Drei mal Drei ist Neune – Das Mühlespiel (Neuntespiel) in den Felsritzzeichnungen der Steinzeit und die Bedeutung der Zahlen in der Kosmischen Ordnung der Mutter

Die Zahl drei, in Felsritzzeichnungen der Steinzeit symbolisch oft  wiedergegeben als Vulvadreieck, spielt eine wichtige Rolle im kosmischen Verständnis der überall verbreiteten Mutterkultur im Paläolithikum und im Neolithikum, die menschengeschichtlich in der Bronzezeit  erstmals unter patriarchalen Druck kam.

Die Zahl drei ist im naturverbundenen Alltag der Steinzeit für die Menschen überall sichtbar. Frau Mond hat drei sichtbare Phasen, der Raum wird dreidimensional in Höhe, Breite und Tiefe erschlossen und die Zeit als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wahrgenommen. Gott die MUTTER wird in den drei Mutterfarben, Rot, Weiß und Schwarz als Lebenswandlerin erkannt und dieser lebensbringende Mutterfarbenaspekt des roten heiligen Menstruationsblutes, der weißen Milch und der Umwandlung allen Lebens in das Schwarz des fruchtbaren Humus, die auch in der Schwärze der Nacht und der Dunkelheit der Höhlen wiedergespiegelt wird, dieser dreifache Aspekt der mütterlichen Ordnung wird in der vorpatriarchalen Steinzeit überall erkannt.

In Europa finden wir auch im Holunderbaum die drei Mutterfarben: Das Weiß der Blüten, das Rot des Saftes und das Schwarz der Beeren. Während das Wissen um die göttliche Mutter auch nach der Christianisierung lange im Volk weiterlebte, wurde mit dem berüchtigten Malleus Maleficarum, dem Hexenhammer, der im Jahre 1487 erschien, der Kult von Gott der MUTTER in einen Hexen- und Teufelswahn verkehrt. Die AnhängerInnen des alten Glaubens mussten sich immer mehr verstecken, verhehlen und so kommt es, dass Reste der Religion von Gott der MUTTER von den Großmüttern und Müttern in Form von Kinderreimen über die Zeiträume hinweg erhalten wurden. Einen Rest dieser ältesten Religion der Welt finden wir zum Beispiel in dem Kleinkinderlied:

Ringel, Ringel, Reihe,

sind der Kinder dreie,

sitzen unterm Hollerbusch,

machen alle husch, husch, husch

Das uralte Tanzen im Kreise als Symbol für den natürlichen Kreislauf des Lebens um die dreifache göttliche Mutter des Lebenszyklus, die uralte Holle, die sowohl in der Höhle als auch in den drei Mutterfarben des Hollerbuschs sichtbar wird und das Notwendigwerden des Verhehlens dieses alten Wissens in dem Husch, husch, husch, das ist eine Botschaft aus dieser Zeit, die wir nun langsam wieder verstehen.

 Der Kult der drei Jungfrauen

Dieser durchzieht bis heute das Land und geht auf die aus sich selbst Leben schöpfende, aseitätische Gott die Mutter zurück. Sie setzt sich in den griechischen Moiren, den römischen Parzen, den nordischen Nornen, den drei Bethen oder drei Matronen fort, die als Schicksalsgöttinnen den Lebensfaden spinnen und auch abschneiden. Unter verschiedenen Namen werden die Jungfrauen in den Dreifrauensagen bis heute verehrt als Aubet, Cubet und Guere, als Einbeth, Wilbeth und Warbeth, als Spes, Fides und Caritas, als drei namenlose Burgfräulein, als Catharina, Barbara, Margarete  (C+B+M) und manchmal auch in vermännlichter Form wie in Griesstetten bei Dietfurt im Altmühltal als die drei elenden Heiligen, die heiligen Drei Könige Caspar, Balthasar, Melchior, mit deren Initialien C+M+B bis heute die Häuser am 6. Januar, dem früheren Holle- oder Perchtentag, am Ende der uralten und ursprünglichen zwölf Weihe- oder Mutternächte gesegnet werden, oder auch in symbolischer Form als die drei, oft goldenen Kugeln des heiligen Nikolaus, die auch hier noch die drei Jungfrauen wiedergeben, wie wir es z.B. in der turmlosen, weil ursprünglich stark mutteridentifizierten St. Martinskirche in Kelheim finden. Besonders häufig kommen im Volksglauben Catharina, Barbara und Margarete vor, wobei sie nicht immer zu dritt, sondern häufig einzeln auftreten:

Barbara mit dem Turm,

Margarete mit dem Wurm,

und Catharina mit dem Radl,

das sind die heiligen drei Madl

 Barbaras zweites Attribut ist der Kelch oder der Kessel, der häufig auf dem Turm abgebildet ist, wie wir es in der Fatima-Wallfahrstkirche Maria der Sieben Schmerzen in Neuses bei Pondorf dargestellt finden. Der Kelch oder Kessel gehört zu den urzeitlichen Kallwörtern und stellt, wie wir gesehen haben, den Bauch der Urmutter dar, wo die Verwandlung des Todes in das neue Leben stattfindet. Der Kessel spielt noch bei der keltischen Göttin Cerridwen als magischer Kessel des Lebens eine zentrale Rolle. Das Patriarchat jagt bis heute in Form des Heiligen Grals oder auch des christlichen Abendmahlkelchs einer männlichen Imitation der Lebenswandlung im Körper der Mutter nach. Dass dies naturgemäß nicht möglich ist, wird geflissentlich übersehen.

Die Neun als potenzierte Drei entspricht den lunaren Schwangerschaftsmonaten und sie entspricht auch der Erkenntnis, dass jede Mondinnenphase neun Nächte umfasst und die sich daraus ergebende Zahl siebnundzwanzig  genau dem weiblichen Menstruationszyklus entspricht. Die Zahl neun als drei mal drei finden wir daher häufig als Schälchen (Negativform der Kugel) eingeritzt in altsteinzeitlichen Höhlen, z.B. in der Kulthöhle Jean Angelier der Ile de France bei Noisy-sur-Ecole, in der auch ein viereckiges Ideogramm mit neun Schälchen, verbunden mit eingeritzten Linien gefunden wurde (Marie König, 1981, S. 266).

Auch die Vier gehört zu der uralten kosmischen Zahlensymbolik der Mutter. Schon die NeandertalerInnen kannten die Vierteilung der Welt, wie ein Nummulites, ein kreisrunder sogenannter Münzstein aus Ungarn aus dem Mittelpäläolithikum mit einem viergeteilten Linienkreuz zeigt (Marie König, 1980, S. 115). Die Vier gibt die vier Himmelsrichtungen an. Sie wird in der Beschreibung der vier Elemente als Erde, Wasser, Luft und Feuer weitergeführt und  auch in den vier möglichen Bestattungsarten, der Erdbestattung, der Luftbestattung, der Meeresbestattung und später der Feuerbestattung aufgenommen.  Offensichtlich sind auch die vier Jahreszeiten und die vier Phasen von Frau Mond: zunehmende Mondin (Wachsen=Frühling), Vollmondin (Fruchtbildung des Lebens=Sommer), abnehmende Mondin (Verwelken=Herbst), Schwarzmondin (Umwandlung von Tod in Leben=Winter).

Die Zahl Vier ergibt sich aus der Addition von Drei und Eins. Multipliziert man hingegen die Drei mit der Vier, so ergibt sich die Zwölf. Der heutige gültige Sonnenkalender hat 12 Monate. Der ältere Kalender von Frau Mond, der mit dem Monats-Zyklus der Frauen übereinstimmt, hat dreizehn Monate. Zwölf plus Eins ist Dreizehn. Dreizehn war ursprünglich eine Heilige Zahl, eine Glückszahl, heute gilt sie als Unglückszahl, erinnert sie doch an die menschengeschichtliche Zeit der Mütter, die vom Patriarchat verleugnet wird. Die patriarchale Dämonisierung der Zahl 13 finden wir insbesondere in Verbindung mit Freitag dem Dreizehnten, denn der Freitag steht bis heute in Verbindung mit Göttinnen, zum Beispiel der germanischen Göttin Freya oder im Französichen und Italienischen mit der Göttin Venus (Vendredi, Venerdi). Zwischen dem früheren Mondinnenkalenderjahr und dem heutigen Sonnenkalenderjahr liegen 12 Nächte, die sogenannten Losnächte, die mit der Wilden Jagd in Verbindung gebracht werden. Jesus hatte 12 Jünger, er selbst ist also die 13.

Das Mühlespiel oder Neuntespiel

Eines der uralten Spiele, in denen diese magische Verbindung zwischen den Rundungen der Drei und den Ecken der Vier symbolisch dargestellt wird, ist das Mühlespiel. Marie König hat es bereits in den Eiszeithöhlen der Ile-de-France in Frankreich entdeckt und als universales Ordnungszeichen gedeutet und es scheint tatsächlich in besonderer Weise das Lebensverständnis des mütterlichen Kulturverständnisses der Steinzeit wiederzugeben. Die Mühlesteine sind rund, jeweils drei von ihnen nebeneinander ergeben eine Mühle, die drei wird noch einmal aufgenommen, indem drei immer kleinere Vierecke ineinander gezeichnet werden, aber erst in Kombination mit der Vier, also der Schwarzmondinnenphase entwickelt sich das Spiel des Lebens, erfolgt die magische Verwandlung des Todes in das neue Leben, schließt sich der Kreis. Zeit und Raum finden in dem Mühlespiel zueinander und nicht umsonst spricht man bis heute von Zeiträumen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Mühlespiel  in Südtirol das „Neunte-Spiel“ genannt wird und sich auf der Neunteplatte der Tschötscher Heide bei Brixen sich ein in den Felsen eingeritztes Mühlespiel  (Maße 55×67 cm) befindet, in dessen Mitte ein runder Schalenstein eingeritzt ist (Erni Kuttner, S. 77). In diesem Zusammenhang sei auf ein altes Kinderlied hingewiesen, das das Neunte-Spiel aufgreift:

Es geht ein Bi-Ba-Butzemann

In unserem Kreis herum dideldum

Drei mal drei ist neune,

du weißt schon wie ich´s meine

dreimal drei und eins ist zehn

Butzemann bleib stehn, bleib stehn, bleib stehn

Er rüttelt sich und schüttelt sich

und wirft seine Beine hinter sich,

wir klatschen in die Hand,

wir beide sind verwandt

Wer ist der Butzemann? Verbutzen ist ein altes Wort für sich Verbergen oder Verhehlen. Der Butzemann trägt eine Zipfelmütze, wie die Zwerge und Frau Holle, die uralte Muttergöttin wird in der schon stark patriarchalisierten Überlieferung der Germanen noch als Königin der Zwerge und als Göttin der Walküren genannt. Im Griechischen kennen wir die Hekate, deren Name schon in den Bereich der späteren dämonisierten Hexe verweist. Als Windfrau zieht Holla mit ihrem wilden Heer umher und rüttelt die letzten Blätter von den Bäumen (Monika Löffelmann, 1997, S. 113). Auffallend ist, dass der Butzemann das „dreimal drei ist neune“, noch dazu für uns erst einmal unverständlich, gefolgt von dem „du weißt schon wie ichs meine“, in Reime verpackt hat und danach das dreimal drei und eins ist zehn folgt, wie wir es oben in dem drei und eins ist vier und dem zwölf und eins ist dreizehn schon angewendet haben. Das Rütteln und Schütteln und das in die Hände Klatschen kann in Verbindung mit dem Verhehlen auch als Erkennungszeichen der Alten Religion  der göttlichen Mutter in Verfolgungszeiten interpretiert werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Butzen bis heute ein Wort ist, das wir für das Kerngehäuse des Apfels verwenden. Der Apfel ist schon immer das Zeichen der göttlichen Mutter gewesen, der Apfel wie wir ihn kennen aber auch der Granatapfel mit seinen vielen roten Perlen und dem süßen roten Saft. Mythologisch eng verbunden sind hierbei der Apfel und die Schlange mit dem Paradies. So gab es den Garten der Hesperiden mit den goldenen Äpfeln, der auch Garten der Unsterblichkeit genannt wurde und der Göttin Hera gehörte, die zuweilen die Gestalt Hesperas, des Abendsterns (Venus) annahm. Auf Heras hesperischem Apfelbaum, der von ihrer heiligen Schlange bewacht wurde, wuchsen die Äpfel des ewigen Lebens (Walker, 1995, Stichwort Hesperiden). Schneidet man nun den Apfel quer auf, so dass der fünfzackige Stern des Apfel-Butzens sichtbar ist wird noch mal die enge Verbindung des Butzemanns mit dem kosmologischen Weltbild von Gott der MUTTER deutlich. Denn tatsächlich beschreibt die Venus, der Abendstern in seinem Jahreslauf eine fünfzackige Bahn. Den bereits patriarchalisierten Priestern der Kelten, den Druiden, war der fünfzackige Stern noch heilig und wir kennen ihn noch als Zeichen Baphomet bei den Templern und Freimaurern, bevor er als Pentagramm mit Hexen in Verbindung und damit dämonisiert wird. Im Lateinischen heißt Malus der Apfel, aber es heißt auch gleichzeitig böse. Es ist also kein Zufall, dass die monotheistischen Theologien den Apfel verunglimpfen, ihn in ihrer alttestamentarischen Schöpfungsgeschichte als Verführobjekt von Eva verwenden, der dazu führt, dass die Menschen von „Gott dem Herrn“ aus dem Paradies vertrieben werden und „Gott der Herr“ Feindschaft setzt zwischen der Schlange und der Frau. Tatsächlich ist der Apfel auch noch in der Bibel die Frucht vom Baum der Weisheit und eben von diesem Baum der Weisheit verbietet „Gott der Herr“ den Menschen zu essen. Tatsächlich ist die Religion von Gott der MUTTER  und ihren Apfel so tief in den Menschen verankert, dass er anscheinend nicht auszumerzen ist und schließlich als Reichsapfel zu einem Herrschaftssymbol wird. Erst mit dem Malleus Maleficarum ab 1487 und einer 500-jährigen Hexenverfolgung wird das uralte Wissen um die göttliche Mutter und ihre heiligen Symbole den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ausgehämmert, aber heute ahnen wir es wieder, das Wissen unserer AhnInnen. Drei weitere Kinderverse verhehlen das alte Wissen unserer Ahninnen und seien an dieser Stelle vermerkt:

Ich ging einmal nach Butzlabee

Da kam ich an einen großen See,

da kam ich an ein Mühlenhaus,

da schauten drei Hexen zum Fenster raus

Die erste sprach: Komm, iss mit mir!

Die zweite sprach: „Komm trink mit mir!

Die dritte nahm den Mühlenstein

Und warf ihn mir ans linke Bein

Da schrie ich laut: oweh, oweh,

ich geh nicht mehr nach Butzlabee

Das Mühlespiel als Neuntespiel und als Symbol des schon im Paläolithikum bekannten in Zahlensymbolen erfassten Weltbildes der kosmischen Mutter kennen wir schon, aber die Mühlen und die runden Mühlsteine gehören auch im Neolithikum zum Weltbild der Göttin. Monika Löffelmann schreibt über die Mühlsteine, die auch in vielen Erdställen zu finden sind: Im Alltagsleben der Frauen wird eine heilige Drehbewegung regelmäßig ausgeführt, nämlich das Betätigen der Mühlsteine. Durch die Drehbewegung beim Betätigen der Mühlsteine werden keimfähige Körner zerrieben, um daraus lebenswichtiges Mehl und Brot zu backen. Auch hier finden wir also die heilige mit der göttlichen Mutter verbundene kreisförmige Kulthandlung der Wandlung von Tod in Leben. Noch in der patriarchalen germanischen Edda heißt es vom Mühlsteindreher:

„Mundliföri heißt des Mondes Vater und so der Sonne auch; die Wölbung des Himmels umwandeln sie täglich, daran messen die Menschen die Zeit“.

 Hier finden wir schon wie bei allen indoeuropäischen Völkern, zu denen auch die Griechen, die Kelten und die Germanen gehören eine Vaterisierung der ursprünglichen göttlichen Mutter, wobei ihr kosmologisches Weltbild noch erhalten ist. Im obigen Fingerspiel von Butzlabee erkennen wir aber in Form der drei Hexen noch die uralte dreifache Erscheinung der göttlichen Mutter, deren Religion mit Gewalt und Schmerzen ausgetrieben wurde.

Noch verharmloster kommt die alte Religion mit dem fünfzackigen Apfelbutzen in folgendem Fingerspiel daher, als Kloß, den man einfach aufessen kann:

Dort oben auf dem Berge,

da ist der Teufel los.

Da streiten sich fünf Zwerge

um einen großen Kloß

Der erste will ihn haben,

 der zweite lässt ihn los,

der dritte fällt in Graben

dem vierten platz die Hos

der fünfte schnappt den Kloß

und isst ihn auf mit Soß

Der Klassiker unter den Fingerspielen ist Himpelchen und Pimpelchen:

Himpelchen und Pimpelchen,

stiegen auf einen Berg,

Himpelchen war ein Heinzelmann,

Pimpelchen war ein Zwerg,

 sie bleiben lange dort oben sitzen

und wackelten mit ihren Zipfelmützen,

doch nach vielen langen Wochen,

sind sie in den Berg gekrochen.

Schlafen dort in guter Ruh,

Seid mal still und horcht gut zu!

Ch ch ch ch (Schnarchen)

Heißa, heißa, Hoppsassa,

Himpelchen und Pimpelchen sind wieder da!

Das Mühlespiel von Gott der  MUTTER in Riedenburg im Altmühltal – eine landschaftsmythologische Freilegung

In Himpelchen und Pimpelchen finden wir das Volk wieder, das die göttliche Mutter auf den Mutterbergen, in den Höhlen, an den Quellen, in den Teichen, an den Brunnen und Seen, Bächen und Flüssen verehrte. Sie tragen Mützen, wie der Bi-Ba-Butzemann, hinter denen sie sich verhehlen können, aber interessant ist auch eine weitere Ähnlichkeit zwischen Mützen und Mutzen. Das Wort Mutzen kennen wir aus der Kombination mit dem Wort Mandel. Bis heute sind Mutzenmandeln ein beliebtes Gebäck, in Form von Mandeln. Die Mandeln haben wir schon in Form der Vulva-Yoni, der Mandorla, der Schutzmantel-Maria als Symbol der göttlichen Mutter kennengelernt und so könnte die rote Zipfelmütze als ursprüngliches Mandelsymbol (die Mandel gehört übrigens zu den Rosaceae, also den Rosengewächsen) ein Symbol der Menschen gewesen sein, die Gott die MUTTER erkannten und  verehrten. In diesem Zusammenhang sei auch noch auf das Wort Scha-Ma- ne hingewiesen. Könnten Schamanen ursprünglich Menschen sein, die sich ihrer heiligen Geburt aus der Scham einer Frau, ihrer Mandelvulva bewusst gewesen sind? Heute ist das Wort Scham negativ besetzt und steht im Zusammenhang mit sich schämen, aber tatsächlich erweist sich dies als eine viel spätere Negativbesetzung, die der Sexualfeindlichkeit der christlichen Kirche geschuldet ist. Im Schambachtal zwischen Riedenburg im Altmühltal und der Quelle in Schamhaupten, hat sich die ursprüngliche und positive ganz und gar weibliche Bedeutung von Scham erhalten.  Während im deutschen bei zusammengesetzten Nomen, sogenannten Komposita immer die grammatikalische Regel gilt, dass das zweite Nomen den Artikel bestimmt, sprechen wir bis heute nicht von „der Schambach“, da Bach den Artikel „der“ hat, sondern wir sprechen von „die Schambach“.

Auf dem Jachenhausener Berg in Riedenburg im Altmühltal, direkt oberhalb einer Felswand mit Höhlen und Schlupfsteinen befindet sich nun auf dem sogenannten Teufelsfesen ebenfalls ein in den Felsen geritztes Mühlespiel, zu dem es auch eine Legende gibt. Die Verbindung zwischen dem Spiel, das, wie wir gesehen haben, in enger Verbindung mit dem kosmischen Weltbild der göttlichen Mutter steht und auch noch von den Kelten in der Urelternphase verstanden wurde, steht in engem Zusammenhang mit dem christlichen Teufel, wird also dämonisiert, denn der Teufel soll ja nach christlicher Überlieferung der Widersacher Gottes sein. Interessant ist hier, dass der Begriff Teufel nur im Neuen Testament verwendet wird und in der Offenbarung des Johannes erfahren wir auch, wer der Teufel eigentlich ist:

„Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herniederkommen, der den Schlüssel des Abgrunds und eine große Kette in der Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel ist und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe“… (Offenbarung, 20, 1.3).

 Der Teufel trägt Hörner, die – wie wir gesehen haben, wie kaum etwas anderes, das kosmische Mondinnen-Wiedergeburts-Weltbild der kulturellen Mutterstufe wiedergibt und als Zeichen der Mutter, ihres Mondtieres und auch später im Neolithikum nach der Rinderdomestikation als die milchgebende Mondkuh von den Menschen tief verehrt und verstanden wurde.

Beachten wir noch dazu den Wohnort, den die Christen dem Teufel zugedacht haben, nämlich die Hölle, die ja nichts anderes als der uralte Kultplatz der göttlichen Mutter, nämlich die Höhle ist, dann wissen wir auch, dass der christliche Teufel die uralte göttliche Mutter ist, die ursprünglich gleichermaßen in der Schlange und der Drachin verehrt wurde. Die Schlange steht hierbei in besonders enger Beziehung zur Erde, aber auch zum Wasser. Beim mythologischen Bild der Drachin kommen die beiden weiteren heiligen Elemente hinzu: nämlich das des Feuers, denn die Drachin ist immer mit dem Feuer assoziiert und das der der Luft, denn viele der mythologischen Drachinnen können fliegen.*

*(weitere detaillierte Ausführungen  zur Drachinnensymbolik in allen Kulturen in Armbruster, 2010).

Die Flügel kennen wir auch von einer Reihe von Göttinnen. So breitet die ägyptische Göttin Isis ihre Flügel als Schutz aus. In der Befreiungshalle in Kelheim, die einem runden Tempel gleicht, stehen bis heute Göttinnen mit Flügeln für den Frieden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Berg auf dem die Befreiungshalle steht, ausgerechnet Michelsberg heißt, benannt nach dem Erzengel und Drachentöter Michael, also dem Engel, der den Teufel, die Urmuttergöttin, in den Abgrund wirft.

Der heutige Teufelsfelsen in Jachenhausen ist tatsächlich die uralte Steinahnin des ehemaligen heiligen Kultortes und wer mit Landschaftsmythologie vertraut ist, wundert sich auch nicht, dass nur circa 300 Meter vom Teufelsfelsen entfernt das Kloster St. Ursula  gestanden haben soll mit einem geheimen Gang dazwischen, wo ein Schatz versteckt gewesen sein soll. Überall, wo der Kult der göttlichen Mutter gefeiert wurde, finden wir Klöster, Kathedralen oder Kirchen oder auch manchmal nur Geschichten, dass dort einmal ein Kloster gestanden sein soll. Kein Wunder, denn alle diese Worte entstammen der uralten Muttersilbe Kall und geben in erster Linie wieder, dass an diesem Ort eben Gott die MUTTER von den Menschen gekannt und verehrt wurde. Dass das Kloster ganz in der Nähe des Teufelsfelsen ausgerechnet der heiligen Ursula gewidmet sein soll, weist noch einmal auf einen sehr alten Kult hin, denn Ursa major ist die uralte Bärengöttin.  Höhlenbären lebten im Paläolithikum in enger Verbindung mit den Menschen, teilten sie doch die Kulthöhlen mit ihnen, was Bärenknochenfunde auch im Altmühltal beweisen. Eine starke Bärinnenmutter in Form der Ge-Bär-Mutter lebt bis heute in jeder Frau, wobei viele Frauen diese Bärinnenmutterstärke anscheinend vergessen haben. Die uralte Bärengöttin fährt heute noch heute mit ihrem Wagen am Himmel, denn das Sternenbild des Großen und des Kleinen Wagens enthält das Sternenbild der Großen und der Kleinen Bärin (Ursa major und Ursa minor). Interessant ist auch, dass heute genau neben dem Teufelsfelsen eine Drachenflugrampe aufgestellt ist und dass seit einigen Jahren dort oben wieder das Johannisfeuer der Sommersonnenwende gefeiert wird. Johannes ist eine vermännlichte Form der Anna und so sehen wir eine klare Linie der Mutterverehrung in Riedenburg, denn dort wird heute die Stadtkirche St. Johannes genannt, obwohl die zentrale Figur in dieser Kirche die uralte Muttergöttin Maria ist. Direkt am Fluss, der heute seine natürliche Schlängelung verloren hat und zu einem geraden Kanal ausgebaut wurde, liegt die alte Wallfahrtskirche St. Anna, der später ein Kloster angeschlossen wurde und oben auf dem Teufelsberg, wird wieder am längsten Tag des Jahres das goldene Fest der Sonne gefeiert, dem auch das gegen Depressionen wirksame leuchtendgelbe Johanniskraut mit seinem roten Saft gewidmet ist.  Fast kommt einem der Text aus dem Himpelchen Pimpelchen Fingerspiel prophetisch vor: nachdem die Zwerge und Heinzelmännchen, als Märchenfiguren verwandelte AnhängerInnen der uralten Religion lange Zeit auf dem Berg gesessen sind, mussten sie in den Untergrund, um nun von neuem wieder aus dem Vergessen als uraltes Wissen unserer AhnInnen wieder aufzutauchen: Himpelchen und Pimpelchen sind heute wieder da! Nicht nur in Riedenburg!

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Die Mutterwurzelsilbe KALL

steinerne-madonna-von-roncesvalles1.jpgBerge, Quellen, Bäume und insbesondere Höhlen sind seit Menschengedenken heilige Stätten und damit Ziel von Wallfahrten. Nähern wir uns dem Begriff Wallfahrt nun einmal aus der Sicht der Paläolinguistik. Richard Fester hat bei seinen diesbezüglichen Forschungen schon 1980 das sogenannte KALL-Schema entdeckt, zu dem auch das Wort WALL-fahrt gehört. Monika Löffelmann hat dies aufgegriffen und schreibt dazu:

„Anhand der Sprachentwicklung weist die Paläolinguistik-Forschung den engen Sinnzusammenhang zwischen Höhle – Frau – Kult, enthalten in dem Ur-Wortstamm KALL nach: „Als Sinngehalte bieten sich zwei an, KALL für Frau und KALL für Höhle“. Diesen Ur-Wortstamm trägt auch das lateinische Wort COL-ere in sich. Hier verweist der Paläolinguist auf die Bedeutung des Wortes aushöhlen auf der einen und pflegen auf der anderen Seite: …“und daher stammen unsere heutigen Begriffe und Wörter „KULTUR“ und … „KULT“. Hier sind also in der Doppelbedeutung des Wortes COL-ere „Höhle“ und „Kult“ einander unmittelbar benachbart“. (Löffelmann, Monika; 1997, S. 19).

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Wallfahrten der vom Patriarchat unterschlagenen weiblichen Kultur, genauer gesagt der mütterlichen Kultur entstammen, und schauen wir uns die Wallfahrten genauer an, so hat sich das bis heute nicht geändert.

Die weltweit größte katholische Wallfahrt ist die zur Schwarzen Madonna von Guadalupe in Mexiko, wobei, wie Derungs etymo-logisch abgeleitet haben, es sich bei der Schwarzen Ma-donna von Guadalupe ursprünglich um die alte Land-schaftsgöttin Tonantzin-Coatlicue handelt, deren Kopf sich im Hügel Cerro Tonantzin zeigt. (Derungs, Kurt und Isabelle M.; 2006, S. 13-16).

Auch die bekannteste Wallfahrt der Moslems zur schwarzen Kaaba nach Mekka war in vorislamischen Zeiten der dreifachen Göt-tin Allat, Menat und Aluzza geweiht. Da dieser Kult der Zeit der Heiligen Steine aus der Religion von Gott der MUTTER entstammt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass bis heute der schwarze heilige Stein in Mekka in einer vulvaförmigen Silbereinfassung zu sehen ist. (Sa-nyal, Mithu M.; 2009, S. 37).

Die älteste Wallfahrt in Bayern ist die zum Quellheiligtum der Schwarzen Ma-donna von Altötting, wobei wir hier vor Ort auch heute noch auf den Ahninnengeist der Anna treffen (mehr dazu in Armbruster, Kirsten, 2013, S. 37-40).

Die größte Wall-fahrt Spaniens ist auch nicht die nach Santiago de Com-postela, sondern die Pfingstwallfahrt zur Blanca Pa-loma (Maienwallfahrt) nach El Rocío in der Provinz Huelva in Andalusien, die innerhalb von 14 Tagen eine Million PilgerInnen anzieht (persönliche Mitteilung Claudia Mayr). Rocío bedeutet einerseits Morgentau, enthält aber auch den Wortteil Roc in der Bedeutung Fels und Gestein und geht somit ebenfalls auf den seit der Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine bekannten Kult von Gott der MUTTER als Kosmischer Mutter des Universums zurück.

Erinnert sei auch an die Wallfahrt zum Höhlenheiligtum der Schwarzen Madonna von Roc-amadour in Lot in Frankreich. Ein weiteres berühmtes Beispiel für eine Wallfahrt im mütterlichen Kontext ist die ebenfalls im Mai stattfindende Wallfahrt der Zigeu-nerInnen nach Saintes-Maries-de-la-Mer in der Ca-margue. In Frankreich können wir aber auch an die be-rühmten Wallfahrten zur Madonna von Lourdes, zu den Schwarzen Madonnen von Le Puys-en-Velay oder auch zur Schwarzen Madonna von Chartres denken

Ebenso bekannt sind die Wallfahrten zur Fatima in Portugal, zu den Schwarzen Madonnen nach Loreto in Italien, nach Tschenstochau in Polen, nach Mariazell in Österreich und nach Einsiedeln in der Schweiz.

Warum die Wallfahrt der mütterlichen Kultur zuzuordnen ist, erkennen wir noch deutlicher, wenn wir uns noch einmal der Paläolinguistik zuwenden. In dem Kapitel „Wallfahrt und Brauch“ ergänzt Monika Löffelmann die Forschungen zur Paläolinguistik folgendermaßen:

„In Zusammenhang mit der Kulthöhle wurde auf diesen Forschungsbereich bereits eingegangen. Auf das Ur-Wort KALL wurden dabei die Wortinhalte für „Frau“, „Höhle“, „Gefäß“ oder auch „rund“ zurückgeführt. Interessanterweise hat sich dieses Ur-Wort bis heute im Begriff „WALL-Fahrt“ erhalten, gar nicht so verkehrt, wie bei näherem Hinsehen deutlich wird: Wallfahrten schließlich führten und führen bis heute bevorzugt zu Höhlen-/Grotten-Quellheiligtümern“. (ebenda, S. 83).

Richard Fester, der Entdecker des KALL-Schemas bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt, dass „die WALLfahrt noch heute so und nicht anders heißt, weil sie auf die steinzeitlichen Kulthandlungen in Höhlen zurückgeht“. (Fester, Richard; König, Marie E.P., Jonas, Doris F. und A. David, 1980, S. 101).

Richard Fester hat schon 1980, als die Landschaftsmy-thologie noch in den Kinderschuhen steckte, erkannt, dass der Ursilbe KALL ein weitreichendes kosmisches mütterliches Verständnis zugrunde liegt. Fester schreibt

„KALL ist jede Vertiefung, jeder Hohlraum, jede Wölbung, jeder enge Durchlass, ist Schale, Kehle, Höhle, Wohnstatt, Kulthöhle, Quell und das Tal wie der Pass, der die Höhe überwindet. Vor allem aber der mütterliche Leib, die Geburt, das Kind, die Sippe, der Clan, das Volk, Tiere und Fruchtbarkeit, Schnecken und Muscheln, die ihre Wohnhöhle mit sich tragen, Pflanzen und Bäume, die hohl sind oder hohle Früchte haben oder sich zum Aushöhlen für Bütten und Boote eignen. KALL ist auch Niederung, Senke, Meer, Mündung, Flussbett, See, aber auch Zugang und Weg“ …. “Selbstverständlich ist es ohne Belang, ob KALL-Beispiele je nach Sprache mit C oder G oder K wiedergegeben werden. Ferner sei nochmals be-tont, dass der mittlere Laut A durch jeden anderen ersetzt werden kann, ohne dass sich an der Zugehörigkeit zu KALL etwas ändert“. (Fester u.a., 1980, S. 80-85).

So heißt nach Fester z.B. GAL bis heute im umgangssprachlichen Englisch junge Frau (wir kennen das Wort girl), im Bas-kischen, der ältesten vorindoeuropäischen Sprache Eu-ropas heißt GAL-du Ehefrau, GAL´tzar Geburt und GAIO Brunnen, im Urromanischen heißt GAll, Quelle oder Brunnen, im Hebräischen heißt GAIL Mädchen, im Irischen CAIL´Leach Urmutter, im Griechischen GAIA Urmutter, im Germanischen WALA Urmutter und im Englischen heißt WELL Brunnen und Quelle.

Wir kön-nen also feststellen, dass es sich bei der Kall-Silbe, ebenso wie bei der Annasilbe um eine aus dem Paläolithikum stammende sogenannte Mutterwurzelsilbe handelt.

KALL-Wörter:

Quelle, Höhle, Hölle (christlich dämonisierte Höhle);

Hel (Göttin), Holle (Göttin, vielen nur noch als Frau Hol-le aus Märchen bekannt);

Holunder, Hollerbusch (typischer Mutterbaum in den Farben der Kosmischen Mutter: Weiß, Rot und Schwarz, siehe hierzu auch Maulbeerbaum und Erdbeerbaum);

Hallo, Hello und Hola (weitverbreiteter internationaler Gruß ursprünglich an die aus den paläolithischen Höhlen bekannte Gott die MUTTER gerichtet, ähnlich wie das heutige bayerische „Grüß Gott“);

Halloween (Uraltes Totenfest);

Holde (dämonisiert Unholde), hohl, hold,

Holland, Helgoland, Holledau, Hallertau, Holstein, Helvetia (Schweiz), Helsinki (Heilige Orte und Länder der Hel/Holle)

Helfen, Helfensteine

etwas verhehlen, siehe auch das Wort verbutzen, Bi-Ba-Butze-mann (Kapuze, Zipfelmütze, wobei Zipfelmütze ein Synonym für die Vulva mit der Klitoris ist und das Wort Mann ursprünglich mütterlich besetzt war)

heilen, heilig;

Hole (englisch) Loch, Höhle, holy (englisch) für heilig;

Holiday (englisch) für Feiertag,

hollow (englisch) für Hohlraum

Kalender;

Kali (hinduistische Göttin);

Sara-La-Kali in Saintes-Maries-de-la-Mer (Camargue) mit der berühmten Maiwallfahrt;

Keller, Kelch, Kehle, Kelten;

Kelheim (Ort am Zusammenfluss zwischen Altmühl und Donau, Bayern, Deutschland);

Kapelle, Kathedrale, Kloster, Klause, Nik-Klaus oder Nikolaus;

Kult, Kultur (lat. colere hat die Doppeldeutung von aus-höhlen, aber auch pflegen);

Galgenberg, Galgental,

Gral;

Galicien, Gallier, Galater, Galiläa;

Güll für Rose im Türkischen;

Sal, Soll (Wasserwort vaskonisch und indoeuropäisch wie in Salm für Lachs oder Salamander (Hamel, Elisa-beth; 2007; S. 437); Sollern bei Altmannstein

Triskele (weit verbreitetes Zeichen der Kelten für die dreifache Göttin);

Wallfahrt, Walkabout, Walküren, Walpurgisnacht, Wala (Wahrsagerin der germanischen EDDA), Urmutter von Will-endorf; Völva (nordische Variante der germa-nische Wala bekannt als Seherin, Wahrsagerin, Hexe, Zauberin, Prophetin, Schamanin), Vulva

Text aus: Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 77-83