Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung

Zeittafel aus dem Buch: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus von Armbruster, Kirsten, 2013


Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung

I. Zeit der Heiligen Steine : Zeit der Matrifokalität

1. Paläolithikum (Altsteinzeit)

Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann

500 000 bis 300 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Tan-Tan in Marokko mit rotem Ocker

300 000, eventuell sogar 600 000 v.u.Z.: Älteste Begräbnisstätte (mortuary site) in Europa in der Höhle von Sima de los Huesos (Pit of the Bones), Atapuerca, Burgos, Spanien

280 000 bis 250 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Rebekhat Ram aus rotem Tuffstein, Golanhöhen, Israel/Syrien

100 000 v.u.Z.: Bisher ältestes erhaltenes Grab in der Höhle von Qafzeh bei Nazareth in Israel

40 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Willendorf, Wachau, Österreich
25 000 bis 20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Laussel, Dordogne, und Lespugue, Haute Garonne, Frankreich

25 000 v.u.Z.: Urmutterfigurine von Dolni Vestonice, Mähren, Tschechien

20 000 v.u.Z.: Urmutterfigurinen von Avdeevo, Russland

18 600 v.u.Z.: Älteste Bestattung in Deutschland in der Mittleren Klausenhöhle in Essing (Cro-Magnon-Mensch), Altmühltal, Bayern. Der circa 30-jährige Tote war in eine dicke Schicht Rötel gehüllt.


2. Neolithikum (Jungsteinzeit)

ab 10 500 v.u.Z. in Anatolien und Vorderer Orient
ab 6500 v.u.Z. in Südosteuropa
ab 5500 v.u.Z. in Mittel- und Westeuropa

Beginn der Sesshaftigkeit mit Gartenbaukulturen und Kleintierhaltung vor allem als weibliche Ökonomie, weiterhin ergänzende Jägerökonomie; 7000 v.u.Z.: Beginn der Rinderdomestikation als hauptsächlich männliche Ökonomie (Cowboyökonomie)?


II. Metallzeitalter: Zeit des Patriarchats

1. Chalkolithikum (Kupfersteinzeit)

ab dem späten 5. Jahrtausend v.u.Z. im Vorderen Orient
ab 4300 v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

Beginn von patriarchalen hierarchischen Gesellschaftsstrukturen

4500 v.u.Z. Beginn des Pflugackerbaus
4000 v.u.Z.: Beginn der Pferdedomestikation
Beginn erster hierarchischer Gesellschaften mit Herrschergräbern in Arsan Tepe in Anatolien mit einer Grabbeigabe von Kupferschwertern und um 4500 v.u.Z. in Warna am Schwarzen Meer im heutigen Bulgarien mit Kupferwaffen, einer Muttergottheit und dem ältesten Goldfund weltweit (Haarmann, Harald, 2005, S. 79; Bott, Gerhard, 2009, S. 317)

2. Bronzezeit: Beginn des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 3300 v.u.Z. im Vorderen Orient
2. Jahrtausend v.u.Z. in Mittel- und Nordeuropa

3500 v.u.Z.: Auftauchen der ersten Streitwagenkrieger als Voraussetzung für Reichsgründungen durch kriegerische Eroberung. Hierzu zählen die Sumerer, die indoeuropäischen Kurgan-Völker (Hethiter, Arier, Churriter, Achäer) und die hamito-semitischen Akkader, Amoriter und Aramäer (Bott, Gerhard, 2009, S. 395/396)

ab 3300 v.u.Z. erste namentlich erwähnte männliche Vegetationsgötter in Mesopotamien Ea/Enki, in Sumer Dumuzi und in Ägypten Min/Osiris

ab 2000 v.u.Z. Auftauchen der ersten Reiterkrieger

1500 v.u.Z. Auftauchen des ersten monotheistischen Gottes Aton in Ägypten

3. Eisenzeit: Durchsetzung des patriarchalen Kriegszeitalters

ab 1400 v.u.Z. in Kleinasien
ab 1000 v.u.Z. in Europa

1100 v.u.Z. Muttermord im babylonischen Weltschöpfungsepos ENUMA ELISH im Kampf zwischen Marduk und Tiamat
650 v.u.Z. in der Zeit von König Josia Durchsetzung der ersten monotheistischen Theologie im Judentum
458. v.u.Z. Muttermord in der griechischen Orestie

4. Spätere Geschichte

Weltweite Durchsetzung der patriarchalen Indoktrinationen: die offizielle Geschichte wird als rein männliche Geschichte dargestellt; Urvaterlüge; patriarchale Weltreligionen als politische Theologien

6. bis 8. Jahrhundert n.u.Z.: Beginn der Christianisierung in Mitteleuropa
13. bis 20. Jahrhundert: Zeit der Inquisition und Hexenverfolgung in Europa und imperialistische Kolonisation, in der die Erinnerung an Gott die MUTTER mit äußerster Brutalität ausgemerzt werden sollte.

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2 Gedanken zu „Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung

  1. Ich frage mich wie das Patriarchat sich eigentlich durchsetzen konnte, wenn die Menschen in den matrifokalen Gesellschaften wahrscheinlich glücklicher waren. Ich kann verstehen, dass es vielleicht Männer gab die neidisch auf die Gebärfähigkeit der Frauen waren, aber warum haben die Frauen die Änderungen zugelassen? Würde mich interessieren ob es dazu Erkenntnisse gibt.

  2. Liebe Flora,
    Ja zur Enstehung des Patriarchats gibt es Erkenntnisse. Ein Aspekt liegt im damaligen Klimawandel. Dazu habe ich einiges in meinem Buch „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ geschrieben inclusive einer Klimakarte im Zusammenhang mit dem Beginn patriarchaler Strukturen. Hier das Inhaltverzeichnis des Buches:

    Das Muttertabu
    oder der Beginn von Religion

    264 Seiten, broschiert, 2010
    mehr als 70 größtenteils farbige Abbildungen
    Verlag: editioncourage (2010)

    ISBN-13: 978-3000314308

    Größe: 23,2 x 16,4 x 2,2 cm

    überall im Buchhandel erhältlich: EUR 34,00

    Mit vielen Fakten und in beeindruckenden Bildern weist die Autorin nach, dass die kulturelle Mutterstufe als partnerschaftliche Kulturstufe Hunderttausende von Jahren die Ursozialisationsform des Menschen war. Ausgehend von dieser Mater Radix erweisen sich alle unsere gesellschaftlichen Paradigmen als politische Machtinstrumente, um die Lebenslüge, dass der Vater am Anfang und im Zentrum allen Lebens steht, zu manifestieren. Die Autorin zeigt auf, dass erst die starken Klimaschwankungen im Laufe des Neolithikums vor circa 6000 Jahren schließlich zum Zusammenbruch der sozialen Strukturen der kulturellen Mutterstufe führten. In Kombination mit der Überbetonung von Vaterschaft wurde, anfangs bei Hirtennomaden, die ursprüngliche matrilineare Abstammung ersetzt durch eine patrilineare. Aus den capites der Herde entwickelte sich der kapitalistische Eigentumsbegriff. Die Mutter wurde entmachtet. Die ursprüngliche Religion, die Anbindung an Mutter Erde, als Rückbindung an die Landschaft wurde durch poltische Machttheologien und Herrschaftsideologien ersetzt. In Verbindung mit einer fortschreitenden Metallverarbeitung entwickelte sich die Kriegsführung als wirksamste Form der Kapitalakkumulation. Heute hat dieses ausbeuterische System des Patriarchats in nur 6000 Jahren das Leben auf der Erde an den Rand des Kollaps gebracht. Nur die Entwicklung von Gaiakompetenz wird uns vor dem völligen Ruin retten. Das heißt, wir als Menschen müssen innerhalb des mütterlichen Systems Erde wieder teamfähig werden.

    Inhaltsverzeichnis

    Unsere Geschichtsbrille braucht neue Gläser

    Die kulturelle Mutterstufe
    Von den Urmüttern oder der Mater Radix des menschlichen Bewusstseins
    Von der matrivivialen-avunkulatorischen Partnerschafts-gesellschaft (MA-Partnerschaftsgesellschaft) und deren Untergang
    Von der Aseität der Urmütter
    Australien, Sumer, Ägypten, Griechenland, Amerika, Asien, Afrika
    Von Mutterbergen und Landschaftsahninnen
    Von den Urmütterfigurinen
    Von dem Beginn von Religion
    Von der Ka-Gebär-Anbetungshaltung
    Von Kannibalen, die in Höhlen hausten und sich mit fremden Hörnern schmückten
    Von Schlangen, Drachen, Kröten, Echsen und anderem Getier
    Von der Mutterschrift, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf
    Vom kontinuierlichen Niedergang der kulturellen Mutterstufe

    Der Muttermord
    Von verfluchten Schlangen und furchterregenden Drachen
    Vom Geheimnis Babylons, der Mutter aller Greuel
    Vom Kampf zwischen Garuda und den Nagas
    Vom feurigen Erddolchbuddhismus des Dalai Lama
    Von der barmherzigen Drachenmutter Guanyin
    Von der Annagelung der tibetischen Landschaftsahnin Srinmo
    Vom Weltenberg Meru
    Von brennenden Frauen und weisheitssuchenden Männern
    Von Feuersäulen und buddhistischen Feuerpujas
    Von der Göttin Sati und dem hinduistischen Witwenmord
    Von der alchemistischen Umwandlung mütterlicher Energien
    Von feurigen Sonnengöttern und mutigen Drachenkämpfern
    Von dem Beweis, dass Vaterschaft auch ohne Mutter sein kann

    Das Patriarchat
    Von Klimaveränderungen während des Holozäns und dem Beginn des Neolithikums
    Vom Hirtentum und der Überbetonung von Vaterschaft
    Vom Durchbruch des Patriarchats
    Vom Beginn der Sünde in der Welt
    Von ohnmächtigen Müttern

    Gaiakompetenz als Überlebensstrategie

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