Über kirstenarmbruster

Naturwissenschaftlerin und Patriarchatskritikerin

Von visionären und durchsetzungsstarken Frauen und falsch verstandener Egalität

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Möwenschwarm: Bild: Kirsten Armbruster, Oslo, Norwegen

Das Patriarchat als sadomasochistisches, gewaltimmanentes Gesellschaftssystem hat Frauen zu Opfern gemacht. Das kollektive Frauenbewusstsein im Patriarchat ist also eine masochistische Opferhaltung: alle Frauen sind frauensolidarisch Opfer, alle Männer sind hiercharchisch agierende Täter. In ihrer Opferhaltung sind Frauen frauensolidarisch egalitär.

Die Natur hat Frauen aber nicht zu Opfern gemacht, sondern in der Natur stehen Frauen und insbesondere Mütter für Stärke.

Mütter sind zum Fürchten.

Von Bärenmüttern, Löwenmüttern, Wildschweinmüttern wissen wir das auch heute noch.

Menschenmütter hingegen sind frauensolidarisch sanft, lieb, nachgiebig, leise, keusch und harmoniesüchtig gezüchtet.

Schert eine Frau aus diesem egalitären, patriarchatsfrauensoldarischen, masochistischen Opferbild aus, weil sie sich an ihre von der Natur gegebene Stärke als Frau und Mutter wieder erinnert, so gilt sie unter Frauen als patriarchal.

Margarete Mitscherlich hat dies in ihrem Buch „Die friedfertige Frau“ bereits 1987 hervorragend analysiert. Sie schreibt:

„Wenn aber Macht und Durchsetzungsvermögen von Frauen nicht nur von Männern bekämpft werden, sondern auch darüber hinaus der Verteufelung durch Geschlechtsgenossinnen ausgesetzt sind, lassen sich bestehende Geschlechter- und Machtverhältnisse nur schwerlich ändern. Tatsache ist, dass eine Frau, die Einfluss zu gewinnen versucht, um verhärtete Gesellschaftsstrukturen aufzubrechen, damit rechnen muss, auch in der Frauenbewegung abgelehnt zu werden. Sie identifiziere sich mit männlichen Verhaltensweisen und erweise damit der Frauenbewegung keinen Dienst, so hört man oft. Wenn sich dem noch eine falsche, oft von Neid diktierte Gleichheitsideologie hinzugesellt, mit der eine Frau als unsolidarisch etikettiert wird, wenn sie auf diesem oder jenem Gebiet überdurchschnittliche Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen entwickelt, dann werden Frauen auch von ihresgleichen dazu gezwungen, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten zu unterdrücken und ihre Aggressionen womöglich nur untereinander auszuleben. Unter solchen Bedingungen darf etwas Neues nicht gedacht werden, können Verhaltensweisen sich nicht verändern, geht jegliche Kreativität verloren. auch dagegen muss man sich als Frau zur Wehr setzen“. (Mitscherlich, Margarete: Die friedfertige Frau“; 1987, S. 10/11).

Als naturverbundene, visonäre und durchsetzungsstarke führende Naturwissenschaftlerin und Patriarchatskritikerin werde ich mich dem Diktat eines vom Patriarchat aufoktroyierten frauensolidarisch-egalitären masochistischen Opferhaltungs-Frauenbild, das auch in der feministischen Frauenbewegung hochgehalten wird, auch weiterhin  nicht unterordnen.

Ich werde allen Angriffen zum Trotz meiner Berufung folgen, die Patriarchatskritikerin zu sein, die durch ihre interdisziplinäre wissenschaftliche Patriarchatskritikforschungsarbeit die Aha-Erlebnisse auslöst, welche die Folge sind, wenn eine konsequent nicht vom Weg  ihres roten Lebensfadens abweicht.

Möge diese innere Stärke anderen Frauen ein Vorbild sein!

 

 

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Matrifokale Frauen

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Foto: Franz Armbruster

Das Matrifokale-Frauen-Manifest

 

 

 Matrifokale Frauen sind an der Natur orientierte Frauen

Matrifokale Frauen durchblicken daher die Strukturen des Patriarchats

Matrifokale Frauen sind hochpolitisch, denn sie wissen natürlich , dass es ein wesentlicher Teil des Patriarchats ist, Frauen ins Private abzuschieben und sie damit von der Politeia, dem öffentlichen Raum auszusperren

Matrifokale Frauen kennen ihre uralte Religion von Gott MUTTER und wissen sie zu unterscheiden von den Theologien des Patriarchats, denn Anbindung, Losbindung und Rückbindung, der Ursprung von Religionn, kann immer nur durch den Körper der Mutter erfolgen

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

 Sie schweigen nicht mehr über dessen ungeheuerliche Missstände

Sie sehen nicht mehr über dessen apokalyptische Lebensraumzerstörung hinweg

Sie überspielen nicht mehr das Ausmaß an Gewalt gegen die Natur und den Körper der Frau

Sie lassen sich nicht mehr aus dem öffentlichen Raum herauskatapultieren

Sie dulden nicht mehr eine ausschließende, generische Männeransprechsprache

Sie lassen sich nicht mehr trennen von der Commons-Ebene der matrilinearen Linie

Sie dulden nicht mehr das Trenne-und-Herrsche-Dogma des Patriarchats

Sie folgen nicht mehr der There-is-no-alternative-Kriegsrhetorik des Patriarchats

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie verbleiben nicht mehr im Opferstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-Sünde-Schuld-Sühne-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Liebe-Harmonie-Friede-Freude-Eierkuchen-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Passivstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-sind-nichts-wert-dein-Körper-ist-falsch-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Der-Mann-kann-nicht-anders-Täter-Entschuldigungsstatus

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie kennen die ganze Geschichte – Herstory und History – der Menschheit

Sie trennen zwischen Biologie als Naturwissenschaft und Biologismus als deren Missbrauch

Sie wissen um die freie sexuelle Wahl der Frau, die biologisch verankerte female choice

Sie gehen der heteronormativen Paarfixierung des Patriarchats nicht mehr auf den Leim

Sie durchblicken die Mann-wird-Gott-Machttheologie des Patriarchats

Sie kennen die Rahmenbedingungen erdgebundener Matrifokaler Ökonomie

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie beenden das Dauererektionsdenken eines Homo-politicus-theologicus-ökonomicus

Sie entlarven Konkurrenzdenken als nicht evolutionär, sondern patriarchal nützlich

Sie betten Rationalität und Individualität in Emotionalität und Kooperation ein

Sie ergänzen Freiheit und Autonomie durch Empathie und kollektives Bindungsbewusstsein

Sie stellen die Egomanie und die Herrschaft des patriarchalen Mannes an den Pranger

Sie setzen auf konstruktive Seinsmacht statt auf destruktive Herrschaftsmacht

Sie zeigen Alternativen zum Patriarchat auf

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie setzen Mütter ins Zentrum der Gesellschaft

Sie denken vom Bauch, der Quelle menschlichen Lebens

Sie holen sich ihre Matrifokale Kulturgeschichte zurück

Sie holen sich ihre Matrifokale Religion zurück

Sie holen sich die Matrilineare Körperbindung als lebensgründende-engste Anbindung zurück

Sie beenden dadurch die ausgesetzte Reputation von Müttern im Patriarchat

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie definieren Wissenschaft neu

Sie definieren Familie und Zusammenleben neu

Sie definieren Arbeit neu

Sie definieren Ökonomie neu

Sie definieren Wohnen neu

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie fordern Wiedergutmachung:

ideell

monetär

ökologisch

Sie kennen nämlich die Folgen des Patriarchats:

Die Natur überlebt

Der Mensch nicht

Das machen sie,

weil sie nicht kurzfristig denken,

sondern eingebettet

in eine lange Folge von

Generation zu Generation

Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

1280px-Biological_cell.svgSchemazeichnung einer tierischen Zelle. Das Zytoplasma (11) enthält folgende Strukturen: Zellkern (2) Nukleolus (1) Vesikel (4) Ribosomen (3) Raues Endoplasmatisches Reticulum (ER, 5) Mikrotubuli (7) Golgi-Apparat (6) Zentriolen (13) Glattes ER (8) Mitochondrien (9) Lysosom (10) Peroxisomen (12)Foto: GNU Free Documentation License

Genotyp, Phänotyp und Mütterliche Effekte, die darüber bestimmen, ob ein Mensch ein Mensch wird

Die natürliche Fortpflanzung des Menschen erfolgt bisexuell, d.h. ein Mensch entwickelt sich genetisch hauptsächlich aus der Vereinigung eines mütterlichen und eines väterlichen Chromosomensatzes bei der sogenannten Karyogamie, der Verschmelzung der Zellkerne zur Zygote. In den Zellen von Eukaryoten, zu denen neben Menschen auch Pflanzen, Tiere und Pilze gehören, ist der Großteil der DNA (Desoxyribonucleic Acid) im Zellkern als Chromosomen organisiert. Die DNA, als materielle Basis der Gene, ist also die Trägerin der Erbinformation. Ein kleiner Teil der DNA befindet sich allerdings außerhalb des Zellkerns im sogenannten Zytoplasma und zwar in den dort befindlichen Zellorganellen, die von einer doppelten Membran umgeben sind. Bei Pflanzen sind das die Plastiden, bei Tieren und Menschen die Mitochondrien.

Die DNA in den Mitochondrien, die sogenannte mitochondriale DNA (kurz mtDNA), von ihrer Gestalt her kreisförmig, ist zwar mit 16 000 Basenpaaren wesentlich kleiner als das Erbgut im Zellkern, das 3 Milliarden Basenpaare umfasst, aber die mtDNA leistet trotzdem einen wesentlichen genetischen Beitrag. Tatsächlich kann die Anthropologie – die Abstammungslehre des Menschen – die Abstammung von Mulier-Homo sapiens – dem sogenannten modernen Menschen – anhand der mtDNA aufgrund ihrer geringen Mutationsrate, 6000 Generationen zurück auf eine einzige Urmutter zurückführen. (Sykes, Bryan, 2001). Der Genotyp eines Menschen, die Gesamtheit der genetischen Information ist also einmal von den mütterlichen und väterlichen Genen im Zellkern bestimmt. Zusätzliche genetische Informationen erfolgen aber über die ausschließlich mütterlich vererbte DNA aus den Mitochondrien.

Neben dem Genotyp gibt es allerdings den Phänotyp. Der Phänotyp ist das Erscheinungsbild und bezeichnet in der Genetik die Menge aller Merkmale eines Organismus. Dabei bezieht sich der Phänotyp nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische Eigenschaften und auf Verhaltensmerkmale. Morphologisch bedeutet dabei die äußere Gestalt betreffend und physiologisch betrifft die inneren Stoffwechselvorgänge. Die amerikanische Soziobiologin Mary Jane West-Eberhard schreibt dazu, dass „die bloßen Gene zu den unfähigsten und nutzlosesten Materialien gehören, die man sich vorstellen kann“, weil „der Phänotyp des frühen Embryos allein von der Mutter determiniert wird“. (West-Eberhard, Mary Jane zit. in Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur, 2010, S. 97/98).

Die Befruchtung und die Verschmelzung der Gene im Zellkern ermöglichen nämlich noch keine Fortpflanzung.

„Tatsächlich entscheiden sogenannte Mütterliche Effekte darüber, ob ein Mensch ein Mensch wird“, schreibt die amerikanische Anthropologin Blaffer Hrdy in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ und ergänzt die Forschungen der Soziobiologin West-Eberhard, denn schon vor der Befruchtung ist die Eizelle eines Tieres oder einer Pflanze ein hoch organisierter und aktiver Phänotyp. Blaffer Hrdy konkretisiert:

„Man betrachte nur, was am Anfang eines Froschlebens passiert. Stunden nach der Befruchtung besteht die sich schnell teilende Blastula (das Anfangsstadium in der Entwicklung eines Tieres) bereits aus 4000 Zellen. Aber noch ist kein einziges Gen des Embryos aktiviert. Alle seine Instruktionen stammen von Hormonen und Proteinen, die in seinem Zytoplasma zirkulieren. Die anfängliche Entwicklung dieses neuen Individuums ist alles andere als genetisch determiniert, sondern in hohem Maße von der Verfassung seiner Mutter, ihrem Ernährungszustand oder ihrer Lebensgeschichte beeinflusst“. (ebenda, S. 97).

Kein Wunder, ist doch die Mutter die einzige Umwelt des Embryos.

Schauen wir aber nun auf physiologischer Ebene noch einmal genauer auf die Mütterlichen Effekte.

Die Eizelle, ihr Zytoplasma und die damit einhergehenden Mütterlichen Effekte

Die Eizelle oder Oocyte ist die weibliche Keimzelle zweigeschlechtlicher Lebewesen. Die Eizellen sind wesentlich größer als die männlichen Gameten. Beim Menschen ist die Eizelle hundertmal größer als die männliche Gamete, das Spermium, da das Spermium nur die Kern-DNA enthält. Eizellen sind hingegen nicht nur Zellen mit einem haploiden Chromosomensatz im Zellkern, sondern sie enthalten auch das Zytoplasma als zelluläre Umgebung in der sich zusätzlich noch die Zellorganellen befinden. Blaffer Hrdy schreibt.

„Die Eizelle enthält dagegen verschiedene Ingredenzien – den Zellkern und das Zytoplasma. Sobald sich das Spermium innerhalb des Eis befindet, werden von der Mutter übermittelte Anweisungen umgesetzt. Nährstoffe, die schon vor der Befruchtung gehortet wurden, versorgen den Embryo mit dem, was er für seine Entwicklung benötigt. Die Eizelle der Mutter stammt von Zellen ab, die schon vor der Befruchtung damit begonnen haben, sich zu teilen. Lange bevor es zu irgendeinem Kontakt zwischen Spermium und Eizelle kommt, sind durch die vier Teilungen aus der mütterlichen Urkeimzelle 16 Zellen geworden. Eine dieser Zellen lebt als eigentliche Eizelle weiter. Aus den anderen werden „Nährzellen“ – sie stellen Nährstoffe und andere Substanzen her, die durch das Zytoplasma transportiert werden (Alberts et al., 1994). Mit anderen Worten: Ehe die im Spermium enthaltenen Gene des Vaters auch nur aktiviert werden, steht die frühe Embryonalentwicklung bereits unter mütterlicher Kontrolle. Sobald die Eizelle eine Samenzelle akzeptiert, werden mütterliche Effekte in Gang gebracht. Das Protoplasma der Mutter leitet die Entwicklung des Embryos ein und gibt damit gleichzeitig den Startschuss für eine Vielzahl möglicher mütterlicher Effekte“. (Blaffer Hrdy, Sarah, ebenda, S. 96).

Den Mitochondrien als den Kraftwerken der Zellen kommt dabei eine weitere Schlüsselrolle zu, denn die Mitochondrien sind nicht nur durch ihre ausschließlich an die Mütter gekoppelte Genetik interessant, sondern auch physiologisch, denn die Hauptaufgabe der Mitochondrien ist die Produktion von Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) innerhalb der sogenannten Atmungskette. Die Atmungskette ist ein Teil des Energiestoffwechsels der meisten Lebewesen. In der Atmungskette finden sogenannte biochemische Redoxreaktionen statt, die zur Energiegewinnung dienen. Diese Redoxreaktionen erfolgen durch Enzyme, welche in der inneren Mitochondrienmembran liegen und eine Kette bilden, über die Elektronen transportiert werden. Neben der Energieproduktion stellen die Mitochondrien Raum für den Ablauf von chemischen Auf-und Abbauprozessen zur Verfügung. So befinden sich in den Mitochondrien Enzyme, die für den Zitronensäurezyklus und den Fettstoffwechsel wichtig sind. Darüber hinaus dienen die Mitochondrien als Kalziumspeicher.

In den Mitochondrien aber auch im rauhen Endoplasmatischen Reticulum (ER) befinden sich zudem sogenannte Ribosomen. Ribosomen sind elementar wichtig für die Proteinbiosynthese, also den Eiweißstoffwechsel, da sie Bestandteil zweier „Übersetzungsfunktionen“ in der Zelle sind, der sogenannten Transkription und der Translation. Unter Transkription versteht man die Umschreibung der Nucleinbasen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin der doppelsträngigen DNA, welche den Zellkern nicht verlassen kann, in die einsträngige RNA, wo die Base Thymin durch die Base Uracil und der Zucker Desoxyribose durch Ribose ersetzt werden. Dieser Prozess der Transkription fungiert als Übersetzungsprozess des genetischen Codes der im Zellkern befindlichen DNA, welche durch die Basensequenz definiert wird. Unter Translation versteht man den anschließenden zweiten Übersetzungsprozess, in der die veränderte Basensequenz der RNA nun in die Aminosäurensequenz des Proteins übersetzt wird. Die Basensequenz der DNA stellt somit einen Code dar, der unter Vermittlung der ribosomalen RNA die Struktur spezifischer Proteine bestimmt. Bei diesem Vorgang der Informationsübertragung handelt es sich um den zentralen Prozess der Molekularbiologie und der kann nur erfolgen mithilfe der sich im Zytoplasma befindlichen Zellorganellen von denen auch der Golgi-Apparat eine zentrale Funktion innehat. Eine der Hauptfunktionen des Golgiapparats ist es, die entstandenen Proteine vom Endoplasmatischen Reticulum (ER)zu empfangen und umzuwandeln. Dazu werden die Proteine in kleinen Abschnürungen vom ER – den sogenannten Vesikeln – zum Golgi-Apparat transportiert und dort umgewandelt. Diese Transportweise mit Vesikeln soll verhindern, dass beim Transport durch das Zytoplasma Reaktionen ablaufen, die der Zelle schaden könnten. Nach der Umwandlung der Proteine im Golgi-Apparat, werden diese nun wiederum in Vesikeln – die jetzt vom Golgi-Apparat stammen – weiter zu ihrem Bestimmungsort geschickt.

 Da nur die Eizelle über das Zytoplasma und die darin befindlichen Zellorganellen verfügt, wird nun auch verständlich, warum Soziobiologinnen wie Mary Jane West-Eberhard die Entstehung des Individuums als Mütterlichen Effekt definieren.

Embryonenschutzgesetz und die Einnistung des Embryos in den mütterlichen Organismus

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie sich gerade im Zuge von Klontechniken und Reproduktionsmedizin die grundrechtliche und bioethische Sichtweise auf den Embryo verändert. War bisher die herrschende Meinung, dass mit der Verschmelzung der Kerne von Eizelle und Spermium zur Zygote menschliches Leben entsteht, das sich von da an als Mensch weiterentwickelt und dem deshalb auch der Schutz der Menschenwürde nach Art. 1 des Grundgesetzes zukommt, verändert sich diese Sichtweise zunehmend.

Wikipedia schreibt unter dem Begriff des Klonens:

„Allerdings ist auch in Deutschland die Ansicht im Vordringen begriffen, die den Lebensschutz des Grundgesetzes mit der Nidation, der Einnistung des Embryos in den mütterlichen Körper, einsetzen lässt. Das legen Erkenntnisse der medizinischen Anthropologie nahe, nach denen eine Wechselwirkung zwischen Embryo und Mutterkörper erforderlich ist, damit sich der Embryo überhaupt zu einem Menschen entwickeln kann. Ohne diesen Impuls, die Nidation, entsteht niemals ein Mensch, der Embryo entwickelt sich gleichsam ins Nichts. Dieser Ansicht entspricht die geltende Rechtslage in Großbritannien“. (Wikipedia: Begriff: Klonen: 31. 1. 2018).

Shuttle-Service und Kooperation – weitere für das Patriarchat unbequeme Wahrheiten über die Fortpflanzung

 

spermium und Eizelle

Spermium und Eizelle, Foto: Wikimedia Commons: gemeinfrei

Beschäftigen wir uns noch weiter mit interessanten wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich der Befruchtung:

2011 wurde im Westdeutschen Rundfunk  der Film „Der Spermien-Mythos – Kein Kampf, kein Wettschwimmen“ ausgestrahlt, der unter Mitwirkung des Kinderwunschzentrums in Darmstadt entstand, allerdings heute im Netz nicht mehr verfügbar ist. In dem Film werden eine Reihe der Mythen um die Spermien und die Befruchtung völlig anders dargestellt, als wir gemeinhin in der Schule gelernt haben. Johanna Bayer hat damals eine Zusammenfassung des Films zusammengestellt, die an dieser Stelle wiedergegeben werden soll. (Quelle: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeiträege/2011/0726, Ausstrahlung des Films: Dienstag, 26.Juli 2011, 21-21.45 Uhr und Samstag, 30. Juli 2011, 12-12.45 Uhr (Wdh).

Johanna Bayer schreibt:

„Die Geschichte ist einfach zu schön, um wahr zu sein: Spermien, die sich abmühen, mit aller Kraft strampeln, um voranzukommen und eine riesige Strecke durchschwimmen, um zum Ei zu gelangen, wo nur der Beste und Schnellste eindringen kann. Doch das sind nur Mythen – die Wahrheit ist die Geschichte von Teamarbeit und Kooperation.

Mythos 1: Sie schwimmen

„Spermien schwimmen nicht durch die Gebärmutter. Ihre Geißel, mit der sie in einer schraubenden Bewegung schlagen, dient nicht zur Überwindung großer Distanzen, sondern zum Eindringen ins Ei. Bis zu diesem Zeitpunkt bewahren sie ihre Energie auch lieber auf – richtig aktiv werden sie erst im Eileiter, wenn das Ziel unmittelbar bevorsteht. Die riesige Strecke von der Scheide, wo sie landen, bis zum Ei, könnten sie auch gar nicht so einfach überwinden. Spermien gehören zu den kleinsten Körperzellen, sie sind nur 0,06 Millimeter groß. Im Körper der Frau liegt eine Strecke von 12 bis 15 Zentimetern vor ihnen, bis sie das reife Ei erreichen. Müssten sie schwimmen, wäre das eine schwere Herausforderung: Rechnet man die Distanzverhältnisse auf einen erwachsenen Mann von 1,80 Metern um, müsste dieser rund 5,5 Kilometer Dauerschwimmen – mehr als beim härtesten Triathlon! Doch schon zehn Minuten nach der Ankunft in der Scheide können die ersten Spermien am Eileiter eintreffen; aus eigener Kraft könnten sie das gar nicht schaffen.

Mythos 2: Bequem wie im Shuttle-Service

Stattdessen sorgt die Gebärmutter für den Transport: Wie Forscher vom Uniklinikum Darmstadt schon vor Jahren eindrucksvoll zeigen konnten, schieben gezielte Muskelkontraktionen der Gebärmutter die Spermien im Gebärmutterschleim nach oben Richtung Ei. Denn der Eileiter, in dem gerade ein reifes Ei sitzt, aktiviert die entsprechende Seite der Gebärmutter, so dass sich die Muskeln zusammenziehen und die Spermien wie mit einem Shuttle-Service transportieren. Auch den Aufstieg von der Scheide in die Gebärmutter erledigen die Spermien nicht selbst: Der Gebärmutterhals saugt die Spermien an und so gelangen sie nach oben in den schützenden, nährenden Schleim des Gebärmutterhalses. Hier können sie fünf bis sieben Tage überleben, und von hier aus treten sie ihre Reise an.

Mythos 3: Kampf und Konkurrenz

Zwischen 40 und 600 Millionen Spermien kommen in der Scheide an – doch nur wenige Tausend erreichen den Eileiter. Doch nicht die Spermien bekämpfen sich gegenseitig, um den Besten auszulesen. Das Gros bleibt buchstäblich auf der Strecke, weil es die Reise durch die Gebärmutter nicht übersteht. Denn in der Gebärmutter sind sehr viele Immunzellen aktiv, die Feinde und Eindringliche abwehren sollen. Die Immunzellen stürzen sich auf alle Fremdkörper – und auch Spermien sind Fremdkörper. Die meisten Spermien aus dem Ejakulat werden also vernichtet, das ist vermutlich ein Grund dafür, dass eine solche Menge zur Verfügung gestellt wird. Es gibt aber auch interessante Beobachtungen, wie sich die Spermien verhalten: Viele von ihnen, ein Drittel in jedem Ejakulat, können sich gar nicht bewegen. Sie scheinen nutzlos zu sein, aber ihre Aufgabe könnte darin liegen, eben jene Immunzellen zu beschäftigen! Je mehr Spermien-Masse, desto mehr haben die Abwehrkörper zu tun – und desto mehr kommen durch. So stellt sich in Wahrheit die Aufgabe der Spermien nicht als Wettkampf gegeneinander dar, sondern als Kooperation! Im Schutz der Masse gelangen genügend lebensfähige, bewegliche Spermien von der Gebärmutter bis zum Ei.

 Mythos 4: Nur der Beste gewinnt

Nur ein einziges Spermium dringt ins Ei ein und befruchtet es – doch das heißt nicht, dass nur ein einziges das Ei erreicht, und dass dieses das schnellste und kräftigste Spermium der Menge ist. Stattdessen landen Hunderte von Samenzellen im Eileiter, wo die Umgebung für sie günstiger ist als in der Gebärmutter: Hier durchlaufen sie einige Veränderungen, die sie aktiver machen, so dass ihre Geißel viel schneller schlägt. Das Ei selbst kommt ihnen entgegen, gefächelt von kleinen Härchen des Eileiters. So schaffen es die Spermien, im Eileiter eine winzige Strecke von einem bis zwei Zentimetern selbst zu überwinden, unterstützt noch durch Kontraktionen der Eileiterwand, die sie voran-schieben. Das Ei sendet außerdem Lockstoffe aus, die chemisch auf die Köpfe der Spermien wirken, so dass sie sich zum Ei ausrichten. Zwei- bis dreihundert Spermien können sich so auf das empfängnisbereite Ei stürzen.

Realität: Alle für einen

Das Ei ist von einer Wolke von Zellen umgeben – diese Außenschicht gilt es nun zu knacken. Eine Samenzelle alleine könnte diese Hülle nicht durchdringen, sagen Experten: Die Hauptaufgabe der vielen im Team arbeitenden Spermien ist es, die Außenschicht des Eies aufzulösen. Genau dazu dienen auch die Schläge mit der Geißel – nicht zur Fortbewegung. Wenn die Hülle schließlich nachgibt und einreißt, so ist es purer Zufall, welches Spermium hineingelangt. Es ist weder das Schnellste noch das Beste, auch nicht das, das sich gegen andere durchgesetzt hat – sondern das Spermium, das zufällig gerade an der richtigen Stelle sitzt. Vielleicht ist es auch eines, das gerade erst angekommen ist und noch frische Kräfte hat, um zu bohren. Auch hier siegt also das Team: Das Wunder der Befruchtung ist ein Wunder an Kooperation“.

Von männlichem Samen, der Mütter zu passiven Gefäßen des Mannes degradiert

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Samenkorn einer Bohne als Beispiel für einen zweikeimblättrigen Samen (Dicotyledon). Der Same besteht bei den sogenannten Spermatophyten aus der Samenschale, dem Nährgewebe (Endosperm) und einem ruhenden Embryo. Das Wort Samen für die männlichen Gameten – die Spermien- beim Menschen zu verwenden ist hochgradig irreführend, weil es suggeriert, dass im Spermium bereits der fertige Embryo angelegt ist.

Umgangssprachlich werden die männlichen Gameten beim Menschen – die Spermien – immer noch als Samen und ein männlicher Orgasmus als Samenerguss bezeichnet. Diese Begrifflichkeiten führen in die Irre, denn der Begriff Same kommt aus der Botanik. Dort ist der Same die charakteristische Verbreitungseinheit der sogenannten Spermatophyten. Spermatophyten sind eine Gruppe im Reich der Pflanzen, welche Samen als Ausbreitungsorgane bilden. Sie bilden Samen, die den Embryo geschützt in mütterlichem Gewebe (Samenschale) enthalten Der Same besteht aus der Samenschale, dem Nährgewebe, dem sogenannten Endosperm und einem bereits fertigen Embryo im Ruhestadium.

Dass es sich beim Spermium des Menschen nicht um eine Zelle mit einem fertigen Embryo handelt, ist heute hinlänglich bekannt, aber dennoch prägt dieses Denken des „aktiven Mannes“, der das Kind mit seinem Samen zeugt, was impliziert, dass der Mann der Erzeuger des Kindes ist, bis heute die Gesellschaft. Der Frau, der Mutter wird die Rolle eines passiven Gefäßes zugeteilt.

Blaffer Hrdy beschreibt in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ die langjährige Interpretation patriarchaler Naturwissenschaftler über menschliche Fortpflanzung, die bis 1925 annahmen, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Sie schreibt:

„Im späten 17. Jahrhundert meinten Wissenschaftler beim Blick durch das Mikroskop im Inneren einer menschlichen Samenzelle einen Miniaturmenschen, einen kleinen „Homunkulus“ zu erkennen, der dort zusammengekauert darauf wartete, im weiblichen Schoß abgelegt zu werden. Selbst noch nach 1827, als der Embryologe Karl Ernst von Baer die Eizelle von Säugetieren erstmals genauer beschrieben und seine Kollegen davon überzeugt hatte, dass in den weiblichen Uterus keine fertigen Menschen eingepflanzt würden, nahm man weitere hundert Jahre an, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Mütter steuerten zwar Eizellen bei, galten aber immer noch als passive Gefäße, die darauf warten, dass die Männchen ihre Lebenskraft an sie weitergeben“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur; 2010,S. 96).

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Zeichnung des Homunkulus aus Nicolas Hartsoekers „Essay de Dioptrique“, 1694. Die damaligen Naturwissenschaftler glaubten unter dem Mikroskop im Spermium einen fertigen Menschen zu erkennen. Dieser fertige Menschensame wurde – so die Annahme – vom Mann im männlich aktiv dominierten Sexualakt – im Körper der Frau abgelegt, der nur noch die Rolle des passiven Gefäßes des Erzeugers zukam.

 

 

 

 

 

Tatsächlich entstand diese Idee der „passiven Gefäßmutter“ nicht erst im 17. Jahrhundert, sondern schon viel früher. Wikipedia schreibt – leider ohne weitere Literaturangabe-, dass die falsche Vorstellung, dass der männliche Same bereits der Mensch in nuce sei, der im Mutterleib quasi wie in einer Nährlösung nur noch heranzureifen brauche, aus dem alten Ägypten stammt. Unter dem ungenauen Begriff „altes Ägypten“, wird in der Regel das pharaonische Ägypten gemeint, das sich tatsächlich durch ein krasses Patriarchat auszeichnet, geht doch die weibliche Genitalverstümmelung als sogenannte „pharaonische Beschneidung“ ebenfalls auf die Herrschaftszeit der Pharaonen zurück. Aber auch dem von den Geisteswissenschaftlern bis heute hoch geschätztem Aristoteles (384-322 v.u.Z.) wird die Aussage zugeschrieben, dass

„der Vater als ganzer Mensch den Samen beiträgt, wogegen die Mutter nichts weiter ist als die Erde, in welcher der Samen wächst“. (www.womenpriests.org/de/traditio/inferior.asp)

Natürlich nahmen die Kirchenväter, welche, das monotheistische Vatergott-Patriarchat durchsetzen wollten, diese Sichtweise des „hochgeschätzten Philosophen“ als Steilvorlage und schrieben auch im Neuen Testament der Bibel diese Interpretation des weiblichen Körpers als Gefäß des Mannes fest, nachdem ja schon im Alten Testament, in den fünf Büchern Mose – welche die Grundlage aller drei monotheistischen Theologien ist, der Same Abrahams mit der Nachkommenschaft und damit mit unilinear patrilinearer Abstammung gleichgesetzt wird. In der unsäglichen Geschichte, in der der mörderische monotheistische Vatergott den Gehorsam Abrahams einfordert, indem er ihn auffordert seinen einzigen geliebten Sohn Isaak als Brandopfer zu opfern, – was erst in letzter Minute in ein Widderopfer umgewandelt wird – lesen wir.

„Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast“. (1. Mose 22, 15-19).

Und im Neuen Testament wird dann die zweite Seite der patriarchalen Medaille – der Same des Mannes als Nachkommenschaft und der Körper der Frau als passives Gefäß wiederaufgenommen und zwar im 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher.

„Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn dies ist Gottes Wille eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen“. (1. Thessalonicher 4, 2-6).

In der Anmerkung zu dem Ausdruck „Gefäß“ finden wir in der Elberfelder Bibel explizit die Erklärung, dass sich das Wort „Gefäß“ auf den Leib, respektive auf den Leib der Frau bezieht.

Lügenwut

Auch wenn die Naturwissenschaften heute nicht mehr davon ausgehen, dass der Same des Mannes bereits den fertigen „Homunculus“ enthält, so sehen wir doch, dass diese tief misogyne Sichtweise in der Gesellschaft tief verankert ist und diese prägt. Große Stützen des Patriarchats sind dabei alle fünf Welttheologien, auch weil die theologische Misogynie durch den staatlich garantierten Schutz der „Religionsfreiheit“ immer weiter fortgeführt werden kann. Mit dem nicht angewandten Antidiskriminierungsgesetz schützt Vater Staat aus „Traditionsgründen“ zudem die Misogynie der Theologien und es gibt keine gesetzliche Handhabe, gegen das täglich mantrahaft wiederholte Bild der „Mutter als Magd des Herrn“, wie es im Katholizismus propagiert wird, oder gegen das „Bild der abgeschafften Mutter“, im Protestantismus, dem der Mythologische Muttermord zugrunde liegt, vorzugehen, genauso wenig wie gegen die Misogynie im Judentum, Islam, im Buddhismus oder Hinduismus. (Armbruster, Kirsten: 2010).

 Angeblich „göttliche Autorität“ schützt die Patriarchen vor der Abschaffung des Patriarchats.

Würde man sich allerdings mit den Ergebnissen der Patriarchatskritikforschung beschäftigen, würde sofort klar, dass die Erfindung der Götter und ihrer Theologien einzig und allein den Zweck hatten, die älteste Religion von Gott MUTTER zu vernichten, sie durch eine falsche Geschichtsschreibung vergessen zu machen und den Mann als Vater mit göttlicher Autorität auszustatten, ein Bild an dem dank erfundener göttlicher Autorität bis in alle Ewigkeit nicht mehr gerüttelt werden soll. Welch krankes Bild von Vaterschaft dabei geschaffen wurde, wird überdeutlich an der oben zitierten Stelle aus dem Alten Testament, wo Gott-Vater von Abraham Gehorsam bis zum Mord seines geliebten Sohnes fordert und zudem in der Kombination von Besitz und Feindbildern den Krieg, die gewaltbasierte Durchsetzung des Patriarchats, gleich noch mit theologisch legitimiert.

Tatsächlich dienen aber nicht nur die Geschichtslüge und die Mann-Gott-Theologielügen der patriarchalen Lügenkriegsfront, sondern auch die Evolutionsbiologie (siehe Essay: Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder“ LINK) und die Biologie selbst werden dazu missbraucht, um ein dem Patriarchat dienendes Gesellschaftsbild mit einem dienenden Mutterbild weiter zu verfestigen. Wer kann angesichts der hier in diesem Essay aufgezeigten Wichtigkeit der Mütter für die Lebensentstehung, welche die angebliche bipolar-geschlechtliche Gleichordnung von Vater und Mutter komplett aushebelt, noch eine Väterrechtssprechung legitimieren, welche, die Fortpflanzungs-Lebensinvestition eines Vaters mit der einer Mutter gleichsetzt? Das ist ein den neusten Erkenntnissen der Evolutionsbiologie und der Biologie wiedersprechender Justizskandal. Auch hier haben wir – wie bei der stattlich garantierten „Religionsfreiheit gegenüber misogynen Theologien“ ein patriarchatssystemimmanentes Zusammenwirken mit Vater Staat, der sich immer schützend vor das Patriarchat stellt.

Väter sind biologisch wichtig, vätertaugliche, soziale Väter sind wunderbar, aber sie können nur ein Teil sein eines größeren Kollektivs, eines Kollektivs von vielen Menschen, die sich aufgrund des evolutionsbiologisch verankerten kooperativen Aufzuchtverhaltens des Menschen um die MUTTER, die mehr als 90 % der Lebensinvestition bei der Fortpflanzung leistet, gruppieren müssen, um die nächste Generation geschützt aufwachsen zu lassen. Die Paarungsfamilie und die auf ihr gegründete theologisch und staatlich sanktionierte Ehe sowie die damit festgezurrte angebliche Geschlechterpolarität, die auch tiefes Leid für alles diverse Leben jenseits der Geschlechterpolarität impliziert, wie Intersexualität und Transsexualität, diese Paarungsfamilie und die damit einhergehende „Heilige Hochzeit“ ist das Kernstück des Patriarchats. Diese Paarungsfamilie entspricht nicht der Natur des Menschen, sondern bildete sich – wie Gerhard Bott in seinen Veröffentlichungen nachgewiesen hat (Bott, Gerhard 2010 und 2014), erstmals im Laufe des Neolithikums und ihr einziger Zweck war – genauso wie bei den Theologien – die Herrschaft des Vaters, das Patriarchat durchzusetzen.

Es ist höchste Zeit das Herrschaftssystem des Patriarchats zu durchschauen und damit einhergehende festgeschriebene Gesellschaftsbilder zu verändern!

Literatur:

Alberts, Bruce, Dennis Bray, Julian Lewis, Martin Raff, Keith Roberts und James D. Watson: Molecular Biology of the Cell, 1994

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, Band 1 und 2: 2009 und 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur, 2010

                „Mehr über das in den letzten Jahren explosionsartig gestiegene Interesse an mütterlichen Effekten

findet sich bei Pennisi 1996; Fox, Thakar und Mousseau 1997; für einen ausführlichen Überblick siehe Rossiter 1996 sowie Mousseau und Fox, 1998“. (Literaturangaben aus Blaffer Hrdy, Mutter Natur, 2010, S. 631)

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung, 2003

West-Eberhard, Mary Jane: Phenotypic plasticity and the origins of diversity, Annual Review of Ecology and Systematics, 1989, 20, S. 249-278

Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

DSC_6139Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien

 Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der Menschheitsgeschichte und in der Gottesgeschichte unsichtbar gemacht durch die haltlose Behauptung: der Mann stand schon immer im Zentrum von Geschichte und Religion.

Die neuesten Erkenntnisse der interdisziplinären Patriarchatskritikforschung strafen diese Ideologien Lügen und entlarven deren Dogmen als Bastionen patriarchaler Definitions- und Ordnungsmacht, um männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren.

Die interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung korrigiert die falschen Lehren des Patriarchats und lenkt den Blick auf die ursprüngliche Bedeutung der Mütter, nicht als passives, auf Kinder reduziertes Gefäß des Mannes, sondern als Trägerinnen menschlicher Kultur und Religion.

Die Entwicklung des emotional modernen Menschen

Menschliche Kultur in ihren Ursprüngen zeigt sich nach den neusten Erkenntnissen der Soziobiologie, entgegen der üblichen evolutionspsychologischen Beschreibungen, in denen Aggression und Killerinstinkte in der Evolutionsanthropologie einen großen Raum einnehmen, als das Gegenteil, nämlich als friedlich, empathisch, altruistisch, schenkbereit und hypersozial. Das patriarchale Paradigma, den Mann als Dreh- und Angelpunkt der Evolution ins Zentrum zu setzen, verstellte nur den Blickwinkel auf den tatsächlichen Ursprung der menschlichen Evolution, in der die Mütter im Zentrum standen. Die amerikanische Anthropologin und Primatenforscherin Sarah Blaffer Hrdy, die den „emotional modernen Menschen“ in die wissenschaftliche Diskussion einbringt, schreibt:

„Evolutionär gesehen, sind anatomisch und verhaltensmäßig moderne Menschen bemerkenswert jung. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass emotional moderne Menschen viel älter sind. Mit „emotional modern“ meine ich jene zweibeinigen Menschenaffen, die mit der Bereitschaft zu teilen und mit empathischen, intersubjektiven Fähigkeiten geboren wurden, welche sich tiefgreifend von jenen unterschieden, wie wir sie bei heutigen Schimpansen beobachten“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mütter und Andere, 2009, S. 98).

Auf die ungewöhnlichen intersubjektiven Fähigkeiten des Menschen hatte erstmals Michael Tomasello, der amerikanische Leiter der Leipziger Forschungsgruppe für Entwicklungspsychologie mit seinen MitarbeiterInnen hingewiesen und im Jahr 2005 hatten sie eine neue Trennlinie zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Menschenaffen vorgeschlagen. Sie schrieben:

„Wir sind der Auffassung …, dass der entscheidende Unterschied zwischen der Kognition des Menschen und der anderer Arten die Fähigkeit ist, an gemeinschaftlichen Aktivitäten mit gemeinsamen Zielen und Intentionen mitzuwirken. Im Augenblick kennzeichnet dieses Merkmal zusammen mit unserem außergewöhnlich großen Gehirnvolumen und unserem Sprachvermögen die neue Trennlinie, die uns von anderen Menschenaffen unterscheidet. Entsprechend sind Menschen und nur Menschen darauf ausgelegt, an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, die gemeinsame Ziele und sozial koordinierte Handlungspläne umfassen“. (zit. Aus Blaffer Hrdy: Mütter und Andere, 2009, S. 22/23).

In ihrem die Menschheitsgeschichte revolutionierenden Buch „Mütter und Andere“, in dem Blaffer Hrdy den wissenschaftlichen Beweis führt, wie die Evolution den Menschen zu sozialen Wesen machte, weist sie schon in ihrem einführenden Text auf eine dringend notwendige andere Sichtweise in der anthropologischen und soziobiologischen Wissenschaft hin. Sie schreibt:

„Die Tatsache, dass Kinder so sehr auf Nahrung angewiesen sind, die andere beschaffen, ist ein Grund weshalb diejenigen, die nach allgemeinen menschlichen Merkmalen suchen, gut beraten wären, mit der Bereitschaft zum Teilen zu beginnen“. (ebenda, S. 34).

Die Wissenschaftlerin führt weiter aus:

„Das Teilen von Nahrung mit unreifen Individuen, die zu jung sind, um sich selbst zu versorgen oder die Nahrung richtig zu verwerten, ist ein entscheidendes, aber oft übersehenes Kapitel der menschlichen Entwicklungsgeschichte… Bei keiner anderen Art aber sind unreife Individuen, was ihre Ernährung betrifft, jahrelang so sehr auf andere angewiesen wie beim Menschen“. (ebenda, S. 116).

Das ist der Grund warum hominine Kleinkinder unter anderen Bedingungen aufwuchsen als die Nachkommen aller anderen Primaten. Sie schreibt:

„Vermutlich bereits vor 1,8 Millionen Jahren wurden hominine Junge neben der Mutter von einer ganzen Reihe weiterer Individuen umsorgt und ernährt, und diese Aufzuchtbedingungen schufen die Voraussetzung für das Auftreten eines emotional modernen Menschenaffen“. (ebenda, S. 99).

Aus dieser Tatsache entwickelt sich beim Menschen ein besonders ausgeprägtes kooperatives Aufzuchtverhalten, das die Fürsorge und die Ernährung der Jungen auf mehrere Schultern verteilt. (ebenda, S. 118). Dieses kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen unterscheidet sich signifikant von dem der Menschenaffen, wie den Gorillas, den Orang-Utans oder auch den mit den Menschen genetisch am stärksten verwandten Menschenaffen wie den Schimpansen (pan troglodytes) oder den Bonobos (pan paniscus), wo ausschließlich die Mütter die erste und einzige Quelle von Körperwärme, Fortbewegung, Ernährung und Sicherheit sind. (ebenda, S. 101).

Blaffer Hrdy führt weiter aus:

„Bei Schimpansen, die ebenfalls langsam heranwachsen, werden Jungtiere insofern mit Nahrung versorgt, als ihre Mütter sie nach Nahrung greifen lassen… Doch nur bei Menschen beginnt mütterliches und alloelterliches Nahrungsteilen in den ersten Lebensmonaten und wird dann jahrelang fortgeführt. Auf vorgekaute Säuglingsnahrung folgt „Fingerfood“, und darauf wiederum Nüsse und gekochte Wurzeln, die von Großmüttern und Großtanten gesammelt und oft mühsam zubereitet werden – sowie die köstlichsten Speisen überhaupt, Honig und Fleisch, die der Vater, der Onkel oder andere Jäger mitbringen“. (ebenda, S. 117).

Blaffer Hrdy spricht explizit von der „Schenkbereitschaft“ der Menschengattung. Sie erläutert:

„Fälle von nichtmenschlichen Tieren, die in echter Großzügigkeit freiwillig einen Leckerbissen anbieten, sind selten, außer bei Arten, die, wie der Mensch, eine intensive evolutionäre Geschichte der sogenannten kooperativen Jungenaufzucht haben, bei der Jungtiere gemeinsam umsorgt und ernährt werden. Unter den höheren Primaten genießt der Mensch wegen seiner ständigen Bereitschaft, kleine Gefälligkeiten zu tauschen und Geschenke zu machen, eine Sonderstellung. (ebenda, S. 42).

Die Entstehung von Matrifokalität auf der Grundlage des kooperativen Aufzuchtverhaltens

Aufgrund dieses für den Menschen ausgeprägten kooperativen Aufzuchtverhaltens, das noch vor der Sprachentwicklung eines der Kennzeichen der Menschwerdung ist, erklärt sich nun, warum sich beim Menschen im Pleistozän das Zusammenleben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch als besonders günstig erwies. Schauen wir uns an warum:

 Exogamie ist bei den Paniden genetisch angelegt und wird durch Chemotaxis gesteuert. Das bedeutet beim pan paniscus, dass geschlechtsreife Frauen ihre Geburtsgruppe verlassen. Die Töchter emigrieren, die Söhne bleiben in ihrer Geburts-Familie. Pan paniscus ist also virilokal. (Bott, Gerhard, 2009, S. 17). Das ist möglich, weil die Menschenaffenbabys ausschließlich von der Mutter versorgt werden. Das andere – kooperative Aufzuchtverhalten des Menschen – verlangt aber ein matrifokales Zusammenleben, das noch besser verständlich wird, wenn die von Kristen Hawkes und ihrem Team erstmals postulierte Großmutterthese in die früheste Soziobiologie des Menschen mit einbezogen wird.

Großmutterhypothese statt Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese

Da sich inzwischen geklärt hat, dass die Jäger in WildbeuterInnengemeinschaften nicht die Hauptversorger der Sippen waren, da ihre Beute viel zu unsicher für die täglich nötige Kalorienzufuhr war, sondern die tägliche Ernährung der Sippe von den Sammelfähigkeiten der Frauen abhing, ist die von patriarchalen Wissenschaftlern favorisierte Jagdhypothese, welche den Mann als Haupternährer und Versorger der Sippe und die Mutter in ökonomischer Abhängigkeit von ihm, in sich zusammengefallen. Die damit verbundene soziobiologische Lehre „Sex für Beute“ ist also falsch. Stattdessen ist dank der anderen Herangehensweise weiblicher Wissenschaftlerinnen die Großmutter-Hypothese in der Anthropologie angekommen. Forschungen der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah an Großmüttern beim wildbeuterisch lebenden Volk der Hazda zeigten nämlich, dass die eifrigsten Nahrungssammlerinnen die Großmütter und Großtanten waren. Blaffer Hrdy fasst die Forschungsergebnisse von Kristen Hawkes und ihren MitarbeiterInnen an den Hazda in Tansania sowie Paul Turkes Forschungsberichte vom Ifaluk-Atoll und Flinns Berichte von Trinidad, die alle die Großmutterhypothese stützen, wie folgt zusammen:

„…die Vorliebe der Hazda-Männer für prestigeträchtiges Großwild wie Elenantilopen hatte zur Folge, dass sie nur selten Beute machten…. An den meisten Tagen kehrten die Männer mit leeren Händen zurück, und es war die Tag für Tag von Frauen gesammelte Nahrung, die die Kinder satt machte. Hawkes und ihren Mitarbeitern fiel noch etwas anderes auf. Die Sammlerinnen, die morgens als Erste das Lager verließen und am Abend als Letzte zurückkehrten, sowie diejenigen, die die schwersten Lasten trugen, waren (anders als man erwarten sollte) nicht junge Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Und es waren auch nicht die Mütter mit hungrigen Kindern, die im Lager auf ihre Rückkehr warteten. Die eifrigsten Nahrungssammlerinnen waren vielmehr alte Frauen mit ledergegerbten Gesichtern, deren Blüte lange zurücklag. In einem wegweisenden Aufsatz mit dem Titel „Hart arbeitende Hazda-Großmütter“ beschrieben die Forscher Großtanten und Großmütter, die, statt die Beine hochzulegen und ihre nicht länger durch die Mühen der Kinderaufzucht belasteten “goldenen Jahre“ zu genießen, härter arbeiteten denn je. Kinder in diesen Wildbeutergruppen, die eine Großmutter oder Großtante hatten, die bei ihrer Ernährung halfen, wuchsen schneller heran. In Zeiten der Nahrungsknappheit hatten diese Kinder höhere Überlebenschancen. Turkes Berichte vom Ifaluk-Atoll, Flinns Berichte von Trinidad und jetzt diese Erkenntnisse über Jäger-Sammler in Tansania wiesen alle auf bemerkenswerte Parallelen zwischen Gruppen mit kooperativer Jungenaufzucht hin. In allen Studien waren es hilfsbereite Alloeltern – ältere Schwestern, Großmütter oder Großtanten -, die Mütter erlaubten, mehr Nachkommen mit besseren Überlebenschancen hervorzubringen“. (ebenda, S. 151/152).

Diese Forschungsergebnisse sind revolutionär, belegen sie doch, dass Großmütter und Großtanten einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der nächsten Generation liefern. Begreift man den Beitrag der Großmütter für die nächste Generation als menschenartgerecht, erklärt sich der evolutionsbiologische Nutzen der ungewöhnlich langen Lebensdauer von Menschenmüttern nach der Menopause, und es wird auch deutlich, dass Menschenmänner auch heute noch im Vergleich zu Frauen eine signifikant geringere Lebensdauer haben.

Auf der Basis der Großmutterhypothese schauten sich die britischen Anthropologinnen Rebecca Sear und Ruth Mace noch einmal die Unterlagen einer Studie über die Gesundheit von Mutter und Kind genauer an, die zwischen 1950 und 1980 vom United Kingdom Medical Research Council bei den Mandinka-Ackerbauern in Gambia erhoben worden waren und zu den aufwändigsten Studien zählt, die in einer traditionellen Gesellschaft jemals durchgeführt wurden. Auch die von den Forscherinnen neu interpretierten Ergebnisse dieser Studien verändern die übliche patriarchale Herangehensweise der Anthropologie in bedeutender Weise, lenken sie doch den Blick darauf, dass die höheren Überlebenschancen von Kindern vor allem an ein matrilineares Verwandtschaftsverhältnis gekoppelt ist. Blaffer Hrdy fasst auch die Ergebnisse der britischen Anthropologinnen Sear und Mace zusammen:

„Aus der Sicht eines Madinka-Kindes war es buchstäblich lebensrettend, wenn es eine ältere Schwester hatte, die babysitten konnte, oder eine Großmutter mütterlicherseits, die zusätzliche Nahrung besorgte und sich um das Kind kümmerte. Die Anwesenheit des leiblichen Vaters, von Großeltern väterlicherseits oder eines älteren Bruders hatte dagegen keine messbaren Auswirkungen auf die Überlebenschancen von Kindern. Wenn aber nach dem Verlust des Vaters ein Stiefvater die Bühne betrat, sanken die Überlebenschancen des Kindes deutlich. Ansonsten hatten Väter, wie es die Forscher unverhohlen formulierten, „absolut keinen Effekt auf den anthropometrischen Status oder die Überlebenschancen eines Kindes“ – sofern Allomütter zur Verfügung standen“. (ebenda, S. 154).

Tatsächlich bietet die wissenschaftliche Focussierung auf Großmütter und insbesondere auf matrilineare Großmütter die Lösung dafür, warum sich beim Menschen im Laufe des Pleistozäns das Leben in matrifokalen Blutsfamilien evolutionsbiologisch durchsetzte.

 Was bedeutet Matrifokalität?

Matrifokalität bedeutet Mütter im Focus, Mütter im Zentrum und beinhaltete Matrilinearität und Matrilokalität.

 Matrilinearität heißt, dass die Verwandtschaft unilinear matrilinear abgeleitet wurde. Bei einer frei gelebten, wechselnden, von den Frauen durch die biologisch verankerte female choice bestimmten Sexualität war individuelle Vaterschaft nicht nachweisbar und deswegen ohne Bedeutung. Wenn individuelle Vaterschaft keine Bedeutung hat, dann ergibt sich daraus, die Abstammung nur über die Mutter abzuleiten. Matrilokalität bedeutet, dass die Töchter die matrilineare Blutsfamilie nicht verließen. Das war die direkte Folge des kooperativen Aufzuchtverhaltens beim Menschen, um die Ernährung ihrer Kinder durch konsanguinale Verwandtschaftsbeziehungen bestmöglich abzusichern.

Matrifokalität bewegte sich biologisch immer innerhalb der von der freien Entscheidung der Frau bestimmten Sexualität, der sogenannten female choice, die Vergewaltigung ausschließt und der ebenfalls biologisch durch Chemotaxis determinierten Inzestschranke. Das bedeutet, dass in der paläolithischen, matrilinearen, wildbeuterisch, egalitär lebenden Blutsfamilie aufgrund der Inzestschranke die geschlechtsreifen Brüder nicht matrilokal lebten und stattdessen nicht blutsverwandte Männer als Sexualpartner aus anderen Sippen sozial und ökonomisch eingegliedert wurden. Das bedeutet, wir haben im größten Teil des Pleistozäns ein kollektives fürsorgliches Väterbewusstsein, jedoch kein individuelles, aus dem sich „Väterrechte“ ableiten lassen. (Armbruster, Kirsten, 2014)

Die Entstehung der Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung

Die beiden Lieblingsthesen der gängigen Anthropologie und der Archäologie, nämlich die „Jagd- und Sex-für-Beute-Hypothese“ und die auf ihr gegründete weitere These, die „monogame Paarungsfamilie mit bilinearer Abstammung“ bereits für den Anfang der Menschheitsgeschichte zu postulieren, und damit zu suggerieren, das Patriarchat habe es schon immer gegeben, diese Thesen erweisen sich als Kardinalfehler patriarchal-ideologisch geprägter „Wissenschaft“. Das schöne Wort „Kardinalfehler“ verweist auch gleich auf eine weitere Ideologie, dem dieser Fehler ebenso zugrunde liegt: dem Kardinal, und so entlarvt Sprache bis heute das Patriarchat. Wen wundert es, basiert doch auch die Entstehung von Sprache im Pleistozän auf Muttersprache und damit Mutterkultur.

Wie Gerhard Bott in seinem ebenfalls revolutionären Buch „Die Erfindung der Götter“ (Band 1: 2009 und Band 2: 2014) logisch brillant abgeleitet hat, entwickelt sich die Paarungsfamilie und die damit verbundene bilineare Vater-Mutter-Abstammung erst im Laufe des Neolithikums im Zuge der ökonomischen Implementierung von Tierzucht in Form von Herdenhaltung. Mit der Herdenhaltung einher geht ein verändertes Bedeutungsverständnis von männlicher Fruchtbarkeit, welche der weiblichen im Zuge der Herdenhaltung überlegen zu sein scheint, denn im Zuge der Herdenhaltung von Tieren erfahren die Männer, dass nur wenige männliche Tiere ausreichen, um eine weibliche Herde zu begatten. (Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu, 2010, S. 187). Bott schreibt: über den Wandel der unilinear matrilinearen Blutsfamilie zur bilinearen Paarungsfamilie im Modus II/III des Neolithikums:

„Erst jetzt wandelt sich die matrilineare Unilinearität des Verwandtschafts- und Gesellschaftssystems zur Bilinearität, d.h. erst jetzt wird die unilineare Matrilinearität des Verwandtschaftssystems ergänzt durch patrilineare Verwandtschaft. An die Stelle der allein auf die Mutter bezogenen Blutsfamilie tritt die auf die Eltern bezogene Paarungsfamilie, die auch als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft institutionalisiert wird, und zwar vom Mann, eine neue Familienform, welche die Blutsfamilie ersetzt und zersetzt, indem das genossenschaftliche Gesamthandseigentum privatisiert wird zum Privateigentum… Erst mit der neolithischen Paarungsfamilie, die durch die Heilige Hochzeit geheiligt wird…, kann der Mann Patrilinearität, Patrilokalität der Exogamie und Patrifokalität durchsetzen“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 130).

In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich auf den falschen und irreführenden Matriarchatsbegriff hingewiesen. Wie in dieser soziobiologischen Freilegung von Matrifokalität deutlich sichtbar wurde, hat es eine Mütterherrschaft – was der Spiegelbegriff Matriarchat zu Patriarchat assoziiert – nie gegeben, weshalb der Begriff schon an sich unsinnig ist. Noch unsinniger wird er allerdings durch die Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth, die ausgerechnet die „Heilige Hochzeit“- auch noch in der neusten Auflage ihres Buchs „Die Göttin und ihr Heros“ (2011) -, zum Kernstück eines angeblichen Matriarchats erhoben hat, womit sie ihre völlige Unkenntnis der soziobiologischen Menschheitsgeschichte offenbart und durch diese Unkenntnis gleichzeitig untermauert, dass der Matriarchatsbegriff in jeder Hinsicht abzulehnen ist, weil er großen Schaden bei der patriarchatskritischen Freilegung menschlicher Geschichte anrichtet.

 Schlussfolgerung: Matrifokalität und das Fehlen von Krieg

Zum Abschluss dieser evolutionsbiologischen Abhandlung zur Menschheitsgeschichte, welche die neusten evolutionspsychologischen Erkenntnisse eines empathischen, altruistischen, schenkbereiten, hypersozialen Ursprung des Menschen mit der soziobiologischen matrifokalen Lebensform des Menschen kausal in Zusammenhang stellt, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass menschliche Kultur im Pleistozän und auch noch in weiten Teilen des Neolithikums geprägt ist durch das Fehlen eines der Hauptmerkmale des Patriarchats, nämlich dem FEHLEN VON KRIEG. Gewalttätige Auseinandersetzungen in Gruppen konnte die Archäologie nämlich erst im Laufe des Neolithikums um 6300 v.u.Z. in der Ofnethöhle im süddeutschen Nördlinger Riess feststellen, wo an sechs Schädeln Hiebverletzungen nachweisbar waren. Der nächste Fund, der auf Gewalteinwirkung schließen lässt, konnte archäologisch erst wieder eintausenddreihundert Jahre später, 5000 v.u.Z. ebenfalls in Deutschland, in Talheim bei Heilbronn ausgemacht werden. Das Kriegszeitalter selbst beginnt mit der Bronzezeit, dem ersten Auftauchen von Streitwagenkriegern ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient und ist eng korreliert mit der Metallgewinnung durch Bergbau und der Pferdedomestikation, die Voraussetzung waren für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung und interessanterweise mit der erstmaligen namentlichen Nennung von Göttern und Göttinnen zeitlich einhergehen. (LINK Zeitgeschichtstafel).

Das bedeutet, dass die Menschheit den allergrößten Teil ihrer Geschichte ihrer hypersozialen Natur gemäß in Frieden lebte, was eine soziologisch kulturelle Großleistung und der Tatsache geschuldet ist, dass die Mütter im Zentrum menschlicher Gemeinschaft standen. Matrifokalität war also nicht nur die Voraussetzung für menschliche Kulturentwicklung, sondern auch der Garant für Frieden. Es bedeutet auch, dass mit der Zerstörung von Matrifokalität wenig später das Kriegszeitalter beginnt, dessen Heroisierung Gegenstand der geschriebenen patriarchalen History ist, während die Herstory, die wesentlich längere und kulturell bedeutungsvolle Menschheitsgeschichte der Matrifokalität von der patriarchalen Geschichtsschreibung unterschlagen wird.

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter Im Zentrum, 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere; Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen macht, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, 2009 und 2014

Flinn, Mark V.: Household composition and female reproductive strategies in a Trinidadian village in: The sociobiology of sexual and reproductive strategies, hg von A. E. Rasa, C. Vogel und E. Voland, 1989, S. 206-233

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 2011

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.G. Blurton Jones: Hardworking Hadza grandmothers in Comparative socioecology; The behavioral ecology of humans and other mammals, hg. Von R.A. Foley, 1989, S. 341-366

Hawkes, Kristen, J.F.O´Conell und N.g. Blurton Jones: Hadza women´s time allocation, offspring provisioning and the evolution of post-menopausal lifespans; Current Anthropology, 38, 1997, S. 551-577

Sear, Rebecca, Fiona Steele, Ian A. McGregor und Ruth Mace: The effects of kin on child mortality in rural Gambia; Demography, 39, 2002, S. 43-63

Sear, Rebecca: Kin and child survival in rural Malawi. Are matrilineal kin always beneficial in a matrilineal society? Human Nature, 19, 2008, S. 277-293

Tomasello, Michael, Malinda Carpenter, Josep Call, Tanya Behne und Henrike Moll: Unterstanding and sharing intentions. The origins of cultural cognition: Behavioral and Brain Sciences 28, 2005, S. 675-691

Turke, Paul: Helpers at the nest; Childcare networks on Ifaluk in: Human reproductive behavior. A Darwinian perspective, hg von L. Betzig, M. Borgerhoff Mulder und P. Turke, 1988, S. 173-188

Von ohnmächtigen Müttern

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Foto: Franz Armbruster

Aus dem Buch:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 220-224

Herrschaft wurde über Theologie erst richtig politisch internalisiert, das heißt zur Macht befähigt, und bis heute ist Politik nicht entkoppelt von diesen Theologien. Die Dreierphalanx aus herdenideologisierter Wirtschaft, patriarchaler Machttheologie und Politik bilden auch in unseren Tagen den Paradigmenmix für unser Denken und unser Handeln. Die von jeglichen Emotionen, jeglicher Empathie und jeglichem Altruismus befreite Wissenschaft, welche die reine Ratio essentialisiert und dabei die Weisheit verraten hat, ist nur eine Dienerin der Dreierphalanx aus Ökonomie, Theologie und Politik und verschlimmert damit die Situation. Als Reparaturmechanismen dieses maroden und natürlich völlig unzeitgemäßen Systems wurden die letzten Jahre ökologisches, soziales und feministisches Gedankengut in dieses System integriert, wohlbemerkt integriert. Die Ökologie, die Natur müssen sich in der patriarchalen Logik immer der Ökonomie unterordnen, dass bedeutet de facto, dass die Erde, das Wasser und die Luft, ohne die ein Leben gar nicht möglich ist, immer dem Geld untergeordnet werden. Dies hat zur Konsequenz, dass nicht die Person das meiste Geld bekommt, die am meisten dafür sorgt, dass unsere Lebensgrundlage erhalten bleibt, sondern die Person, die am skrupellosesten und zerstörerischsten mit unseren Ressourcen umgeht. Diese Reihenfolge der patriarchalen Prioritäten ist in ihrer Kurzfristigkeit absurd, und die Absurdität kann an einer ganz einfachen mathematischen Reihe aufgezeigt werden. Man frage sich nur einmal, wie lange ein Mensch ohne Luft, ohne Wasser, ohne die Erde, oder aber ohne Geld überleben kann. Schnell wird offensichtlich, dass Luft und Wasser die sensibelsten Lebensparameter sind, und es daher sinnvoll wäre, diejenigen am meisten zu bezahlen, die am besten diese lebensbestimmenden Elemente bewahren.

Analog zur Ökologie müssen sich Mütter und Kinder ebenso dem Diktat einer patriarchalisierten Ökonomie unterordnen. Das heißt, eine Mutter hat entweder die Wahl, sich finanziell in völlige Abhängigkeit von einem Mann zu begeben, weil ihre Arbeitsleistung der Schwangerschaft, der Geburt, der Ernährung und der Fürsorge für ein neues Menschenleben, die sogenannte Reproduktionsarbeit als ökonomisch nicht relevant und damit nicht geldwert erachtet wird. Oder aber sie hat die Möglichkeit, sich möglichst schnell wieder in die geldwerte, nach patriarchalen Prinzipien funktionierende Ökonomie, einzuordnen. Diese Entscheidung zahlt sie dann psychologisch mit schlechtem Gewissen, Trennungsängsten, Dauerorganisationsstress und einer permanenten Angst vor jeder Kinderkrankheit, weil dann jedes Mal eine Betreuungsumorganisation vonnöten ist. Von jeder Mutter, aber auch von jedem sozialen und partnerschaftlich orientierten Vater wird gefordert, dass sie sich, wenn sie im ökonomischen Konkurrenzkampf bestehen wollen, dem patriarchalen Dogma „Oeconomy first“ unterordnen. Das bedeutet, dass Eltern und Kinder in ungleich höherem Maß perfekt funktionieren müssen als Singles, um in diesem auf reinem Wettbewerb getrimmten System nicht abzurutschen. Nicht umsonst sind Kinder in unserer Gesellschaft das größte Armutsrisiko. In der Praxis heißt dies, Familien stehen in unserem patriarchalen System unter Dauerdruck. Sie sind kaum Orte der Gelassenheit, des Optimismus oder der Lebensfreude, was sie eigentlich sein sollten. Sie sind vielmehr durchorganisierte Hochleistungszentren, die täglich darum kämpfen, ihre Kinder optimal in dieser auf Wettbewerb beruhenden Gesellschaft zu positionieren. Kein Wunder, dass Familien, die eigentlich Orte der Geborgenheit sein sollten, besonders häufig Orte der Gewalt und der Verzweiflung sind, und ein großer Teil der Ehen diesen Bedingungen nicht standhält und kaputt geht. Kinder müssen sich in unsere patriarchal-ökonomisch definierte Funktionalität perfekt einfügen. Sie dürfen nicht mehr träumen, sie dürfen nicht mehr trödeln, und sie dürfen auch nicht mehr krank sein, obwohl es Teil ihrer natürlichen Entwicklung ist, sowohl die Welt in einem langsamen Tempo zu entdecken, als auch ihr Immunsystem über eine Auseinandersetzung mit diversen Krankheitserregern erst einmal aufzubauen. Aber hierzu ist Zeit der Pflege und der Erholung vonnöten, die wir in unserem gehetzten Leben niemandem mehr zugestehen. Kinder müssen auch, in unserer auf Effektivität und Effizienz getrimmten patriarchalen Welt, Selbstläufer sein in der Schule. Sind sie das nicht, was eher die Regel als die Ausnahme ist, so ist ein elterlicher, meistens mütterlicher Leistungsmarathon vonnöten. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, Eltern-Kind-Schulgespräche, Eltern-Lehrer-Schulgespräche, Ergotherapie, Logopädie, Medienkompetenz sind angesagt, die Eltern und Kinder gleichermaßen stark unter Erfolgsdruck und Stress bringen. Daneben gibt es die ganz normalen ganzheitlichen Förderprogramme wie Musikunterricht, Ballettunterricht, Sportunterricht, Vereinsarbeit, und die dazu nötigen Fahrdienste zu bewältigen. All dies erledigen die heutigen Supereltern neben einem möglichst beidgeschlechtlichen Vollzeitjob, der selbstverständlich allererste Priorität genießt, nebenbei. Die Hausarbeit wie Putzen, Kochen, Spülen, Einkaufen, Waschen, Bügeln und Reparieren, erledigt sich abends und am Wochenende ganz von selbst, oder wird im Niedriglohnsektor zu 99,9 % von Putz-Frauen nicht -Männern erledigt, damit wenigstens noch ein wenig Zeit bleibt für Nebenbeibeschäftigungen wie Trösten, Vorlesen, Singen, Schmusen, Kuscheln, Reden, Erzählen, Toben, Spielen oder auch Streiten.

Von der Gesellschaft wird ganz selbstverständlich in solchen Situationen erwartet, dass eine Oma im Hintergrund bereit steht, welche die geforderte Flexibilität unseres Arbeitsmarktes jederzeit auffängt. Das heißt, unser patriarchales ökonomisches System beruht, nach wie vor, auf der kostenlosen Arbeit oder Niedriglohnarbeit von Frauen. Hat jemand keine Oma in der Nähe, weil man ja bereits, aufgrund der ebenfalls von der Ökonomie geforderten Mobilität, den heimatlichen Wohnort verlassen hat, sind geldwerte Leistungen für eine fremde Betreuungsperson erforderlich. Dies mag für gut Verdienende erschwinglich sein, aber eine Durchschnittsverdienende wird schnell feststellen, dass am Monatsende von ihrem Verdienst nichts übrig geblieben ist. Unsere neue Art der Berufstätigkeit von Müttern, wird daher vor allem auf Kosten von Großmüttern ausgetragen. Dies mag in unserer Generation noch funktionieren, aber bereits in der nächsten Generation, sind ja die Omas selbst berufstätig. Wer übernimmt dann die flexible Kinderbetreuung? Auch unsere wünschenswerte Ausdehnung der Kinderbetreuung auf Männer, seien es die genetischen Väter oder andere männliche Bezugspersonen, löst nicht das eigentliche Problem, dass Kinder in unserer patriarchalen Ökonomie als soziale Randfaktoren betrachtet werden. Ein partnerschaftlich gesinnter Mann, der sich seinen Kindern widmen will, wird nämlich dieselben Probleme haben, wie die Mütter: Die Zerrissenheit zwischen zwei Welten, die diametral entgegengesetzten Gesetzmäßigkeiten folgen: Die heutige auf Konkurrenz, maximaler Leistung, Schnelligkeit, Flexibilität und Mobilität beruhende Berufswelt der geldwerten Ökonomie und der natürlichen, nicht auf ein Jahr, sondern auf zwanzigjähriger Gehirn- und Persönlichkeitsreifung beruhenden Entwicklung eines Homo sapiens.

Wir merken anscheinend nicht, dass wir es, mit der auf der patriarchalen Herdenideologie beruhenden Ökonomie, die erstmals die Frauen und Mütter von der Ökonomie ausschloss, mit einem Systemfehler zu tun haben. Wir merken anscheinend nicht, dass die Ökologie, die Natur, die begrenzten Ressourcen unseres Planeten im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen. Wir merken auch nicht, dass die Mutter und die Kinder im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen müssen, und nicht eine auf maximale Akkumulierung und damit Ausbeutung beruhende Ökonomie. Das Leben auf Erden ist an Mütterlichkeit gebunden. Das ist das Naturgesetz der Erde. Die Erde selbst ist, wie alle Naturvölker wussten und bis heute wissen, eine Mutter, und die Natur hat die Mutter dazu eingesetzt neues Leben zu gebären und zu nähren. Deshalb bevorzugt die Natur auch eine mütterliche, fürsorgende Art der Erden-Haushaltsführung und keine patriarchal ausbeuterische, hierarchische und kriegerische, wie sie die letzten Jahrtausende verbreitet wurde. Wird die mütterliche Art der Erden-Haushaltsführung nicht praktiziert, entstehen Krieg, Ausbeutung, Sklaverei, Folter, schweres Leid, Mangel, Not, Elend, Traumatisierung und Unheil, das heißt: Das Leben kann unter solchen Bedingungen nicht funktionieren, es entsteht Chaos, Agonie. Die mütterlichen Urgesetze der Erde scheinen den meisten Menschen heute wie hinter einem undurchsichtigen Schleier verborgen. Dies führt zu einer Orientierungslosigkeit, die praktisch alle Bereiche unseres Lebens durchzieht, einer Verwirrung, die durch eine patriarchalisch angemaßte Definitions- und Erziehungsmacht, verursacht und über Jahrtausende mit Gewalt durchgesetzt wurde. Diese Orientierungslosigkeit ist das Ergebnis einer durch falsche Werte internalisierten gewaltinduzierten Herrschaftsmacht, welche die Welttheologien, die Geschichte, das gesamte ethische Wertesystem, die Philosophie, die Psychologie, die Sexualität, die Soziologie, die Archäologie, die Anthropologie, das Bildungssystem und die Wirtschaft okkupiert hat: Es bedeutet de facto, dass sich unsere gesamte Gesellschaft im werteinternalisierten Belagerungszustand befindet, verursacht durch eine Jahrtausende währende Gehirnwäsche: Unsere Geschichte und damit die Wurzeln unserer Gesellschaft, unserer rein männlich ausgerichteter Arbeits-Wirtschafts-Wachstumsmythos, der unseren Lebensraum Erde an den Rand des Kollaps katapultiert hat, und unsere soziologische Struktur, die behauptet, dass der Krieg die Mutter aller Dinge ist, verkennend, dass der Krieg erst mit der Machtübernahme des Vaters überhaupt erst in die Welt kam, all dies befindet sich in einem Zustand der Fälschung, der Lebenslüge. Wenn wir diese Lebenslüge enttarnt haben, können wir ein neues Denken entwickeln, ein Denken, das ich mit dem Begriff Gaiakompetenz umschreibe.

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Weltweit finden wir Mutterberge und Landschaftsahninnen, die das Wissen um die Alte Religion von Gott der MUTTER aus der Zeit des Paläolithikum und des Neolithikum bewahrt haben. In meinem Buch: „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ (2010), habe ich mich auf die bis heute in der Landschaft erhalten gebliebenen Spuren dieser Ältesten Religion begeben. Wir finden sie nicht nur in der Schweiz am Materhorn (Matterhorn) , sondern auch bei der Chomulung-Ma, der „Mutter des Universums“, dem höchsten Berg der Welt in Nepal, der in typisch europäisch-patriarchaler Überlegenheit unter dem Namen Mount Everest, benannt nach dem britischen Landvermesser Sir George Everest, weltbekannt ist. Wir finden diese Religion bei der Anna-Purna, der „nahrungsspendenden Göttin“, aber auch in Japan bei der Fujiya-Ma, in Tansania, in Afrika bei der Kili-Ma-Njaro, bei der Da-Ma-Vand im Iran, bei der Ararat in der Türkei, welche die Türkinnen Agri dagi und die Armenierinnen Ma-sis nennen. Wir finden sie ebenfalls bei der Bergmutter Athos, die Frauen heute nicht mehr betreten dürfen, obwohl sie im Griechischen „To perivoli tis Panagias“ heißt, was der Garten der Gottesmutter bedeutet und eigentlich „Der Garten von Gott der MUTTER“ meint. Die uralte mütterliche Religion wird aber auch sichtbar bei der großen Bergmutter Ma-cchu Picchu in Peru, der Gebieterin des Westens im Tal der Königinnen in Luxor in Ägypten, die als Vorbild für die Pyramiden der patriarchalen Pharaonen diente oder auch bei der Uluru in Australien.  Mit zahlreichen Abbildungen und Informationen werden die Mutterberge in dem nachfolgenden pdf-Dokument wieder sichtbar und zeigen einen wesentlichen Aspekt von der in der Natur und deshalb bis heute in der Landschaft verwurzelten Religion auf.

Das vorliegende pdf-Dokument zum Wiederentdecken aus dem Buch

„Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010, S. 45-59“

Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen

Patriarchatskritik – Anstoß für eine überfällige Gesellschaftsdebatte

Die Menschheit lebt bis auf wenige Ausnahmen seit dem Beginn der Bronzezeit (Beginn: 3300 v.u. Zeitrechnung im Vorderen Orient, 2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa), in der kriegerischen Gesellschaftsform des Patriarchats.

Patriarchat heißt Herrschaft der Väter. Patriarchat bedeutet, dass unser ganzes Denken von dem bestimmt wird, was Väter in einer langen patrilinearen Ahnenreihe gedacht, gesagt, aufgezeichnet, gelehrt, gepredigt, geschrieben, befohlen, als scheinbar richtig definiert und mit Gewalt und waffenbasierter Kriegsführung durchgesetzt haben. Das hatte zur Folge, dass das Leben seit ein paar Tausend Jahren einer manipulativen Gehirnwäsche unterzogen wurde und bis heute wird, die zu einer Verschiebung der Internalisierung von Werten geführt hat, die auf das Leben insgesamt tief zerstörerisch wirkt.

Die Patriarchatskritik decodiert die Gehirnwäsche des Patriarchats, der wir alle ausgesetzt sind, mithilfe eines wissenschaftlichen, interdisziplinären Forschungsansatzes, in der Erkenntnisse der Archäologie, der Anthropologie, der Religionswissenschaften, der Linguistik, der Soziologie, der Biologie, der Genetik, der Kulturwissenschaften und der Landschaftsmythologie einfließen. Schwerpunktmäßig betrifft die Patriarchatskritik folgende Themenbereiche:

 

  • Die Geschichtsschreibung, welche die soziologische Lebensform der Matrifokalität und die damit einhergehende Kulturleistung der Mütter während des größten Teils der Menschheitsgeschichte negiert und unterschlägt
  • Die Theologien, welche die ursprüngliche, in der Natur verankerte, mütterliche Religion versucht haben zu zerstören, um männliche Herrschaft durch erfundene, dogmatisch niedergeschriebene, theologische Ideologien zu legitimieren
  • Die Kontrolle der Sexualität und der Gebärfähigkeit der Frauen durch patriarchale Familienkonstellationen, Jungfernkult und männlichen Fruchtbarkeitswahn, die einerseits zu erheblichen Beschneidungen weiblicher Lebensfreiheit, einer Trennung der menschenartwichtigen Großmutter-Mutter-Tochter-Beziehung und andererseits weltweit zu exponentiellem Bevölkerungswachstum geführt haben
  • Die kriegsbasierte Installation von Vaterstaaten auf der Basis der patriarchalen Verquickung von Politik, Rechtssprechung, Theologie, Wissenschaft und Militär
  • Die kapitalistische Form der Wirtschaft, die auf der Ausbeutung der Natur und der Frau fußt und ihren Anfang hat mit dem Beginn der Rinderdomestikation (circa 6500 v.u.Z.) und der damit verbundenen, menschengeschichtlich ersten Privateigentumsbildung auf der Grundlage der capites, den Häuptern einer Herde und sich hierarchisch zementiert mit dem Beginn des Metallzeitalters
  • Die Definition des Arbeitsbegriffs, welche die Carearbeit als nicht geldwert belegt und deshalb Mütter erheblich finanziell diskreditiert

 

Die Patriarchatskritikforschung denkt radikal, das heißt ihre Forschungen sind verwurzelt in der Natur, welche die Grundlage des Lebens ist, und sie beginnt am Anfang der Menschheitsgeschichte. Durch diesen radikalen, im Leben verwurzelten und gleichzeitig wissenschaftlich interdisziplinären Ansatz konnte die Patriarchatskritikforschung nachweisen, dass das Patriarchat menschengeschichtlich nicht schon immer da war, sondern erst seit ein paar Tausend Jahren existiert. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat auch nicht gottgewollt ist, sondern sich lediglich mit erfundenen Theologien ein Gottesbild geformt hat, um die ursprüngliche göttliche Mutter vergessen zu machen, und eine Herrschaft der Väter theologisch zu legitimieren. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat die Sexualität und die Gebärfähigkeit der Frau kontrollieren will und deshalb die einzigartige Potenz der Frau, Mutter zu werden, den Angriffen des Patriarchats besonders ausgesetzt ist. Und sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat weder menschenartgerecht noch natürlich ist, sondern der Natur und dem Leben gegenüber tiefgreifend zerstörerisch wirkt, so dass es höchste Zeit ist, den zerstörerischen patriarchalen Indoktrinationen wirksam entgegenzutreten.

Die Patriarchatskritik delegitimiert die Definitionsmacht des Patriarchats und entlarvt sie als androzentrischen Irrtum, wie Gerda Lerner es 1995 bereits in ihrem Buch „Die Entstehung des Patriarchats“ treffend formuliert hat. Lerner schrieb:

„Historiker haben das Wirken von Frauen zugeschüttet“ (S. 279) … Frauen hatten keine Geschichte – das wurde ihnen gesagt, und das glaubten sie. So war es letzten Endes die Hegemonie des Mannes über das anerkannte Symbolsystem, durch die die Frauen am entschiedensten benachteiligt wurden“. (S. 272).

Und sie präzisiert weiter:

„Diese Wirkung der männlichen Hegemonie war für Frauen besonders schädlich und hat ihren untergeordneten Status für Jahrtausende fixiert. Dass den Frauen eine eigene Geschichte versagt worden ist, hat immer erneut dafür gesorgt, dass Frauen die Ideologie des Patriarchats akzeptierten, was ihr Selbstwertgefühl nachhaltig unterminiert hat. Die Männer-Version der Geschichte, legitimiert als „allgemeingültige Wahrheit“, hat Frauen als Randfiguren der Zivilisation und als Opfer der geschichtlichen Entwicklung dargestellt“. (S. 276).

Lerner bringt es auf den Punkt, indem sie benennt, dass Frauen durch das Zuschütten der eigenen Geschichte das Stigma der Bedeutungslosigkeit erhalten haben (S. 277).

Mit dem Stigma der Bedeutungslosigkeit, damit kämpfen Frauen bis heute, egal ob es um das geht, was Frauen sagen, was sie schreiben, was sie arbeiten. Was Frauen machen, ist nichts wert oder viel weniger wert als alles, was ein Mann tut. Das ist so definiert im Patriarchat. Und Gerda Lerner erkennt und benennt deutlich, dass eine der wesentlichen Ursachen für die uneingeschränkte Macht der Männer, verbindliche Symbolsysteme zu schaffen am Monopol der Männer beim Festlegen von Definitionen liegt. (S. 272). In ihrer vortrefflichen Analyse des Patriarchats führt sie hierzu weiter aus:

„Auf der Basis solcher symbolischen Konstrukte, die eingebettet sind in die griechische Philosophie, die jüdisch-christliche Theologien und die Rechtstradition, auf die die westliche Kultur gegründet ist, haben Männer die Welt in ihren eigenen Begriffen erklärt und die Leitfragen in einem Sinn definiert, der sie selbst in den Mittelpunkt des Diskurses rückt. Indem sie unter die Begriffe jemand, man, jedermann die Frau subsumierten und ihnen die Repräsentation der ganzen Menschheit zuschrieben, haben Männer einen begrifflichen Irrtum von ungeheurer Wirkung in das gesamte Denken eingefügt“. (S. 272/273).

Gerda Lerner fordert zur Richtigstellung dieses androzentrischen Irrtums eine radikale Umstrukturierung des Denkens und der Analyse durch Frauen. Sie schreibt weiter:

„Die vielleicht größte Herausforderung für denkende Frauen ist die Aufgabe, den Wunsch nach Sicherheit und Zustimmung hinter sich zu lassen und die „unweiblichste“ aller Eigenschaften zu entwickeln – intellektuelle Arroganz, die höchste Form der Hybris, die sich das Recht zubilligt, die Welt neu zu ordnen“. (S. 283).

Während Simone de Beauvoir, die Ikone des europäischen Feminismus, in ihrem einflussreichen Buch „Das andere Geschlecht“ (1968, S. 13) noch den androzentrischen Irrtum übernahm und den Frauen, wie im Patriarchat gang und gäbe, unterstellt, dass sie keine eigene Vergangenheit, keine Geschichte und keine Religion hätten, hat die Patriarchatskritikforschung diesen Irrtum des Feminismus längst widerlegt, den androzentrischen Irrtum korrigiert, die Vergangenheit mithilfe der Patriarchatskritikforschung neu geordnet und definiert. Mit dieser Neudefinition von Geschichte und Gesellschaft wurde der patriarchal gewollte Opferstatus verlassen und die denkerische Grundlage geschaffen, die Zukunft des Lebens auf der Erde tiefgreifend umzugestalten. Diese Umgestaltung kann gemeinsam mit patriarchatskritischen Männern und Vätern geschehen, denn nicht der Mann im Allgemeinen und der Vater im Besonderen ist das Ziel der Patriarchatskritik, sondern das Gesellschaftssystem des Patriarchats als zerstörerisches Herrschaftssystem.

Literatur zum Thema:

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, Norderstedt, 2013

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur; Weckruf für Zukunft; Norderstedt, 2014

Orientierung: Gut zur Einführung ins Thema: bewusst sehr kompakt und preiswert, Wichtige Zeittafel in dem Buch „Gott die MUTTER“ zum besseren Verständnis der matrifokalen Geschichte und der Patriarchalisierung mit Beginn des Wechsels von der Steinzeit hin zum Metallzeitalter

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, Norderstedt, 2013

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER; Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, Norderstedt, 2014

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, Riedenburg, 2010

Orientierung: Weiterführung des Themas, insbesondere, um die vom Patriarchat unsichtbar gemachte weibliche Menschheitsgeschichte out of africa nach Europa ins weibliche Bewusstsein zurückzuholen und den Beginn der Patriarchalisierung zu verstehen; In dem Buch „Das Muttertabu“ wird auch der „Mythologische Muttermord“ ausführlich behandelt. Dort findet sich neben einer patriarchatskritischen Abhandlung des Monotheismus auch eine patriarchatskritische Abhandlung über den Buddhismus und den Hinduismus

Armbruster, Kirsten: Mit Hagazussa durch das Jahr; eine Magische Hexengeschichte für Groß und Klein, Norderstedt, 2015

Orientierung: Die entpatriarchalisierten Jahreskreisfeste in Märchenform auch für Schulkinder zum Vorlesen geeignet

Armbruster, Kirsten: Je suis Charlène – Was Sie schon immer über Religion wissen wollten – Mit einem politischen Statement, Norderstedt, 2015

Orientierung: Humoreske und Politik unter Einbeziehung des Islam

Armbruster, Kirsten: Starke Mütter verändern die Welt; Was schiefläuft und wie wir Gutes Leben für alle erreichen, Rüsselsheim, 2007

Blog:

kirstenarmbruster.wordpress.com

 www.kirsten-armbruster.de

 

 

Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere – Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat, Berlin 2010

Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur, Berlin 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie; Norderstedt, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter Band 2; Norderstedt, 2014

Daly, Mary: Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des Radikalen Feminismus, München 1991

De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht; Sitte und Sexus der Frau, Hamburg, 1968

Derungs, Kurt und Isabelle M.: Magische Stätten der Heilkraft: Marienorte mythologisch neu entdeckt. Quellen, Steine, Bäume, Pflanzen, Grenchen, 2006

Eisler, Riane: The Real Wealth of Nations, San Francisco 2008

Felber, Christian: Gemeinwohlökonomie; Wien, 2014

Fester, Richard; König, Marie E.P.; Jonas, Doris F.; Jonas A. David: Weib und Macht – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau, Frankfurt am Main, 1980

Finkelstein, Israel und Silbermann, Neil A.: Keine Posaunen vor Jericho; Die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2004

Gimbutas Marija: Die Zivilisation der Göttin; Frankfurt am M., 1996

Gimbutas, Marija: Die Sprache der Göttin; Frankfurt am. M., 1998

Haarmann, Harald: Die Indoeuropäer; Herkunft, Sprachen, Kulturen, München 2010

Haarmann, Harald: Weltgeschichte der Sprachen; Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart, München, 2010

Haarmann; Harald: Geschichte der Sintflut; Auf den Spuren der frühen Zivilisationen, München 2005

Hamel, Elisabeth: Das Werden der Völker in Europa; Forschungen aus Archäologie, Sprachwissenschaft und Genetik, Berlin, 2007

James, E.O.: Der Kult der Großen Göttin, Bern 2003

König, Marie E.P.: Am Anfang der Kultur; Die Zeichensprache des frühen Menschen, Wien, 1981

Kutter, Erni: Der Kult der drei Jungfrauen; Eine Kraftquelle Weiblicher Spiritualität neu entdeckt, Norderstedt

Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats, Frankfurt a.M., 1995

Meier-Seethaler, Carola: Von der göttlichen Löwin zum Wahrzeichen männlicher Macht; Ursprung und Wandel großer Symbole, Zürich, 1993

Merchant Carolyn: Der Tod der Natur, Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft, München, 1994

Mies, Maria, Shiva, Vandana: Ökofeminismus: die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker – Eine neue Welt wird geboren, Neu-Ulm, 2016

Mulack, Christa: Religion ist zu wichtig, um sie den Männern zu überlassen; Die Göttin kehrt zurück, Stuttgart, 2011

Scheidler, Fabian: Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation, Wien, 2016

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung; Bergisch Gladbach, 2003

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt, Norderstedt

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht; Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte, Norderstedt, 2011, 2012

Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu, Stuttgart 2006

Walker, Barbara: Das Geheime Wissen der Frauen, Ein Lexikon, München, 1995

Walker, Barbara: Die geheimen Symbole der Frauen; Lexikon der weiblichen Spiritualität, München 1997

Weiler, Gerda: Der Aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine Feministische Anthropologie, Frankfurt am Main, 1994

Winker, Gabriele: CARE Revolution, Schritte in eine Solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015

Die BaskInnen und warum drei Viertel unserer Gene von ihnen abstammen

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Alter Grabstein im Baskenland, Sara, Spanien, Foto. Franz Armbruster

Das einzige Volk in Europa, das bis heute vorindoeuropäische matrifokale Wurzeln erhalten hat, ist das Volk der Baskinnen in Südfrankreich und Nordspanien, wo nicht zufällig der Caminos Francés, der Hauptweg des Muschelwegs beginnt, den das Patriarchat Jacobsweg nennt. Die Baskinnen sind nicht nur religionssoziologisch von besonderem Interesse, weil , wie der baskische Archäologe José Miguel de Barandiarán schreibt, die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich sind. (Siehe hierzu: Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014, S. 57-73) . Sie sind auch linguistisch und genetisch von besonderem wissenschaftlichen Interesse.

In meinem Buch „Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 103-11, habe ich mich auf die lingusitischen und genetischen Spuren der Baskinnen begeben:

„Beschäftigen wir uns nun mit der Sprache in diesem Gebiet. Die Baskische Sprache ist heute die einzige nichtindoeuropäische Sprache im westlichen Europa. Sie gilt wie das Sumerische als isolierte Sprache. Es wird angenommen, dass das Baskische der letzte überlebende Vertreter einer alteuropäischen Sprachschicht ist, die vor dem Eindringen des Indoeuropäischen in weiten Teilen Westeuropas verbreitet war. Harald Haarmann, einer der führenden Sprachwissenschaftler, stellt in diesem Zusammenhang in den Raum, „dass man zu Recht fragen kann, ob in den Strukturen der bekannten Sprachen nicht bestimmte Techniken zu identifizieren sind, die archaischen Charakter besitzen und offensichtlich fossile Nachklänge wesentlich älterer Sprachstadien sind“. In den Focus des Interesses rücken bei einer solchen Fragestellung natürlich die ältesten noch lebenden Sprachen der Welt. Dazu zählen, neben dem Dravidischen in Indien, die Sprachen des Kaukasus und in Westeuropa das Baskische. (Haarmann, Harald; 2010, S. 108/109).

Theo Vennemann, emeritierter Sprachwissenschaftler der Universität München, bezeichnet die nacheiszeitlichen Vorfahren der Basken als Vasconen und entwickelte hierzu seine Vasconentheorie, die besagt, dass die Vasconen die frühen BewohnerInnen Europas sind, die sich nach der letzten Eiszeit als WildbeuterInnen weit über den europäischen Kontinent ausbreiteten. Dort benannten sie Berge, Täler und Flüsse in ihrer Sprache mit Namen, die in Wortbausteinen zum Teil bis heute erhalten blieben. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 271). Dass es diese Wanderungen gegeben hat, lässt sich nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur linguistisch, sondern auch archäologisch, humangenetisch und nun auch religionsmythologisch bestätigen.

Heute ist das Baskenland eine relativ kleine Region an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, aber ur-sprünglich war das Gebiet der Basken wesentlich größer. Selbst nach der indoeuropäischen Eroberung durch die Kelten, die circa 800 v.u.Z. auf der iberischen Halbinsel einsetzte, können wir auf der unteren Karte feststellen, dass ein größerer Landstrich nördlich und südlich der Pyrenäen nicht keltisch sprach.

Verbreitung keltischer Völker und Sprachen

Verbreitung keltischer Völker und Sprachen: Quelle Wikipedia, Stichwort: Keltengelb: Gebiet der Hallstatt-Kultur im 6. Jahrhundert v. u.Z.; hellgrün: Größte keltische Ausdehnung, um 275 v. u.Z. .; sehr helles grün in Spanien: Lusitania (keltische Besiedlung unsicher); mittelgrün: Die „sechs Keltischen Nationen“, in denen es bis in die Frühe Neuzeit eine signifikante Anzahl Sprecher keltischer Sprachen gab.; dunkelgrün: Das heutige Verbreitungsgebiet keltischer Sprachen; Wikimedia Commons, User: Quartier Latin 1968, The Ogre, GNU-Lizenz)

An der Ostküste, im ehemaligen Einzugsgebiet der Impresso-KardialkeramikerInnen hielt sich lange das sogenannte Keltiberische, während im Gebiet, wo die vier französischen Muschelwegrouten aufeinandertreffen und in den Pyrenäen aquitanisch/vaskonisch gesprochen wurde. Aquitanisch und Vaskonisch sind sprachliche Vorläufer des heutigen Baskischen. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 271). Noch Caesar unterscheidet in seinem Bericht De Bello Gallico das keltische Gallien von Aquitanien. Und Lourdes Pomponius Mela beschreibt, dass das Land der Aquitanier sich von der Garonne bis zu den Pyrenäen erstreckte. Da auch das spätere Königreich Navarra zu großen Teilen baskisch war, können wir davon ausgehen, dass das Gebiet der Basken noch zu Zeiten Caesars wesentlich größer war als der heutige kleine Landstrich, denn die Römer nennen als baskische Stämme die Vascones und die Ausci. Die Ausci lebten in Aquitanien und ihre Hauptstadt war Eliumberrum, das heutige Aust. Die Basken selbst bezeichnen sich, wahrscheinlich abgeleitet von Ausci, heute als Euskaldunak oder Euskal Herritar und ihre Sprache als Euskara, wobei sich nach Vennemann „Euskara“ auch als „die Menschen des Westens“ übersetzen lässt. (Hamel, Elisabeth; 2007, S. 437).

Heute gehören die meisten der modernen Weltsprachen – ausgenommen das Chinesische, Japanische und Arabische – zum Kreis der indoeuropäischen Sprachen. Dazu zählen in Europa das Griechische, das Lateinische, das Englische, das Spanische, das Portugiesische, das Französische, das Deutsche, aber auch die zum Teil ausge-storbenen Sprachen wie das Keltische und das Germanische, ebenso wie das indische Sanskrit. Die Heimat der Indoeuropäer liegt, wie Marija Gimbutas bereits in den 1970 er Jahren mit ihrer Kurgan-Theorie beschrieben hat, in der südrussischen Steppe und nicht, wie andere Wissenschaftler zeitweise annahmen, in Anatolien.

Karte Indoeuropäische UrheimatGeographische Umrisse der indoeuropäischen Urheimat (nach Anthony 2007: 84, Nachzeichnung Franz Armbruster aus Haarmann, Harald, 2010, S. 21)

In diesem Zusammenhang weiß man auch, dass nicht die Indoeuropäer, wie immer wieder zu lesen, die neolithische Wirtschaftsweise der Keramik und des Ackerbaus nach Europa brachten, sondern die LinearbandkeramikerInnen und die Impresso-KardialkeramikerInnen. Die Indoeuropäer wiederum als Pferde züchtende Viehnomaden, erschienen erst 4500 v.u.Z. in Alteuropa und stehen in Verbindung mit der ersten Ausbreitung patriarchalischer Strukturen. Als Marija Gimbutas nachwies, dass sich durch die indoeuropäischen, pferdezüchtenden Viehnomaden ab 4500 v.u.Z. ein kultureller Bruch in Europa abzeichnete, der sich in einer plötzlich auftauch-enden hierarchischen Bestattungskultur in Verbindung mit einem patriarchalischen Sonnenkult äußerte und in krassem Gegensatz stand zu der früheren Kultur von Alteuropa, stießen ihre Forschungsergebnisse auf großes Interesse, aber auch auf Kritik. Eines der Hauptargumente gegen die indoeuropäische Invasion war die Tatsache, dass keine zahlenmäßig bedeutenden Migrationen festgestellt werden konnten. Heute ist auch dieses Rätsel gelöst. Harald Haarmann schreibt dazu in seinem 2010 erschienenen Buch über die Indoeuropäer:

„Mit der von Gimbutas konzipierten Kurgan-Theorie gab es ein Problem. Die von ihr postulierten Migrationen wurden als die Bewegungen von zahlenmäßig bedeutenden Bevölkerungsgruppen verstanden. Allerdings kann die Archäologie solche Migrationen nicht nachweisen, und auch die Humangenetik kann keine signifikanten Spuren im genomischen Profil späterer Bevölkerungen ausmachen. Die Vorstellung, dass riesige Reiterhorden aus der russischen Steppe nach Westen gestürmt wären, ist unhaltbar“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 47).

Die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs lässt sich wiederum aus der damaligen Bestattungskultur erklären, die im Gegensatz zur egalitären Kultur der Linearbandkeramik (LBK) auf eine hierarchische Sozialordnung und auf die Existenz einer Elite mit politischer Macht hinweist. Harald Haarmann fasst dazu die neuesten Erkenntnisse zusammen:

„Die Frühphase der Indoeuropäisierung stellt sich in neuem Licht dar, und zwar als die politische Kontrolle von nomadischen Eliten über die sesshafte agrarische Bevölkerung“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 48).

Kommen wir noch einmal auf die Basken zurück. Die Basken rückten nicht nur aus linguistischer Sicht in den Focus wissenschaftlichen Interesses. In den letzten Jahren beschäftigten sich auch die HumangenetikerInnen mit den Basken, allen voran das Forschungsteam um Cavalli-Sforza. Harald Haarmann hat deren Forschungsergebnisse über die Basken so zusammengefasst:

„Zu den ältesten Skelettfunden des modernen Menschen in Westeuropa gehören die von Cro-Magnon in der Dordogne. Danach werden die altsteinzeitlichen Bewohner jener Region als Cro-Magnon-Menschen bezeichnet. Diese älteste Bevölkerungsschicht des Homo sapiens in Westeuropa tritt auf den humangenetischen Karten als genetischer „Außenlieger“ (engl. outlier) deutlich in Erscheinung. Was das genomische Profil dieses Außenliegers von seiner Umgebung absetzt, ist eine hohe Frequenz (bis 70 Prozent) der Blutgruppe 0 und des negativen Rhesusfaktors. Diese genetische Charakteristik gilt auch für die heutige baskische Bevölkerung, die auf beiden Seiten der spanisch-französischen Grenze verbreitet ist. Vereinfacht ausge-drückt bedeutet dies, dass diejenigen Menschen, die die altsteinzeitlichen Höhlen ausmalten und das älteste Kalenderwesen der Welt erfanden, entfernte Verwandte der modernen Basken sind. (Cavalli-Sforza/Piazza 1993:11)“. (Haarmann, Harald; 2010, S. 109/110).

Als Bryan Sykes 1995 auf der zweiten Europakonferenz über Bevölkerungsgeschichte seine Forschungen über die maternale Mitochondrien-DNA, die nur über die Mutter vererbt wird, vorlegte, musste nach anfänglicher Skepsis, die bis dahin geltende traditionelle Sicht der europäischen Ur- und Frühgeschichte wieder einmal über den Haufen geworfen werden. Bis dahin ging die Fachwelt nämlich davon aus, dass die EuropäerInnen zum größten Teil von den Bauern abstammten, die vor circa 10 000 Jahren aufgrund der neolithischen Revolution aus dem Nahen Osten nach Europa eingewandert waren. Tatsächlich konnten die ForscherInnen nun anhand der maternalen Abstammungslinien feststellen, dass die meisten EuropäerInnen auf eine viel längere Reihe von Ahninnen zurückgingen. Die bis dahin herrschende Theorie, dass die Bauernpioniere aus dem Nahen Osten die Nachfahren des Cro-Magnon-Menschen verdrängt, die ihrerseits die Neandertaler verdrängt hatten, erwies sich als falsch. (Sykes, Bryan; 2003, S. 167-191).

Auch bei den humangenetischen Forschungen über die Abstammungsahnenlinie der EuropäerInnen war die Bevölkerungsgruppe der Basken besonders ins Visier der WissenschaftlerInnen geraten. Tatsächlich zeigten die humangenetischen Forschungen nun, dass 60-80 Prozent der Europäer dieselben Ahninnen haben wie die Basken. Das Team von Sykes entwickelte anhand der mitochondrialen DNA ein Abstammungsmodell, das aufzeigte, dass in der Bevölkerung Europas sieben große genetische Gruppierungen identifiziert werden konnten. Sykes führte diese Gruppierungen auf sieben Clanmütter zurück und gab ihnen die Namen Ursula, Xenia, Helena, Velda, Tara, Katrin, Jasmin, deren Anfangsbuchstaben auf die Sequenzgruppen zurückgingen, die er aus dem Klassifikationssystem des italienischen Genetikers Antonio Torroni übernommen hatte. Sykes bestimmte das Alter der auf die sieben Clanmütter zurückzuführenden Abstammungslinien zwischen 45 000 und 10 000 Jahre. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen unterbreitete er schließlich einem breiten Publikum in dem populärwissenschaftlichen Bestseller „Die sieben Töchter Evas – Warum wir alle von sieben Frauen abstammen“ (2003).

Inzwischen konnten die uralten, ins Paläolithikum reich-enden genetischen Abstammungslinien der EuropäerInnen auch über die Y-Chromosomen-DNA bestätigt werden, und so wird seitdem die europäische Geschichte aus humangenetischer Sicht ganz anders geschrieben, als noch vor 15 Jahren: nämlich als im Paläolithikum wurzelnd. Am 10. November 2000 erschien in der Zeitschrift Science der Artikel „Das genetische Erbe des paläolithischen Homo sapiens aus der Sicht der Y-Chromosomen“. Verfasst war der Artikel von einem großen Team von Forschern aus Italien, Osteuropa und den Vereinigten Staaten, unter ihnen Cavalli-Sforza. In dem Artikel wurde Bezug genommen auf die, 1996 von Bryan Sykes und seinem Team veröffentlichten Ergebnisse anhand der mitochondrialen DNA, die darauf verwiesen, dass der paläolithische Anteil am Gen-Pool etwa 80 Prozent und das neolithische Erbe 20 Prozent ausmachten. Der nun erschienene Artikel endete mit dem Wortlaut: „Unsere Befunde unterstützen diese Schlussfolgerung“. (Sykes, Bryan; 2003, S. 218/219).

Ein weiterer Meilenstein in der Korrektur des Verständnisses der Menschheitsgeschichte, diesmal aus kulturwissenschaftlicher Sicht, gelang Gerhard Bott mit seinem 2009 veröffentlichten Werk „Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie“. Mit seinem ur- und frühgeschichtlichen Forschungsschwerpunkt konnte er die bisherige Annahme der monogamen Vater-Mutter-Kind-Familie als Urfamilie und des Jägers als Hauptversorger einer solchen Paarungsfamilie als falsch widerlegen. Tatsächlich hat die Urvaterthese mit ihrer Focussierung auf den Vater keinen Bestand bei der Annahme einer natürlichen freien Sexualität der Menschenfrau, der sogenannten female choice. Botts kenntnisreiche religionssoziologische Studien zeigten die Entstehung der herrschaftstheologischen Erfindung der Götter über die Zwischenstufe der Heiligen Hochzeit zur monotheistischen Patriarchatstheologie deutlich auf. Weitere Forschungen von Gabriele Uhlmann aus archäologisch-soziologischer Sicht (Uhlmann, Gabriele; 2011, 2012) und von mir aus religionssoziologischer und religionsmythologischer Sicht (Armbruster, Kirsten 2010, 2013) brachten die herrschende patriarchale Ideologie weiter zu Fall. Tatsächlich ist nun auf der Basis der ur- und frühgeschichtlichen Patriarchatskritikforschung ein völlig anderes Verständnis der menschlichen Geschichte und an dieser Stelle der europäischen Geschichte möglich. Deutlich wird für die Ur- und Frühgeschichte, die bisher gerne lapidar als nicht existierende oder unwesentliche Vorgeschichte bezeichnet wird, die Existenz einer Zivilisation der Mütter.“. (Text aus dem Buch: Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, 2013, S. 103-11).

Literatur:

Armbruster, Kirsten: Das  Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter – Essays zur Politischen Theologie, 2009

Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. 1996

Hamel, Elisabeth: Das WErden der Völker in Europa; Forschungen aus Archäologie, Sprachwissenschaft und Genetik, 2007

Haarmann, Harald: Die Indoeuropäer; Herkunft, Sprachen, Kulturen, München 2010

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung, 2003

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht; Zur Instrumentalisierung der Ur- und frühgeschichte; 2011,2012

 

 

 

Atapuerca oder 1,3 Millionen alte Menschenspuren am Muschelweg

 

Die Wurzeln Europas mit den ältesten Menschenspuren finden wir am Muschelweg, der vom Patriarchat Jacobsweg genannt wird. Nicht zufällig findet sich noch heute die größte Marienkathedrale  des Muschelwegs in Burgos, das nicht weit von Atapuerca entfernt liegt. In meinem Buch:

Armbruster, Kirsten: „Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1 (2013)

habe ich mich auf die Suche nach den Wurzeln Europas begeben.

Der Text in pdf Format stammt aus diesem Buch (S. 92-102):

Atapuerca oder 1,3 Millionen alte Menschenspuren am Jacobsweg

Die Lüge vom Urvater

Aus dem Buch: Armbruster, Kirsten:  „Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus“ (2013, S. 15-17)

Beruhend auf den Erkenntnissen von Frazer und Darwin postulierte Siegmund Freund einst die Irrlehre vom Urvater. Freud glaubte, dass die Menschen ursprünglich in Horden lebten, die alle unter der Herrschaft eines einzigen, starken, gewalttätigen und eifersüchtigen Männchens standen. Abgeleitet wurde dies vom Verhalten des Gorillas.

Viele weitere Autoren haben versucht die Bedeutung des Vaters vom Anbeginn der Geschichte zu untermauern mit den unterschiedlichsten Annahmen, wie z. B.

 

  • dass, die Paarungsfamilie von Vater, Mutter, Kind die Urfamilie des Homo sapiens sei, oder,
  • dass die Kinder nur durch den Schutz des Vaters hätten überleben können, oder,
  • dass die Jäger die hauptverantwortlichen Nahrungsbeschaffer der paläolithischen, also der altsteinzeitlichen Gemeinschaft gewesen wären, oder aber,
  • dass die Frauen, sich in den Schutz einer monogamen Paarbeziehung begeben hätten, um sich vor den sexuellen Nachstellungen anderer Männer – Bachofen nennt dies die promiske Sumpfzeugung -, zu schützen.

Gerne ist in diesem Zusammenhang von der überlegenen Körpergröße des Mannes, von einem höheren Aggressionstrieb aufgrund des Hormons Testosteron, von Hodengröße und Ejakulatmenge die Rede.

Heute können wir postulieren, dass die Argumente der Urvatergemeinde widerlegt sind. Einen wesentlichen Teil dazu hat Gerhard Bott beigetragen, der sich sowohl in seinem 2009 erschienenen Buch „Die Erfindung der Götter“ als auch in dem elektronisch erschienenen zweiten Band (www.gerhardbott.de) fachkundig mit der Urvatergemeinde, wie er sie nennt, auseinandergesetzt hat. Bott schreibt:

 Die Lüge vom Urvater:

„Es gibt heute genügend und gute Gründe für die Annahme, dass die paläolithischen homo-sapiens-Wildbeuter in Gemeinschaften oder Genossenschaften lebten, in denen sich zu einer Bluts-Familie von Frauen eine Gruppe exogamer Männer gesellte“, und: „Die paläolithischen Wildbeutergemeinschaften – das ist heute ebenfalls belegt – waren egalitäre, akephale Gruppen ohne Hierarchie, ohne „Horden-Chef“, ohne Häuptling oder Gentilvorstand; denn Hinweise auf Hierarchie, die sich immer zuerst an der Ungleichheit der Bestattung zeigt, gibt es erstmals im Neolithikum. Erst im Neolithikum beginnt das, was wir Herrschaft nennen und Herrschaft ist immer ein Kennzeichen des Patriarchats“ (S.25).

Bereits ein paar Seiten vorher konstatiert Bott:

„Für das in der patriarchalischen Wissenschaft verkündete Wunsch- und Trugbild vom die „Familie“ schützenden und dominierenden Urvater gibt die Soziobiologie also absolut nichts her, sondern sie beweist das Gegenteil: nicht „der Vater“ schützt „seine“ Kleinfamilie vor Gefahren, sondern alle males schützen und verteidigen ihre Horde gemeinschaftlich, wobei ihnen das Kollektiv der „females“ mit seiner hochausgebildeten Solidarität beste Unterstützung gibt“(19).

Die Urfamilie des Menschen ist also keine Vater-Mutter-Kind-Paarungsfamilie, sondern eine Blutsfamilie in matrilinearer Abstammung mit einem durch Chemotaxis gesteuerten Inzestverbot innerhalb dieser matrilinearen Abstammungslinie und einer daraus resultierenden sexuellen exogamen Partnerwahl innerhalb eines endogamen Stammes. Einfacher ausgedrückt bedeutet dies: Die Mütter standen soziologisch gesehen von Anbeginn der Menschwerdung im Zentrum der menschlichen Gemeinschaft und um dieses mütterliche Zentrum entstand das erste religiöse Weltbild von Gott der MUTTER als Kosmischer Mutter.

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, Norderstedt, 2009