Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

DSC_6139Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien

 Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der Menschheitsgeschichte und in der Gottesgeschichte unsichtbar gemacht durch die haltlose Behauptung: der Mann stand schon immer im Zentrum von Geschichte und Religion.

Die neuesten Erkenntnisse der interdisziplinären Patriarchatskritikforschung strafen diese Ideologien Lügen und entlarven deren Dogmen als Bastionen patriarchaler Definitions- und Ordnungsmacht, um männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren.

Die interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung korrigiert die falschen Lehren des Patriarchats und lenkt den Blick auf die ursprüngliche Bedeutung der Mütter, nicht als passives, auf Kinder reduziertes Gefäß des Mannes, sondern als Trägerinnen menschlicher Kultur und Religion.

Die Entwicklung des emotional modernen Menschen

Menschliche Kultur in ihren Ursprüngen zeigt sich nach den neusten Erkenntnissen der Soziobiologie, entgegen der üblichen evolutionspsychologischen Beschreibungen, in denen Aggression und Killerinstinkte in der Evolutionsanthropologie einen großen Raum einnehmen, als das Gegenteil, nämlich als friedlich, empathisch, altruistisch, schenkbereit und hypersozial. Das patriarchale Paradigma, den Mann als Dreh- und Angelpunkt der Evolution ins Zentrum zu setzen, verstellte nur den Blickwinkel auf den tatsächlichen Ursprung der menschlichen Evolution, in der die Mütter im Zentrum standen. Die amerikanische Anthropologin und Primatenforscherin Sarah Blaffer Hrdy, die den „emotional modernen Menschen“ in die wissenschaftliche Diskussion einbringt, schreibt:

„Evolutionär gesehen, sind anatomisch und verhaltensmäßig moderne Menschen bemerkenswert jung. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass emotional moderne Menschen viel älter sind. Mit „emotional modern“ meine ich jene zweibeinigen Menschenaffen, die mit der Bereitschaft zu teilen und mit empathischen, intersubjektiven Fähigkeiten geboren wurden, welche sich tiefgreifend von jenen unterschieden, wie wir sie bei heutigen Schimpansen beobachten“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mütter und Andere, 2009, S. 98).

Auf die ungewöhnlichen intersubjektiven Fähigkeiten des Menschen hatte erstmals Michael Tomasello, der amerikanische Leiter der Leipziger Forschungsgruppe für Entwicklungspsychologie mit seinen MitarbeiterInnen hingewiesen und im Jahr 2005 hatten sie eine neue Trennlinie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Menschenaffen vorgeschlagen. Sie schrieben:

„Wir sind der Auffassung …, dass der entscheidende Unterschied zwischen der Kognition des Menschen und der anderer Arten die Fähigkeit ist, an gemeinschaftlichen Aktivitäten mit gemeinsamen Zielen und Intentionen mitzuwirken. Im Augenblick kennzeichnet dieses Merkmal zusammen mit unserem außergewöhnlich großen Gehirnvolumen und unserem Sprachvermögen die neue Trennlinie, die uns von anderen Menschenaffen unterscheidet. Entsprechend sind Menschen und nur Menschen darauf ausgelegt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die gemeinsame Ziele und sozial koordinierte Handlungspläne umfassen“. (zit. Aus Blaffer Hrdy: Mütter und Andere, 2009, S. 22/23).

In ihrem die Menschheitsgeschichte revolutionierenden Buch „Mütter und Andere“, in dem Blaffer Hrdy den wissenschaftlichen Beweis führt, wie die Evolution den Menschen zu sozialen Wesen machte, weist sie schon in ihrem einführenden Text auf eine dringend notwendige andere Sichtweise in der anthropologischen und soziobiologischen Wissenschaft hin. Sie schreibt:

„Die Tatsache, dass Kinder so sehr auf Nahrung angewiesen sind, die andere beschaffen, ist ein Grund weshalb diejenigen, die nach allgemeinen menschlichen Merkmalen suchen, gut beraten wären, mit der Bereitschaft zum Teilen zu beginnen“. (ebenda, S. 34).

Die Wissenschaftlerin führt weiter aus:

„Das Teilen von Nahrung mit unreifen Individuen, die zu jung sind, um sich selbst zu versorgen oder die Nahrung richtig zu verwerten, ist ein entscheidendes, aber oft übersehenes Kapitel der menschlichen Entwicklungsgeschichte… Bei keiner anderen Art aber sind unreife Individuen, was ihre Ernährung betrifft, jahrelang so sehr auf andere angewiesen wie beim Menschen“. (ebenda, S. 116).

Das ist der Grund warum hominine Kleinkinder unter anderen Bedingungen aufwuchsen als die Nachkommen aller anderen Primaten. Sie schreibt:

„Vermutlich bereits vor 1,8 Millionen Jahren wurden hominine Junge neben der Mutter von einer ganzen Reihe weiterer Individuen umsorgt und ernährt, und diese Aufzuchtbedingungen schufen die Voraussetzung für das Auftreten eines emotional modernen Menschenaffen“. (ebenda, S. 99).

Aus dieser Tatsache entwickelt sich beim Menschen ein besonders ausgeprägtes kooperatives Aufzuchtverhalten, das die Fürsorge und die Ernährung der Jungen auf mehrere Schultern verteilt. (ebenda, S. 118). Dieses kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen unterscheidet sich signifikant von dem der Menschenaffen, wie den Gorillas, den Orang-Utans oder auch den mit den Menschen genetisch am stärksten verwandten Menschenaffen wie den Schimpansen (pan troglodytes) oder den Bonobos (pan paniscus), wo ausschließlich die Mütter die erste und einzige Quelle von Körperwärme, Fortbewegung, Ernährung und Sicherheit sind. (ebenda, S. 101).

Blaffer Hrdy führt weiter aus:

„Bei Schimpansen, die ebenfalls langsam heranwachsen, werden Jungtiere insofern mit Nahrung versorgt, als ihre Mütter sie nach Nahrung greifen lassen… Doch nur bei Menschen beginnt mütterliches und alloelterliches Nahrungsteilen in den ersten Lebensmonaten und wird dann jahrelang fortgeführt. Auf vorgekaute Säuglingsnahrung folgt „Fingerfood“, und darauf wiederum Nüsse und gekochte Wurzeln, die von Großmüttern und Großtanten gesammelt und oft mühsam zubereitet werden – sowie die köstlichsten Speisen überhaupt, Honig und Fleisch, die der Vater, der Onkel oder andere Jäger mitbringen“. (ebenda, S. 117).

Blaffer Hrdy spricht explizit von der „Schenkbereitschaft“ der Menschengattung. Sie erläutert:

„Fälle von nichtmenschlichen Tieren, die in echter Großzügigkeit freiwillig einen Leckerbissen anbieten, sind selten, außer bei Arten, die, wie der Mensch, eine intensive evolutionäre Geschichte der sogenannten kooperativen Jungenaufzucht haben, bei der Jungtiere gemeinsam umsorgt und ernährt werden. Unter den höheren Primaten genießt der Mensch wegen seiner ständigen Bereitschaft, kleine Gefälligkeiten zu tauschen und Geschenke zu machen, eine Sonderstellung. (ebenda, S. 42).

Die Entstehung von Matrifokalität auf der Grundlage des kooperativen Aufzuchtverhaltens

Aufgrund dieses für den Menschen ausgeprägten kooperativen Aufzuchtverhaltens, das noch vor der Sprachentwicklung eines der Kennzeichen der Menschwerdung ist, erklärt sich nun, warum sich beim Menschen im Pleistozän das Zusammenleben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch als besonders günstig erwies. Schauen wir uns an warum:

 Exogamie ist bei den Paniden genetisch angelegt und wird durch Chemotaxis gesteuert. Das bedeutet beim pan paniscus, dass geschlechtsreife Frauen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Töchter emigrieren, die Söhne bleiben in ihrer Geburts-Familie. Pan paniscus ist also virilokal. (Bott, Gerhard, 2009, S. 17). Das ist möglich, weil die Menschenaffenbabys ausschließlich von der Mutter versorgt werden. Das andere – kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen – verlangt aber ein matrifokales Zusammenleben, das noch besser verständlich wird, wenn die von Kristen Hawkes und ihrem Team erstmals postulierte Großmutterthese in die früheste Soziobiologie des Menschen mit einbezogen wird.

Großmutterhypothese statt Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese

Da sich inzwischen geklärt hat, dass die Jäger in WildbeuterInnengemeinschaften nicht die Hauptversorger der Sippen waren, da ihre Beute viel zu unsicher für die täglich nötige Kalorienzufuhr war, sondern die tägliche Ernährung der Sippe von den Sammelfähigkeiten der Frauen abhing, ist die von patriarchalen Wissenschaftlern favorisierte Jagdhypothese, welche den Mann als Haupternährer und Versorger der Sippe und die Mutter in ökonomischer Abhängigkeit von ihm, in sich zusammengefallen. Die damit verbundene soziobiologische Lehre „Sex für Beute“ ist also falsch. Stattdessen ist dank der anderen Herangehensweise weiblicher Wissenschaftlerinnen die Großmutter-Hypothese in der Anthropologie angekommen. Forschungen der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah an Großmüttern beim wildbeuterisch lebenden Volk der Hazda zeigten nämlich, dass die eifrigsten Nahrungssammlerinnen die Großmütter und Großtanten waren. Blaffer Hrdy fasst die Forschungsergebnisse von Kristen Hawkes und ihren MitarbeiterInnen an den Hazda in Tansania sowie Paul Turkes Forschungsberichte vom Ifaluk-Atoll und Flinns Berichte von Trinidad, die alle die Großmutterhypothese stützen, wie folgt zusammen:

„…die Vorliebe der Hazda-Männer für prestigeträchtiges Großwild wie Elenantilopen hatte zur Folge, dass sie nur selten Beute machten…. An den meisten Tagen kehrten die Männer mit leeren Händen zurück, und es war die Tag für Tag von Frauen gesammelte Nahrung, die die Kinder satt machte. Hawkes und ihren Mitarbeitern fiel noch etwas anderes auf. Die Sammlerinnen, die morgens als Erste das Lager verließen und am Abend als Letzte zurückkehrten, sowie diejenigen, die die schwersten Lasten trugen, waren (anders als man erwarten sollte) nicht junge Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Und es waren auch nicht die Mütter mit hungrigen Kindern, die im Lager auf ihre Rückkehr warteten. Die eifrigsten Nahrungssammlerinnen waren vielmehr alte Frauen mit ledergegerbten Gesichtern, deren Blüte lange zurücklag. In einem wegweisenden Aufsatz mit dem Titel „Hart arbeitende Hazda-Großmütter“ beschrieben die Forscher Großtanten und Großmütter, die, statt die Beine hochzulegen und ihre nicht länger durch die Mühen der Kinderaufzucht belasteten “goldenen Jahre“ zu genießen, härter arbeiteten denn je. Kinder in diesen Wildbeutergruppen, die eine Großmutter oder Großtante hatten, die bei ihrer Ernährung halfen, wuchsen schneller heran. In Zeiten der Nahrungsknappheit hatten diese Kinder höhere Überlebenschancen. Turkes Berichte vom Ifaluk-Atoll, Flinns Berichte von Trinidad und jetzt diese Erkenntnisse über Jäger-Sammler in Tansania wiesen alle auf bemerkenswerte Parallelen zwischen Gruppen mit kooperativer Jungenaufzucht hin. In allen Studien waren es hilfsbereite Alloeltern – ältere Schwestern, Großmütter oder Großtanten -, die Mütter erlaubten, mehr Nachkommen mit besseren Überlebenschancen hervorzubringen“. (ebenda, S. 151/152).

Diese Forschungsergebnisse sind revolutionär, belegen sie doch, dass Großmütter und Großtanten einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der nächsten Generation liefern. Begreift man den Beitrag der Großmütter für die nächste Generation als menschenartgerecht, erklärt sich der evolutionsbiologische Nutzen der ungewöhnlich langen Lebensdauer von Menschenmüttern nach der Menopause, und es wird auch deutlich, dass Menschenmänner auch heute noch im Vergleich zu Frauen eine signifikant geringere Lebensdauer haben.

Auf der Basis der Großmutterhypothese schauten sich die britischen Anthropologinnen Rebecca Sear und Ruth Mace noch einmal die Unterlagen einer Studie über die Gesundheit von Mutter und Kind genauer an, die zwischen 1950 und 1980 vom United Kingdom Medical Research Council bei den Mandinka-Ackerbauern in Gambia erhoben worden waren und zu den aufwändigsten Studien zählt, die in einer traditionellen Gesellschaft jemals durchgeführt wurden. Auch die von den Forscherinnen neu interpretierten Ergebnisse dieser Studien verändern die übliche patriarchale Herangehensweise der Anthropologie in bedeutender Weise, lenken sie doch den Blick darauf, dass die höheren Überlebenschancen von Kindern vor allem an ein matrilineares Verwandtschaftsverhältnis gekoppelt ist. Blaffer Hrdy fasst auch die Ergebnisse der britischen Anthropologinnen Sear und Mace zusammen:

„Aus der Sicht eines Madinka-Kindes war es buchstäblich lebensrettend, wenn es eine ältere Schwester hatte, die babysitten konnte, oder eine Großmutter mütterlicherseits, die zusätzliche Nahrung besorgte und sich um das Kind kümmerte. Die Anwesenheit des leiblichen Vaters, von Großeltern väterlicherseits oder eines älteren Bruders hatte dagegen keine messbaren Auswirkungen auf die Überlebenschancen von Kindern. Wenn aber nach dem Verlust des Vaters ein Stiefvater die Bühne betrat, sanken die Überlebenschancen des Kindes deutlich. Ansonsten hatten Väter, wie es die Forscher unverhohlen formulierten, „absolut keinen Effekt auf den anthropometrischen Status oder die Überlebenschancen eines Kindes“ – sofern Allomütter zur Verfügung standen“. (ebenda, S. 154).

Tatsächlich bietet die wissenschaftliche Focussierung auf Großmütter und insbesondere auf matrilineare Großmütter die Lösung dafür, warum sich beim Menschen im Laufe des Pleistozäns das Leben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch durchsetzte.

 Was bedeutet Matrifokalität?

Matrifokalität bedeutet Mütter im Focus, Mütter im Zentrum und beinhaltete Matrilinearität und Matrilokalität.

 Matrilinearität heißt, dass die Verwandtschaft unilinear matrilinear abgeleitet wurde. Bei einer frei gelebten, wechselnden, von den Frauen durch die biologisch verankerte female choice bestimmten Sexualität war individuelle Vaterschaft nicht nachweisbar und deswegen ohne Bedeutung. Wenn individuelle Vaterschaft keine Bedeutung hat, dann ergibt sich daraus, die Abstammung nur über die Mutter abzuleiten. Matrilokalität bedeutet, dass die Töchter die matrilineare Blutsfamilie nicht verließen. Das war die direkte Folge des kooperativen Aufzuchtverhaltens beim Menschen, um die Ernährung ihrer Kinder durch konsanguinale Verwandtschaftsbeziehungen bestmöglich abzusichern.

Matrifokalität bewegte sich biologisch immer innerhalb der von der freien Entscheidung der Frau bestimmten Sexualität, der sogenannten female choice, die Vergewaltigung ausschließt und der ebenfalls biologisch durch Chemotaxis determinierten Inzestschranke. Das bedeutet, dass in der paläolithischen, matrilinearen, wildbeuterisch, egalitär lebenden Blutsfamilie aufgrund der Inzestschranke die geschlechtsreifen Brüder nicht matrilokal lebten und stattdessen nicht blutsverwandte Männer als Sexualpartner aus anderen Sippen sozial und ökonomisch eingegliedert wurden. Das bedeutet, wir haben im größten Teil des Pleistozäns ein kollektives fürsorgliches Väterbewusstsein, jedoch kein individuelles, aus dem sich „Väterrechte“ ableiten lassen. (Armbruster, Kirsten, 2014)

Die Entstehung der Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung

Die beiden Lieblingsthesen der gängigen Anthropologie und der Archäologie, nämlich die „Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese“ und die auf ihr gegründete weitere These, die „monogame Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung“ bereits für den Anfang der Menschheitsgeschichte zu postulieren, und damit zu suggerieren, das Patriarchat habe es schon immer gegeben, diese Thesen erweisen sich als Kardinalfehler patriarchal-ideologisch geprägter „Wissenschaft“. Das schöne Wort „Kardinalfehler“ verweist auch gleich auf eine weitere Ideologie, dem dieser Fehler ebenso zugrunde liegt: dem Kardinal, und so entlarvt Sprache bis heute das Patriarchat. Wen wundert es, basiert doch auch die Entstehung von Sprache im Pleistozän auf Muttersprache und damit Mutterkultur.

Wie Gerhard Bott in seinem ebenfalls revolutionären Buch „Die Erfindung der Götter“ (Band 1: 2009 und Band 2: 2014) logisch brillant abgeleitet hat, entwickelt sich die Paarungsfamilie und die damit verbundene bilineare Vater-Mutter-Abstammung erst im Laufe des Neolithikums im Zuge der ökonomischen Implementierung von Tierzucht in Form von Herdenhaltung. Mit der Herdenhaltung einher geht ein verändertes Bedeutungsverständnis von männlicher Fruchtbarkeit, welche der weiblichen im Zuge der Herdenhaltung überlegen zu sein scheint, denn im Zuge der Herdenhaltung von Tieren erfahren die Männer, dass nur wenige männliche Tiere ausreichen, um eine weibliche Herde zu begatten. (Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu, 2010, S. 187). Bott schreibt: über den Wandel der unilinear matrilinearen Blutsfamilie zur bilinearen Paarungsfamilie im Modus II/III des Neolithikums:

„Erst jetzt wandelt sich die matrilineare Unilinearität des Verwandtschafts- und Gesellschaftssystems zur Bilinearität, d.h. erst jetzt wird die unilineare Matrilinearität des Verwandtschaftssystems ergänzt durch patrilineare Verwandtschaft. An die Stelle der allein auf die Mutter bezogenen Blutsfamilie tritt die auf die Eltern bezogene Paarungsfamilie, die auch als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft institutionalisiert wird, und zwar vom Mann, eine neue Familienform, welche die Blutsfamilie ersetzt und zersetzt, indem das genossenschaftliche Gesamthandseigentum privatisiert wird zum Privateigentum… Erst mit der neolithischen Paarungsfamilie, die durch die Heilige Hochzeit geheiligt wird…, kann der Mann Patrilinearität, Patrilokalität der Exogamie und Patrifokalität durchsetzen“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 130).

In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich auf den falschen und irreführenden Matriarchatsbegriff hingewiesen. Wie in dieser soziobiologischen Freilegung von Matrifokalität deutlich sichtbar wurde, hat es eine Mütterherrschaft – was der Spiegelbegriff Matriarchat zu Patriarchat assoziiert – nie gegeben, weshalb der Begriff schon an sich unsinnig ist. Noch unsinniger wird er allerdings durch die Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth, die ausgerechnet die „Heilige Hochzeit“- auch noch in der neusten Auflage ihres Buchs „Die Göttin und ihr Heros“ (2011) -, zum Kernstück eines angeblichen Matriarchats erhoben hat, womit sie ihre völlige Unkenntnis der soziobiologischen Menschheitsgeschichte offenbart und durch diese Unkenntnis gleichzeitig untermauert, dass der Matriarchatsbegriff in jeder Hinsicht abzulehnen ist, weil er großen Schaden bei der patriarchatskritischen Freilegung menschlicher Geschichte anrichtet.

 Schlussfolgerung: Matrifokalität und das Fehlen von Krieg

Zum Abschluss dieser evolutionsbiologischen Abhandlung zur Menschheitsgeschichte, welche die neusten evolutionspsychologischen Erkenntnisse eines empathischen, altruistischen, schenkbereiten, hypersozialen Ursprung des Menschen mit der soziobiologischen matrifokalen Lebensform des Menschen kausal in Zusammenhang stellt, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass menschliche Kultur im Pleistozän und auch noch in weiten Teilen des Neolithikums geprägt ist durch das Fehlen eines der Hauptmerkmale des Patriarchats, nämlich dem FEHLEN VON KRIEG. Gewalttätige Auseinandersetzungen in Gruppen konnte die Archäologie nämlich erst im Laufe des Neolithikums um 6300 v.u.Z. in der Ofnethöhle im süddeutschen Nördlinger Riess feststellen, wo an sechs Schädeln Hiebverletzungen nachweisbar waren. Der nächste Fund, der auf Gewalteinwirkung schließen lässt, konnte archäologisch erst wieder eintausenddreihundert Jahre später, 5000 v.u.Z. ebenfalls in Deutschland, in Talheim bei Heilbronn ausgemacht werden. Das Kriegszeitalter selbst beginnt mit der Bronzezeit, dem ersten Auftauchen von Streitwagenkriegern ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und ist eng korreliert mit der Metallgewinnung durch Bergbau und der Pferdedomestikation, die Voraussetzung waren für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung und interessanterweise mit der erstmaligen namentlichen Nennung von Göttern und Göttinnen zeitlich einhergehen. (LINK Zeitgeschichtstafel).

Das bedeutet, dass die Menschheit den allergrößten Teil ihrer Geschichte ihrer hypersozialen Natur gemäß in Frieden lebte, was eine soziologisch kulturelle Großleistung und der Tatsache geschuldet ist, dass die Mütter im Zentrum menschlicher Gemeinschaft standen. Matrifokalität war also nicht nur die Voraussetzung für menschliche Kulturentwicklung, sondern auch der Garant für Frieden. Es bedeutet auch, dass mit der Zerstörung von Matrifokalität wenig später das Kriegszeitalter beginnt, dessen Heroisierung Gegenstand der geschriebenen patriarchalen History ist, während die Herstory, die wesentlich längere und kulturell bedeutungsvolle Menschheitsgeschichte der Matrifokalität von der patriarchalen Geschichtsschreibung unterschlagen wird.

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter Im Zentrum, 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, 2009 und 2014

Flinn, Mark V.: Household composition and female reproductive strategies in a Trinidadian village in: The sociobiology of sexual and reproductive strategies, hg von A. E. Rasa, C. Vogel und E. Voland, 1989, S. 206-233

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 2011

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.G. Blurton Jones: Hardworking Hadza grandmothers in Comparative socioecology; The behavioral ecology of humans and other mammals, hg. Von R.A. Foley, 1989, S. 341-366

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.g. Blurton Jones: Hadza women´s time allocation, offspring provisioning and the evolution of post-menopausal lifespans; Current Anthropology, 38, 1997, S. 551-577

Sear, Rebecca, Fiona Steele, Ian A. McGregor und Ruth Mace: The effects of kin on child mortality in rural Gambia; Demography, 39, 2002, S. 43-63

Sear, Rebecca: Kin and child survival in rural Malawi. Are matrilineal kin always beneficial in a matrilineal society? Human Nature, 19, 2008, S. 277-293

Tomasello, Michael, Malinda Carpenter, Josep Call, Tanya Behne und Henrike Moll: Unterstanding and sharing intentions. The origins of cultural cognition: Behavioral and Brain Sciences 28, 2005, S. 675-691

Turke, Paul: Helpers at the nest; Childcare networks on Ifaluk in: Human reproductive behavior. A Darwinian perspective, hg von L. Betzig, M. Borgerhoff Mulder und P. Turke, 1988, S. 173-188

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Von ohnmächtigen Müttern

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Foto: Franz Armbruster

Aus dem Buch:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 220-224

Herrschaft wurde über Theologie erst richtig politisch internalisiert, das heißt zur Macht befähigt, und bis heute ist Politik nicht entkoppelt von diesen Theologien. Die Dreierphalanx aus herdenideologisierter Wirtschaft, patriarchaler Machttheologie und Politik bilden auch in unseren Tagen den Paradigmenmix für unser Denken und unser Handeln. Die von jeglichen Emotionen, jeglicher Empathie und jeglichem Altruismus befreite Wissenschaft, welche die reine Ratio essentialisiert und dabei die Weisheit verraten hat, ist nur eine Dienerin der Dreierphalanx aus Ökonomie, Theologie und Politik und verschlimmert damit die Situation. Als Reparaturmechanismen dieses maroden und natürlich völlig unzeitgemäßen Systems wurden die letzten Jahre ökologisches, soziales und feministisches Gedankengut in dieses System integriert, wohlbemerkt integriert. Die Ökologie, die Natur müssen sich in der patriarchalen Logik immer der Ökonomie unterordnen, dass bedeutet de facto, dass die Erde, das Wasser und die Luft, ohne die ein Leben gar nicht möglich ist, immer dem Geld untergeordnet werden. Dies hat zur Konsequenz, dass nicht die Person das meiste Geld bekommt, die am meisten dafür sorgt, dass unsere Lebensgrundlage erhalten bleibt, sondern die Person, die am skrupellosesten und zerstörerischsten mit unseren Ressourcen umgeht. Diese Reihenfolge der patriarchalen Prioritäten ist in ihrer Kurzfristigkeit absurd, und die Absurdität kann an einer ganz einfachen mathematischen Reihe aufgezeigt werden. Man frage sich nur einmal, wie lange ein Mensch ohne Luft, ohne Wasser, ohne die Erde, oder aber ohne Geld überleben kann. Schnell wird offensichtlich, dass Luft und Wasser die sensibelsten Lebensparameter sind, und es daher sinnvoll wäre, diejenigen am meisten zu bezahlen, die am besten diese lebensbestimmenden Elemente bewahren.

Analog zur Ökologie müssen sich Mütter und Kinder ebenso dem Diktat einer patriarchalisierten Ökonomie unterordnen. Das heißt, eine Mutter hat entweder die Wahl, sich finanziell in völlige Abhängigkeit von einem Mann zu begeben, weil ihre Arbeitsleistung der Schwangerschaft, der Geburt, der Ernährung und der Fürsorge für ein neues Menschenleben, die sogenannte Reproduktionsarbeit als ökonomisch nicht relevant und damit nicht geldwert erachtet wird. Oder aber sie hat die Möglichkeit, sich möglichst schnell wieder in die geldwerte, nach patriarchalen Prinzipien funktionierende Ökonomie, einzuordnen. Diese Entscheidung zahlt sie dann psychologisch mit schlechtem Gewissen, Trennungsängsten, Dauerorganisationsstress und einer permanenten Angst vor jeder Kinderkrankheit, weil dann jedes Mal eine Betreuungsumorganisation vonnöten ist. Von jeder Mutter, aber auch von jedem sozialen und partnerschaftlich orientierten Vater wird gefordert, dass sie sich, wenn sie im ökonomischen Konkurrenzkampf bestehen wollen, dem patriarchalen Dogma „Oeconomy first“ unterordnen. Das bedeutet, dass Eltern und Kinder in ungleich höherem Maß perfekt funktionieren müssen als Singles, um in diesem auf reinem Wettbewerb getrimmten System nicht abzurutschen. Nicht umsonst sind Kinder in unserer Gesellschaft das größte Armutsrisiko. In der Praxis heißt dies, Familien stehen in unserem patriarchalen System unter Dauerdruck. Sie sind kaum Orte der Gelassenheit, des Optimismus oder der Lebensfreude, was sie eigentlich sein sollten. Sie sind vielmehr durchorganisierte Hochleistungszentren, die täglich darum kämpfen, ihre Kinder optimal in dieser auf Wettbewerb beruhenden Gesellschaft zu positionieren. Kein Wunder, dass Familien, die eigentlich Orte der Geborgenheit sein sollten, besonders häufig Orte der Gewalt und der Verzweiflung sind, und ein großer Teil der Ehen diesen Bedingungen nicht standhält und kaputt geht. Kinder müssen sich in unsere patriarchal-ökonomisch definierte Funktionalität perfekt einfügen. Sie dürfen nicht mehr träumen, sie dürfen nicht mehr trödeln, und sie dürfen auch nicht mehr krank sein, obwohl es Teil ihrer natürlichen Entwicklung ist, sowohl die Welt in einem langsamen Tempo zu entdecken, als auch ihr Immunsystem über eine Auseinandersetzung mit diversen Krankheitserregern erst einmal aufzubauen. Aber hierzu ist Zeit der Pflege und der Erholung vonnöten, die wir in unserem gehetzten Leben niemandem mehr zugestehen. Kinder müssen auch, in unserer auf Effektivität und Effizienz getrimmten patriarchalen Welt, Selbstläufer sein in der Schule. Sind sie das nicht, was eher die Regel als die Ausnahme ist, so ist ein elterlicher, meistens mütterlicher Leistungsmarathon vonnöten. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, Eltern-Kind-Schulgespräche, Eltern-Lehrer-Schulgespräche, Ergotherapie, Logopädie, Medienkompetenz sind angesagt, die Eltern und Kinder gleichermaßen stark unter Erfolgsdruck und Stress bringen. Daneben gibt es die ganz normalen ganzheitlichen Förderprogramme wie Musikunterricht, Ballettunterricht, Sportunterricht, Vereinsarbeit, und die dazu nötigen Fahrdienste zu bewältigen. All dies erledigen die heutigen Supereltern neben einem möglichst beidgeschlechtlichen Vollzeitjob, der selbstverständlich allererste Priorität genießt, nebenbei. Die Hausarbeit wie Putzen, Kochen, Spülen, Einkaufen, Waschen, Bügeln und Reparieren, erledigt sich abends und am Wochenende ganz von selbst, oder wird im Niedriglohnsektor zu 99,9 % von Putz-Frauen nicht -Männern erledigt, damit wenigstens noch ein wenig Zeit bleibt für Nebenbeibeschäftigungen wie Trösten, Vorlesen, Singen, Schmusen, Kuscheln, Reden, Erzählen, Toben, Spielen oder auch Streiten.

Von der Gesellschaft wird ganz selbstverständlich in solchen Situationen erwartet, dass eine Oma im Hintergrund bereit steht, welche die geforderte Flexibilität unseres Arbeitsmarktes jederzeit auffängt. Das heißt, unser patriarchales ökonomisches System beruht, nach wie vor, auf der kostenlosen Arbeit oder Niedriglohnarbeit von Frauen. Hat jemand keine Oma in der Nähe, weil man ja bereits, aufgrund der ebenfalls von der Ökonomie geforderten Mobilität, den heimatlichen Wohnort verlassen hat, sind geldwerte Leistungen für eine fremde Betreuungsperson erforderlich. Dies mag für gut Verdienende erschwinglich sein, aber eine Durchschnittsverdienende wird schnell feststellen, dass am Monatsende von ihrem Verdienst nichts übrig geblieben ist. Unsere neue Art der Berufstätigkeit von Müttern, wird daher vor allem auf Kosten von Großmüttern ausgetragen. Dies mag in unserer Generation noch funktionieren, aber bereits in der nächsten Generation, sind ja die Omas selbst berufstätig. Wer übernimmt dann die flexible Kinderbetreuung? Auch unsere wünschenswerte Ausdehnung der Kinderbetreuung auf Männer, seien es die genetischen Väter oder andere männliche Bezugspersonen, löst nicht das eigentliche Problem, dass Kinder in unserer patriarchalen Ökonomie als soziale Randfaktoren betrachtet werden. Ein partnerschaftlich gesinnter Mann, der sich seinen Kindern widmen will, wird nämlich dieselben Probleme haben, wie die Mütter: Die Zerrissenheit zwischen zwei Welten, die diametral entgegengesetzten Gesetzmäßigkeiten folgen: Die heutige auf Konkurrenz, maximaler Leistung, Schnelligkeit, Flexibilität und Mobilität beruhende Berufswelt der geldwerten Ökonomie und der natürlichen, nicht auf ein Jahr, sondern auf zwanzigjähriger Gehirn- und Persönlichkeitsreifung beruhenden Entwicklung eines Homo sapiens.

Wir merken anscheinend nicht, dass wir es, mit der auf der patriarchalen Herdenideologie beruhenden Ökonomie, die erstmals die Frauen und Mütter von der Ökonomie ausschloss, mit einem Systemfehler zu tun haben. Wir merken anscheinend nicht, dass die Ökologie, die Natur, die begrenzten Ressourcen unseres Planeten im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen. Wir merken auch nicht, dass die Mutter und die Kinder im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen, und nicht eine auf maximale Akkumulierung und damit Ausbeutung beruhende Ökonomie. Das Leben auf Erden ist an Mütterlichkeit gebunden. Das ist das Naturgesetz der Erde. Die Erde selbst ist, wie alle Naturvölker wussten und bis heute wissen, eine Mutter, und die Natur hat die Mutter dazu eingesetzt neues Leben zu gebären und zu nähren. Deshalb bevorzugt die Natur auch eine mütterliche, fürsorgende Art der Erden-Haushaltsführung und keine patriarchal ausbeuterische, hierarchische und kriegerische, wie sie die letzten Jahrtausende verbreitet wurde. Wird die mütterliche Art der Erden-Haushaltsführung nicht praktiziert, entstehen Krieg, Ausbeutung, Sklaverei, Folter, schweres Leid, Mangel, Not, Elend, Traumatisierung und Unheil, das heißt: Das Leben kann unter solchen Bedingungen nicht funktionieren, es entsteht Chaos, Agonie. Die mütterlichen Urgesetze der Erde scheinen den meisten Menschen heute wie hinter einem undurchsichtigen Schleier verborgen. Dies führt zu einer Orientierungslosigkeit, die praktisch alle Bereiche unseres Lebens durchzieht, einer Verwirrung, die durch eine patriarchalisch angemaßte Definitions- und Erziehungsmacht, verursacht und über Jahrtausende mit Gewalt durchgesetzt wurde. Diese Orientierungslosigkeit ist das Ergebnis einer durch falsche Werte internalisierten gewaltinduzierten Herrschaftsmacht, welche die Welttheologien, die Geschichte, das gesamte ethische Wertesystem, die Philosophie, die Psychologie, die Sexualität, die Soziologie, die Archäologie, die Anthropologie, das Bildungssystem und die Wirtschaft okkupiert hat: Es bedeutet de facto, dass sich unsere gesamte Gesellschaft im werteinternalisierten Belagerungszustand befindet, verursacht durch eine Jahrtausende währende Gehirnwäsche: Unsere Geschichte und damit die Wurzeln unserer Gesellschaft, unserer rein männlich ausgerichteter Arbeits-Wirtschafts-Wachstumsmythos, der unseren Lebensraum Erde an den Rand des Kollaps katapultiert hat, und unsere soziologische Struktur, die behauptet, dass der Krieg die Mutter aller Dinge ist, verkennend, dass der Krieg erst mit der Machtübernahme des Vaters überhaupt erst in die Welt kam, all dies befindet sich in einem Zustand der Fälschung, der Lebenslüge. Wenn wir diese Lebenslüge enttarnt haben, können wir ein neues Denken entwickeln, ein Denken, das ich mit dem Begriff Gaiakompetenz umschreibe.

Die BaskInnen und warum drei Viertel unserer Gene von ihnen abstammen

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Alter Grabstein im Baskenland, Sara, Spanien, Foto. Franz Armbruster

Das einzige Volk in Europa, das bis heute vorindoeuropäische matrifokale Wurzeln erhalten hat, ist das Volk der Baskinnen in Südfrankreich und Nordspanien, wo nicht zufällig der Caminos Francés, der Hauptweg des Muschelwegs beginnt, den das Patriarchat Jacobsweg nennt. Die Baskinnen sind nicht nur religionssoziologisch von besonderem Interesse, weil , wie der baskische Archäologe José Miguel de Barandiarán schreibt, die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich sind. (Siehe hierzu: Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014, S. 57-73) . Sie sind auch linguistisch und genetisch von besonderem wissenschaftlichen Interesse.

In meinem Buch „Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 103-11, habe ich mich auf die lingusitischen und genetischen Spuren der Baskinnen begeben:

„Beschäftigen wir uns nun mit der Sprache in diesem Gebiet. Die Baskische Sprache ist heute die einzige nichtindoeuropäische Sprache im westlichen Europa. Sie gilt wie das Sumerische als isolierte Sprache. Es wird angenommen, dass das Baskische der letzte überlebende Vertreter einer alteuropäischen Sprachschicht ist, die vor dem Eindringen des Indoeuropäischen in weiten Teilen Westeuropas verbreitet war. Harald Haarmann, einer der führenden Sprachwissenschaftler, stellt in diesem Zusammenhang in den Raum, „dass man zu Recht fragen kann, ob in den Strukturen der bekannten Sprachen nicht bestimmte Techniken zu identifizieren sind, die archaischen Charakter besitzen und offensichtlich fossile Nachklänge wesentlich älterer Sprachstadien sind“. In den Focus des Interesses rücken bei einer solchen Fragestellung natürlich die ältesten noch lebenden Sprachen der Welt. Dazu zählen, neben dem Dravidischen in Indien, die Sprachen des Kaukasus und in Westeuropa das Baskische. (Haarmann, Harald; 2010, S. 108/109).

Theo Vennemann, emeritierter Sprachwissenschaftler der Universität München, bezeichnet die nacheiszeitlichen Vorfahren der Basken als Vasconen und entwickelte hierzu seine Vasconentheorie, die besagt, dass die Vasconen die frühen BewohnerInnen Europas sind, die sich nach der letzten Eiszeit als WildbeuterInnen weit über den europäischen Kontinent ausbreiteten. Dort benannten sie Berge, Täler und Flüsse in ihrer Sprache mit Namen, die in Wortbausteinen zum Teil bis heute erhalten blieben. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 271). Dass es diese Wanderungen gegeben hat, lässt sich nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur linguistisch, sondern auch archäologisch, humangenetisch und nun auch religionsmythologisch bestätigen.

Heute ist das Baskenland eine relativ kleine Region an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, aber ur-sprünglich war das Gebiet der Basken wesentlich größer. Selbst nach der indoeuropäischen Eroberung durch die Kelten, die circa 800 v.u.Z. auf der iberischen Halbinsel einsetzte, können wir auf der unteren Karte feststellen, dass ein größerer Landstrich nördlich und südlich der Pyrenäen nicht keltisch sprach.

Verbreitung keltischer Völker und Sprachen

Verbreitung keltischer Völker und Sprachen: Quelle Wikipedia, Stichwort: Keltengelb: Gebiet der Hallstatt-Kultur im 6. Jahrhundert v. u.Z.; hellgrün: Größte keltische Ausdehnung, um 275 v. u.Z. .; sehr helles grün in Spanien: Lusitania (keltische Besiedlung unsicher); mittelgrün: Die „sechs Keltischen Nationen“, in denen es bis in die Frühe Neuzeit eine signifikante Anzahl Sprecher keltischer Sprachen gab.; dunkelgrün: Das heutige Verbreitungsgebiet keltischer Sprachen; Wikimedia Commons, User: Quartier Latin 1968, The Ogre, GNU-Lizenz)

An der Ostküste, im ehemaligen Einzugsgebiet der Impresso-KardialkeramikerInnen hielt sich lange das sogenannte Keltiberische, während im Gebiet, wo die vier französischen Muschelwegrouten aufeinandertreffen und in den Pyrenäen aquitanisch/vaskonisch gesprochen wurde. Aquitanisch und Vaskonisch sind sprachliche Vorläufer des heutigen Baskischen. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 271). Noch Caesar unterscheidet in seinem Bericht De Bello Gallico das keltische Gallien von Aquitanien. Und Lourdes Pomponius Mela beschreibt, dass das Land der Aquitanier sich von der Garonne bis zu den Pyrenäen erstreckte. Da auch das spätere Königreich Navarra zu großen Teilen baskisch war, können wir davon ausgehen, dass das Gebiet der Basken noch zu Zeiten Caesars wesentlich größer war als der heutige kleine Landstrich, denn die Römer nennen als baskische Stämme die Vascones und die Ausci. Die Ausci lebten in Aquitanien und ihre Hauptstadt war Eliumberrum, das heutige Aust. Die Basken selbst bezeichnen sich, wahrscheinlich abgeleitet von Ausci, heute als Euskaldunak oder Euskal Herritar und ihre Sprache als Euskara, wobei sich nach Vennemann „Euskara“ auch als „die Menschen des Westens“ übersetzen lässt. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 437).

Heute gehören die meisten der modernen Weltsprachen – ausgenommen das Chinesische, Japanische und Arabische – zum Kreis der indoeuropäischen Sprachen. Dazu zählen in Europa das Griechische, das Lateinische, das Englische, das Spanische, das Portugiesische, das Französische, das Deutsche, aber auch die zum Teil ausge-storbenen Sprachen wie das Keltische und das Germanische, ebenso wie das indische Sanskrit. Die Heimat der Indoeuropäer liegt, wie Marija Gimbutas bereits in den 1970 er Jahren mit ihrer Kurgan-Theorie beschrieben hat, in der südrussischen Steppe und nicht, wie andere Wissenschaftler zeitweise annahmen, in Anatolien.

Karte Indoeuropäische UrheimatGeographische Umrisse der indoeuropäischen Urheimat (nach Anthony 2007: 84, Nachzeichnung Franz Armbruster aus Haarmann, Harald, 2010, S. 21)

In diesem Zusammenhang weiß man auch, dass nicht die Indoeuropäer, wie immer wieder zu lesen, die neolithische Wirtschaftsweise der Keramik und des Ackerbaus nach Europa brachten, sondern die LinearbandkeramikerInnen und die Impresso-KardialkeramikerInnen. Die Indoeuropäer wiederum als Pferde züchtende Viehnomaden, erschienen erst 4500 v.u.Z. in Alteuropa und stehen in Verbindung mit der ersten Ausbreitung patriarchalischer Strukturen. Als Marija Gimbutas nachwies, dass sich durch die indoeuropäischen, pferdezüchtenden Viehnomaden ab 4500 v.u.Z. ein kultureller Bruch in Europa abzeichnete, der sich in einer plötzlich auftauch-enden hierarchischen Bestattungskultur in Verbindung mit einem patriarchalischen Sonnenkult äußerte und in krassem Gegensatz stand zu der früheren Kultur von Alteuropa, stießen ihre Forschungsergebnisse auf großes Interesse, aber auch auf Kritik. Eines der Hauptargumente gegen die indoeuropäische Invasion war die Tatsache, dass keine zahlenmäßig bedeutenden Migrationen festgestellt werden konnten. Heute ist auch dieses Rätsel gelöst. Harald Haarmann schreibt dazu in seinem 2010 erschienenen Buch über die Indoeuropäer:

„Mit der von Gimbutas konzipierten Kurgan-Theorie gab es ein Problem. Die von ihr postulierten Migrationen wurden als die Bewegungen von zahlenmäßig bedeutenden Bevölkerungsgruppen verstanden. Allerdings kann die Archäologie solche Migrationen nicht nachweisen, und auch die Humangenetik kann keine signifikanten Spuren im genomischen Profil späterer Bevölkerungen ausmachen. Die Vorstellung, dass riesige Reiterhorden aus der russischen Steppe nach Westen gestürmt wären, ist unhaltbar“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 47).

Die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs lässt sich wiederum aus der damaligen Bestattungskultur erklären, die im Gegensatz zur egalitären Kultur der Linearbandkeramik (LBK) auf eine hierarchische Sozialordnung und auf die Existenz einer Elite mit politischer Macht hinweist. Harald Haarmann fasst dazu die neuesten Erkenntnisse zusammen:

„Die Frühphase der Indoeuropäisierung stellt sich in neuem Licht dar, und zwar als die politische Kontrolle von nomadischen Eliten über die sesshafte agrarische Bevölkerung“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 48).

Kommen wir noch einmal auf die Basken zurück. Die Basken rückten nicht nur aus linguistischer Sicht in den Focus wissenschaftlichen Interesses. In den letzten Jahren beschäftigten sich auch die HumangenetikerInnen mit den Basken, allen voran das Forschungsteam um Cavalli-Sforza. Harald Haarmann hat deren Forschungsergebnisse über die Basken so zusammengefasst:

„Zu den ältesten Skelettfunden des modernen Menschen in Westeuropa gehören die von Cro-Magnon in der Dordogne. Danach werden die altsteinzeitlichen Bewohner jener Region als Cro-Magnon-Menschen bezeichnet. Diese älteste Bevölkerungsschicht des Homo sapiens in Westeuropa tritt auf den humangenetischen Karten als genetischer „Außenlieger“ (engl. outlier) deutlich in Erscheinung. Was das genomische Profil dieses Außenliegers von seiner Umgebung absetzt, ist eine hohe Frequenz (bis 70 Prozent) der Blutgruppe 0 und des negativen Rhesusfaktors. Diese genetische Charakteristik gilt auch für die heutige baskische Bevölkerung, die auf beiden Seiten der spanisch-französischen Grenze verbreitet ist. Vereinfacht ausge-drückt bedeutet dies, dass diejenigen Menschen, die die altsteinzeitlichen Höhlen ausmalten und das älteste Kalenderwesen der Welt erfanden, entfernte Verwandte der modernen Basken sind. (Cavalli-Sforza/Piazza 1993:11)“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 109/110).

Als Bryan Sykes 1995 auf der zweiten Europakonferenz über Bevölkerungsgeschichte seine Forschungen über die maternale Mitochondrien-DNA, die nur über die Mutter vererbt wird, vorlegte, musste nach anfänglicher Skepsis, die bis dahin geltende traditionelle Sicht der europäischen Ur- und Frühgeschichte wieder einmal über den Haufen geworfen werden. Bis dahin ging die Fachwelt nämlich davon aus, dass die EuropäerInnen zum größten Teil von den Bauern abstammten, die vor circa 10 000 Jahren aufgrund der neolithischen Revolution aus dem Nahen Osten nach Europa eingewandert waren. Tatsächlich konnten die ForscherInnen nun anhand der maternalen Abstammungslinien feststellen, dass die meisten EuropäerInnen auf eine viel längere Reihe von Ahninnen zurückgingen. Die bis dahin herrschende Theorie, dass die Bauernpioniere aus dem Nahen Osten die Nachfahren des Cro-Magnon-Menschen verdrängt, die ihrerseits die Neandertaler verdrängt hatten, erwies sich als falsch. (Sykes, Bryan; 2003, S. 167-191).

Auch bei den humangenetischen Forschungen über die Abstammungsahnenlinie der EuropäerInnen war die Bevölkerungsgruppe der Basken besonders ins Visier der WissenschaftlerInnen geraten. Tatsächlich zeigten die humangenetischen Forschungen nun, dass 60-80 Prozent der Europäer dieselben Ahninnen haben wie die Basken. Das Team von Sykes entwickelte anhand der mitochondrialen DNA ein Abstammungsmodell, das aufzeigte, dass in der Bevölkerung Europas sieben große genetische Gruppierungen identifiziert werden konnten. Sykes führte diese Gruppierungen auf sieben Clanmütter zurück und gab ihnen die Namen Ursula, Xenia, Helena, Velda, Tara, Katrin, Jasmin, deren Anfangsbuchstaben auf die Sequenzgruppen zurückgingen, die er aus dem Klassifikationssystem des italienischen Genetikers Antonio Torroni übernommen hatte. Sykes bestimmte das Alter der auf die sieben Clanmütter zurückzuführenden Abstammungslinien zwischen 45 000 und 10 000 Jahre. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen unterbreitete er schließlich einem breiten Publikum in dem populärwissenschaftlichen Bestseller „Die sieben Töchter Evas – Warum wir alle von sieben Frauen abstammen“ (2003).

Inzwischen konnten die uralten, ins Paläolithikum reich-enden genetischen Abstammungslinien der EuropäerInnen auch über die Y-Chromosomen-DNA bestätigt werden, und so wird seitdem die europäische Geschichte aus humangenetischer Sicht ganz anders geschrieben, als noch vor 15 Jahren: nämlich als im Paläolithikum wurzelnd. Am 10. November 2000 erschien in der Zeitschrift Science der Artikel „Das genetische Erbe des paläolithischen Homo sapiens aus der Sicht der Y-Chromosomen“. Verfasst war der Artikel von einem großen Team von Forschern aus Italien, Osteuropa und den Vereinigten Staaten, unter ihnen Cavalli-Sforza. In dem Artikel wurde Bezug genommen auf die, 1996 von Bryan Sykes und seinem Team veröffentlichten Ergebnisse anhand der mitochondrialen DNA, die darauf verwiesen, dass der paläolithische Anteil am Gen-Pool etwa 80 Prozent und das neolithische Erbe 20 Prozent ausmachten. Der nun erschienene Artikel endete mit dem Wortlaut: „Unsere Befunde unterstützen diese Schlussfolgerung“. (Sykes, Bryan; 2003, S. 218/219).

Ein weiterer Meilenstein in der Korrektur des Verständnisses der Menschheitsgeschichte, diesmal aus kulturwissenschaftlicher Sicht, gelang Gerhard Bott mit seinem 2009 veröffentlichten Werk „Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie“. Mit seinem ur- und frühgeschichtlichen Forschungsschwerpunkt konnte er die bisherige Annahme der monogamen Vater-Mutter-Kind-Familie als Urfamilie und des Jägers als Hauptversorger einer solchen Paarungsfamilie als falsch widerlegen. Tatsächlich hat die Urvaterthese mit ihrer Focussierung auf den Vater keinen Bestand bei der Annahme einer natürlichen freien Sexualität der Menschenfrau, der sogenannten female choice. Botts kenntnisreiche religionssoziologische Studien zeigten die Entstehung der herrschaftstheologischen Erfindung der Götter über die Zwischenstufe der Heiligen Hochzeit zur monotheistischen Patriarchatstheologie deutlich auf. Weitere Forschungen von Gabriele Uhlmann aus archäologisch-soziologischer Sicht (Uhlmann, Gabriele; 2011, 2012) und von mir aus religionssoziologischer und religionsmythologischer Sicht (Armbruster, Kirsten 2010, 2013) brachten die herrschende patriarchale Ideologie weiter zu Fall. Tatsächlich ist nun auf der Basis der ur- und frühgeschichtlichen Patriarchatskritikforschung ein völlig anderes Verständnis der menschlichen Geschichte und an dieser Stelle der europäischen Geschichte möglich. Deutlich wird für die Ur- und Frühgeschichte, die bisher gerne lapidar als nicht existierende oder unwesentliche Vorgeschichte bezeichnet wird, die Existenz einer Zivilisation der Mütter.“. (Text aus dem Buch: Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 103-11).

Literatur:

Armbruster, Kirsten: Das  Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter – Essays zur Politischen Theologie, 2009

Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. 1996

Hamel, Elisabeth: Das WErden der Völker in Europa; Forschungen aus Archäologie, Sprachwissenschaft und Genetik, 2007

Haarmann, Harald: Die Indoeuropäer; Herkunft, Sprachen, Kulturen, München 2010

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung, 2003

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht; Zur Instrumentalisierung der Ur- und frühgeschichte; 2011,2012

 

 

 

Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz – Die Religion von Gott der MUTTER

Vorwort aus dem Buch:

 Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

„Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz. Diese, uns aus Märchen bekannten Farben, geben die Farben der göttlichen Kosmischen Mutter wieder, die als aseitätische, parthenogenetische Gott die MUTTER schon in den Höhlen des Paläolithikums (Altsteinzeit) im Zentrum von Religion stand. Bis heute wird dieses Alte Wissen tradiert durch die Überlieferung, der zur Folge der Storch, in seinen typischen Mutterfarben, die Kinder bringt, wobei die Wenigsten die Wurzeln dieser Überlieferung heute noch verstehen.

Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.

Im Patriarchat wird die mütterliche Religion, die auf der matrilinearen Abstammung beruht, durch kopfgeburtliche Theologien ersetzt und im Zuge dieser Theologisierung von ursprünglicher Religion vermännlicht, wozu es vieler unnatürlicher Indoktrinationen bedarf. Gott wird als Ergebnis dieser kopfgeburtlichen Theologisierungen ein Vater. (Armbruster, Kirsten, 2014, S. 14-15). Das Wort Religion wird also von den patriarchalen Theologien missbraucht, denn das Wort Religion macht nur im mütterlich-göttlichen Verständnis einen Sinn.

In dem ersten Band dieser Reihe: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013), wurden die Grundlagen der Religion um Gott die MUTTER, deren geschichtliche Einordnung sowie deren Vereinnahmung, Dämonisierung und scheinbare Vernichtung, insbesondere durch die monotheistischen politischen Theologien, wieder freigelegt.

Da der Europarat 1987 den Jacobsweg, der heute große Teile Europas durchzieht, zum ersten europäischen Kulturweg deklarierte, war es interessant, der Frage nachzugehen, ob sich die Religion von Gott der MUTTER auf diesem Wallfahrtsweg wiederfinden lässt. Da der Jacobsweg als Wallfahrtssymbol die Muschel hat, ein seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) bekanntes, zutiefst weibliches Symbol, war das wahrscheinlich. Der interdisziplinäre Ansatz der Patriarchatskritikforschung offenbarte dann auch sehr schnell, dass für den ersten europäischen Kulturweg nicht zufällig die Muschel als Wallfahrtssymbol gewählt wurde, sondern dass die Bezeichnung Jacobsweg für den ursprünglichen Muschelweg tatsächlich nur eine späte, patriarchal-kriegerische Überlagerung darstellt, und der Muschel-Wallfahrtsweg, wie kein anderer, die Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Diese, unser heutiges, von patriarchalen Indoktrinationen geprägtes Weltbild erschütternden Forschungsergebnisse wurden in dem ebenfalls 2013 erschienenen Buch: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdec-kung der Wurzeln Europas, veröffentlicht.

Die Forschungsergebnisse im Überblick

Die ältesten Spuren von Menschen in Europa finden wir in Atapuerca in Spanien am Muschelweg

Auf dem Muschelweg finden wir schon sehr frühe Spuren der Religion von Gott der MUTTER, denn die Muschel symbolisiert als Grabbeigabe schon im Paläolithikum in Verbindung mit rotem Ocker das Tor zu neuem Leben.

Wallfahrtswege sind ein Erbe der WidbeuterInnen aus dem Paläolithikum und in Europa sind sie vergleichbar mit den Traumpfaden der Aborigines in Australien.

Das Gebiet in Südfrankreich und Nordspanien, das heute zum Hauptweg des Muschelwegs zählt, ist in Europa das klimatische Rückzugsgebiet der Menschen während der Eiszeiten. Deshalb finden wir hier konzentriert die berühmten Höhlenmalereien des Paläolithikums, die sich als Kathedralen der Steinzeit erweisen, eingebettet in ein soziales Netz der Matrifokalität und in die Religion von Gott der MUTTER.

In den besonderen Focus rücken hierbei die Vorfahren der heutigen BaskInnen, deren Lebensgebiet nicht nur in Aquitanien in Südfrankreich zu finden ist, wo heute die vier Hauptrouten des französischen Muschelwegs sich vereinigen, sondern die gesamten Pyrenäen und den östlichen Teil Nordspaniens umfasste.

Da inzwischen humangenetisch nachgewiesen ist, dass die genetischen Wurzeln von 60-80% der heutigen EuropäerInnen auf die Vorfahren der BaskInnen zurückgehen, können wir davon ausgehen, dass diese Menschen nach der letzten Eiszeit, entlang der Flusstäler, Europa rückbesiedelten und ihre mütterliche Zivilisation mit den aus der Matrifokalität stammenden, erworbenen Kulturtechniken und der Religion von Gott der MUTTER mitbrachten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir heute auch den weit verbreiteten katholischen Anna-Maria-Kult als nicht christlich entlarven und ihn auf die matrifokalen Lebensverhältnisse und den damit verbundenen Kult der göttlichen Mutter während der Steinzeit zurückführen. Ins besondere Interesse rückt hierbei die baskische Göttin Mari, die in Europa bis heute am meisten von der vorpatriarchalen Alten Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Matrifokalität ist nicht nur die Wurzel von Religion, sondern die Wurzel von menschlicher Kultur insgesamt. Da das Wissen über Matrifokalität durch die patriarchalen his-storischen Verdrehungen und Unterschlagungen für die Meisten noch so wenig präsent ist, wurden die heute bereits freigelegten her-storischen Tatsachen in dem 2014 erschienenen Buch „Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur“, zusammengefasst. (Armbruster, Kirsten: Matrifokalität, 2014).

Die ursprüngliche Bedeutung von KAR-NE-Val

 

Jedes Jahr feiern wir im zeitigen Frühjahr Karneval. Karneval hat wie Ostern keinen festen Termin. Das bedeutet, Karneval ist, wie Ostern, ein Fest von Frau Mond. Bis heute beginnt die Hauptzeit des Karnevals mit dem Altweiberkarneval und eine der Haupttraditionen des Altweiberkarnevaltags ist es, den Männern die Krawatten abzuschneiden.

Alte Weiber waren einst weise Frauen, sie waren die Großmütter der matrifokalen steinzeitlichen Müttersippen und standen naturgemäß in besonderem Kontakt mit der Großen Mutter, der Göttlichen Mutter, mit Gott MUTTER.  Und diese Großen Mütter  kannten natürlich die eigentliche Bedeutung des Karnevals im Jahreskreis von Gott MUTTER und sie wussten auch, dass der patriarchatsmissbrauchte Phallus nur das Ziel hatte, die einst freie Sexualität der Frau, die biologisch verankerte female choice zu beherrschen. Der Altweiberkarneval, den das Patriarchat bis heute für unsinnig erklärt, hat in der Tat Reste der Zeit der Wildbeuterinnen erhalten, in der die Frau frei den Zeitpunkt und den Partner des Liebesaktes bestimmte und Vergewaltigungen nicht denkbar waren. Die Krawatte, der Inbegriff eines patriarchalen, insbesondere auch  kapitalistisch-ökonomischen  Phallussymbols, wird am Altweiberkarneval von den weisen Alten Frauen als Herrschaftssymbol abgeschnitten.

Die Mutterwurzelsilbe car als Steinsilbe

Begeben wir uns weiter auf die Spurensuche nach der eigentlichen Bedeutung von  Kar-Ne-Val, so finden wir auch linguistisch spannende Verbindungen zur matrifokalen Steinzeit der Menschheit. Kein Wunder, entstand Sprache doch als Muttersprache. Das Wort Karneval enthält gleich zwei sogenannte Mutterwurzelsilben. Als erstes die Steinsilbe car oder kar, wie wir sie  auch heute noch in dem Wort Karst oder auch im Wort Carrara-Marmor oder auch in Berg Karabach in Aserbaidschan identifizieren können. Die Mutterwurzelsilbe car/car bedeutet aber nicht nur Stein, sondern sie bedeuet auch schwarz. Hier sei auf mein 2013 erschienenes Buch „Der Jacobsweg“ verwiesen, wo ich diese Zusammenhänge ausführlich dargestellt habe und dem der folgende Abschnitt entnommen ist:

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch  schwarz und dunkel

„Haarmann weist darauf hin, dass Grundfarbwörter eine große Rolle spielen bei der „Rekonstruktion des Wortschatzes grundsprachlicher Protoformen“. Für die Silbe kar als schwarz und dunkel lässt sich dies, laut Ruhlen, folgendermaßen rekonstruieren:

Nächstes Bild: Foto Franz Armbruster: Schwarze Madonna

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Die Silbe kar für schwarz und dunkel:

nostratisch=k´arä

proto-afroasiatisch=k´r/kr

proto-indoeuropäisch=ker-/ker-s

proto-altaisch=karä

proto-dravidisch=kar/kar

japanisch=kuroi

amerind=k´ara

(Ruhlen, 1994, S. 225 in Haarmann, Harald; 2010, S. 144)

 

Die SCHWARZEN MADONNEN

Religionsmythologisch lässt sich die Silbe kar in der steinzeitlichen Bedeutung von schwarz sehr gut einordnen. So finden wir sie in heiligem mütterlichem Kontext in den Schwarzen Madonnen, die auch heute noch Hauptwallfahrtsorte sind. Am Muschelweg besonders berühmt ist in diesem Zusammenhang der Schwarze Heilstein von Le Puys-en-Velaye mit seinen Schwarzen Madonnen. Auch im Kölner Dom treffen wir auf einen Schwarzen Stein, wird doch der Hochaltar durch eine schwarze Marmorplatte gebildet, die mit einer Gesamtfläche von 9,58 Quadratmetern zu den größten weltweit zählt. Die Vorderseite des Altars zeigt im Zentrum, wie könnte es auch anders sein, die Krönung der Maria. Die Verbindung der Farbe Schwarz in heiligem mütterlichem Kontext gilt übrigens nicht nur für das Christentum, sondern gleichermaßen für den Islam, dessen Hauptwallfahrtsort der Schwarze Stein der Kaaba in Mekka ist.“ (Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg, 2013, S. 137/138).

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch Fürsorge

„Die Silbe kar hat neben Stein und Schwarz eine weitere Bedeutung im mütterlichen Kontext bewahrt. Das englische care bedeutet bis heute Fürsorge, Betreuung, Pflege und auch das Französische Wort caresser für liebkosen, streicheln, hätscheln hat seinen fürsorglichen Charakter bewahrt. Fürsorge ist bis heute eng verbunden mit Müttern. Tatsächlich steht die Fürsorge in besonderem Maße am Anfang der Menschwerdung, denn das sehr unreif geborene Menschenkind ist ein „Nesthocker“ mit besonders langer Reifezeit. Ohne die Fürsorge der Mutter und ohne die Fürsorge der Großmutter, der Ahnin in matrilinearer Abstammung, hätte sich der Mensch evolutionsbiologisch nicht so entwickeln können“ (Armbruster, Kirsten, Der Jacobsweg, 2013, S. 142).

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch Fleisch

Schauen wir uns das Wort Karne-Val weiter an, so entdecken wir, dass nicht nur die Bedeutung von Stein, von Schwarz und von Fürsorge darin bewahrt ist, sondern auch das Wort carne für Fleisch, wie wir es auch in dem Begriff Re-in-kar-nation finden, was nichts anderes heißt, als Wieder- in- Fleisch-Gekleidet-Werden und auf die Wiedergeburt des Lebens aus der leiblichen Mutter und im Kosmischen Kontext von Mutter Natur hinweist und gleichzeitig auch auf den Beginn von Religion verweist:

RELIGARE: Der Ursprung von Religion: Anbinden, Losbinden, Zurückbinden

„Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.“ (Armbruster, Kirsten, Der Muschelweg, 2014, S.7).

Die Mutterwurzelsilbe KALL

Das Wort Kar-ne-val enthält aber nicht nur die Stein-Mutterwurzelsilbe car, sondern es enthält auch die steinzeitliche Wurzelsilbe KALL. „Richard Fester hat bei seinen diesbezüglichen Forschungen schon 1980 das sogenannte KALL-Schema entdeckt, zu dem auch das Wort WALL-fahrt gehört. Monika Löffelmann hat dies aufgegriffen und schreibt dazu:

Höhle – Kult – Kultur = MÜTTERLICHE KULTUR im Einklang mit der NATUR

„Anhand der Sprachentwicklung weist die Paläolinguistik-Forschung den engen Sinnzusammenhang zwischen Höhle – Frau – Kult, enthalten in dem Ur-Wortstamm KALL nach: „Als Sinngehalte bieten sich zwei an, KALL für Frau und KALL für Höhle“. Diesen Ur-Wortstamm trägt auch das lateinische Wort COL-ere in sich. Hier verweist der Paläolinguist auf die Bedeutung des Wortes aushöhlen auf der einen und pflegen auf der anderen Seite: …“und daher stammen unsere heutigen Begriffe und Wörter KULTUR und … „KULT“. Hier sind also in der Doppelbedeutung des Wortes COL-ere Höhleund Kult einander unmittelbar benachbart“. (Löffelmann, Monika; 1997, S. 19).“ (zitiert aus Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg, 2014, S. 77)

Das Narrenschiff ist die Barke von Gott MUTTER

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Die Schwarze Madonna von Rocamadour, Lot, Frankreich, Foto: Franz Armbruster

Natürlich ist es auch kein Zufall, dass in Köln, einer der Karnevalshochburgen mit der Kathedrale, die auch Kölner Dom genannt wird, das größte Kirchenschiff in Deutschland und das drittgrößte der Welt steht, das zudem seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Kathedrale in Köln ist dem Apostel Petrus und der göttlichen Schutzmatronin der Stadt Maria geweiht. Petrus finden wir auch im Petersdom in Rom. Tatsächlich geht Petrus auf ein altes Steinwort zurück und erweist sich damit als typische patriarchale Okkupation der matrifokalen Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine. (siehe hierzu auch Armbruster, Kirsten, 2013: Der Jacobsweg: S. 51-53).

Und nun gehen wir noch einer weiteren Verbindung nach, denn mit dem Karneval wird auch immer wieder Ursula mit ihren 11 000 Elben genannt, die ebenfalls mit einem Schiff daher kommen. Schiffe als Narrenschiffe finden wir zuhauf im heutigen Karneval.

„Ursula wird auch immer wieder mit Frau Holle (KALL-Wort) in Verbindung gebracht, denn auch Frau Holle sucht in der Überlieferung mit 11 000 Elben per Schiff ihr Reich im Jenseits auf. Sonja Rüttner-Cova schreibt, dass der Umzug Hollas und der 11 000 Elben auf den November fällt, und sie zitiert in diesem Zusammenhang aus den 1852 erschienenen Beiträgen zur Deutschen Mythologie von J.W. Wolf:

„Die Zeit des Umzugs ist der „Heiligen Tag“ also omnium sanctorum, das wäre der erste November, der Umzug der Holda mit den 11 000 Elben fällt auch in den Herbst, wo die Natur das Leben gleichsam verliert, wo diese sich zurückzieht und die Sonne immer matter scheint. So sammeln sich dann die alles belebenden Elben und gehen im großen Zuge in ihre himmlischen Wohnungen zurück“. (Wolf in Rüttner-Cova, Sonja, S. 1998, S. 114).

Frau Holle und auch die katholisierte Ursula haben ihre Wurzeln also ganz offensichtlich in der göttlichen paläolithischen Kosmischen Mutter und ihr Wirken wird bis heute an Halloween, dem 1.11., gefeiert, dem uralten jahreszeitlichen Fest, wo die Zahl der 11 000 Elben wieder erscheint und sich die Kraft des Lebens in die Bauchmutter-Höhlen zurückzieht, um bei der Tod-im-Leben-Mutter auszuruhen.“ (Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg, 2014, S. 83/84).

Und nun wird auch die Verbindung verständlich, warum der Karneval offiziell am 11.11. beginnt, nämlich der Zeit, wo sich die Natur zurückzieht und die Bären sich wie die Menschen zurzeit der Wildbeuterinnen in die Höhlen zurückzogen, auf die die Ursula bis heute verweist (siehe auch Ursa Major und Ursa Minor, das Sternenbild der großen und der kleinen Bärin, bzw. Bärenmutter und Bärenkind). Und wir sehen auch, dass der Karneval das Ende dieser Ruhezeit in der Erdbauchhöhle aufzeigt, das Ende des scheinbaren Todes und das Wieder-In-Fleisch-Gekleidet-Werden, also die Wiederauferstehung des Lebens. Und wer die Symbolik des Christentums durchschaut, der erkennt nun auch, dass wir es im Christentum immer wieder mit einer patriarchalen Überlagerung der Alten Religion von Gott der MUTTER zu tun haben. Im Johannesevangelium finden wir nämlich die patriarchal verdrehten Reinkarnationsworte, die Jesus in den Mund gelegt werden. In der Synagoge zu Kapernaum ist dazu folgende Situation überliefert:

„Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn aufwecken am letzten Tag…. (Bibel, Johannes 6, 52-55).

Karneval ist also, von patriarchaler Verwirrung befreit, ursprünglich ein Naturfest der göttlichen Mutter, ein Naturfest von  Gott MUTTER, weil sie am Anfang von Religion und nicht von patriarchaler Theologie steht. Karneval umfasst die Zeitspanne der Natur von Novemer bis Ostern, wo das Sterben der Natur im Herbst, das in der Erde Ruhen im Winter, die Wiedererweckung des Lebens im zeitigen Frühjahr bis zur deutlich sichtbaren Wiederauferstehung der Natur gefeiert wurde. Die in der Matrifokalität verwurzelte Muttersprache zeigt auf, dass diese Zusammenhänge nicht nur bereits in der Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine bekannt waren sondern damals auch schon  gefeiert wurden.

Weiterführende Literatur:

 Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013

Teil  2 dazu:

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der Mutter – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

 

Der Islam ist keine Rasse

Eines der am meisten gebrauchten Wörter des letzten Jahres ist das Wort Rassismus. Islamkritik ist rassistisch sagen die Links-Liberalen – mit Betonung auf Liberal – und rücken alle IslamkritikerInnen in eine rechtspopulistische Ecke. Tatsächlich nehmen sich aber Rechts-Liberale und Links-Liberale nicht viel, denn sie sind vor allem liberal gegenüber dem Patriarchat, das die zentrale Rolle der Mütter, die naturgegebene Matrifokalität der menschlichen Spezies ignoriert. Unter der liberalen Fahne des Patriarchats wird der globalisierte Neoliberalismus als alternativloses ökonomisches Heil angepriesen, die Vaterschaft als verbesserte Mutterschaft angepriesen- wie es das deutsche Leitmedium DER SPIEGEL in seiner Weihnachtsausgabe 2015 tat, oder eben Religionsfreiheit als Inbegriff demokratischer Toleranz propagiert. Der Sexismus der heutigen sogenannten Weltreligionen wird dabei wohlwollend ignoriert – wie unwichtig, betrifft er doch nur die Hälfte der Menschheit: Frauen!

Die heutigen sogenannten 5 Weltreligionen, Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus sind alle patriarchal. Kein Wunder, denn der Grund ihrer Gründung ist die Durchsetzung des weltweiten Patriarchats in der unheilvollen Verquickung zwischen Theologie und Politik. Die Hauptbotschaft dieser Theologien: das Patriarchat ist gottgewollt! Damit erscheint es alternativlos. Das ist das Ziel. Doch der Schein trügt!

Das Christentum ist weltweit heute noch die politisch-patriarchale Theologie mit den meisten AnhängerInnen. Auf 2,2 Milliarden wird ihre Zahl geschätzt. Der Islam hat 1,6 Milliarden AnhängerInnen und ist damit die zweitgrößte politisch-patriarchale Theologie, Tendenz wachsend. Die Verbreitung dieser Theologien ist ubiquitär. Es sind also keine „Rassen“ von der Verbreitung dieser Theologien betroffen. Der Vorwurf des Rassismus gegenüber der Islamkritik ist also ein liberales Ablenkungsmanöver der PatriarchatsanbeterInnen. Tatsächlich leben die meisten Moslems/Muslima in Indonesien, gefolgt von Pakistan, Indien, Bangladesch, Ägypten, Nigeria, Iran, Türkei, Algerien und Marokko. Die islamfundamentalistisch-wahabitischen Saudis, die heute zunehmend den sunnitischen Teil der islamischen Patriarchatsideologie beeinflussen, spielen zahlenmäßig nur eine geringe Rolle. Trotzdem dominieren sie die theologische Auslegung des Koran. Das Gegenteil von Demokratie also, wenn eine Minderheit die Mehrheit dominiert: tatsächlich also eine Theologiediktatur. In Europa leben übrigens auch Moslems/Muslima, nicht nur im europäischen Teil der Türkei, sondern auch in Albanien, Bosnien Herzegowina, im Kosovo und in Mazedonien. Der Islam eine Rasse?

Tatsächlich haben alle drei monotheistischen Theologien die gleiche Wurzel. Sie enstanden im Nahen Osten in jeweils siebenhundertjährigem Abstand: 650 v.u.Z. unter König Josia das Judentum, fast 700 Jahre später das Christentum und noch einmal 700 Jahre später der Islam. Das ideologische Fundament aller drei monotheistischen Theologien sind die 5 Bücher Mose. Das erste weltweit christianisierte Land war Ägypten. Die Christen dort nannten sich Kopten. Und es entwickelten sich im Nahen und Mittleren Osten weitere mächtige, christlich orthodoxe Ableger, wie die chaldäische Kirche zum Beispiel im Irak oder die syrisch-orthodoxe Kirche. Sind JüdInnen, Moslems/Muslima und ChristInnen, da sie den gleichen örtlichen  Ursprung haben, also die gleiche Rasse? Spätestens hier wird ersichtlich, dass der Begriff der Rasse bei der Kritik am Monotheismus nicht verfängt.

Tatsächlich haben wir es mit einer weltweiten Ausbreitung eines theologisch begründeten Patriarchats zu tun. Das Judentum spielt zahlenmäßig nur eine geringe Rolle, schon deshalb, weil Mann nicht einfach zum Judentum konvertieren kann, sondern den Nachweis erbringen muss, von einer jüdischen Mutter abzustammen. Die mit massiver struktureller Gewalt durchgesetzte Verbreitung des Christentums hat dann menschengeschichtlich bisher die meisten Menschenopfer zur Folge gehabt und konnte nur durch die Aufklärung und die Säkularisierung weitgehend gestoppt werden. Nun rollt gerade die dritte gottdefinierte Patriarchalisierungswelle durch die Welt: der Islam. Raffiniert, erlaubt doch der Islam offiziell nicht, sich ein Bild Gottes zu machen. Allah ist also angeblich weder Frau noch Mann, aber fragen sie mal einen Moslem/eine Muslima ob sein/ihr Gottesbild weiblich ist!

Tatsächlich war das ursprüngliche Gottesbild weltweit, aber insbesondere im Nahen und Mittleren Osten und in Europa weiblich, genau gesagt mütterlich. Am Anfang war Gott im menschlichen Bewusstsein eine Mutter und die ältesten Urmütterfigurinen stammen aus eben diesem einheitlich religionsgeschichtlich mütterlichem Kulturraum. Die älteste jemals gefundene Urmutterfigurine, deren Alter zwischen 300 000 und 500 000 Jahre geschätzt wird, stammt aus Tan-Tan aus Ma-rokko. Die zweitälteste, deren Alter zwischen 250 000 und 280 000 Jahre geschätzt wird, aus Rebekhat Ram in den Golanhöhen im heutigen Israel/Syrien. Die drittälteste bisher gefundene Urmutterfigurine, die Urmutter vom Hohle Fels, stammt aus der Schwäbischen Alb in Deutschland. Es folgen zahlreiche Urmutterfigurinen des Paläolithikums (der Altsteinzeit) in Willendorf und Stratzing in Österreich, in Dolni Vestonice in Tschechien, in Frankreich, in Russland, in Samarra im Irak, in Mehrgarh im Industal und, und,  und…… Ein ursprünglicher Kulturraum also! Genauer gesagt ein, in der Matrifokalität der Steinzeit verwurzelter mütterlicher Kulturraum. Sind wir also eine Rasse – wir JüdInnen, ChristInnen, Moslems/Muslima, HinduistInnen und BuddhistInnen der heutigen Zeit?

Tatsächlich sind wir ursprünglich alle mütterabstammend, körperlich und auch im religiösen Sinn. Kein Wunder bezieht sich Religion doch eigentlich auf diese mütterliche Abstammung und Geborgenheit im Kreislauf des Lebens und des Todes. Religere heißt nicht umsonst: anbinden, losbinden und zurückbinden. Angebunden an die Nabelschnur der Mutter kommen wir alle auf die Welt, losgebunden von der Nabelschnur leben wir unser Leben und im Tod kehren wir zurück zur Erde, die unser aller Mutter ist. Das ist der Ursprung von Religion: Gott als Mutter, von der wir abstammen und zu der wir wieder im Tode zurückkehren. Wie tröstlich! Das war in Mekka auch noch zu Zeiten Mohammeds so, war doch die Kaaba, der schwarze Stein, der bis heute in einer silbernen Vulva eingefasst ist, den Göttinnen Al-lat, der Milchgebenden und den Göttinnen Al-Uzza und Menat geweiht. Und der heilige Brunnen Zam Zam in Mekka ist der Brunnen der Hagar, der Mutter, von der sich alle Moslem/Muslima  abstammend herleiten.

All dieses Wissen ist durch die Patriarchatskritik- und die Matrifokalitätsforschung längst freigelegt. Die kommenden 13 Weihenächte mit der Mutternacht im Zentrum, die sogar die bereits patriarchalisierten GermanInnen noch Modraniht – Mutternacht – nannten, eignen sich hervorragend dazu, sich in diese Thematik zu vertiefen.

Ich wünsche allen eine gesegnete Weihenächtezeit und empfehle zur Vertiefung und als Patriarchatsbefreiung folgende Literatur:

Literatur:

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, 2013

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, 2009

Bott Gerhard: Die Erfindung der Götter, Band 2, 2014

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt

 

 

 

Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs

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Jacob der Maurentöter, Kathedrale Burgos, Spanien, Foto: Franz Armbruster

Da nicht nur allgemein, sondern insbesondere auch bei den Matriarchatsfrauen eine große Unkenntnis herrscht über den herstorischen Umbruch von Matrifokalität zum Patriarchat und dort eindeutig patriarchale Kulte wie Heilige Hochzeit,  Blutopferkulte, Herosstrukturen, die mit einer vermännlichten Sonne einhergehen, als matriarchal fehlinterpretiert werden und diese patriarchale Interpretationsbasis auch in den neuen Mutterlandbriefen der Matriarchatsfrauen  beibehalten wird, veröffentliche ich jetzt noch mal folgenden Text, um der Verwirrung unter den Frauen entgegenzuwirken.

Equidenkrieger (Reiterkrieger) als Träger der patriarchalen Gewaltkultur und Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs als pdf

Equidenkrieger als Träger der patriarchalen Gewaltkultur (pdf)

Mögen die Frauen endlich verstehen, wieviel sie durch die falsche Matriarchatsdefinition von ihrer eigenen vorpatriarchalen Geschichte verlieren. Leider beruht  das 2014 erschienene  Buch von Barbara Obermüller „Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte“ auch auf dieser patriarchalen Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth.

 

Was sie schon immer über Religion wissen wollten – Eine Humoreske

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Foto: Franz Armbruster

Europa und der Nahe Osten waren einst ein matrifokaler Kulturraum mit der Leben gebärenden und Leben bewahrenden Gott der MUTTER als Basis von Religion im Zentrum. Auch heute ist es ein Kulturraum, allerdings steht dieser Kulturraum nun unter der Herrschaft der drei gewaltbasierten patriarchalen monotheistischen Theologien – Judentum, Christentum und Islam – , die den Mann und Vater absurderweise  an den Anfang von Schöpfung stellen, was mit Krieg gegen die Natur gleichzusetzen ist. In dem folgenden humoristischen Beitrag aus dem Buch „Je suis Charlène“ (2015) wird dies für alle verständlich in Worte gefasst. Der Text basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Patriarchatskritikforschung, die in den Büchern der Autorin als eine der führenden Patriarchatskritikerinnen,  bereits veröffentlicht wurden.

Was Sie schon immer über Religion wissen wollten – Eine Humoreske

Ein politisches Statement zum Internationalen Frauentag 2015

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Foto: Franz Armbruster

In einer Zeit, wo der Islam sich radikalisiert und zunehmend zu einem islamistischen Terrorismus ausartet, wo abzusehen ist, dass es unter den Dogmen eines von Männermachtideologen erfundenen Gottesbilds nie Frieden geben wird zwischen Israel und den Palästinensern und, wo auch klar wird, dass der neue Papst Franziskus zwar sozialkritische Reformen anstrebt, aber an dem Kern des patriarchalen Monotheismus, nämlich der Diskriminierung der Frau, nichts ändern will, in einer solchen Zeit muss sich die Stimme der Patriarchatskritik auch politisch erheben. Sie muss Stellung beziehen. Sie darf nicht schweigen.

Tatsächlich ist der patriarchale Monotheismus gleich ob christlicher, islamischer oder jüdischer Ausprägung eines der Hauptübel unserer Welt, denn das Hauptziel des patriarchalen Monotheismus ist immer die Herrschaft des Mannes über die Frau, des Vaters über die Mutter. Das ist der Kern des patriarchalen Monotheismus. Das ist der Kern des Patriarchats.

Das Patriarchat hat sich selbst legitimiert durch die Erfindung einer Autorität, die nicht in Frage gestellt werden darf. Der Mann ist Gott, im Umkehrschluss ist Gott ein Mann. Die Basis zur Durchsetzung einer solchen Ideologie kann nur Gewalt sein, totalitäre Gewalt in seiner höchsten Form. Faschismus pur. Gottesbildfaschismus. Opfer einer solchen totalitären Definitionsmacht-Diktatur sind nicht nur die Frauen und mit ihnen die Kinder, sondern die gesamte Natur. Diese Definitionsmacht-Diktatur ist widernatürlich. Das ist ihr Wesenskern.

Als Naturwissenschaftlerin denke ich von der Natur her. Und in der Natur sehe ich andere Prinzipien verwirklicht. Ich sehe nicht das Prinzip der Monoisierung, sondern der Diversität. Und ich sehe auch nicht ein Denken in polaren Strukturen. Der Mann steht nicht polar zur Frau. Schon gar nicht ist er der natürlich-aktive Teil in dieser scheinbaren Polarität. Die Natur hat einen anderen Weg gewählt, nämlich den der Integration. Der Mann ist von der Natur integriert worden in ein mütterliches System der Vielfalt, denn in der Mutter wachsen nicht nur Frau und Mann heran, sondern auch intersexuelle oder transgenderische Lebensformen, die alle keinen Platz haben in einem polaren, noch dazu gott-männlich-hierarchisch-definierten Weltbild. Welch ein Leid wird durch ein solches Theorem induziert! Nicht nur beschränkt auf den Menschen, sondern der gesamten Lebenswelt dieser Erde aufoktroyiert.

Wieviel weiser und großzügiger war da doch das Verständnis eines mütterlichen Kosmos, das Verstehen einer Integrativen Mütterlichen Ordnung in dieser Welt, so einfach und für jeden sichtbar. Entwickeln wir auf dieser Basis zusätzlich zur wieder freigelegten Religion von Gott der MUTTER ein männliches Gottesbild, einen an der Natur orientierten Grünen Mann, denn der patriarchale Monotheismus ist keine zivilisatorische Errungenschaft, wie uns weis gemacht werden soll. Der patriarchale Monotheismus ist alltägliche Zerstörung. Er ist Terror! Und was auch ganz klar ist: Der patriarchale Monotheismus ist nicht reformierbar. Das bedeutet: Der patriarchale Monotheismus passt nicht in eine Moderne Welt. Er gehört abgeschafft!

In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen einen Durchbruch in der Befreiung vom Patriarchat und den Männern und allen anderen Lebensformen auf dieser Erdegleich mit!

Aus: Armbruster, Kirsten: Je suis Charlène – Was Sie schon immer über Religion wissen wollten, 2015, S. 45-48

Neuerscheinung: Je suis Charlène von Kirsten Armbruster

Ab sofort für 7,90 € im Print und in Kürze auch als e-book überall im Buchhandel erhältlich:

In Andenken an den Mut von Charlie Hebdo, denn die Patriarchatskritik kann jetzt nicht schweigen!

Je suis CharlèneTiefgründig und witzig, unterlegt mit zahlreichen Abbildungen, der erste Teil des Buches. Fachlich fundiert und politisch der zweite Teil. Ein Buch, das Sie gleichermaßen zum Staunen und Schmunzeln bringen wird, denn in diesem Buch verknüpft die bekannte Patriarchatskritikerin, Humoristisches mit Politischem. Eine brisante Mischung von einer, die etwas zu sagen hat zu den religiösen Fragen unserer Zeit.

Dr. Kirsten Armbruster ist Naturwissenschaftlerin und gehört zu den führenden Patriarchatskritikerinnen.

Inhalt

Teil I

7 Was Sie schon immer über Religion wissen wollten

Teil II

36 Erläuterungen
Am Anfang war Gott die MUTTER

45 Ein politisches Statement

49 Der Islam, Pegida und das Versagen der politischen Intelligenz

53 Weder der Islam, noch das Christentum, noch das Judentum gehören in eine Moderne Welt

59 Anmerkungen
60 Zur Autorin
64 Weiterführende Literatur