Warnung – Mütterfalle Patriarchat

Text aus dem neuen Buch: Armbruster, Kirsten: „Mütterarmut – Eine Streitschrift wider eine von Männern definierte und nur am Mann orientierte Ökonomie, 2019, S. 96-101

Kinder zu bekommen, ist etwas Wunderbares. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunder. Das Wunder menschlichen Lebens, das durch den einzigartigen Körper von Müttern in die Welt getragen wird, während der Mann als biologischer Vater von den Aufwandsrelationen her gesehen, genetisch mit einem halben Chromosomensatz aus dem Zellkern des Spermiums, und auch vom Zeitaufwand der Spermienabgabe während eines Orgasmus her gesehen, im Vergleich zur Schwangerschaft, schätzungsweise 1 Prozent dazu beiträgt, dass dieses Lebenswunder real und lebbar wird. Das darf man aber nicht sagen im Patriarchat. Es wird aber höchste Zeit, das nicht nur zu sehen, sondern auch zu sagen, zu schreiben und hinauszuschreien in diese verquere Welt! (mehr in Armbruster, Kirsten: „Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert“ unter kirstenarmbruster.wordpress.com vom 08.02.2018 ) Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

Die Logik des Lebens ist zwingend. Mütter gehören naturgemäß ins Zentrum einer Gesellschaft und Männer haben die Funktion, Mütter zu unterstützen, als Söhne, Brüder, Onkel, vätertaugliche Väter, egal ob biologisch oder nicht biologisch, in jedem Fall aber fürsorglich! Tatsächlich brauchen wir Matrifokale Männer und eine Abkehr von toxischer Männlichkeit! (mehr dazu in Armbruster, Kirsten: „Matrifokale Männer und Väter“ vom 14.01.2019) Matrifokale Männer und Väter

Im Patriarchat passiert das Gegenteil. Im Patriarchat ist Muttersein eine Falle. Das höchste Risiko, um in unerträgliche Lebenssituationen und ins gesellschaftliche Abseits zu geraten, und zwar nicht etwa, weil Mütter vielleicht zu blöd sind, um ihr Leben gut zu gestalten. Nein, denn die weltweite Mütterarmut zeigt, dass wir es nicht mit einem individuellen Problem von Müttern zu tun haben, sondern mit einem verfestigten strukturellen Problem:

Die einzelne Mutter ist nicht schuld. Es ist nicht ihr persönliches Versagen, wenn sie, in wie auch immer geartete große Probleme gerät. Nein, es handelt sich um ein komplettes gesellschaftliches Versagen und kann also auch nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden.

Dazu fehlt bisher– selbst im Feminismus – jegliches Bewusstsein. Solange Mutterschaft jedoch nur unter diesen unzumutbaren patriarchalen Bedingungen lebbar ist, ist es höchste Zeit junge Frauen vor dieser Falle des Patriarchats zu warnen, anstatt sie durch das gesellschaftlich übliche Liebes-Romantik-Weißes-Brautkleid-Traumprinz-schönster-und-wichtigster-Tag-im-Leben-Märchen weiter unvorbereitet in diese strukturelle Falle zu locken und sie dann dort mutterseelenallein zu lassen.

Patriarchale Risikofaktoren für Mütter:

  • Finanzielle Abhängigkeit; Mütterarmut; in der Folge Altersarmut
  • Karriereknick, weil die staatlich zugesicherte Infrastruktur an Betreuungsmöglichkeiten von Kindern oder Pflegebedürftigen nicht ausreicht, qualitativ nicht zumutbar oder schlichtweg menschenunwürdig ist
  • Isolierung von sozialen Kontakten, welche durch den Beruf gewährleistet waren und nun durch ein häufig erzwungenes Hausfrauendasein nicht mehr fortgeführt werden können, weil die ausschließlich am Mann orientierte Ökonomie nicht durchlässig ist für eine gesellschaftliche Gemeinschaftsverantwortung und die Räume von Kindererziehung und Erwerbsarbeit widernatürlich abgetrennt hat
  • Völlige Überarbeitung durch Doppel- und Dreifachbelastung bei gleichzeitiger hochgradig diskriminierender Missachtung der Gesamtarbeitsleistung von Müttern
  • Armut, die sich exponentiell steigert, wenn eine Beziehung in die Brüche geht, in der Mütter in der Lebensrealität dann zu 90 % alles allein stemmen müssen und der Staat zahlungssäumige Väter gewähren lässt, als handle es sich bei nicht gezahlten Unterhaltszahlungen nicht um Existenzbedrohung, sondern um ein Kavaliersdelikt
  • Wohnungsnot aufgrund von Mütterarmut, insbesondere in Städten und insbesondere von alleinerziehenden Müttern
  • Ungerechte Besteuerung von Alleinerziehenden, de facto zu 90 Prozent von alleinerziehenden Müttern, weil Vater Staat nur die Ehe als Paarungsfamilienmodell finanziell fördert und nicht Mütter mit Kindern
  • Ausweglosigkeit bei häuslicher Gewalt, die Mütter oft zwingt in Gewaltsituationen viel zu lange auszuharren, weil sie finanziell miserabel abgesichert sind und oft nicht wissen, wo sie Zuflucht finden können aufgrund eines engen Wohnungsmarktes, der finanzielle Selbstauskünfte einfordert, welche Mütter oft nicht ausreichend nachweisen können
  • Entwürdigung durch eine neue skandalöse, mutterentmündigende Väterrechtssprechung, welche einen Vater, bar jeder biologischen Realität, gleichsetzt mit einer Mutter, zunehmend das Wechselmodell im Fall einer Trennung als Regelfall favorisiert und viele alleinerziehende Mütter terrorisiert mit der Panik eines Kinderentzugs wegen angeblich nicht ausreichender Kooperation mit dem Vater, selbst in Fällen häuslicher Gewalt
  • Rechtsterror durch eine finanziell ungleich besser aufgestellte Väterrechtsbewegung, welche die Rechtsprechung in den letzten Jahren kontinuierlich zu Ungunsten von Müttern verschoben hat
  • Entwürdigung durch eine Absprechung von Göttlichkeit bei gleichzeitiger Rollenzuweisung als Magd und Schuldige für den HERRN, eines HERRN, der sich durch ein fiktives Herrschaftssystem zum Gott aufgeschwungen und damit die Regeln der Natur manipuliert hat.

Im Patriarchat sind Mütter die Gruppe, die am stärksten ausgebeutet, diskriminiert und auf dem Mann-Gott-Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Und die Diskriminierung von Müttern beginnt nicht erst mit einem realen Muttersein, sondern sie beginnt schon bei jungen Frauen, die noch gar keine Mütter sind, schon mit dem Potential von Frauen, dass sie eines Tages schwanger werden könnten. Sie endet auch nicht mit der Menopause, sondern setzt sich bis ans Lebensende fort, hier mit der Begründung, dass Mütter ja nichts gearbeitet hätten in ihrem Leben. Welch eine Verschwendung von Lebenskraft, noch dazu, wo Frauen körperlich und mental nicht nur viel früher reif sind im Vergleich zu den männlichen Geschlechtsgenossen, sondern auch evolutionsbiologisch sinnvoll, und inzwischen mit der Großmutterthese der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkins logisch erklärbar, auch viel länger leben als Männer. (mehr dazu in Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision“ vom 18.01.2018 unter kirstenarmbruster.wordpress.com) Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision“ vom 18.01.2018 http://www.kirstenarmbruster.wordpress.com Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

Armbruster, Kirsten: „Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert“ vom 08.02.2018 unter kirstenarmbruster.wordpress.com Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

Armbruster, Kirsten: „Matrifokale Männer und Väter“ vom 14.01.2019 unter kirstenarmbruster.wordpress.com Matrifokale Männer und Väter

 

Werbeanzeigen