Der androzentrische Irrtum Patriarchatskritische Worte zum Frauentag 2017

Historiker haben das Wirken von Frauen zugeschüttet.

Aus der fehlenden Erinnerungskraft der Frauen, haben sie das männliche Monopol abgeleitet, Definitionen festzulegen. Die Folge davon ist der androzentrische Irrtum, auf dem unsere gesamte patriarchale Zivilisation aufgebaut ist. Auf diese für den Feminismus fundamentalen Zusammenhänge haben zwei führende amerikanische, inzwischen verstorbene Feministinnen, Gerda Lerner und Mary Daly bereits deutlich hingewiesen. Und Mary Daly hat auch benannt, wie wir diesen androzentrischen Irrtum – wie Gerda Lerner ihn treffend bezeichnet hat – wieder los werden.

In ihrem Buch Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des Radikalen Feminimus schreibt Mary Daly:

Er-innern ist das Heilmittel!

Ich möchte ergänzen: nicht er muss sich erinnern, nein: sie muss sich erinnern.

Mit der Methode der interdisziplinären  Patriarchatskritikforschung haben wir die verschüttete Geschichte der Frauen inzwischen schlüssig freigelegt und aufgeschrieben. Wieviele von euch Frauen haben sich mit unseren Forschungsergebnissen eingehend beschäftigt, haben sie gelesen?

Wenn ich den heutigen Feminismus anschaue, so scheint mir: kaum eine!

Tatsächlich bewegen sich die meisten Frauen – und leider gerade auch die Feministinnen – im Irrtum einer Simone de Beauvoir, die der patriarchalen Erinnerungsauslöschung leider auf den Leim ging und glaubte, was die Patriarchen uns mit Gewalt eingetrichtert haben:

Frauen haben keine Vergangenheit, sie haben keine Geschichte, sie haben keine Religion!

Das ist die patriarchale Lüge! Das ist die Grundlage des androzentrischen Irrtums!

Tatsächlich ist es so, dass bis auf die letzten 6000 Jahre, die Frauen im Zentrum der Menschheitsgeschichte standen!

Tatsächlich ist es so, dass Kultur ein Synonym für weiblich ist!

Tatsächlich ist es so, dass die älteste Religion der Welt eine Religion der Mutter ist und alles was danach kam nur Männermachttheologien sind, die auf der Basis des mythologischen Muttermords fußen !

Tatsächlich ist es so, dass nicht die Frau das andere Geschlecht ist, sondern der Mann, der Mann, den die Natur in ihrer biologischen – nicht biologistischen – Weisheit völlig körperlich integriert hat in das Weibliche, weil es nur im Weiblichen integriert – nicht-zerstörerisch ist.

Das ist das Geheimnis der Mutter! Und das ist das einzige Ziel des Patriarchats: Dass wir – die Frauen – die wir alle Töchter einer Mutter sind – das vergessen!

Solange die Frauen das nicht wieder verstehen, solange die Frauen sich nicht wieder verwurzeln in ihrer eigenen Geschichte, die uns alle verbindende Radix, die Wurzel der Menschheit wieder-erinnern, ist der Feminismus nur Aktionismus, ohne den Kern des Patriarchats zu berühren.

Leider!

Literatur zur Wieder – Erinnerung der weiblichen Wurzeln der Menschheit:

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas – Teil 1, 2013

Teil 2 dazu:

Armbruster, Kirsten: Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur, 2014

Armbruster, Kirsten: Gott die Mutter – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Band 1 und Band 2, 2009 und 2014

Daly, Mary: Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des radikalen Feminismus 1991

Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats, 1995

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin eine Hexe

Hundertwasser

Das Buch „Ich bin eine Hexe“ von Judith Jannberg aus den 80er Jahren war für mich ein Schlüsselbuch. Die Autorin beschreibt dort ein Bild, das mich mein ganzes Leben begleitet hat. Sie schreibt:

„Ein Bild taucht auf. Das Bild von der Eiche auf der Jägerwiese hinter dem Maurerwald in Wien. Dieser Baum steht einsam auf dem Weg, den wir, meine Töchter und die Frauen, die mich sonntags besuchen kommen, entlanggehen, wenn wir einen Ausflug machen. Ich hatte es fast schon vergessen, aber mit diesem Baum hat es eine Bewandtnis“

Die Autorin erklärt weiter, dass ihr auf all ihren Spaziergängen die riesige Eiche nie aufgefallen war, dass  aber irgendwann, als sie versuchte eine Freundin zu trösten, ihr Blick an der prächtigen, hochgewachsenen, weitausladenden Eiche am Wegrand hängen blieb“ . Sie schreibt weiter:

„Erkenntnisblitz! Schlagartig begriff ich. Und ich sprach mehr zu mir selbst als zu Elfe:

Schau dir die an, die steht ganz allein im Leben. Sie ist der Baum mit dem härtesten Holz, deren Wurzeln so weit in die Erde reichen, wie sich die Krone in den Himmel erhebt. Könnte sie sich so weit entfalten, so hoch und mächtig und stark werden, wenn sie dichtgedrängt mit anderen Bäumen dort im Wald stehen würde? Kein Sturm kann sie umwerfen. Sie hält sich an ihren Wurzeln fest. Ihre Äste und Zweige dürfen und können sich so entfalten, wie sie es vermögen. Jetzt weiß ich auch, woher der Ausdruck „Mächtige Eiche“ kommt. Sie ist allein. Ja, das schon. Sie war ein Same, der einmal wusste, was er werden sollte, hatte er doch das ganze Programm Eiche in sich…  Links des Weges, im Wald, stehen die Bäume dicht gedrängt. Einer stützt sich am anderen, einer lehnt sich an den anderen an. Da fällt keiner um. Der Preis für das befriedigte Anlehnungsbedürfnis und die Sicherheit vor Sturmgefahr und anderen Unbill ist, dass sie sich gegenseitig in der Entfaltung behindern…. Ich stand für einige Minuten da und empfing den großen Baum mit meinen Armen. Es schien mir passend, dass unter der großen Eiche noch zwei kleine Bäumchen Schutz suchten. Meine Kinder“ . (Zitate aus : Jannberg, Judith: Ich bin eine Hexe, 1987, S. 118-120).

Ich bin auch eine Eiche. Schon vor 30 Jahren habe ich mich dazu entschieden. Damals war ich Feministin, heute bin ich es nicht mehr. Heute bin ich viel radikaler. Heute bin ich radikal denkende, von der Wurzel denkende Patriarchatskritikerin, denn ich habe mich tief verwurzelt. Mein ganzes Denken und Fühlen ist tief verwurzelt in den Höhlen des Paläolithikums, in der Zeit der Urmutterfigurinen, der Zeit der Vulvaritzzeichnungen, der Zeit der Matrifokalität. Den Feminismus musste ich hinter mir lassen – nicht weil ich die Pionierarbeit der Feministinnen nicht schätze, – nein, sondern weil ich so tief zu den Mutterwurzeln der Menschheit zurückgegangen bin, dass ich heute so klar sehe, dass der Feminismus im Patriarchat stecken bleibt und zwar –  zurzeit jedenfalls –  jede Form des Feminismus: der Gender-Gleichheitsfeminismus, der Differenzfeminismus, der heute in den Universitäten verankerte Queerfeminismus, der Matriarchatsfeminismus und auch der RadikalFeminismus. Dem Feminismus fehlen die Wurzeln. Deshalb verkämpft er sich in Symptomkritik. Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter bleibt unberührt. Warum?

Weil die Frage nach der Mutter nicht gestellt wird, nicht gestellt werden darf!

Ich bin eine Hexe, eine Frau, die verstanden hat, dass sie verbunden ist mit der hegenden und für uns Sorge tragenden göttlichen Mutter, der Natur.

Ich brauche keinen Heros, keinen heroischen Mann, keinen Märchenprinzen  an meiner Seite und ich brauche auch keine Heilige Hochzeit, denn das sind die Lügen des Patriarchats.

Ich bin eine tief verwurzelte Eiche, vier kleine Eichen, meine Kinder, wurzeln in meinem Schutz und es ist dort auch Platz für einen vätertauglichen Mann, der ebenfalls in diesem Schutzraum leben darf. Es ist der Anfang eines Mutterclans, so wie er einst im Paläolithikum entstand, in der Alten Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine, auch wenn damals Vaterschaft keinerlei Rolle spielte. Natürlich wäre es schön, wenn in meiner Ursprungsfamilie – meine Mutter, meine Schwestern – den wiederentdeckten freigelegten Muttersippenweg gemeinsam mit mir gehen würden, aber dem ist nicht so. Also bin ich eine Eichenhexe, eine Muttereiche. Ich stehe äußerlich allein da, doch verwurzelt bin ich in der Natur und deshalb bin ich verbunden mit der All-Einen und gar nicht allein.

Habt den Mut, da wo ihr steht und geht und lebt, euch zu verbinden mit der All-Einen. Dann seid auch ihr nicht mehr allein!

Biologie statt Biologismus

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Die Biologie ist die Lehre von der Natur. Verwechselt wird Biologie oft mit Biologismus. Antje Schrupp hat sich mit dem Unterschied auseinandergesetzt. In ihrem Blog schreibt sie dazu:

„Schon lange habe ich vor, einen Artikel über den Unterschied zwischen Biologie und Biologismus zu schreiben. Mir fällt nämlich auf, dass der Vorwurf des „Biologismus“ heute immer öfter auch gegen Frauen und ihre Ideen eingesetzt wird, was wiederum dazu führt, dass das Reden über Biologie, über Körperlichkeit und damit über die Grenzen, die unserem souveränen Weltgestalten möglicherweise gesetzt sind, tabuisiert wird. Eigentlich handelt es sich dabei ja um eine traditionelle Kritik von Frauen an der Idee, ihre weibliche Biologie oder „Natur“ würde sie auf bestimmte Rollen oder Verhaltensweisen festnageln. Der „Biologismus“ hatte sich im 19. Jahrhundert ausgebreitet, weil die Männer in einer gewissen Erklärungsnot waren: Sie hatten (mit der Französischen Revolution) die Idee in die Welt gesetzt, dass alle Menschen gleich seien, aber für Frauen sollte das nicht gelten: Frauen hatten kein Wahlrecht, durften nicht auf Universitäten und so weiter. Von Anfang an haben Frauenrechtlerinnen auf diese Inkonsequenz hingewiesen. Und weil es keine logische oder auch nur plausible Begründung gab, behaupteten maßgebliche Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Aufklärung kurzerhand, Frauen seien von ihrer „Natur“ her eben für solche Dinge nicht geeignet. Das löste im Lauf des Jahrhunderts einen Riesenberg an Forschungen aus, die auch in der Tat ganz überwiegend zu dem Ergebnis kamen, dass Frauen nicht etwa aufgrund von bestimmten, von Männern getroffenen politischen Entscheidungen nicht wählen, nicht öffentlich auftreten, bestimmte Jobs nicht bekommen und so weiter konnten, sondern aufgrund der wissenschaftlichen Tatsache, dass ihre „Biologie“ das eben nun mal nicht zulasse“. (http://antjeschrupp.com
/2011/01/06/biologie-und-biologismus/)

Der Vorbehalt gerade auch von Feministinnen gegenüber der Biologie, liegt also nicht in der Biologie selbst begründet, sondern in einer patriarchalen Ideologisierung der Biologie, dem Missbrauch der Biologie, um patriarchale Herrschaftsverhältnisse zu implementieren und zu zementieren.

Das Ideal der französischen Revolution: „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“, bleibt innerhalb der patriarchalen Doktrin. Es richtet sich nur an Männer. Der Feminismus wendet sich gegen den Ausschluss der Frauen von diesem Gleichheitsideal. Gleichzeitig ist dieses Gleichheitsideal aber auch die Falle des Feminismus, denn er erkennt nicht, dass das Gleichheitsideal den Mann als Vorbild und Maßstab hat, was für das Überleben der Menschenart und das Leben insgesamt fatal ist. Die Biologie hingegen setzt nicht auf Gleichheit, sondern auf Diversität, Integration und Kooperation, um Leben bestmöglich und vor allem auch langfristig abzusichern.

Die biologische Realität:
Aus der Biologie wissen wir heute, dass menschliches Leben zu Beginn immer weiblich angelegt ist und, dass eine männliche Differenzierung erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet. Wir wissen heute auch, dass der Samen des Mannes kein Samen ist, sondern Pollen. Wir wissen heute auch, dass die Spermien nicht etwa aktiv schwimmen, sondern dass sie vom Gebärmutterschleim transportiert werden, d.h. also, dass der aktive Part nicht beim Mann liegt sondern, wenn schon, bei der Frau. Wir wissen auch, dass es eine Lüge ist, dass zu Beginn der Befruchtung unter den Spermien ein Konkurrenzkampf stattfindet und das stärkste Spermium den Konkurrenzkampf gewinnt. Die Theorie des Konkurrenzkampfs zwischen den Spermien gehört zur Kriegsideologie des Patriarchats, denn tatsächlich handelt es sich bei der Befruchtung um den Vorgang der Kooperation, denn nur in der Kooperation zwischen Gebärmutterschleim und der gegenseitigen Hilfe der Spermien untereinander kann eine Befruchtung stattfinden. Wir wissen heute auch einiges über die Mitochondrien. Mitochondrien sind Zellorganellen mit eigener Erbsubstanz. Sie sind die Energiekraftwerke der Zellen! Mitochondrien werden über das Plasma der Eizelle – nur von der Mutter vererbt, d.h. die Energiekraftwerke der Zellen, wo das ATP (Adenosintriphosphat), sozusagen das Benzin der Stoffwechselvorgänge herkommt, diese Energiekraftwerke werden nur matrilinear vererbt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine weitere Beobachtung der WissenschaftlerInnen. Man weiß heute, dass durch das Spermium einige männliche Mitochondrien in das Plasma der befruchteten Eizelle (Zygote) importiert werden. Diese männlichen Mitochondrien werden jedoch, wie es aussieht, recht schnell eliminiert, denn sie gelten als potentiell gefährlicher Zellmüll.

Die Natur schreibt also sehr deutlich ein anderes Skript als uns patriarchale Männer die letzten zweitausend Jahre weis machen wollten. Tatsächlich offenbaren diese mit ihren Behauptungen wider die Natur, dass sie jede Weisheit verloren haben. Kein Wunder! Verweigert doch der patriarchale Mann vom Baum der Weisheit zu essen, jenem Weisheitsbaum, der von paradiesischen Zuständen auf Erden berichtet, als die Männer sich noch innerhalb der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mütter bewegten.

Diese Ordnung macht ganz klar, dass die Natur zur menschlichen Arterhaltung den Weg der Kooperation zwischen Männlich und Weiblich gewählt hat, dass diese Kooperation aber innerhalb der Natürlichen Ordnung der Mutter erfolgt, also einer mütterlichen Integration bedarf.

Einer Gleichordnung zwischen Vater und Mutter, wie sie auch der Gender-Feminismus vertritt, misst sie hingegen keine Bedeutung bei, da sie schon aus Gründen der genetischen Diversität keine monogame Paarbeziehung sondern eine wechselnde Sexualität von Frauen vorzieht und dem Vater deshalb auch kein natürlich
sichtbares Kriterium zur sicheren Bestimmung von Vaterschaft gegeben hat. Wer trotzdem auf einer biologisch nicht verankerten „Gleichordnung“ beharrt, befindet sich in einem typisch patriarchalen Denkansatz, nämlich dem, dass die Natur etwas nicht optimiert hat, und der Mensch der Natur künstlich nachhelfen muss. Da wir in unserem ganzen Denken tief patriarchalisch konditioniert sind, fällt das den Meisten, auch den meisten Frauen, nicht einmal auf.

Text aus: Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur – Weckruf für Zukunft, 2014, S. 46-49