Grundsatzartikel Patriarchatskritik

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Patriarchatskritik

Anstoß für eine überfällige Gesellschaftsdebatte

Die Menschheit lebt bis auf wenige Ausnahmen seit dem Beginn der Bronzezeit (Beginn: 3300 v.u. Zeitrechnung im Vorderen Orient, 2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa), in der kriegerischen Gesellschaftsform des Patriarchats.

Patriarchat heißt Herrschaft der Väter. Patriarchat bedeutet, dass unser ganzes Denken von dem bestimmt wird, was Väter in einer langen patrilinearen Ahnenreihe gedacht, gesagt, aufgezeichnet, gelehrt, gepredigt, geschrieben, befohlen, als scheinbar richtig definiert und mit Gewalt und waffenbasierter Kriegsführung durchgesetzt haben. Das hatte zur Folge, dass das Leben seit ein paar Tausend Jahren einer manipulativen Gehirnwäsche unterzogen wurde und bis heute wird, die zu einer Verschiebung der Internalisierung von Werten geführt hat, die auf das Leben insgesamt tief zerstörerisch wirkt.

Die Patriarchatskritik decodiert die Gehirnwäsche des Patriarchats, der wir alle ausgesetzt sind, mithilfe eines wissenschaftlichen, interdisziplinären Forschungsansatzes, in der Erkenntnisse der Archäologie, der Anthropologie, der Religionswissenschaften, der Linguistik, der Soziologie, der Biologie, der Genetik, der Kulturwissenschaften und der Landschaftsmythologie einfließen. Schwerpunktmäßig betrifft die Patriarchatskritik folgende Themenbereiche:

  • Die Geschichtsschreibung, welche die soziologische Lebensform der Matrifokalität und die damit einhergehende Kulturleistung der Mütter während des größten Teils der Menschheitsgeschichte negiert und unterschlägt
  • Die Theologien, welche die ursprüngliche, in der Natur verankerte, mütterliche Religion versucht haben zu zerstören, um männliche Herrschaft durch erfundene, dogmatisch niedergeschriebene, theologische Ideologien zu legitimieren
  • Die Kontrolle der Sexualität und der Gebärfähigkeit der Frauen durch patriarchale Familienkonstellationen, Jungfernkult und männlichen Fruchtbarkeitswahn, die einerseits zu erheblichen Beschneidungen weiblicher Lebensfreiheit, einer Trennung der menschenartwichtigen Großmutter-Mutter-Tochter-Beziehung und andererseits weltweit zu exponentiellem Bevölkerungswachstum geführt haben
  • Die kriegsbasierte Installation von Vaterstaaten auf der Basis der patriarchalen Verquickung von Politik, Rechtssprechung, Theologie, Wissenschaft und Militär
  • Die kapitalistische Form der Wirtschaft, die auf der Ausbeutung der Natur und der Frau fußt und ihren Anfang hat mit dem Beginn der Rinderdomestikation (circa 6500 v.u.Z.) und der damit verbundenen, menschengeschichtlich ersten Privateigentumsbildung auf der Grundlage der capites, den Häuptern einer Herde und sich hierarchisch zementiert mit dem Beginn des Metallzeitalters
  • Die Definition des Arbeitsbegriffs, welche die Carearbeit als nicht geldwert belegt und deshalb Mütter erheblich finanziell diskreditiert

Die Patriarchatskritikforschung denkt radikal, das heißt, ihre Forschungen sind verwurzelt in der Natur, welche die Grundlage des Lebens ist, und sie beginnt am Anfang der Menschheitsgeschichte. Durch diesen radikalen, im Leben verwurzelten und gleichzeitig wissenschaftlich interdisziplinären Ansatz konnte die Patriarchatskritikforschung nachweisen, dass das Patriarchat menschengeschichtlich nicht schon immer da war, sondern erst seit ein paar Tausend Jahren existiert. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat auch nicht gottgewollt ist, sondern sich lediglich mit erfundenen Theologien ein Gottesbild geformt hat, um die ursprüngliche göttliche Mutter vergessen zu machen, und eine Herrschaft der Väter theologisch zu legitimieren. Sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat die Sexualität und die Gebärfähigkeit der Frau kontrollieren will und deshalb die einzigartige Potenz der Frau, Mutter zu werden, den Angriffen des Patriarchats besonders ausgesetzt ist. Und sie konnte nachweisen, dass das Patriarchat weder menschenartgerecht noch natürlich ist, sondern der Natur und dem Leben gegenüber tiefgreifend zerstörerisch wirkt, so dass es höchste Zeit ist, den zerstörerischen patriarchalen Indoktrinationen wirksam entgegenzutreten.

Die Patriarchatskritik delegitimiert die Definitionsmacht des Patriarchats und entlarvt sie als androzentrischen Irrtum, wie Gerda Lerner es 1995 bereits in ihrem Buch „Die Entstehung des Patriarchats“ treffend formuliert hat. Lerner schrieb:

Historiker haben das Wirken von Frauen zugeschüttet“ (S. 279) … Frauen hatten keine Geschichte – das wurde ihnen gesagt, und das glaubten sie. So war es letzten Endes die Hegemonie des Mannes über das anerkannte Symbolsystem, durch die die Frauen am entschiedensten benachteiligt wurden“. (S. 272).

Und sie präzisiert weiter:

Diese Wirkung der männlichen Hegemonie war für Frauen besonders schädlich und hat ihren untergeordneten Status für Jahrtausende fixiert. Dass den Frauen eine eigene Geschichte versagt worden ist, hat immer erneut dafür gesorgt, dass Frauen die Ideologie des Patriarchats akzeptierten, was ihr Selbstwertgefühl nachhaltig unterminiert hat. Die Männer-Version der Geschichte, legitimiert als „allgemeingültige Wahrheit“, hat Frauen als Randfiguren der Zivilisation und als Opfer der geschichtlichen Entwicklung dargestellt“. (S. 276).

Lerner bringt es auf den Punkt, indem sie benennt, dass Frauen durch das Zuschütten der eigenen Geschichte das Stigma der Bedeutungslosigkeit erhalten haben (S. 277).

Mit dem Stigma der Bedeutungslosigkeit, damit kämpfen Frauen bis heute, egal ob es um das geht, was Frauen sagen, was sie schreiben, was sie arbeiten. Was Frauen machen, ist nichts wert oder viel weniger wert als alles, was ein Mann tut. Das ist so definiert im Patriarchat. Und Gerda Lerner erkennt und benennt deutlich, dass eine der wesentlichen Ursachen für die uneingeschränkte Macht der Männer, verbindliche Symbolsysteme zu schaffen am Monopol der Männer beim Festlegen von Definitionen liegt. (S. 272). In ihrer vortrefflichen Analyse des Patriarchats führt sie hierzu weiter aus:

Auf der Basis solcher symbolischen Konstrukte, die eingebettet sind in die griechische Philosophie, die jüdisch-christliche Theologien und die Rechtstradition, auf die die westliche Kultur gegründet ist, haben Männer die Welt in ihren eigenen Begriffen erklärt und die Leitfragen in einem Sinn definiert, der sie selbst in den Mittelpunkt des Diskurses rückt. Indem sie unter die Begriffe jemand, man, jedermann die Frau subsumierten und ihnen die Repräsentation der ganzen Menschheit zuschrieben, haben Männer einen begrifflichen Irrtum von ungeheurer Wirkung in das gesamte Denken eingefügt“. (S. 272/273).

Gerda Lerner fordert zur Richtigstellung dieses androzentrischen Irrtums eine radikale Umstrukturierung des Denkens und der Analyse durch Frauen. Sie schreibt weiter:

Die vielleicht größte Herausforderung für denkende Frauen ist die Aufgabe, den Wunsch nach Sicherheit und Zustimmung hinter sich zu lassen und die „unweiblichste“ aller Eigenschaften zu entwickeln – intellektuelle Arroganz, die höchste Form der Hybris, die sich das Recht zubilligt, die Welt neu zu ordnen“. (S. 283).

Während Simone de Beauvoir, die Ikone des europäischen Feminismus, in ihrem einflussreichen Buch „Das andere Geschlecht“ (1968, S. 13) noch den androzentrischen Irrtum übernahm und den Frauen, wie im Patriarchat gang und gäbe, unterstellt, dass sie keine eigene Vergangenheit, keine Geschichte und keine Religion hätten, hat die Patriarchatskritikforschung diesen Irrtum des Feminismus längst widerlegt, den androzentrischen Irrtum korrigiert, die Vergangenheit mithilfe der Patriarchatskritikforschung neu geordnet und definiert. Mit dieser Neudefinition von Geschichte und Gesellschaft wurde der patriarchal gewollte Opferstatus verlassen und die denkerische Grundlage geschaffen, die Zukunft des Lebens auf der Erde tiefgreifend umzugestalten. Diese Umgestaltung kann gemeinsam mit patriarchatskritischen Männern und Vätern geschehen, denn nicht der Mann im Allgemeinen und der Vater im Besonderen ist das Ziel der Patriarchatskritik, sondern das Gesellschaftssystem des Patriarchats als zerstörerisches Herrschaftssystem.

Literaturangaben:

De Beauvoir, Simone:
Das andere Geschlecht; Sitte und Sexus der Frau
Hamburg, 1968

Lerner, Gerda:
Die Entstehung des Patriarchats
Frankfurt a.M., 1995

 

20180120_101221Matrifokalität ist kein Matriarchat


(aus dem Buch Armbruster, Kirsten: „Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur“, 2014, S. 18-28)

Aus der Patriarchatskritikforschung der letzten Jahre heraus hat sich zunehmend die Matrifokalitätsforschung entwickelt, die sich angesichts der Krise der patriarchalen Zivilisation damit beschäftigt, wie artgerechtes Leben von Menschen eigentlich von der Natur gedacht ist.

Um dies zu verstehen, ist es unerlässlich sich mit den Wurzeln der Menschheit zu beschäftigen. Der Weg zum Verständnis von Matrifokalität ist allerdings von patriarchalen Irrtümern gepflastert, zu denen auch der Matriarchatsbegriff beigetragen hat, der immer wieder für Verwirrung sorgt. Gabriele Uhlmann hat die Erforschung der Matrifokalität, die sich aus der Patriarchats- und Urgeschichtsforschung als Essenz herauskristallisiert hat, in sieben Erkenntnisphasen eingeteilt und in einem lesenswerten Essay unter dem Titel „Patriarchats- und Urgeschichtsforschung: Erforschung der Matrifokalität“ auf ihrer Website veröffentlicht. Ihre zusammenfassenden Überschriften dazu lauten:

Erkenntnisphase 1: Johann Jacob Bachofens „Das Mutterrecht“. Gynaikokratie als überwundene niedere Stufe menschlicher Kultur.

Erkenntnisphase 2: Lewis Henry Morgans Befunde und die Rezeption im Marxismus. Matriarchat als Urkommunismus.

Erkenntnisphase 3: Bachofens Mutterrecht und die Rezeption im Rechtsextremismus. Rückschritt: Das gute Patriarchat, das schlechte Matriarchat.

Erkenntnisphase 4
: Feministische Matriarchatsfor-schung, Patriarchatskritik und die Vereinnahmung der Urgeschichtsforschung und Archäologie. Das gute Mat-riarchat. Das unbewusste Matriarchat C.G. Jungs.

Erkenntnisphase 5: Ideologische Kritik der Matriarchatsforschung, Patriarchatsforschung gewinnt an Bedeutung. Weder ein schlechtes Matriarchat noch ein gutes Matriarchat finden in der herrschenden Wissenschaft Anklang.

Erkenntnisphase 6: Forderung der Frauenforschung nach mehr Objektivität und Demokratisierung archäologischer Befunde und Vereinnahmung der Frauenforschung durch die etablierte Wissenschaft. Stillstand der Matriarchats- und Patriarchatsforschung.

Erkenntnisphase 7: Patriarchatsforschung im Auftrieb: Patriarchatskritik an System und SystemträgerInnen gestern und heute. Natürliche Matrifokalität und unnatürliches Patriarchat“.
(Uhlmann, Gabriele: Patriarchats- und Urgeschichtsfor-schung: Erforschung der Matrifokalität;
http://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm#Begriff).

Über den Beginn der Matrifokalitätsforschung schreibt Uhlmann:

„In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen erste Funde weiblicher Figurinen aus der Altsteinzeit die wissenschaftliche Welt aufmerken. Wurden die Figurinen auch zunächst als Pornographie abgetan oder belächelt, veränderten sie dennoch die Sicht auf die Menschheitsgeschichte“.

Aus der Mythologie und den Reiseberichten von Ethno-logInnen entwickelte Johann Jacob Bachofen, 1861, seine Theorie der Gynaikokratie. (Bachofen, Johann, Jacob, 1975). Gynaikokratie bedeutet Frauenherrschaft und Bachofen interpretierte das ganz offensichtliche, zentrale Wirken von Müttern in der Ur- und Frühgeschichte als grausames Mutterrecht, um der „Sumpfzeugung“ durch angeblich sexuelle Übergriffe zu entgehen. Noch ganz gefangen im Patriarchat und in Unkenntnis der bio-logisch verankerten freien Sexualität der Frau, der soge-nannten female choice (Bott, Gerhard, 2009, Uhlmann, Gabriele 2012), und dem mit Matrifokalität einherge-henden Schutz durch das Frauenkollektiv, beschreibt Bachofen Matrifokalität, die soziologische Realität, in der Mütter im Zentrum der Gemeinschaft stehen, als niedere Stufe menschlicher Kultur, die durch das neue Mut-tertum überwunden worden wäre, das die Mutter unter das heldische Primat des Mannes in einer vaterrechtli-chen monogamen Ehe stelle, um sie vor sexuellen Über-griffen zu schützen. (Bott, Gerhard, 2009, S. 487-494 und Mutterrecht versus Muttertum unter http://www.gerhard
bott.de; Armbruster, Kirsten, 2013: Gott die MUTTER, S. 50-52).

Bachofen unterstellt damit den Frauen nicht nur, dass sie sich freiwillig unter das Primat des Patriarchats begeben hätten, sondern er diffamiert Matrifokalität einerseits als grausames Mutterrecht und heroisiert andererseits das Muttertum, die dem Patriarchat dienende Mutter, wie wir sie in der katholischen Kirche oder im Mutterbild des Faschismus finden. Trotzdem gilt Bachofen unkritisch bis heute als „Pionier der traditionellen Matriarchatsforschung“, wie Barbara Obermüller in ihrer informativen, doch leider stark an der Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth angelehnten Veröffentlichung „Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte“ betont. (Obermüller, Barbara, 2014, S. 58).

Da Bachofen die Grundlage der Matriarchatsforschung ist, wundert es auch nicht, dass die Begründerin der „Modernen Matriarchatsforschung“, wie Heide Göttner-Abendroth sich nennt, die Altsteinzeit zwar als „mutter-zentriert“ benennt (ebenda S. 21), dass sie aber die Definition ihres „neuen“ Matriarchatbegriffs in die Zeit der Technologieentwicklung von Ackerbau und den Bewässerungssystemen von Stadtkulturen legt und damit ein-deutig in hierarchische patriarchale Zeiten. Welche his-torische Verwirrung um den Matriarchatsbegriff herrscht, kann man an einem Ausschnitt eines Grundsatzartikels über Matriarchate entnehmen, der noch vor kurzem auf der Website von Heide Göttner-Abendroth zu finden war. Die „Begründerin der Modernen Matriarchatsforschung“ schrieb da:

„Auf der ökonomischen Ebene sind Matriarchate meistens Ackerbaugesellschaften. Die Technologien des Ackerbaus reichen dabei von einfachem Gartenbau (Beginn in der Mittleren Altsteinzeit, um 60 000 v.u.Z.) zu voll entwickeltem Ackerbau mit dem Pflug (Beginn mit der Jungsteinzeit, 10 000 v.u.Z.) und schließlich zu den komplizierten Bewässerungssystemen der frühesten Stadtkulturen weltweit“.
Göttner-Abendroth betont dann ausdrücklich:

„Die Entstehung des Matriarchats ist direkt mit der Erfindung dieser neuen Technologien verbunden“.

Mal abgesehen davon, dass die zeitlichen Angaben völlig aus der Luft gegriffen sind, da der Gartenbau natürlich nicht um 60 000 v.u.Z., sondern erst 50 000 Jahre später und der Pflugackerbau geschichtlich auch nicht im Neoli-thikum, der Jungsteinzeit, sondern eindeutig im Metall-zeitalter und zwar in der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum), erstmals ab 4500 v.u.Z. auftauchen, und damit zu einer Zeit, wo erste hierarchische Herrschergräber nachweisbar sind (siehe Zeittafel: Armbruster, Kirsten: „Gott die MUTTER“, 2013, S. 10-14), sind auch die von Göttner-Abendroth als matriarchale Definitionsbasis er-wähnten „komplizierten Bewässerungssysteme der Stadtkulturen“ historisch in patriarchale Zeiten ein-zuordnen. Bott schreibt dazu:

„Es ist die durch imperiale Gewalt etablierte Herrschaft, die für eine Intensivierung der Agrarwirtschaft den Bau komplexer Bewässerungssysteme organisierte, und zwar „von oben“, also meist mit Hilfe von Frondiensten“. (Bott Gerhard, 2009, S. 147).

Schon ein paar Zeilen vorher hat Bott die soziologische Realität komplexer Bewässerungssysteme klar gestellt:

„Die Ursache ist die staatliche Herrschaft und die Wirkung ist die Organisation der Wasserwirtschaft“. (eben-da).

Wie stark Göttner-Abendroths Matriarchatstheorie leider bereits in patriarchalen Strukturen verortet ist, zeigt sich insbesondere auch in deren Theorie von der Göttin und ihrem Heros. Barbara Obermüller fasst diese zusammen:

„Nach der frühen mutterzentrierten Epoche der Altstein-zeit, für die zahlreiche Muttergöttin-Skulpturen beredtes Zeugnis ablegen, trat in matriarchaler Zeit ein Gefährte an die Seite der Göttin: der Heros oder sakrale König.“. (Obermüller, Barbara, 2014, S. 67).

Wir können also auch hier deutlich erkennen, dass Göttner-Abendroth ganz bewusst ein Matriarchat für das Paläolithikum ausschließt, und stattdessen bereits eindeutige Herrschaftsstrukturen als Matriarchat interpretiert. Noch klarer wird das auf der folgenden Seite. Barbara Obermüller erläutert Göttner-Abendroths Matriarchatstheorie weiter:

„Die Heilige Hochzeit war die liebende Verbindung der sakralen Königin mit dem Heroskönig als Initiation für die Verleihung der Königswürde“. (ebenda, S. 68).

Dass die Verleihung der Königswürde nicht in egalitären Gemeinschaftsverhältnissen stattgefunden haben kann, und dies auch in heutigen matrifokalen Gemeinschaften nicht vorkommt, ist eigentlich völlig offensichtlich. Damit zeigt sich aber auch, dass Göttner-Abendroths Matriarchat nicht in matrifokalen, egalitären Gemeinschaftsstrukturen, sondern in hierarchischen Gesellschaftsstrukturen angesiedelt ist, in denen das ursprünglich unilinear matrilineare Abstammungssystem bereits in ein bilineares Abstammungs- und jetzt auch Erbschaftssystem umgewandelt ist, denn zu dieser Zeit hat sich schon soviel Privateigentum akkumuliert, dass es etwas zu vererben gab. Dass es beim Vererben innerhalb eines Königtums nicht um die Weitergabe des Landes innerhalb der matrilinearen Clanlinie ging, wie es bei heutigen matrifokalen Völkern nachvollziehbar ist, dürfte auch klar sein. Gerhard Bott schreibt dazu:

„In der Gesamthandsverfassung des Paläolithikums konn-te, mangels Masse, ökonomischer Egoismus nicht auf-kommen; die Modi I und II (des Neolithikums: Anmerk. der Verf.) blieben mit ihrer reinen Subsistenzwirtschaft, wie wir sie von Kleinbauern kennen, noch relativ egalitär. Ökonomischer Egoismus und Gewinnsucht kommen erst mit den Herden des Modus III auf und mit dem Privatei-gentum an einem solchen Reichtum, der die eigenen Be-dürfnisse in hohem Maße übersteigt. Es sind deshalb das Hirten-Königtum und der Viehzüchter-Adel, die das größte Interesse daran haben, das Gesamthandeigentum zu privatisieren und schon aus diesem Grunde die Blutsfamilie durch die Paarungsfamilie zu ersetzen. Um diese neue Gesellschaftsordnung zu etablieren, wird die Paarungsfamilie (zugleich Trägerin des Privateigentums) mit der Zeremonie der Heiligen Hochzeit als Ehe geheiligt“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 144).

Auffallend ist zudem, dass Göttner-Abendroth in ihrer Herostheorie das Männliche mit dem Vergehen der Vegetation gleichsetzt, womit sie den „symbolischen“ Tod des Heroskönigs versucht als Bestandteil eines matriarchalen Rituals zu erklären, obwohl es aus dem matrifokalen Verständnis der göttlichen Mutter heraus keinerlei Grund gibt, das Sterben der Vegetation mit dem Männlichen gleich zu setzen. Tatsächlich geht die Matriarchatsforscherin hiermit der patriarchalen Kriegsideologisierung seit der Bronzezeit auf den Leim, die versucht das Männliche für „Heilige Kriege“ zu konditionieren, indem sie den Tod heroisiert, was den Herrschenden nützt und bis heute die Basis ist für die unheilvolle Verbindung zwischen Theologie und Opfertod.

Es ist nicht die Natur des Mannes ein Krieger zu sein und Gott die MUTTER braucht keinen Heros:
Es ist nicht die Natur des Mannes ein Krieger zu sein. Tatsächlich wissen wir heute aus der Patriarchatskritikforschung, dass eine diesbezügliche Ideologisierung der Männer erst mit dem Ende der Matrifokalität, zu Beginn des Metallzeitalters, in der Bronzezeit begann. Parallel hierzu finden wir zu diesem Zeitpunkt die ersten Blutop-ferkulte, also in der Zeit, wo die ersten Männer sich zu Göttern machten und die unheilige Allianz zwischen politischer Herrschaft und patriarchaler Theologie begann. Diese politische Theologie, die mit der auf Herrschaft ausgerichteten sogenannten Heiligen Hochzeit durchgesetzt wurde, markiert den Beginn des patriarchalen Zeitalters und die missbräuchliche Implementierung des Mannes als Krieger. Der Krieger ist nämlich nur dem Herrscher nützlich und dieses Rollenbild ist wider die Natur. Leider erkennt der Matriarchatsfeminismus diesen fundamentalen Ideologiewechsel des Patriarchats nicht und setzt den Heros in einen matriarchalen Kultzusammenhang mit der Göttin. Neben der grundlegenden Missverständlichkeit des Matriarchatsbegriffs, der von der Allgemeinheit automatisch als Umkehrung des Patriarchatsbegriffs verstanden wird, macht diese Fehlinterpretation den Matriarchatsbegriff unbrauchbar für ein Wiederverständnis von Matrifokalität und der Religion von Gott der MUTTER, die nämlich keines Heros bedarf.

Gabriele Uhlmann ordnet die Matriarchatstheorie von Göttner-Abendroth denn auch der vierten Erkenntnisphase der Matrifokalitäsforschung zu und schreibt dazu in ihrem oben genannten Essay:

„Die deutsche Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth erklärte in ihrem Buch „Die Göttin und ihr Heros“ den Ritus der Heiligen Hochzeit fälschlich als Ausdruck von Frauenmacht und kommt damit der Theorie Bachofens sehr nahe“. (www.gabriele-uhlmann.de).

Zum besseren Verständnis von Matrifokalität hat Gerhard Bott mit seinem Buch „Die Erfindung der Götter“ (2009) beigetragen, das sich durch seine differenzierten Begriffsklärungen auszeichnet. Gabriele Uhlmann ordnet diese Veröffentlichung der siebten Erkenntnisphase zu. Sie schreibt:

„Der deutsche Kulturwissenschaftler und Patriarchatsforscher Gerhard Bott (www.gerhardbott.de) legte 2009 mit dem Buch „Die Erfindung der Götter – Essays zur politischen Theologie“ eine umfassende Patriarchatskritik vor, in der er nicht nur die Entstehung des Patriarchats bzw. die Institutionalisierung des Vaters erklärt. Er entlarvt die Methodik der Erhaltung desselben durch die patriarchale Wissenschaft …. Er klärt erstmals die Begriffe Matrilokalität und Matrilinearität im Gegensatz zu Patrilokalität und Patrilinearität allgemein- und unmissverständlich und reinigt die Begriffe von ideologischen Kontaminationen. Er zeigt auf, dass die frühe Menschheit matrifokal lebte und erklärt dies aus den biologischen Voraussetzungen und der Unkenntnis oder Nicht-Anerkennung der Vaterschaft. Durch die Verknüpfung von Patriarchatsforschung und Patriarchatskritik gelingt ihm die Beweisführung, dass die Herrschaft des Mannes über „seine“ Frau sich erst auf der ökonomischen Grundlage der Domestikation und Zucht der großen Huftiere (Boviden) entwickelte. Darauf aufbauend erklärt er die Anpassung der Religion an die neuen gesellschaftlichen Bedingungen. Die Heilige Hoch-zeit erklärt er als Ausdruck der Heiligung der Sexualität, die im Interesse des Mannes lag, und die Grundlage war für die theologische Herabsetzung der altsteinzeitlichen Großen Göttin in der Jungsteinzeit. Der Ritus der Heiligen Hochzeit war demnach die feierliche Übergabe der kulti-schen Macht der Frau an die weltliche Macht des Mannes und besiegelte das Patriarchat. Diese Erkenntnis entzieht der Matriarchatsforschung nach Göttner-Abendroth (Phase 4) die Grundlage“. (ebenda).

Da heute überall sichtbar wird, dass das patriarchale Wertegefüge das gesamte Experiment Leben auf der Erde gefährdet und sich damit als völlig untauglich erwiesen hat, ist es höchste Zeit sich einerseits mit den Wurzeln des Menschseins zu beschäftigen und sich andererseits auf die Rahmenbedingungen zu konzentrieren unter denen Leben auf der Erde möglich ist. Diese Rah-menbedingungen werden von der Natur vorgegeben, die es nicht länger zu manipulieren und technologisch zu verbessern gilt, sondern zu verstehen. Ein Verstehen Wollen biologischer Gegebenheiten und Prozesse muss hierbei den patriarchalen Biologismus ersetzen, dem es nicht um ein Verstehen der Natur ging, sondern um eine Verkehrung der Natur, die heute einer dringenden Korrektur bedarf. In diesem Zusammenhang bedarf es auch einer kritischen Auseinandersetzung nicht nur mit dem Matriarchatsfeminismus, sondern mit dem Feminismus insgesamt. Der Feminismus berührt nämlich gar nicht den Kern des Patriarchats, nämlich den, dass Mütter aus dem Zentrum der Gesellschaft hinaus gedrängt wurden und seitdem alle gesellschaftlichen Kernbereiche vom Mann als Vater her gedacht werden, sei es die Wirtschaft oder die Theologie. Das hat zur Folge, dass Emanzipation damit assoziiert ist, dass Frauen sich in ein Vätersystem bestmöglich einordnen. Je mehr Frauen das machen, was die Männer machen, desto emanzipierter gelten sie. Das ist absurd, weil ja gleichzeitig immer offensichtlicher wird, dass dieses hierarchisch-herrschaftliche Vätersystem, das Patriarchat, innerhalb weniger Jahrtausende die Natur als Lebensbasis, an den Rand des Kollapps gebracht hat.

Literaturangaben:

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, Norderstedt 2009
Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter, Essays zur Politischen Theologie, Band 2, Norderstedt 2014
Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, die matriarchalen Religionen in Mythen, Märchen, Dichtung, Stuttgart, 2011
Obermüller, Barbara: Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte; Mit besonderem Blick auf Hessen, Rüsselsheim, 2014

 

 Der Frauenstein von Riedenburg im Altmühltal

Mütter zwischen Muttertum, Faschismus und Matriarchat

(Aus dem Buch. Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013, S. 49-61)

Das konventionelle Bild der Mutter in einer patriarchalen Gesellschaft entspricht in keiner Weise dem Mutterbild freier nicht domestizierter „Wilder Mütter“. Erich Fromm beschreibt die patriarchale Verdrehung des Mutterbilds treffend:

„Diese Züge weichen allerdings erheblich von dem konventionellen Bild der Mutter in der gegenwärtigen patrizentrischen Gesellschaft ab. Diese kennen im Wesentlichen nur Mut und Heldentum des Mannes (bei dem diese Eigenschaften in Wirklichkeit in hohem Maße mit dem Narzissmus verknüpft sind), während die Gestalt der Mutter im Sinne des Sentimental-Schwächlichen umgedeutet wird… Nicht mehr die Mutter hat die Funktion des Schützens, sondern sie muss beschützt und „rein“ erhalten werden. Diese Reaktionsbildung auf die Zerstörung der ur-sprünglichen Beziehung zur Mutter erstreckt sich auch auf die sie repräsentierenden Symbole wie Land, Volk, Erde usw. und spielt in den extrem patrizentrischen Ideologien der Gegenwart eine wichtige Rolle. Die Mutter und ihre psychologischen Äquivalente sind in diesen nicht verschwunden, aber sie haben ihre Funktion gewechselt: Aus der Schützenden ist eine Schutzbedürftige geworden“ (Fromm, Erich, 1994, S. 59/60).

Seit Bachofen 1861 mit dem Erscheinen seines Buchs über das Mutterrecht den Begriff Gynaikokratie aufwarf, den er als Weiberherrschaft verstand, taucht in der öffentlichen Diskussion in Verbindung mit Müttern auch immer wieder der verwirrende Begriff Matriarchat auf, so dass es diesbezüglich einer Klärung bedarf:

Alle WissenschaftlerInnen sind sich heute einig, dass es ein Matriarchat im Sinne einer Herrschaft von Müttern, in Umkehrung eines Patriarchats, nie gegeben hat. Das bedeutet aber auch, dass Bachofens Theorie einer grausamen Mütterherrschaft, die er als Mutterrecht bezeichnet, widerlegt ist.

Gerhard Bott hat sowohl in seinem Buch „Die Erfindung der Götter“ als auch in einer unter http://www.gerhardbott.de veröffentlichten Korrespondenz überzeugend herausgearbeitet, dass Bachofen völlig gefangen ist in einer patriarchalischen Weltsicht auf die Mütter, in der er ein angeblich grausames Mutterrecht, einem von ihm geschätzten patriarchal kontrollierten Muttertum, das er -der eingefleischte Patriarch – als positiv beschreibt, gegenüberstellt. Bott deckt diese meistens übersehene Differenzierung sehr gut auf:

Mutterrecht und Muttertum:
„Bachofen beschreibt die von Natur aus aphroditisch-hetärische Frau der Urgesellschaft als versunken in einer Sumpf-Sexualität, und zwar so tief, dass sie sich schließlich angeekelt und durch die unersättliche Sexualität der Männer ermüdet, eines Tages dagegen zur Wehr setzt, weiterhin sexuell missbraucht zu werden. Deshalb hätten die Frauen endlich geregelte Zustände gewollt und hätten eine Gynaikokratie institutionalisiert, eben das Mutterrecht, eine „Weiber-Herrschaft“. Diese Termini verwendet Bachofen durchgehend synonym. Die ersten Gynaikokratinnen waren, nach Bachofen, Frauen, die zu den Waffen griffen, sogen. Amazonen. Diese gynaikokratische Herrschaft der Frauen über die Männer sei viel grausamer gewesen, als die spätere patriarchale Herrschaft der Männer über die Frauen. Bachofen beschreibt das „Mutterrecht“, das Matriarchat, also nicht nur als Spiegelbild des Patriarchats, sondern als „ZERR“-Spiegelbild: „Blutige Männermorde“, „Opferung der eigenen Söhne“, „Menschen-opfer“ seien unter jenem „grausamen Mutterrecht“, dieser blutrünstigen „Weiber-Herrschaft“, an der Tagesordnung gewesen“ (Mutterrecht versus Muttertum, http://www.gerhardbott.de).
Bott schreibt desweiteren, dass für Bachofen „Muttertum“ etwas völlig anderes bedeutet als „Mutterrecht“ und macht deutlich, dass Bachofen diese beiden Termini durchgehend als totalen Gegensatz verwendet und sie zwei von einander getrennten historischen Epochen zuordnet:
„Das „Mutterrecht“ ist für Bachofen immer grausam und negativ, genauso, wie ich es in meinem Buch (im einzelnen S. 487 ff.) beschrieben habe. Das „Muttertum“ hingegen, beschreibt er – wie alle Patriarchen- natürlich positiv; aber historisch setzt er die goldene Zeit des „Muttertums“ eindeutig in die Zeit nach der „Vernichtung des Mutterrechts“. Er schreibt ja: „Die Ehe bringt dem Weibe Ruhe und Versöhnung und alles Glück des durch die ausschließliche Ehe geregelten, aus dem Hetärismus zum Muttertum durchgedrungenen Geschlechtslebens“. Das so hoch gelobte „Muttertum“ beschreibt Bachofen also immer gebunden an die „vaterrechtliche“ monogame Ehe; denn er macht klar: „Vaterrecht ist gleichbedeutend mit Eherecht“ (S. 147). Aus Bachofens „Mutterrecht“ geht also eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom Muttertum spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des Mutterrechts meint, sondern die „befriedete Zeit“, nach der „Versöhn-ung“ der Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene „gute“ Zeit, die nach dem Ende des Mutterrechts, der Gynaikokratie oder „Weiberherrschaft“, ihren Anfang nahm, und zwar durch die „Versöhnung“ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann „lustvoll“ unterordnet, wurde das „Durchdringen“ der Frau zum „Muttertum“ möglich. Das „Mutterrecht“, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen Zerrspiegel des „Vaterrechts“, des Patriarchats, dar. Milde ist des Mannes Herrschaft, grausam die des Weibes, so behauptet er. (Mit Milde ist des Mannes Herrschaft, mit Grausamkeit die des Weibes gepaart. Bachofen aaO., S. 175). Erst nachdem mit Herakles der „heldische Mann“ „das grausame Mutterrecht vernichtet hatte“, wären die Frauen zur Vernunft gekommen, hätten den naturwidrigen Irrtum der gynaikokratischen Weiber-Herrschaft erkannt und hätten sich dann „lustvoll, befriedet und befriedigt“ der höheren solaren Geistigkeit des Mannes untergeordnet und in der monogamen Ehe alles Glück dieser Erde und erst damit zum „Muttertum“ gefunden. Auf diese Weise habe „die grausame Zeit des Mutterrechts“, die der Menschheit eine Fülle von Leiden bereitet hätte, endlich ihr Ende gefunden“ („Mutterrecht versus Muttertum“; http://www.gerhardbott.de).
Bachofens Interpretationen haben sich als nicht haltbar erwiesen, aber die patriarchalen Verdrehungen des Mutterbilds, das Muttertum, wie Bachofen es genannt hat, prägen bis heute das Bild der Mutter in unserer Gesellschaft. Theologisch patrizentrisch durchgesetztes Muttertum können wir sehr gut bei der katholischen Kirche beobachten, welche die Kosmische Mutter in der Maria als die jungfräuliche Mutter Gottes und in vielen ihrer Heiligen erhalten, aber eben patriarchal besetzt hat. Maria auf der Weltkugel, im Strahlenkranz der Sonne oder auf der Mondsichel stehend, gibt bis heute die ursprünglichen Funktionen der Kosmischen Mutter wieder, aber die Göttin wird in ein patriarchales Weltbild gepresst, das ihr den ursprünglichen Status als Gott die MUTTER abspricht, sie zu einer Magd des HERRN degradiert, ihre Jungfräulichkeit verkeuscht, obwohl der ursprüngliche Jungfrauenaspekt ein parthenogenetisch-aseitätischer war und die junge Frau aus den matrilinearen Sippen über eine freie Sexualität, die sogenannte female choice verfügte (Bott, Gerhard, 2009; Uhlmann, Gabriele, 2011, 2012). Auch die katholische Kirche selbst gilt als Mutter trotz des Paradoxons, dass in der Hierarchie der katholischen Kirche Frauen eliminiert wurden, während die Protestanten Frauen zwar in ihrer Hierarchie gestatten die patrizentrische Lehre des Vater-Gott-Monotheismus zu verbreiten, andererseits aber alle matrizentrischen Züge des Christentums radikal ausgemerzt haben. Fromm bescheinigt Luther psychologisch gesehen ein extrem patrizentrischer Typ zu sein, denn im Protestantismus sind mütterliche Äquivalente wie die Gestalt der heiligen Jungfrau oder die Kirche oder alle mütterlichen Züge Gottes verschwunden (Fromm, Erich; 1994 S. 62).

Auch das Mutterbild des Faschismus unter den Nazis in Deutschland bedient sich des patriarchalisierten Muttertums und verdreht das ursprüngliche Mutterbild der „Wilden Mütter“, indem es einerseits die Mütter patriarchal-ideologisch zu Kriegsgebärmaschinen degradiert und ihr Gebären für das Vaterland bezeichnenderweise mit Mutterkreuzen honoriert. Andererseits wird aber auch die enge Verbindung zwischen den Müttern und dem Land, das ursprünglich das Heilige Land war, zu einer Blut- und Bodenkriegsideologie verfälscht. Das Heilige Mutterland wird im Patriarchat und insbesondere in der Blut- und Bodenideologie des nationalen Faschismus zu dem mit Blut getränkten Vaterland, um dessentwillen Männer auf dem Kriegsfeld geopfert, Frauen vergewaltigt und zusammen mit ihren Kindern ebenfalls getötet werden.

In Deutschland versuchte Heide Göttner-Abendroth den Begriff Matriarchat auf eine neue Basis zu stellen. Sie bezeichnet Matriarchate als herrschaftsfreie Konsensgesellschaften und leitet das Wort Matriarchat nicht von archein sondern von arché ab. Göttner-Abendroth übersetzt deshalb das Wort Matriarchat nicht mit Herrschaft der Mütter, sondern mit „Am Anfang die Mütter“. Mit dieser Übersetzung nähert sie sich zwar der Wahrheit, aber im allgemeinen und insbesondere im internationalen Verständnis ist in arché immer der Herrschaftsbegriff enthalten, wie in den Begriffen Hierarchie, Monarchie und eben auch Patriarchat (siehe hierzu auch „Zum Wortstamm arché im Begriff Matriarchat, http://www.gerhardbott.de). So stiftet der Begriff Matriarchat genauso viel Verwirrung wie Bachofens Begriff des angeblich grausamen Mutterrechts, das er mit Frauenherrschaft gleichsetzt. In der Praxis zeigt sich außerdem, dass der Begriff Matriarchat immer wieder als Kampfbegriff gegen Mütter verwendet wird, so dass er sich als patriarchaler Bumerang erweist und der Bedeutung der Mütter im Laufe der menschlichen Geschichte in keinster Weise gerecht wird.

In Verbindung mit Göttner-Abendroths Theorie von der Göttin und ihrem Heros stoßen wir zudem nicht nur auf eine Fehlinterpretation der Heiligen Hochzeit, dem griechischen Hieros Gamos, sondern auch auf das männliche Menschenopfer, das schon Bachofen, dem „grausamen Mutterrecht“ unterstellte. Göttner-Abendroth übernimmt hier die patriarchale Denkweise von Bachofen und interpretiert sowohl die Heilige Hochzeit als auch den jährlichen Tod des Heroskönigs als matriarchal. Und sie tut dies auch in der überarbeiteten, 2012 erschienenen Auflage ihres Buches, ungeachtet einer diesbezüglich anhaltenden, öffentlichen, kritischen Diskussion (Göttner-Abendroth, Heide; Die Göttin und ihr Heros, 2012). Die Heilige Hochzeit ist für Göttner-Abendroth sogar ein matriarchales Kernstück, obwohl genau dieses Ritual der Heiligen Hochzeit den Beginn des Patriarchats markiert. Bei der Heiligen Hochzeit geht es nämlich keineswegs um die Heiligung der Sexualität an sich, sondern immer um die Heiligung der Patrilinearität, die natürlich nur über Sexualität erfolgen kann. Göttner-Abendroth hat nicht erkannt, dass die Heilige Hochzeit ja gerade die offizielle Inthronisierung der Paarungsfamilie bedeutet, d. h. die Ablösung der matrilokalen Blutsfamilie, die die Ursprungsfamilie des Menschen ist. Während im Paläolithikum, also in der Altsteinzeit und auch noch weit bis ins Neolithikum hinein, die aseitätische-parthenogenetische, aus sich selbst Leben schöpfende Mutter das soziologische und religiöse Kernstück der Gemeinschaft ist, wird die Heilige Hochzeit erstmals in sumerischen Tontafeln erwähnt. Das heißt, wir befinden uns bereits in patriarchalen Zeiten, in der die Erinnerung an die aseitätische Gott die MUTTER zwar noch überall präsent ist, aber, in der das unilinear-matrilineare Erbrecht zunehmend ersetzt wird durch ein bilineares Erbrecht, um schließlich ganz durch ein unilinear-patrilineares ersetzt zu werden. Wie Bott beschrieben hat, können wir diese Entwicklung bei den Pharaonen in Ägypten gut nachvollziehen. Während im Alten Reich noch ein bilineares Erbrecht herrschte, wird dieses schließlich im Neuen Reich unter dem Pharao Amenophis III (1388-1351 v.u.Z.) durch eine unilinear-patrilineare Thronerbfolge ersetzt (Das bilineare Thronerbrecht der Pharaonen, http://www.gerhardbott.de). Parallel wird diese gesellschaftliche Umwälzung von einer religiösen Umwälzung begleitet: Die aseitätische Kosmische Mutter wird zweigeschlechtlich in Göttinnen und Götter aufgespalten. Dies geht jedoch zunehmend mit einer patriarchalen Hierarchisierung in Form eines von einem Göttervater angeführten Götterpantheons einher und die Göttin wird schließlich von einem monotheistischen Vater-Gott völlig ersetzt.

Zu einer Fehlinterpretation aus der Matriarchatstheorie heraus kommt es dann auch, wenn die Bedeutung von Frauen in der Geschichte daran aufgezeigt werden soll, dass es z.B. in Ägypten Gräber von Königinnen gibt, die besonders reich ausgestattet sind, wie Doris Wolf in ihrem Buch „Was war vor den Pharaonen“, (1994, S. 150) beschrieben hat. Eine besonders reiche Ausstattung von Gräbern, weist eindeutig darauf hin, dass es sich hier nicht um egalitäre hierarchiefreie Gesellschaften gehandelt haben kann, sondern bereits um eine herrschaftliche patriarchale Überlagerung.

Auch das männliche Opfer, das Widder- und Stieropfer, oder später das Menschenopfer gehen einher mit einer zunehmenden Patriarchalisierung. Und so muss auch der Ritualtod des Heroskönigs durch „Wettkämpfe als Varianten des Initiationskampfes, als Kampf gegen die mythischen Tiere der Göttin oder als Kampf gegen den Amtsvorgänger, den alten Heroskönig“, wie Göttner-Abendroth ihn für die von ihr als „spätmatriarchal“ bezeichnete Zeit der Bronzezeit beschreibt (Göttner-Abendroth Heide, 2012, S. 33-46), in Wahrheit als patriarchal angesehen werden. Göttner-Abendroth erweist den Müttern keinen guten Dienst, wenn sie ausgerechnet Menschenopfer mit ihrem Matriarchatsbegriff dem spirituellen Wirkungskreis der Mütter zurechnet. Denn wie Carola Meier-Seethaler treffend anmerkt, ist es kaum denkbar, „dass Mütter je freiwillig ihre Kinder geopfert hätten, es sei denn, sie hätten vor der Wahl gestanden, ein Neugeborenes zu opfern oder ihre größeren Kinder dem Tod preiszugeben (Meier-Seethaler, Carola, 2011, S. 90).

Das Opfer
Wie Meier-Seethaler beschreibt ist die häufigste Opfergabe das Libationsopfer, das kultische Darbringen von Flüssigkeiten wie Wasser, Wein, Öl oder Milch. Die Autorin schreibt:

„Dafür zeugen die unzähligen Kultgefäße an allen neolithischen und frühhistorischen Fundplätzen. Dass diese häufig in der Form des weiblichen Körpers gebildet sind, wurde bereits erwähnt. Unter anderen gab es in der kretischen Vorpalastzeit Gefäßfiguren mit durchbohrten Brüsten, aus denen die Flüssigkeit gleichsam aus der Mutterbrust fließen konnte (Marinatos N. 1993, 15). Wenn Götterstatuen, Altäre, Gräber oder heilige Bäume in kultischer Absicht besprengt werden, so reflektiert dies die hohe Bedeutung, die den Lebenswassern für die Entstehung, die Erhaltung und die Wiedergeburt des Lebens zukommt. Vermutlich schon vorkeramisch sind Gaben von Weizenkörnern, Früchten und anderer Nahrungsmittel, einschließlich gebackener Brote… Bis zur Gegenwart gehört die Darbringung junger Zweige im Frühling und von Ernte-Erzeugnissen im Herbst zu den gebräuchlichsten Formen heute christlich geprägter Dankopfer“ (Meier-Seethaler, ebenda, S. 87). Tieropfer treten wie Meier-Seethaler desweiteren ausführt „seit der Herdentier-Haltung ab 7000 v.u.Z. prominent in Erscheinung, zuerst das Widder-Opfer, später vor allem das Stieropfer. Beide Tiere stehen für männliche Zeugungskraft und wurden als irdische Erscheinungen männlicher Vegetationsgötter verstanden“ (ebenda, S. 85).

Tatsächlich sind für das Paläolithikum, die Altsteinzeit bisher keine männlichen Opferungen belegt. Eine Opferung ist ja auch überhaupt nicht nötig, da ja die Mütter über das heilige rote Menstruationsblut und die weiße Milch verfügen, die in der Religion der Kosmischen Mutter in Verbindung mit den Hörnerphasen von Frau Mond und den Mutterfarben Rot, Weiß und Schwarz als heilig angesehen wurden. Auffallend ist in der Tat, dass eine Opferung allerdings weiblicher Tiere dokumentiert ist, die eventuell in das Ende der Eiszeit im Zuge der dramatischen Klimaerwärmung vor 11 000 Jahren zurückreicht. Meier-Seethaler beschreibt die vorgefundene Situation folgendermaßen, die sie mit einer Abwanderung der Rentierherden nach Norden und eine dadurch möglicherweise ausgelöste Existenzbedrohung begründet:

„Im Opferteich von Ahrensberg bei Hamburg wurden die Reste von 30 ganzkörperlich versenkten Rentieren entdeckt. Es waren ausschließlich weibliche, zweijährige Tiere, die man mit Pfeilen getötet, aufgeschnitten und mit Steinen gefüllt hatte. Dass es sich um ein kultisches Ritual handelt, beweist der am Seeufer aufgestellte Holzpfahl, dessen Spitze vom Schädel einer zehnjährigen Renkuh gekrönt war“ (ebenda, S. 85).

In diesem Zusammenhang auffallend ist die Bedeutung des mit Steinen gefüllten Bauches der potentiellen Rentiermütter, die sich stark von späteren Opferungen unterscheidet. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass in dem damaligen unilinear-matrilinearen Bewusst-sein der Menschen völlig klar war, dass eine Rettung der eigenen, möglicherweise durch die Klimaveränderungen bedrohten Jagdsubsistenzwirtschaft, nur über die Mütter hätte erfolgen können. Ein männliches Opfer hätte also niemals Sinn gemacht.

Der patriarchale Charakter des Stieropfers offenbart sich hingegen auch sehr klar im patriarchal-soldatischen Mithraskult, auf den wir circa 1500 v. u. Z. stoßen und in der Tatsache, dass die Opferungen im Alten Testament, bei den biblischen Patriarchen einen so großen Raum einnehmen. Der Umbruch von der Religion von Gott der MUTTER zum Patriarchat ist dort sehr deutlich in der Geschichte von Kain und Abel enthalten. Im 1. Buch Mose 4.2. können wir hierzu nämlich lesen:

„Und Abel wurde ein Schafhirt, und Kain wurde ein Ackerbauer. Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem Herrn eine Opfergabe. Und Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe; aber auch auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht“.

Menschenopfer sieht Meier-Seethaler eindeutig im Zusammenhang mit dem Beginn der kriegerisch-patriarchalen Herrschaft ab dem 4. vorchristlichen Jahrtausend. Die Autorin führt aus:

„Unübersehbar ist aber die historische Tatsache, dass mit der Begründung kriegerisch-patriarchaler Herrschaft ab dem 4. vorchristlichen Jahrtausend die Praxis von Menschenopfern sprunghaft zugenommen hat. Die aus dem Osten eingebrochenen Indoeuropäer opferten Gefangene und Sklaven ihren Kriegsgöttern, die Germanen dem Odin oder Thor. Dies vor der Schlacht, um den Sieg zu erringen, und nach gewonnener Schlacht, um den Sieg und den Gott zu feiern (R.L.M.Derolez, 1963). In Homers Ilias werden Menschen beim Begräbnis großer Helden geopfert, und schon die Grabhügel der Kurganvölker bargen neben Tieropfern menschliche Nachfolgebestattungen, darunter die Witwen der Kriegerfürsten (M. Gimbutas 1991, 400). Vermutlich war die in Indien als „Sati“ bezeichnete Opferung nicht nur ein barbarischer Akt der Frauenverachtung, sondern auch die Rückversicherung des Mannes, mithilfe der weiblichen Lebenskraft wiedergeboren zu werden. Erst ab Ende des dritten Jahrtausends macht dann die patriarchale Ideologie aus den großen Muttergöttinnen Kriegsgottheiten, wie es der babylonischen Ischtar, der syrischen Anat und der (vor)griechischen Athene geschah. Dabei wurden sie zu angeblich blutrünstigen Wesen dämonisiert, die nach immer neuen Blutopfern verlangen“ (ebenda, S. 90).

Tatsächlich ist es doch völlig offensichtlich, dass in dem Moment, wo der Mann die Heldenrolle, also die Rolle des Heros übernimmt, wir uns schon längst im Patriarchat befinden, kennen wir doch wie Meier-Seethaler es treffend benennt „die Glorifizierung des Martyriums und die Selbstkasteiung in allen Hochreligionen“ (S. 89). Der Heros tritt in ganz verschiedener Form auf, sehr verbreitet auch in Form der christlichen Drachentöter Michael, Georg und Patrick aber auch als Siegfried im Nibelungenlied, das lange als Nationalepos der Deutschen galt. Tatsächlich steht der Drache für die Kosmische Mutter und der Drachentöter für den Muttermord, was sich nicht nur im babylonischen Weltschöpfungs-Epos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat nachvollziehen lässt, sondern auch in der neutestamentlichen Offenbarung des Johannes als Kampf des Michael mit der Frau und dem Drachen, die hier mit der alten Schlange, dem Teufel und dem Satan gleichgesetzt werden (Offenbarung, Kapitel 12). Auffallend ist überhaupt die patriarchale Verbindung zwischen Held und Heil. Im Märchen besiegt der Held alle möglichen Ungeheuer. Jesus opfert sein Leben am Kreuz und wird damit zum Heil-Land der Welt und Hitler ließ sich auch nicht zufällig mit „Heil Hitler“ begrüßen! Weder Held, Heil, männlicher Tod und Blutopfer sind Bestandteil der Alten Religion von Gott der MUTTER als Komischer Mutter, sondern sind eindeutig patriarchal.

Literaturangaben:

Bachofen, Johann Jacob: Das Mutterrecht, Frankfurt am Main, 1975
Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie; Norderstedt, 2009
Bott Gerhard: Zum Wortstamm „arché“ im Begriff Matriarchat unter http://www.gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/zum-wortstamm-arche-im-begriff-matriarchat.html
Bott, Gerhard: „Mutterrecht versus Muttertum“ unter http://www.gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html
Bott, Gerhard: „Das bilineare Thronerbrecht der Paharaonen“ unter http://www.gerhardbott.de/ii-neolithikum-und-danach/das-bilineare-thronerbrecht-der-pharaonen-.html
Fromm, Erich: Liebe, Sexualität und Matriarchat; Beiträge zur Geschlechterfrage; München 1994

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, München 1990 und 2011
Göttner-Abendroth, Heide: „Im Matriarchat der Mosuos; Eine Forschungsreise nach Südchina“ und „Matriarchate als herrschaftsfreie Gesellschaften, hg. von Göttner-Abendroth, heide/Derungs, Kurt, Bern 1997
Meier-Seethaler, Carola: Ursprünge und Befreiungen; Eine dissidente Kulturtheorie, Stuttgart, 2011

Petroglyphe, Laxe das Rodas, Galizien

Petroglyphe, Laxe das Rodas, Galizien

Zeittafel der menschlichen Geschichte


Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung

I. Zeit der Heiligen Steine

1. Paläolithikum (Altsteinzeit)

Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann

500 000 bis 300 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Tan-Tan in Marokko mit rotem Ocker

300 000, eventuell sogar 600 000 v.u.Z.: Älteste Begräbnisstätte (mortuary site) in Europa in der Höhle von Sima de los Huesos (Pit of the Bones), Atapuerca, Burgos, Spanien

280 000 bis 250 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Rebekhat Ram aus rotem Tuffstein, Golanhöhen, Israel/Syrien

100 000 v.u.Z.: Bisher ältestes erhaltenes Grab in der Höhle von Qafzeh bei Nazareth in Israel

40 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Willendorf, Wachau, Österreich
25 000 bis 20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Laussel, Dordogne, und Lespugue, Haute Garonne, Frankreich

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Dolni Vestonice, Mähren, Tschechien

20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Avdeevo, Russland

18 600 v.u.Z.: Älteste Bestattung in Deutschland in der Mittleren Klausenhöhle in Essing (Cro-Magnon-Mensch), Altmühltal, Bayern. Der circa 30-jährige Tote war in eine dicke Schicht Rötel gehüllt.


2. Neolithikum (Jungsteinzeit)

ab 10 500 v.u.Z. in Anatolien und Vorderer Orient
ab 6500 v.u.Z. in Südosteuropa
ab 5500 v.u.Z. in Mittel- und Westeuropa

Beginn der Sesshaftigkeit mit Gartenbaukulturen und Kleintierhaltung vor allem als weibliche Ökonomie, weiterhin ergänzende Jägerökonomie; 7000 v.u.Z.: Beginn der Rinderdomestikation als hauptsächlich männliche Ökonomie (Cowboyökonomie)


II. Metallzeitalter

1. Chalkolithikum (Kupfersteinzeit)

ab dem späten 5. Jahrtausend v.u.Z. im Vorderen Orient
ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

Beginn von patriarchalen hierarchischen Gesellschaftsstrukturen

4500 v.u.Z. Beginn des Pflugackerbaus
4000 v.u.Z.: Beginn der Pferdedomestikation
Beginn erster hierarchischer Gesellschaften mit Herrschergräbern in Arsan Tepe in Anatolien mit einer Grabbeigabe von Kupferschwertern und um 4500 v.u.Z. in Warna am Schwarzen Meer im heutigen Bulgarien mit Kupferwaffen, einer Muttergottheit und dem ältesten Goldfund weltweit (Haarmann, Harald, 2005, S. 79; Bott, Gerhard, 2009, S. 317)

2. Bronzezeit: Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient
2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

3500 v.u.Z.: Auftauchen der ersten Streitwagenkrieger als Voraussetzung für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Hierzu zählen die Sumerer, die indoeuropäischen Kurgan-Völker (Hethiter, Arier, Churriter, Achäer) und die hamito-semitischen Akkader, Amoriter und Aramäer (Bott, Gerhard, 2009, S. 395/396)

ab 3300 v.u.Z. erste namentlich erwähnte männliche Vegetationsgötter in Mesopotamien Ea/Enki, in Sumer Dumuzi und in Ägypten Min/Osiris

ab 2000 v.u.Z. Auftauchen der ersten Reiterkrieger

1500 v.u.Z. Auftauchen des ersten monotheistischen Gottes Aton in Ägypten

3. Eisenzeit: Durchsetzung des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 1400 v.u.Z. in Kleinasien
ab 1000 v.u.Z. in Europa

1100 v.u.Z. Muttermord im babylonischen Weltschöpfungsepos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat
650 v.u.Z. in der Zeit von König Josia Durchsetzung der ersten monotheistischen Theologie im Judentum
458. v.u.Z. Muttermord in der griechischen Orestie

4. Spätere Geschichte

Weltweite Durchsetzung der patriarchalen Indoktrinationen: die offizielle Geschichte wird als rein männliche Geschichte dargestellt; Urvaterlüge; patriarchale Weltreligionen als politische Theologien

6. bis 8. Jahrhundert n.u.Z.: Beginn der Christianisierung in Mitteleuropa
13. bis 20. Jahrhundert: Zeit der Inquisition und Hexenverfolgung in Europa und imperialistische Kolonisation, in der die Erinnerung an Gott die MUTTER mit äußerster Brutalität ausgemerzt werden sollte.

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