Die Kapitalismustheologie des Patriarchats oder warum Evangelikale Bolsonaro wählen

Text: Dr. Kirsten Armbruster

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Das wirksamste Standbein des Patriarchats sind die Kapitalismustheologien, die alle behaupten, dass die Welt erst zivilisiert wurde, nachdem der Hirten-Mann-Gott erfunden wurde, um  das vorherige angebliche Chaos zu bändigen. Der Hirten-HERR-Gott, der seine Autorität ökonomisch auf dem Privateigentum der Capites, den Häuptern seiner Herde aufbaute, denn Gott der HERR blickte nicht auf die Opfergabe aus Früchten, die Kain, der Ackerbauer, ihm darbrachte, sondern er schaute nur auf die Gabe seines Bruders Abel, dem Schafhirten, der dem HERRN eine Opfergabe von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett darbrachte. (1. Mose 4, 1-5).

Das angebliche Chaos, das seit Anbeginn der Welt existierte, ist die Natur. Die Natur, die eben kein Chaos ist, sondern einer hochintelligenten, fein aufeinander abgestimmten Ordnung und zyklischen Rhythmen folgt, ist aber kein Mann. Sie ist eine Mutter. Sie ist das, was Männer nie sein werden. Der einzige Zweck von Mann-Gott-Theologien ist es deshalb , diese Natürliche Ordnung der Mutter auszuhebeln, über die Natur zu herrschen. Machet euch die Natur der Wilden Mutter und ihren einzigartigen Körper untertan, ist das Credo der Kapitalismustheologien. Vergewaltigung, Missbrauch, Unterjochung, Ausbeutung sind die geistigen Zündinstrumente dieser Mann-Gott-Kapitalismustheologien und das Joch, der Krummstab und die Geißel sind bis heute deren Tatwerkzeuge. Unterjocht werden muss im Sinne dieser Ideologie das Tier, dessen Körper der Tierzucht unterworfen wird. Unterjocht werden muss aber auch der Körper der Frau mit seiner einzigartigen Fähigkeit Leben zu gebären und unterjocht werden muss die Erde,  aber auch Frau Mond und am besten der ganze Kosmos, der Kosmos welcher mit seinen täglichen, monatlichen und jahreszeitlichen Rhythmen daran erinnert, dass nicht nur die Erde selbst, sondern eben das ganze Universum in der Mütterlichen Ordnung der Natur eingebettet sind.

Schauen wir auf den Amazonas, mit seiner immer noch großflächig ungezähmten Natur und auf Bolsonaro und seine evangelikalen – also streng bibelgläubigen Schergen, so verwundert es nicht mehr, dass der Kampf des Kapitalismustheologie-Patriarchats gerade an diesem Ort vehement ausgetragen wird, denn nicht nur die Natur selbst mit ihrer natürlichen, großen Diversität, sondern auch die indigenen Völker dieser Gegend widerstehen der monotheistischen Vatergott-Hirtenideologie des Patriarchats. Denn natürlich ist es kein Zufall, dass auf den abgebrannten Flächen tierzüchterische Sojabohnenmonokulturen oder Rinder-Capites-Privateigentumsherden vermarktet werden sollen. Ihr Gott – der Herr und Hirte –  heißt das gut und nicht nur das. Tatsächlich handeln diese Schergen des Kapitalismustheologie- Patriarchats in seinem Auftrag, denn der Herr, der Gott, der der Hirte ist, ist praktischerweise auch ihre einzige moralische Instanz. Die moralische Instanz, die behauptet, dass die Welt erst mit dem tierzüchterischen Neolithikum, also frühestens vor 10 000 Jahren entstand und deshalb in ihren Schriften festgelegt hat, dass Gott und Religion schon immer männlich waren. Die Handelsvollmacht lautet: Wir handeln so, weil Gott – den wir uns im Laufe des Tierzuchtneolithikums männerprophetisch herbeigeschrieben haben, das so will.

Heute, wo immer mehr Menschen erkennen, dass uns diese Patriarchatsordnung der Ausbeutung der Natur nahe an den Kollaps gebracht hat, gibt es eine wachsende Ökologiebewegung. Was aber in dieser Bewegung nicht verstanden wird, sind die Wurzeln der zerstörerischen Patriarchatsordnung und wie stark diese Ordnung von den Mann-Gott-Theologien gestützt wird und nicht einfach von „Schöpfungsbewahrungsfloskeln“ beschwichtigt werden kann. Die Interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung hat diese Zusammenhänge freigelegt und Alternativen aufgezeigt, von denen eine, eine dringend notwendige Veränderung unseres Gottesbildes, ist.

Wenn wir die Welt und insbesondere auch die Menschheit retten wollen, dann reicht es nicht, dass wir regional einkaufen, nicht mehr fliegen, kein Auto fahren oder uns vegetarisch oder vegan ernähren. All das sind nur Tropfen, welche die verherrrenden Feuer des Patriarchats nicht löschen werden. Tatsächlich müssen wir die Theologien verlassen, sie hinter uns lassen und ihnen nicht unter dem Begriff „Religionsfreiheit“ weiteren Zerstörungsraum zubilligen. Tatsächlich sind Theologien nämlich gar keine Religionen, denn die Religion in diesem Universum ist die Natur, und die Natur ist eine Mutter.

Gott ist Natur. Die Natur ist eine Mutter. Gott kann also kein Hirtengott sein, denn der Hirte sperrt die Natur in seinen moralisch-theologischen Pferch. Da fehlt aber die Luft zum Atmen. Die Welt erstickt also im Rauch der patriarchalen Vernebelungs-Feuer. 

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An english translation of this text, translated by Deep L:

The capitalism theology of patriarchy or why Evangelicals vote Bolsonaro

The most effective pillar of patriarchy are the capitalism theologies, which all claim that the world was civilized only after the shepherd-man-god was invented to tame the previous alleged chaos. The shepherd LORD God, who built his authority economically on the private property of the Capites, the heads of his flock, for God the LORD did not look upon the offering of fruits which Cain, the farmer, offered him, but looked only upon the offering of his brother Abel, the shepherd of sheep, who offered to the LORD an offering of the firstlings of his flock and of their fat. (Genesis 4:1-5).

The alleged chaos that has existed since the beginning of the world is nature. But nature, which is not chaos, but follows a highly intelligent, finely tuned order and cyclic rhythms, is not a man. She’s a mother. She’s what men will never be. The sole purpose of man-god theologies is therefore to undermine the mother’s natural order, to rule over nature. Subdue the nature of the Wild Mother and her unique body, is the credo of capitalism theologies. Rape, abuse, subjugation, exploitation are the spiritual ignition instruments of these man-God capitalism theologies and the yoke, the crook bar and the scourge are to this day their instrumentalities. In the sense of this ideology, the animal whose body is subjected to animal breeding must be subjugated. But also the body of the woman with its unique ability to give birth to life must be subjugated and the earth must be subjugated, but also the woman moon and best of all the whole cosmos, the cosmos which with its daily, monthly and seasonal rhythms reminds us that not only the earth itself but the whole universe is embedded in the maternal order of nature.

If we look at the Amazon, with its still extensively untamed nature and at Bolsonaro and its Evangelical – that is to say strictly Bible-believing – henchmen, it is no longer surprising that the struggle of the Patriarchate of Capitalism Theology is fought vehemently precisely at this place, because not only nature itself with its natural, great diversity, but also the indigenous peoples of this region resist the monotheistic God-Father-Shephard-ideology of the Patriarchate. It is no coincidence, of course, that zootechnical soybean monocultures or cattle capites private property herds are to be marketed on the burned areas. Your God – the Lord and Shepherd – means that well and not only that. In fact, these henchmen of capitalism theology patriarchy act on his behalf, for the Lord, the God who is the shepherd, is practically also their only moral instance. The moral authority, which claims that the world first came into being with the zootechnical Neolithic, i.e. at the earliest 10,000 years ago, and therefore stated in its writings that God and religion had always been male. The power of attorney is: We act so because we believe, that God – whom we have, male prophetically described in our books, wants it in this way.

Today, as more and more people realize that this patriarchal order of the exploitation of nature has brought us close to collapse, there is a growing ecological movement. What is not understood in this movement, however, are the roots of the destructive patriarchal order and how strongly this order is supported by the Man-God-theologies and that this cannot simply be soothed by „clichés of preservation of creation„. The Interdisciplinary Patriarchal Critique Research has uncovered these connections and revealed alternatives, one of which is an urgently needed change in our image of God.

If we want to save the world and in particular mankind, it is not enough to shop regionally, no longer fly, no longer drive a car or feed ourselves vegetarian or vegan. All these are only drops that will not extinguish the devastating fires of patriarchy. In fact, we must leave the theologies, leave them behind us and not allow them further space of destruction under the term „freedom of religion„. In fact, theologies are not religions at all, because religion in this universe is nature, and nature is a mother.

God is nature. Nature is a mother. So, God cannot be a shepherd god, because the shepherd locks nature in his moral-theological pen. There’s not enough air to breathe. So, the world suffocates in the smoke of patriarchal fog.

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