Am Anfang war Gott MUTTER

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Paläolithikum, Dordogne, Frankreich, Fotos: Franz Armbruster: Museum Les -Eyzies -de -Tayac

Am Anfang des menschlichen Bewusstseins war Gott  MUTTER. Sie war das allumfassende göttliche Verständnis der Steinzeit, die göttliche Mutter des Paläolithikums und des Neolithikums bis zur Herdentierzucht. Sie war Mutter Erde, aber auch der Kosmos. Frau Sonne und Frau Mond spiegelten ihr göttliches Sein. Das Männliche, das Weibliche, das Intersexuelle und das Transsexuelle wurden von ihr geboren, und, wenn es verstarb, kehrte es zu ihr zurück, um von Neuem wiedergeboren zu werden, so wie die Sonne jeden Abend im Westen im Leib der Erdmutter verschwand, um am Morgen im Osten wiedergeboren zu werden. Gott MUTTER war die Allmutter, die Große aseitätische Jungfrau, die Almudena, die Panagia, die Dea Mater, die Pachamama. Und diese Gott  MUTTER steht für den Anfang von Religion. Die Menschen lebten aus diesem Verständnis des Lebens heraus matrifokal, d.h. die Mütter standen im Focus, im Zentrum der Gemeinschaft.

Mit dem Beginn des Metallzeitalters, in der Kupfersteinzeit, dem Chalkolithikum, ab dem  5. Jahrtausend, können wir mit den Migrationen der Rinderbauern aus Anatolien archäologisch diesbezüglich eine erste Veränderung feststellen. Erste Spuren von Gruppengewalt und erste patriarchale hierarchische Gesellschaftsstrukturen werden mit dem ersten Auftauchen von männlichen Herrschergräbern sichtbar. Ökonomisch werden die Frauen nach ihrer zentralen Bedeutung erst als Sammlerinnen und ab dem Neolithikum auch als Pflanzerinnen, im Zuge der fortschreitenden Rinderdomestikation und schließlich der Pferdedomestikation und dem Beginn des Pflugackerbaus aus ihrer matrilinear-frauenkollektiven ökonomischen Unabhängigkeit zunehmend hinausgedrängt.

In der Bronzezeit ab circa 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und im 2. Jahrtausend in Mittel- und Nordeuropa verschärft sich die patriarchale Überformung. Das patriarchale Kriegszeitalter beginnt. Mit dem Auftauchen von Streitwagenkriegern kommt es erstmals zu Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Gott die MUTTER, die Alles-Gebärerin der Steinzeit, wird in viele Göttinnen zerstückelt und die Idee des Heros, die im Zuge der Installation der sogenannten „Heiligen Hochzeit“ gesellschaftlich implementiert wird,  ist der heldische Mann, der mit seinem Blut die Welt retten soll.

Ein männlicher Blutopferkult beginnt, der sich in zwei Ausprägungen zeigt: als Krieger oder als Blutopfer auf dem Altar einer politischen Theologie, die über die Zwischenstufen erster männlicher Vegetationsgötter, einer männlichen Vergöttlichung der Sonne, wie beim ägyptischen Gott Aton, über von Männern geleiteter Götterpantheons, wie dem keltischen Dis Pater, dem griechischen Zeus, dem römischen Jupiter, dem germanischen Wotan oder Odin, schließlich das Ziel hat, einen monotheistischen Vater-Gott gesellschaftlich zu implementieren, dessen vorläufig letztes theologisches Opfer der christliche Jesus darstellt.

Der Vater drängt sich in den Vordergrund. Matrifokalität wird zunehmend durch Patrilokalität ersetzt, die sogenannte Heilige Hochzeit ist die Vorform der patriarchalen monogamen Ehe, die das Ziel hat die freie Sexualität der Frauen, die sogenannte female choice zu beenden, um männliche Herrschaft durchzusetzen und Vaterschaft bestmöglich abzusichern. Die Mutter, die im matrifokalen Lebenskontext in ein matrilineares AhnInnenkollektiv eingebettet war, wird in einer bluts- und nabelfremden Verwandtschaftslinie isoliert und ökonomisch abhängig gemacht.

Die Religion von Gott  MUTTER wird von den Vatergöttern erst zerschlagen und schließlich historisch unterschlagen. Über die Zwischenstufe der Idee der Göttin, deren Abstammung plötzlich von einem männlichen Gott abgeleitet wird, wie bei der von Göttervater Zeus kopfgeborenen Athene, die zudem als Kriegsgöttin missbraucht wird, wird der MUTTER die Göttlichkeit schließlich ganz abgesprochen. Helfershelfer für diesen göttlichen Muttermord sind die in vielen Kulturen verbreiteten Drachentöter, wie der babylonische Gott Marduk, der griechische Gott Apollon oder auch der christliche Michael, Georg oder Patrick. Die Drachenschlange, die sie töten, steht für das Töten von Gott MUTTER und das Vergessenmachen der Matrifokalität, die ihre Verwandtschafts- und AhnInnenlinie auf der roten Mutternabelschnur begründet, die durch das Patriarchat durch eine väterliche Abstammung ersetzt werden soll und damit zerschlagen werden musste.

Im Patriarchat ist die Mutter nur noch die Dienerin des HERRN, die seine HERRlichkeit vervollkommnet. Der Feminismus, auch der leider in vielen Irrtümern gefangene Matriarchatsfeminismus, hat an diesem patriarchalen Status Quo bisher praktisch nichts verändert, denn die Mutter ist anscheinend mit ihrer dem Patriarchat dienenden Muttertumsüberformung, wie wir sie zum Beispiel im Nationalsozialismus finden, so traumatisch besetzt, dass kaum eine es wagt in matrifokal verwurzelten Gemeinschaftsstrukturen zu denken und Gott MUTTER wieder bei ihrem Namen zu nennen. Fangen wir heute damit an!

Literatur:

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER: Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, 2013

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur; Weckruf für Zukunft, 2014

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Band 2: 2014

 

 

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Muschelsternenweg von Gott MUTTER und wie das Patriarchat daraus den Jacobsweg macht

Jakobsweg neu

Karte der europäischen Wallfahrtsrouten am Muschelweg, Zeichnung Franz Armbruster

Am Anfang von Religion stand die göttliche Mutter, Gott die MUTTER als weise Tod- in Lebenwandlerin auch als Kosmische Mutter: als Mutter Erde, Frau Mond und Frau Sonne. Die Patriarchatskritikforschung hat dieses uralte Wissen inzwischen wieder weitgehend freigelegt und die Forschungsergebnisse publiziert, damit das verschüttete Wissen wieder der Allgemeinheit zugänglich ist. Der Muschel als Bauchmutter und Vulva des Meeres kam dabei seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) als Grabbeigabe eine wichtige mythologische Bedeutung zu. Ebenso dem Weg der Seelen als Sternenweg der Milchstraße bis ans Ende der Welt. In Europa haben wir diese alten Mythologien am Muschelsternenweg nach Compostella und nach Finisterre bis heute erhalten. Compostella heißt nicht zufällig Sternenfeld, aber es enthält auch die Wortbedeutung des Kompostierens, der magischen Tod- in Lebenwandlung in Schwarze fruchtbare Muttererde, wo wir die Bedeutung der Schwarzen Madonnen wieder nachvollziehen können. Und Finisterre ist das westlichste Ende des europäischen Kontinents, wo die Sonne abends im Meer versinkt, um am nächsten Morgen im Osten wiedergeboren zu werden.

Schon die WildbeuterInnen der Altsteinzeit kannten dieses Wissen und wanderten die uralten Wege, die wie das Traumpfadenetz der Aborigines für Europa von Generation zu Generation tradiert wurden. Am Muschelsternenweg in Europa finden wir daher nicht zufällig in den Höhlen von Atapuerca die ältesten Menschenspuren in Europa, die 1,3 Millionen Jahre alt sind und die uralte mütterliche Wiedergeburtsreligion.

Mit der Reconquista ab 718 n.u.Z. begann in Europa die Zerstörung und Überlagerung der Religion von Gott der MUTTER durch einen patriarchalen Vater-Gott-Monotheismus, der die göttliche Mutter ihrer Göttlichkeit beraubte und sie stattdessen zu einem passiven Gefäß des Vaters degradierte. Einer der größten Handlanger dieser politischen Machttheologie des monotheistischen Vater-Gotts war die abstruse Überlieferung der Legende von Jacob, der nicht zufällig den Beinamen Matamoros, trägt, der einerseits Maurentöter bedeutet aber auch mit dem Wort mater für Mutter, den mythologischen Muttermord in Europa verkündet  (siehe hierzu auch Matador, wo die Farben der Kosmischen Mutter Rot, Weiß und Schwarz und das Töten des seit den paläolithischen Höhlenmalereien bekannten hörnertragenden Mondtiers in Form des Schwarzen Stiers bis heute als übertragener Muttermord tradiert wird ). Das uralte Muschelsternenwegenetz der Steinzeit wird seitdem von einem Jacobswegenetz überlagert. Wie man auf der Karte sehen kann, ist auch heute noch  überall in Europa Muschelsternenland, aber Muschelsternenland ist nicht Jacobs Land.

Mehr dazu in den Büchern:  Armbruster ,Kirsten: „Der Jacobsweg  – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1 (November 2013) und in „Gott die MUTTER – Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (April, 2013)

Mutternacht – Der Ursprung von Weihnachten

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Sonnenuntergang Galicien, Muschelweg, Nordspanien, Foto Franz Armbruster

Weihnachten ist kein keltisches Fest sondern viel älter. Ursprünglich wurde die Rückkehr der Kosmischen Mutter zur Wintersonnenwende gefeiert und die Kosmische Mutter, die Magische Tod-in-Lebenwandlerin erschien in ihrer Dreiheit als Mutter Erde, als Frau Mond und Frau Sonne. Deswegen haben die Germanen auch noch die Heiligste Weihenacht als Modraniht, Mutternacht gefeiert. Nicht der Sohn und der Vater standen im Mittelpunkt, sondern die Mutter, die am Anfang allen Lebens steht und somit auch am Anfang der Schöpfung und am Anfang von Religion. Die Kosmische Mutter können wir Gott die MUTTER nennen und sie war nachweislich schon in der Altsteinzeit, im Paläolithikum bekannt. Die Kelten erschienen erst circa 1000 v.u.Z. und gehören zu den kriegerischen Reiterkriegern, die zwar die Alte Religion noch kannten, aber sie stehen auch wie alle indoeuropäischen Völker für den Anfang der Zerstörung der Zivilisation der Mütter in Alteuropa und das patriarchale Christentum besorgte schließlich den Rest. Während es bei den Kelten, den Germanen, den Griechen und Römern noch Göttinnen gab, verlor Gott die MUTTER durch den Vater-Gott-Monotheismus ihre Göttlichkeit und wurde zu einem passiven Gefäß des Mannes degradiert. Es wird höchste Zeit, dass sich unsere Gesellschaft von dieser Diskriminierung der Frauen befreit und auch Gott die MUTTER wieder in den Mittelpunkt von Religion stellt.

Mehr dazu in den Büchern: „Der Jacobsweg  – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1 (November 2013) und in „Gott die MUTTER – Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (April, 2013)