Die baskische Mythologie ist weiblich

Baskische Sonnendistel EguzkiloreDie meisten Götter der baskischen Mythologie sind weiblich“, schreibt José Miguel de Barandiarán über die baskische Mythologie, und die Hauptgottheit ist Mari, „eine Gottheit weiblichen Geschlechts, die viele Funktionen in sich vereint, die in anderen Ländern auf verschiedene Gottheiten verteilt sind“. (Wörterbuch der Mythologie, 1973, S. 543). Die Wohnstätte von Mari ist die Höhle, was auf paläolithische Wurzeln verweist. In Mythen und Legenden ist überliefert, dass das Land „Amalur-Etxea“ die Achse der baskischen Mythologie ist. Im Erdinneren gibt es riesige Gebiete, wo Bäche aus Milch fließen und zu welchen man durch die Höhlen Zugang erlangt. Unter http://www.euskadi.net können wir lesen:

„Mari werden verschiedene Behausungen zugeschrieben, die immer in Höhlen von hohen Bergen liegen, darunter Amboto, Aketegi (in Aizkorri), Txindoki (in Aralar). Von dort aus steigt Mari an die Erdoberfläche … Ihr haben wir den Segen, den uns die Mutter Erde, „ama-lur“ biete, wie auch die Quellen mit heilsamen Wassern zu verdanken“ (www.euskadi.net).

Heute wird Mari gerne ein Ehegatte zugeordnet, der die rote Drachenschlange Maju sein soll, was bedeutet, dass die Drachenschlange Maju als männlich interpretiert wird. Wie bereits beschrieben, wissen wir aus der Patriarchatskritikforschung aber, dass die Schlange in ihrer älteren Interpretation das Symbol für die matrilineare Nabelabstammung ist, was der Grund ist, warum sie im Patriarchat so dämonisiert wird. Isaure Gratacos, die viele Überlieferungen aus den Pyrenäen zusammengetragen hat, betont dann auch sehr klar, dass es gar nicht eindeutig ist, dass die Schlange männlich ist, sondern dass sie auch heute durchaus noch als weiblich interpretiert wird. So schreibt sie in ihrem Buch „Calendrier Pyrénéen“ über Riten, die am ersten Dienstag (französich: mardi) im März (französisch mars) abgehalten werden, dass im Zentrum nicht die phallische Schlange steht, sondern, dass es sich um „era serp, „la“ serpent“ handelt, also um eine weibliche Schlange. (Gratacos, Isaure; 2007, S. 109). Wir können also davon ausgehen, dass die Interpretation der roten weiblichen Drachenschlange als männlich eine spätere patriarchale Überlagerung ist.

Beschäftigen wir uns näher mit der baskischen Mythologie wird sichtbar, dass hier tatsächlich bis heute eine sehr alte, in der Matrifokalität der Steinzeit wurzelnde Variante der Religion von Gott der MUTTER erhalten geblieben ist, denn neben der Mari erscheinen sowohl die Erde, als auch Frau Mond und Frau Sonne als weibliche Gottheiten:

die Erde als Göttin Lur,
Frau Mond als Göttin Ilargi,
und Frau Sonne als Göttin Ekhi

Die Erde gilt hierbei als Mutter von Sonne und Mond. José Miguel de Barandiarán schreibt über die Sonne in der baskischen Mythologie, dass die Sonne, wenn sie untergeht an manchen Orten mit „agur“ verabschiedet wird, was „auf Wiedersehen“ bedeutet, oder man sagt:

„Eguzki amandrea badoia bere amangana („Die Großmutter Sonne geht zu ihrer Mutter“, d.h., sie kehrt in den Schoß der Erde zurück). Die Sonne gilt also als Tochter der Erde. Mancherorts nennt man sie auch „gebenedeit“ und „heilig“: Eguzki santu bedeinkatue zoaz zeure amagana (Heilige, gebenedeite Sonne, geh zu deiner Mutter“) ruft man ihr bei Sonnenuntergang zu“. (Wörterbuch der Mythologie, 1973, S. 530).

Ein bis heute im Baskenland bekanntes Symbol für die weibliche Sonne ist die Sonnendistel Eguzkilore, die heute noch viele baskische Häuser ziert. und in diesem Beitrag oben im Bild zu sehen ist.

Kurzer Ausschnitt aus dem Buch: Kirsten Armbruster: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas (2014, S. 61-63)

 

 

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4 Gedanken zu „Die baskische Mythologie ist weiblich

  1. Danke Kerstin für Deine Untersuchungen. Als Soziologin kann ich aus meinem Gesichtspunkt bekräftigen: Am Anfang des menschlichen Lebens steht die Mutter. Aus ihrem Leib kommt das Kind. Die „Christen“haben vor ca. 2000 Jahren gesagt: Das Leben kommt vom Gott dem Vater. Sie knüpften dabei an den Zeus-Fetischismus: Athene wäre demnach aus dem Kopf des Zeus geboren worden…

    • Einer der Hauptgründe für den prognostizierten Untergang dieser patriarchalen Zivilisation ist das aus dem natürlichen und ursprünglichen Verantwortungsbereich der Frauen annektierte Geburtsverhalten, das zu einem exponentiellen Bevölkerungswachstum geführt hat, das heute den natürlich vorhandenen Ressourcenvorrat der Erde sprengt. Dem liegt die Idee des Vaters als Hauptmaßstab für Männlichkeit zugrunde mit seinem Dogma „Seid fruchtbar und mehret euch“ als sichtbares Zeichen für männliche Potenz. Diese Idee vom potenzgesteuerten Vater, der sich im Zuge der Rinderdomestikation durch Hirtennomaden zunehmend sozial und theologisch zum Oberhaupt einer Paarungsfamilie aufgeschwungen hat, erweist sich heute in der Kombination mit einer ständigen Gier nach Akkumulation von Privateigentum als tödliche Bedrohung für den Lebensraum der Erde.

  2. “ Einer der Hauptgründe für den prognostizierten Untergang dieser patriarchalen Zivilisation ist das aus dem natürlichen und ursprünglichen Verantwortungsbereich der Frauen annektierte Geburtsverhalten, das zu einem exponentiellen Bevölkerungswachstum geführt hat, das heute den natürlich vorhandenen Ressourcenvorrat der Erde sprengt. Dem liegt die Idee des Vaters als Hauptmaßstab für Männlichkeit zugrunde mit seinem Dogma „Seid fruchtbar und mehret euch“ als sichtbares Zeichen für männliche Potenz. Diese Idee vom potenzgesteuerten Vater, der sich im Zuge der Rinderdomestikation durch Hirtennomaden zunehmend sozial und theologisch zum Oberhaupt einer Paarungsfamilie aufgeschwungen hat, erweist sich heute in der Kombination mit einer ständigen Gier nach Akkumulation von Privateigentum als tödliche Bedrohung für den Lebensraum der Erde.“

  3. Danke Kirsten!
    Hier meine Zutaten:
    Paläolinguist Richard Fester, „Protokoll der Sprache“*:
    „Die Archetypen (…) KALL ist jede Vertiefung, jeder Hohlraum, jede Wölbung, jeder enge Durchlaß, ist Schale, Kehle, Höhle, Wohnstatt, Kulthöhle, Quell und das Tal wie der Paß, der die Höhe überwindet. Vor allem aber der mütterliche Leib (…)**
    (…) Was Wunder, dass sich von daher KALL ganz besonders der Frau insgesamt, aber speziell auch der mütterlichen Frau annahm.(…) Selbstverständlich ist es ohne Belang, ob KALL-Beispiele je nach Sprache mit C oder G statt K wiedergegeben sind. Ferner sei nochmals betont, daß der mittlere Laut A durch jeden anderen ersetzt werden kann, ohne daß sich an der Zugehörigkeit zu KALL etwas ändert – lateinisch CALLIS ist wie keltisch KILL ein Weg, hebräisch KALLAH wie quechua QUILLA eine Frau. (…)***
    (…) Wie schon erwähnt, bedeutet das lateinische COL`ere >aushöhlenpflegenKulturKultHöhleKult< einander unmittelbar benachbart.(…)****“
    Hiltrud Steinbart***** lieferte mir die dritte letzt_end_lich(t) alleinige, ALL_einige Bedeutung: „(…) Sie (Anm. v. mir: Inanna) war auch die göttliche Urmutter der Stadt Ur am persischen Golf: der Name „Ur“ bedeutet „Mutterleib“. (…)“
    Der Ur_Kult der Kult_Ur ist also der Mutterleib_Mutterleib!
    CALLIS – KILL ein, der Weg.
    Hiltrud Steinbart*****, S. 36 und 37:“Abb. 22: (…) – mit dem Wort Ur wird eben der Anfang von allem und vielem, was da ist bezeichnet. Die Urgöttin Innana ist mit dem Schlangensymbol verquickt, das hier an der Front des Inanna-Tempels in Uruk neben dem Abbild der großen Göttin zu sehen ist (um 4000 v. Chr.). In Uruk stand auch der Chuluppu-Baum, in dessen Wurzeln und Zweigen die Schlange als Bewahrerin der Jugend und des ewigen Lebens hauste. In Uruk stand der Thron der Liebe und Fruchtbarkeit, Inanna beherrschte dort Himmel und Erde mit ihrem Szepter. (…)
    Abb. 23: Muttergöttin aus Ashnunnak (Zweistromland). (…) Diese sumerische Muttergöttin (aus akkadischer Zeit) mit Hörnern, dem Symbol der Fruchtbarkeit und mit Herrscherstab, um den sich zwei Schlangen (Symbol der Erde und Magie), entspricht der Inanna-Ischtar. Sie war jungfräulich und doch gebar sie ein Kind. In der Tempelstadt Mari erlebte sie als Fruchtbarkeitsgöttin einen Zulauf wie in einem WALLfahrtsort (Änderung WALL v. mir siehe R. Fester****). Auf Dokumenten von Mari ist die churritische Sprache zu lesen, die derjenigen des Urvaters Abraham ähnelt, der ja um 1700 v. Chr. aus Ur (Sumer) nach Kanaan wanderte. Mari = Mirjam = Marianne sind synonyme Gottheitsbezeichnungen, denen der Name Maria zugesellt werden kann: nur hat man der christlichen Maria durch massiven patriarchalischen Intervent das Attribut einer Urmuttergöttin abgenommen, – obwohl sie, – wie die Ischtar, – immer noch als Himmelskönigin bezeichnet wird, den Mond und die Sterne als Symbol trägt und auch die Schlange hat: männlicher Geist hat diese Schlange der Sünde gleichgesetzt, die Maria zertritt und nach patriarchalischem Wollen zertreten muß.“
    Inanna – Anna. Mari – Maria. Marianne – Anna und Maria…
    Ur_vater – Mutterleib_vater. Besetzer des Mutterleibs?
    Klar, dass ich kein „herrschen“, keinen „Herrscherstab“ mag. Das „Hausen“ der Schlange Inannas mühsam positiv von Haus ableite.
    Hiltrud Steinbart*****, S. 33:“Abb. 19: Nackt wurde auch Ischtar, die große Muttergöttin aus der vaterlosen Urzeit, dargestellt. (…) Im Gilgamesch-Epos (um 3200 v. Chr.) liest man viel darüber. Trotzdem das patriarchalische Denken schon längst begonnen hatte und die Position der Göttin als Jungfrau mit Kind ohne Vater bereits in Schwierigkeiten geraten war, pries sich um 2350 v. Chr. Sargon, der große König von Akkadien, als Sohn der Inanna-Ischtar und sagte:“Meine Mutter lebte im Gebirge, mein Vater ist unbekannt.“
    „Die Archetypen“ – die Arche Typen: Gilgamesch-Epos vor biblischen Noah.
    Alles abgekupfert… und "vergoldet".

    Leben ist Schwingung vielfältiger Melodien. Aber: GAL_A_K_tischer* Melodien!

    *GAL_A_K_tischer:
    GAL (baskisch) Wärme / (hethititisch) Becher;
    GALA (griechisch) Muttermilch / (catalan) schön;
    GALAK (loma) Liebes`G`LÜCK / (englisch) LUCK / (griechisch) homo`GALAK`tes gleich Geschwister.

    *“Weib und Macht (…)“, R. Fester, Marie E. P. König, Doris F. Jonas, A. David Jonas, S. Fischer Verlag, S. 79
    ** a.a.O. S. 80, *** S. 84, **** S. 103
    ***** „Im Anfang war die Frau“, Hiltrud Steinbart, R. G. Fischer Verlag

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