Patriarchaler Umbruch: Die Vermännlichung des Sonnenkults

Göttin_Nut+HathorDonate Pahnke gibt in ihrem Buch“Ethik und Geschlecht – Menschenbilder und Religion in Patriarchat und Feminismus“ ( 1992)  einen sehr guten Überblick über das Symbolsystem der frühen feministischen Theologie. Hierbei hat sie auch den matriarchal-spirituellen Ansatz von Heide Göttner- Abendroth in ihrem Buch  zusammengefasst. Sie zitiert die Autorin aus deren Buch „Die Göttin und ihr Heros“ von 1980, S. 6:

„Der Göttin in ihren drei Erscheinungsweisen ist bei Göttner-Abendroth die Gestalt des Heros zugeordnet, dessen kultische Funktion sie folgendermaßen zusammenfasst: „Die Sonne ist das Symbol des Heros, des menschlichen Partners der Göttin. Männliche Götter gab es im matriarchalen Kosmos nicht. Der Heros ist auf alle drei Phasen der Mondgöttin zugleich bezogen, aber der Liebesgöttin, die mit ihm die magische Heilige Hochzeit feiert, steht er am nächsten. Die Mädchengöttin initiiert ihn im Frühling, sie verleiht ihm die Würde eines sakralen Königs. Im Sommer vollzieht die Frauengöttin mit ihm das zentrale Fest, die Heilige Hochzeit, die Land und Meer fruchtbar macht. Zu Beginn des Winters opfert ihn die Greisengöttin und führt ihn in die Unterwelt, aus der er am Anfang des nächsten Jahres geläutert wieder aufersteht. Symbolisch hat er durch sein freiwilliges Opfer nun den Tod des Kosmos überwunden (Idee des Heroischen). Deshalb ist die Sonne, die wie er ständig Untergang und Aufgang durchäuft, sein Symbol, doch im Matriarchat sekundär gegenüber dem ewigen Mond“ (Pahnke, Donate, 1992; S. 212).

Hier haben wir es tatsächlich mit einem tiefgreifenden matriarchal-patriarchalen  Missverständnis zu tun, denn Marija Gimbutas hat schon sehr detailliert und ausführlich dargelegt, dass eines der auffälligsten Kennzeichen der Patriarchalisierung die Vermännlichung der Sonne ist, die in Europa mit der kriegerischen indoeuropäischen Invasion  einhergeht, welche die matrifokalen Lebensverhältnisse zerstörten. Hier die Forschungsergebnisse noch einmal explizit zusammengefasst:

 Die Vermännlichung des Sonnenkults (PDF)

Das zeigt noch einmal in ganzer Deutlichkeit, dass der Matriarchatsbegriff nicht nur im allgemeinen Sinn, weil er immer als Umkehrung des Patriarchats verstanden wird, unbrauchbar ist, sondern auch auf der von Heide Göttner-Abendroth definierten Version untauglich ist, weil er patriarchale Strukturen als matriarchal verklärt. Das ist fatal!.

 

 

 

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Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs

DSC_6097Da nicht nur allgemein, sondern insbesondere auch bei den Matriarchatsfrauen eine große Unkenntnis herrscht über den herstorischen Umbruch von Matrifokalität zum Patriarchat und dort eindeutig patriarchale Kulte wie Heilige Hochzeit,  Blutopferkulte, Herosstrukturen, die mit einer vermännlichten Sonne einhergehen, als matriarchal fehlinterpretiert werden und diese patriarchale Interpretationsbasis auch in den neuen Mutterlandbriefen der Matriarchatsfrauen  beibehalten wird, veröffentliche ich jetzt noch mal folgenden Text, um der Verwirrung unter den Frauen entgegenzuwirken.

Equidenkrieger (Reiterkrieger) als Träger der patriarchalen Gewaltkultur und Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs als pdf

Equidenkrieger als Träger der patriarchalen Gewaltkultur (pdf)

Mögen die Frauen endlich verstehen, wieviel sie durch die falsche Matriarchatsdefinition von ihrer eigenen vorpatriarchalen Geschichte verlieren. Leider beruht  das 2014 erschienene  Buch von Barbara Obermüller „Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte“ auch auf dieser patriarchalen Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth.

 

Am Anfang war Gott die MUTTER

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Am Anfang des menschlichen Bewusstseins war Gott die MUTTER. Sie war das allumfassende göttliche Verständnis der Steinzeit, die göttliche Mutter des Paläolithikums und des Neolithikums. Sie war Mutter Erde, aber auch der Kosmos. Frau Sonne und Frau Mond spiegelten ihr göttliches Sein. Das Männliche und das Weibliche wurden von ihr geboren und wenn es verstarb, kehrte es zu ihr zurück, um von Neuem wiedergeboren zu werden, so wie die Sonne jeden Abend im Westen im Leib der Erdmutter verschwand, um am Morgen im Osten wiedergeboren zu werden. Gott die MUTTER war die parthenogenetisch Gebärende, die Allmutter, die Große aseitätische Jungfrau, die Almudena, die Panagia, die Dea Mater, die Pachamama. Und diese Gott die MUTTER steht für den Anfang von Religion, den Glauben der Menschen in einer matrilinearen AhnInnenlinie durch die Rote Nabelschlange der Mutter wiedergeboren zu werden. Die Menschen lebten aus diesem Verständnis des Lebens heraus matrifokal, d.h. die Mütter standen im Focus, im Zentrum der Gemeinschaft. Da vor Gott der MUTTER alle gleich waren, lebten die Menschen egalitär, was an den Gruppenbestattungen der Steinzeit auch archäologisch offensichtlich ist.

Mit dem Beginn des Metallzeitalters, in der Kupfersteinzeit, dem Chalkolithikum, ab dem späten 5. Jahrtausend im Vorderen Orient und ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa, können wir archäologisch diesbezüglich eine erste Veränderung feststellen. Erste Spuren von Gruppengewalt und erste patriarchale hierarchische Gesellschaftsstrukturen werden mit dem ersten Auftauchen von Herrschergräbern sichtbar. Ökonomisch werden die Frauen nach ihrer zentralen Bedeutung als Sammlerinnen und Pflanzerinnen während der Steinzeit, im Zuge der fortschreitenden Rinderdomestikation und schließlich der Pferdedomestikation und dem Beginn des Pflugackerbaus aus ihrer matrilinear-frauenkollektiven ökonomischen Unabhängigkeit zunehmend hinausgedrängt. In der Bronzezeit ab circa 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und im 2. Jahrtausend in Mittel- und Nordeuropa verschärft sich die patriarchale Überformung zum Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters. Mit dem Auftauchen von Streitwagenkriegern kommt es erstmals zu Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Gott die MUTTER, die Alles-Gebärerin der Steinzeit, wird in viele Göttinnen zerstückelt und die Idee des Heros wird geboren: der Mann, der mit seinem Blut die Welt retten soll. Ein männlicher Blutopferkult beginnt, der sich in zwei Ausprägungen zeigt: als Krieger oder als Blutopfer auf dem Altar einer politischen Theologie, die über die Zwischenstufen erster männlicher Vegetationsgötter, einer männlichen Vergöttlichung der Sonne, wie beim ägyptischen Gott Aton, über von Männern geleiteter Götterpantheons, wie dem keltischen Dis Pater, dem griechischen Zeus, dem römischen Jupiter, dem germanischen Wotan oder Odin, schließlich das Ziel hat, einen monotheistischen Vater-Gott gesellschaftlich zu implementieren, dessen vorläufig letztes theologisches Opfer der christliche Jesus darstellt.

Der Vater drängt sich in den Vordergrund. Matrifokalität wird zunehmend durch Patrilokalität ersetzt, die sogenannte Heilige Hochzeit ist die Vorform der patriarchalen monogamen Ehe, die das Ziel hat die freie Sexualität der Frauen, die sogenannte female choice zu beenden, um männliche Herrschaft durchzusetzen und Vaterschaft bestmöglich abzusichern. Die Mutter, die im matrifokalen Lebenskontext in ein matrilineares AhnInnenkollektiv eingebettet war, wird in einer bluts- und nabelfremden Verwandtschaftslinie isoliert und ökonomisch abhängig gemacht. Die Religion von Gott der MUTTER wird von den Vatergöttern erst zerschlagen und schließlich historisch unterschlagen. Über die Zwischenstufe der Idee der Göttin, deren Abstammung plötzlich von einem männlichen Gott abgeleitet wird, wie bei der von Göttervater Zeus kopfgeborenen Athene, die zudem als Kriegsgöttin missbraucht wird, wird der MUTTER die Göttlichkeit schließlich ganz abgesprochen. Helfershelfer für diesen göttlichen Muttermord sind die in vielen Kulturen verbreiteten Drachentöter, wie der babylonische Gott Marduk, der griechische Gott Apollon oder auch der christliche Michael, Georg oder Patrick. Die Drachenschlange, die sie töten, steht für das Töten von Gott der MUTTER und das Vergessenmachen der Matrifokalität, die ihre Verwandtschafts- und AhnInnenlinie auf der roten Mutternabelschnur begründet, die durch das Patriarchat durch eine väterliche Abstammung ersetzt werden soll und damit zerschlagen werden musste.

Im Patriarchat ist die Mutter nur noch die Dienerin des HERRN, die seine HERRlichkeit vervollkommnet. Der Feminismus, auch der leider in vielen Irrtümern gefangene Matriarchatsfeminismus, hat an diesem patriarchalen Status Quo bisher praktisch nichts verändert, denn die Mutter ist anscheinend mit ihrer dem Patriarchat dienenden Muttertumsüberformung, wie wir sie zum Beispiel im Nationalsozialismus finden, so traumatisch besetzt, dass kaum eine es wagt in matrifokal verwurzelten Gemeinschaftsstrukturen zu denken und Gott die MUTTER wieder bei ihrem Namen zu nennen. Fangen wir heute damit an!

Es ist nicht die Natur des Mannes ein Krieger zu sein und Gott die MUTTER braucht keinen Heros

Es ist nicht die Natur des Mannes ein Krieger zu sein. Tatsächlich wissen wir heute aus der Patriarchatskritikforschung, dass eine diesbezügliche Ideolisierung der Männer erst mit dem Ende der Matrifokalität, zu Beginn des Metallzeitalters, in der Bronzezeit begann. Paralell hierzu finden wir zu diesem Zeitpunkt die ersten Blutopferkulte, also in der Zeit, wo die ersten Männer sich zu Göttern machten und die unheilige Allianz zwischen politischer Herrschaft und patriarchaler Theologie begann. Diese politische Theologie, die mit der auf Herrschaft ausgerichteten sogenannten Heiligen Hochzeit durchgesetzt wurde, markiert den Beginn des patriarchalen Zeitalters und die missbräuchliche Implementierung des Mannes als Krieger. Der Krieger ist nämlich nur dem Herrscher nützlich und dieses Rollenbild  ist wider die Natur, die bekanntlich eine Mutter ist

In der Steinzeit, der Zeit der heiligen Steine, in der auf Matrifokalität gegründeten Zivilisation der Mütter, finden wir die Rolle des Kriegers nicht, denn Gott die MUTTER braucht keine Krieger und auch keinen Heros. In einer Zeit, wo die Welt zum wiederholten Male von einer Blutwelle der fehlgeleiteten, einem patriarchal-monotheistischen Gott dienenden Krieger terrorisiert wird, ist es sinnvoll, sich der Sinnlosigkeit der Rolle des Kriegers bewusst zu werden. Erinnern wir uns daran, dass die Natur als göttliche Mutter andere Wege geht, nämlich die des prallen Lebens, in der der Tod als Bestandteil des Kreislaufs miteingebettet ist, aber nie ideologischer Selbstzweck, um die mütterliche Natur zu überwinden und sie durch eine väterliche zu ersetzen. Erinnern wir uns also lieber wieder an die uralte Religion von Gott der MUTTER, damit wir die Rolle des Kriegers endlich überwinden können. Es ist genug gestorben worden! Die Erde ist des sinnlosen Blutvergießens überdrüssig.