Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

DSC_6139Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien

 Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der Menschheitsgeschichte und in der Gottesgeschichte unsichtbar gemacht durch die haltlose Behauptung: der Mann stand schon immer im Zentrum von Geschichte und Religion.

Die neuesten Erkenntnisse der interdisziplinären Patriarchatskritikforschung strafen diese Ideologien Lügen und entlarven deren Dogmen als Bastionen patriarchaler Definitions- und Ordnungsmacht, um männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren.

Das Virtuelle Museum www.herstory-history.com korrigiert die falschen Lehren des Patriarchats und lenkt den Blick auf die ursprüngliche Bedeutung der Mütter, nicht als passives, auf Kinder reduziertes Gefäß des Mannes, sondern als Trägerinnen menschlicher Kultur und Religion.

Die Entwicklung des emotional modernen Menschen

Menschliche Kultur in ihren Ursprüngen zeigt sich nach den neusten Erkenntnissen der Soziobiologie, entgegen der üblichen evolutionspsychologischen Beschreibungen, in denen Aggression und Killerinstinkte in der Evolutionsanthropologie einen großen Raum einnehmen, als das Gegenteil, nämlich als friedlich, empathisch, altruistisch, schenkbereit und hypersozial. Das patriarchale Paradigma, den Mann als Dreh- und Angelpunkt der Evolution ins Zentrum zu setzen, verstellte nur den Blickwinkel auf den tatsächlichen Ursprung der menschlichen Evolution, in der die Mütter im Zentrum standen. Die amerikanische Anthropologin und Primatenforscherin Sarah Blaffer Hrdy, die den „emotional modernen Menschen“ in die wissenschaftliche Diskussion einbringt, schreibt:

„Evolutionär gesehen, sind anatomisch und verhaltensmäßig moderne Menschen bemerkenswert jung. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass emotional moderne Menschen viel älter sind. Mit „emotional modern“ meine ich jene zweibeinigen Menschenaffen, die mit der Bereitschaft zu teilen und mit empathischen, intersubjektiven Fähigkeiten geboren wurden, welche sich tiefgreifend von jenen unterschieden, wie wir sie bei heutigen Schimpansen beobachten“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mütter und Andere, 2009, S. 98).

Auf die ungewöhnlichen intersubjektiven Fähigkeiten des Menschen hatte erstmals Michael Tomasello, der amerikanische Leiter der Leipziger Forschungsgruppe für Entwicklungspsychologie mit seinen MitarbeiterInnen hingewiesen und im Jahr 2005 hatten sie eine neue Trennlinie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Menschenaffen vorgeschlagen. Sie schrieben:

„Wir sind der Auffassung …, dass der entscheidende Unterschied zwischen der Kognition des Menschen und der anderer Arten die Fähigkeit ist, an gemeinschaftlichen Aktivitäten mit gemeinsamen Zielen und Intentionen mitzuwirken. Im Augenblick kennzeichnet dieses Merkmal zusammen mit unserem außergewöhnlich großen Gehirnvolumen und unserem Sprachvermögen die neue Trennlinie, die uns von anderen Menschenaffen unterscheidet. Entsprechend sind Menschen und nur Menschen darauf ausgelegt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die gemeinsame Ziele und sozial koordinierte Handlungspläne umfassen“. (zit. Aus Blaffer Hrdy: Mütter und Andere, 2009, S. 22/23).

In ihrem die Menschheitsgeschichte revolutionierenden Buch „Mütter und Andere“, in dem Blaffer Hrdy den wissenschaftlichen Beweis führt, wie die Evolution den Menschen zu sozialen Wesen machte, weist sie schon in ihrem einführenden Text auf eine dringend notwendige andere Sichtweise in der anthropologischen und soziobiologischen Wissenschaft hin. Sie schreibt:

„Die Tatsache, dass Kinder so sehr auf Nahrung angewiesen sind, die andere beschaffen, ist ein Grund weshalb diejenigen, die nach allgemeinen menschlichen Merkmalen suchen, gut beraten wären, mit der Bereitschaft zum Teilen zu beginnen“. (ebenda, S. 34).

Die Wissenschaftlerin führt weiter aus:

„Das Teilen von Nahrung mit unreifen Individuen, die zu jung sind, um sich selbst zu versorgen oder die Nahrung richtig zu verwerten, ist ein entscheidendes, aber oft übersehenes Kapitel der menschlichen Entwicklungsgeschichte… Bei keiner anderen Art aber sind unreife Individuen, was ihre Ernährung betrifft, jahrelang so sehr auf andere angewiesen wie beim Menschen“. (ebenda, S. 116).

Das ist der Grund warum hominine Kleinkinder unter anderen Bedingungen aufwuchsen als die Nachkommen aller anderen Primaten. Sie schreibt:

„Vermutlich bereits vor 1,8 Millionen Jahren wurden hominine Junge neben der Mutter von einer ganzen Reihe weiterer Individuen umsorgt und ernährt, und diese Aufzuchtbedingungen schufen die Voraussetzung für das Auftreten eines emotional modernen Menschenaffen“. (ebenda, S. 99).

Aus dieser Tatsache entwickelt sich beim Menschen ein besonders ausgeprägtes kooperatives Aufzuchtverhalten, das die Fürsorge und die Ernährung der Jungen auf mehrere Schultern verteilt. (ebenda, S. 118). Dieses kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen unterscheidet sich signifikant von dem der Menschenaffen, wie den Gorillas, den Orang-Utans oder auch den mit den Menschen genetisch am stärksten verwandten Menschenaffen wie den Schimpansen (pan troglodytes) oder den Bonobos (pan paniscus), wo ausschließlich die Mütter die erste und einzige Quelle von Körperwärme, Fortbewegung, Ernährung und Sicherheit sind. (ebenda, S. 101).

Blaffer Hrdy führt weiter aus:

„Bei Schimpansen, die ebenfalls langsam heranwachsen, werden Jungtiere insofern mit Nahrung versorgt, als ihre Mütter sie nach Nahrung greifen lassen… Doch nur bei Menschen beginnt mütterliches und alloelterliches Nahrungsteilen in den ersten Lebensmonaten und wird dann jahrelang fortgeführt. Auf vorgekaute Säuglingsnahrung folgt „Fingerfood“, und darauf wiederum Nüsse und gekochte Wurzeln, die von Großmüttern und Großtanten gesammelt und oft mühsam zubereitet werden – sowie die köstlichsten Speisen überhaupt, Honig und Fleisch, die der Vater, der Onkel oder andere Jäger mitbringen“. (ebenda, S. 117).

Blaffer Hrdy spricht explizit von der „Schenkbereitschaft“ der Menschengattung. Sie erläutert:

„Fälle von nichtmenschlichen Tieren, die in echter Großzügigkeit freiwillig einen Leckerbissen anbieten, sind selten, außer bei Arten, die, wie der Mensch, eine intensive evolutionäre Geschichte der sogenannten kooperativen Jungenaufzucht haben, bei der Jungtiere gemeinsam umsorgt und ernährt werden. Unter den höheren Primaten genießt der Mensch wegen seiner ständigen Bereitschaft, kleine Gefälligkeiten zu tauschen und Geschenke zu machen, eine Sonderstellung. (ebenda, S. 42).

Die Entstehung von Matrifokalität auf der Grundlage des kooperativen Aufzuchtverhaltens

Aufgrund dieses für den Menschen ausgeprägten kooperativen Aufzuchtverhaltens, das noch vor der Sprachentwicklung eines der Kennzeichen der Menschwerdung ist, erklärt sich nun, warum sich beim Menschen im Pleistozän das Zusammenleben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch als besonders günstig erwies. Schauen wir uns an warum:

 Exogamie ist bei den Paniden genetisch angelegt und wird durch Chemotaxis gesteuert. Das bedeutet beim pan paniscus, dass geschlechtsreife Frauen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Töchter emigrieren, die Söhne bleiben in ihrer Geburts-Familie. Pan paniscus ist also virilokal. (Bott, Gerhard, 2009, S. 17). Das ist möglich, weil die Menschenaffenbabys ausschließlich von der Mutter versorgt werden. Das andere – kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen – verlangt aber ein matrifokales Zusammenleben, das noch besser verständlich wird, wenn die von Kristen Hawkes und ihrem Team erstmals postulierte Großmutterthese in die früheste Soziobiologie des Menschen mit einbezogen wird.

Großmutterhypothese statt Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese

Da sich inzwischen geklärt hat, dass die Jäger in WildbeuterInnengemeinschaften nicht die Hauptversorger der Sippen waren, da ihre Beute viel zu unsicher für die täglich nötige Kalorienzufuhr war, sondern die tägliche Ernährung der Sippe von den Sammelfähigkeiten der Frauen abhing, ist die von patriarchalen Wissenschaftlern favorisierte Jagdhypothese, welche den Mann als Haupternährer und Versorger der Sippe und die Mutter in ökonomischer Abhängigkeit von ihm, in sich zusammengefallen. Die damit verbundene soziobiologische Lehre „Sex für Beute“ ist also falsch. Stattdessen ist dank der anderen Herangehensweise weiblicher Wissenschaftlerinnen die Großmutter-Hypothese in der Anthropologie angekommen. Forschungen der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah an Großmüttern beim wildbeuterisch lebenden Volk der Hazda zeigten nämlich, dass die eifrigsten Nahrungssammlerinnen die Großmütter und Großtanten waren. Blaffer Hrdy fasst die Forschungsergebnisse von Kristen Hawkes und ihren MitarbeiterInnen an den Hazda in Tansania sowie Paul Turkes Forschungsberichte vom Ifaluk-Atoll und Flinns Berichte von Trinidad, die alle die Großmutterhypothese stützen, wie folgt zusammen:

„…die Vorliebe der Hazda-Männer für prestigeträchtiges Großwild wie Elenantilopen hatte zur Folge, dass sie nur selten Beute machten…. An den meisten Tagen kehrten die Männer mit leeren Händen zurück, und es war die Tag für Tag von Frauen gesammelte Nahrung, die die Kinder satt machte. Hawkes und ihren Mitarbeitern fiel noch etwas anderes auf. Die Sammlerinnen, die morgens als Erste das Lager verließen und am Abend als Letzte zurückkehrten, sowie diejenigen, die die schwersten Lasten trugen, waren (anders als man erwarten sollte) nicht junge Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Und es waren auch nicht die Mütter mit hungrigen Kindern, die im Lager auf ihre Rückkehr warteten. Die eifrigsten Nahrungssammlerinnen waren vielmehr alte Frauen mit ledergegerbten Gesichtern, deren Blüte lange zurücklag. In einem wegweisenden Aufsatz mit dem Titel „Hart arbeitende Hazda-Großmütter“ beschrieben die Forscher Großtanten und Großmütter, die, statt die Beine hochzulegen und ihre nicht länger durch die Mühen der Kinderaufzucht belasteten “goldenen Jahre“ zu genießen, härter arbeiteten denn je. Kinder in diesen Wildbeutergruppen, die eine Großmutter oder Großtante hatten, die bei ihrer Ernährung halfen, wuchsen schneller heran. In Zeiten der Nahrungsknappheit hatten diese Kinder höhere Überlebenschancen. Turkes Berichte vom Ifaluk-Atoll, Flinns Berichte von Trinidad und jetzt diese Erkenntnisse über Jäger-Sammler in Tansania wiesen alle auf bemerkenswerte Parallelen zwischen Gruppen mit kooperativer Jungenaufzucht hin. In allen Studien waren es hilfsbereite Alloeltern – ältere Schwestern, Großmütter oder Großtanten -, die Mütter erlaubten, mehr Nachkommen mit besseren Überlebenschancen hervorzubringen“. (ebenda, S. 151/152).

Diese Forschungsergebnisse sind revolutionär, belegen sie doch, dass Großmütter und Großtanten einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der nächsten Generation liefern. Begreift man den Beitrag der Großmütter für die nächste Generation als menschenartgerecht, erklärt sich der evolutionsbiologische Nutzen der ungewöhnlich langen Lebensdauer von Menschenmüttern nach der Menopause, und es wird auch deutlich, dass Menschenmänner auch heute noch im Vergleich zu Frauen eine signifikant geringere Lebensdauer haben.

Auf der Basis der Großmutterhypothese schauten sich die britischen Anthropologinnen Rebecca Sear und Ruth Mace noch einmal die Unterlagen einer Studie über die Gesundheit von Mutter und Kind genauer an, die zwischen 1950 und 1980 vom United Kingdom Medical Research Council bei den Mandinka-Ackerbauern in Gambia erhoben worden waren und zu den aufwändigsten Studien zählt, die in einer traditionellen Gesellschaft jemals durchgeführt wurden. Auch die von den Forscherinnen neu interpretierten Ergebnisse dieser Studien verändern die übliche patriarchale Herangehensweise der Anthropologie in bedeutender Weise, lenken sie doch den Blick darauf, dass die höheren Überlebenschancen von Kindern vor allem an ein matrilineares Verwandtschaftsverhältnis gekoppelt ist. Blaffer Hrdy fasst auch die Ergebnisse der britischen Anthropologinnen Sear und Mace zusammen:

„Aus der Sicht eines Madinka-Kindes war es buchstäblich lebensrettend, wenn es eine ältere Schwester hatte, die babysitten konnte, oder eine Großmutter mütterlicherseits, die zusätzliche Nahrung besorgte und sich um das Kind kümmerte. Die Anwesenheit des leiblichen Vaters, von Großeltern väterlicherseits oder eines älteren Bruders hatte dagegen keine messbaren Auswirkungen auf die Überlebenschancen von Kindern. Wenn aber nach dem Verlust des Vaters ein Stiefvater die Bühne betrat, sanken die Überlebenschancen des Kindes deutlich. Ansonsten hatten Väter, wie es die Forscher unverhohlen formulierten, „absolut keinen Effekt auf den anthropometrischen Status oder die Überlebenschancen eines Kindes“ – sofern Allomütter zur Verfügung standen“. (ebenda, S. 154).

Tatsächlich bietet die wissenschaftliche Focussierung auf Großmütter und insbesondere auf matrilineare Großmütter die Lösung dafür, warum sich beim Menschen im Laufe des Pleistozäns das Leben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch durchsetzte.

 Was bedeutet Matrifokalität?

Matrifokalität bedeutet Mütter im Focus, Mütter im Zentrum und beinhaltete Matrilinearität und Matrilokalität.

 Matrilinearität heißt, dass die Verwandtschaft unilinear matrilinear abgeleitet wurde. Bei einer frei gelebten, wechselnden, von den Frauen durch die biologisch verankerte female choice bestimmten Sexualität war individuelle Vaterschaft nicht nachweisbar und deswegen ohne Bedeutung. Wenn individuelle Vaterschaft keine Bedeutung hat, dann ergibt sich daraus, die Abstammung nur über die Mutter abzuleiten. Matrilokalität bedeutet, dass die Töchter die matrilineare Blutsfamilie nicht verließen. Das war die direkte Folge des kooperativen Aufzuchtverhaltens beim Menschen, um die Ernährung ihrer Kinder durch konsanguinale Verwandtschaftsbeziehungen bestmöglich abzusichern.

Matrifokalität bewegte sich biologisch immer innerhalb der von der freien Entscheidung der Frau bestimmten Sexualität, der sogenannten female choice, die Vergewaltigung ausschließt und der ebenfalls biologisch durch Chemotaxis determinierten Inzestschranke. Das bedeutet, dass in der paläolithischen, matrilinearen, wildbeuterisch, egalitär lebenden Blutsfamilie aufgrund der Inzestschranke die geschlechtsreifen Brüder nicht matrilokal lebten und stattdessen nicht blutsverwandte Männer als Sexualpartner aus anderen Sippen sozial und ökonomisch eingegliedert wurden. Das bedeutet, wir haben im größten Teil des Pleistozäns ein kollektives fürsorgliches Väterbewusstsein, jedoch kein individuelles, aus dem sich „Väterrechte“ ableiten lassen. (Armbruster, Kirsten, 2014)

Die Entstehung der Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung

Die beiden Lieblingsthesen der gängigen Anthropologie und der Archäologie, nämlich die „Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese“ und die auf ihr gegründete weitere These, die „monogame Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung“ bereits für den Anfang der Menschheitsgeschichte zu postulieren, und damit zu suggerieren, das Patriarchat habe es schon immer gegeben, diese Thesen erweisen sich als Kardinalfehler patriarchal-ideologisch geprägter „Wissenschaft“. Das schöne Wort „Kardinalfehler“ verweist auch gleich auf eine weitere Ideologie, dem dieser Fehler ebenso zugrunde liegt: dem Kardinal, und so entlarvt Sprache bis heute das Patriarchat. Wen wundert es, basiert doch auch die Entstehung von Sprache im Pleistozän auf Muttersprache und damit Mutterkultur.

Wie Gerhard Bott in seinem ebenfalls revolutionären Buch „Die Erfindung der Götter“ (Band 1: 2009 und Band 2: 2014) logisch brillant abgeleitet hat, entwickelt sich die Paarungsfamilie und die damit verbundene bilineare Vater-Mutter-Abstammung erst im Laufe des Neolithikums im Zuge der ökonomischen Implementierung von Tierzucht in Form von Herdenhaltung. Mit der Herdenhaltung einher geht ein verändertes Bedeutungsverständnis von männlicher Fruchtbarkeit, welche der weiblichen im Zuge der Herdenhaltung überlegen zu sein scheint, denn im Zuge der Herdenhaltung von Tieren erfahren die Männer, dass nur wenige männliche Tiere ausreichen, um eine weibliche Herde zu begatten. (Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu, 2010, S. 187). Bott schreibt: über den Wandel der unilinear matrilinearen Blutsfamilie zur bilinearen Paarungsfamilie im Modus II/III des Neolithikums:

„Erst jetzt wandelt sich die matrilineare Unilinearität des Verwandtschafts- und Gesellschaftssystems zur Bilinearität, d.h. erst jetzt wird die unilineare Matrilinearität des Verwandtschaftssystems ergänzt durch patrilineare Verwandtschaft. An die Stelle der allein auf die Mutter bezogenen Blutsfamilie tritt die auf die Eltern bezogene Paarungsfamilie, die auch als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft institutionalisiert wird, und zwar vom Mann, eine neue Familienform, welche die Blutsfamilie ersetzt und zersetzt, indem das genossenschaftliche Gesamthandseigentum privatisiert wird zum Privateigentum… Erst mit der neolithischen Paarungsfamilie, die durch die Heilige Hochzeit geheiligt wird…, kann der Mann Patrilinearität, Patrilokalität der Exogamie und Patrifokalität durchsetzen“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 130).

In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich auf den falschen und irreführenden Matriarchatsbegriff hingewiesen. Wie in dieser soziobiologischen Freilegung von Matrifokalität deutlich sichtbar wurde, hat es eine Mütterherrschaft – was der Spiegelbegriff Matriarchat zu Patriarchat assoziiert – nie gegeben, weshalb der Begriff schon an sich unsinnig ist. Noch unsinniger wird er allerdings durch die Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth, die ausgerechnet die „Heilige Hochzeit“- auch noch in der neusten Auflage ihres Buchs „Die Göttin und ihr Heros“ (2011) -, zum Kernstück eines angeblichen Matriarchats erhoben hat, womit sie ihre völlige Unkenntnis der soziobiologischen Menschheitsgeschichte offenbart und durch diese Unkenntnis gleichzeitig untermauert, dass der Matriarchatsbegriff in jeder Hinsicht abzulehnen ist, weil er großen Schaden bei der patriarchatskritischen Freilegung menschlicher Geschichte anrichtet.

 Schlussfolgerung: Matrifokalität und das Fehlen von Krieg

Zum Abschluss dieser evolutionsbiologischen Abhandlung zur Menschheitsgeschichte, welche die neusten evolutionspsychologischen Erkenntnisse eines empathischen, altruistischen, schenkbereiten, hypersozialen Ursprung des Menschen mit der soziobiologischen matrifokalen Lebensform des Menschen kausal in Zusammenhang stellt, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass menschliche Kultur im Pleistozän und auch noch in weiten Teilen des Neolithikums geprägt ist durch das Fehlen eines der Hauptmerkmale des Patriarchats, nämlich dem FEHLEN VON KRIEG. Gewalttätige Auseinandersetzungen in Gruppen konnte die Archäologie nämlich erst im Laufe des Neolithikums um 6300 v.u.Z. in der Ofnethöhle im süddeutschen Nördlinger Riess feststellen, wo an sechs Schädeln Hiebverletzungen nachweisbar waren. Der nächste Fund, der auf Gewalteinwirkung schließen lässt, konnte archäologisch erst wieder eintausenddreihundert Jahre später, 5000 v.u.Z. ebenfalls in Deutschland, in Talheim bei Heilbronn ausgemacht werden. Das Kriegszeitalter selbst beginnt mit der Bronzezeit, dem ersten Auftauchen von Streitwagenkriegern ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und ist eng korreliert mit der Metallgewinnung durch Bergbau und der Pferdedomestikation, die Voraussetzung waren für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung und interessanterweise mit der erstmaligen namentlichen Nennung von Göttern und Göttinnen zeitlich einhergehen. (LINK Zeitgeschichtstafel).

Das bedeutet, dass die Menschheit den allergrößten Teil ihrer Geschichte ihrer hypersozialen Natur gemäß in Frieden lebte, was eine soziologisch kulturelle Großleistung und der Tatsache geschuldet ist, dass die Mütter im Zentrum menschlicher Gemeinschaft standen. Matrifokalität war also nicht nur die Voraussetzung für menschliche Kulturentwicklung, sondern auch der Garant für Frieden. Es bedeutet auch, dass mit der Zerstörung von Matrifokalität wenig später das Kriegszeitalter beginnt, dessen Heroisierung Gegenstand der geschriebenen patriarchalen History ist, während die Herstory, die wesentlich längere und kulturell bedeutungsvolle Menschheitsgeschichte der Matrifokalität von der patriarchalen Geschichtsschreibung unterschlagen wird.

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter Im Zentrum, 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, 2009 und 2014

Flinn, Mark V.: Household composition and female reproductive strategies in a Trinidadian village in: The sociobiology of sexual and reproductive strategies, hg von A. E. Rasa, C. Vogel und E. Voland, 1989, S. 206-233

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 2011

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.G. Blurton Jones: Hardworking Hadza grandmothers in Comparative socioecology; The behavioral ecology of humans and other mammals, hg. Von R.A. Foley, 1989, S. 341-366

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.g. Blurton Jones: Hadza women´s time allocation, offspring provisioning and the evolution of post-menopausal lifespans; Current Anthropology, 38, 1997, S. 551-577

Sear, Rebecca, Fiona Steele, Ian A. McGregor und Ruth Mace: The effects of kin on child mortality in rural Gambia; Demography, 39, 2002, S. 43-63

Sear, Rebecca: Kin and child survival in rural Malawi. Are matrilineal kin always beneficial in a matrilineal society? Human Nature, 19, 2008, S. 277-293

Tomasello, Michael, Malinda Carpenter, Josep Call, Tanya Behne und Henrike Moll: Unterstanding and sharing intentions. The origins of cultural cognition: Behavioral and Brain Sciences 28, 2005, S. 675-691

Turke, Paul: Helpers at the nest; Childcare networks on Ifaluk in: Human reproductive behavior. A Darwinian perspective, hg von L. Betzig, M. Borgerhoff Mulder und P. Turke, 1988, S. 173-188

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Vom Hirtentum und der Überbetonung von Vaterschaft

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Ein wichtiger Artikel zum Verständnis der Entstehung von Patriarchat und warum Überbevölkerung mit der Überbetonung männlicher Fruchtbarkeit in Verbindung mit einer Hirten- und Herdenideologie einhergeht, weshalb ja auch die drei monotheistischen Theologien diese Hirten-und Herdenideologie ideologisch nutzen: Der Herr ist dein Hirte – der Hirte ist dein Herr: mit Krummstab und Geißel züchtet und züchtigt er das Leben.

https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/vom-hirtentum-und-der-ueberbetonung-von-vaterschaft

 

Von Klimaveränderungen und dem Beginn des Neolithikums

 

Klima

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis unserer Geschichte und dem Verständnis, wie das Patriarchat enstand. Hier der erste Teil der Trilogie.

https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/von-klimaveraenderungen-und-dem-beginn-des-neolithikums

 

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Weltweit finden wir Mutterberge und Landschaftsahninnen, die das Wissen um die Alte Religion von Gott der MUTTER aus der Zeit des Paläolithikum und des Neolithikum bewahrt haben. In meinem Buch: „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ (2010), habe ich mich auf die bis heute in der Landschaft erhalten gebliebenen Spuren dieser Ältesten Religion begeben. Wir finden sie nicht nur in der Schweiz am Materhorn (Matterhorn) , sondern auch bei der Chomulung-Ma, der „Mutter des Universums“, dem höchsten Berg der Welt in Nepal, der in typisch europäisch-patriarchaler Überlegenheit unter dem Namen Mount Everest, benannt nach dem britischen Landvermesser Sir George Everest, weltbekannt ist. Wir finden diese Religion bei der Anna-Purna, der „nahrungsspendenden Göttin“, aber auch in Japan bei der Fujiya-Ma, in Tansania, in Afrika bei der Kili-Ma-Njaro, bei der Da-Ma-Vand im Iran, bei der Ararat in der Türkei, welche die Türkinnen Agri dagi und die Armenierinnen Ma-sis nennen. Wir finden sie ebenfalls bei der Bergmutter Athos, die Frauen heute nicht mehr betreten dürfen, obwohl sie im Griechischen „To perivoli tis Panagias“ heißt, was der Garten der Gottesmutter bedeutet und eigentlich „Der Garten von Gott der MUTTER“ meint. Die uralte mütterliche Religion wird aber auch sichtbar bei der großen Bergmutter Ma-cchu Picchu in Peru, der Gebieterin des Westens im Tal der Königinnen in Luxor in Ägypten, die als Vorbild für die Pyramiden der patriarchalen Pharaonen diente oder auch bei der Uluru in Australien.  Mit zahlreichen Abbildungen und Informationen werden die Mutterberge in dem nachfolgenden pdf-Dokument wieder sichtbar und zeigen einen wesentlichen Aspekt von der in der Natur und deshalb bis heute in der Landschaft verwurzelten Religion auf.

Das vorliegende pdf-Dokument zum Wiederentdecken aus dem Buch

„Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 45-59“

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung

Zeittafel aus dem Buch: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus von Armbruster, Kirsten, 2013


Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung

I. Zeit der Heiligen Steine : Zeit der Matrifokalität

1. Paläolithikum (Altsteinzeit)

Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann

500 000 bis 300 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Tan-Tan in Marokko mit rotem Ocker

300 000, eventuell sogar 600 000 v.u.Z.: Älteste Begräbnisstätte (mortuary site) in Europa in der Höhle von Sima de los Huesos (Pit of the Bones), Atapuerca, Burgos, Spanien

280 000 bis 250 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Rebekhat Ram aus rotem Tuffstein, Golanhöhen, Israel/Syrien

100 000 v.u.Z.: Bisher ältestes erhaltenes Grab in der Höhle von Qafzeh bei Nazareth in Israel

40 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Willendorf, Wachau, Österreich
25 000 bis 20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Laussel, Dordogne, und Lespugue, Haute Garonne, Frankreich

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Dolni Vestonice, Mähren, Tschechien

20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Avdeevo, Russland

18 600 v.u.Z.: Älteste Bestattung in Deutschland in der Mittleren Klausenhöhle in Essing (Cro-Magnon-Mensch), Altmühltal, Bayern. Der circa 30-jährige Tote war in eine dicke Schicht Rötel gehüllt.


2. Neolithikum (Jungsteinzeit)

ab 10 500 v.u.Z. in Anatolien und Vorderer Orient
ab 6500 v.u.Z. in Südosteuropa
ab 5500 v.u.Z. in Mittel- und Westeuropa

Beginn der Sesshaftigkeit mit Gartenbaukulturen und Kleintierhaltung vor allem als weibliche Ökonomie, weiterhin ergänzende Jägerökonomie; 7000 v.u.Z.: Beginn der Rinderdomestikation als hauptsächlich männliche Ökonomie (Cowboyökonomie)?


II. Metallzeitalter: Zeit des Patriarchats

1. Chalkolithikum (Kupfersteinzeit)

ab dem späten 5. Jahrtausend v.u.Z. im Vorderen Orient
ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

Beginn von patriarchalen hierarchischen Gesellschaftsstrukturen

4500 v.u.Z. Beginn des Pflugackerbaus
4000 v.u.Z.: Beginn der Pferdedomestikation
Beginn erster hierarchischer Gesellschaften mit Herrschergräbern in Arsan Tepe in Anatolien mit einer Grabbeigabe von Kupferschwertern und um 4500 v.u.Z. in Warna am Schwarzen Meer im heutigen Bulgarien mit Kupferwaffen, einer Muttergottheit und dem ältesten Goldfund weltweit (Haarmann, Harald, 2005, S. 79; Bott, Gerhard, 2009, S. 317)

2. Bronzezeit: Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient
2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

3500 v.u.Z.: Auftauchen der ersten Streitwagenkrieger als Voraussetzung für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Hierzu zählen die Sumerer, die indoeuropäischen Kurgan-Völker (Hethiter, Arier, Churriter, Achäer) und die hamito-semitischen Akkader, Amoriter und Aramäer (Bott, Gerhard, 2009, S. 395/396)

ab 3300 v.u.Z. erste namentlich erwähnte männliche Vegetationsgötter in Mesopotamien Ea/Enki, in Sumer Dumuzi und in Ägypten Min/Osiris

ab 2000 v.u.Z. Auftauchen der ersten Reiterkrieger

1500 v.u.Z. Auftauchen des ersten monotheistischen Gottes Aton in Ägypten

3. Eisenzeit: Durchsetzung des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 1400 v.u.Z. in Kleinasien
ab 1000 v.u.Z. in Europa

1100 v.u.Z. Muttermord im babylonischen Weltschöpfungsepos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat
650 v.u.Z. in der Zeit von König Josia Durchsetzung der ersten monotheistischen Theologie im Judentum
458. v.u.Z. Muttermord in der griechischen Orestie

4. Spätere Geschichte

Weltweite Durchsetzung der patriarchalen Indoktrinationen: die offizielle Geschichte wird als rein männliche Geschichte dargestellt; Urvaterlüge; patriarchale Weltreligionen als politische Theologien

6. bis 8. Jahrhundert n.u.Z.: Beginn der Christianisierung in Mitteleuropa
13. bis 20. Jahrhundert: Zeit der Inquisition und Hexenverfolgung in Europa und imperialistische Kolonisation, in der die Erinnerung an Gott die MUTTER mit äußerster Brutalität ausgemerzt werden sollte.

Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz – Die Religion von Gott der MUTTER

Vorwort aus dem Buch:

 Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

„Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz. Diese, uns aus Märchen bekannten Farben, geben die Farben der göttlichen Kosmischen Mutter wieder, die als aseitätische, parthenogenetische Gott die MUTTER schon in den Höhlen des Paläolithikums (Altsteinzeit) im Zentrum von Religion stand. Bis heute wird dieses Alte Wissen tradiert durch die Überlieferung, der zur Folge der Storch, in seinen typischen Mutterfarben, die Kinder bringt, wobei die Wenigsten die Wurzeln dieser Überlieferung heute noch verstehen.

Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.

Im Patriarchat wird die mütterliche Religion, die auf der matrilinearen Abstammung beruht, durch kopfgeburtliche Theologien ersetzt und im Zuge dieser Theologisierung von ursprünglicher Religion vermännlicht, wozu es vieler unnatürlicher Indoktrinationen bedarf. Gott wird als Ergebnis dieser kopfgeburtlichen Theologisierungen ein Vater. (Armbruster, Kirsten, 2014, S. 14-15). Das Wort Religion wird also von den patriarchalen Theologien missbraucht, denn das Wort Religion macht nur im mütterlich-göttlichen Verständnis einen Sinn.

In dem ersten Band dieser Reihe: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013), wurden die Grundlagen der Religion um Gott die MUTTER, deren geschichtliche Einordnung sowie deren Vereinnahmung, Dämonisierung und scheinbare Vernichtung, insbesondere durch die monotheistischen politischen Theologien, wieder freigelegt.

Da der Europarat 1987 den Jacobsweg, der heute große Teile Europas durchzieht, zum ersten europäischen Kulturweg deklarierte, war es interessant, der Frage nachzugehen, ob sich die Religion von Gott der MUTTER auf diesem Wallfahrtsweg wiederfinden lässt. Da der Jacobsweg als Wallfahrtssymbol die Muschel hat, ein seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) bekanntes, zutiefst weibliches Symbol, war das wahrscheinlich. Der interdisziplinäre Ansatz der Patriarchatskritikforschung offenbarte dann auch sehr schnell, dass für den ersten europäischen Kulturweg nicht zufällig die Muschel als Wallfahrtssymbol gewählt wurde, sondern dass die Bezeichnung Jacobsweg für den ursprünglichen Muschelweg tatsächlich nur eine späte, patriarchal-kriegerische Überlagerung darstellt, und der Muschel-Wallfahrtsweg, wie kein anderer, die Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Diese, unser heutiges, von patriarchalen Indoktrinationen geprägtes Weltbild erschütternden Forschungsergebnisse wurden in dem ebenfalls 2013 erschienenen Buch: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdec-kung der Wurzeln Europas, veröffentlicht.

Die Forschungsergebnisse im Überblick

Die ältesten Spuren von Menschen in Europa finden wir in Atapuerca in Spanien am Muschelweg

Auf dem Muschelweg finden wir schon sehr frühe Spuren der Religion von Gott der MUTTER, denn die Muschel symbolisiert als Grabbeigabe schon im Paläolithikum in Verbindung mit rotem Ocker das Tor zu neuem Leben.

Wallfahrtswege sind ein Erbe der WidbeuterInnen aus dem Paläolithikum und in Europa sind sie vergleichbar mit den Traumpfaden der Aborigines in Australien.

Das Gebiet in Südfrankreich und Nordspanien, das heute zum Hauptweg des Muschelwegs zählt, ist in Europa das klimatische Rückzugsgebiet der Menschen während der Eiszeiten. Deshalb finden wir hier konzentriert die berühmten Höhlenmalereien des Paläolithikums, die sich als Kathedralen der Steinzeit erweisen, eingebettet in ein soziales Netz der Matrifokalität und in die Religion von Gott der MUTTER.

In den besonderen Focus rücken hierbei die Vorfahren der heutigen BaskInnen, deren Lebensgebiet nicht nur in Aquitanien in Südfrankreich zu finden ist, wo heute die vier Hauptrouten des französischen Muschelwegs sich vereinigen, sondern die gesamten Pyrenäen und den östlichen Teil Nordspaniens umfasste.

Da inzwischen humangenetisch nachgewiesen ist, dass die genetischen Wurzeln von 60-80% der heutigen EuropäerInnen auf die Vorfahren der BaskInnen zurückgehen, können wir davon ausgehen, dass diese Menschen nach der letzten Eiszeit, entlang der Flusstäler, Europa rückbesiedelten und ihre mütterliche Zivilisation mit den aus der Matrifokalität stammenden, erworbenen Kulturtechniken und der Religion von Gott der MUTTER mitbrachten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir heute auch den weit verbreiteten katholischen Anna-Maria-Kult als nicht christlich entlarven und ihn auf die matrifokalen Lebensverhältnisse und den damit verbundenen Kult der göttlichen Mutter während der Steinzeit zurückführen. Ins besondere Interesse rückt hierbei die baskische Göttin Mari, die in Europa bis heute am meisten von der vorpatriarchalen Alten Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Matrifokalität ist nicht nur die Wurzel von Religion, sondern die Wurzel von menschlicher Kultur insgesamt. Da das Wissen über Matrifokalität durch die patriarchalen his-storischen Verdrehungen und Unterschlagungen für die Meisten noch so wenig präsent ist, wurden die heute bereits freigelegten her-storischen Tatsachen in dem 2014 erschienenen Buch „Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur“, zusammengefasst. (Armbruster, Kirsten: Matrifokalität, 2014).

Die ursprüngliche Bedeutung von KAR-NE-Val

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Jedes Jahr feiern wir im zeitigen Frühjahr Karneval. Karneval hat wie Ostern keinen festen Termin. Das bedeutet, Karneval ist, wie Ostern, ein Fest von Frau Mond. Bis heute beginnt die Hauptzeit des Karnevals mit dem Altweiberkarneval und eine der Haupttraditionen des Altweiberkarnevaltags ist es, den Männern die Krawatten abzuschneiden.

Alte Weiber waren einst weise Frauen, sie waren die Großmütter der matrifokalen steinzeitlichen Müttersippen und standen naturgemäß in besonderem Kontakt mit der Großen Mutter, der Göttlichen Mutter, mit Gott MUTTER.  Und diese Großen Mütter  kannten natürlich die eigentliche Bedeutung des Karnevals im Jahreskreis von Gott MUTTER und sie wussten auch, dass der patriarchatsmissbrauchte Phallus nur das Ziel hatte, die einst freie Sexualität der Frau, die biologisch verankerte female choice zu beherrschen. Der Altweiberkarneval, den das Patriarchat bis heute für unsinnig erklärt, hat in der Tat Reste der Zeit der Wildbeuterinnen erhalten, in der die Frau frei den Zeitpunkt und den Partner des Liebesaktes bestimmte und Vergewaltigungen nicht denkbar waren. Die Krawatte, der Inbegriff eines patriarchalen, insbesondere auch  kapitalistisch-ökonomischen  Phallussymbols, wird am Altweiberkarneval von den weisen Alten Frauen als Herrschaftssymbol abgeschnitten.

Die Mutterwurzelsilbe car als Steinsilbe

Begeben wir uns weiter auf die Spurensuche nach der eigentlichen Bedeutung von  Kar-Ne-Val, so finden wir auch linguistisch spannende Verbindungen zur matrifokalen Steinzeit der Menschheit. Kein Wunder, entstand Sprache doch als Muttersprache. Das Wort Karneval enthält gleich zwei sogenannte Mutterwurzelsilben. Als erstes die Steinsilbe car oder kar, wie wir sie  auch heute noch in dem Wort Karst oder auch im Wort Carrara-Marmor oder auch in Berg Karabach in Aserbaidschan identifizieren können. Die Mutterwurzelsilbe car/car bedeutet aber nicht nur Stein, sondern sie bedeuet auch schwarz. Hier sei auf mein 2013 erschienenes Buch „Der Jacobsweg“ verwiesen, wo ich diese Zusammenhänge ausführlich dargestellt habe und dem der folgende Abschnitt entnommen ist:

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch  schwarz und dunkel

„Haarmann weist darauf hin, dass Grundfarbwörter eine große Rolle spielen bei der „Rekonstruktion des Wortschatzes grundsprachlicher Protoformen“. Für die Silbe kar als schwarz und dunkel lässt sich dies, laut Ruhlen, folgendermaßen rekonstruieren:

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Die Silbe kar für schwarz und dunkel:

nostratisch=k´arä

proto-afroasiatisch=k´r/kr

proto-indoeuropäisch=ker-/ker-s

proto-altaisch=karä

proto-dravidisch=kar/kar

japanisch=kuroi

amerind=k´ara

(Ruhlen, 1994, S. 225 in Haarmann, Harald; 2010, S. 144)

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Die SCHWARZEN MADONNEN

Religionsmythologisch lässt sich die Silbe kar in der steinzeitlichen Bedeutung von schwarz sehr gut einordnen. So finden wir sie in heiligem mütterlichem Kontext in den Schwarzen Madonnen, die auch heute noch Hauptwallfahrtsorte sind. Am Muschelweg besonders berühmt ist in diesem Zusammenhang der Schwarze Heilstein von Le Puys-en-Velaye mit seinen Schwarzen Madonnen. Auch im Kölner Dom treffen wir auf einen Schwarzen Stein, wird doch der Hochaltar durch eine schwarze Marmorplatte gebildet, die mit einer Gesamtfläche von 9,58 Quadratmetern zu den größten weltweit zählt. Die Vorderseite des Altars zeigt im Zentrum, wie könnte es auch anders sein, die Krönung der Maria. Die Verbindung der Farbe Schwarz in heiligem mütterlichem Kontext gilt übrigens nicht nur für das Christentum, sondern gleichermaßen für den Islam, dessen Hauptwallfahrtsort der Schwarze Stein der Kaaba in Mekka ist.“ (Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg, 2013, S. 137/138).

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch Fürsorge

„Die Silbe kar hat neben Stein und Schwarz eine weitere Bedeutung im mütterlichen Kontext bewahrt. Das englische care bedeutet bis heute Fürsorge, Betreuung, Pflege und auch das Französische Wort caresser für liebkosen, streicheln, hätscheln hat seinen fürsorglichen Charakter bewahrt. Fürsorge ist bis heute eng verbunden mit Müttern. Tatsächlich steht die Fürsorge in besonderem Maße am Anfang der Menschwerdung, denn das sehr unreif geborene Menschenkind ist ein „Nesthocker“ mit besonders langer Reifezeit. Ohne die Fürsorge der Mutter und ohne die Fürsorge der Großmutter, der Ahnin in matrilinearer Abstammung, hätte sich der Mensch evolutionsbiologisch nicht so entwickeln können“ (Armbruster, Kirsten, Der Jacobsweg, 2013, S. 142).

Die Mutterwurzelsilbe car bedeutet auch Fleisch

Schauen wir uns das Wort Karne-Val weiter an, so entdecken wir, dass nicht nur die Bedeutung von Stein, von Schwarz und von Fürsorge darin bewahrt ist, sondern auch das Wort carne für Fleisch, wie wir es auch in dem Begriff Re-in-kar-nation finden, was nichts anderes heißt, als Wieder- in- Fleisch-Gekleidet-Werden und auf die Wiedergeburt des Lebens aus der leiblichen Mutter und im Kosmischen Kontext von Mutter Natur hinweist und gleichzeitig auch auf den Beginn von Religion verweist:

RELIGARE: Der Ursprung von Religion: Anbinden, Losbinden, Zurückbinden

„Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.“ (Armbruster, Kirsten, Der Muschelweg, 2014, S.7).

Die Mutterwurzelsilbe KALL

Das Wort Kar-ne-val enthält aber nicht nur die Stein-Mutterwurzelsilbe car, sondern es enthält auch die steinzeitliche Wurzelsilbe KALL. „Richard Fester hat bei seinen diesbezüglichen Forschungen schon 1980 das sogenannte KALL-Schema entdeckt, zu dem auch das Wort WALL-fahrt gehört. Monika Löffelmann hat dies aufgegriffen und schreibt dazu:

Höhle – Kult – Kultur = MÜTTERLICHE KULTUR im Einklang mit der NATUR

„Anhand der Sprachentwicklung weist die Paläolinguistik-Forschung den engen Sinnzusammenhang zwischen Höhle – Frau – Kult, enthalten in dem Ur-Wortstamm KALL nach: „Als Sinngehalte bieten sich zwei an, KALL für Frau und KALL für Höhle“. Diesen Ur-Wortstamm trägt auch das lateinische Wort COL-ere in sich. Hier verweist der Paläolinguist auf die Bedeutung des Wortes aushöhlen auf der einen und pflegen auf der anderen Seite: …“und daher stammen unsere heutigen Begriffe und Wörter KULTUR und … „KULT“. Hier sind also in der Doppelbedeutung des Wortes COL-ere Höhleund Kult einander unmittelbar benachbart“. (Löffelmann, Monika; 1997, S. 19).“ (zitiert aus Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg, 2014, S. 77)

Das Narrenschiff ist die Barke von Gott MUTTER

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Natürlich ist es auch kein Zufall, dass in Köln, einer der Karnevalshochburgen mit der Kathedrale, die auch Kölner Dom genannt wird, das größte Kirchenschiff in Deutschland und das drittgrößte der Welt steht, das zudem seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Kathedrale in Köln ist dem Apostel Petrus und der göttlichen Schutzmatronin der Stadt Maria geweiht. Petrus finden wir auch im Petersdom in Rom. Tatsächlich geht Petrus auf ein altes Steinwort zurück und erweist sich damit als typische patriarchale Okkupation der matrifokalen Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine. (siehe hierzu auch Armbruster, Kirsten, 2013: Der Jacobsweg: S. 51-53).

Und nun gehen wir noch einer weiteren Verbindung nach, denn mit dem Karneval wird auch immer wieder Ursula mit ihren 11 000 Elben genannt, die ebenfalls mit einem Schiff daher kommen. Schiffe als Narrenschiffe finden wir zuhauf im heutigen Karneval.

„Ursula wird auch immer wieder mit Frau Holle (KALL-Wort) in Verbindung gebracht, denn auch Frau Holle sucht in der Überlieferung mit 11 000 Elben per Schiff ihr Reich im Jenseits auf. Sonja Rüttner-Cova schreibt, dass der Umzug Hollas und der 11 000 Elben auf den November fällt, und sie zitiert in diesem Zusammenhang aus den 1852 erschienenen Beiträgen zur Deutschen Mythologie von J.W. Wolf:

„Die Zeit des Umzugs ist der „Heiligen Tag“ also omnium sanctorum, das wäre der erste November, der Umzug der Holda mit den 11 000 Elben fällt auch in den Herbst, wo die Natur das Leben gleichsam verliert, wo diese sich zurückzieht und die Sonne immer matter scheint. So sammeln sich dann die alles belebenden Elben und gehen im großen Zuge in ihre himmlischen Wohnungen zurück“. (Wolf in Rüttner-Cova, Sonja, S. 1998, S. 114).

Frau Holle und auch die katholisierte Ursula haben ihre Wurzeln also ganz offensichtlich in der göttlichen paläolithischen Kosmischen Mutter und ihr Wirken wird bis heute an Halloween, dem 1.11., gefeiert, dem uralten jahreszeitlichen Fest, wo die Zahl der 11 000 Elben wieder erscheint und sich die Kraft des Lebens in die Bauchmutter-Höhlen zurückzieht, um bei der Tod-im-Leben-Mutter auszuruhen.“ (Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg, 2014, S. 83/84).

Und nun wird auch die Verbindung verständlich, warum der Karneval offiziell am 11.11. beginnt, nämlich der Zeit, wo sich die Natur zurückzieht und die Bären sich wie die Menschen zurzeit der Wildbeuterinnen in die Höhlen zurückzogen, auf die die Ursula bis heute verweist (siehe auch Ursa Major und Ursa Minor, das Sternenbild der großen und der kleinen Bärin, bzw. Bärenmutter und Bärenkind). Und wir sehen auch, dass der Karneval das Ende dieser Ruhezeit in der Erdbauchhöhle aufzeigt, das Ende des scheinbaren Todes und das Wieder-In-Fleisch-Gekleidet-Werden, also die Wiederauferstehung des Lebens. Und wer die Symbolik des Christentums durchschaut, der erkennt nun auch, dass wir es im Christentum immer wieder mit einer patriarchalen Überlagerung der Alten Religion von Gott der MUTTER zu tun haben. Im Johannesevangelium finden wir nämlich die patriarchal verdrehten Reinkarnationsworte, die Jesus in den Mund gelegt werden. In der Synagoge zu Kapernaum ist dazu folgende Situation überliefert:

„Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn aufwecken am letzten Tag…. (Bibel, Johannes 6, 52-55).

Karneval ist also, von patriarchaler Verwirrung befreit, ursprünglich ein Naturfest der göttlichen Mutter, ein Naturfest von  Gott MUTTER, weil sie am Anfang von Religion und nicht von patriarchaler Theologie steht. Karneval umfasst die Zeitspanne der Natur von Novemer bis Ostern, wo das Sterben der Natur im Herbst, das in der Erde Ruhen im Winter, die Wiedererweckung des Lebens im zeitigen Frühjahr bis zur deutlich sichtbaren Wiederauferstehung der Natur gefeiert wurde. Die in der Matrifokalität verwurzelte Muttersprache zeigt auf, dass diese Zusammenhänge nicht nur bereits in der Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine bekannt waren sondern damals auch schon  gefeiert wurden.

Weiterführende Literatur:

 Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013

Teil  2 dazu:

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der Mutter – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

 

Hagazussa – Mit Hagazussa durch das Jahr – Eine Magische Hexengeschichte für Groß und Klein

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Neu erschienen:

Die erste Magische Hexengeschichte mit matrifokalen Elementen und matrifokal orientierten Jahreskreisfesten, denn es ist an der Zeit, neue Geschichten zu weben, für uns selbst und für unsere Kinder. Auf dass wir feste Wurzeln bekommen, welche die nächsten Generationen wild und gleichzeitig geborgen aufwachsen lassen. Möge diese Hexengeschichte dazu beitragen!

Inhaltsverzeichnis:

Leben im Rosenheckenapfelgarten

Frühlingserwachen
Imbolc
Im Bauch von Mutter Erde

O-stern
Fest der Sternengöttin Ostara
Der Hoppel-Poppeline-Clan braucht ein zauberhaftes Osterhasenhaus

Walpurgisnacht
Liebesfest der Natur
Das Geheimnis des Waldmutterkrauts oder: Wie Wünsche in Erfüllung gehen

Sommersonnenwende
Hollerbusch und Annakraut
Auf die Dauer Frauenpower

Drachenfest
Fest des mütterlichen Kosmos
Der böse Zauberer Belial und die Befreiung der Mutterkraft

Sammlerinnenfest
Erntedank
Das Magische Duett von Herdfeuer und Pflanzenkraft

Halloween
Totenfest
Besuch der AhnInnen

Wintersonnenwende
Mutternacht
Eine Tochter wird geboren

Anhang
Erläuterungen
Zur Autorin

Weiterführende Literatur

Informationen zum Buch:

Mit Hagazussa durch das Jahr
Eine Magische Hexengeschichte für Groß und Klein
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Books on Demand (April 2015)
ISBN-10: 3734772206
ISBN-13: 978-3734772207
Größe: 12,7 x 1,0 x 20,3 cm
Taschenbuch überall im Buchhandel erhältlich:
EUR 9,99
Ab Mai 2015 auch als E-Book erhältlich

 

 

Neuerscheinung: Je suis Charlène von Kirsten Armbruster

Ab sofort für 7,90 € im Print und in Kürze auch als e-book überall im Buchhandel erhältlich:

In Andenken an den Mut von Charlie Hebdo, denn die Patriarchatskritik kann jetzt nicht schweigen!

Je suis CharlèneTiefgründig und witzig, unterlegt mit zahlreichen Abbildungen, der erste Teil des Buches. Fachlich fundiert und politisch der zweite Teil. Ein Buch, das Sie gleichermaßen zum Staunen und Schmunzeln bringen wird, denn in diesem Buch verknüpft die bekannte Patriarchatskritikerin, Humoristisches mit Politischem. Eine brisante Mischung von einer, die etwas zu sagen hat zu den religiösen Fragen unserer Zeit.

Dr. Kirsten Armbruster ist Naturwissenschaftlerin und gehört zu den führenden Patriarchatskritikerinnen.

Inhalt

Teil I

7 Was Sie schon immer über Religion wissen wollten

Teil II

36 Erläuterungen
Am Anfang war Gott die MUTTER

45 Ein politisches Statement

49 Der Islam, Pegida und das Versagen der politischen Intelligenz

53 Weder der Islam, noch das Christentum, noch das Judentum gehören in eine Moderne Welt

59 Anmerkungen
60 Zur Autorin
64 Weiterführende Literatur

 

Weder der Islam, noch das Christentum noch das Judentum gehören in eine Moderne Welt

copy-apfel-und-pflaumen-aus-dem-garten.jpgDr. Kirsten Armbruster ist Naturwissenschaftlerin und gehört mit mehreren Veröffentlichungen zu den führenden Patriarchatskritikerinnen. Sie wurde in Dortmund geboren, wuchs in Ägypten auf und lebt heute in Bayern. Beruflich ist sie seit Jahren im Integrationsbereich tätig. Veröffentlichungen u.a.: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013), Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland  (2013) und Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER (2014).

Einigkeit und Brüderlichkeit gehören zu den Lieblingsworten, die dieser Tage überall bemüht werden. Einigkeit zwischen Juden, Christen und Moslems. Toleranz ist das Schlüsselwort, das die Guten von den Bösen, die zivilisierten von den terroristischen Monotheisten unterscheiden soll. Auffallend in jedem Fall – obwohl das niemandem aufzufallen scheint – ist die überproportionale Dominanz an Männern, die alle etwas Wichtiges zu sagen haben. Und so zeigen die Toleranzbekundungen vor allem eins: Die Toleranz des Monotheismus hört bei den Frauen auf, denn  Großmütter,  Mütter, Schwestern und Töchter sind ja nicht gemeint in dieser Demonstranz von Brüderlichkeit. Kein Wunder, denn der alleinige „Jahwe-Vater-Allah-Gott“ hat ja vor allem eines klar gemacht, dass der Mann ein Gott ist. Und in diesem Kernelement des Monotheismus, da herrscht nun wirklich brüderlich-eitle Einigkeit. und zwar auch zwischen den gut-zivilisierten und den bös-terroristischen Monotheisten.

Und in dieser, die Frauen –  die Hälfte der Bevölkerung – ausschließenden einigen Brüderlichkeit zeigt sich, hinter einer perfiden Scheinheiligkeit, der Totalitarismus des Monotheismus. Das heißt, Monotheismus ist immer Faschismus. Und totalitärer Faschismus beruht immer auf Gewalt. Denn die Idee, dass das Leben den Mann ins Zentrum gestellt hat, ist aus der Naturbeobachtung heraus absurd und kann nur mit Gewalt indoktriniert werden. Und hier greifen das angeblich Gut-Monotheistische und das Bös-Terorristische ineinander, ergänzen sich, erweisen sich als zwei Seiten ein und derselben Medaille. Die eine Seite der Medaille ist die strukturelle Gewalt, die in den monotheistischen Schriften und den – gerade durch einen nicht-laizistischen Staat unterstützten Traditionen überliefert wird und die andere Seite ist, dass eben diese Schriften und Traditionen jeden erdenklichen Raum lassen für exekutive Gewalt und deshalb immer zu Blutvergießen führen. Die Geschichte des Monotheismus – gleich welchen Couleurs – ist eine einzige Aneinanderreihung davon.

Einst waren Europa und der Nahe und der Ferne Osten ein Kulturraum. In den Muschelwegbüchern, die den Wurzeln des maurentötenden Jacob gefolgt sind, ist dies längst frei gelegt, die gleiche Kultur und sogar die, dieser Kultur zugrundeliegende Religion, denn Religion kommt von Religare und Religare bedeutet: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Gemeint ist damit ursprünglich die Lebensanbindung allen menschlichen Lebens an die Mutter, an die leibliche Mutter und an die göttlich-kosmische Mutter, die wir logischerweise, weil sie eben am Anfang jeder Religion steht, Gott die MUTTER nennen können. Und, um das zu erkennen, dazu bedurfte es keiner Indoktrinationen, sondern nur eines einfachen Hinsehens.

Und weil das so klar und deutlich ist, wurde der Schwarze Heilige Stein der Kabaa in Mekka nicht nur in einer vulvaförmigen Silberfassung eingefasst, sondern war den Göttinnen Al-Lat, Menat und Al-Uzza geweiht. Und der achtzackige Felsendom in Jerusalem mit der Höhle Maghara erweist sich, wenn man nur ein bisschen genauer hinsieht, als ursprünglicher Bauchmutterhöhlenraum von Gott der MUTTER, in der sich nicht zufällig bis heute der Brunnen der Seelen befindet. Und folgen wir dem Jacobsweg in Euopa, der 1987 zum ersten europäischen Kulturweg erklärt wurde, so finden wir auch dort überall die gleiche Religion der göttlichen Mutter hinter der Fassade des Kriegspfads eines Maurentöters, denn der Jacob hat nicht zufällig als Erkennungssymbol die Muschel, die Vulva der Frau.

Schauen wir also hinter die scheinheilige Fratze des gewaltbasierten patriarchalen Monotheismus und erkennen, dass ein patriarchaler Monotheismus einer modernen Welt nicht würdig ist, denn Frauen sind nicht eine vernachlässigbare Nebengruppe der Bevölkerung, sondern sie sind die Hälfte der Weltbevölkerung und Frauen waren schon immer göttlich. Heute brauchen wir mehr denn je diese integrierende weibliche Göttlichkeit, denn die Natur hat nicht zufällig den Frauen als Müttern den größten Teil der Menschwerdung leiblich-nabelgebunden anvertraut. Erinnern wir uns wieder an die Natürliche Integrative Ordnung der Mutter, denn in der Mutter findet kein Kampf zwischen den Geschlechtern statt, sondern in der Mutter findet das Männliche und das Weibliche und auch das Nicht-Heteronormative seinen Platz.