Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung

Zeittafel aus dem Buch: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheimus von Armbruster, Kirsten, 2013


Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung

I. Zeit der Heiligen Steine : Zeit der Matrifokalität

1. Paläolithikum (Altsteinzeit)

Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann

500 000 bis 300 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Tan-Tan in Marokko mit rotem Ocker

300 000, eventuell sogar 600 000 v.u.Z.: Älteste Begräbnisstätte (mortuary site) in Europa in der Höhle von Sima de los Huesos (Pit of the Bones), Atapuerca, Burgos, Spanien

280 000 bis 250 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Rebekhat Ram aus rotem Tuffstein, Golanhöhen, Israel/Syrien

100 000 v.u.Z.: Bisher ältestes erhaltenes Grab in der Höhle von Qafzeh bei Nazareth in Israel

40 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Willendorf, Wachau, Österreich
25 000 bis 20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Laussel, Dordogne, und Lespugue, Haute Garonne, Frankreich

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Dolni Vestonice, Mähren, Tschechien

20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Avdeevo, Russland

18 600 v.u.Z.: Älteste Bestattung in Deutschland in der Mittleren Klausenhöhle in Essing (Cro-Magnon-Mensch), Altmühltal, Bayern. Der circa 30-jährige Tote war in eine dicke Schicht Rötel gehüllt.


2. Neolithikum (Jungsteinzeit)

ab 10 500 v.u.Z. in Anatolien und Vorderer Orient
ab 6500 v.u.Z. in Südosteuropa
ab 5500 v.u.Z. in Mittel- und Westeuropa

Beginn der Sesshaftigkeit mit Gartenbaukulturen und Kleintierhaltung vor allem als weibliche Ökonomie, weiterhin ergänzende Jägerökonomie; 7000 v.u.Z.: Beginn der Rinderdomestikation als hauptsächlich männliche Ökonomie (Cowboyökonomie)?


II. Metallzeitalter: Zeit des Patriarchats

1. Chalkolithikum (Kupfersteinzeit)

ab dem späten 5. Jahrtausend v.u.Z. im Vorderen Orient
ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

Beginn von patriarchalen hierarchischen Gesellschaftsstrukturen

4500 v.u.Z. Beginn des Pflugackerbaus
4000 v.u.Z.: Beginn der Pferdedomestikation
Beginn erster hierarchischer Gesellschaften mit Herrschergräbern in Arsan Tepe in Anatolien mit einer Grabbeigabe von Kupferschwertern und um 4500 v.u.Z. in Warna am Schwarzen Meer im heutigen Bulgarien mit Kupferwaffen, einer Muttergottheit und dem ältesten Goldfund weltweit (Haarmann, Harald, 2005, S. 79; Bott, Gerhard, 2009, S. 317)

2. Bronzezeit: Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient
2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

3500 v.u.Z.: Auftauchen der ersten Streitwagenkrieger als Voraussetzung für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Hierzu zählen die Sumerer, die indoeuropäischen Kurgan-Völker (Hethiter, Arier, Churriter, Achäer) und die hamito-semitischen Akkader, Amoriter und Aramäer (Bott, Gerhard, 2009, S. 395/396)

ab 3300 v.u.Z. erste namentlich erwähnte männliche Vegetationsgötter in Mesopotamien Ea/Enki, in Sumer Dumuzi und in Ägypten Min/Osiris

ab 2000 v.u.Z. Auftauchen der ersten Reiterkrieger

1500 v.u.Z. Auftauchen des ersten monotheistischen Gottes Aton in Ägypten

3. Eisenzeit: Durchsetzung des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 1400 v.u.Z. in Kleinasien
ab 1000 v.u.Z. in Europa

1100 v.u.Z. Muttermord im babylonischen Weltschöpfungsepos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat
650 v.u.Z. in der Zeit von König Josia Durchsetzung der ersten monotheistischen Theologie im Judentum
458. v.u.Z. Muttermord in der griechischen Orestie

4. Spätere Geschichte

Weltweite Durchsetzung der patriarchalen Indoktrinationen: die offizielle Geschichte wird als rein männliche Geschichte dargestellt; Urvaterlüge; patriarchale Weltreligionen als politische Theologien

6. bis 8. Jahrhundert n.u.Z.: Beginn der Christianisierung in Mitteleuropa
13. bis 20. Jahrhundert: Zeit der Inquisition und Hexenverfolgung in Europa und imperialistische Kolonisation, in der die Erinnerung an Gott die MUTTER mit äußerster Brutalität ausgemerzt werden sollte.

Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz – Die Religion von Gott der MUTTER

Vorwort aus dem Buch:

 Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

„Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz. Diese, uns aus Märchen bekannten Farben, geben die Farben der göttlichen Kosmischen Mutter wieder, die als aseitätische, parthenogenetische Gott die MUTTER schon in den Höhlen des Paläolithikums (Altsteinzeit) im Zentrum von Religion stand. Bis heute wird dieses Alte Wissen tradiert durch die Überlieferung, der zur Folge der Storch, in seinen typischen Mutterfarben, die Kinder bringt, wobei die Wenigsten die Wurzeln dieser Überlieferung heute noch verstehen.

Das lateinische Verb „Religare“, das die Wurzel von Religion widergibt, wird nicht zufällig übersetzt mit: Anbinden, Losbinden und Zurückbinden. Tatsächlich weist diese Bedeutung deutlich darauf hin, dass es bei Religion ursprünglich um Bindung ging. Die Bindung an die Mutter und die Bindung an die matrilineare Ahninnenreihe durch einen mütterlichen Wiedergeburtsglauben, denn die engste körperliche Bindung, die Menschen im Leben jemals haben, ist die zwischen Mutter und Kind im Mutterleib. Diese Bindung beruht auf der blutpulsierten, roten Nabelschnur. Das Neugeborene kommt an der Nabelschnur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden innerhalb der mütterlichen Ahninnenreihe schließt sich der Kreis. Der Tod wandelt sich in neues Leben.

Im Patriarchat wird die mütterliche Religion, die auf der matrilinearen Abstammung beruht, durch kopfgeburtliche Theologien ersetzt und im Zuge dieser Theologisierung von ursprünglicher Religion vermännlicht, wozu es vieler unnatürlicher Indoktrinationen bedarf. Gott wird als Ergebnis dieser kopfgeburtlichen Theologisierungen ein Vater. (Armbruster, Kirsten, 2014, S. 14-15). Das Wort Religion wird also von den patriarchalen Theologien missbraucht, denn das Wort Religion macht nur im mütterlich-göttlichen Verständnis einen Sinn.

In dem ersten Band dieser Reihe: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus (2013), wurden die Grundlagen der Religion um Gott die MUTTER, deren geschichtliche Einordnung sowie deren Vereinnahmung, Dämonisierung und scheinbare Vernichtung, insbesondere durch die monotheistischen politischen Theologien, wieder freigelegt.

Da der Europarat 1987 den Jacobsweg, der heute große Teile Europas durchzieht, zum ersten europäischen Kulturweg deklarierte, war es interessant, der Frage nachzugehen, ob sich die Religion von Gott der MUTTER auf diesem Wallfahrtsweg wiederfinden lässt. Da der Jacobsweg als Wallfahrtssymbol die Muschel hat, ein seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) bekanntes, zutiefst weibliches Symbol, war das wahrscheinlich. Der interdisziplinäre Ansatz der Patriarchatskritikforschung offenbarte dann auch sehr schnell, dass für den ersten europäischen Kulturweg nicht zufällig die Muschel als Wallfahrtssymbol gewählt wurde, sondern dass die Bezeichnung Jacobsweg für den ursprünglichen Muschelweg tatsächlich nur eine späte, patriarchal-kriegerische Überlagerung darstellt, und der Muschel-Wallfahrtsweg, wie kein anderer, die Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Diese, unser heutiges, von patriarchalen Indoktrinationen geprägtes Weltbild erschütternden Forschungsergebnisse wurden in dem ebenfalls 2013 erschienenen Buch: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland – Die Wiederentdec-kung der Wurzeln Europas, veröffentlicht.

Die Forschungsergebnisse im Überblick

Die ältesten Spuren von Menschen in Europa finden wir in Atapuerca in Spanien am Muschelweg

Auf dem Muschelweg finden wir schon sehr frühe Spuren der Religion von Gott der MUTTER, denn die Muschel symbolisiert als Grabbeigabe schon im Paläolithikum in Verbindung mit rotem Ocker das Tor zu neuem Leben.

Wallfahrtswege sind ein Erbe der WidbeuterInnen aus dem Paläolithikum und in Europa sind sie vergleichbar mit den Traumpfaden der Aborigines in Australien.

Das Gebiet in Südfrankreich und Nordspanien, das heute zum Hauptweg des Muschelwegs zählt, ist in Europa das klimatische Rückzugsgebiet der Menschen während der Eiszeiten. Deshalb finden wir hier konzentriert die berühmten Höhlenmalereien des Paläolithikums, die sich als Kathedralen der Steinzeit erweisen, eingebettet in ein soziales Netz der Matrifokalität und in die Religion von Gott der MUTTER.

In den besonderen Focus rücken hierbei die Vorfahren der heutigen BaskInnen, deren Lebensgebiet nicht nur in Aquitanien in Südfrankreich zu finden ist, wo heute die vier Hauptrouten des französischen Muschelwegs sich vereinigen, sondern die gesamten Pyrenäen und den östlichen Teil Nordspaniens umfasste.

Da inzwischen humangenetisch nachgewiesen ist, dass die genetischen Wurzeln von 60-80% der heutigen EuropäerInnen auf die Vorfahren der BaskInnen zurückgehen, können wir davon ausgehen, dass diese Menschen nach der letzten Eiszeit, entlang der Flusstäler, Europa rückbesiedelten und ihre mütterliche Zivilisation mit den aus der Matrifokalität stammenden, erworbenen Kulturtechniken und der Religion von Gott der MUTTER mitbrachten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir heute auch den weit verbreiteten katholischen Anna-Maria-Kult als nicht christlich entlarven und ihn auf die matrifokalen Lebensverhältnisse und den damit verbundenen Kult der göttlichen Mutter während der Steinzeit zurückführen. Ins besondere Interesse rückt hierbei die baskische Göttin Mari, die in Europa bis heute am meisten von der vorpatriarchalen Alten Religion von Gott der MUTTER bewahrt hat.

Matrifokalität ist nicht nur die Wurzel von Religion, sondern die Wurzel von menschlicher Kultur insgesamt. Da das Wissen über Matrifokalität durch die patriarchalen his-storischen Verdrehungen und Unterschlagungen für die Meisten noch so wenig präsent ist, wurden die heute bereits freigelegten her-storischen Tatsachen in dem 2014 erschienenen Buch „Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur“, zusammengefasst. (Armbruster, Kirsten: Matrifokalität, 2014).

Der androzentrische Irrtum Patriarchatskritische Worte zum Frauentag 2017

Historiker haben das Wirken von Frauen zugeschüttet.

Aus der fehlenden Erinnerungskraft der Frauen, haben sie das männliche Monopol abgeleitet, Definitionen festzulegen. Die Folge davon ist der androzentrische Irrtum, auf dem unsere gesamte patriarchale Zivilisation aufgebaut ist. Auf diese für den Feminismus fundamentalen Zusammenhänge haben zwei führende amerikanische, inzwischen verstorbene Feministinnen, Gerda Lerner und Mary Daly bereits deutlich hingewiesen. Und Mary Daly hat auch benannt, wie wir diesen androzentrischen Irrtum – wie Gerda Lerner ihn treffend bezeichnet hat – wieder los werden.

In ihrem Buch Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des Radikalen Feminimus schreibt Mary Daly:

Er-innern ist das Heilmittel!

Ich möchte ergänzen: nicht er muss sich erinnern, nein: sie muss sich erinnern.

Mit der Methode der interdisziplinären  Patriarchatskritikforschung haben wir die verschüttete Geschichte der Frauen inzwischen schlüssig freigelegt und aufgeschrieben. Wieviele von euch Frauen haben sich mit unseren Forschungsergebnissen eingehend beschäftigt, haben sie gelesen?

Wenn ich den heutigen Feminismus anschaue, so scheint mir: kaum eine!

Tatsächlich bewegen sich die meisten Frauen – und leider gerade auch die Feministinnen – im Irrtum einer Simone de Beauvoir, die der patriarchalen Erinnerungsauslöschung leider auf den Leim ging und glaubte, was die Patriarchen uns mit Gewalt eingetrichtert haben:

Frauen haben keine Vergangenheit, sie haben keine Geschichte, sie haben keine Religion!

Das ist die patriarchale Lüge! Das ist die Grundlage des androzentrischen Irrtums!

Tatsächlich ist es so, dass bis auf die letzten 6000 Jahre, die Frauen im Zentrum der Menschheitsgeschichte standen!

Tatsächlich ist es so, dass Kultur ein Synonym für weiblich ist!

Tatsächlich ist es so, dass die älteste Religion der Welt eine Religion der Mutter ist und alles was danach kam nur Männermachttheologien sind, die auf der Basis des mythologischen Muttermords fußen !

Tatsächlich ist es so, dass nicht die Frau das andere Geschlecht ist, sondern der Mann, der Mann, den die Natur in ihrer biologischen – nicht biologistischen – Weisheit völlig körperlich integriert hat in das Weibliche, weil es nur im Weiblichen integriert – nicht-zerstörerisch ist.

Das ist das Geheimnis der Mutter! Und das ist das einzige Ziel des Patriarchats: Dass wir – die Frauen – die wir alle Töchter einer Mutter sind – das vergessen!

Solange die Frauen das nicht wieder verstehen, solange die Frauen sich nicht wieder verwurzeln in ihrer eigenen Geschichte, die uns alle verbindende Radix, die Wurzel der Menschheit wieder-erinnern, ist der Feminismus nur Aktionismus, ohne den Kern des Patriarchats zu berühren.

Leider!

Literatur zur Wieder – Erinnerung der weiblichen Wurzeln der Menschheit:

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas – Teil 1, 2013

Teil 2 dazu:

Armbruster, Kirsten: Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur, 2014

Armbruster, Kirsten: Gott die Mutter – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Band 1 und Band 2, 2009 und 2014

Daly, Mary: Gyn/Ökologie – Eine Methaethik des radikalen Feminismus 1991

Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats, 1995

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt

 

 

 

 

 

 

 

Der Islam ist keine Rasse

Eines der am meisten gebrauchten Wörter des letzten Jahres ist das Wort Rassismus. Islamkritik ist rassistisch sagen die Links-Liberalen – mit Betonung auf Liberal – und rücken alle IslamkritikerInnen in eine rechtspopulistische Ecke. Tatsächlich nehmen sich aber Rechts-Liberale und Links-Liberale nicht viel, denn sie sind vor allem liberal gegenüber dem Patriarchat, das die zentrale Rolle der Mütter, die naturgegebene Matrifokalität der menschlichen Spezies ignoriert. Unter der liberalen Fahne des Patriarchats wird der globalisierte Neoliberalismus als alternativloses ökonomisches Heil angepriesen, die Vaterschaft als verbesserte Mutterschaft angepriesen- wie es das deutsche Leitmedium DER SPIEGEL in seiner Weihnachtsausgabe 2015 tat, oder eben Religionsfreiheit als Inbegriff demokratischer Toleranz propagiert. Der Sexismus der heutigen sogenannten Weltreligionen wird dabei wohlwollend ignoriert – wie unwichtig, betrifft er doch nur die Hälfte der Menschheit: Frauen!

Die heutigen sogenannten 5 Weltreligionen, Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus sind alle patriarchal. Kein Wunder, denn der Grund ihrer Gründung ist die Durchsetzung des weltweiten Patriarchats in der unheilvollen Verquickung zwischen Theologie und Politik. Die Hauptbotschaft dieser Theologien: das Patriarchat ist gottgewollt! Damit erscheint es alternativlos. Das ist das Ziel. Doch der Schein trügt!

Das Christentum ist weltweit heute noch die politisch-patriarchale Theologie mit den meisten AnhängerInnen. Auf 2,2 Milliarden wird ihre Zahl geschätzt. Der Islam hat 1,6 Milliarden AnhängerInnen und ist damit die zweitgrößte politisch-patriarchale Theologie, Tendenz wachsend. Die Verbreitung dieser Theologien ist ubiquitär. Es sind also keine „Rassen“ von der Verbreitung dieser Theologien betroffen. Der Vorwurf des Rassismus gegenüber der Islamkritik ist also ein liberales Ablenkungsmanöver der PatriarchatsanbeterInnen. Tatsächlich leben die meisten Moslems/Muslima in Indonesien, gefolgt von Pakistan, Indien, Bangladesch, Ägypten, Nigeria, Iran, Türkei, Algerien und Marokko. Die islamfundamentalistisch-wahabitischen Saudis, die heute zunehmend den sunnitischen Teil der islamischen Patriarchatsideologie beeinflussen, spielen zahlenmäßig nur eine geringe Rolle. Trotzdem dominieren sie die theologische Auslegung des Koran. Das Gegenteil von Demokratie also, wenn eine Minderheit die Mehrheit dominiert: tatsächlich also eine Theologiediktatur. In Europa leben übrigens auch Moslems/Muslima, nicht nur im europäischen Teil der Türkei, sondern auch in Albanien, Bosnien Herzegowina, im Kosovo und in Mazedonien. Der Islam eine Rasse?

Tatsächlich haben alle drei monotheistischen Theologien die gleiche Wurzel. Sie enstanden im Nahen Osten in jeweils siebenhundertjährigem Abstand: 650 v.u.Z. unter König Josia das Judentum, fast 700 Jahre später das Christentum und noch einmal 700 Jahre später der Islam. Das ideologische Fundament aller drei monotheistischen Theologien sind die 5 Bücher Mose. Das erste weltweit christianisierte Land war Ägypten. Die Christen dort nannten sich Kopten. Und es entwickelten sich im Nahen und Mittleren Osten weitere mächtige, christlich orthodoxe Ableger, wie die chaldäische Kirche zum Beispiel im Irak oder die syrisch-orthodoxe Kirche. Sind JüdInnen, Moslems/Muslima und ChristInnen, da sie den gleichen örtlichen  Ursprung haben, also die gleiche Rasse? Spätestens hier wird ersichtlich, dass der Begriff der Rasse bei der Kritik am Monotheismus nicht verfängt.

Tatsächlich haben wir es mit einer weltweiten Ausbreitung eines theologisch begründeten Patriarchats zu tun. Das Judentum spielt zahlenmäßig nur eine geringe Rolle, schon deshalb, weil Mann nicht einfach zum Judentum konvertieren kann, sondern den Nachweis erbringen muss, von einer jüdischen Mutter abzustammen. Die mit massiver struktureller Gewalt durchgesetzte Verbreitung des Christentums hat dann menschengeschichtlich bisher die meisten Menschenopfer zur Folge gehabt und konnte nur durch die Aufklärung und die Säkularisierung weitgehend gestoppt werden. Nun rollt gerade die dritte gottdefinierte Patriarchalisierungswelle durch die Welt: der Islam. Raffiniert, erlaubt doch der Islam offiziell nicht, sich ein Bild Gottes zu machen. Allah ist also angeblich weder Frau noch Mann, aber fragen sie mal einen Moslem/eine Muslima ob sein/ihr Gottesbild weiblich ist!

Tatsächlich war das ursprüngliche Gottesbild weltweit, aber insbesondere im Nahen und Mittleren Osten und in Europa weiblich, genau gesagt mütterlich. Am Anfang war Gott im menschlichen Bewusstsein eine Mutter und die ältesten Urmütterfigurinen stammen aus eben diesem einheitlich religionsgeschichtlich mütterlichem Kulturraum. Die älteste jemals gefundene Urmutterfigurine, deren Alter zwischen 300 000 und 500 000 Jahre geschätzt wird, stammt aus Tan-Tan aus Ma-rokko. Die zweitälteste, deren Alter zwischen 250 000 und 280 000 Jahre geschätzt wird, aus Rebekhat Ram in den Golanhöhen im heutigen Israel/Syrien. Die drittälteste bisher gefundene Urmutterfigurine, die Urmutter vom Hohle Fels, stammt aus der Schwäbischen Alb in Deutschland. Es folgen zahlreiche Urmutterfigurinen des Paläolithikums (der Altsteinzeit) in Willendorf und Stratzing in Österreich, in Dolni Vestonice in Tschechien, in Frankreich, in Russland, in Samarra im Irak, in Mehrgarh im Industal und, und,  und…… Ein ursprünglicher Kulturraum also! Genauer gesagt ein, in der Matrifokalität der Steinzeit verwurzelter mütterlicher Kulturraum. Sind wir also eine Rasse – wir JüdInnen, ChristInnen, Moslems/Muslima, HinduistInnen und BuddhistInnen der heutigen Zeit?

Tatsächlich sind wir ursprünglich alle mütterabstammend, körperlich und auch im religiösen Sinn. Kein Wunder bezieht sich Religion doch eigentlich auf diese mütterliche Abstammung und Geborgenheit im Kreislauf des Lebens und des Todes. Religere heißt nicht umsonst: anbinden, losbinden und zurückbinden. Angebunden an die Nabelschnur der Mutter kommen wir alle auf die Welt, losgebunden von der Nabelschnur leben wir unser Leben und im Tod kehren wir zurück zur Erde, die unser aller Mutter ist. Das ist der Ursprung von Religion: Gott als Mutter, von der wir abstammen und zu der wir wieder im Tode zurückkehren. Wie tröstlich! Das war in Mekka auch noch zu Zeiten Mohammeds so, war doch die Kaaba, der schwarze Stein, der bis heute in einer silbernen Vulva eingefasst ist, den Göttinnen Al-lat, der Milchgebenden und den Göttinnen Al-Uzza und Menat geweiht. Und der heilige Brunnen Zam Zam in Mekka ist der Brunnen der Hagar, der Mutter, von der sich alle Moslem/Muslima  abstammend herleiten.

All dieses Wissen ist durch die Patriarchatskritik- und die Matrifokalitätsforschung längst freigelegt. Die kommenden 13 Weihenächte mit der Mutternacht im Zentrum, die sogar die bereits patriarchalisierten GermanInnen noch Modraniht – Mutternacht – nannten, eignen sich hervorragend dazu, sich in diese Thematik zu vertiefen.

Ich wünsche allen eine gesegnete Weihenächtezeit und empfehle zur Vertiefung und als Patriarchatsbefreiung folgende Literatur:

Literatur:

Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014

Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, 2013

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, 2009

Bott Gerhard: Die Erfindung der Götter, Band 2, 2014

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt

 

 

 

Matrifokale Gedanken zu Kar-Freitag

Der Karfreitag ist ein Tag des Todes.

In der patriarchal-christlichen Kultur bedeutet das: ein Tag der Trauer. Kein Wunder geht es doch im Patriarchat immer um den gewaltsamen Tod, den unnatürlichen Tod, der die Gute Frau Tod, La Bonne Mort, wie wir sie zum Beispiel noch in der Schwarzen Madonna von Clermont Ferrand in der Auvergne in Frankreich finden, verdrängt hat.

Wir können davon ausgehen, dass der Kar-Freitag eine uralte Tradition hat, der im matrifokal-zyklischen Verständnis der Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine, die vor der Kriegsbeginnzeit der Metallausbeutung liegt, wurzelt. Das erschließt sich daraus, dass die Silbe kar auch in den Varianten cer oder ser eine durch die Patriarchatskritikforschung wieder freigelegte uralte Stein-Mutterwurzelsilbe ist, wie wir sie beispielhaft in dem Wort Karst, aber auch im Karwendelgebirge oder als Montserrat, dem Fels der Schwarzen Madonna von Montserrat in der Nähe von Barcelona in Spanien finden.

Die Mutterwurzelsilbe kar ist aber nicht nur eine Steinsilbe, sondern sie steht auch im Zusammenhang mit Fürsorge, wie wir es aus to care oder karitativ auch heute noch kennen. Die Mutterwurzelsilbe kar hat aber auch noch eine dritte Bedeutung. Wir begegnen ihr nämlich auch in Verbindung mit Fleisch wie in carne, oder in dem Wort Re-in-kar-nation, wo sie das „Wieder in Fleisch-gekleidet werden“ bedeutet.

Das uralte steinzeitlich-matrifokale Verständnis von Kar ist also eine Wieder-Manifestierung des neuen Lebens, die in dem zyklisch-sichtbaren Naturverständnis der Religion der göttlichen Mutter auf dem Absterben des Alten wurzelt. Schaue ich in die Natur, so sind die Blätter des alten Jahres schon größtenteils verwandelt und in dieser Verwandlung wird das neue Jahr, das neue Leben in Form von ersten Trieben oder Blüten bereits sichtbar. Die Mutterwurzelsilbe kar bedeutet also Geborgenheit und Verlässlichkeit des Lebenskreises, wie sie durch die Gute Frau Tod verkörpert wird

Sie ist kein Grund zur Trauer!

Machen wir uns diese Lebenszusammenhänge wieder klar, so ist es auch kein Zufall, dass der Karfreitag an einem Freitag gefeiert wird, ist doch der Freitag eng mit der Göttin verbunden. Wir kennen die Göttin Freya, deren Feiertag der Freitag war. Wir kennen aber auch die Göttin Venus, die am Vendredi, dem Freitag im Französischen gefeiert wurde. Und wir kennen auch den Freitag als Feiertag der vorislamischen AraberInnen, der urspünglich zu Ehren der mit der Mondsichel verbundenen Göttinnentrinität Al-lat, Menat und Al-Uzza mit der schwarzen Vulva-Stein-Kaaba in Mekka in Saudi-Arabien gefeiert wurde.

Ziehen wir also die patriarchalen Vernebelungsschleier weg!

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren lebensweisheitlichen Karfreitag!

Die ursprüngliche Bedeutung von Anna-Orten

Anna-SelbdrittOben zu sehen ist die Figur der Anna-Selbdritt, hier im Kloster Santa Maria de Santa Cruz in der Nähe von Jaca, einem der ersten Orte des Camino Francés-Muschelwegs in der Nähe der Pyrenäen an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich, den das Patriarchat Jacobsweg nennt. Die Figur der Anna, welche die Mutter der christlichen Maria sein soll, ist nicht biblisch. (siehe hierzu Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER  – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013, S. 33-45). Insbesondere die sehr häufige Figur der Anna Selbdritt, welche die Anna als Großmutter, als Ahnin zeigt, offenbart überdeutlich, dass die Figur aus der matrifokalen Zeit Europas stammt, denn Maria ist hier noch ein Mädchen, kann also selbst noch gar keine Mutter sein. Tatsächlich steht die Figur der Anna-Selbdritt immer für die matrilineare Ahninnenreihe in die, wie die Figur zeigt, das Weibliche und das Männliche hineingeboren werden, und hinter der Figur der Anna-Selbdritt versteckt sich die in der Matrifokalität wurzelnde Religion von Gott der MUTTER. Heute ist der matrilineare Anna-Kult häufig überlagert mit dem vermännlichten Johannes-Sonnwendfeierkult, der im folgenden Text ebenfalls als patriarchale Überlagerung entlarvt wird. Der folgende Text stammt aus dem Buch: Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland?  – Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas, Teil 1, S. 70-77:

„Auch bei uns sind die ewigen Bewegungen von Frau Sonne, Frau Mond und den Sternen in den Wallfahrten und Pilgerreisen miteinbezogen und gerade auf dem Muschelweg, der am Meer am westlichsten Ende Europas endet, wird eigentlich, und vor allem dieser kosmische Zusammenhang verehrt. Auch die Idee eines AhnInnenngeistes an einem Wasserloch, wie er bei den Aborigines beschrieben wurde, war in Europa einst weit verbreitet. Und natürlich finden wir diesen Kult auch am Muschelweg. So beschreiben Derungs stellvertretend für viele andere solcher landschaftsmythologischen Überlie-ferungen eine Brunnenlegende aus der romanischen Kirche St. Kunibert in Köln, wobei Köln heute Teil des deutschen Muschelwegs ist:
„Mit dem Brunnen in Köln ist die Vorstellung der Kinder-herkunft verbunden. Dass die Kinderseelen aus dem Was-ser, von einem Baum oder Stein geholt werden, war einmal üblicher Brauch. In Köln hütet Maria auf dem Grund des Kunibertbrunnens die ungeborenen Kinder, bis eine Frau kommt und vom Brunnenwasser in einer Vollmondnacht trinkt. Dann weiß Maria, dass sich diese ein Kind wünscht. Sie sucht ihr eines aus der großen Schar aus und bereitet es auf sein Erdenleben vor. Neun Monate später kann die Frau es sich dann abholen. Dahinter steckt eine alte Wiedergeburtsmythologie, denn man glaubte, dass eine verstorbene Person in der Natur bei einem Seelensitz weiterlebe, sei dieser ein Stein, eine Quelle oder ein heiliger Baum. Solche Ahnenstätten werden dann zu Kultplätzen. Gleichzeitig traten die Frauen der Sippen mit diesen Seelenorten in körperlichen Kontakt, indem sie auf einem Stein rutschten oder im Wasser badeten. Oft genügte es davon zu trinken. Dadurch nahm die Frau die Kinder- und Ahnenseele spirituell auf und führte die verstorbene Person ins Leben zurück. So schloss sich der Kreislauf von Tod und Geburt. Dieser Zyklus lag in den Händen einer Leben-im-Tod-Göttin. Bei ihrer Stätte, die oft die Form eines weiblichen Schoßes aufweist, weilten die Ahnenseelen im Jenseitsparadies“. (Derungs, Kurt und Isabelle M.; 2006, S. 202).

Das Kultverständnis einer aus dem Wasser empfangenen Ahnenseele, ist also auch in Europa bekannt und folgt man den Annaorten, den Wasser-AhnInnenorten, an denen Frauen dem früheren Verständnis nach aseitätisch-parthenogenetisch, ohne das Zutun eines Mannes, ihre Kinder empfingen, so erkennt man bis heute in der Landschaft, wie weit verbreitet dieser Glaube tatsächlich war. Denn die christlich tradierte Anna, als Mutter Marias hat keinen biblischen Ursprung, sondern geht sozio-historisch auf die Zeit der unilinear-matrilinearen Abstammung und religionshistorisch auf die seit dem Paläolithikum bekannte aseitätische Gott die MUTTER z-rück. (Armbruster, Kirsten; 2013, S. 18/19).

Der Kult der Anna
Anna zählt zu den altbekannten Wurzelsilben, den sogenannten Mutterwurzelsilben der Steinzeit und steht im Zusammenhang mit der unilinearen matrilinearen AhnInnenabstammung, die auf die aseitätische-parthenogenetische Gott die MUTTER zurückgeht. Ahninnenorte sind daher oft Wasserorte, weshalb Anna als Wassersilbe bezeichnet wird und oft in Flussnamen vorkommt. Die matrilineare Abstammung für die die Anna steht, wird von den Christen, patriarchal okkupiert, oft in der Figur der Anna-Selbdritt wiedergegeben, welche die Anna, die Maria und Jesus zeigt, die enge Mutter-Tochter-Beziehung, und das Männliche geborgen in der mütterlichen Abstammungslinie. Tatsächlich tradiert die Figur der Anna nicht nur die matrilineare Abstammungslinie, sondern auch die ursprüngliche freie und wechselnde Sexualwahl der female choice, denn der Anna werden drei Männer zugewiesen. Christlich verbrämt sind es natürlich Ehemänner, die sie jeweils nach dem Tod des vorherigen Ehemanns ehelicht. Die Legende erzählt, dass Anna nach Joachims Tod noch zweimal verheiratet gewesen sein soll, weshalb im Mittelalter oft Bilder der heiligen Sippe dargestellt wurden, die Anna mit ihren drei Ehemännern und mit den drei Töchtern, den drei Marien, zeigt. (Löffler, Katrin; 2010, S. 35).

Einen bis heute überlieferten Wasser-AhnInnenort finden wir auch an der Westküste Nordspaniens am best-besuchten Strand Galiciens, dem Praia A Lanzada in der Meeresbucht, wo der Steinsarg des Apostels Jacob angeblich den Fluss Ulla in Richtung Santiago de Compostela hinauftrieb. Über den berühmten Strand schreibt der Dumont Reiseführer:

„Dabei war und ist er (der Strand) nicht nur tagsüber interessant. An Mitternacht zum Sonntag – bei Vollmond und nur in Monaten ohne „r“ – haben Galicierinnen früher versucht, hier schwanger zu werden. Dazu hockten sie sich in das Wasser und warteten neun Wogen ab, bevor sie sich wieder abtrockneten. Als besonders geeigneter Termin galt die Mitternacht zum Johannistag (am 24.Juni). Mag der Brauch auch heidnischen Ursprungs sein, in der Kapelle Santa María de Lanzada am östlichen Ende des Strands findet am letzten Sonntag im August heute noch immer die „Wallfahrt der neun Wogen“ statt. Und es heißt, selbst Managerinnen aus Vigo und Santiago seien erst kürzlich nachts beim „Baden“ gesehen worden…“. (Büscher, Tobias, 2010, S, 227/231).

Eine besonders schöne Figur der Anna Selbdritt finden wir im Kloster Santa María de Santa Cruz in der Nähe von Jaca, einem der ersten Orte des Camino Francés in der Nähe der Pyrenäen in Navarra.

In der Klosterkirche ist neben einer Marienfigur aus Alabaster, am Außenportal, eine interessante Inschrift an-gebracht. In lateinischer Sprache steht dort geschrieben:

„Ich bin die einfache Tür, Gläubige. Tretet ein durch mich. Ich bin die Quelle des Lebens, habt mehr Durst nach mir als nach Wein, alle die ihr in diesen seligen Tempel der Jungfrau tretet“.

Ganz deutlich finden wir hier die Alte Religion von Gott der MUTTER wieder. Die Vulva als Tor zu neuem Leben und damit die Quelle des Lebens, die auch immer mit Wasser verbunden ist. Und natürlich finden wir vor der Klosterkirche einen Brunnen, einen alten AhnInnen-brunnen. Der Verweis auf die Jungfrau in dieser Inschrift ist immer der Hinweis auf die parthenogenetisch-matrilineare Abstammung und der Hinweis auf den Wein, ist, wie wir gleich erkennen werden, nur eine Metapher für den eigentlichen Ursprung. Bezeichnenderweise befindet sich dieses Kloster nämlich in der Nähe des berühmten in den Fels gebauten alten Klosters San Juan de la Peña. Dieses Kloster ist dem Apostel Johannes geweiht, der die vermännlichte Form der Anna ist, denn nicht zufällig steht der Anna-Ahninnenkult in Verbindung mit der Sommersonnenwende. Ebenfalls nicht zufällig fällt heute ausgerechnet der Johannistag auf die Sommersonnenwende und das sonnengelbe Johanniskraut, das einen rötlichen Farbton enthält, wird plötzlich zum Herrgottsblut. Tatsächlich haben wir auch hier eine typische patriarchale Überlagerung. Der seit dem Paläolithikum bekannte Sonnenkult der Kosmischen MUTTER, der zur Sommersonnenwende und zur Wintersonnenwende gefeiert wird, ist ein matrilinearer Ahninnenkult und unterscheidet sich eklatant vom späteren patriarchalen Sonnen- und Feuerkult der Indoeuropäer. Das Johanniskraut, das Sonnenkraut, das zur Sommersonnenwende blüht, gibt einerseits das Goldgelb der Sonne wieder, andererseits steht der rote Saft des Johanniskrauts für das einst heilige Menstruationsblut der Frauen, das Voraussetzung ist, um AhnInnen an einem Wasserort zu empfangen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass in dem Kloster San Juan de la Peña einst der Heilige Gral, der Kelch und der Kessel des Lebens, welcher ursprünglich der Bauch der Mutter war, aufbewahrt wurde. Diese besonders berühmte Reliquie zu der die Menschen pilgerten, wird, heute allerdings nicht mehr hier, sondern in der Kathedrale von Valencia, an der Südostküste Spaniens aufbewahrt. (Büscher, Tobias, 2010; S. 87). Die Christen haben aus dem Bauch der Mutter den Abendmahlkelch gemacht und aus dem einst Heiligen Menstruationsblut der Frauen das Blut von Jesus, was in der Wandlungsfeier der Eucharistie durch roten Wein imitiert wird. Die Inschrift am Kloster Santa María de Santa Cruz ist also eine verschlüsselte Botschaft und bedeutet decodiert, dass die Menschen ursprünglich Gott die MUTTER als aseitätische-parthenogenetische Schöpferin des Lebens kannten. Sie war die Quelle des Lebens. In ihrem Bauch, der durch den Kessel oder Kelch symbolisiert wird, geschah die heilige Wandlung des bei der Schwangerschaft ausbleibenden Menstruationsblutes in neues Leben. Die Vulva war das Tor durch welches das neue Leben geboren wurde. Der Abendmahlkelch des Patriarchats ist nur eine Imitation dieses mütterlichen Lebenswandelprozesses, nur leider eine blutige: denn während dem Menstruationsblut kein Tötungsdelikt zugrunde liegt, musste Jesus getötet werden. Tatsächlich ist die Suche nach dem heiligen Gral oder auch die Eucharistie im Abendmahlkelch immer der künstliche Versuch von Männern den Müttern gleich zu werden.“

Ich bin eine Hexe

Hundertwasser

Das Buch „Ich bin eine Hexe“ von Judith Jannberg aus den 80er Jahren war für mich ein Schlüsselbuch. Die Autorin beschreibt dort ein Bild, das mich mein ganzes Leben begleitet hat. Sie schreibt:

„Ein Bild taucht auf. Das Bild von der Eiche auf der Jägerwiese hinter dem Maurerwald in Wien. Dieser Baum steht einsam auf dem Weg, den wir, meine Töchter und die Frauen, die mich sonntags besuchen kommen, entlanggehen, wenn wir einen Ausflug machen. Ich hatte es fast schon vergessen, aber mit diesem Baum hat es eine Bewandtnis“

Die Autorin erklärt weiter, dass ihr auf all ihren Spaziergängen die riesige Eiche nie aufgefallen war, dass  aber irgendwann, als sie versuchte eine Freundin zu trösten, ihr Blick an der prächtigen, hochgewachsenen, weitausladenden Eiche am Wegrand hängen blieb“ . Sie schreibt weiter:

„Erkenntnisblitz! Schlagartig begriff ich. Und ich sprach mehr zu mir selbst als zu Elfe:

Schau dir die an, die steht ganz allein im Leben. Sie ist der Baum mit dem härtesten Holz, deren Wurzeln so weit in die Erde reichen, wie sich die Krone in den Himmel erhebt. Könnte sie sich so weit entfalten, so hoch und mächtig und stark werden, wenn sie dichtgedrängt mit anderen Bäumen dort im Wald stehen würde? Kein Sturm kann sie umwerfen. Sie hält sich an ihren Wurzeln fest. Ihre Äste und Zweige dürfen und können sich so entfalten, wie sie es vermögen. Jetzt weiß ich auch, woher der Ausdruck „Mächtige Eiche“ kommt. Sie ist allein. Ja, das schon. Sie war ein Same, der einmal wusste, was er werden sollte, hatte er doch das ganze Programm Eiche in sich…  Links des Weges, im Wald, stehen die Bäume dicht gedrängt. Einer stützt sich am anderen, einer lehnt sich an den anderen an. Da fällt keiner um. Der Preis für das befriedigte Anlehnungsbedürfnis und die Sicherheit vor Sturmgefahr und anderen Unbill ist, dass sie sich gegenseitig in der Entfaltung behindern…. Ich stand für einige Minuten da und empfing den großen Baum mit meinen Armen. Es schien mir passend, dass unter der großen Eiche noch zwei kleine Bäumchen Schutz suchten. Meine Kinder“ . (Zitate aus : Jannberg, Judith: Ich bin eine Hexe, 1987, S. 118-120).

Ich bin auch eine Eiche. Schon vor 30 Jahren habe ich mich dazu entschieden. Damals war ich Feministin, heute bin ich es nicht mehr. Heute bin ich viel radikaler. Heute bin ich radikal denkende, von der Wurzel denkende Patriarchatskritikerin, denn ich habe mich tief verwurzelt. Mein ganzes Denken und Fühlen ist tief verwurzelt in den Höhlen des Paläolithikums, in der Zeit der Urmutterfigurinen, der Zeit der Vulvaritzzeichnungen, der Zeit der Matrifokalität. Den Feminismus musste ich hinter mir lassen – nicht weil ich die Pionierarbeit der Feministinnen nicht schätze, – nein, sondern weil ich so tief zu den Mutterwurzeln der Menschheit zurückgegangen bin, dass ich heute so klar sehe, dass der Feminismus im Patriarchat stecken bleibt und zwar –  zurzeit jedenfalls –  jede Form des Feminismus: der Gender-Gleichheitsfeminismus, der Differenzfeminismus, der heute in den Universitäten verankerte Queerfeminismus, der Matriarchatsfeminismus und auch der RadikalFeminismus. Dem Feminismus fehlen die Wurzeln. Deshalb verkämpft er sich in Symptomkritik. Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter bleibt unberührt. Warum?

Weil die Frage nach der Mutter nicht gestellt wird, nicht gestellt werden darf!

Ich bin eine Hexe, eine Frau, die verstanden hat, dass sie verbunden ist mit der hegenden und für uns Sorge tragenden göttlichen Mutter, der Natur.

Ich brauche keinen Heros, keinen heroischen Mann, keinen Märchenprinzen  an meiner Seite und ich brauche auch keine Heilige Hochzeit, denn das sind die Lügen des Patriarchats.

Ich bin eine tief verwurzelte Eiche, vier kleine Eichen, meine Kinder, wurzeln in meinem Schutz und es ist dort auch Platz für einen vätertauglichen Mann, der ebenfalls in diesem Schutzraum leben darf. Es ist der Anfang eines Mutterclans, so wie er einst im Paläolithikum entstand, in der Alten Steinzeit, der Zeit der Heiligen Steine, auch wenn damals Vaterschaft keinerlei Rolle spielte. Natürlich wäre es schön, wenn in meiner Ursprungsfamilie – meine Mutter, meine Schwestern – den wiederentdeckten freigelegten Muttersippenweg gemeinsam mit mir gehen würden, aber dem ist nicht so. Also bin ich eine Eichenhexe, eine Muttereiche. Ich stehe äußerlich allein da, doch verwurzelt bin ich in der Natur und deshalb bin ich verbunden mit der All-Einen und gar nicht allein.

Habt den Mut, da wo ihr steht und geht und lebt, euch zu verbinden mit der All-Einen. Dann seid auch ihr nicht mehr allein!

Patriarchaler Umbruch: Die Vermännlichung des Sonnenkults

Göttin_Nut+HathorDonate Pahnke gibt in ihrem Buch“Ethik und Geschlecht – Menschenbilder und Religion in Patriarchat und Feminismus“ ( 1992)  einen sehr guten Überblick über das Symbolsystem der frühen feministischen Theologie. Hierbei hat sie auch den matriarchal-spirituellen Ansatz von Heide Göttner- Abendroth in ihrem Buch  zusammengefasst. Sie zitiert die Autorin aus deren Buch „Die Göttin und ihr Heros“ von 1980, S. 6:

„Der Göttin in ihren drei Erscheinungsweisen ist bei Göttner-Abendroth die Gestalt des Heros zugeordnet, dessen kultische Funktion sie folgendermaßen zusammenfasst: „Die Sonne ist das Symbol des Heros, des menschlichen Partners der Göttin. Männliche Götter gab es im matriarchalen Kosmos nicht. Der Heros ist auf alle drei Phasen der Mondgöttin zugleich bezogen, aber der Liebesgöttin, die mit ihm die magische Heilige Hochzeit feiert, steht er am nächsten. Die Mädchengöttin initiiert ihn im Frühling, sie verleiht ihm die Würde eines sakralen Königs. Im Sommer vollzieht die Frauengöttin mit ihm das zentrale Fest, die Heilige Hochzeit, die Land und Meer fruchtbar macht. Zu Beginn des Winters opfert ihn die Greisengöttin und führt ihn in die Unterwelt, aus der er am Anfang des nächsten Jahres geläutert wieder aufersteht. Symbolisch hat er durch sein freiwilliges Opfer nun den Tod des Kosmos überwunden (Idee des Heroischen). Deshalb ist die Sonne, die wie er ständig Untergang und Aufgang durchäuft, sein Symbol, doch im Matriarchat sekundär gegenüber dem ewigen Mond“ (Pahnke, Donate, 1992; S. 212).

Hier haben wir es tatsächlich mit einem tiefgreifenden matriarchal-patriarchalen  Missverständnis zu tun, denn Marija Gimbutas hat schon sehr detailliert und ausführlich dargelegt, dass eines der auffälligsten Kennzeichen der Patriarchalisierung die Vermännlichung der Sonne ist, die in Europa mit der kriegerischen indoeuropäischen Invasion  einhergeht, welche die matrifokalen Lebensverhältnisse zerstörten. Hier die Forschungsergebnisse noch einmal explizit zusammengefasst:

 Die Vermännlichung des Sonnenkults (PDF)

Das zeigt noch einmal in ganzer Deutlichkeit, dass der Matriarchatsbegriff nicht nur im allgemeinen Sinn, weil er immer als Umkehrung des Patriarchats verstanden wird, unbrauchbar ist, sondern auch auf der von Heide Göttner-Abendroth definierten Version untauglich ist, weil er patriarchale Strukturen als matriarchal verklärt. Das ist fatal!.

 

 

 

Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs

DSC_6097Da nicht nur allgemein, sondern insbesondere auch bei den Matriarchatsfrauen eine große Unkenntnis herrscht über den herstorischen Umbruch von Matrifokalität zum Patriarchat und dort eindeutig patriarchale Kulte wie Heilige Hochzeit,  Blutopferkulte, Herosstrukturen, die mit einer vermännlichten Sonne einhergehen, als matriarchal fehlinterpretiert werden und diese patriarchale Interpretationsbasis auch in den neuen Mutterlandbriefen der Matriarchatsfrauen  beibehalten wird, veröffentliche ich jetzt noch mal folgenden Text, um der Verwirrung unter den Frauen entgegenzuwirken.

Equidenkrieger (Reiterkrieger) als Träger der patriarchalen Gewaltkultur und Kennzeichen des patriarchalen Umbruchs als pdf

Equidenkrieger als Träger der patriarchalen Gewaltkultur (pdf)

Mögen die Frauen endlich verstehen, wieviel sie durch die falsche Matriarchatsdefinition von ihrer eigenen vorpatriarchalen Geschichte verlieren. Leider beruht  das 2014 erschienene  Buch von Barbara Obermüller „Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte“ auch auf dieser patriarchalen Matriarchatsdefinition von Heide Göttner-Abendroth.

 

Was sie schon immer über Religion wissen wollten – Eine Humoreske

Casa Naranja 20 Europa und der Nahe Osten waren einst ein matrifokaler Kulturraum mit der Leben gebärenden und Leben bewahrenden Gott der MUTTER als Basis von Religion im Zentrum. Auch heute ist es ein Kulturraum, allerdings steht dieser Kulturraum nun unter der Herrschaft der drei gewaltbasierten patriarchalen monotheistischen Theologien – Judentum, Christentum und Islam – , die den Mann und Vater absurderweise  an den Anfang von Schöpfung stellen, was mit Krieg gegen die Natur gleichzusetzen ist. In dem folgenden humoristischen Beitrag aus dem Buch „Je suis Charlène“ (2015) wird dies für alle verständlich in Worte gefasst. Der Text basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Patriarchatskritikforschung, die in den Büchern der Autorin als eine der führenden Patriarchatskritikerinnen,  bereits veröffentlicht wurden.

Was Sie schon immer über Religion wissen wollten – Eine Humoreske