Die Natürliche Integrative Ordnung der Mutter und die hierarchische Dualitätsideologie des Patriarchats

Venus-de-Laussel-vue-generale-noirDie Spaltung der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter ist symptomatisch für das Patriarchat.

In der Natürlichen Ordnung der Mutter gibt es diese Spaltung nicht, denn Gott die MUTTER ist die Kosmische Mutter des Universums, in der Himmel und Erde zusammen gehören. (Armbruster, Kirsten, 2013: Gott die MUTTER, S. 23-45). Das Pendant zur Kosmischen Mutter des Universums ist die leibliche Mutter: die Menschenmutter, die Tiermutter, die sowohl das Männliche als auch das Weibliche, aber auch das Nicht-Heteronormative in ihrem Leib ausformt und über das Nabelblut nährt und gebärt.

Marduk, der Weltschöpfer und Heros der babylonischen Mythologie, der symptomatisch für den Muttermord steht, zerteilt den Leib der ermordeten Göttermutter Tiamat in zwei Hälften: aus der einen formt er den Himmel, aus der anderen die Erde. C.G. Jung hat den Muttermord als die weltschöpferische Befreiung des männlichen Logos bezeichnet.

Tatsächlich ist die Aufspaltung der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter der Beginn der Dualitätsideologie und eines der Kernstücke des Patriarchats. Die Spaltungsideologie wird mit der hierarchischen Herrschaftsideologie verknüpft. Die Folge ist:

Wie Claudia von Werlhof richtig erkannt hat, geht es dem patriarchalen Dualitäts-Konstrukt nicht darum, partnerschaftlich die weibliche Schöpfung durch das Männliche zu ergänzen, was gerade viele Frauen zu glauben scheinen, sondern es geht darum diese zu zerstören und anschließend gänzlich zu ersetzen. Die im Patriarchat auftauchende Dualitätsideologie ist, dem hierarchischen Herrschaftsdenken folgend, nämlich mit einer Bewertung verbunden. Das Männliche ist dieser Dualitätsideologie zur Folge nämlich plötzlich aktiv und das Weibliche passiv. Einer der ersten, der Aktivität mit Männlich und Passivität mit Weiblich assoziierte, war Aristoteles (384 bis 233 v.u.Z.). Carolyn Merchant beschreibt die dualistisch-hierarchische Theorie von Aristoteles:

„Aristoteles biologische Theorie erblickt in der Frau einen unvollständigen verstümmelten Mann, da die Kälte des weiblichen Körpers das Menstruationsblut daran hindert, sich zum Samen zu vervollkommnen. Bei der Erzeugung von Nachwuchs steuert die Frau die Materie oder das passive Prinzip bei. Dies ist der Stoff, auf den das aktive männliche Prinzip – der Samen – bei der Erzeugung des Embryos einwirkt. Der Mann ist die eigentliche Ursache des Nachwuchses … Kraft und Bewegung werden allein vom Samen beigesteuert …. Sowohl die bewirkende als auch die formale Ursache werden aus dem männlichen Prinzip abgeleitet und sind die aktive Ursache für den Nachwuchs“. (Merchant, Carolyn, 1980, S. 28).

Wie wir später noch deutlicher sehen werden, handelt es sich bei Aristoteles dualistisch-hierarchischer Theorie nicht um eine biologische, also eine aus der Naturbeobachtung herausgewonnene Theorie, sondern um eine biologistische, bei der die Biologie nur vorgeschoben wird, um eine, das Weibliche abwertende, patriarchale Ideologie gesellschaftlich internalisieren zu können.

Die hierarchische Dualitätsideologie ist die Basis für Misogynie-Theorien, Theorien, die ganz offen einem Frauenhass entsprungen sind und deren Vertreter bis heute hochgeschätzt werden. Zu ihnen zählen Johann Gottfried Herder, Jean-Jacques Rousseau, Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche.

Text zusammengestellt aus. Armbruster, Kirsten, Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur, 2014, S. 37-40

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4 Gedanken zu „Die Natürliche Integrative Ordnung der Mutter und die hierarchische Dualitätsideologie des Patriarchats

  1. Vielen Dank für diese inspirierenden Seiten!
    Zu meinem Leidwessen fühle ich mich oft regelrecht „patriarchatsverseucht“. Obwohl ich so vieles „intuitiv“ als richtig empfinde und schon immer „wußte“, stiftet es doch auch reichlich Irritation und Verwirrung. Die Interpretatin von Passivität von Aristoteles ist natürlich nur ein Instrument. Aber kann Passivität nicht auch als eine Art „Annehmen und Geschehen lassen“ dessen, was die Weisheit der Natur entscheidet sein gesehen werden? Ein „aktives“ Innehalten? Ein im Einssein verweilen? Alles zu seiner Zeit, aber ich wünschte Passivität würde grundsätzlich mehr für seine positive Seite gewürdigt, sozusagen als Gegenpol zu blindem Aktivismus. Das fühlt sich für mich sehr weiblich an. Aber so richtig zu Hause fühle ich mich in meiner Weiblichkeit nicht. Wie auch, unter diesen Umständen.
    Alphamännchen, Haremshalter, unglaublich was wir in unserem Leben so alles „nebenher“ zu schlucken lernen, ohne groß darüber nachzudenken. Ich meine, ich weiß es ja, aber ich weiß ja auch nicht…

  2. Hallo Kerstin,
    die Aufteilung zwischen passiv = weiblich und aktiv = „männlich“ ist natürlich Un_Sinn. Was ich bei dieser patriarchalen Prägung be_merke / feststelle ist:
    passiv = er_schlagen, aktiv = aktionistisch

    In der Grammatik ist das Passiv die „Leideform“!
    Duden:“passiv 1a) untätig, nicht zielstrebig, (eine Sache) nicht ausübend (aber davon betroffen), Ggs. f. aktiv: b) teilnahmslos, still, duldend (…)“
    Und all dies prägt Geist_innen, Einstellungen, Phantasien etc.. Ist Wortmagie bis Gehirnwäsche!
    Ich benutze lieber Ruhe und Aktitivität. Aus der Ruhe in die Aktivität.

    Dein:“(…) als eine Art “Annehmen und Geschehen lassen” dessen, was die Weisheit der Natur entscheidet, gesehen werden?“ Für mich, wenn ich selbst in meiner Ruhe bin und bewusst an die Helferinnen/Göttinnen oder an die „Weisheit der Natur“ abgebe.
    Z.B. bei schwierigen Problemen ist der innere See aufgewühlt. Um klar zu sehen, braucht es Windstille, Ruhe und keine weiteren stürmischen Einflüsse.
    Die Aufwühlung sacken lassen, bis Klarsicht. Dann hat sich der Grund des Sees neu formiert. Und ich kann die neue Struktur wahr_nehmen. Meine Aktivität darauf einstellen/ausrichten.
    Jedes Wesen braucht Ruhe (mein: In der Stille sich stillen), um aus dieser Ruhe heraus bewusst aktiv werden zu können.

    Da die Frau die Grundform aller Geschlechter / Geh_schlecht_er ist, gibt es in Wrklichkeit nicht das „Duale System Mann – Frau“. Letzteres ist ein patriarchales Konstrukt zur Reduzierung bis Unterwerfung der Frau unter den „Mann“.

    Und nun zu Aristoteles (liebe Kirsten A., wenn dir meine Kommentare zu lang/zu viel sind, mail mich bitte an):
    „Aristoteles biologische Theorie erblickt in der Frau einen unvollständigen verstümmelten Mann, da die Kälte des weiblichen Körpers das Menstruationsblut daran hindert, sich zum Samen zu vervollkommnen. Bei der Erzeugung von Nachwuchs steuert die Frau die Materie oder das passive Prinzip bei. Dies ist der Stoff, auf den das aktive männliche Prinzip – der Samen – bei der Erzeugung des Embryos einwirkt. Der Mann ist die eigentliche Ursache des Nachwuchses … Kraft und Bewegung werden allein vom Samen beigesteuert …. Sowohl die bewirkende als auch die formale Ursache werden aus dem männlichen Prinzip abgeleitet und sind die aktive Ursache für den Nachwuchs“. (Merchant, Carolyn, 1980, S. 28).

    Das ist doch die absolute, hirn_rissige Kopf_Geburt und so einer (Aristoteles) wird als „Philosoph“, als „Freund der Weisheit 1a) jmd., der nach dem letzten Sinn, den Ursprüngen des Denkens und Seins, dem Wesen der Welt, der Stellung des Menschen im Universum fragt (…)“* geschätzt! (Fremdwörterbuch, Duden)

    Im „Hexenhammer“ (Malleus maleficarum) aus 1487 von Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, der in ganz Europa „Die Zeit der Verzweiflung“ verbreitete, schreibt Sprenger u.a.:“(…) Diese Mängel werden auch gekennzeichnet bei der Schaffung des ersten Weibes, indem sie aus einer krummen Rippe gleichsam dem Manne entgegengeneigt ist. Aus diesem Mangel geht auch hervor, daß, da das Weib nur ein unvollkommenes Tier ist, es immer täuscht. Denn es sagt Cato:`Weint ein Weib, so sinnt es gewiß auf listige Tücke…“ (Hexenhammer I, S. 98 f.)
    Wie viel gewalttätige Hirnwäsche braucht es, um diesen absurden Wahnsinn in die Psyche vernunftbegabter Menschen zu quälen?

    „Cato – M. Porcius Cato, genannt der Ältere, geboren in Rom im Jahre 234 vor unserer Zeitrechnung (…) hochgeehrt, der Nachwelt als Muster des aufrechten, gewissenhaften, ehrlichen und ehrenhaften `römischen Bürgers`, worunter man zu jener Zeit einen republikanischen, seinem Staat mit Hingabe dienenden Bürger verstand, bestens bekannt. (…) Nun aber fragen wir nicht nur Cato, sondern auch uns selbst, was denn damals hinter seiner eindringlichen Mahnung an seine männlichen Zeitgenossen und Mitbürger steckte, als er ihnen zurief:`Èrinnert euch all der Gesetze, mit denen unsere Vorfahren die Freiheit der Frauen gebunden, durch die sie die Weiber der Macht der Männer gebeugt haben…`
    Sein Motiv zu diesem Appell erhellt aus der abschließenden Feststellung:
    `… sobald sie uns gleichgestellt sind, sind sie uns überlegen.` “ „Weib und Macht – 5 Millionen Jahre Urgeschichte der Frau“, S. 7 und 8. Dazu siehe u.a. nachfolgende Chromosomenlehre.

    Auf Aristoteles trifft wohl eher bzgl. Frau – „Mann“ der Begriff „Philosophaster: philosophisch unzuverlässiger Schwätzer, Scheinphilosoph“ (a.a.O.) zu 😉 .
    Aber, ich er_kenne wie so oft die „männliche“ Projektion, sprich auch Aristoteles projeziert seine Realität – die des „Mannes“ an sich – auf die Frau: Frau = ein unvollständiger verstümmelter Mann.
    Zum Vergleich die Aussage des Molekularbiologen Prof. Jens Reich vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molejulare Medizin in „Bild der Wissenschaft“ (aus den 90-ern):“Ein Mann zu sein, ist der häufigste genetische Defekt der Natur.“
    Dafür braucht`s ei_gen_tlich (Ei_Gen_Licht!) keine Molekularbiologie, sondern nur unsere Sinne.

    Bei Frauen und „Männern“ sind 22 Chromosomenpaare gleich: jedes Paar mit XX. Nur im letzten, dem 23. Chromosomenpaar unterscheiden sie sich. Die Frau wieder mit XX. Der „Mann“ mit Xy.

    Natalie Anger „Frau – Eine intime Geographie des weiblichen Körpers“, S. 41 zu diesem „männlichen“ y-Chromosomen:“(…) das wiederum zu den Winzlingen gehört (und überhaupt das Kleinste wäre, wenn es nicht ein paar inaktive Anhängsel hätte, die keinen anderen Zweck zu erfüllen scheinen, als es am Umkippen zu hindern). Hinzu kommt, dass entlang des weiblichen Chromosomens X weit mehr Gene (Erbanlangen) aufgereiht sind als entlang seiner männlichen y Entsprechung, und eben in seiner Funktion als Genträger besteht ja die Bedeutung des Chromosomens (an sich). (…) Das männliche Chromosomen ist ein verkümmertes Stummelchen mit vielleicht 2, wenn es hoch kommt, 3 Dutzend (24 – 36) Genen in sich – und das, wohlgemerkt, sind die Schätzungen, zu denen sich die Genetiker versteigen, wenn sie in wirklich großzügiger Stimmung sind. Im X-Chromosomen hingegen finden sich Tausende von Genen, genauer gesagt: 3.500 bis 6.000.“
    Siehe hierzu auch „Keine Zukunft für Adam“, Bryan Sykes, Prof. für Genetik, Lübbe.

    Das y-Chromosomen ist in der Lage sich weiter zu Null, zu X0 zu reduzieren (no future, Sykes) oder allmählich zu reparieren. Aufgabe des „Mannes“ ist über die Identifizierung mit matrivitalen Frauen wieder „ganz“ zu werden. Damit gleich_wertig (vgl. Cato oben), damit unabhängig von der ganzen Frau. Frei, mit freiem Willen selbst schwanger zu seien, zu gebären oder nicht. Wieder als XX-Frau eingebunden in den Kreislauf der Natur. Und nicht als „Mann“ verschlossen, endlich (endend). Für Geburt und Wiedergeburt von der ganzen Frau abhängig, was „ihn“ zur Macht-über-ganze Frauen mit/durch unnatürliche_n Ideen/Phantasien verleitete.
    Das Prinzip Macht-über-Andere schließt Heilung / Liebe aus.

    Aufwachen oder untergehen. Unsere persönliche End – Scheidung.

  3. Liebe Roswitha, ich finde deine Kommentare nicht zu lang, sondern sehr aufbauend, weil ich sehe, dass auch andere Frauen sehr fundiert an den gleichen Themen forschen und Wissen frei legen. Und das ist für mich Ermutigung pur! Danke also, dass du dir die Zeit nimmst hier dein Wissen aufzuschreiben

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