Profil

Dr. Kirsten Armbruster

 Naturwissenschaftlerin     Patriarchatskritikerin     Autorin   Bloggerin   Mutter

Interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung & Politisches Mütterbewusstsein (POM)

Dr. Kirsten Armbruster  ist mit zahlreichen Veröffentlichungen die Vordenkerin der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung und eines neuen Politischen Mütterbewusstseins (POM).

Sie wurde 1956 in Dortmund geboren, wuchs in Kairo auf, machte ihr Abitur in Fürstenfeldbruck, studierte Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen und promovierte in Physiologischer Chemie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Sie ist verheiratet, hat gemeinsam mit ihrem Mann vier, inzwischen erwachsene Kinder und lebt in Bayern.

Durch ihre tiefen Einblicke in die berufliche, und als ehemalige Bürgermeisterinnenkandidatin und Stadträtin in Riedenurg im Altmühltal politische Männerwelt, ihre Erfahrungen der Missachtung der mütterlichen Leistung, ihre intensive Auseinandersetzung mit Religion, Ökologie und  Landwirtschaft und ihre langjährigen interkulturellen Erfahrungen, hat sie sich zu einer der schärfsten Kritikerinnen des zerstörerischen patriarchalen Gesellschaftssystems entwickelt, deren Kritik weit über den Feminismus hinausgeht.

Die Interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung steht in Verbindung mit einem neuen Politischen Mütterbewusstsein (POM) für ein modernes, patriarchatsbefreites Mutterbild. Ein Mutterbild,  das sich nicht einzwängen lässt innerhalb des patriarchalen Definitionsrahmens zwischen einer christlichen Magd des HERRN, der jede Göttlichkeit abgesprochen wurde, um Vaterschaft theologisch zu internalisieren, einer Reduktion der Mutter als Hausfrau auf die Arbeit im Haus, oder einer von den Nazis mit Mutterkreuzen dekorierten Reduktion der Mutter als Gebärmaschichne möglichst blonder Kinder, zwecks genügenden Kanonenfutters für das Patriarchat.

Die Patriarchatskritik decodiert die Gehirnwäsche des Patriarchats, der wir alle ausgesetzt sind, mithilfe eines wissenschaftlichen, interdisziplinären Forschungsansatzes, in der Erkenntnisse der Archäologie, der Anthropologie, der Religionswissenschaften, der Linguistik, der Soziologie, der Biologie, der Genetik, der Ökonomie, der Politik, der Kulturwissenschaften und der Landschaftsmythologie einfließen. Schwerpunktmäßig betrifft die Patriarchatskritik folgende Themenbereiche:

  • Die Geschichtsschreibung, welche die soziologische Lebensform der Matrifokalität und die damit einhergehende Kulturleistung der Mütter während des größten Teils der Menschheitsgeschichte negiert und unterschlägt
  • Die Theologien, welche die ursprüngliche, in der Natur verankerte, mütterliche Religion versucht haben zu zerstören, um männliche Herrschaft durch erfundene, dogmatisch niedergeschriebene, theologische Ideologien zu legitimieren
  • Die Kontrolle der Sexualität und der Gebärfähigkeit der Frauen durch patriarchale Familienkonstellationen, Jungfernkult und männlichen Fruchtbarkeitswahn, die einerseits zu erheblichen Beschneidungen weiblicher Lebensfreiheit, einer Trennung der menschenartwichtigen Großmutter-Mutter-Tochter-Beziehung und andererseits weltweit zu exponentiellem Bevölkerungswachstum geführt haben
  • Die kriegsbasierte Installation von Vaterstaaten auf der Basis der patriarchalen Verquickung von Politik, Rechtssprechung, Theologie, Wissenschaft und Militär
  • Die kapitalistische Form der Wirtschaft, die auf der Ausbeutung der Natur und der Frau fußt und ihren Anfang hat mit dem Beginn der Rinderdomestikation (circa 6500 v.u.Z.) und der damit verbundenen, menschengeschichtlich ersten Privateigentumsbildung auf der Grundlage der capites, den Häuptern einer Herde und sich hierarchisch zementiert mit dem Beginn des Metallzeitalters
  • Die Definition des Arbeitsbegriffs, welche die Carearbeit als nicht geldwert belegt und deshalb Mütter erheblich finanziell diskreditiert

 

Aus dem Vorwort von: Armbruster, Kirsten:  Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013, S. 7-9):

„Das Christentum wurzelt, wie alle drei monotheistischen Religionen in einer Hirtennomadenideologie. Da das Hirtentum die Domestikation von Tieren voraussetzt, die Menschen aber den größten Teil der Menschheitsgeschichte als Wildbeuter lebten, können diese Hirtenreligionen nicht am Anfang von Religion stehen.

Die monotheistische Hirtenideologie geht einher mit dem Verständnis des Vaters als Gott dem HERRN. Der Vater wird also theologisch verknüpft mit Herrschaft, und Herrschaft ist historisch verknüpft mit Krieg. Krieg ist gebunden an Waffen, die erst langsam mit der Metallgewinnung in der Bronzezeit entwickelt wurden und sich endgültig erst in der Eisenzeit durchsetzten. Auch hier zeigt sich, dass Gott der HERR nicht am Anfang von Schöpfung stehen kann, sondern eine späte Erfindung in der Menschheitsgeschichte ist.

Europa wird gerade auch von Politikern gerne unterstellt christliche Wurzeln zu haben. Auch das entspricht nicht den historischen Tatsachen, denn das Christentum erreichte große Teile Europas erst zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert n.u.Z.. Das Christentum ist keine organisch gewachsene Religion in der fruchtbaren Landschaft Europas, denn es wurzelt in den trockenen Steppenlandschaften der Hirtennomaden, welche die rohfaserverwertenden Wiederkäuer domestizierten, um in einer solchen Vegetation überleben zu können. Allerdings ging von Europa die imperialistische christliche Missionierung der Welt aus und das ist kein rühmliches Kapitel für Europa, sondern ein beschämendes.

Die Idee von Gott dem HERRN war und ist in Wahrheit eine bis heute nützliche Theologie zur Indoktrinierung und Zementierung patriarchaler Herrschaftsmacht, also eine politische Theologie. Eines der Hauptanliegen dieser politischen Theologie war es, Gott die MUTTER abzuschaffen, sie durch Gott den HERRN zu ersetzen und die Mutter gleichzeitig zur Magd des HERRN zu degradieren. Dass es einst Gott die MUTTER auch in unserem Kulturkreis gegeben hat, steht herstorisch außer Frage. Gott die MUTTER war allerdings nie die HERRIN. Das bedeutet aber auch, dass ihr ein völlig anderes Verständnis von Göttlichkeit zugrunde liegt. Tatsächlich können wir Gott die MUTTER schon in den Höhlen und in den roten Ockerbestattungen in embryonaler Hockstellung des Paläolithikums finden, und hier liegen die eigentlichen Wurzeln von Religion und auch die Wurzeln Europas. In diesem Zusammenhang bedeutsam ist auch eine weitere Tatsache: Genauso wenig, wie es das Bild von Gott der MUTTER als HERRIN jemals gegeben hat, genauso wenig hat es jemals ein Matriarchat gegeben, eine Herrschaft von Müttern in Umkehrung des Patriarchats. Und auch darin sind sich alle HistorikerInnen inzwischen einig.

Dass diese Zusammenhänge in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind und auch nicht in den Schulen gelehrt werden, zeigt, dass unsere Gesellschaft, die scheinbar so gut informiert ist, einer patriarchalen Gehirnwäsche unterzogen wurde, die erst langsam zu bröckeln beginnt. Dieses Buch soll dazu beitragen, die patriarchalen Zementierungen ins Wanken zu bringen, um wieder einer friedlicheren Gesellschaft den Boden zu ebnen. Einer friedlicheren Gesellschaft zwischen den Geschlechtern, einer friedlicheren Gesellschaft zwischen den Menschen, die heute, getuned durch aggressive Mono-Ideologien der Intoleranz, sich gegenseitig bekriegen. Die Idee eines Monotheismus, der die Frau mit Unreinheit belegt, sie der Herrschaft des Mannes unterstellt hat und außerdem die Grundlage ist für die Doktrin: Nur mein Gott ist der einzig wahre Gott, dieser Monotheismus ist, völlig gleich, ob jüdischer, christlicher oder islamischer Ausprägung, eine wesentliche Ursache des patriarchalen Kriegszeitalters. Monotheismus und Krieg sind nicht zwingend menschlicher Natur, sondern sie sind die Folge einer falschen Entwicklung von Weiblichkeit und Männlichkeit, von Vaterschaft und Mutterschaft und einem damit verbundenen Gottesbild. Jutta Voss bemerkt dazu: „Solange das Blut der Frau und mit ihm die Frau verteufelt und parallel das Blut des Mannes, sei es am Kreuz oder in unzähligen Kriegen verherrlicht wird, solange wird es keine Heilung geben“ (Voss, Jutta, 2006, S. 124). Hören wir also auf, die Frau zu verteufeln und den Mann zu verherrlichen. Ein Schritt hierzu ist es, hinter die potemkinschen Fassaden des Patriarchats zu schauen, unsere Geschichte zu vervollständigen, zu schauen, wie es zu dieser, in seinen gesellschaftlichen Auswirkungen desaströsen Verteufelung der Frau, bei gleichzeitiger Verherrlichung des Mannes kam. Nur so können wir den Raum schaffen, ein zukunftsfähiges, differenziertes und diversifiziertes Menschenbild zu entwickeln und auf dieser Basis auch die religiöse Zukunftsfrage stellen: Was sollte den Menschen heilig sein? Der Kosmos, der heute unter dem Diktat des Patriarchats steht, könnte dadurch aufatmen.“

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