Warum der Storch bis heute die Kinder bringt

storch21-203x300Passend zur Zeit der geweihten Nächte um die Mutternacht der Wintersonnenwende, erschien mein Buch: „Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der Mutter – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas“ (2014). In dem Buch steht:

Der Storch bringt bis heute die Kinder.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich schon als Kind darüber gerätselt habe. Warum ausgerechnet der Storch? Aber wir wurden ja im Laufe der Jahre schnell aufgeklärt. Das ist nur ein Ammenmärchen. Papa und Mama machen die Kinder, erfuhren wir schnell, wobei Papa macht und die Mama? Sie trägt das, was der Papa gemacht hat, aus. Und weil die Papas alle die großen Macher waren, bekamen sie für ihre große Leistung Geld. Geld und Anerkennung. Sie waren die Helden aller Kriege, sie waren die Chefs. Geschichte existierte nur um den Mythos Mann herum, der glorreich von einer Schlacht zur nächsten eilte. Und natürlich war auch Gott ein Mann, ein Vater. Wie hätte auch eine Mama, die sich ununterbrochen um den Papa drehte, selbst wenn er nicht alltagsexistent war, etwas selbst machen sollen, sozusagen aus sich selbst heraus? In fast allen Märchen wird uns schließlich erzählt, dass die Prinzessin auf den Prinzen wartet, den Märchenprinzen, der sie erlöst. Wovon? Von der bösen Stiefmutter. Weil in einem Märchen sind fast alle richtigen Mütter abhanden gekommen. Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz, diese Farben finden wir nicht nur im Märchen, sondern auch beim Storch. Rätsel gelöst!

Es war einmal eine Zeit, wo die wirklichen Mütter existierten, die Mütter, die die Macherinnen waren, die Wilden Mütter, die sich ihrer Seinsmacht bewusst waren, denn Macht ist ein fast vergessenes Wort für Scheide. Muschelmacht. Ewig währte die Zeit der Wilden Mütter, die aus sich selbst heraus etwas machten und natürlich treffen wir sie auch heute noch, die Wilden Mütter, fast begraben unter dem Kriegsschutt der patriarchalen Gehirnwäsche. Aber sie leben noch, die Wilden Drachenmütter. Und ihr Wissen ist uralt. Es steigt aus den Höhlen der Erdbauchmutter empor. Es flüstert in den Wassern der Quellen. Es knistert in den Flammen des Feuers. Und es fliegt wie der Sturm mit dem großen Wagen der Bärenmutter am Sternenhimmel entlang. Es zeigt sich morgens, wenn Frau Sonne rot aus der Erdbauchhöhle hinaufsteigt, den Tag mit ihrem Weißen Licht erhellt und abends im Westen rotglühend in die Schwärze der Erdbauchhöhle zurücksinkt. Und es zeigt sich auch des Nachts, wenn Frau Mond uns jeden Monat die zyklische Geschichte der göttlichen Mutter, die Geschichte von Gott der MUTTER an den Himmel malt. Erinnern wir uns wieder an das Bauchhöhlenwissen unserer Ahninnen?

Es war einmal eine Zeit, da standen die Mütter im Zentrum der Gemeinschaft und das Göttliche war mütterlich. Damit die Menschen nach dem Tod durch das magische Wirken der Großen Tod-in-Lebenwandlerin, nabelgenährt und durch die Muschelvulva einer Menschenmutter wiedergeboren werden konnten, legte man sie in Richtung Osten in Höhlen, bestäubt mit rotem Ocker und geschmückt mit Muscheln als Tor zur Welt. Dieses Naturwissen war ihre Religion, ihre Anbindung an das Leben, denn religare heißt, anbinden, losbinden und zurückbinden. Dahinter stand das Alltagswissen: der Mensch kommt angebunden an der Nabelschnur der Mutter zur Welt. Um leben zu können, muss der Mensch von der Nabelschnur losgebunden werden. Um in der mütterlichen Ahninnenreihe wiedergeboren werden zu können, musste eine Rückbindung stattfinden. Das Tor dazu war die Muschel, die Vulvamuschel der Frau.

Auch heute noch wird der größte Teil Europas durchzogen vom Muschelweg. Zu Recht ist der Muschelweg der erste europäische Kulturweg. Und der Muschelweg erzählt die Geschichte der Frauen, die Geschichte der Mütter aus der ewigen Zeit. Der Jacob, der scheinbar darüber liegt, ist in Wahrheit nur ein Fake! Wie übrigens sämtliche Theologien der heutigen Zeit, die alle den Mann ins Zentrum des Lebens stellen und sich Weltreligionen nennen, obwohl doch kein Mann über die für Religion notwendige lebensspendende Nabelschnur und die Vulvamuschel der Mutter verfügt.

Heute durchblicken wir wieder die Gehirnwäsche des Patriarchats. Wir haben uns unsere Kulturgeschichte zurückgeholt. Wir können wieder Theologie und Religion unterscheiden. Wir wissen, dass die Frau von Natur aus die Aktive ist, werden doch die Mitochondrien, die Kraftwerke jeder Zelle nur matrilinear, über die Mutterlinie vererbt. Wir wissen, dass der Vater nicht im Zentrum des Lebens steht. Wir wissen, dass es den Märchenprinzen nicht gibt und wir ihn auch nicht brauchen, wenn wir wieder lernen von einer matrifokalen Sippe aus zu denken. Wir wissen, dass die Wilden Frauen im matrifokalen Kollektiv immer ökonomisch unabhängig waren. Aber wir wissen auch, dass diese Ökonomie nie im Widerspruch zu ihrer Mütterlichkeit stand, anders als heute, wo Mütter sich in ein von isolierten Männerräumen konzipiertes, ökonomisches System einzwängen lassen sollen, das in der gegenwärtigen Form mit jeder Mütterlichkeit kollidiert. Wir wissen heute, dass es nicht einer Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie bedarf, um stabil-bindende und verlässliche Lebensverhältnisse für die nächste Generation zu garantieren, sondern dass es eines stabilen Großmutter-Mutter-Schwestern-Brüder-Clans bedarf, in den vätertaugliche Väter integriert werden können, mit der Betonung auf vätertauglich. Das ist die Basis. Ergänzt werden kann diese matrifokale Lebensbasis durch außerfamiliäre Betreuung. Ergänzt, aber eben nicht ersetzt. Wir wissen wieder. Und das ist schlecht für das Patriarchat, aber es ist gut für das Leben.

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Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas

Der Muschelweg - CoverDer Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER

Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas

Von den matrifokalen Wurzeln der baskischen Mythologie bis zu den Nabelstein-Petroglyphen in Galicien, von der Vulvastadt Paris bis zur Mutterstadt Madrid, von der Pudendalandschaft der Camargue bis zu den heiligen Vulkanen in Le Puy-en-Velay, bei den Schwarzen Madonnen, hinter dem Maria Magdalenenkult und schließlich auch im Heiligen Land Israel, überall lässt sich die Religion von Gott MUTTER wieder freilegen. Folgen wir dem Muschelweg, so entdecken wir die matrifokalen Wurzeln Europas und des Nahen Ostens und wir entdecken auch eine Lösung für den immer währenden Krieg des patriarchalen Monotheismus.

Inhalt

 Vorwort

Von Dolmen die Mámoas heißen und Petroglyphen als Nabel der Welt
Magisches Nordspanien 14
Von Dolmen und Hexen 23
Die Kelten in Galicien 27
Petroglyphen als Nabelsteine 30

Equidenkrieger als Träger der patriarchalen
Gewaltkultur
Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs 43
Die Vermännlichung des Sonnenkults 50

Die baskische Göttin Mari und die matrifokalen Wurzeln der baskischen Mythologie
Das Baskenland als kulturelle Insel 57
Die baskische Mythologie ist weiblich 61

Madrid und die Bärenmutter
Madrid kommt von Madre 74
Ursa Mayor – das Sternenbild der Großen Bärin 80
Der Bärenkult – eine Zeitreise 84

Stella Maris – der Mutterstern und die Tempelritter
Das Oktagon der Tempelritter 97
Der Felsendom und die Höhle Maghara im Heiligen Land Israel 102
Die Bedeutung des achtzackigen Muttersterns 113

Die Camargue – Heilige Deltalandschaft von Gott der MUTTER
Die Pudenda in der Landschaft 125
Saintes-Maries-de-la-Mer und die Sara-la-Kali 132

La Bonne Mort – die Gute Frau Tod
Die Schwarze Madonna vom Bauchmutterberg Puy de Dôme 141
Heilige Totenvögel von Gott der MUTTER 152

Le Puy-en-Velay -Heilige Vulkane von Gott der MUTTER

Schiffsbäuche und Kirchenschiffe als Imitation der Erdbauch-Höhlen von
Gott der MUTTER
Der Kult der Maria Magdalena 168
Die Schwarze Madonna von Rocamadour 175

Paris – Stadt der Heiligen Vulva
Das Pariser Becken und die paläolithischen Kulthöhlen der Île-de-France 181
Paris und das alte Lutetia 183

Bauchdenkenfazit

Anhang
Anmerkungen 194
Literaturverzeichnis 195
Ortsregister 201
Zur Autorin 203