nicht nur Gesellschaft, sondern, was im Paläolithikum das Wichtigste war, vor allem gegenseitige Hilfe und Schutz bei der Aneignungsarbeit. Wie wir sahen, war der Nahrungsbeitrag des Jägerkollektivs, das ja praktisch während des gesamten Paläolithikums nur mit Speeren jagte, weil Pfeil und Bogen erst im Magdalénien, rund 2500 Jahre vor Beginn des Neolithikums erfunden wurden, gering und machte etwa nur ein Viertel der Nahrung aus. Die Verteilung zum Konsum findet in diesen akephalen und egalitären Genossenschaften durch Konsens statt, d.h. entsprechend den gemeinschaftlich gefundenen Regeln und Gebräuchen. Der gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhang von Blutsfamilie und Gesamthandeigentum ist von grundlegender Bedeutung. Während die spätere Paarungsfamilie auf dem Privateigentum beruht, ist die Blutsfamilie gekennzeichnet durch das Gesamthandeigentum, d.h. es gibt kein Privateigentum an den Ressourcen“. (ebenda, S. 33/34; Hervorhebungen nicht im Originaltext).

Die matrilineare Blutsfamilie der WildbeuterInnen im Paläolithikum zeichnet sich einerseits durch die female choice, die biologisch verankerte, freie Sexualitätsauswahl der Frau, andererseits aber auch durch ein auf Chemotaxis gesteuertes Inzestverbot innerhalb dieser matrilinearen Abstammungslinie aus. (Bott, Gerhard, 2009; S. 22-72; Armbruster, Kirsten, 2013, S. 15-17). Das bedeutet aber auch, dass sich die Lebensweise der WildbeuterInnen von denen der sesshaften NeolithikerInnen wesentlich unterschied, denn die exogamen Sexualpartner – heute ausgedrückt die biologischen Väter – waren in die Matrifokale Ordnung des Paläolithikums auch sozial integriert. Bott präzisiert die Matrifokale Ordnung der WildbeuterInnen im zweiten Band „Die Erfindung der Götter“ (2014):

„Die als Sammlerinnen kooperierende Gemeinschaft der Frauen mit ihren Abkömmlingen beschaffte mindestens zwei Drittel der Gesamtmenge ihrer als autarke Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft nomadisierenden Genossenschaft, der etwa 30 geschlechtsreife Frauen/Mütter mit deren 60 Abkömmlingen, d.h. Kindern und Heranwachsenden angehörten, sowie 30 geschlechtsreife exogame Männer. Diese 30 aus anderen Wildbeuter-Genossenschaften stammenden und von den Frauen in die Genossenschaften aufgenommenen Männer beschafften durch die Jagdbeute des Jägerkollektivs im Durchschnitt ein Drittel der Gesamtnahrung, je nach Jägerglück manchmal weniger, manchmal mehr. Da die 30 erwachsenen Frauen/Mütter alle miteinander blutsverwandt waren, d.h. derselben konsanguinalen Geburtsfamilie entstammten, bildeten sie mit ihren Kindern eine matrilineare Blutsfamilie, zu welcher also mit Ausnahme der „fremdblütigen“ Männer, etwa 90 Individuen der Genossenschaft von 120 Köpfen gehörten. Die 30 geschlechtsreifen Männer, die als „Familien-Fremde“ von jener gemeinsam lebenden und sammelnden Blutsfamilie in ihren (biologischen) Sozialverband aufgenommen wurden, waren die exogamen Sexualpartner der Frauen … und betrachteten deren Blutsfamilie als ihre neue Lebensgemeinschaft, nachdem sie, sobald geschlechtsreif geworden, ihre eigene matrilineare Blutsfamilie, in die sie hineingeboren worden waren, zu verlassen hatten, um Platz zu machen für die fremden, exogamen Männer, die von ihren Müttern, Schwestern, Cousinen in ihre Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen wurden (vgl. mein Kapitel II, S. 22 ff.). Die Männer waren also für die Frauen Fremde, denn sie mussten Familien-Fremde sein. Sie waren aber durch Sexual- und Liebesbeziehungen mit den Frauen ihres neuen Sozialverbandes eng verbunden. (Bott, Gerhard: 2014, S. 117).

Bott ergänzt ein paar Seiten weiter die Beschreibung der paläolithischen Lebensverhältnisse:

„Jeder junge Mann einer paläolithischen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird nach seiner Pubertät den Tag mit Ungeduld erwarten, an dem er seine Geburtsgenossenschaft verlassen kann, weil dort ja alle weiblichen Wesen der Blutsfamilien-Exogamie wegen für ihn sexuell tabu sind. Wenn er als junger Jägers-Mann aufgenommen wird in eine andere blutsfremde Wildbeutergenossenschaft, eröffnet sich ihm die Chance seine gerade erwachte Sexualität auszuleben, sofern ein (oder mehrere) der Frauen ihn zum Sexualpartner wählen. Regelmäßig wird der junge Mann in diejenige Genossenschaft eingeführt werden, in welche der Bruder seiner Mutter oder sein älterer (matrilinearer) Bruder zuvor bereits aufgenommen worden waren und diese blutsverwandten Männer initiieren ihren jungen matrilinearen Blutsverwandten in ihr Jägerkollektiv und sorgen für seine Ausbildung“. (ebenda, S. 121/122).

Aus den paläolithischen Verhältnissen der WildbeuterInnen können wir für die heutige Zeit ablesen, dass Männer nicht nur als Söhne, Brüder, und Onkel – wie es die sogenannten Matriarchatsfrauen aus Beobachtungen heute noch matrilinear lebender Völker wie den Mosuo in China oder den Khasi in Indien propagieren – in die Gemeinschaft integriert wurden (Tazi-Preve, Mariam Irene, 2017, S. 162-164), sondern auch als Väter, denn viele der exogamen Sexualpartner werden biologische Väter gewesen sein, auch wenn Vaterschaft nicht explizit benannt wurde, weil ja offensichtlich war, dass der Mann als biologischer Vater im Vergleich zur Mutter eine sehr geringe Rolle spielt.

Tatsächlich bieten die Ergebnisse der Patriarchatskritikforschung über das Sozialleben der WildbeuterInnen einige sehr interessante Schlüsse für das heutige Zusammenleben, auch deshalb, weil durch die Freilegung der matrifokalen Menschheitsgeschichte und der damit einhergehenden Religion von Gott MUTTER nicht einfach Erkenntnisse aus fernen Kulturen übertragen werden müssen, sondern mit dem Verstehen der matrifokalen Wurzeln der Menschheit überall auf der Welt die Wurzeln soziobiologischen Lebens an den Orten, wo wir leben, nachvollziehbar werden. Das bedeutet, dass wir nicht nur in Europa, sondern überall und gerade auch in den heutigen politischen Krisenherden des Mittleren und Nahen Ostens und in Afrika regional verankerte Lösungsansätze ableiten können, indem wir uns wieder an die menschenartgerechte matrifokale Form des Zusammenlebens erinnern. An dieser Stelle seien ein paar wichtige Komponenten hervorgehoben:

  • Männer und Väter sind nicht per se das Problem, sondern patriarchale Männer und Väter
  • Männer und explizit Väter waren den größten Teil der Menschheitsgeschichte nicht die Ernährer der Sippe, sondern Teil einer gesamthänderischen gemeinschaftlichen Ökonomie. Tatsächlich entsteht das Modell „der Vater als Ernährer“ erst im Zuge der Patriarchalisierung im Laufe des Neolithikums und zwar parallel zur Durchsetzung der Paarungsfamilie erstmals ab circa 4500 v.u.Z.
  • Die einzige Wirtschaftsweise für die auf kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge angewiesene Menschenart ist eine gesamtsolidarische Wirtschaftsgemeinschaft, eine Gesamthandwirtschaft, wo es auf jede Hand und jede Form der Arbeit ankommt und keine, auf narzisstisches Machotum gegründete Männer-Privileg-Wirtschaft, wie wir es sowohl im Privateigentums-Kapitalismus (Neoliberalismus) als auch im Männer-Staats-Kapitalismus (genannt Kommunismus und Sozialismus) der Jetztzeit im ewig polaren politischen Rechts-Links-Diskurs sehen, der keine Lösungen findet, da beide Konzepte an menschlichen Bedürfnissen gleichermaßen vorbei argumentieren, weil die menschenartgerechte Natürliche Integrative Ordnung der Mutter keinerlei Beachtung findet.

3 . Der Mann als alleiniger Ernährer ist ein Paradigma des Patriarchats

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Ein moderner matrifokaler Mann, Sohn einer matrifokalen Mutter und selbst matrifokaler Vater von drei Kindern, der weiß und auch praktisch umsetzt, dass Fürsorgearbeit eine lebenswichtige und allumfassende gemeinschaftliche Aufgabe ist; Foto: Susan-Barbara Elbe

Da der Mann bis heute insbesondere als Vater einer Kleinfamilien-Paarungsfamilie, trotz gut ausgebildeter Frauen, seine Hauptidentifikation in der Haupternährerrolleseiner Familie“ sieht, lohnt es sich, sich mit dieser Ernährer-Rolle noch einmal genauer auseinander zu setzen. Da die Menschen erst ab 10 500 v.u.Z., erstmals in den Gebieten des Fruchtbaren Halbmonds und in Anatolien, sesshaft wurden und erst da anfingen zu einer produzierenden Wirtschaftsweise überzugehen, bedeutet das, dass die Menschen den größten Teil der Menschheitsgeschichte als WildbeuterInnen lebten und sich in dieser Zeit tatsächlich hauptsächlich vom Sammeln und nur zu einem kleinen Teil von der Jagd ernährten. Gesammelt wurden nicht nur Pflanzen, Pilze, Wurzeln, Beeren und Nüsse, sondern auch Muscheln, Schnecken, Würmer, Maden, Larven und Insekten als Proteinquelle. Dass sich die Menschen evolutionsbiologisch schon sehr früh auch von Insekten ernährten, zeigen die neusten genetischen Studien, welche bei den Säugetieren einschließlich des Menschen im Genom Reste Chitin-verdauernder Enzyme, den sogenannten Chitinasen, nachweisen konnten.

„In unserem Genom finden sich nicht nur Spuren von drei urtümlichen Säugetier-Genen, die unsere Vorfahren die Verdauung von Insekten erlaubten. Wir alle verfügen auch über ein aktives Chitinase-Gen. Einfacher gesagt: Unser Verdauungssystem ist bis heute darauf ausgelegt, Insekten zu verarbeiten“,

schreibt SPIEGELONLINE in dem Artikel „Der Mensch, ein geborener Insektenfresser“ vom 17.5.2018 und bezieht sich dabei auf einen Artikel in Science Advances (http://advances.sciencemag.org/content/4/5eaar6478)

Das zeigt noch einmal deutlich drei Dinge, die gerade auch für die heutige Zeit von Interesse sind.

  • Die Jagd des Mannes spielte für die Ernährung im Paläolithikum nur eine geringe Rolle
  • Der Mann war nicht der Ernährer „seiner Familie“ und die Frau als Mutter befand sich deshalb nicht in einem ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis der Männer, geschweige denn der Väter, sondern die ökonomische Versorgung erfolgte gesamthänderisch
  • Auch Männer brauchen nicht jeden Tag Fleisch, um gut zu leben. Tatsächlich ist der hohe Fleischkonsum unserer Gesellschaft nicht paläolithisch sondern patriarchal begründet, denn bei dem historisch vermittelten Bild des Jägers als ERNÄHRER handelt es sich um Patriarchatspropaganda

Schauen wir nämlich auf die historisch ersten großflächigen Abbildungen von Jagdszenen, so finden wir diese überraschenderweise nicht in den paläolithischen Höhlen – was nach dem offiziell vermittelten Bild über die Steinzeit, welches den Mann als Jäger und Ernährer einer Paarungsfamilie und die Höhlen, dem androzentrischen Weltbild des Patriarchats entsprechend, als Jagdheiligtümer interpretiert, – zu erwarten wäre.

Historisch finden wir prominente Jagddarstellungen tatsächlich erstmals in Verbindung mit der Rinderdomestikation und zwar einmal in Chatal Höyük, in Anatolien, in der Türkei (circa 6500 v.u.Z.), aber auch in Spanien, was an den teils kriegerischen Jagddarstellungen in der levantinischen Felskunst deutlich nachvollziehbar ist. Letztere gehen wahrscheinlich auf die ab 5700 v.u.Z. aus Nordafrika nach Spanien eingewanderten Impresso-Cardinal-Keramiker zurück, die ebenfalls Rinderzüchter waren. (Bott, Gerhard; 2009, S. 140). Diese Zeichnungen heben sich stark ab von der frankokantabrischen Höhlenmalerei des Paläolithikums. (Bandi, Hans Georg; 1951, http://doi.org/10.5169seals-114008, ETH Bibliothek, Schweiz).

Großflächige Abbildungen von Jagdszenen finden wir also zu einem Zeitpunkt, wo sich das Verständnis des Mannes als Jäger und Schamane der Tiere innerhalb der Religion von Gott MUTTER, welche ja auch die Mutter der Tiere ist, zum Hirten und zum HERRN der Tiere wandelt. Vergleichen wir also die männlichen Darstellungen aus dem Paläolithikum mit denen im Neolithikum im Modus III, sehen wir große Unterschiede im Weltbild. Die folgenden Abbildungen zeigen eine der wenigen männlichen Darstellungen aus den paläolithischen Höhlen, links eine als mögliche Jagdszene interpretierbare Ritzung und daneben wahrscheinlich zwei Darstellungen von männlichen Schamanen. Alle Darstellungen stammen aus dem Magdalénien (14 000-12 000 v.u.Z.). Die mögliche Jagdszene fand sich in der Grotte de la Vache in Alliat und die beiden Darstellungen der Schamanen stammen aus der Höhle „Des Trois Frères“. Beide Höhlen liegen in den französischen Pyrenäen, im Département Ariège.

Jäger Paläolithikum

 

Schamane 1 Schamane 2

Bild links. Jagdszene aus der Grotte de la Vache in Alliat, Ariège, Magdalenien 14 000-12 000 v.u.Z., Frankreich, Foto Franz Armbruster Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye; Bild Mitte und rechts: Männliche Schamanen aus der Höhle Des Trois Frères, Montesquieu-Avantès, Ariège, Frankreich, Foto in der Mitte: Franz Armbruster: Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye, Foto rechts Skizze des sogenannten „Tanzenden Schamanen“ nach Henri Breuil aus donsmaps

Ganz anders sind die großflächigen Jagddarstellungen aus Catal Höyük aus dem Neolithikum des Modus III von welcher die Jagd auf einen großen roten Stier besonders hervorsticht.

Chatal Höyük 2

 

 

Chatal Höyük

 

 

Großflächige Jagdszenen in Chatal Höyük, Anatolien, Türkei; (circa 6500 v.u.Z.). Foto links: Sieglinde Maul, Foto rechts: Die Jagd auf einen Auerochsen: „A reconstruction of the aurochs“: Creative Commons 3.0; User: Omar Hoftun

 

An der zeitlichen Einordnung dieser völlig unterschiedlichen Darstellungen sehen wir mit Beginn der Tierzucht einen deutlichen Bruch im Weltbild. Während im Paläolithikum das Töten eines Tieres vielleicht in schamanische Achtsamkeits- und Dankbarkeitsrituale eingebettet war, deuten die neolithischen Jagdszenen eher auf eine Hetzjagd um des „Vergnügens“ willens hin, denn die Jagd diente nach der Rinderdomestikation, noch weniger der Ernährung als im Paläolithikum. Die Ernährung war aber fleischlastig und die Knochenfunde in Chatal Höyük zeigen, dass diese zu 90 % von Rindern abstammen, die Frauen aber parallel dazu 14 verschiedene Kulturpflanzen anbauten, während eine Ernährung durch Milch im großen Stil zu diesem Zeitpunkt nicht anzunehmen ist, da die Bevölkerung unter Laktoseintoleranz litt. (Bott, Gerhard, 2014, S. 107-109, Bollongino, Ruth, 2006).

Der alleinige Ernährer wurde der Mann aber erst in der Kupfersteinzeit, und zwar zu dem Zeitpunkt als er im Prozess der Herdenhaltung von Rindern die Gesamthandökonomie durch Akkumulation von Privateigentum tiefgründig veränderte, und ab 4500 v.u.Z. mit dem durch Ochsen gezogenen Pflug, die Frauen auch noch aus ihrer angestammten neolithischen Ökonomie der Pflanzenproduktion vertrieb. Die Rolle des Manns als Ernährer steht also in direktem Zusammenhang mit Väterherrschaft, sie ist eines der Kernstücke des Patriarchats, denn der Verlust der eigenen Ökonomie zwang die Frauen erst dazu, ihre matrifokale Blutsfamilie notgedrungen zu verlassen und sich auf die patrilineare und patrilokale Paarungsfamilie einzulassen.

Ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Mann, insbesondere auch als Mutter vom Vater der Kinder sind also, ebenso wie die Isolierung und die Abtrennung von menschlicher Gemeinschaft und damit verbundener Erziehungskooperation, zwei herausragende Kennzeichen des Patriarchats.

4 . Die Aktivierung männlicher Fürsorgebereitschaft

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Vater und Kleinkind: Neuste soziobiologische Forschungsergebnisse zeigen, dass die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys die männliche Fürsorgebereitschaft steigert; Foto: Wikimedia Commons, 2.0; User Flickr

Nachdem wir heute wissen, dass eine kooperative Jungenaufzucht und wie Sarah Blaffer Hrdy es nennt eine alloelterliche Beteiligung bei der Kinderbetreuung mit vielen Bezugspersonen, insbesondere mit matrilinear weiblichen Verwandten wie Schwestern oder Großmüttern von zentraler Bedeutung sind, (Blaffer Hrdy, Sarah; 2010, S. 147-156 und Link: Die Evolution frisst keine Kinder), beschäftigen wir uns genauer mit der männlichen Bereitschaft für Fürsorgearbeit, die ja im Patriarchat exorbitant niedrig ist.

In ihrem wichtigen Buch „Mütter und andere“ (2010) hat sich die amerikanische Anthropologin und Soziobiologin Blaffer Hrdy auch mit dem „Paradoxon fakultativer väterlicher Fürsorge“ beschäftigt. Blaffer Hrdy schreibt:

„Menschliche Mütter können realistischerweise nicht darauf vertrauen, dass der Mann, mit dem sie sich paaren, gewissermaßen darauf programmiert wäre, ihr bei der Aufzucht von Kindern zu helfen, selbst wenn es mit hoher Wahrscheinlichkeit seine eigenen Kinder sind“. (ebenda, S. 224).

Blaffer Hrdy konstatiert aber auch, dass die Häufigkeit von Vater-Kind-Interaktionen bei WildbeuterInnenvölkern insgesamt höher ist als in Agrar-. Hirten- oder in den meisten postindustriellen Gesellschaften. (ebenda, S. 223). Ein paar Seiten später konkretisiert die Wissenschaftlerin das Wissen über wildbeuterisch lebende Gemeinschaften. Sie schreibt:

„Die meisten Jäger-Sammler leben in Familieneinheiten mit starkem Zusammenhalt… Die Zusammensetzung dieser Familien aber schwankt mit der Zeit. Was wir als die Kernfamilie (Vater, Mutter und ihre Kinder) idealisieren, war oftmals nur eine vorübergehende und zudem alles andere als optimale Phase, da zwei Eltern, auf sich allein gestellt, die Bedürfnisse mehrerer Kinder wohl kaum befriedigen konnten. Zur Beschreibung der typischen oder natürlichen Pleistozän-Familie benutze ich daher lieber Begriffe wie verwandtenbasiert, kinderzentriert, opportunistisch, mobil und sehr, sehr flexibel. Die Einheiten der Kinderaufzucht waren grundsätzlich elastisch, das heißt, sie dehnten sich aus und schrumpften in dem Maße, wie Individuen aus Not- oder Mangelsituationen zu entkommen suchten und dorthin zogen, wo es nicht nur Nahrung und Wasser gab, sondern wo sie auch soziale Unterstützung vermuteten oder Grund zu der Annahme hatten, dass andere Familienmitglieder ihre Unterstützung brauchten. Diese alloelterlichen Sicherheitsnetze schufen die Voraussetzungen, unter denen sich ein hochgradig variables väterliches Engagement überhaupt erst entwickeln konnte“ (ebenda, S. 230/231).

Blaffer Hrdy weist darauf hin, dass bei den 5400 Säugetierarten auf der Erde bei den meisten Arten die Väter bemerkenswert wenig tun. Sie schreibt:

„Männliche Fürsorge findet sich nur bei einem Bruchteil der Säugetiere“. (ebenda, S. 221).

Sie weist dann aber explizit darauf hin, dass dies bei Primaten anders ist:

„Im Vergleich dazu sind die Männchen in der Ordnung Primaten ein regelrechtes Muster an Fürsorglichkeit, da sie die Jungen nicht nur intensiv beschützen, sondern auch direkt umsorgen“. (ebenda, S. 221).

Auffallend ist jedoch, dass innerhalb der Primaten die Menschengattung Homo sapiens sich besonders durch eine enorme Schwankungsbreite der Fürsorgebereitschaft innerhalb der Art auszeichnet. Blaffer Hrdy schreibt:

„Bei einigen Primaten kümmern sich die Männchen sehr intensiv um die Jungen, bei anderen tun sie dies nur in Notfällen, während sich wieder andere überhaupt nicht kümmern. Aber das Ausmaß dieser zwischenartlichen Variation verblasst im Vergleich zu der immensen Schwankungsbreite, die man innerhalb der einen Art Homo sapiens findet. Das Spektrum der materiellen oder emotionalen Unterstützung reicht von „Nur Sperma“ bis zu der obsessiven Hingabe einer Mrs. Doubtfire, … Beim Menschen bestehen zwischen Kulturen und Individuen größere Unterschiede in der Form und im Ausmaß der väterlichen Investitionen als bei allen anderen Primaten zusammengenommen“. (ebenda, S. 224).

Eine Seite vorher bekräftigt die Forscherin allerdings, dass „Kinderfürsorge durch Männer seit langer Zeit integraler Bestandteil menschlicher Anpassung ist (S. 223), weil bei Männern auch physiologische Veränderungen nachweisbar sind, wenn sie in die Kinderfürsorge integriert sind. Blaffer Hrdy schreibt:

„Wie bei anderen Säugetieren mit einem hohen Maß an männlicher Jungenfürsorge kommt es auch bei Männern zu physiologischen Veränderungen, wenn sie bloß eine bestimmte Zeit in engem Kontakt mit werdenden Müttern und mit Neugeborenen verbringen“. (ebenda. S. 223).

Die Evolutionsbiologin schließt daraus:

Männliche Fürsorgepotenziale sind in der DNA unserer Spezies codiert. Doch im Unterschied zu anderen Säugetieren mit extrem kostspieligen Jungen und fast obligater Fürsorge durch beide Elternteile kümmern sich Männer ein wenig, viel oder überhaupt nicht um ihre Kinder“. (ebenda, S. 224).

Hier stellt sich natürlich für jede NaturwissenschaftlerIn die Frage, zu ergründen welche sozialen und ökologischen Bedingungen die Ausbildung männlicher/väterlicher Fürsorgebereitschaft begünstigen. Hierzu gibt es interessante Forschungsergebnisse von Barry Hewlett, die auf vergleichenden Studien zwischen zwei afrikanischen WildbeuterInnengesellschaften, nämlich den !Kung und den Aka beruhen, die sich beide durch liebevolle Väter auszeichnen, zwischen denen aber trotzdem große Unterschiede in der Interaktion mit den Kindern bestehen. Blaffer Hrdy fasst die diesbezüglichen Forschungsergebnisse zusammen:

„Laut Hewlett lässt sich die Abweichung durch die unterschiedliche Häufigkeit von Gelegenheiten erklären, in denen sich Männer in der Nähe ihrer Kinder aufhalten. Während !Kung-Männer mit Bogen und Giftpfeilen auf die Jagd gehen, ihre Beutetiere über enorme Entfernungen verfolgen und daher längere Zeit fern des Lagers verbringen, jagen die Aka mit Netzen, und Frauen und Kinder begleiten die Männer oftmals auf die Jagd in die Wälder. Aka- (wie auch Efé)-Männer verbringen viel Zeit im Lager und haben mehr Freizeit, um sich mit Kleinkindern und Kindern zu beschäftigen   die Gewissheit über die Vaterschaft, die in evolutionsbiologischen Interpretationen männlichen Verhaltens immer so eine zentrale Stellung eingenommen hat, ist nur ein Faktor, der die Fürsorglichkeit von Männern gegenüber Babys beeinflusst. Die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys an sich machen Männer – selbst einen Mann, der nicht der leibliche Vater ist – fürsorglicher“. (ebenda, S. 232).

Tatsächlich hat der enge Umgang von Männern mit Kleinkindern und Kindern, wie aufgrund der grundsätzlichen genetischen Codierung von Fürsorgebereitschaft von Männern und Vätern nicht anders zu erwarten, auch psychologische, endokrinologische und neurologische Auswirkungen auf Männer und Jungen, die als sehr positiv zu interpretieren sind. Während die männlich-militärische Kampferziehung des Patriarchats (eine „echter“ Mann weint nicht) auf eine maximale Steigerung des Testosteronspiegels abzielt, um Männer zu Kämpfern abzurichten, sinkt der Testosteronspiegel bei Männern und Vätern, wenn diese in Kontakt mit schwangeren Müttern und anschließend mit deren Neugeborenen sind. Desgleichen steigen bei Männern durch den Kontakt mit Babys die Hormonspiegel an Prolaktin, aber auch bei dem Hormon Cortisol. Das Hormon Prolaktin wird im Allgemeinen mit dem Brutverhalten weiblicher Vögel und der Laktation von Säugetieren und Cortisol mit der mütterlichen Feinfühligkeit gegenüber Kleinkindern in Verbindung gebracht, wie Blaffer Hrdy weiter ausführt. (ebenda. S. 233). Sie fasst zusammen:

„Je mehr frühere Erfahrungen ein Mann mit der Kinderfürsorge hat, je länger er in Kontakt mit Babys gewesen ist, je stärker er emotional engagiert ist und je feinfühliger er auf ihre Bedürfnisse reagiert, desto deutlicher sind in der Regel die physiologischen Auswirkungen“. (ebenda, S. 234).

5 . Matrifokale Männer und Väter heute

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Bilder von matrifokal-männlich-väterlicher, am Lebenskreiszyklus orientierter Daseinsfürsorge; Fotos: Susan-Barbara Elbe

Das Patriarchat beginnt mit der Tierzucht. Zucht und züchtigen haben die gleiche Wortwurzel. Das Patriarchat züchtet nicht nur Tiere und Pflanzen. Es züchtet auch Frauen und Männer und die natürliche Varianz dazwischen wird weggezüchtet, denn in der Zucht ist alles machbar und dient der patriarchalen MACHT: Frauen und insbesondere Mütter werden auf schwach, „lieb“ und abhängig gezüchtet und Männer und insbesondere Väter auf aggressiv, narzisstisch und dominant. Beides ist nicht nur widernatürlich, sondern ausgesprochen lebensdumm und bedient sich des Mittels der Gewalt. Nicht zufällig sprechen wir bis heute von einem „Zuchthaus“, wenn wir von einem Gefängnis sprechen. (Anregung von Gertrud Gansl in persönlicher Mitteilung). Tatsächlich ist das gesamte Gesellschaftssystem des Patriarchats ein Zuchthaus und wir Er-ZIEHEN unsere Kinder passend für dieses Zuchthaus. Er-Ziehen, bedeutet nichts anderes als: er zieht. Nützlich ist dieses Er-Ziehen als gesellschaftskonformes Abrichten nur für eine ganz kleine hierarchisch-elitäre Gruppe von vor allem Männern, den Patriarchen, die an der Spitze der Herrschaftspyramide thronen und auch einigen patriarchalen Frauen. Das Leben selbst nimmt dabei ungeheuren Schaden.

5.1 Auch Männer verdanken einer Mutter ihr Leben

Matrifokale Männer und Väter durchblicken das zerstörerische System des Patriarchats, weil sie mit der Natur und ihren Zyklen und Rhythmen verbunden sind und diese Anbindung und Verbundenheit mit der Natur, dieses Religio mit der Natur ist das Gegenteil von dem patriarchalen Paradigma, die Natur beherrschen zu wollen. Weil matrifokale Männer und Väter mit der Natur verbunden sind, können sie selbstverständlich erkennen, dass die Natur nicht den Müttern und den Vätern jeweils zur Hälfte die biologische Arbeit an der Generationenfolge zugeteilt hat, sondern, dass die Mütter den allergrößten Teil dieser für die Menschenart überlebenswichtigen Arbeit leisten. Da matrifokale Männer und Väter deshalb auch erkennen und benennen können, dass auch sie den Müttern und nicht den Patriarchen ihr Leben verdanken, ist es für sie nur folgerichtig, dass die Mütter im Zentrum einer menschlichen Gesellschaft stehen müssen, um die für die Menschenart erforderliche, kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge umfassend zu gewährleisten. Matrifokalität folgt also nur der Logik der Natur! Es ist kein hierarchisch-elitär-herrschaftliches System, wie das Patriarchat und das Matriarchat mit Heros und Königtum, sondern es ist ein menschenartnatürlicher, mutterzentrierter Kreis.

5.2. Der systemimmanente Destruktivismus des Patriarchats

 Matrifokale Männer und Väter erkennen den systemimmanenten Destruktivismus des Patriarchats und sie versuchen dieser Zerstörungsherrschaft etwas entgegen zu setzen. Konkret bedeutet dies, dass matrifokale Männer und Väter ökologisch, empathisch, emotional intelligent, kooperativ statt ausschließlich konkurrenzorientiert, lebenszyklisch-kreisförmig und Fürsorgearbeit erkennend und ausübend denken. Dadurch erkennen sie auch den perfiden Umgang des Patriarchats mit letzterer, nämlich,

  • dass die für das Leben unabdingbare Fürsorgearbeit von Kindern und alten Menschen, ohne die Leben nicht funktioniert und die damit verbundene Arbeit der Daseinsfürsorge bis heute vor allem den Müttern aufgelastet wird
  • dass diese Arbeit dann per patriarchaler Definition nicht als Arbeit anerkannt, im Bruttosozialprodukt (BSP) nicht aufgeführt, und durch diese Unsichtbarkeits-Machung nicht nur als nicht lohnwürdig, sondern auch als keinerlei Wertschätzung bedürfend deklariert wird
  • dass in der Folge der patriarchatsideologischen Unsichtbarkeitmachung der Fürsorgearbeit heutige Vater-Mutter-Kinder-Paarungsfamilien und noch viel stärker Alleinerziehende, die zu mehr als 90 % ebenfalls Mütter und keine Väter sind, durch die fürsorgearbeitausschließende Definition des Arbeitsbegriffs in eine weitere kapitalistische Ausbeutungsstufe hineingezwungen werden durch die Normalpropagierung einer Dreifacharbeitsbelastung als fortschrittlicher Errungenschaft von „moderner“ staatlicher Familienpolitik

Weil matrifokale Männer und Väter Fürsorgearbeit sehende und tätigende Männer sind, setzen sie sich zusammen mit Frauen und Müttern dafür ein, diese patriarchatsideologische Fehlbeurteilung von Arbeit zu korrigieren. Sie packen also selbsthändisch an bei der Fürsorgearbeit, die auch manchmal im wahrsten Sinn des Wortes „Scheißarbeit“ und „Dreckwegmacharbeit“ ist, und nicht nur Spielen mit dem Nachwuchs bedeutet, während die langweiligen, alltäglich anfallenden, lebensüberwichtigen Routinearbeiten und das Putzen und Reinigen an Frauen delegiert wird, entweder an die eigene „Hausfrau“ oder an bezahlte Putzfrauen, da die „Herren der Schöpfung“ sich zu fein sind oder sich zu wichtig nehmen für die Alltagsarbeit.

Matrifokale Männer und Väter sind aber auch mit den Gesetzen der Physik vertraut und erkennen, dass es grundsätzlich anderer Formen des Wirtschaftens bedarf. Das bedeutet, wir brauchen nicht nur eine Ökonomie, die mit gemeinschaftlicher Fürsorgearbeit und den Grundbedürfnissen des Lebens und des Sterbens in Einklang zu bringen ist, sondern auch eine Ökonomie, in welcher zunehmend die Erkenntnis umgesetzt wird, dass die vom Patriarchat propagierte ökonomisch-exponentielle Wachstumskurve irgendwann abreißt, weil natürliches Wachstum immer nur zyklisch verläuft. Das impliziert, dass wir tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Ökonomie angehen müssen. Wir brauchen also eine Ökonomie, welche die Natur, einschließlich der Natur der Mütter nicht ausbeutet. Noch einmal auf den Punkt gebracht, brauchen wir eine Ökonomie, welche nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur arbeitet.

5.3 Die systemimmanente Gewalt des Patriarchats

Die Basis des Patriarchats ist Gewalt. Matrifokale Männer und Väter erkennen nicht nur die verschiedenen Erscheinungsformen von patriarchaler Gewalt, sondern stellen sich ihr gemeinsam mit Frauen und Müttern entgegen, sei es der Alltagsgewalt, der Kriegsgewalt zugunsten der patriarchalen Machtelite und zum Schaden des Lebens, aber auch der strukturellen Gewalt.

Da matrifokale Männer den Körper der Frau und ihre Vulva ehren und heiligen, da sie diesem weiblichen Körper ihr eigenes Leben verdanken, üben matrifokale Männer und Väter nicht nur in persona keine körperliche oder psychische Gewalt gegenüber Frauen und Kindern aus, sondern sie arbeiten auch aktiv daran, dass Gewalt gesellschaftlich umfänglich geächtet und geahndet wird und eine Wiedergutmachung bei den Opfern erfolgt.

Eine Ächtung von Gewalt beinhaltet Alltagsgewalt wie Schlagen und Prügeln mit Händen und Gegenständen, Fesseln, Treten, Würgen, Sexualisierte Gewalt durch Pornographie, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch von Kindern, Frauen, Männern, Intersexuellen und Transsexuellen, Homophobie, Prostitution, Leihmutterschaft, Totschlag, Mord, die Ausübung psychischer Gewalt durch Ausnutzung ungleicher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, eine Verbannung von Frauen aus der Öffentlichkeit durch Einsperren in Häusern oder körperverhüllende, nicht dem Wärme- oder Sonnenschutz, sondern patriarchal indoktrinierenden theologischen Moralvorschriften dienenden Kleidungsstücken, Genitalverstümmelung, Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Plündern und Brandschatzen, Folterungen, Versklavung, Gewalt durch Waffen in Form von Messern, Schwertern, Säbeln, Pistolen, Gewehren, Bomben aller Art, einschließlich Atombomben, Wasserstoffbomben und Giftgas, Gewalt gegen Tiere durch landwirtschaftliche Massentierhaltung und Fließbandschlachtungen, Gewalt gegen die Umwelt durch großflächigen Gifteinsatz von Pestiziden, Herbiziden, Insektiziden und Überdüngung, rücksichtslose Zerstörung der Lebensräume durch Monokulturen, Abholzung, Fracking, Staudammbauten, großflächigen, rücksichtslosen, Lebensraum vergiftenden und zerstörenden Bergbau aber auch die strukturelle Gewalt durch Mansplaining und Manspreading, welche den öffentlichen Raum als männlich definiert hat und sich darin äußert, dass der Mann von sich ausgehend, den gesamten öffentlichen Raum nach seinem Gutdünken definiert hat: den Raum der Theologie, den Raum der Politik, den Raum der Ökonomie und den Raum der Rechtsprechung.

Matrifokale Männer und Väter sind also herzlich willkommen! Wie könnte es auch anders sein, sind sie doch alle unsere Söhne!

Literaturverzeichnis:

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Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

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Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie; 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie; Band 2; 2014

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Mies Maria: Krieg ohne Grenzen; Die neue Kolonisierung der Welt; 2005

Mies, Maria; Shiva Vandana: Ökofeminismus: Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker – Eine neue Welt wird geboren, 2016

Tazi-Preve, Mariam Irene: Das Versagen der Kleinfamilie; Kapitalismus, Liebe und der Staat; 2017

Scheidler, Fabian: Das Ende der MEGA MASCHINE; Geschichte einer scheiternden Zivilisation, 2016

Seed, John; Macy, Joanna; Fleming Pat; Naess, Arne: Denken wie ein Berg – Ganzheitliche Ökologie: Die Konferenz des Lebens, 1989

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Winkler, Gabriele: CARE REVOLUTION; Sch

Warum Gott MUTTER und nicht Göttin, Muttergöttin oder Muttergottes? Eine Zeitreise vom Ursprung von Religion zum patriarchalen Missbrauch von Religion durch Theologie

Da wir immer wieder viele Anfragen bekommen, warum wir von Gott MUTTER sprechen und nicht von Göttin, Muttergöttin oder Muttergottes haben wir jetzt auf der Website http://www.herstory-history.com unter der Rubrik Patriarchatskritik eine Unterrubrik Religion eingerichtet und hierfür 3 Grundsatzartikel in Form einer Zeitreise vom Ursprung von Religion zum patriarchalen Missbrauch von Religion durch Theologie  geschrieben. Die Texte sind lang, insbesondere der dritte Text, aber ich denke es lohnt sich, sie zu studieren. Am Ende stehen dann viele patriarchats-befreiende Aha-Erlebnisse!

Teil 1

500.000 Jahre menschliche Kultur und der Beginn von Religion

https://herstory-history.com/grundlagen/religion/warum-gott-mutter-teil1

Teil 2

Die Religion von Gott MUTTER

https://herstory-history.com/grundlagen/religion/warum-gott-mutter-teil2

Teil 3

Wo eine Göttin ist, ist auch ein Gott – Männlicher Fruchtbarkeitswahn als Grundlage von Theologie

https://herstory-history.com/grundlagen/religion/warum-gott-mutter-teil3

 

 

 

Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

1280px-Biological_cell.svgSchemazeichnung einer tierischen Zelle. Das Zytoplasma (11) enthält folgende Strukturen: Zellkern (2) Nukleolus (1) Vesikel (4) Ribosomen (3) Raues Endoplasmatisches Reticulum (ER, 5) Mikrotubuli (7) Golgi-Apparat (6) Zentriolen (13) Glattes ER (8) Mitochondrien (9) Lysosom (10) Peroxisomen (12)Foto: GNU Free Documentation License

Genotyp, Phänotyp und Mütterliche Effekte, die darüber bestimmen, ob ein Mensch ein Mensch wird

Die natürliche Fortpflanzung des Menschen erfolgt bisexuell, d.h. ein Mensch entwickelt sich genetisch hauptsächlich aus der Vereinigung eines mütterlichen und eines väterlichen Chromosomensatzes bei der sogenannten Karyogamie, der Verschmelzung der Zellkerne zur Zygote. In den Zellen von Eukaryoten, zu denen neben Menschen auch Pflanzen, Tiere und Pilze gehören, ist der Großteil der DNA (Desoxyribonucleic Acid) im Zellkern als Chromosomen organisiert. Die DNA, als materielle Basis der Gene, ist also die Trägerin der Erbinformation. Ein kleiner Teil der DNA befindet sich allerdings außerhalb des Zellkerns im sogenannten Zytoplasma und zwar in den dort befindlichen Zellorganellen, die von einer doppelten Membran umgeben sind. Bei Pflanzen sind das die Plastiden, bei Tieren und Menschen die Mitochondrien.

Die DNA in den Mitochondrien, die sogenannte mitochondriale DNA (kurz mtDNA), von ihrer Gestalt her kreisförmig, ist zwar mit 16 000 Basenpaaren wesentlich kleiner als das Erbgut im Zellkern, das 3 Milliarden Basenpaare umfasst, aber die mtDNA leistet trotzdem einen wesentlichen genetischen Beitrag. Tatsächlich kann die Anthropologie – die Abstammungslehre des Menschen – die Abstammung von Mulier-Homo sapiens – dem sogenannten modernen Menschen – anhand der mtDNA aufgrund ihrer geringen Mutationsrate, 6000 Generationen zurück auf eine einzige Urmutter zurückführen. (Sykes, Bryan, 2001). Der Genotyp eines Menschen, die Gesamtheit der genetischen Information ist also einmal von den mütterlichen und väterlichen Genen im Zellkern bestimmt. Zusätzliche genetische Informationen erfolgen aber über die ausschließlich mütterlich vererbte DNA aus den Mitochondrien.

Neben dem Genotyp gibt es allerdings den Phänotyp. Der Phänotyp ist das Erscheinungsbild und bezeichnet in der Genetik die Menge aller Merkmale eines Organismus. Dabei bezieht sich der Phänotyp nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische Eigenschaften und auf Verhaltensmerkmale. Morphologisch bedeutet dabei die äußere Gestalt betreffend und physiologisch betrifft die inneren Stoffwechselvorgänge. Die amerikanische Soziobiologin Mary Jane West-Eberhard schreibt dazu, dass „die bloßen Gene zu den unfähigsten und nutzlosesten Materialien gehören, die man sich vorstellen kann“, weil „der Phänotyp des frühen Embryos allein von der Mutter determiniert wird“. (West-Eberhard, Mary Jane zit. in Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur, 2010, S. 97/98).

Die Befruchtung und die Verschmelzung der Gene im Zellkern ermöglichen nämlich noch keine Fortpflanzung.

„Tatsächlich entscheiden sogenannte Mütterliche Effekte darüber, ob ein Mensch ein Mensch wird“, schreibt die amerikanische Anthropologin Blaffer Hrdy in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ und ergänzt die Forschungen der Soziobiologin West-Eberhard, denn schon vor der Befruchtung ist die Eizelle eines Tieres oder einer Pflanze ein hoch organisierter und aktiver Phänotyp. Blaffer Hrdy konkretisiert:

„Man betrachte nur, was am Anfang eines Froschlebens passiert. Stunden nach der Befruchtung besteht die sich schnell teilende Blastula (das Anfangsstadium in der Entwicklung eines Tieres) bereits aus 4000 Zellen. Aber noch ist kein einziges Gen des Embryos aktiviert. Alle seine Instruktionen stammen von Hormonen und Proteinen, die in seinem Zytoplasma zirkulieren. Die anfängliche Entwicklung dieses neuen Individuums ist alles andere als genetisch determiniert, sondern in hohem Maße von der Verfassung seiner Mutter, ihrem Ernährungszustand oder ihrer Lebensgeschichte beeinflusst“. (ebenda, S. 97).

Kein Wunder, ist doch die Mutter die einzige Umwelt des Embryos.

Schauen wir aber nun auf physiologischer Ebene noch einmal genauer auf die Mütterlichen Effekte.

Die Eizelle, ihr Zytoplasma und die damit einhergehenden Mütterlichen Effekte

Die Eizelle oder Oocyte ist die weibliche Keimzelle zweigeschlechtlicher Lebewesen. Die Eizellen sind wesentlich größer als die männlichen Gameten. Beim Menschen ist die Eizelle hundertmal größer als die männliche Gamete, das Spermium, da das Spermium nur die Kern-DNA enthält. Eizellen sind hingegen nicht nur Zellen mit einem haploiden Chromosomensatz im Zellkern, sondern sie enthalten auch das Zytoplasma als zelluläre Umgebung in der sich zusätzlich noch die Zellorganellen befinden. Blaffer Hrdy schreibt.

„Die Eizelle enthält dagegen verschiedene Ingredenzien – den Zellkern und das Zytoplasma. Sobald sich das Spermium innerhalb des Eis befindet, werden von der Mutter übermittelte Anweisungen umgesetzt. Nährstoffe, die schon vor der Befruchtung gehortet wurden, versorgen den Embryo mit dem, was er für seine Entwicklung benötigt. Die Eizelle der Mutter stammt von Zellen ab, die schon vor der Befruchtung damit begonnen haben, sich zu teilen. Lange bevor es zu irgendeinem Kontakt zwischen Spermium und Eizelle kommt, sind durch die vier Teilungen aus der mütterlichen Urkeimzelle 16 Zellen geworden. Eine dieser Zellen lebt als eigentliche Eizelle weiter. Aus den anderen werden „Nährzellen“ – sie stellen Nährstoffe und andere Substanzen her, die durch das Zytoplasma transportiert werden (Alberts et al., 1994). Mit anderen Worten: Ehe die im Spermium enthaltenen Gene des Vaters auch nur aktiviert werden, steht die frühe Embryonalentwicklung bereits unter mütterlicher Kontrolle. Sobald die Eizelle eine Samenzelle akzeptiert, werden mütterliche Effekte in Gang gebracht. Das Protoplasma der Mutter leitet die Entwicklung des Embryos ein und gibt damit gleichzeitig den Startschuss für eine Vielzahl möglicher mütterlicher Effekte“. (Blaffer Hrdy, Sarah, ebenda, S. 96).

Den Mitochondrien als den Kraftwerken der Zellen kommt dabei eine weitere Schlüsselrolle zu, denn die Mitochondrien sind nicht nur durch ihre ausschließlich an die Mütter gekoppelte Genetik interessant, sondern auch physiologisch, denn die Hauptaufgabe der Mitochondrien ist die Produktion von Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) innerhalb der sogenannten Atmungskette. Die Atmungskette ist ein Teil des Energiestoffwechsels der meisten Lebewesen. In der Atmungskette finden sogenannte biochemische Redoxreaktionen statt, die zur Energiegewinnung dienen. Diese Redoxreaktionen erfolgen durch Enzyme, welche in der inneren Mitochondrienmembran liegen und eine Kette bilden, über die Elektronen transportiert werden. Neben der Energieproduktion stellen die Mitochondrien Raum für den Ablauf von chemischen Auf-und Abbauprozessen zur Verfügung. So befinden sich in den Mitochondrien Enzyme, die für den Zitronensäurezyklus und den Fettstoffwechsel wichtig sind. Darüber hinaus dienen die Mitochondrien als Kalziumspeicher.

In den Mitochondrien aber auch im rauhen Endoplasmatischen Reticulum (ER) befinden sich zudem sogenannte Ribosomen. Ribosomen sind elementar wichtig für die Proteinbiosynthese, also den Eiweißstoffwechsel, da sie Bestandteil zweier „Übersetzungsfunktionen“ in der Zelle sind, der sogenannten Transkription und der Translation. Unter Transkription versteht man die Umschreibung der Nucleinbasen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin der doppelsträngigen DNA, welche den Zellkern nicht verlassen kann, in die einsträngige RNA, wo die Base Thymin durch die Base Uracil und der Zucker Desoxyribose durch Ribose ersetzt werden. Dieser Prozess der Transkription fungiert als Übersetzungsprozess des genetischen Codes der im Zellkern befindlichen DNA, welche durch die Basensequenz definiert wird. Unter Translation versteht man den anschließenden zweiten Übersetzungsprozess, in der die veränderte Basensequenz der RNA nun in die Aminosäurensequenz des Proteins übersetzt wird. Die Basensequenz der DNA stellt somit einen Code dar, der unter Vermittlung der ribosomalen RNA die Struktur spezifischer Proteine bestimmt. Bei diesem Vorgang der Informationsübertragung handelt es sich um den zentralen Prozess der Molekularbiologie und der kann nur erfolgen mithilfe der sich im Zytoplasma befindlichen Zellorganellen von denen auch der Golgi-Apparat eine zentrale Funktion innehat. Eine der Hauptfunktionen des Golgiapparats ist es, die entstandenen Proteine vom Endoplasmatischen Reticulum (ER)zu empfangen und umzuwandeln. Dazu werden die Proteine in kleinen Abschnürungen vom ER – den sogenannten Vesikeln – zum Golgi-Apparat transportiert und dort umgewandelt. Diese Transportweise mit Vesikeln soll verhindern, dass beim Transport durch das Zytoplasma Reaktionen ablaufen, die der Zelle schaden könnten. Nach der Umwandlung der Proteine im Golgi-Apparat, werden diese nun wiederum in Vesikeln – die jetzt vom Golgi-Apparat stammen – weiter zu ihrem Bestimmungsort geschickt.

 Da nur die Eizelle über das Zytoplasma und die darin befindlichen Zellorganellen verfügt, wird nun auch verständlich, warum Soziobiologinnen wie Mary Jane West-Eberhard die Entstehung des Individuums als Mütterlichen Effekt definieren.

Embryonenschutzgesetz und die Einnistung des Embryos in den mütterlichen Organismus

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie sich gerade im Zuge von Klontechniken und Reproduktionsmedizin die grundrechtliche und bioethische Sichtweise auf den Embryo verändert. War bisher die herrschende Meinung, dass mit der Verschmelzung der Kerne von Eizelle und Spermium zur Zygote menschliches Leben entsteht, das sich von da an als Mensch weiterentwickelt und dem deshalb auch der Schutz der Menschenwürde nach Art. 1 des Grundgesetzes zukommt, verändert sich diese Sichtweise zunehmend.

Wikipedia schreibt unter dem Begriff des Klonens:

„Allerdings ist auch in Deutschland die Ansicht im Vordringen begriffen, die den Lebensschutz des Grundgesetzes mit der Nidation, der Einnistung des Embryos in den mütterlichen Körper, einsetzen lässt. Das legen Erkenntnisse der medizinischen Anthropologie nahe, nach denen eine Wechselwirkung zwischen Embryo und Mutterkörper erforderlich ist, damit sich der Embryo überhaupt zu einem Menschen entwickeln kann. Ohne diesen Impuls, die Nidation, entsteht niemals ein Mensch, der Embryo entwickelt sich gleichsam ins Nichts. Dieser Ansicht entspricht die geltende Rechtslage in Großbritannien“. (Wikipedia: Begriff: Klonen: 31. 1. 2018).

Shuttle-Service und Kooperation – weitere für das Patriarchat unbequeme Wahrheiten über die Fortpflanzung

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Spermium und Eizelle, Foto: Wikimedia Commons: gemeinfrei

 

 

 

 

 

Beschäftigen wir uns noch weiter mit interessanten wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich der Befruchtung:

2014 wurde im Westdeutschen Rundfunk des Deutschen Fernsehens der Film „Der Spermien-Mythos“ ausgestrahlt, der unter Mitwirkung des Kinderwunschzentrums in Darmstadt entstand, allerdings heute im Netz nicht mehr verfügbar ist. In dem Film werden einige der Mythen um die Spermien und die Befruchtung völlig anders dargestellt, als wir gemeinhin in der Schule gelernt haben. Unter Pravda TV findet sich auch heute noch eine gute Zusammenfassung des Films, die Johanna Bayer zusammengestellt hat und an dieser Stelle wiedergegeben werden soll. (https://www.pravda-tv.com/2014/03/der-spermien-mythos-video/#jOS6A03Lez7IUCex.99).

Johanna Bayer schreibt:

Mythos 1: Sie schwimmen

„Spermien schwimmen nicht durch die Gebärmutter. Ihre Geißel, mit der sie in einer schraubenden Bewegung schlagen, dient nicht zur Überwindung großer Distanzen, sondern zum Eindringen ins Ei. Bis zu diesem Zeitpunkt bewahren sie ihre Energie auch lieber auf – richtig aktiv werden sie erst im Eileiter, wenn das Ziel unmittelbar bevorsteht. Die riesige Strecke von der Scheide, wo sie landen, bis zum Ei, könnten sie auch gar nicht so einfach überwinden. Spermien gehören zu den kleinsten Körperzellen, sie sind nur 0,06 Millimeter groß. Im Körper der Frau liegt eine Strecke von 12 bis 15 Zentimetern vor ihnen, bis sie das reife Ei erreichen. Müssten sie schwimmen, wäre das eine schwere Herausforderung: Rechnet man die Distanzverhältnisse auf einen erwachsenen Mann von 1,80 Metern um, müsste dieser rund 5,5 Kilometer Dauerschwimmen – mehr als beim härtesten Triathlon! Doch schon zehn Minuten nach der Ankunft in der Scheide können die ersten Spermien am Eileiter eintreffen; aus eigener Kraft könnten sie das gar nicht schaffen.

Mythos 2: Bequem wie im Shuttle-Service

Stattdessen sorgt die Gebärmutter für den Transport: Wie Forscher vom Uniklinikum Darmstadt schon vor Jahren eindrucksvoll zeigen konnten, schieben gezielte Muskelkontraktionen der Gebärmutter die Spermien im Gebärmutterschleim nach oben Richtung Ei. Denn der Eileiter, in dem gerade ein reifes Ei sitzt, aktiviert die entsprechende Seite der Gebärmutter, so dass sich die Muskeln zusammenziehen und die Spermien wie mit einem Shuttle-Service transportieren. Auch den Aufstieg von der Scheide in die Gebärmutter erledigen die Spermien nicht selbst: Der Gebärmutterhals saugt die Spermien an und so gelangen sie nach oben in den schützenden, nährenden Schleim des Gebärmutterhalses. Hier können sie fünf bis sieben Tage überleben, und von hier aus treten sie ihre Reise an.

Mythos 3: Kampf und Konkurrenz

Zwischen 40 und 600 Millionen Spermien kommen in der Scheide an – doch nur wenige Tausend erreichen den Eileiter. Doch nicht die Spermien bekämpfen sich gegenseitig, um den Besten auszulesen. Das Gros bleibt buchstäblich auf der Strecke, weil es die Reise durch die Gebärmutter nicht übersteht. Denn in der Gebärmutter sind sehr viele Immunzellen aktiv, die Feinde und Eindringliche abwehren sollen. Die Immunzellen stürzen sich auf alle Fremdkörper – und auch Spermien sind Fremdkörper. Die meisten Spermien aus dem Ejakulat werden also vernichtet, das ist vermutlich ein Grund dafür, dass eine solche Menge zur Verfügung gestellt wird. Es gibt aber auch interessante Beobachtungen, wie sich die Spermien verhalten: Viele von ihnen, ein Drittel in jedem Ejakulat, können sich gar nicht bewegen. Sie scheinen nutzlos zu sein, aber ihre Aufgabe könnte darin liegen, eben jene Immunzellen zu beschäftigen! Je mehr Spermien-Masse, desto mehr haben die Abwehrkörper zu tun – und desto mehr kommen durch. So stellt sich in Wahrheit die Aufgabe der Spermien nicht als Wettkampf gegeneinander dar, sondern als Kooperation! Im Schutz der Masse gelangen genügend lebensfähige, bewegliche Spermien von der Gebärmutter bis zum Ei.

 Mythos 4: Nur der Beste gewinnt

Nur ein einziges Spermium dringt ins Ei ein und befruchtet es – doch das heißt nicht, dass nur ein einziges das Ei erreicht, und dass dieses das schnellste und kräftigste Spermium der Menge ist. Stattdessen landen Hunderte von Samenzellen im Eileiter, wo die Umgebung für sie günstiger ist als in der Gebärmutter: Hier durchlaufen sie einige Veränderungen, die sie aktiver machen, so dass ihre Geißel viel schneller schlägt. Das Ei selbst kommt ihnen entgegen, gefächelt von kleinen Härchen des Eileiters. So schaffen es die Spermien, im Eileiter eine winzige Strecke von einem bis zwei Zentimetern selbst zu überwinden, unterstützt noch durch Kontraktionen der Eileiterwand, die sie voran-schieben. Das Ei sendet außerdem Lockstoffe aus, die chemisch auf die Köpfe der Spermien wirken, so dass sie sich zum Ei ausrichten. Zwei- bis dreihundert Spermien können sich so auf das empfängnisbereite Ei stürzen.

Realität: Alle für einen

Das Ei ist von einer Wolke von Zellen umgeben – diese Außenschicht gilt es nun zu knacken. Eine Samenzelle alleine könnte diese Hülle nicht durchdringen, sagen Experten: Die Hauptaufgabe der vielen im Team arbeitenden Spermien ist es, die Außenschicht des Eies aufzulösen. Genau dazu dienen auch die Schläge mit der Geißel – nicht zur Fortbewegung. Wenn die Hülle schließlich nachgibt und einreißt, so ist es purer Zufall, welches Spermium hineingelangt. Es ist weder das Schnellste noch das Beste, auch nicht das, das sich gegen andere durchgesetzt hat – sondern das Spermium, das zufällig gerade an der richtigen Stelle sitzt. Vielleicht ist es auch eines, das gerade erst angekommen ist und noch frische Kräfte hat, um zu bohren. Auch hier siegt also das Team: Das Wunder der Befruchtung ist ein Wunder an Kooperation“.

Von männlichem Samen, der Mütter zu passiven Gefäßen des Mannes degradiert

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Samenkorn einer Bohne als Beispiel für einen zweikeimblättrigen Samen (Dicotyledon). Der Same besteht bei den sogenannten Spermatophyten aus der Samenschale, dem Nährgewebe (Endosperm) und einem ruhenden Embryo. Das Wort Samen für die männlichen Gameten – die Spermien- beim Menschen zu verwenden ist hochgradig irreführend, weil es suggeriert, dass im Spermium bereits der fertige Embryo angelegt ist.

Umgangssprachlich werden die männlichen Gameten beim Menschen – die Spermien – immer noch als Samen und ein männlicher Orgasmus als Samenerguss bezeichnet. Diese Begrifflichkeiten führen in die Irre, denn der Begriff Same kommt aus der Botanik. Dort ist der Same die charakteristische Verbreitungseinheit der sogenannten Spermatophyten. Spermatophyten sind eine Gruppe im Reich der Pflanzen, welche Samen als Ausbreitungsorgane bilden. Sie bilden Samen, die den Embryo geschützt in mütterlichem Gewebe (Samenschale) enthalten Der Same besteht aus der Samenschale, dem Nährgewebe, dem sogenannten Endosperm und einem bereits fertigen Embryo im Ruhestadium.

Dass es sich beim Spermium des Menschen nicht um eine Zelle mit einem fertigen Embryo handelt, ist heute hinlänglich bekannt, aber dennoch prägt dieses Denken des „aktiven Mannes“, der das Kind mit seinem Samen zeugt, was impliziert, dass der Mann der Erzeuger des Kindes ist, bis heute die Gesellschaft. Der Frau, der Mutter wird die Rolle eines passiven Gefäßes zugeteilt.

Blaffer Hrdy beschreibt in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ die langjährige Interpretation patriarchaler Naturwissenschaftler über menschliche Fortpflanzung, die bis 1925 annahmen, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Sie schreibt:

„Im späten 17. Jahrhundert meinten Wissenschaftler beim Blick durch das Mikroskop im Inneren einer menschlichen Samenzelle einen Miniaturmenschen, einen kleinen „Homunkulus“ zu erkennen, der dort zusammengekauert darauf wartete, im weiblichen Schoß abgelegt zu werden. Selbst noch nach 1827, als der Embryologe Karl Ernst von Baer die Eizelle von Säugetieren erstmals genauer beschrieben und seine Kollegen davon überzeugt hatte, dass in den weiblichen Uterus keine fertigen Menschen eingepflanzt würden, nahm man weitere hundert Jahre an, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Mütter steuerten zwar Eizellen bei, galten aber immer noch als passive Gefäße, die darauf warten, dass die Männchen ihre Lebenskraft an sie weitergeben“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur; 2010,S. 96).

HomunculusLarge

Zeichnung des Homunkulus aus Nicolas Hartsoekers „Essay de Dioptrique“, 1694. Die damaligen Naturwissenschaftler glaubten unter dem Mikroskop im Spermium einen fertigen Menschen zu erkennen. Dieser fertige Menschensame wurde – so die Annahme – vom Mann im männlich aktiv dominierten Sexualakt – im Körper der Frau abgelegt, der nur noch die Rolle des passiven Gefäßes des Erzeugers zukam.

 

 

 

 

 

Tatsächlich entstand diese Idee der „passiven Gefäßmutter“ nicht erst im 17. Jahrhundert, sondern schon viel früher. Wikipedia schreibt – leider ohne weitere Literaturangabe-, dass die falsche Vorstellung, dass der männliche Same bereits der Mensch in nuce sei, der im Mutterleib quasi wie in einer Nährlösung nur noch heranzureifen brauche, aus dem alten Ägypten stammt. Unter dem ungenauen Begriff „altes Ägypten“, wird in der Regel das pharaonische Ägypten gemeint, das sich tatsächlich durch ein krasses Patriarchat auszeichnet, geht doch die weibliche Genitalverstümmelung als sogenannte „pharaonische Beschneidung“ ebenfalls auf die Herrschaftszeit der Pharaonen zurück. Aber auch dem von den Geisteswissenschaftlern bis heute hoch geschätztem Aristoteles (384-322 v.u.Z.) wird die Aussage zugeschrieben, dass

„der Vater als ganzer Mensch den Samen beiträgt, wogegen die Mutter nichts weiter ist als die Erde, in welcher der Samen wächst“. (www.womenpriests.org/de/traditio/inferior.asp)

Natürlich nahmen die Kirchenväter, welche, das monotheistische Vatergott-Patriarchat durchsetzen wollten, diese Sichtweise des „hochgeschätzten Philosophen“ als Steilvorlage und schrieben auch im Neuen Testament der Bibel diese Interpretation des weiblichen Körpers als Gefäß des Mannes fest, nachdem ja schon im Alten Testament, in den fünf Büchern Mose – welche die Grundlage aller drei monotheistischen Theologien ist, der Same Abrahams mit der Nachkommenschaft und damit mit unilinear patrilinearer Abstammung gleichgesetzt wird. In der unsäglichen Geschichte, in der der mörderische monotheistische Vatergott den Gehorsam Abrahams einfordert, indem er ihn auffordert seinen einzigen geliebten Sohn Isaak als Brandopfer zu opfern, – was erst in letzter Minute in ein Widderopfer umgewandelt wird – lesen wir.

„Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast“. (1. Mose 22, 15-19).

Und im Neuen Testament wird dann die zweite Seite der patriarchalen Medaille – der Same des Mannes als Nachkommenschaft und der Körper der Frau als passives Gefäß wiederaufgenommen und zwar im 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher.

„Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn dies ist Gottes Wille eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen“. (1. Thessalonicher 4, 2-6).

In der Anmerkung zu dem Ausdruck „Gefäß“ finden wir in der Elberfelder Bibel explizit die Erklärung, dass sich das Wort „Gefäß“ auf den Leib, respektive auf den Leib der Frau bezieht.

Lügenwut

Auch wenn die Naturwissenschaften heute nicht mehr davon ausgehen, dass der Same des Mannes bereits den fertigen „Homunculus“ enthält, so sehen wir doch, dass diese tief misogyne Sichtweise in der Gesellschaft tief verankert ist und diese prägt. Große Stützen des Patriarchats sind dabei alle fünf Welttheologien, auch weil die theologische Misogynie durch den staatlich garantierten Schutz der „Religionsfreiheit“ immer weiter fortgeführt werden kann. Mit dem nicht angewandten Antidiskriminierungsgesetz schützt Vater Staat aus „Traditionsgründen“ zudem die Misogynie der Theologien und es gibt keine gesetzliche Handhabe, gegen das täglich mantrahaft wiederholte Bild der „Mutter als Magd des Herrn“, wie es im Katholizismus propagiert wird, oder gegen das „Bild der abgeschafften Mutter“, im Protestantismus, dem der Mythologische Muttermord zugrunde liegt, vorzugehen, genauso wenig wie gegen die Misogynie im Judentum, Islam, im Buddhismus oder Hinduismus. (Armbruster, Kirsten: 2010).

 Angeblich „göttliche Autorität“ schützt die Patriarchen vor der Abschaffung des Patriarchats.

Würde man sich allerdings mit den Ergebnissen der Patriarchatskritikforschung beschäftigen, würde sofort klar, dass die Erfindung der Götter und ihrer Theologien einzig und allein den Zweck hatten, die älteste Religion von Gott MUTTER zu vernichten, sie durch eine falsche Geschichtsschreibung vergessen zu machen und den Mann als Vater mit göttlicher Autorität auszustatten, ein Bild an dem dank erfundener göttlicher Autorität bis in alle Ewigkeit nicht mehr gerüttelt werden soll. Welch krankes Bild von Vaterschaft dabei geschaffen wurde, wird überdeutlich an der oben zitierten Stelle aus dem Alten Testament, wo Gott-Vater von Abraham Gehorsam bis zum Mord seines geliebten Sohnes fordert und zudem in der Kombination von Besitz und Feindbildern den Krieg, die gewaltbasierte Durchsetzung des Patriarchats, gleich noch mit theologisch legitimiert.

Tatsächlich dienen aber nicht nur die Geschichtslüge und die Mann-Gott-Theologielügen der patriarchalen Lügenkriegsfront, sondern auch die Evolutionsbiologie (siehe Essay: Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder“ LINK) und die Biologie selbst werden dazu missbraucht, um ein dem Patriarchat dienendes Gesellschaftsbild mit einem dienenden Mutterbild weiter zu verfestigen. Wer kann angesichts der hier in diesem Essay aufgezeigten Wichtigkeit der Mütter für die Lebensentstehung, welche die angebliche bipolar-geschlechtliche Gleichordnung von Vater und Mutter komplett aushebelt, noch eine Väterrechtssprechung legitimieren, welche, die Fortpflanzungs-Lebensinvestition eines Vaters mit der einer Mutter gleichsetzt? Das ist ein den neusten Erkenntnissen der Evolutionsbiologie und der Biologie wiedersprechender Justizskandal. Auch hier haben wir – wie bei der stattlich garantierten „Religionsfreiheit gegenüber misogynen Theologien“ ein patriarchatssystemimmanentes Zusammenwirken mit Vater Staat, der sich immer schützend vor das Patriarchat stellt.

Väter sind biologisch wichtig, vätertaugliche, soziale Väter sind wunderbar, aber sie können nur ein Teil sein eines größeren Kollektivs, eines Kollektivs von vielen Menschen, die sich aufgrund des evolutionsbiologisch verankerten kooperativen Aufzuchtverhaltens des Menschen um die MUTTER, die mehr als 90 % der Lebensinvestition bei der Fortpflanzung leistet, gruppieren müssen, um die nächste Generation geschützt aufwachsen zu lassen. Die Paarungsfamilie und die auf ihr gegründete theologisch und staatlich sanktionierte Ehe sowie die damit festgezurrte angebliche Geschlechterpolarität, die auch tiefes Leid für alles diverse Leben jenseits der Geschlechterpolarität impliziert, wie Intersexualität und Transsexualität, diese Paarungsfamilie und die damit einhergehende „Heilige Hochzeit“ ist das Kernstück des Patriarchats. Diese Paarungsfamilie entspricht nicht der Natur des Menschen, sondern bildete sich – wie Gerhard Bott in seinen Veröffentlichungen nachgewiesen hat (Bott, Gerhard 2010 und 2014), erstmals im Laufe des Neolithikums und ihr einziger Zweck war – genauso wie bei den Theologien – die Herrschaft des Vaters, das Patriarchat durchzusetzen.

Es ist höchste Zeit das Herrschaftssystem des Patriarchats zu durchschauen und damit einhergehende festgeschriebene Gesellschaftsbilder zu verändern!

Literatur:

Alberts, Bruce, Dennis Bray, Julian Lewis, Martin Raff, Keith Roberts und James D. Watson: Molecular Biology of the Cell, 1994

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, Band 1 und 2: 2009 und 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur, 2010

                „Mehr über das in den letzten Jahren explosionsartig gestiegene Interesse an mütterlichen Effekten

findet sich bei Pennisi 1996; Fox, Thakar und Mousseau 1997; für einen ausführlichen Überblick siehe Rossiter 1996 sowie Mousseau und Fox, 1998“. (Literaturangaben aus Blaffer Hrdy, Mutter Natur, 2010, S. 631)

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung, 2003

West-Eberhard, Mary Jane: Phenotypic plasticity and the origins of diversity, Annual Review of Ecology and Systematics, 1989, 20, S. 249-278

Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

DSC_6139Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien

 Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der Menschheitsgeschichte und in der Gottesgeschichte unsichtbar gemacht durch die haltlose Behauptung: der Mann stand schon immer im Zentrum von Geschichte und Religion.

Die neuesten Erkenntnisse der interdisziplinären Patriarchatskritikforschung strafen diese Ideologien Lügen und entlarven deren Dogmen als Bastionen patriarchaler Definitions- und Ordnungsmacht, um männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren.

Das Virtuelle Museum www.herstory-history.com korrigiert die falschen Lehren des Patriarchats und lenkt den Blick auf die ursprüngliche Bedeutung der Mütter, nicht als passives, auf Kinder reduziertes Gefäß des Mannes, sondern als Trägerinnen menschlicher Kultur und Religion.

Die Entwicklung des emotional modernen Menschen

Menschliche Kultur in ihren Ursprüngen zeigt sich nach den neusten Erkenntnissen der Soziobiologie, entgegen der üblichen evolutionspsychologischen Beschreibungen, in denen Aggression und Killerinstinkte in der Evolutionsanthropologie einen großen Raum einnehmen, als das Gegenteil, nämlich als friedlich, empathisch, altruistisch, schenkbereit und hypersozial. Das patriarchale Paradigma, den Mann als Dreh- und Angelpunkt der Evolution ins Zentrum zu setzen, verstellte nur den Blickwinkel auf den tatsächlichen Ursprung der menschlichen Evolution, in der die Mütter im Zentrum standen. Die amerikanische Anthropologin und Primatenforscherin Sarah Blaffer Hrdy, die den „emotional modernen Menschen“ in die wissenschaftliche Diskussion einbringt, schreibt:

„Evolutionär gesehen, sind anatomisch und verhaltensmäßig moderne Menschen bemerkenswert jung. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass emotional moderne Menschen viel älter sind. Mit „emotional modern“ meine ich jene zweibeinigen Menschenaffen, die mit der Bereitschaft zu teilen und mit empathischen, intersubjektiven Fähigkeiten geboren wurden, welche sich tiefgreifend von jenen unterschieden, wie wir sie bei heutigen Schimpansen beobachten“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mütter und Andere, 2009, S. 98).

Auf die ungewöhnlichen intersubjektiven Fähigkeiten des Menschen hatte erstmals Michael Tomasello, der amerikanische Leiter der Leipziger Forschungsgruppe für Entwicklungspsychologie mit seinen MitarbeiterInnen hingewiesen und im Jahr 2005 hatten sie eine neue Trennlinie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Menschenaffen vorgeschlagen. Sie schrieben:

„Wir sind der Auffassung …, dass der entscheidende Unterschied zwischen der Kognition des Menschen und der anderer Arten die Fähigkeit ist, an gemeinschaftlichen Aktivitäten mit gemeinsamen Zielen und Intentionen mitzuwirken. Im Augenblick kennzeichnet dieses Merkmal zusammen mit unserem außergewöhnlich großen Gehirnvolumen und unserem Sprachvermögen die neue Trennlinie, die uns von anderen Menschenaffen unterscheidet. Entsprechend sind Menschen und nur Menschen darauf ausgelegt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die gemeinsame Ziele und sozial koordinierte Handlungspläne umfassen“. (zit. Aus Blaffer Hrdy: Mütter und Andere, 2009, S. 22/23).

In ihrem die Menschheitsgeschichte revolutionierenden Buch „Mütter und Andere“, in dem Blaffer Hrdy den wissenschaftlichen Beweis führt, wie die Evolution den Menschen zu sozialen Wesen machte, weist sie schon in ihrem einführenden Text auf eine dringend notwendige andere Sichtweise in der anthropologischen und soziobiologischen Wissenschaft hin. Sie schreibt:

„Die Tatsache, dass Kinder so sehr auf Nahrung angewiesen sind, die andere beschaffen, ist ein Grund weshalb diejenigen, die nach allgemeinen menschlichen Merkmalen suchen, gut beraten wären, mit der Bereitschaft zum Teilen zu beginnen“. (ebenda, S. 34).

Die Wissenschaftlerin führt weiter aus:

„Das Teilen von Nahrung mit unreifen Individuen, die zu jung sind, um sich selbst zu versorgen oder die Nahrung richtig zu verwerten, ist ein entscheidendes, aber oft übersehenes Kapitel der menschlichen Entwicklungsgeschichte… Bei keiner anderen Art aber sind unreife Individuen, was ihre Ernährung betrifft, jahrelang so sehr auf andere angewiesen wie beim Menschen“. (ebenda, S. 116).

Das ist der Grund warum hominine Kleinkinder unter anderen Bedingungen aufwuchsen als die Nachkommen aller anderen Primaten. Sie schreibt:

„Vermutlich bereits vor 1,8 Millionen Jahren wurden hominine Junge neben der Mutter von einer ganzen Reihe weiterer Individuen umsorgt und ernährt, und diese Aufzuchtbedingungen schufen die Voraussetzung für das Auftreten eines emotional modernen Menschenaffen“. (ebenda, S. 99).

Aus dieser Tatsache entwickelt sich beim Menschen ein besonders ausgeprägtes kooperatives Aufzuchtverhalten, das die Fürsorge und die Ernährung der Jungen auf mehrere Schultern verteilt. (ebenda, S. 118). Dieses kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen unterscheidet sich signifikant von dem der Menschenaffen, wie den Gorillas, den Orang-Utans oder auch den mit den Menschen genetisch am stärksten verwandten Menschenaffen wie den Schimpansen (pan troglodytes) oder den Bonobos (pan paniscus), wo ausschließlich die Mütter die erste und einzige Quelle von Körperwärme, Fortbewegung, Ernährung und Sicherheit sind. (ebenda, S. 101).

Blaffer Hrdy führt weiter aus:

„Bei Schimpansen, die ebenfalls langsam heranwachsen, werden Jungtiere insofern mit Nahrung versorgt, als ihre Mütter sie nach Nahrung greifen lassen… Doch nur bei Menschen beginnt mütterliches und alloelterliches Nahrungsteilen in den ersten Lebensmonaten und wird dann jahrelang fortgeführt. Auf vorgekaute Säuglingsnahrung folgt „Fingerfood“, und darauf wiederum Nüsse und gekochte Wurzeln, die von Großmüttern und Großtanten gesammelt und oft mühsam zubereitet werden – sowie die köstlichsten Speisen überhaupt, Honig und Fleisch, die der Vater, der Onkel oder andere Jäger mitbringen“. (ebenda, S. 117).

Blaffer Hrdy spricht explizit von der „Schenkbereitschaft“ der Menschengattung. Sie erläutert:

„Fälle von nichtmenschlichen Tieren, die in echter Großzügigkeit freiwillig einen Leckerbissen anbieten, sind selten, außer bei Arten, die, wie der Mensch, eine intensive evolutionäre Geschichte der sogenannten kooperativen Jungenaufzucht haben, bei der Jungtiere gemeinsam umsorgt und ernährt werden. Unter den höheren Primaten genießt der Mensch wegen seiner ständigen Bereitschaft, kleine Gefälligkeiten zu tauschen und Geschenke zu machen, eine Sonderstellung. (ebenda, S. 42).

Die Entstehung von Matrifokalität auf der Grundlage des kooperativen Aufzuchtverhaltens

Aufgrund dieses für den Menschen ausgeprägten kooperativen Aufzuchtverhaltens, das noch vor der Sprachentwicklung eines der Kennzeichen der Menschwerdung ist, erklärt sich nun, warum sich beim Menschen im Pleistozän das Zusammenleben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch als besonders günstig erwies. Schauen wir uns an warum:

 Exogamie ist bei den Paniden genetisch angelegt und wird durch Chemotaxis gesteuert. Das bedeutet beim pan paniscus, dass geschlechtsreife Frauen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Töchter emigrieren, die Söhne bleiben in ihrer Geburts-Familie. Pan paniscus ist also virilokal. (Bott, Gerhard, 2009, S. 17). Das ist möglich, weil die Menschenaffenbabys ausschließlich von der Mutter versorgt werden. Das andere – kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen – verlangt aber ein matrifokales Zusammenleben, das noch besser verständlich wird, wenn die von Kristen Hawkes und ihrem Team erstmals postulierte Großmutterthese in die früheste Soziobiologie des Menschen mit einbezogen wird.

Großmutterhypothese statt Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese

Da sich inzwischen geklärt hat, dass die Jäger in WildbeuterInnengemeinschaften nicht die Hauptversorger der Sippen waren, da ihre Beute viel zu unsicher für die täglich nötige Kalorienzufuhr war, sondern die tägliche Ernährung der Sippe von den Sammelfähigkeiten der Frauen abhing, ist die von patriarchalen Wissenschaftlern favorisierte Jagdhypothese, welche den Mann als Haupternährer und Versorger der Sippe und die Mutter in ökonomischer Abhängigkeit von ihm, in sich zusammengefallen. Die damit verbundene soziobiologische Lehre „Sex für Beute“ ist also falsch. Stattdessen ist dank der anderen Herangehensweise weiblicher Wissenschaftlerinnen die Großmutter-Hypothese in der Anthropologie angekommen. Forschungen der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah an Großmüttern beim wildbeuterisch lebenden Volk der Hazda zeigten nämlich, dass die eifrigsten Nahrungssammlerinnen die Großmütter und Großtanten waren. Blaffer Hrdy fasst die Forschungsergebnisse von Kristen Hawkes und ihren MitarbeiterInnen an den Hazda in Tansania sowie Paul Turkes Forschungsberichte vom Ifaluk-Atoll und Flinns Berichte von Trinidad, die alle die Großmutterhypothese stützen, wie folgt zusammen:

„…die Vorliebe der Hazda-Männer für prestigeträchtiges Großwild wie Elenantilopen hatte zur Folge, dass sie nur selten Beute machten…. An den meisten Tagen kehrten die Männer mit leeren Händen zurück, und es war die Tag für Tag von Frauen gesammelte Nahrung, die die Kinder satt machte. Hawkes und ihren Mitarbeitern fiel noch etwas anderes auf. Die Sammlerinnen, die morgens als Erste das Lager verließen und am Abend als Letzte zurückkehrten, sowie diejenigen, die die schwersten Lasten trugen, waren (anders als man erwarten sollte) nicht junge Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Und es waren auch nicht die Mütter mit hungrigen Kindern, die im Lager auf ihre Rückkehr warteten. Die eifrigsten Nahrungssammlerinnen waren vielmehr alte Frauen mit ledergegerbten Gesichtern, deren Blüte lange zurücklag. In einem wegweisenden Aufsatz mit dem Titel „Hart arbeitende Hazda-Großmütter“ beschrieben die Forscher Großtanten und Großmütter, die, statt die Beine hochzulegen und ihre nicht länger durch die Mühen der Kinderaufzucht belasteten “goldenen Jahre“ zu genießen, härter arbeiteten denn je. Kinder in diesen Wildbeutergruppen, die eine Großmutter oder Großtante hatten, die bei ihrer Ernährung halfen, wuchsen schneller heran. In Zeiten der Nahrungsknappheit hatten diese Kinder höhere Überlebenschancen. Turkes Berichte vom Ifaluk-Atoll, Flinns Berichte von Trinidad und jetzt diese Erkenntnisse über Jäger-Sammler in Tansania wiesen alle auf bemerkenswerte Parallelen zwischen Gruppen mit kooperativer Jungenaufzucht hin. In allen Studien waren es hilfsbereite Alloeltern – ältere Schwestern, Großmütter oder Großtanten -, die Mütter erlaubten, mehr Nachkommen mit besseren Überlebenschancen hervorzubringen“. (ebenda, S. 151/152).

Diese Forschungsergebnisse sind revolutionär, belegen sie doch, dass Großmütter und Großtanten einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der nächsten Generation liefern. Begreift man den Beitrag der Großmütter für die nächste Generation als menschenartgerecht, erklärt sich der evolutionsbiologische Nutzen der ungewöhnlich langen Lebensdauer von Menschenmüttern nach der Menopause, und es wird auch deutlich, dass Menschenmänner auch heute noch im Vergleich zu Frauen eine signifikant geringere Lebensdauer haben.

Auf der Basis der Großmutterhypothese schauten sich die britischen Anthropologinnen Rebecca Sear und Ruth Mace noch einmal die Unterlagen einer Studie über die Gesundheit von Mutter und Kind genauer an, die zwischen 1950 und 1980 vom United Kingdom Medical Research Council bei den Mandinka-Ackerbauern in Gambia erhoben worden waren und zu den aufwändigsten Studien zählt, die in einer traditionellen Gesellschaft jemals durchgeführt wurden. Auch die von den Forscherinnen neu interpretierten Ergebnisse dieser Studien verändern die übliche patriarchale Herangehensweise der Anthropologie in bedeutender Weise, lenken sie doch den Blick darauf, dass die höheren Überlebenschancen von Kindern vor allem an ein matrilineares Verwandtschaftsverhältnis gekoppelt ist. Blaffer Hrdy fasst auch die Ergebnisse der britischen Anthropologinnen Sear und Mace zusammen:

„Aus der Sicht eines Madinka-Kindes war es buchstäblich lebensrettend, wenn es eine ältere Schwester hatte, die babysitten konnte, oder eine Großmutter mütterlicherseits, die zusätzliche Nahrung besorgte und sich um das Kind kümmerte. Die Anwesenheit des leiblichen Vaters, von Großeltern väterlicherseits oder eines älteren Bruders hatte dagegen keine messbaren Auswirkungen auf die Überlebenschancen von Kindern. Wenn aber nach dem Verlust des Vaters ein Stiefvater die Bühne betrat, sanken die Überlebenschancen des Kindes deutlich. Ansonsten hatten Väter, wie es die Forscher unverhohlen formulierten, „absolut keinen Effekt auf den anthropometrischen Status oder die Überlebenschancen eines Kindes“ – sofern Allomütter zur Verfügung standen“. (ebenda, S. 154).

Tatsächlich bietet die wissenschaftliche Focussierung auf Großmütter und insbesondere auf matrilineare Großmütter die Lösung dafür, warum sich beim Menschen im Laufe des Pleistozäns das Leben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch durchsetzte.

 Was bedeutet Matrifokalität?

Matrifokalität bedeutet Mütter im Focus, Mütter im Zentrum und beinhaltete Matrilinearität und Matrilokalität.

 Matrilinearität heißt, dass die Verwandtschaft unilinear matrilinear abgeleitet wurde. Bei einer frei gelebten, wechselnden, von den Frauen durch die biologisch verankerte female choice bestimmten Sexualität war individuelle Vaterschaft nicht nachweisbar und deswegen ohne Bedeutung. Wenn individuelle Vaterschaft keine Bedeutung hat, dann ergibt sich daraus, die Abstammung nur über die Mutter abzuleiten. Matrilokalität bedeutet, dass die Töchter die matrilineare Blutsfamilie nicht verließen. Das war die direkte Folge des kooperativen Aufzuchtverhaltens beim Menschen, um die Ernährung ihrer Kinder durch konsanguinale Verwandtschaftsbeziehungen bestmöglich abzusichern.

Matrifokalität bewegte sich biologisch immer innerhalb der von der freien Entscheidung der Frau bestimmten Sexualität, der sogenannten female choice, die Vergewaltigung ausschließt und der ebenfalls biologisch durch Chemotaxis determinierten Inzestschranke. Das bedeutet, dass in der paläolithischen, matrilinearen, wildbeuterisch, egalitär lebenden Blutsfamilie aufgrund der Inzestschranke die geschlechtsreifen Brüder nicht matrilokal lebten und stattdessen nicht blutsverwandte Männer als Sexualpartner aus anderen Sippen sozial und ökonomisch eingegliedert wurden. Das bedeutet, wir haben im größten Teil des Pleistozäns ein kollektives fürsorgliches Väterbewusstsein, jedoch kein individuelles, aus dem sich „Väterrechte“ ableiten lassen. (Armbruster, Kirsten, 2014)

Die Entstehung der Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung

Die beiden Lieblingsthesen der gängigen Anthropologie und der Archäologie, nämlich die „Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese“ und die auf ihr gegründete weitere These, die „monogame Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung“ bereits für den Anfang der Menschheitsgeschichte zu postulieren, und damit zu suggerieren, das Patriarchat habe es schon immer gegeben, diese Thesen erweisen sich als Kardinalfehler patriarchal-ideologisch geprägter „Wissenschaft“. Das schöne Wort „Kardinalfehler“ verweist auch gleich auf eine weitere Ideologie, dem dieser Fehler ebenso zugrunde liegt: dem Kardinal, und so entlarvt Sprache bis heute das Patriarchat. Wen wundert es, basiert doch auch die Entstehung von Sprache im Pleistozän auf Muttersprache und damit Mutterkultur.

Wie Gerhard Bott in seinem ebenfalls revolutionären Buch „Die Erfindung der Götter“ (Band 1: 2009 und Band 2: 2014) logisch brillant abgeleitet hat, entwickelt sich die Paarungsfamilie und die damit verbundene bilineare Vater-Mutter-Abstammung erst im Laufe des Neolithikums im Zuge der ökonomischen Implementierung von Tierzucht in Form von Herdenhaltung. Mit der Herdenhaltung einher geht ein verändertes Bedeutungsverständnis von männlicher Fruchtbarkeit, welche der weiblichen im Zuge der Herdenhaltung überlegen zu sein scheint, denn im Zuge der Herdenhaltung von Tieren erfahren die Männer, dass nur wenige männliche Tiere ausreichen, um eine weibliche Herde zu begatten. (Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu, 2010, S. 187). Bott schreibt: über den Wandel der unilinear matrilinearen Blutsfamilie zur bilinearen Paarungsfamilie im Modus II/III des Neolithikums:

„Erst jetzt wandelt sich die matrilineare Unilinearität des Verwandtschafts- und Gesellschaftssystems zur Bilinearität, d.h. erst jetzt wird die unilineare Matrilinearität des Verwandtschaftssystems ergänzt durch patrilineare Verwandtschaft. An die Stelle der allein auf die Mutter bezogenen Blutsfamilie tritt die auf die Eltern bezogene Paarungsfamilie, die auch als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft institutionalisiert wird, und zwar vom Mann, eine neue Familienform, welche die Blutsfamilie ersetzt und zersetzt, indem das genossenschaftliche Gesamthandseigentum privatisiert wird zum Privateigentum… Erst mit der neolithischen Paarungsfamilie, die durch die Heilige Hochzeit geheiligt wird…, kann der Mann Patrilinearität, Patrilokalität der Exogamie und Patrifokalität durchsetzen“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 130).

In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich auf den falschen und irreführenden Matriarchatsbegriff hingewiesen. Wie in dieser soziobiologischen Freilegung von Matrifokalität deutlich sichtbar wurde, hat es eine Mütterherrschaft – was der Spiegelbegriff Matriarchat zu Patriarchat assoziiert – nie gegeben, weshalb der Begriff schon an sich unsinnig ist. Noch unsinniger wird er allerdings durch die Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth, die ausgerechnet die „Heilige Hochzeit“- auch noch in der neusten Auflage ihres Buchs „Die Göttin und ihr Heros“ (2011) -, zum Kernstück eines angeblichen Matriarchats erhoben hat, womit sie ihre völlige Unkenntnis der soziobiologischen Menschheitsgeschichte offenbart und durch diese Unkenntnis gleichzeitig untermauert, dass der Matriarchatsbegriff in jeder Hinsicht abzulehnen ist, weil er großen Schaden bei der patriarchatskritischen Freilegung menschlicher Geschichte anrichtet.

 Schlussfolgerung: Matrifokalität und das Fehlen von Krieg

Zum Abschluss dieser evolutionsbiologischen Abhandlung zur Menschheitsgeschichte, welche die neusten evolutionspsychologischen Erkenntnisse eines empathischen, altruistischen, schenkbereiten, hypersozialen Ursprung des Menschen mit der soziobiologischen matrifokalen Lebensform des Menschen kausal in Zusammenhang stellt, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass menschliche Kultur im Pleistozän und auch noch in weiten Teilen des Neolithikums geprägt ist durch das Fehlen eines der Hauptmerkmale des Patriarchats, nämlich dem FEHLEN VON KRIEG. Gewalttätige Auseinandersetzungen in Gruppen konnte die Archäologie nämlich erst im Laufe des Neolithikums um 6300 v.u.Z. in der Ofnethöhle im süddeutschen Nördlinger Riess feststellen, wo an sechs Schädeln Hiebverletzungen nachweisbar waren. Der nächste Fund, der auf Gewalteinwirkung schließen lässt, konnte archäologisch erst wieder eintausenddreihundert Jahre später, 5000 v.u.Z. ebenfalls in Deutschland, in Talheim bei Heilbronn ausgemacht werden. Das Kriegszeitalter selbst beginnt mit der Bronzezeit, dem ersten Auftauchen von Streitwagenkriegern ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und ist eng korreliert mit der Metallgewinnung durch Bergbau und der Pferdedomestikation, die Voraussetzung waren für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung und interessanterweise mit der erstmaligen namentlichen Nennung von Göttern und Göttinnen zeitlich einhergehen. (LINK Zeitgeschichtstafel).

Das bedeutet, dass die Menschheit den allergrößten Teil ihrer Geschichte ihrer hypersozialen Natur gemäß in Frieden lebte, was eine soziologisch kulturelle Großleistung und der Tatsache geschuldet ist, dass die Mütter im Zentrum menschlicher Gemeinschaft standen. Matrifokalität war also nicht nur die Voraussetzung für menschliche Kulturentwicklung, sondern auch der Garant für Frieden. Es bedeutet auch, dass mit der Zerstörung von Matrifokalität wenig später das Kriegszeitalter beginnt, dessen Heroisierung Gegenstand der geschriebenen patriarchalen History ist, während die Herstory, die wesentlich längere und kulturell bedeutungsvolle Menschheitsgeschichte der Matrifokalität von der patriarchalen Geschichtsschreibung unterschlagen wird.

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter Im Zentrum, 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, 2009 und 2014

Flinn, Mark V.: Household composition and female reproductive strategies in a Trinidadian village in: The sociobiology of sexual and reproductive strategies, hg von A. E. Rasa, C. Vogel und E. Voland, 1989, S. 206-233

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 2011

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.G. Blurton Jones: Hardworking Hadza grandmothers in Comparative socioecology; The behavioral ecology of humans and other mammals, hg. Von R.A. Foley, 1989, S. 341-366

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.g. Blurton Jones: Hadza women´s time allocation, offspring provisioning and the evolution of post-menopausal lifespans; Current Anthropology, 38, 1997, S. 551-577

Sear, Rebecca, Fiona Steele, Ian A. McGregor und Ruth Mace: The effects of kin on child mortality in rural Gambia; Demography, 39, 2002, S. 43-63

Sear, Rebecca: Kin and child survival in rural Malawi. Are matrilineal kin always beneficial in a matrilineal society? Human Nature, 19, 2008, S. 277-293

Tomasello, Michael, Malinda Carpenter, Josep Call, Tanya Behne und Henrike Moll: Unterstanding and sharing intentions. The origins of cultural cognition: Behavioral and Brain Sciences 28, 2005, S. 675-691

Turke, Paul: Helpers at the nest; Childcare networks on Ifaluk in: Human reproductive behavior. A Darwinian perspective, hg von L. Betzig, M. Borgerhoff Mulder und P. Turke, 1988, S. 173-188

Erste Beiträge ab dem Neolithikum im Virtuellen Museum herstory-history

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Im virtuellen Museum herstory-history sind die ersten Darstellungen aus dem Neolithikum verfügbar

https://herstory-history.com/gott-mutter/gott-mutter-darstellungen-neolithikum

 

Vom Hirtentum und der Überbetonung von Vaterschaft

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Ein wichtiger Artikel zum Verständnis der Entstehung von Patriarchat und warum Überbevölkerung mit der Überbetonung männlicher Fruchtbarkeit in Verbindung mit einer Hirten- und Herdenideologie einhergeht, weshalb ja auch die drei monotheistischen Theologien diese Hirten-und Herdenideologie ideologisch nutzen: Der Herr ist dein Hirte – der Hirte ist dein Herr: mit Krummstab und Geißel züchtet und züchtigt er das Leben.

https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/vom-hirtentum-und-der-ueberbetonung-von-vaterschaft

 

Von Klimaveränderungen und dem Beginn des Neolithikums

 

Klima

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis unserer Geschichte und dem Verständnis, wie das Patriarchat enstand. Hier der erste Teil der Trilogie.

https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/von-klimaveraenderungen-und-dem-beginn-des-neolithikums

 

Männerdarstellungen im Paläolithikum

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Nachdem wir in dem Virtuellen Museum herstory-history die wichtigsten Gott MUTTER Darstellungen der Altsteinzeit, die Mutterhöhlenheiligtümer und auch wesentliche Symbolik der paläolithischen Höhlen wieder frei gelegt haben, beschäftigen wir uns in dem beigefügten Beitrag mit dem vorpatriarchalen Männerbild und den Interpretationsirrwegen der patriarchalen Archäologie mit ihrer Sexkult- und Phalluskult- Besessenheit, die völlig an der paläolithischen Höhlen-Realität vorbeigeht. Spannende Erkenntnisse!

https://herstory-history.com/grundlagen/maennliche-darstellungen-im-palaeolithikum

 

Gott-Mutter-Darstellungen – der Ursprung von Religion

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Bei den Gott-Mutter-Darstellungen auf der herstory & history Website haben wir mit einer doppelten Textunterlegung gearbeitet. Das heißt, wenn ihr einmal auf das Bild geht, erscheint ein einfaches Infofeld. Wenn ihr aber richtig draufklickt dann öffnet sich die Darstellung und es gibt weitere Informationen. Besonders interessant bei der Löwenmutter ziemlich am Anfang mit dem M-Symbol und dann weiter unten bei den Mutterhöhlenheiligtümern mit den verschiedenen Tieren oder auch weiter unten beim T-Symbol, einem weiteren Buchstaben, der bereits im Paläolithikum, der Altsteinzeit in den Höhlen gut sichtbar ist. Das M ist der Mutterbuchstabe und steht für die gespreizten Beine der Mutter bei der Geburt und das T ist der Wiedergeburtsbuchstabe. Wiedergeburt kann natürlich auch nur durch die Mutter erfolgen und so können wir auch hier noch einmal deutlich machen, dass das Paläolithikum eine mütterliche Religion bewahrt hat: die Religion von Gott Mutter: die Anbindung, Losbindung und die Rückbindung an die Mutter. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die ausgewählten Darstellungen der Tierarten in den Höhlen zu denen ihr eben unter den Bildern weitere Informationen findet. Und ich möchte euch auch noch auf den Grundlagentext „Matrifokalität“ aufmerksam machen, denn er legt noch einmal frei, wie eng die ältesten Mutterdarstellungen zeitlich synchron mit den ersten Bestattungen der Menschheit einhergehen und er beschreibt auch ein völlig anderes Mutterbild im Paläolithikum und im Neolithikum und später im Patriarchat