Warnung – Mütterfalle Patriarchat

Text aus dem neuen Buch: Armbruster, Kirsten: „Mütterarmut – Eine Streitschrift wider eine von Männern definierte und nur am Mann orientierte Ökonomie, 2019, S. 96-101

Kinder zu bekommen, ist etwas Wunderbares. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunder. Das Wunder menschlichen Lebens, das durch den einzigartigen Körper von Müttern in die Welt getragen wird, während der Mann als biologischer Vater von den Aufwandsrelationen her gesehen, genetisch mit einem halben Chromosomensatz aus dem Zellkern des Spermiums, und auch vom Zeitaufwand der Spermienabgabe während eines Orgasmus her gesehen, im Vergleich zur Schwangerschaft, schätzungsweise 1 Prozent dazu beiträgt, dass dieses Lebenswunder real und lebbar wird. Das darf man aber nicht sagen im Patriarchat. Es wird aber höchste Zeit, das nicht nur zu sehen, sondern auch zu sagen, zu schreiben und hinauszuschreien in diese verquere Welt! (mehr in Armbruster, Kirsten: „Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert“ unter kirstenarmbruster.wordpress.com vom 08.02.2018 ) Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

Die Logik des Lebens ist zwingend. Mütter gehören naturgemäß ins Zentrum einer Gesellschaft und Männer haben die Funktion, Mütter zu unterstützen, als Söhne, Brüder, Onkel, vätertaugliche Väter, egal ob biologisch oder nicht biologisch, in jedem Fall aber fürsorglich! Tatsächlich brauchen wir Matrifokale Männer und eine Abkehr von toxischer Männlichkeit! (mehr dazu in Armbruster, Kirsten: „Matrifokale Männer und Väter“ vom 14.01.2019) Matrifokale Männer und Väter

Im Patriarchat passiert das Gegenteil. Im Patriarchat ist Muttersein eine Falle. Das höchste Risiko, um in unerträgliche Lebenssituationen und ins gesellschaftliche Abseits zu geraten, und zwar nicht etwa, weil Mütter vielleicht zu blöd sind, um ihr Leben gut zu gestalten. Nein, denn die weltweite Mütterarmut zeigt, dass wir es nicht mit einem individuellen Problem von Müttern zu tun haben, sondern mit einem verfestigten strukturellen Problem:

Die einzelne Mutter ist nicht schuld. Es ist nicht ihr persönliches Versagen, wenn sie, in wie auch immer geartete große Probleme gerät. Nein, es handelt sich um ein komplettes gesellschaftliches Versagen und kann also auch nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden.

Dazu fehlt bisher– selbst im Feminismus – jegliches Bewusstsein. Solange Mutterschaft jedoch nur unter diesen unzumutbaren patriarchalen Bedingungen lebbar ist, ist es höchste Zeit junge Frauen vor dieser Falle des Patriarchats zu warnen, anstatt sie durch das gesellschaftlich übliche Liebes-Romantik-Weißes-Brautkleid-Traumprinz-schönster-und-wichtigster-Tag-im-Leben-Märchen weiter unvorbereitet in diese strukturelle Falle zu locken und sie dann dort mutterseelenallein zu lassen.

Patriarchale Risikofaktoren für Mütter:

  • Finanzielle Abhängigkeit; Mütterarmut; in der Folge Altersarmut
  • Karriereknick, weil die staatlich zugesicherte Infrastruktur an Betreuungsmöglichkeiten von Kindern oder Pflegebedürftigen nicht ausreicht, qualitativ nicht zumutbar oder schlichtweg menschenunwürdig ist
  • Isolierung von sozialen Kontakten, welche durch den Beruf gewährleistet waren und nun durch ein häufig erzwungenes Hausfrauendasein nicht mehr fortgeführt werden können, weil die ausschließlich am Mann orientierte Ökonomie nicht durchlässig ist für eine gesellschaftliche Gemeinschaftsverantwortung und die Räume von Kindererziehung und Erwerbsarbeit widernatürlich abgetrennt hat
  • Völlige Überarbeitung durch Doppel- und Dreifachbelastung bei gleichzeitiger hochgradig diskriminierender Missachtung der Gesamtarbeitsleistung von Müttern
  • Armut, die sich exponentiell steigert, wenn eine Beziehung in die Brüche geht, in der Mütter in der Lebensrealität dann zu 90 % alles allein stemmen müssen und der Staat zahlungssäumige Väter gewähren lässt, als handle es sich bei nicht gezahlten Unterhaltszahlungen nicht um Existenzbedrohung, sondern um ein Kavaliersdelikt
  • Wohnungsnot aufgrund von Mütterarmut, insbesondere in Städten und insbesondere von alleinerziehenden Müttern
  • Ungerechte Besteuerung von Alleinerziehenden, de facto zu 90 Prozent von alleinerziehenden Müttern, weil Vater Staat nur die Ehe als Paarungsfamilienmodell finanziell fördert und nicht Mütter mit Kindern
  • Ausweglosigkeit bei häuslicher Gewalt, die Mütter oft zwingt in Gewaltsituationen viel zu lange auszuharren, weil sie finanziell miserabel abgesichert sind und oft nicht wissen, wo sie Zuflucht finden können aufgrund eines engen Wohnungsmarktes, der finanzielle Selbstauskünfte einfordert, welche Mütter oft nicht ausreichend nachweisen können
  • Entwürdigung durch eine neue skandalöse, mutterentmündigende Väterrechtssprechung, welche einen Vater, bar jeder biologischen Realität, gleichsetzt mit einer Mutter, zunehmend das Wechselmodell im Fall einer Trennung als Regelfall favorisiert und viele alleinerziehende Mütter terrorisiert mit der Panik eines Kinderentzugs wegen angeblich nicht ausreichender Kooperation mit dem Vater, selbst in Fällen häuslicher Gewalt
  • Rechtsterror durch eine finanziell ungleich besser aufgestellte Väterrechtsbewegung, welche die Rechtsprechung in den letzten Jahren kontinuierlich zu Ungunsten von Müttern verschoben hat
  • Entwürdigung durch eine Absprechung von Göttlichkeit bei gleichzeitiger Rollenzuweisung als Magd und Schuldige für den HERRN, eines HERRN, der sich durch ein fiktives Herrschaftssystem zum Gott aufgeschwungen und damit die Regeln der Natur manipuliert hat.

Im Patriarchat sind Mütter die Gruppe, die am stärksten ausgebeutet, diskriminiert und auf dem Mann-Gott-Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Und die Diskriminierung von Müttern beginnt nicht erst mit einem realen Muttersein, sondern sie beginnt schon bei jungen Frauen, die noch gar keine Mütter sind, schon mit dem Potential von Frauen, dass sie eines Tages schwanger werden könnten. Sie endet auch nicht mit der Menopause, sondern setzt sich bis ans Lebensende fort, hier mit der Begründung, dass Mütter ja nichts gearbeitet hätten in ihrem Leben. Welch eine Verschwendung von Lebenskraft, noch dazu, wo Frauen körperlich und mental nicht nur viel früher reif sind im Vergleich zu den männlichen Geschlechtsgenossen, sondern auch evolutionsbiologisch sinnvoll, und inzwischen mit der Großmutterthese der amerikanischen Anthropologin Kristen Hawkins logisch erklärbar, auch viel länger leben als Männer. (mehr dazu in Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision“ vom 18.01.2018 unter kirstenarmbruster.wordpress.com) Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

Literaturverzeichnis:

Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision“ vom 18.01.2018 http://www.kirstenarmbruster.wordpress.com Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision

Armbruster, Kirsten: „Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert“ vom 08.02.2018 unter kirstenarmbruster.wordpress.com Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

Armbruster, Kirsten: „Matrifokale Männer und Väter“ vom 14.01.2019 unter kirstenarmbruster.wordpress.com Matrifokale Männer und Väter

 

Die höchste Form der patriarchalen Diskriminierung ist die Behauptung, dass Gott ein Vater und Religion männlich ist

Text: Dr. Kirsten Armbruster – Naturwissenschaftlerin – Patriarchatskritikerin – Autorin-Bloggerin- Mutter; Beitragsbild oben: Felsritzzeichnungen aus La-Roche-La-Linde aus der Grotte de la Roche, Dordogne, Frankreich; Foto: Franz Armbruster Prähistorisches Museum Les-Eyzies-de-Tayac

Datierung: v.u.Z. heißt: vor unserer Zeitrechnung

 

Bild 1: Gott MUTTER vom Hohle Fels, Schelklingen, Schwäbische Alb, Deutschland, Aurignacien; 40 000 v.u.Z.; Creative Commons Attr. 3.0 Unported license, User Ramessos; Bild 2: Gott MUTTER von Dolni Vestonice; Tschechien, älteste Keramikkfigurine der Welt, Gravettien, 25 000 v.u.Z.; Creative Commons Attr. 2,5 Generic license, User Che; Bild 3: Gott MUTTER von Laussel mit dem 13 kerbigen Mondhorn als Kennzeichen des ursprünglichen 13-monatigen Monatskalenders, der im Einklang steht mit dem einst heiligen Menstruationsblut der Frauen, Dordogne, Frankreich, Gravettien 25 000-20 000 v.u.Z. , heute Prähistorisches Museum Bordeaux; Creative Commons Attr. 3.0 Unported License, User 129; Bild 4: Gott MUTTER von Willendorf, Wachau, Donau, Österreich; Foto Franz Armbruster: Museum Willendorf

Aus den Ergebnissen der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung wissen wir heute, dass die Behauptung, Gott sei ein Vater und Religion männlich, das Kernstück des Patriarchats ist. Tatsächlich können wir aus der Freilegung von mindestens 500 000 Jahren Matrifokaler Menschheitsgeschichte diese patriarchale Indoktrination als manipulative Gehirnwäsche bloss stellen, die nur den Zweck hat, männliche Herrschaftsmacht zu legitimieren. 500 000 Jahre Matrifokale Geschichte

 Gott MUTTER Darstellungen im Paläolithikum

Die ältesten Bestattungen der Menschheit fanden alle in Höhlen statt. Bestattungen sind ein wesentliches Kennzeichen des Menschseins und sind Ausdruck der ältesten Religion der Welt, die integrativ mütterlich verstanden wurde. Gott MUTTER steht also am Anfang von Religion, denn alles menschliche Leben wächst in der Bauchhöhle der Mutter heran und in der Rückkehr im Tod in die Erdmutterhöhlen schließt sich der Kreis des Lebens und öffnet den Weg zur Wiedergeburt. Die Höhlen mit ihren häufigen vulvaförmigen Formationen und Eingängen stehen für dieses religiöse Verständnis. Im Neolithikum bilden die Dolmen als vom Menschen geschaffene Höhlen die Begräbnisstätten; Fotos Franz Armbruster

Der wahrscheinlich erste männliche Gott, der mit seinen Händen seinen Penis umfasst, tritt nicht zufällig erst parallel zur ersten Domestikation von caprivoren Herdentieren um 8800 v.u.Z. in Sanliurfa in der Türkei auf, also zu einer Zeit in der Menschen anfingen, die Freiheit von Tieren durch die Tierzucht einzuschränken. Männliche Götter in ihrem Ursprung sind immer neolithische Tierzuchtgötter und auch der biblische Vatergott ist nicht zufällig ein Hirtengott mit Krummstab und Geißel, den Tierzuchtinsignien männlicher Macht, auf die auch heute noch der Krummstab des Bischofs zurückgeht. Tatsächlich ist aber die Implementierung männlicher Götter nicht die Erfindung von Religion, sondern die Erfindung von Theologie. Theologie ist die Basis männlicher Herrschaftsmacht und der Kampf männlicher Herrschaftsmacht ist immer ein Kampf gegen die Natur und gleichzeitig eine Verschleierung des Ursprungs von Religion, die immer menschenartgerecht Gott MUTTER zum Zentrum hatte.

Gott MUTTER Figurinen aus den Grimaldihöhlen von Balzi Rossi an der Grenze Ventimiglia (Italien)/ Menton (Frankreich); Datierung: Gravettien: 27 000 -20 000 v.u.Z.; alle Bilder Nachzeichnungen von Franz Armbruster

Die Natur spricht nämlich eine andere Sprache. Die Natur hat nicht den Vätern, sondern den Müttern in der Gruppe der Mammalia, der Säugetierarten, zu denen auch der Mensch gehört, die Weitergabe des körperlichen Lebens anvertraut. Der Vater trägt nur zu 1 Prozent zu dieser biologischen Körperleistung bei, denn nicht nur der heterosexuelle Liebesakt findet im Körper der Frau statt, sondern die gesamte Entwicklung des Lebens. Das Spermium trägt zudem nur mit einem haploiden Chromosomensatz aus seinem Zellkern zur Entstehung des neuen Lebens bei, während die Eizelle nicht nur über den Chromosomensatz im Zellkern verfügt, sondern auch über das  Zytoplasma mit seinen Zellorganellen, in der sich nicht nur die mitochondriale DNA befindet, die Grundlage der ATP-Bildung und damit des Energiestoffwechsels der Zelle, sondern auch alle anderen Zellorganellen über welche der gesamte Zellstoffwechsel läuft, also der Kohlenhydratstoffwechsel, der Fettstoffwechsel und die Proteinbiosynthese. (mehr dazu in dem Blogbeitrag: „Von Mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert“ vom Februar 2018). Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

Die Mutter verfügt zudem über die einzigartige Fähigkeit den Embryo in ihrer Bauch-Höhle über die Nabelschnur mit in ihrem Körper gebildeten heiligen Nabelschnurblut 9 Monate zu nähren, es durch die Kraft ihrer heiligen Vagina-Vulva zu gebären und es durch die weiße Milch ihrer Brüste  sogar mehrere Jahre zu nähren. Naturverbundenen Menschen, wie wir sie im Paläolithikum, in der Altsteinzeit, noch weltweit finden, wäre es daher absurd erschienen, den Vater und den Mann ins Zentrum des Lebens zu stellen, wie wir es in unserer heutigen Gesellschaft weltweit als Basis finden.

Bild 1: Gott MUTTER von La Marmotta, Lago Bracciano, Martignano bei Rom, Italien; Bild 2:Gott MUTTER von Tursac, Dordogne, Frankreich; Bild 3: Gott MUTTER von Parabita bei Lecce; Italien; Bild 4: Gott MUTTER von Sireuil, Gulet de la Gazelle, Dordogne, Frankreich; Datierung von allen Gott MUTTER Darstellungen: Gravettien: 27 000-20 000 v.u.Z.; alle Bilder Nachzeichnungen von Franz Armbruster

Damit Menschen von der Natur so abgetrennt werden, dass sie glauben, dass Religion schon immer männlich war, ist eine extreme, gewaltbasierte manipulative Gehirnwäsche nötig, wie wir sie historisch durch die Forschungsergebnisse der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung mit Beginn des Metallzeitalters nachweisen können. Aber das lateinische Wort „Religare„ , das die Wurzel von Religion widergibt, hat bis heute bewahrt, dass Religion „Anbinden, Losbinden und Zurückbinden“ bedeutet. Das macht nur Sinn im mütterlichen Körper-Kontext. Das bedeutet Religion kann immer nur mütterlich sein:

Gott war also im Ursprung eine Mutter,

weshalb ich als führende Vordenkerin der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung in meinen Veröffentlichungen von Gott MUTTER spreche. Dass der Mann sich im Laufe des Tierzuchtneolithikums zu Gott erklärt hat, ist nie Religion, sondern immer nur Theologie.

Theologie ist der Beginn und die Basis des Patriarchats.

Bild 1 und 2 Gott Mutter Darstellungen aus dem Abri Roc-aux-Sorciers von Anglès-sur-l ´Anglin; Département Vienne, Frankreich; Datierung: 15 000 v.u.Z. ; Bild 3: Gott MUTTER Darstellung aus dem Abri Pataud; Les-Eyzies-de-Tayac; Dordogne, Frankreich, Datierung circa 21 000 v.u.Z.; alle Bilder Nachzeichnungen von Franz Armbruster

Wenn der Feminismus tatsächlich etwas gegen das Patriarchat bewirken will, muss er sich die Forschungserkenntnisse der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung als Basis von Patriarchatskritik zu eigen machen, denn erst dann hört die Symptomdokterei auf, in der sich der Feminismus heute aufgespalten hat. Die Basis des Patriarchats ist der Kampf gegen die Natur. Der Kampf gegen die Natur ist immer ein Kampf gegen den Körper der Mutter, denn tatsächlich werden wir ja alle im Körper einer Mutter ausgetragen.

Wenn ich die Mutter entehre und patriarchal missbrauche, dann lege ich die Basis von Gewalt gegen den weiblichen Körper. Die Gewalt gegen den weiblichen Körper, der als einziger in der Lage ist menschliches Leben weiterzugeben ist vielfältig, aber in der Summe ist diese Gewalt immer die Gewalt des Patriarchats gegen die Natur.

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Vulvaritzzeichnungen aus dem Paläolithikum: Fotos: Franz Armbruster: Prähistorisches Museum Les Eyzies de Tayac, Dordogne Frankreich

Es ist die Missachtung der biologisch verankerten freien female choice, welche sich in vielen verschiedenen Gewaltformen äußert und immer in der Phalanx zwischen Theologie und Ökonomie begründet wird:

Gewaltformen, wie sexuelle Belästigung, welche ihre Berechtigung legitimiert durch theologische Schlampen und Keusche Jungfrauen Indoktrinationen. Gewaltformen wie Vergewaltigung jeglicher Form, Genitalverstümmelung,  Abtreibungsgegnerschaft,  verhüllende Kleidungsvorschriften genauso wie entblößende  Degradierung weiblicher Nacktheit als Sexobjekte, wie es auch die prähistorischen Archäologen tun,  Pornographie, Prostitution, Paarungsfamiliengesetze, häusliche Gewalt bis zu Frauenmord (Femizid), welcher oft verschleiert wird als „Familiendrama“ oder „männliche-Ehre-Beschmutzungsmord“ etc.. All das ist direkte Gewalt gegen den weiblichen Körper. Patriarchale Gewalt geht aber auch wesentlich von einer rein am Mann orientierten Ökonomie aus, welche jegliche Fürsorgearbeit entweder als nicht geldwert oder als geldminderwertig definiert, so dass Frauen und insbesondere Mütter in eine fatale ökonomische Abhängigkeit gezwungen werden, welche durch die am Neoliberalismus orientierte Berufs- und Kinder-Vereinbarkeitspolitik in keiner Weise gelöst wird , was die weltweite Mütterarmut eklatant zeigt. Gewalt richtet sich aber genauso gegen die Tiermütter in einer skandalösen landwirtschaftlichen Massentierhaltung und gegen die Natur insgesamt, was die ökologischen Schäden unserer Wirtschaftsweise überall verdeutlichen.

Gott MUTTER Ritzzeichnungen aus dem Abri de la Magdeleine des Ablis; Penne in Tarn, Frankreich; die Zeichnungen sind an zwei gegenüberliegenden Felswänden angebracht; Datierung 13 000 v.u.Z.; Nachzeichnungen  Franz Armbruster

Wollen wir wirklich etwas gegen das Patriarchat tun, müssen wir die Entstehungsgeschichte des Patriarchats begreifen, welche nämlich parallel läuft mit der Erfindung von männlichen Göttern, also der Erfindung von Theologie und dem Umbruch der männlichen Ökonomie vom Jägertum zum Hirtentum, welche mit einer Vaterschaftshybris einhergeht. Die gute Nachricht ist:

Das Patriarchat ist ein junges Phänomen in der Menschheitsgeschichte, und anders als behauptet, ist die Menschheitsgeschichte eine an der Natur orientierte matrifokale Kulturgeschichte, denn das Patriarchat ist weder Kultur noch Zivilisation, sondern eine Gewaltherrschaft basierend auf eben dieser linear-phalluswachstumsorientierten Vaterschaftshybris.

Bild: Nabelsteinpetroglyphen aus Laxe das Rodas, Nordspanien: Foto: Franz Armbruster

Besinnen wir uns wieder auf die Natur, besinnen wir uns wieder darauf, dass Mütter menschenartgerecht im Zentrum jeder menschlichen Gesellschaft stehen müssen und besinnen wir uns auf den mütterlichen Ursprung von Religion, dann verschwindet das Patriarchat so, wie sich der Nebel im Licht der Sonne auflöst. Dazu muss der Feminismus aber verstehen, dass er dem Patriarchat in die Falle gegangen ist, weil er, wie das Patriarchat selbst, auf die Gleichheit mit dem Mann setzt. Der Mann ist aber nicht das Original und die Frau die Kopie, sondern die Natur hat für die Menschenart evolutionsbiologisch die Natürliche Integrative Ordnung der MUTTER verankert, die besagt, dass alles menschliche Leben von der Mutter ausgetragen wird und zwar weibliches, männliches, intersexuelles und transgender. Das Denken in Paarkategorien ist also Teil der patriarchalen Indoktrination. Um diese Indoktrinationen zu durchblicken, müssen wir aber wieder lernen Biologie und Biologismus zu unterscheiden und dann verstehen wir auch, dass menschliche Kultur nur im Einklang mit der Natur funktioniert und, dass Menschsein wider die Natur keine Kultur ist, sondern gewaltbasierte Barbarei. An den Früchten werdet ihr dies erkennen!

Matrifokalität ist kein Matriarchat

Der Feminismus dient dem Patriarchat – Unbequeme Ansichten einer Patriarchatskritikerin

Die Lüge vom Urvater

Biologie statt Biologismus

Die Natürliche Integrative Ordnung der Mutter und die hierarchische Dualitätsideologie des Patriarchats

NEUERSCHEINUNG: Matrifokalität – Mütter im Zentrum – Ein Plädoyer für die Natur

Das Muttertabu oder der Beginn von Religion

Matrifokalität – Mütter im Zentrum als artgerechte Urform menschlichen Zusammenlebens

Bücher von Kirsten Armbruster

Matrifokalität – Mütter im Zentrum als artgerechte Urform menschlichen Zusammenlebens

Vorteile von Matrifokalität

#MothersToo – Gegen Mütterarmut- Internationaler Frauentag 2019

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Foto: Dr. Kirsten Armbruster – Patriarchatskritikerin – Autorin – Bloggerin

Wir müssen nicht perfekt sein, um politisch zu sein! Das bedeutet jede und jeder kann was tun!

Seit Jahren beschäftige ich mich denkend und schreibend mit den Begrifflichkeiten Carearbeit, Fürsorgearbeit, Sorgearbeit, Reproduktionsarbeit, kenne die diversen Forderungen auch monetärer Art, sowie die angedachte Anbindung an ein Bedingungsloses Einkommen (BGE) und finde sie allesamt unzureichend für ein modernes, patriarchatsbefreites Mutterbild. Ein Mutterbild,  das sich nicht einzwängen lässt innerhalb des patriarchalen Definitionsrahmens zwischen einer christlichen Magd des HERRN, der jede Göttlichkeit abgesprochen wurde, um Vaterschaft theologisch zu internalisieren, einer Reduktion der Mutter als Hausfrau auf die Arbeit im Haus, oder einer von den Nazis mit Mutterkreuzen dekorierten Reduktion der Mutter als Gebärmaschichne möglichst blonder Kinder, zwecks genügenden Kanonenfutters für das Patriarchat.

Genauso ungenügend ist die sich ewig im Kreis drehende Diskussion zwischen rechts und links, dienen sie doch beide dem Patriarchat, denn die größte Diskrepanz in der Kapitalverteilung ist nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen Männern und Frauen, wovon Mütter, obwohl sie uns alle, egal ob männlich, weiblich, intersexuell oder transsexuell ins Leben tragen, am untersten Ende der Skala von  finanzieller Mittellosigkeit stehen. In meinem gerade erschienenen Buch über Mütterarmut, habe ich daher als Schwerpunkt die nur am Mann orientierten ökonomischen Strukturen angeprangert, aber auch Lösungen skizziert.

Eine Streitschrift wider eine von Männern definierte und nur am Mann orientierte Ökonomie

Überall im Buchhandel erhältlich: Taschenbuch: 8,90 € und in Kürze auch als e-book für 3,99 €; ISBN: 978 3 7528 5727 6

Als Ergebnis eines längeren Denkprozesses, der einem modernen Mutterbild Rechnung trägt und sich von patriarchalen Definitionszwängen befreit hat, komme ich zu der Forderung im Rahmen eines neuen POLITISCHEN MÜTTERBEWUSSTSEINS (POM), dass ein Müttereinkommen (ME) erforderlich ist, das sich in der Höhe am Median-Einkommen einer Gesellschaft orientiert und von der gesamten Gesellschaft solidarisch finanziert wird. Für Deutschland ergibt sich demnach als angemessene Forderung ein monatliches Mütter-Einkommen (ME) von 3000 € monatlich bis zum 21. Lebensjahr eines Kindes, denn so lange bedarf es der fürsorglichen Begleitung eines Menschenkindes.

Das Müttereinkommen ist nicht gekoppelt an die Kinderzahl, es ist nicht gekoppelt an Berufstätigkeit, sondern ermöglicht erst den finanziellen Freiraum für müttergemäße zyklische Berufstätigkeit und es ist auch nicht gekoppelt an Ausbildung, denn die Natur hat als Lehrmeisterin in Millionen Jahren Mütter evolutionsbiologisch hervorragend ausgebildet für ihre Tätigkeit als Mütter.

Mit einem gesamtgesellschaftssolidarischen Müttereinkommen (ME) haben wir ein wirksames politisches Mittel gegen Mütterarmut, die als Mütterarmut benannt werden muss, und nicht unter dem Deckmantel Kinderarmut zu verstecken ist, und, wir ermöglichen damit den Müttern auch für ihre eigene Rente zu sorgen, um Mütterarmut im Alter zu lösen und auch der Patriarchatslüge entgegen zu treten, die indoktriniert hat, dass Mütter angeblich nicht arbeiten. Deutschland, als stärkste Volkswirtschaft der EU könnte mit der Einführung eines Mütter-Einkommens (ME) den Anfang machen und in einem multilateralen Prozess könnte das Mütter-Einkommen, so wie vor 100 Jahren das Frauenwahlrecht, sich weltweit ausbreiten, orientiert am jeweiligen Medianeinkommen einer Gesellschaft.

 

#GodMother -Lassen wir die Gott-Mann- Theologien hinter uns

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Bild: Gott MUTTER Darstellung aus den Grimaldihöhlen von Balzi Rossi an der Grenze Italien/Frankreich (Ventimiglia/Menton), Gravettien (27 000-20 000 v.u.Z. );

Foto Beitragsbild oben : Gott MUTTER Darstellungen aus dem Abri Roc-aux-Sorciers; Angles-sur L ´Anglin, Département Vienne, 15 000 v.u.Z., beide Bilder: Nachzeichnungen Franz Armbruster

Anläßlich der Internationalen Frauenwoche 2019 und der gestrigen Ausstrahlung des Films „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ bei Arte, wo, vorher von Priestern vergewaltigte Nonnen, die schwanger wurden sogar zur Abtreibung gezwungen wurden, hat die Kirche jede moralische Legitimation verloren.

Ich rufe alle die noch einen Funken Moral und Anstand in sich spüren auf, diese theologischen Orte der Misogynie, der Lüge und des Missbrauchs, die nur dazu dienten den Mann zu Gott zu machen, um väterliche Herrschaftsmacht zu legitimieren, zu verlassen. Stimmt mit euren Füßen ab: Geht! Es gibt keine Entschuldigung mehr diese Orte der Bigotterie weiter zu unterstützen!

Das, was seit 3000 Jahren, seit der erstmaligen Einführung von monotheistischen Mann-Gott-Theologien (650 v.u.Z.) zu Zeiten von König Josia, nach der Internalisierung des Mythologischen Muttermords (1100 v.u.Z.) passiert, ist ein Krieg gegen die Natur, ein Krieg gegen die seit dem Paläolithikum bekannte Religion von Gott MUTTER und ein Krieg gegen die Mütter, welche mit ihren einst heiligen Mutterkörpern täglich an das erinnern, was die ursprüngliche Bedeutung von Religion war und bis heute ist.

 

Gott-MUTTER Darstellungen aus dem Paläolithikum: Foto links: Vulvaritzzeichnung Abri La Ferrassie, Dordogne, Frankreich; Aurignacien; Prähistorisches Museum Les Eyzies-de-Tayac; Foto: Franz Armbruster; Foto Mitte: Gott MUTTER Darstellung aus den Grimaldihöhlen von Balzi Rossi, Italien/Frankreich; Gravettien; Nachzeichnung Franz Armbruster; Foto rechts: Gott MUTTER Darstellung von Cussac, Gravettien; Dordogne, Frankreich, Nachzeichnung Franz Armbruster

Religion – abgeleitet von dem lateinischen Verb „religare“ bedeutet nämlich bis heute nichts anderes als Anbinden, Losbinden, Zurückbinden. Die engste Bindung, die alle Menschen – egal ob männlich, weiblich, intersexuell oder transsexuell – haben, ist die Bindung zwischen Mutter und Kind im Körper der Mutter. Die Bindung beruht auf der blutpulsierten Nabelschnur, welche die Gott-Vater-Theologien auf der Grundlage von Gebärneid als zu zerstretende Schlange diffamiert haben.

Jedes Kind kommt aber an der Nabelschanur angebunden auf die Welt. Um dort ein eigenständiges Leben zu führen, muss es von der Mutter losgebunden werden. Im Zurückbinden an den Kreislauf der Natur, bestatteten die Menschen ihre Toten in Höhlen, denn der Mensch wird aus der Bauchhöhle der Mutter geboren und kehrt deshalb sinnvoller Weise im Tod in die Höhlen von Mutter Erde zurück.

Die Interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung hat die Religion von Gott MUTTER längst frei gelegt. Verbinden wir uns wieder mit Mutter Natur und setzen die Mütter und die göttliche Mutter wieder ins Zentrum unseres Lebensverständnisses. Dazu müssen wir nichts glauben, sondern einfach nur die Augen öffnen für die Zyklen der Natur:

den Tageszyklus der Sonne mit den heiligen Mutterfarben Rot wie Blut, Weiß wie Schnee, Schwarz wie Ebenholz

den Monatszyklus, welcher mit 13 Mondmonaten dem einst heiligen Menstruationszyklus der Frau folgt, dem einzigen Blut, das ohne Verletzung fließt

den Jahreskreiszyklus, der jährlich ein Werden, Wachsen und Vergehen für jeden sichtbar anzeigt

Wenn wir anfangen die Gehirnwäsche des Patriarchats zu durchblicken, dann können wir uns aus den Fallen des Patriarchats befreien.

Der Weg beginnt mit dem bewussten Verlassen eins kranken widernatürlichen Systems.

Weiterführende Literatur:

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

 Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER; Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, Norderstedt, 2013 a

 Armbruster, Kirsten: Der Jacobsweg – Kriegspfad eines Maurentöters oder Muschelweg durch Mutterland? Die Wiederentdeckung der Wurzeln Europas – Teil 1, Norderstedt, 2013 b

 Armbruster, Kirsten: Matrifokalität – Mütter im Zentrum; Ein Plädoyer für die Natur; Weckruf für Zukunft, Norderstedt, 2014 a

 Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER; Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas; 2014 b

Armbruster, Kirsten: Je suis Charlène – Was Sie schon immer über Religion wissen wollten – Mit einem politischen Statement, 2015

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, 2009

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, Band 2, 2014

Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt, 2015

 

 

 

 

 

Neu: MÜTTERARMUT – das Buch

Neu erschienen das Buch zum brisanten Thema „Mütterarmut“auf der Basis der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung und eines neuen Politischen Mütterbewusstseins (POM), denn Mutter zu werden ist wunderbar. Im Patriarchat verkehrt sich das Muttersein aber zu einer Falle. Keine Gruppe in unserer Gesellschaft wird so benachteiligt und diskrimiert wie Mütter. Das Ergebnis ist Mütterarmut – weltweit. Das ist ein Skandal. Es ist also höchste Zeit die #MeToo Debatte durch eine #MothersToo Debatte zu erweitern, denn es ist für uns alle von großer Bedeutung, wie eine Gesellschaft mit Müttern umgeht, denn schließlich werden wir alle von Müttern ins Leben getragen.

Mütterarmut

Eine Streitschrift wider eine von Männern definierte und nur am Mann orientierte Ökonomie

Ab sofort als Taschenbuch  und in Kürze auch als e-book überall im Buchhandel und im Internethandel erhältlich: Taschenbuch: 8,90 €; e-book: 3,99 €

Inhalt:

Erkennen, was ist

Patriarchatskritik

Matrifokalität und die Natürliche Integrative Ordnung der Mutter

Die Matrifokale Gesamthandwirtschaft – die älteste Ökonomie des Menschen

Keine Paarungsfamilie im Paläolithikum

Keine Mann-Ernährer-Ökonomie im Paläolithikum

Keine Jagdszenen im Paläolithikum

Die Lüge, dass Mütter nicht arbeiten

Matrifokale Gesamthandwirtschaft als menschenartgerechte Körperökonomie

Die Vaterblase und der ökonomische Raubbau des Patriarchats an der Mutter

Weltweite Mütterarmut, denn Privat-Einkommen (PE) ist Patriarchats-Einkommen (PE) ist Penis-Einkommen (PE

Mütterarmut weltweit

Mütterarmut in Deutschland

Warnung – Mütterfalle Patriarchat

#MothersToo – eine Erweiterung der #MeToo Debatte

Denken, was heute noch undenkbat erscheint

Literaturverzeichnis

Zur Autorin

Februar 2019, 120 Seiten; BoD

ISBN: 978-3-7528-5727-6

Taschenbuch: 8,90 €; e-book: 3,99 €

 

Matrifokale Männer und Väter

Got_You_Daddy

Text: Dr. Kirsten Armbruster: Naturwissenschaftlerin, Patriarchatskritikerin, Autorin, Bloggerin, Mutter

Foto: Vater und Kleinkind: Neuste soziobiologische Forschungsergebnisse zeigen, dass die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys die männliche Fürsorgebereitschaft steigert; Foto: Wikimedia Commons, 2.0; User Flickr

  1. Patriarchatskritik bedeutet nicht Männer- oder Väter-Bashing

In einer Zeit großer ideologischer Verwirrung wie dem Patriarchat ist es immer sinnvoll sich an der Natur zu orientieren. Auf die Genealogie des Menschen bezogen bedeutet dies: Erstens die Vermehrung des Menschen erfolgt bisexuell, wobei die Mutter, wie bei allen Säugetierarten, den allergrößten Teil der körperlich-biologischen Fortpflanzungsarbeit übernimmt und der biologische Vater im Vergleich zur Mutter nur einen sehr kleinen Teil. Zweitens bedeutet es, dass alle Männer Söhne von Müttern sind, weil sie im Körper der Mutter heranwachsen und ohne sie schlicht nicht existieren würden. Männer und natürlich auch biologische Väter sind ebenso wie Töchter, Intersexuelle und Transsexuelle Teil der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter und durch die Nabelanbindung auch angebunden an die Religion von Gott MUTTER, die eben nichts anderes spiegelt als die Natürlichen Gegebenheiten, in denen die Menschenspezies eingebunden sind.

Des Weiteren hat die Interdisziplinäre Patriarchatskritikforschung aufgezeigt, dass die Erkenntnis von Vaterschaft im Zuge des Neolithikums des Modus II/III mit Beginn der Herdenhaltung von Tieren wie Schafen, Ziegen (circa 8500 v.u.Z.) und insbesondere Rindern (circa 6500 v.u.Z.) (siehe hierzu Bott, Gerhard, 2009, S. 132-208) und einer damit verbundenen Änderung der männlichen Ökonomie vom Jäger zum Hirten, welche auf Freiheitsberaubung und damit Herrschaft fußt, innerhalb weniger Jahrtausende zum Patriarchat, einem zerstörerischen Väterherrschaftssystem geführt hat, in dem wir auch heute noch leben und das aufgrund seiner Zerstörungskraft auf ganzer Linie abzulehnen ist.

Tatsache ist aber auch, dass nicht nur Frauen, Kinder, Tiere, Pflanzen und die gesamte Natur unter diesem zerstörerischen patriarchalen System leiden, sondern auch ein großer Teil der Männer und damit auch Väter. Es gilt also zwischen Patriarchat als lebenszerstörender Herrschaftsstruktur und Männern, die natürlich auch Väter sein können, zu unterscheiden, auch deshalb, weil das Patriarchat ja inzwischen auch von vielen patriarchal-konditionierten Frauen stark gestützt wird.

Leider ist zurzeit zu beobachten, dass die Begriffe Matrifokalität und Patriarchatskritik von einigen Frauen zu einem generellen Väter-Bashing missbraucht werden, von dem ich mich in aller Deutlichkeit distanziere. Männer zu diskriminieren, nur weil sie Väter sind, bedeutet, dass der Begriff der Matrifokalität und das damit einher gehende Verständnis der Integrativen Ordnung der Mutter sowie die damit verbundene Religion von Gott MUTTER fehlinterpretiert werden. Ich konstatiere daher ausdrücklich: Patriarchatskritik richtet sich nicht gegen Männer, respektive Väter per se, sondern gegen patriarchale Gesellschaftsstrukturen, die immer auf struktureller Gewalt basieren und gegen Menschen, die diese gewaltbasierten Gesellschaftsstrukturen erhalten oder sogar ausbauen wollen. Das bedeutet konkret:

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine Geschichtsschreibung, welche die Matrifokale Menschheitsgeschichte unterschlägt

 

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen alle Theologien, welche die ursprüngliche Religion von Gott MUTTER mit Gewalt okkupiert haben und den Mann durch herrschaftsideologische, kriegsverherrlichende Schriften wider die Natur an die Spitze einer angeblich männlichen Schöpfung gesetzt haben. Das betrifft nicht nur die heutigen 5 Welttheologien wie Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus, sondern gleichfalls die indoeuropäischen Vater-Gott-Theologien der Griechen, Römer, Kelten und Germanen, ebenso wie die altägyptische und mesopotamische Theologie, die häufig die Basis sind für den sich heute ausbreitenden Paganismus, tatsächlich aber in ihrer Göttergenealogie tief im Patriarchat verankert sind. Dies bedeutet de facto: Religionsfreiheit ist begrüßenswert, aber keine auf Gewalt basierende indoktrinierte misogyne Theologiefreiheit!

 

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die staatlich und theologisch ideologische Idealisierung der Paarungs-Vater-Mutter-Kind-Familie als einziger rechtlich geschützter und steuerlich begünstigter Vorstellung von Familie, welche die Mutter von einer menschenartgerechten, kooperativ-gemeinschaftlichen Daseinsfürsorge isoliert, alle Beteiligten damit in ein finanziell und arbeitsorganisatorisch desaströses Überforderungslebenskonzept treibt und jede andere Form des gemeinschaftlichen Zusammenlebens diskriminiert.

 

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen eine vaterstaatliche Rechtsprechung, welche patriarchal-historisch vorwiegend an männlichen Lebensentwürfen und Väterrechten orientiert ist und die Natürliche Matrifokale Ordnung des Menschen missachtet

 

  • Patriarchatskritik richtet sich gegen die nur auf Ausbeutung fixierte, zerstörerische, naturverachtende Wachstumsökonomie des Kapitalismus, welche Fürsorgearbeit als nicht geldwert definiert hat und Gesamthandeigentum und Gemeinwohl immer der Privateigentumsakkumulation einiger ganz weniger Männer unterordnet und das, obwohl in den demokratischen Verfassungen eigentlich definiert ist, dass „alle Wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen habe“, wie Christian Felber in seinem Buch über „Gemeinwohlökonomie“ (2014) aufgezeigt hat, was bedeutet, dass sich Demokratien genauso wenig wie Diktaturen an Verfassungen halten

 

  1. Väter gab es schon immer

Um besser zu verstehen, was Matrifokale Männer und Väter auszeichnet, lohnt es sich die durch die Patriarchatskritikforschung frei gelegten soziobiologischen Verhältnisse der WildbeuterInnen im Paläolithikum näher anzuschauen.

Gerhard Bott schreibt in seinem ersten Band „Die Erfindung der Götter“ (2009), dass bereits die Menschenart heidelbergensis in Gemeinschaften oder Horden von 100 bis 120 Individuen lebten (S. 22). Bott schreibt:

„Diese neuen Erkenntnisse zur Hordengröße stammen aus den Ausgrabungen in Sima de los Huesos bei Atapuerca. Sie werden beschrieben bei ARSUAGA (S. 290f) und stammen vom Paläodemographen Jean-Pierre BOQUET-APPEL“. (Bott, Gerhard, 2009, S. 23).

In seinem bahnbrechenden Werk arbeitet Bott heraus, dass nicht wie heute die Vater-Mutter-Kind-Paarungsfamilie die Ursprungsfamilie des Menschen ist, sondern die konsanguinale matrilineare Blutsfamilie. Bott schreibt ein paar Seiten weiter:

„Eine Betrachtung, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, kann, schon aus soziobiologischen Gründen, heute nicht mehr die Paarungsfamilie zur menschlichen Ur-Familie erklären, sondern muss von der Annahme ausgehen, dass der paläolithische homo sapiens in Blutsfamilien lebte, um die sich infolge der genetisch programmierten Exogamie, blutsfamilienfremde Sexualpartner gruppierten, die, geschart um eine solche Blutsfamilie als Kern, mit dieser eine Lebens-Arbeits-Aneignungs- und Konsumgemeinschaft bildeten. Diese Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird oft als „Horde“ oder „band“ bezeichnet, die ich aber Genossenschaft nenne, weil dies von heutigen soziologischen wie juristischen Erkenntnissen ausgehend, die angemessene und treffende Bezeichnung ist“. (ebenda, S. 32/33; Hervorhebung nicht im Originaltext).

Bott führt weiter aus:

„Die Wildbeuter-Genossenschaft des Paläolithikums, die sich um eine Blutsfamilie als Kern schart, ist eine Gemeinschaft von Nicht-sesshaften mit aneignender Wirtschaftsweise. Diese Wirtschaftsgenossenschaft war soziologisch und juristisch gesehen eine Gesamthandsgemeinschaft, es ging um gemeinschaftliche Aneignung der beiden geschlechtsspezifischen Arbeitsgemeinschaften: Das Jägerkollektiv der Männer teilte das gemeinsam erlegte Wildbret, oft große Huftiere, an denen es natürlich kein individuelles Privateigentum gab, mit dem Sammlerinnen-Kollektiv der Frauen und Kinder und erhielt dafür Anteil an deren Sammelgut, das ebenfalls Gesamthandeigentum war. Dieses kollektive Sammeln der Frauen bzw. Jagen der Männer bietet dem Einzelnen nicht nur Gesellschaft, sondern, was im Paläolithikum das Wichtigste war, vor allem gegenseitige Hilfe und Schutz bei der Aneignungsarbeit. Wie wir sahen, war der Nahrungsbeitrag des Jägerkollektivs, das ja praktisch während des gesamten Paläolithikums nur mit Speeren jagte, weil Pfeil und Bogen erst im Magdalénien, rund 2500 Jahre vor Beginn des Neolithikums erfunden wurden, gering und machte etwa nur ein Viertel der Nahrung aus. Die Verteilung zum Konsum findet in diesen akephalen und egalitären Genossenschaften durch Konsens statt, d.h. entsprechend den gemeinschaftlich gefundenen Regeln und Gebräuchen. Der gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhang von Blutsfamilie und Gesamthandeigentum ist von grundlegender Bedeutung. Während die spätere Paarungsfamilie auf dem Privateigentum beruht, ist die Blutsfamilie gekennzeichnet durch das Gesamthandeigentum, d.h. es gibt kein Privateigentum an den Ressourcen“. (ebenda, S. 33/34; Hervorhebungen nicht im Originaltext).

Die matrilineare Blutsfamilie der WildbeuterInnen im Paläolithikum zeichnet sich einerseits durch die female choice, die biologisch verankerte, freie Sexualitätsauswahl der Frau, andererseits aber auch durch ein auf Chemotaxis gesteuertes Inzestverbot innerhalb dieser matrilinearen Abstammungslinie aus. (Bott, Gerhard, 2009; S. 22-72; Armbruster, Kirsten, 2013, S. 15-17). Das bedeutet aber auch, dass sich die Lebensweise der WildbeuterInnen von denen der sesshaften NeolithikerInnen wesentlich unterschied, denn die exogamen Sexualpartner – heute ausgedrückt die biologischen Väter – waren in die Matrifokale Ordnung des Paläolithikums auch sozial integriert. Bott präzisiert die Matrifokale Ordnung der WildbeuterInnen im zweiten Band „Die Erfindung der Götter“ (2014):

„Die als Sammlerinnen kooperierende Gemeinschaft der Frauen mit ihren Abkömmlingen beschaffte mindestens zwei Drittel der Gesamtmenge ihrer als autarke Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft nomadisierenden Genossenschaft, der etwa 30 geschlechtsreife Frauen/Mütter mit deren 60 Abkömmlingen, d.h. Kindern und Heranwachsenden angehörten, sowie 30 geschlechtsreife exogame Männer. Diese 30 aus anderen Wildbeuter-Genossenschaften stammenden und von den Frauen in die Genossenschaften aufgenommenen Männer beschafften durch die Jagdbeute des Jägerkollektivs im Durchschnitt ein Drittel der Gesamtnahrung, je nach Jägerglück manchmal weniger, manchmal mehr. Da die 30 erwachsenen Frauen/Mütter alle miteinander blutsverwandt waren, d.h. derselben konsanguinalen Geburtsfamilie entstammten, bildeten sie mit ihren Kindern eine matrilineare Blutsfamilie, zu welcher also mit Ausnahme der „fremdblütigen“ Männer, etwa 90 Individuen der Genossenschaft von 120 Köpfen gehörten. Die 30 geschlechtsreifen Männer, die als „Familien-Fremde“ von jener gemeinsam lebenden und sammelnden Blutsfamilie in ihren (biologischen) Sozialverband aufgenommen wurden, waren die exogamen Sexualpartner der Frauen … und betrachteten deren Blutsfamilie als ihre neue Lebensgemeinschaft, nachdem sie, sobald geschlechtsreif geworden, ihre eigene matrilineare Blutsfamilie, in die sie hineingeboren worden waren, zu verlassen hatten, um Platz zu machen für die fremden, exogamen Männer, die von ihren Müttern, Schwestern, Cousinen in ihre Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen wurden (vgl. mein Kapitel II, S. 22 ff.). Die Männer waren also für die Frauen Fremde, denn sie mussten Familien-Fremde sein. Sie waren aber durch Sexual- und Liebesbeziehungen mit den Frauen ihres neuen Sozialverbandes eng verbunden. (Bott, Gerhard: 2014, S. 117).

Bott ergänzt ein paar Seiten weiter die Beschreibung der paläolithischen Lebensverhältnisse:

„Jeder junge Mann einer paläolithischen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft wird nach seiner Pubertät den Tag mit Ungeduld erwarten, an dem er seine Geburtsgenossenschaft verlassen kann, weil dort ja alle weiblichen Wesen der Blutsfamilien-Exogamie wegen für ihn sexuell tabu sind. Wenn er als junger Jägers-Mann aufgenommen wird in eine andere blutsfremde Wildbeutergenossenschaft, eröffnet sich ihm die Chance seine gerade erwachte Sexualität auszuleben, sofern ein (oder mehrere) der Frauen ihn zum Sexualpartner wählen. Regelmäßig wird der junge Mann in diejenige Genossenschaft eingeführt werden, in welche der Bruder seiner Mutter oder sein älterer (matrilinearer) Bruder zuvor bereits aufgenommen worden waren und diese blutsverwandten Männer initiieren ihren jungen matrilinearen Blutsverwandten in ihr Jägerkollektiv und sorgen für seine Ausbildung“. (ebenda, S. 121/122).

Aus den paläolithischen Verhältnissen der WildbeuterInnen können wir für die heutige Zeit ablesen, dass Männer nicht nur als Söhne, Brüder, und Onkel – wie es die sogenannten Matriarchatsfrauen aus Beobachtungen heute noch matrilinear lebender Völker wie den Mosuo in China oder den Khasi in Indien propagieren – in die Gemeinschaft integriert wurden (Tazi-Preve, Mariam Irene, 2017, S. 162-164), sondern auch als Väter, denn viele der exogamen Sexualpartner werden biologische Väter gewesen sein, auch wenn Vaterschaft nicht explizit benannt wurde, weil ja offensichtlich war, dass der Mann als biologischer Vater im Vergleich zur Mutter eine sehr geringe Rolle spielt.

Tatsächlich bieten die Ergebnisse der Patriarchatskritikforschung über das Sozialleben der WildbeuterInnen einige sehr interessante Schlüsse für das heutige Zusammenleben, auch deshalb, weil durch die Freilegung der matrifokalen Menschheitsgeschichte und der damit einhergehenden Religion von Gott MUTTER nicht einfach Erkenntnisse aus fernen Kulturen übertragen werden müssen, sondern mit dem Verstehen der matrifokalen Wurzeln der Menschheit überall auf der Welt die Wurzeln soziobiologischen Lebens an den Orten, wo wir leben, nachvollziehbar werden. Das bedeutet, dass wir nicht nur in Europa, sondern überall und gerade auch in den heutigen politischen Krisenherden des Mittleren und Nahen Ostens und in Afrika regional verankerte Lösungsansätze ableiten können, indem wir uns wieder an die menschenartgerechte matrifokale Form des Zusammenlebens erinnern. An dieser Stelle seien ein paar wichtige Komponenten hervorgehoben:

  • Männer und Väter sind nicht per se das Problem, sondern patriarchale Männer und Väter

 

  • Männer und explizit Väter waren den größten Teil der Menschheitsgeschichte nicht die Ernährer der Sippe, sondern Teil einer gesamthänderischen gemeinschaftlichen Ökonomie. Tatsächlich entsteht das Modell „der Vater als Ernährer“ erst im Zuge der Patriarchalisierung im Laufe des Neolithikums und zwar parallel zur Durchsetzung der Paarungsfamilie erstmals ab circa 4500 v.u.Z.

 

  • Die einzige Wirtschaftsweise für die auf kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge angewiesene Menschenart ist eine gesamtsolidarische Wirtschaftsgemeinschaft, eine Matrifokale Gesamthandwirtschaft, wo es auf jede Hand und jede Form der Arbeit ankommt und keine, auf narzisstischem Machotum gegründete Männer-Privileg-Wirtschaft, wie wir es sowohl im Privateigentums-Kapitalismus (Neoliberalismus) als auch im Männer-Staats-Kapitalismus (genannt Kommunismus und Sozialismus) der Jetztzeit im ewig polaren politischen Rechts-Links-Diskurs sehen, der keine Lösungen findet, da beide Konzepte an menschlichen Bedürfnissen gleichermaßen vorbei argumentieren, weil die menschenartgerechte Natürliche Integrative Ordnung der Mutter keinerlei Beachtung findet.

 

  1. Der Mann als alleiniger Ernährer ist ein Paradigma des Patriarchats

Da der Mann bis heute insbesondere als Vater einer Kleinfamilien-Paarungsfamilie, trotz gut ausgebildeter Frauen, seine Hauptidentifikation in der Haupternährerrolleseiner Familie“ sieht, lohnt es sich, sich mit dieser Ernährer-Rolle noch einmal genauer auseinander zu setzen. Da die Menschen erst ab 10 500 v.u.Z., erstmals in den Gebieten des Fruchtbaren Halbmonds und in Anatolien, sesshaft wurden und erst da anfingen zu einer produzierenden Wirtschaftsweise überzugehen, bedeutet das, dass die Menschen den größten Teil der Menschheitsgeschichte als WildbeuterInnen lebten und sich in dieser Zeit tatsächlich hauptsächlich vom Sammeln und nur zu einem kleinen Teil von der Jagd ernährten. Gesammelt wurden nicht nur Pflanzen, Pilze, Wurzeln, Beeren und Nüsse, sondern auch Muscheln, Schnecken, Würmer, Maden, Larven und Insekten als Proteinquelle. Dass sich die Menschen evolutionsbiologisch schon sehr früh auch von Insekten ernährten, zeigen die neusten genetischen Studien, welche bei den Säugetieren einschließlich des Menschen im Genom Reste Chitin-verdauernder Enzyme, den sogenannten Chitinasen, nachweisen konnten.

„In unserem Genom finden sich nicht nur Spuren von drei urtümlichen Säugetier-Genen, die unsere Vorfahren die Verdauung von Insekten erlaubten. Wir alle verfügen auch über ein aktives Chitinase-Gen. Einfacher gesagt: Unser Verdauungssystem ist bis heute darauf ausgelegt, Insekten zu verarbeiten“,

schreibt SPIEGELONLINE in dem Artikel „Der Mensch, ein geborener Insektenfresser“ vom 17.5.2018 und bezieht sich dabei auf einen Artikel in Science Advances (http://advances.sciencemag.org/content/4/5eaar6478)

Das zeigt noch einmal deutlich drei Dinge, die gerade auch für die heutige Zeit von Interesse sind.

  • Die Jagd des Mannes spielte für die Ernährung im Paläolithikum nur eine geringe Rolle

 

  • Der Mann war nicht der Ernährer „seiner Familie“ und die Frau als Mutter befand sich deshalb nicht in einem ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis der Männer, geschweige denn der Väter, sondern die ökonomische Versorgung erfolgte gesamthänderisch

 

  • Auch Männer brauchen nicht jeden Tag Fleisch, um gut zu leben. Tatsächlich ist der hohe Fleischkonsum unserer Gesellschaft nicht paläolithisch sondern patriarchal begründet, denn bei dem historisch vermittelten Bild des Jägers als ERNÄHRER handelt es sich um Patriarchatspropaganda

Schauen wir nämlich auf die historisch ersten großflächigen Abbildungen von Jagdszenen, so finden wir diese überraschenderweise nicht in den paläolithischen Höhlen – was nach dem offiziell vermittelten Bild über die Steinzeit, welches den Mann als Jäger und Ernährer einer Paarungsfamilie und die Höhlen, dem androzentrischen Weltbild des Patriarchats entsprechend, als Jagdheiligtümer interpretiert, – zu erwarten wäre.

Historisch finden wir prominente Jagddarstellungen tatsächlich erstmals in Verbindung mit der Rinderdomestikation und zwar einmal in Chatal Höyük, in Anatolien, in der Türkei (circa 6500 v.u.Z.), aber auch in Spanien, was an den teils kriegerischen Jagddarstellungen in der levantinischen Felskunst deutlich nachvollziehbar ist. Letztere gehen wahrscheinlich auf die ab 5700 v.u.Z. aus Nordafrika nach Spanien eingewanderten Impresso-Cardinal-Keramiker zurück, die ebenfalls Rinderzüchter waren. (Bott, Gerhard; 2009, S. 140). Diese Zeichnungen heben sich stark ab von der frankokantabrischen Höhlenmalerei des Paläolithikums. (Bandi, Hans Georg; 1951, http://doi.org/10.5169seals-114008, ETH Bibliothek, Schweiz).

Großflächige Abbildungen von Jagdszenen finden wir also zu einem Zeitpunkt, wo sich das Verständnis des Mannes als Jäger und Schamane der Tiere innerhalb der Religion von Gott MUTTER, welche ja auch die Mutter der Tiere ist, zum Hirten und zum HERRN der Tiere wandelt. Vergleichen wir also die männlichen Darstellungen aus dem Paläolithikum mit denen im Neolithikum im Modus III, sehen wir große Unterschiede im Weltbild. Die folgenden Abbildungen zeigen eine der wenigen männlichen Darstellungen aus den paläolithischen Höhlen, links eine als mögliche Jagdszene interpretierbare Ritzung und daneben eine Darstellung eines männlichen Musikers mit der Nasenflöte, vielleicht aber auch die Abbildung eines männlichen Schamanen. Beide Darstellungen stammen aus dem Magdalénien (14 000-12 000 v.u.Z.). Die mögliche Jagdszene fand sich in der Grotte de la Vache in Alliat und die zweite Darstellung stammt aus der Höhle „Des Trois Frères“. Beide Höhlen liegen in den französischen Pyrenäen, im Département Ariège.

Jäger Paläolithikum Schamane 1

Bild links. Jagdszene aus der Grotte de la Vache in Alliat, Ariège, Magdalenien 14 000-12 000 v.u.Z., Frankreich, Foto Franz Armbruster Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye; Bild rechts: Männlicher Musiker mit Nasenflöte oder eventuell auch Schamane  aus der Höhle Des Trois Frères, Montesquieu-Avantès, Ariège, Frankreich, Foto : Franz Armbruster: Musée Archéologie Nationale (MAN), St.-Germain-en-Laye, Frankreich

Ganz anders sind die großflächigen Jagddarstellungen aus Catal Höyük aus dem Neolithikum des Modus III von welcher die Jagd auf einen großen roten Stier besonders hervorsticht.

Chatal Höyük

Großflächige Jagdszenen in Chatal Höyük, Anatolien, Türkei; (circa 6500 v.u.Z.) Foto: Die Jagd auf einen Auerochsen: „A reconstruction of the aurochs“: Creative Commons 3.0; User: Omar Hoftun

An der zeitlichen Einordnung dieser völlig unterschiedlichen Darstellungen sehen wir mit Beginn der Tierzucht einen deutlichen Bruch im Weltbild. Während im Paläolithikum das Töten eines Tieres vielleicht in schamanische Achtsamkeits- und Dankbarkeitsrituale eingebettet war, deuten die neolithischen Jagdszenen eher auf eine Hetzjagd um des „Vergnügens“ willens hin, denn die Jagd diente nach der Rinderdomestikation, noch weniger der Ernährung als im Paläolithikum. Die Ernährung war aber fleischlastig und die Knochenfunde in Chatal Höyük zeigen, dass diese zu 90 % von Rindern abstammen, die Frauen aber parallel dazu 14 verschiedene Kulturpflanzen anbauten, während eine Ernährung durch Milch im großen Stil zu diesem Zeitpunkt nicht anzunehmen ist, da die Bevölkerung unter Laktoseintoleranz litt und damit höchstens Hartkäse als milchbasiertes Lebensmittel als Nahrungsquelle infrage kam. (Bott, Gerhard, 2014, S. 107-109, Bollongino, Ruth, 2006).

Der alleinige Ernährer wurde der Mann aber erst in der Kupfersteinzeit, und zwar zu dem Zeitpunkt als er im Prozess der Herdenhaltung von Rindern die ursprüngliche Matrifokale Gesamthandökonomie durch Akkumulation von Privateigentum tiefgründig veränderte, und ab 4500 v.u.Z. mit dem durch Ochsen gezogenen Pflug, die Frauen auch noch aus ihrer angestammten neolithischen Ökonomie der Pflanzenproduktion vertrieb. Die Rolle des Manns als Ernährer steht also in direktem Zusammenhang mit Väterherrschaft, sie ist eines der Kernstücke des Patriarchats, denn der Verlust der eigenen Ökonomie zwang die Frauen erst dazu, ihre matrifokale Blutsfamilie notgedrungen zu verlassen und sich auf die patrilineare und patrilokale Paarungsfamilie einzulassen.

Ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Mann, insbesondere auch als Mutter vom Vater der Kinder sind also, ebenso wie die Isolierung und die Abtrennung von menschlicher Gemeinschaft und damit verbundener Erziehungskooperation, zwei herausragende Kennzeichen des Patriarchats.

 

  1. Die Aktivierung männlicher Fürsorgebereitschaft

Nachdem wir heute wissen, dass eine kooperative Jungenaufzucht und wie Sarah Blaffer Hrdy es nennt eine alloelterliche Beteiligung bei der Kinderbetreuung mit vielen Bezugspersonen, insbesondere mit matrilinear weiblichen Verwandten wie Schwestern oder Großmüttern von zentraler Bedeutung sind, (Blaffer Hrdy, Sarah; 2010, S. 147-156), beschäftigen wir uns genauer mit der männlichen Bereitschaft für Fürsorgearbeit, die ja im Patriarchat exorbitant niedrig ist.

In ihrem wichtigen Buch „Mütter und andere“ (2010) hat sich die amerikanische Anthropologin und Soziobiologin Blaffer Hrdy auch mit dem „Paradoxon fakultativer väterlicher Fürsorge“ beschäftigt. Blaffer Hrdy schreibt:

„Menschliche Mütter können realistischerweise nicht darauf vertrauen, dass der Mann, mit dem sie sich paaren, gewissermaßen darauf programmiert wäre, ihr bei der Aufzucht von Kindern zu helfen, selbst wenn es mit hoher Wahrscheinlichkeit seine eigenen Kinder sind“. (ebenda, S. 224).

Blaffer Hrdy konstatiert aber auch, dass die Häufigkeit von Vater-Kind-Interaktionen bei WildbeuterInnenvölkern insgesamt höher ist als in Agrar-. Hirten- oder in den meisten postindustriellen Gesellschaften. (ebenda, S. 223). Ein paar Seiten später konkretisiert die Wissenschaftlerin das Wissen über wildbeuterisch lebende Gemeinschaften. Sie schreibt:

„Die meisten Jäger-Sammler leben in Familieneinheiten mit starkem Zusammenhalt… Die Zusammensetzung dieser Familien aber schwankt mit der Zeit. Was wir als die Kernfamilie (Vater, Mutter und ihre Kinder) idealisieren, war oftmals nur eine vorübergehende und zudem alles andere als optimale Phase, da zwei Eltern, auf sich allein gestellt, die Bedürfnisse mehrerer Kinder wohl kaum befriedigen konnten. Zur Beschreibung der typischen oder natürlichen Pleistozän-Familie benutze ich daher lieber Begriffe wie verwandtenbasiert, kinderzentriert, opportunistisch, mobil und sehr, sehr flexibel. Die Einheiten der Kinderaufzucht waren grundsätzlich elastisch, das heißt, sie dehnten sich aus und schrumpften in dem Maße, wie Individuen aus Not- oder Mangelsituationen zu entkommen suchten und dorthin zogen, wo es nicht nur Nahrung und Wasser gab, sondern wo sie auch soziale Unterstützung vermuteten oder Grund zu der Annahme hatten, dass andere Familienmitglieder ihre Unterstützung brauchten. Diese alloelterlichen Sicherheitsnetze schufen die Voraussetzungen, unter denen sich ein hochgradig variables väterliches Engagement überhaupt erst entwickeln konnte“ (ebenda, S. 230/231).

Blaffer Hrdy weist darauf hin, dass bei den 5400 Säugetierarten auf der Erde bei den meisten Arten die Väter bemerkenswert wenig tun. Sie schreibt:

„Männliche Fürsorge findet sich nur bei einem Bruchteil der Säugetiere“. (ebenda, S. 221).

Sie weist dann aber explizit darauf hin, dass dies bei Primaten anders ist:

„Im Vergleich dazu sind die Männchen in der Ordnung Primaten ein regelrechtes Muster an Fürsorglichkeit, da sie die Jungen nicht nur intensiv beschützen, sondern auch direkt umsorgen“. (ebenda, S. 221).

Auffallend ist jedoch, dass innerhalb der Primaten die Menschengattung Mulier Homo sapiens sich besonders durch eine enorme Schwankungsbreite der Fürsorgebereitschaft innerhalb der Art auszeichnet. Blaffer Hrdy schreibt:

„Bei einigen Primaten kümmern sich die Männchen sehr intensiv um die Jungen, bei anderen tun sie dies nur in Notfällen, während sich wieder andere überhaupt nicht kümmern. Aber das Ausmaß dieser zwischenartlichen Variation verblasst im Vergleich zu der immensen Schwankungsbreite, die man innerhalb der einen Art Homo sapiens findet. Das Spektrum der materiellen oder emotionalen Unterstützung reicht von „Nur Sperma“ bis zu der obsessiven Hingabe einer Mrs. Doubtfire, … Beim Menschen bestehen zwischen Kulturen und Individuen größere Unterschiede in der Form und im Ausmaß der väterlichen Investitionen als bei allen anderen Primaten zusammengenommen“. (ebenda, S. 224).

Eine Seite vorher bekräftigt die Forscherin allerdings, dass „Kinderfürsorge durch Männer seit langer Zeit integraler Bestandteil menschlicher Anpassung ist (S. 223), weil bei Männern auch physiologische Veränderungen nachweisbar sind, wenn sie in die Kinderfürsorge integriert sind. Blaffer Hrdy schreibt:

„Wie bei anderen Säugetieren mit einem hohen Maß an männlicher Jungenfürsorge kommt es auch bei Männern zu physiologischen Veränderungen, wenn sie bloß eine bestimmte Zeit in engem Kontakt mit werdenden Müttern und mit Neugeborenen verbringen“. (ebenda. S. 223).

Die Evolutionsbiologin schließt daraus:

Männliche Fürsorgepotenziale sind in der DNA unserer Spezies codiert. Doch im Unterschied zu anderen Säugetieren mit extrem kostspieligen Jungen und fast obligater Fürsorge durch beide Elternteile kümmern sich Männer ein wenig, viel oder überhaupt nicht um ihre Kinder“. (ebenda, S. 224).

Hier stellt sich natürlich für jede NaturwissenschaftlerIn die Frage, zu ergründen welche sozialen und ökologischen Bedingungen die Ausbildung männlicher/väterlicher Fürsorgebereitschaft begünstigen. Hierzu gibt es interessante Forschungsergebnisse von Barry Hewlett, die auf vergleichenden Studien zwischen zwei afrikanischen WildbeuterInnengesellschaften, nämlich den !Kung und den Aka beruhen, die sich beide durch liebevolle Väter auszeichnen, zwischen denen aber trotzdem große Unterschiede in der Interaktion mit den Kindern bestehen. Blaffer Hrdy fasst die diesbezüglichen Forschungsergebnisse zusammen:

„Laut Hewlett lässt sich die Abweichung durch die unterschiedliche Häufigkeit von Gelegenheiten erklären, in denen sich Männer in der Nähe ihrer Kinder aufhalten. Während !Kung-Männer mit Bogen und Giftpfeilen auf die Jagd gehen, ihre Beutetiere über enorme Entfernungen verfolgen und daher längere Zeit fern des Lagers verbringen, jagen die Aka mit Netzen, und Frauen und Kinder begleiten die Männer oftmals auf die Jagd in die Wälder. Aka- (wie auch Efé)-Männer verbringen viel Zeit im Lager und haben mehr Freizeit, um sich mit Kleinkindern und Kindern zu beschäftigen   die Gewissheit über die Vaterschaft, die in evolutionsbiologischen Interpretationen männlichen Verhaltens immer so eine zentrale Stellung eingenommen hat, ist nur ein Faktor, der die Fürsorglichkeit von Männern gegenüber Babys beeinflusst. Die in der Nähe von schwangeren Frauen und ihren Kindern verbrachte Zeit und das Umsorgen von Babys an sich machen Männer – selbst einen Mann, der nicht der leibliche Vater ist – fürsorglicher“. (ebenda, S. 232).

Tatsächlich hat der enge Umgang von Männern mit Kleinkindern und Kindern, wie aufgrund der grundsätzlichen genetischen Codierung von Fürsorgebereitschaft von Männern und Vätern nicht anders zu erwarten, auch psychologische, endokrinologische und neurologische Auswirkungen auf Männer und Jungen, die als sehr positiv zu interpretieren sind. Während die männlich-militärische Kampferziehung des Patriarchats (eine „echter“ Mann weint nicht) auf eine maximale Steigerung des Testosteronspiegels abzielt, um Männer zu Kämpfern abzurichten, sinkt der Testosteronspiegel bei Männern und Vätern, wenn diese in Kontakt mit schwangeren Müttern und anschließend mit deren Neugeborenen sind. Desgleichen steigen bei Männern durch den Kontakt mit Babys die Hormonspiegel an Prolaktin, aber auch bei dem Hormon Cortisol. Das Hormon Prolaktin wird im Allgemeinen mit dem Brutverhalten weiblicher Vögel und der Laktation von Säugetieren und Cortisol mit der mütterlichen Feinfühligkeit gegenüber Kleinkindern in Verbindung gebracht, wie Blaffer Hrdy weiter ausführt. (ebenda. S. 233). Sie fasst zusammen:

„Je mehr frühere Erfahrungen ein Mann mit der Kinderfürsorge hat, je länger er in Kontakt mit Babys gewesen ist, je stärker er emotional engagiert ist und je feinfühliger er auf ihre Bedürfnisse reagiert, desto deutlicher sind in der Regel die physiologischen Auswirkungen“. (ebenda, S. 234).

 

  1. Matrifokale Männer und Väter heute

Das Patriarchat beginnt mit der Tierzucht. Zucht und züchtigen haben die gleiche Wortwurzel. Das Patriarchat züchtet nicht nur Tiere und Pflanzen. Es züchtet auch Frauen und Männer und die natürliche Varianz dazwischen wird weggezüchtet, denn in der Zucht ist alles machbar und dient der patriarchalen MACHT: Frauen und insbesondere Mütter werden auf schwach, „lieb“ und abhängig gezüchtet und Männer und insbesondere Väter auf aggressiv, narzisstisch und dominant. Beides ist nicht nur widernatürlich, sondern ausgesprochen lebensdumm und bedient sich des Mittels der Gewalt. Nicht zufällig sprechen wir bis heute von einem „Zuchthaus“, wenn wir von einem Gefängnis sprechen. (Anregung von Gertrud Gansl in persönlicher Mitteilung). Tatsächlich ist das gesamte Gesellschaftssystem des Patriarchats ein Zuchthaus und wir Er-ZIEHEN unsere Kinder passend für dieses Zuchthaus. Er-Ziehen, bedeutet nichts anderes als: er zieht. Nützlich ist dieses Er-Ziehen als gesellschaftskonformes Abrichten nur für eine ganz kleine hierarchisch-elitäre Gruppe von vor allem Männern, den Patriarchen, die an der Spitze der Herrschaftspyramide thronen und auch einigen patriarchalen Frauen. Das Leben selbst nimmt dabei ungeheuren Schaden.

5.1. Auch Männer verdanken einer Mutter ihr Leben

Matrifokale Männer und Väter durchblicken das zerstörerische System des Patriarchats, weil sie mit der Natur und ihren Zyklen und Rhythmen verbunden sind und diese Anbindung und Verbundenheit mit der Natur, dieses Religio mit der Natur ist das Gegenteil von dem patriarchalen Paradigma, die Natur beherrschen zu wollen. Weil matrifokale Männer und Väter mit der Natur verbunden sind, können sie selbstverständlich erkennen, dass die Natur nicht den Müttern und den Vätern jeweils zur Hälfte die biologische Arbeit an der Generationenfolge zugeteilt hat, sondern, dass die Mütter den allergrößten Teil dieser für die Menschenart überlebenswichtigen Arbeit leisten. Da matrifokale Männer und Väter deshalb auch erkennen und benennen können, dass auch sie den Müttern und nicht den Patriarchen ihr Leben verdanken, ist es für sie nur folgerichtig, dass die Mütter im Zentrum einer menschlichen Gesellschaft stehen müssen, um die für die Menschenart erforderliche, kooperativ-gemeinschaftliche Daseinsfürsorge umfassend zu gewährleisten. Matrifokalität folgt also nur der Logik der Natur! Es ist kein hierarchisch-elitär-herrschaftliches System, wie das Patriarchat und das Matriarchat mit Heros und Königtum, sondern es ist ein menschenartnatürlicher, mutterzentrierter Kreis.

5.2. Der systemimmanente Destruktivismus des Patriarchats

 Matrifokale Männer und Väter erkennen den systemimmanenten Destruktivismus des Patriarchats und sie versuchen dieser Zerstörungsherrschaft etwas entgegen zu setzen. Konkret bedeutet dies, dass matrifokale Männer und Väter ökologisch, empathisch, emotional intelligent, kooperativ statt ausschließlich konkurrenzorientiert, lebenszyklisch-kreisförmig und Fürsorgearbeit erkennend und ausübend denken. Dadurch erkennen sie auch den perfiden Umgang des Patriarchats mit letzterer, nämlich,

  • dass die für das Leben unabdingbare Fürsorgearbeit von Kindern und alten Menschen, ohne die Leben nicht funktioniert und die damit verbundene Arbeit der Daseinsfürsorge bis heute vor allem den Müttern aufgelastet wird

 

  • dass diese Arbeit dann per patriarchaler Definition nicht als Arbeit anerkannt, im Bruttosozialprodukt (BSP) nicht aufgeführt, und durch diese Unsichtbarkeits-Machung nicht nur als nicht lohnwürdig, sondern auch als keinerlei Wertschätzung bedürfend deklariert wird

 

  • dass in der Folge der patriarchatsideologischen Unsichtbarkeitmachung der Fürsorgearbeit heutige Vater-Mutter-Kinder-Paarungsfamilien und noch viel stärker Alleinerziehende, die zu mehr als 90 % ebenfalls Mütter und keine Väter sind, durch die fürsorgearbeitausschließende Definition des Arbeitsbegriffs in eine weitere kapitalistische Ausbeutungsstufe hineingezwungen werden durch die Normalpropagierung einer Dreifacharbeitsbelastung als fortschrittlicher Errungenschaft von „moderner“ staatlicher Familienpolitik

 

Weil matrifokale Männer und Väter Fürsorgearbeit sehende und tätigende Männer sind, setzen sie sich zusammen mit Frauen und Müttern dafür ein, diese patriarchatsideologische Fehlbeurteilung von Arbeit zu korrigieren. Sie packen also selbsthändisch an bei der Fürsorgearbeit, die auch manchmal im wahrsten Sinn des Wortes „Scheißarbeit“ und „Dreckwegmacharbeit“ ist, und nicht nur Spielen mit dem Nachwuchs bedeutet, während die langweiligen, alltäglich anfallenden, lebensüberwichtigen Routinearbeiten und das Putzen und Reinigen an Frauen delegiert wird, entweder an die eigene „Hausfrau“ oder an bezahlte Putzfrauen, da die „Herren der Schöpfung“ sich zu fein sind oder sich zu wichtig nehmen für die Alltagsarbeit.

Matrifokale Männer und Väter sind aber auch mit den Gesetzen der Physik vertraut und erkennen, dass es grundsätzlich anderer Formen des Wirtschaftens bedarf. Das bedeutet, wir brauchen nicht nur eine Ökonomie, die mit gemeinschaftlicher Fürsorgearbeit und den Grundbedürfnissen des Lebens und des Sterbens in Einklang zu bringen ist, sondern auch eine Ökonomie, in welcher zunehmend die Erkenntnis umgesetzt wird, dass die vom Patriarchat propagierte ökonomisch-exponentielle Wachstumskurve irgendwann abreißt, weil natürliches Wachstum immer nur zyklisch verläuft. Das impliziert, dass wir tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Ökonomie angehen müssen. Wir brauchen also eine Ökonomie, welche die Natur, einschließlich der Natur der Mütter nicht ausbeutet. Noch einmal auf den Punkt gebracht, brauchen wir eine Ökonomie, welche nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur arbeitet.

5.3 Die systemimmanente Gewalt des Patriarchats

Die Basis des Patriarchats ist Gewalt. Matrifokale Männer und Väter erkennen nicht nur die verschiedenen Erscheinungsformen von patriarchaler Gewalt, sondern stellen sich ihr gemeinsam mit Frauen und Müttern entgegen, sei es der Alltagsgewalt, der Kriegsgewalt zugunsten der patriarchalen Machtelite und zum Schaden des Lebens, aber auch der strukturellen Gewalt.

Da matrifokale Männer den Körper der Frau und ihre Vulva ehren und heiligen, da sie diesem weiblichen Körper ihr eigenes Leben verdanken, üben matrifokale Männer und Väter nicht nur in persona keine körperliche oder psychische Gewalt gegenüber Frauen und Kindern aus, sondern sie arbeiten auch aktiv daran, dass Gewalt gesellschaftlich umfänglich geächtet und geahndet wird und eine Wiedergutmachung bei den Opfern erfolgt.

Eine Ächtung von Gewalt beinhaltet Alltagsgewalt wie Schlagen und Prügeln mit Händen und Gegenständen, Fesseln, Treten, Würgen, Sexualisierte Gewalt durch Pornographie, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch von Kindern, Frauen, Männern, Intersexuellen und Transsexuellen, Homophobie, Prostitution, Leihmutterschaft, Totschlag, Mord, die Ausübung psychischer Gewalt durch Ausnutzung ungleicher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, eine Verbannung von Frauen aus der Öffentlichkeit durch Einsperren in Häusern oder körperverhüllende, nicht dem Wärme- oder Sonnenschutz, sondern patriarchal indoktrinierenden theologischen Moralvorschriften dienenden Kleidungsstücken, Genitalverstümmelung, Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Plündern und Brandschatzen, Folterungen, Versklavung, Gewalt durch Waffen in Form von Messern, Schwertern, Säbeln, Pistolen, Gewehren, Bomben aller Art, einschließlich Atombomben, Wasserstoffbomben und Giftgas, Gewalt gegen Tiere durch landwirtschaftliche Massentierhaltung und Fließbandschlachtungen, Gewalt gegen die Umwelt durch großflächigen Gifteinsatz von Pestiziden, Herbiziden, Insektiziden und Überdüngung, rücksichtslose Zerstörung der Lebensräume durch Monokulturen, Abholzung, Fracking, Staudammbauten, großflächigen, rücksichtslosen, Lebensraum vergiftenden und zerstörenden Bergbau aber auch die strukturelle Gewalt durch Mansplaining und Manspreading, welche den öffentlichen Raum als männlich definiert hat und sich darin äußert, dass der Mann von sich ausgehend, den gesamten öffentlichen Raum nach seinem Gutdünken definiert hat: den Raum der Theologie, den Raum der Politik, den Raum der Ökonomie und den Raum der Rechtsprechung.

 

Matrifokale Männer und Väter sind also herzlich willkommen! Wie könnte es auch anders sein, sind sie doch alle unsere Söhne!

 

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Sehen, was ist

Essay von Dr. Kirsten Armbruster, Patriarchatskritikerin, Naturwissenschaftlerin, Autorin, Bloggerin, Mutter

Madonna an der Schwarzen Laber

Madonna an der Schwarzen Laber

Bild: Madonna an der Schwarzen Laaber; Foto: Franz Armbruster

„Sehen, was ist“ ist die selbsterklärte Basis des selbsternannten  „Sturmgeschützes der Demokratie“, des SPIEGEL. Beide Formulierungen stammen von Rudolf Augstein, dem Gründervater des SPIEGEL und beide Formulierungen beschreiben in der Tat, was ist.

Tatsache ist: Der SPIEGEL sieht schon lange nicht mehr, was ist.

Der Grund: Die Basis des SPIEGEL stimmt nicht.

Hätte der SPIEGEL das kluge, 2018 erschienene  Buch der Althistorikerin Mary Beard „Frauen und Macht“ gelesen, so wüsste er, der SPIEGEL – der Vertreter des Liberalismus und der Toleranz, dass eben diese griechische Demokratie auf der Basis eines in der Antike schriftlich fixierten Patriarchatskonglomerats steht, eines Patriarchatskonglomerats aus Politik, Theologie, Ökonomie, patriarchatskonformer Wissenschaft und eben einer diesem Patriarchatskonglomerat dienenden Presse. Beard schreibt:

„Die abendländische Kultur ist seit Jahrtausenden geübt darin, Frauen den Mund zu verbieten“,  (Beard, Mary: „Frauen und Macht“, 2018, S. 10).

Die Althistorikerin und Professorin an der Universität Cambridge zeigt dies an zahlreichen Beispielen auf und belegt, dass

„just in dem Moment, da die schriftlichen Zeugnisse der abendländischen Kultur einsetzen, die Stimmen von Frauen in der Öffentlichkeit kein Gehör finden“. (ebenda).

Am Beispiel der Odyssee von Homer, wo der Sohn Telemachos seiner Mutter Penelope das Wort verbietet, weil die Rede Sache der Männer sei und er die Macht im Hause inne habe, entlarvt Beard, dass es für einen Mann wie Homer ein integraler Bestandteil des Erwachsenwerdens ist, dass er lernt, die Kontrolle über öffentliche Äußerungen zu übernehmen und den weiblichen Teil der menschlichen Spezies zum Schweigen zu bringen. (Beard, Mary: 2018, S. 14).

Und die Bibel, welche auch heute noch nach aktueller Vorgabe der Politik, die angebliche Wurzel der europäischen Kultur bildet, gründet sich auch im Neuen Testament auf dem Schweigen der Frau. Im 1. Korintherbrief des Apostels Paulus lesen wir:

„Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen Frauen in den Gemeinden schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen, denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden“. (Elberfelder Bibel, Neues Testament: 1. Korinther 14, 34-35).

Die Basis des jüdisch-christlich-islamischen Denkens und der griechischen Demokratie, welche die Frauen von der Öffentlichkeit ausschloss, ist also das Schweigen der Frauen im öffentlichen Raum.

Wenn der SPIEGEL also „Das Sturmgeschütz der Demokratie“ ist, so bedeutet das nur eins, nämlich das Sturmgeschütz des Patriarchats zu sein. Die für „heilig“ und damit unantastbar erklärte Liberalität ist in erster Linie ein Liberalsein gegenüber dem Patriarchat. Und die geforderte Toleranz als Grundlage der Liberalität ist nichts anderes als ein Pochen auf ein Erdulden von schriftfixierten Männernormen, welche den Vater als Dreh- und Angelpunkt gesellschaftlich internalisiert und damit den Blick von der Natur abgewendet haben.

Doch die Zeit der Toleranz – die Zeit des schweigenden erduldenden Lammes ist vorbei. Das Lamm ist nicht das Produkt eines Gott Vaters, nein es ist geboren aus dem realen Leib der Mutter. Und es schreit wieder das Lamm, wenn es von einem widernatürlichen Gesellschaftssystem zur Schlachtbank geführt werden soll. Warum – weil die Mutter aus der Patriarchatshypnose erwacht ist. Weil die Mutter sich wieder einmischt im öffentlichen Raum.

Denn die Natur hat evolutionsbiologisch auf die Mutter gesetzt, nicht auf den Vater.

Die Mutter ist das Zentrum des Menschseins und die Natur ist die Basis des Menschseins.

Die Probleme unserer Welt, angefangen von dem exponentiellen Bevölkerungswachstum, über das Artensterben, die Massentierhaltung, die Agrochemie, die Naturzerstörung, welche sich auch u.a. im Klimawandel äußert,  können wir nur lösen, wenn wir diese Doppelbasis des Lebens wieder erkennen und benennen.

Mutterleugnung ist Naturleugnung. Mütterhass ist Naturhass. Und Mütterausbeutung und Naturausbeutung sind die zwei Seiten derselben Medaille.

Wenn wir unsere schöne Welt wirklich retten wollen, jenseits von ein bisschen Ökoaktivismus, müssen wir wieder „sehen, was ist“, „benennen, was ist“ und „schreiben, was ist“. Die Forschungsergebnisse der Interdisziplinären Patriarchatskritikforschung haben dazu bereits eine gute, vom Patriarchat befreiende Basis,  gelegt.

Der SPIEGEL mit seinem Anspruch der intellektuellen Führung muss endlich anfangen hinter die Kulissen des manipulativen Scheins zu schauen. Die Realität des Lebens ist nämlich eine andere und die jetzige Krise der schreibenden Zunft beinhaltet die Chance eines Neuanfangs:

Keine Chance mehr dem Patriarchat und einen klaren Blick auf die Gehirnwäsche des Patriarchats, weit jenseits von ein bisschen Feminismusschminke!

 

 

Von visionären und durchsetzungsstarken Frauen und falsch verstandener Egalität

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Möwenschwarm: Bild: Kirsten Armbruster, Oslo, Norwegen

Das Patriarchat als sadomasochistisches, gewaltimmanentes Gesellschaftssystem hat Frauen zu Opfern gemacht. Das kollektive Frauenbewusstsein im Patriarchat ist also eine masochistische Opferhaltung: alle Frauen sind frauensolidarisch Opfer, alle Männer sind hiercharchisch agierende Täter. In ihrer Opferhaltung sind Frauen frauensolidarisch egalitär.

Die Natur hat Frauen aber nicht zu Opfern gemacht, sondern in der Natur stehen Frauen und insbesondere Mütter für Stärke.

Mütter sind zum Fürchten.

Von Bärenmüttern, Löwenmüttern, Wildschweinmüttern wissen wir das auch heute noch.

Menschenmütter hingegen sind frauensolidarisch sanft, lieb, nachgiebig, leise, keusch und harmoniesüchtig gezüchtet.

Schert eine Frau aus diesem egalitären, patriarchatsfrauensoldarischen, masochistischen Opferbild aus, weil sie sich an ihre von der Natur gegebene Stärke als Frau und Mutter wieder erinnert, so gilt sie unter Frauen als patriarchal.

Margarete Mitscherlich hat dies in ihrem Buch „Die friedfertige Frau“ bereits 1987 hervorragend analysiert. Sie schreibt:

„Wenn aber Macht und Durchsetzungsvermögen von Frauen nicht nur von Männern bekämpft werden, sondern auch darüber hinaus der Verteufelung durch Geschlechtsgenossinnen ausgesetzt sind, lassen sich bestehende Geschlechter- und Machtverhältnisse nur schwerlich ändern. Tatsache ist, dass eine Frau, die Einfluss zu gewinnen versucht, um verhärtete Gesellschaftsstrukturen aufzubrechen, damit rechnen muss, auch in der Frauenbewegung abgelehnt zu werden. Sie identifiziere sich mit männlichen Verhaltensweisen und erweise damit der Frauenbewegung keinen Dienst, so hört man oft. Wenn sich dem noch eine falsche, oft von Neid diktierte Gleichheitsideologie hinzugesellt, mit der eine Frau als unsolidarisch etikettiert wird, wenn sie auf diesem oder jenem Gebiet überdurchschnittliche Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen entwickelt, dann werden Frauen auch von ihresgleichen dazu gezwungen, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten zu unterdrücken und ihre Aggressionen womöglich nur untereinander auszuleben. Unter solchen Bedingungen darf etwas Neues nicht gedacht werden, können Verhaltensweisen sich nicht verändern, geht jegliche Kreativität verloren. auch dagegen muss man sich als Frau zur Wehr setzen“. (Mitscherlich, Margarete: Die friedfertige Frau“; 1987, S. 10/11).

Als naturverbundene, visonäre und durchsetzungsstarke führende Naturwissenschaftlerin und Patriarchatskritikerin werde ich mich dem Diktat eines vom Patriarchat aufoktroyierten frauensolidarisch-egalitären masochistischen Opferhaltungs-Frauenbild, das auch in der feministischen Frauenbewegung hochgehalten wird, auch weiterhin  nicht unterordnen.

Ich werde allen Angriffen zum Trotz meiner Berufung folgen, die Patriarchatskritikerin zu sein, die durch ihre interdisziplinäre wissenschaftliche Patriarchatskritikforschungsarbeit die Aha-Erlebnisse auslöst, welche die Folge sind, wenn eine konsequent nicht vom Weg  ihres roten Lebensfadens abweicht.

Möge diese innere Stärke anderen Frauen ein Vorbild sein!

 

 

Matrifokale Frauen

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Foto: Franz Armbruster

Das Matrifokale-Frauen-Manifest

 

 

 Matrifokale Frauen sind an der Natur orientierte Frauen

Matrifokale Frauen durchblicken daher die Strukturen des Patriarchats

Matrifokale Frauen sind hochpolitisch, denn sie wissen natürlich , dass es ein wesentlicher Teil des Patriarchats ist, Frauen ins Private abzuschieben und sie damit von der Politeia, dem öffentlichen Raum auszusperren

Matrifokale Frauen kennen ihre uralte Religion von Gott MUTTER und wissen sie zu unterscheiden von den Theologien des Patriarchats, denn Anbindung, Losbindung und Rückbindung, der Ursprung von Religionn, kann immer nur durch den Körper der Mutter erfolgen

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

 Sie schweigen nicht mehr über dessen ungeheuerliche Missstände

Sie sehen nicht mehr über dessen apokalyptische Lebensraumzerstörung hinweg

Sie überspielen nicht mehr das Ausmaß an Gewalt gegen die Natur und den Körper der Frau

Sie lassen sich nicht mehr aus dem öffentlichen Raum herauskatapultieren

Sie dulden nicht mehr eine ausschließende, generische Männeransprechsprache

Sie lassen sich nicht mehr trennen von der Commons-Ebene der matrilinearen Linie

Sie dulden nicht mehr das Trenne-und-Herrsche-Dogma des Patriarchats

Sie folgen nicht mehr der There-is-no-alternative-Kriegsrhetorik des Patriarchats

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie verbleiben nicht mehr im Opferstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-Sünde-Schuld-Sühne-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Liebe-Harmonie-Friede-Freude-Eierkuchen-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Passivstatus

Sie verbleiben nicht mehr im Frauen-sind-nichts-wert-dein-Körper-ist-falsch-Status

Sie verbleiben nicht mehr im Der-Mann-kann-nicht-anders-Täter-Entschuldigungsstatus

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie kennen die ganze Geschichte – Herstory und History – der Menschheit

Sie trennen zwischen Biologie als Naturwissenschaft und Biologismus als deren Missbrauch

Sie wissen um die freie sexuelle Wahl der Frau, die biologisch verankerte female choice

Sie gehen der heteronormativen Paarfixierung des Patriarchats nicht mehr auf den Leim

Sie durchblicken die Mann-wird-Gott-Machttheologie des Patriarchats

Sie kennen die Rahmenbedingungen erdgebundener Matrifokaler Ökonomie

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie beenden das Dauererektionsdenken eines Homo-politicus-theologicus-ökonomicus

Sie entlarven Konkurrenzdenken als nicht evolutionär, sondern patriarchal nützlich

Sie betten Rationalität und Individualität in Emotionalität und Kooperation ein

Sie ergänzen Freiheit und Autonomie durch Empathie und kollektives Bindungsbewusstsein

Sie stellen die Egomanie und die Herrschaft des patriarchalen Mannes an den Pranger

Sie setzen auf konstruktive Seinsmacht statt auf destruktive Herrschaftsmacht

Sie zeigen Alternativen zum Patriarchat auf

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie setzen Mütter ins Zentrum der Gesellschaft

Sie denken vom Bauch, der Quelle menschlichen Lebens

Sie holen sich ihre Matrifokale Kulturgeschichte zurück

Sie holen sich ihre Matrifokale Religion zurück

Sie holen sich die Matrilineare Körperbindung als lebensgründende-engste Anbindung zurück

Sie beenden dadurch die ausgesetzte Reputation von Müttern im Patriarchat

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie definieren Wissenschaft neu

Sie definieren Familie und Zusammenleben neu

Sie definieren Arbeit neu

Sie definieren Ökonomie neu

Sie definieren Wohnen neu

Matrifokale Frauen durchblicken die Strukturen des Patriarchats

Sie fordern Wiedergutmachung:

ideell

monetär

ökologisch

Sie kennen nämlich die Folgen des Patriarchats:

Die Natur überlebt

Der Mensch nicht

Das machen sie,

weil sie nicht kurzfristig denken,

sondern eingebettet

in eine lange Folge von

Generation zu Generation

Von mutterbiologischen Tatsachen und männlichem „Samen“ – Wie das Patriarchat Mütter zu passiven Gefäßen degradiert

1280px-Biological_cell.svgSchemazeichnung einer tierischen Zelle. Das Zytoplasma (11) enthält folgende Strukturen: Zellkern (2) Nukleolus (1) Vesikel (4) Ribosomen (3) Raues Endoplasmatisches Reticulum (ER, 5) Mikrotubuli (7) Golgi-Apparat (6) Zentriolen (13) Glattes ER (8) Mitochondrien (9) Lysosom (10) Peroxisomen (12)Foto: GNU Free Documentation License

Genotyp, Phänotyp und Mütterliche Effekte, die darüber bestimmen, ob ein Mensch ein Mensch wird

Die natürliche Fortpflanzung des Menschen erfolgt bisexuell, d.h. ein Mensch entwickelt sich genetisch hauptsächlich aus der Vereinigung eines mütterlichen und eines väterlichen Chromosomensatzes bei der sogenannten Karyogamie, der Verschmelzung der Zellkerne zur Zygote. In den Zellen von Eukaryoten, zu denen neben Menschen auch Pflanzen, Tiere und Pilze gehören, ist der Großteil der DNA (Desoxyribonucleic Acid) im Zellkern als Chromosomen organisiert. Die DNA, als materielle Basis der Gene, ist also die Trägerin der Erbinformation. Ein kleiner Teil der DNA befindet sich allerdings außerhalb des Zellkerns im sogenannten Zytoplasma und zwar in den dort befindlichen Zellorganellen, die von einer doppelten Membran umgeben sind. Bei Pflanzen sind das die Plastiden, bei Tieren und Menschen die Mitochondrien.

Die DNA in den Mitochondrien, die sogenannte mitochondriale DNA (kurz mtDNA), von ihrer Gestalt her kreisförmig, ist zwar mit 16 000 Basenpaaren wesentlich kleiner als das Erbgut im Zellkern, das 3 Milliarden Basenpaare umfasst, aber die mtDNA leistet trotzdem einen wesentlichen genetischen Beitrag. Tatsächlich kann die Anthropologie – die Abstammungslehre des Menschen – die Abstammung von Mulier-Homo sapiens – dem sogenannten modernen Menschen – anhand der mtDNA aufgrund ihrer geringen Mutationsrate, 6000 Generationen zurück auf eine einzige Urmutter zurückführen. (Sykes, Bryan, 2001). Der Genotyp eines Menschen, die Gesamtheit der genetischen Information ist also einmal von den mütterlichen und väterlichen Genen im Zellkern bestimmt. Zusätzliche genetische Informationen erfolgen aber über die ausschließlich mütterlich vererbte DNA aus den Mitochondrien.

Neben dem Genotyp gibt es allerdings den Phänotyp. Der Phänotyp ist das Erscheinungsbild und bezeichnet in der Genetik die Menge aller Merkmale eines Organismus. Dabei bezieht sich der Phänotyp nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische Eigenschaften und auf Verhaltensmerkmale. Morphologisch bedeutet dabei die äußere Gestalt betreffend und physiologisch betrifft die inneren Stoffwechselvorgänge. Die amerikanische Soziobiologin Mary Jane West-Eberhard schreibt dazu, dass „die bloßen Gene zu den unfähigsten und nutzlosesten Materialien gehören, die man sich vorstellen kann“, weil „der Phänotyp des frühen Embryos allein von der Mutter determiniert wird“. (West-Eberhard, Mary Jane zit. in Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur, 2010, S. 97/98).

Die Befruchtung und die Verschmelzung der Gene im Zellkern ermöglichen nämlich noch keine Fortpflanzung.

„Tatsächlich entscheiden sogenannte Mütterliche Effekte darüber, ob ein Mensch ein Mensch wird“, schreibt die amerikanische Anthropologin Blaffer Hrdy in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ und ergänzt die Forschungen der Soziobiologin West-Eberhard, denn schon vor der Befruchtung ist die Eizelle eines Tieres oder einer Pflanze ein hoch organisierter und aktiver Phänotyp. Blaffer Hrdy konkretisiert:

„Man betrachte nur, was am Anfang eines Froschlebens passiert. Stunden nach der Befruchtung besteht die sich schnell teilende Blastula (das Anfangsstadium in der Entwicklung eines Tieres) bereits aus 4000 Zellen. Aber noch ist kein einziges Gen des Embryos aktiviert. Alle seine Instruktionen stammen von Hormonen und Proteinen, die in seinem Zytoplasma zirkulieren. Die anfängliche Entwicklung dieses neuen Individuums ist alles andere als genetisch determiniert, sondern in hohem Maße von der Verfassung seiner Mutter, ihrem Ernährungszustand oder ihrer Lebensgeschichte beeinflusst“. (ebenda, S. 97).

Kein Wunder, ist doch die Mutter die einzige Umwelt des Embryos.

Schauen wir aber nun auf physiologischer Ebene noch einmal genauer auf die Mütterlichen Effekte.

Die Eizelle, ihr Zytoplasma und die damit einhergehenden Mütterlichen Effekte

Die Eizelle oder Oocyte ist die weibliche Keimzelle zweigeschlechtlicher Lebewesen. Die Eizellen sind wesentlich größer als die männlichen Gameten. Beim Menschen ist die Eizelle hundertmal größer als die männliche Gamete, das Spermium, da das Spermium nur die Kern-DNA enthält. Eizellen sind hingegen nicht nur Zellen mit einem haploiden Chromosomensatz im Zellkern, sondern sie enthalten auch das Zytoplasma als zelluläre Umgebung in der sich zusätzlich noch die Zellorganellen befinden. Blaffer Hrdy schreibt.

„Die Eizelle enthält dagegen verschiedene Ingredenzien – den Zellkern und das Zytoplasma. Sobald sich das Spermium innerhalb des Eis befindet, werden von der Mutter übermittelte Anweisungen umgesetzt. Nährstoffe, die schon vor der Befruchtung gehortet wurden, versorgen den Embryo mit dem, was er für seine Entwicklung benötigt. Die Eizelle der Mutter stammt von Zellen ab, die schon vor der Befruchtung damit begonnen haben, sich zu teilen. Lange bevor es zu irgendeinem Kontakt zwischen Spermium und Eizelle kommt, sind durch die vier Teilungen aus der mütterlichen Urkeimzelle 16 Zellen geworden. Eine dieser Zellen lebt als eigentliche Eizelle weiter. Aus den anderen werden „Nährzellen“ – sie stellen Nährstoffe und andere Substanzen her, die durch das Zytoplasma transportiert werden (Alberts et al., 1994). Mit anderen Worten: Ehe die im Spermium enthaltenen Gene des Vaters auch nur aktiviert werden, steht die frühe Embryonalentwicklung bereits unter mütterlicher Kontrolle. Sobald die Eizelle eine Samenzelle akzeptiert, werden mütterliche Effekte in Gang gebracht. Das Protoplasma der Mutter leitet die Entwicklung des Embryos ein und gibt damit gleichzeitig den Startschuss für eine Vielzahl möglicher mütterlicher Effekte“. (Blaffer Hrdy, Sarah, ebenda, S. 96).

Den Mitochondrien als den Kraftwerken der Zellen kommt dabei eine weitere Schlüsselrolle zu, denn die Mitochondrien sind nicht nur durch ihre ausschließlich an die Mütter gekoppelte Genetik interessant, sondern auch physiologisch, denn die Hauptaufgabe der Mitochondrien ist die Produktion von Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) innerhalb der sogenannten Atmungskette. Die Atmungskette ist ein Teil des Energiestoffwechsels der meisten Lebewesen. In der Atmungskette finden sogenannte biochemische Redoxreaktionen statt, die zur Energiegewinnung dienen. Diese Redoxreaktionen erfolgen durch Enzyme, welche in der inneren Mitochondrienmembran liegen und eine Kette bilden, über die Elektronen transportiert werden. Neben der Energieproduktion stellen die Mitochondrien Raum für den Ablauf von chemischen Auf-und Abbauprozessen zur Verfügung. So befinden sich in den Mitochondrien Enzyme, die für den Zitronensäurezyklus und den Fettstoffwechsel wichtig sind. Darüber hinaus dienen die Mitochondrien als Kalziumspeicher.

In den Mitochondrien aber auch im rauhen Endoplasmatischen Reticulum (ER) befinden sich zudem sogenannte Ribosomen. Ribosomen sind elementar wichtig für die Proteinbiosynthese, also den Eiweißstoffwechsel, da sie Bestandteil zweier „Übersetzungsfunktionen“ in der Zelle sind, der sogenannten Transkription und der Translation. Unter Transkription versteht man die Umschreibung der Nucleinbasen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin der doppelsträngigen DNA, welche den Zellkern nicht verlassen kann, in die einsträngige RNA, wo die Base Thymin durch die Base Uracil und der Zucker Desoxyribose durch Ribose ersetzt werden. Dieser Prozess der Transkription fungiert als Übersetzungsprozess des genetischen Codes der im Zellkern befindlichen DNA, welche durch die Basensequenz definiert wird. Unter Translation versteht man den anschließenden zweiten Übersetzungsprozess, in der die veränderte Basensequenz der RNA nun in die Aminosäurensequenz des Proteins übersetzt wird. Die Basensequenz der DNA stellt somit einen Code dar, der unter Vermittlung der ribosomalen RNA die Struktur spezifischer Proteine bestimmt. Bei diesem Vorgang der Informationsübertragung handelt es sich um den zentralen Prozess der Molekularbiologie und der kann nur erfolgen mithilfe der sich im Zytoplasma befindlichen Zellorganellen von denen auch der Golgi-Apparat eine zentrale Funktion innehat. Eine der Hauptfunktionen des Golgiapparats ist es, die entstandenen Proteine vom Endoplasmatischen Reticulum (ER)zu empfangen und umzuwandeln. Dazu werden die Proteine in kleinen Abschnürungen vom ER – den sogenannten Vesikeln – zum Golgi-Apparat transportiert und dort umgewandelt. Diese Transportweise mit Vesikeln soll verhindern, dass beim Transport durch das Zytoplasma Reaktionen ablaufen, die der Zelle schaden könnten. Nach der Umwandlung der Proteine im Golgi-Apparat, werden diese nun wiederum in Vesikeln – die jetzt vom Golgi-Apparat stammen – weiter zu ihrem Bestimmungsort geschickt.

 Da nur die Eizelle über das Zytoplasma und die darin befindlichen Zellorganellen verfügt, wird nun auch verständlich, warum Soziobiologinnen wie Mary Jane West-Eberhard die Entstehung des Individuums als Mütterlichen Effekt definieren.

Embryonenschutzgesetz und die Einnistung des Embryos in den mütterlichen Organismus

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie sich gerade im Zuge von Klontechniken und Reproduktionsmedizin die grundrechtliche und bioethische Sichtweise auf den Embryo verändert. War bisher die herrschende Meinung, dass mit der Verschmelzung der Kerne von Eizelle und Spermium zur Zygote menschliches Leben entsteht, das sich von da an als Mensch weiterentwickelt und dem deshalb auch der Schutz der Menschenwürde nach Art. 1 des Grundgesetzes zukommt, verändert sich diese Sichtweise zunehmend.

Wikipedia schreibt unter dem Begriff des Klonens:

„Allerdings ist auch in Deutschland die Ansicht im Vordringen begriffen, die den Lebensschutz des Grundgesetzes mit der Nidation, der Einnistung des Embryos in den mütterlichen Körper, einsetzen lässt. Das legen Erkenntnisse der medizinischen Anthropologie nahe, nach denen eine Wechselwirkung zwischen Embryo und Mutterkörper erforderlich ist, damit sich der Embryo überhaupt zu einem Menschen entwickeln kann. Ohne diesen Impuls, die Nidation, entsteht niemals ein Mensch, der Embryo entwickelt sich gleichsam ins Nichts. Dieser Ansicht entspricht die geltende Rechtslage in Großbritannien“. (Wikipedia: Begriff: Klonen: 31. 1. 2018).

Shuttle-Service und Kooperation – weitere für das Patriarchat unbequeme Wahrheiten über die Fortpflanzung

 

spermium und Eizelle

Spermium und Eizelle, Foto: Wikimedia Commons: gemeinfrei

Beschäftigen wir uns noch weiter mit interessanten wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich der Befruchtung:

2011 wurde im Westdeutschen Rundfunk  der Film „Der Spermien-Mythos – Kein Kampf, kein Wettschwimmen“ ausgestrahlt, der unter Mitwirkung des Kinderwunschzentrums in Darmstadt entstand, allerdings heute im Netz nicht mehr verfügbar ist. In dem Film werden eine Reihe der Mythen um die Spermien und die Befruchtung völlig anders dargestellt, als wir gemeinhin in der Schule gelernt haben. Johanna Bayer hat damals eine Zusammenfassung des Films zusammengestellt, die an dieser Stelle wiedergegeben werden soll. (Quelle: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeiträege/2011/0726, Ausstrahlung des Films: Dienstag, 26.Juli 2011, 21-21.45 Uhr und Samstag, 30. Juli 2011, 12-12.45 Uhr (Wdh).

Johanna Bayer schreibt:

„Die Geschichte ist einfach zu schön, um wahr zu sein: Spermien, die sich abmühen, mit aller Kraft strampeln, um voranzukommen und eine riesige Strecke durchschwimmen, um zum Ei zu gelangen, wo nur der Beste und Schnellste eindringen kann. Doch das sind nur Mythen – die Wahrheit ist die Geschichte von Teamarbeit und Kooperation.

Mythos 1: Sie schwimmen

„Spermien schwimmen nicht durch die Gebärmutter. Ihre Geißel, mit der sie in einer schraubenden Bewegung schlagen, dient nicht zur Überwindung großer Distanzen, sondern zum Eindringen ins Ei. Bis zu diesem Zeitpunkt bewahren sie ihre Energie auch lieber auf – richtig aktiv werden sie erst im Eileiter, wenn das Ziel unmittelbar bevorsteht. Die riesige Strecke von der Scheide, wo sie landen, bis zum Ei, könnten sie auch gar nicht so einfach überwinden. Spermien gehören zu den kleinsten Körperzellen, sie sind nur 0,06 Millimeter groß. Im Körper der Frau liegt eine Strecke von 12 bis 15 Zentimetern vor ihnen, bis sie das reife Ei erreichen. Müssten sie schwimmen, wäre das eine schwere Herausforderung: Rechnet man die Distanzverhältnisse auf einen erwachsenen Mann von 1,80 Metern um, müsste dieser rund 5,5 Kilometer Dauerschwimmen – mehr als beim härtesten Triathlon! Doch schon zehn Minuten nach der Ankunft in der Scheide können die ersten Spermien am Eileiter eintreffen; aus eigener Kraft könnten sie das gar nicht schaffen.

Mythos 2: Bequem wie im Shuttle-Service

Stattdessen sorgt die Gebärmutter für den Transport: Wie Forscher vom Uniklinikum Darmstadt schon vor Jahren eindrucksvoll zeigen konnten, schieben gezielte Muskelkontraktionen der Gebärmutter die Spermien im Gebärmutterschleim nach oben Richtung Ei. Denn der Eileiter, in dem gerade ein reifes Ei sitzt, aktiviert die entsprechende Seite der Gebärmutter, so dass sich die Muskeln zusammenziehen und die Spermien wie mit einem Shuttle-Service transportieren. Auch den Aufstieg von der Scheide in die Gebärmutter erledigen die Spermien nicht selbst: Der Gebärmutterhals saugt die Spermien an und so gelangen sie nach oben in den schützenden, nährenden Schleim des Gebärmutterhalses. Hier können sie fünf bis sieben Tage überleben, und von hier aus treten sie ihre Reise an.

Mythos 3: Kampf und Konkurrenz

Zwischen 40 und 600 Millionen Spermien kommen in der Scheide an – doch nur wenige Tausend erreichen den Eileiter. Doch nicht die Spermien bekämpfen sich gegenseitig, um den Besten auszulesen. Das Gros bleibt buchstäblich auf der Strecke, weil es die Reise durch die Gebärmutter nicht übersteht. Denn in der Gebärmutter sind sehr viele Immunzellen aktiv, die Feinde und Eindringliche abwehren sollen. Die Immunzellen stürzen sich auf alle Fremdkörper – und auch Spermien sind Fremdkörper. Die meisten Spermien aus dem Ejakulat werden also vernichtet, das ist vermutlich ein Grund dafür, dass eine solche Menge zur Verfügung gestellt wird. Es gibt aber auch interessante Beobachtungen, wie sich die Spermien verhalten: Viele von ihnen, ein Drittel in jedem Ejakulat, können sich gar nicht bewegen. Sie scheinen nutzlos zu sein, aber ihre Aufgabe könnte darin liegen, eben jene Immunzellen zu beschäftigen! Je mehr Spermien-Masse, desto mehr haben die Abwehrkörper zu tun – und desto mehr kommen durch. So stellt sich in Wahrheit die Aufgabe der Spermien nicht als Wettkampf gegeneinander dar, sondern als Kooperation! Im Schutz der Masse gelangen genügend lebensfähige, bewegliche Spermien von der Gebärmutter bis zum Ei.

 Mythos 4: Nur der Beste gewinnt

Nur ein einziges Spermium dringt ins Ei ein und befruchtet es – doch das heißt nicht, dass nur ein einziges das Ei erreicht, und dass dieses das schnellste und kräftigste Spermium der Menge ist. Stattdessen landen Hunderte von Samenzellen im Eileiter, wo die Umgebung für sie günstiger ist als in der Gebärmutter: Hier durchlaufen sie einige Veränderungen, die sie aktiver machen, so dass ihre Geißel viel schneller schlägt. Das Ei selbst kommt ihnen entgegen, gefächelt von kleinen Härchen des Eileiters. So schaffen es die Spermien, im Eileiter eine winzige Strecke von einem bis zwei Zentimetern selbst zu überwinden, unterstützt noch durch Kontraktionen der Eileiterwand, die sie voran-schieben. Das Ei sendet außerdem Lockstoffe aus, die chemisch auf die Köpfe der Spermien wirken, so dass sie sich zum Ei ausrichten. Zwei- bis dreihundert Spermien können sich so auf das empfängnisbereite Ei stürzen.

Realität: Alle für einen

Das Ei ist von einer Wolke von Zellen umgeben – diese Außenschicht gilt es nun zu knacken. Eine Samenzelle alleine könnte diese Hülle nicht durchdringen, sagen Experten: Die Hauptaufgabe der vielen im Team arbeitenden Spermien ist es, die Außenschicht des Eies aufzulösen. Genau dazu dienen auch die Schläge mit der Geißel – nicht zur Fortbewegung. Wenn die Hülle schließlich nachgibt und einreißt, so ist es purer Zufall, welches Spermium hineingelangt. Es ist weder das Schnellste noch das Beste, auch nicht das, das sich gegen andere durchgesetzt hat – sondern das Spermium, das zufällig gerade an der richtigen Stelle sitzt. Vielleicht ist es auch eines, das gerade erst angekommen ist und noch frische Kräfte hat, um zu bohren. Auch hier siegt also das Team: Das Wunder der Befruchtung ist ein Wunder an Kooperation“.

Von männlichem Samen, der Mütter zu passiven Gefäßen des Mannes degradiert

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Samenkorn einer Bohne als Beispiel für einen zweikeimblättrigen Samen (Dicotyledon). Der Same besteht bei den sogenannten Spermatophyten aus der Samenschale, dem Nährgewebe (Endosperm) und einem ruhenden Embryo. Das Wort Samen für die männlichen Gameten – die Spermien- beim Menschen zu verwenden ist hochgradig irreführend, weil es suggeriert, dass im Spermium bereits der fertige Embryo angelegt ist.

Umgangssprachlich werden die männlichen Gameten beim Menschen – die Spermien – immer noch als Samen und ein männlicher Orgasmus als Samenerguss bezeichnet. Diese Begrifflichkeiten führen in die Irre, denn der Begriff Same kommt aus der Botanik. Dort ist der Same die charakteristische Verbreitungseinheit der sogenannten Spermatophyten. Spermatophyten sind eine Gruppe im Reich der Pflanzen, welche Samen als Ausbreitungsorgane bilden. Sie bilden Samen, die den Embryo geschützt in mütterlichem Gewebe (Samenschale) enthalten Der Same besteht aus der Samenschale, dem Nährgewebe, dem sogenannten Endosperm und einem bereits fertigen Embryo im Ruhestadium.

Dass es sich beim Spermium des Menschen nicht um eine Zelle mit einem fertigen Embryo handelt, ist heute hinlänglich bekannt, aber dennoch prägt dieses Denken des „aktiven Mannes“, der das Kind mit seinem Samen zeugt, was impliziert, dass der Mann der Erzeuger des Kindes ist, bis heute die Gesellschaft. Der Frau, der Mutter wird die Rolle eines passiven Gefäßes zugeteilt.

Blaffer Hrdy beschreibt in ihrem ersten Buch „Mutter Natur“ die langjährige Interpretation patriarchaler Naturwissenschaftler über menschliche Fortpflanzung, die bis 1925 annahmen, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Sie schreibt:

„Im späten 17. Jahrhundert meinten Wissenschaftler beim Blick durch das Mikroskop im Inneren einer menschlichen Samenzelle einen Miniaturmenschen, einen kleinen „Homunkulus“ zu erkennen, der dort zusammengekauert darauf wartete, im weiblichen Schoß abgelegt zu werden. Selbst noch nach 1827, als der Embryologe Karl Ernst von Baer die Eizelle von Säugetieren erstmals genauer beschrieben und seine Kollegen davon überzeugt hatte, dass in den weiblichen Uterus keine fertigen Menschen eingepflanzt würden, nahm man weitere hundert Jahre an, dass allein die Männchen den Verlauf der Evolution bestimmten. Mütter steuerten zwar Eizellen bei, galten aber immer noch als passive Gefäße, die darauf warten, dass die Männchen ihre Lebenskraft an sie weitergeben“. (Blaffer Hrdy, Sarah, Mutter Natur; 2010,S. 96).

HomunculusLarge

Zeichnung des Homunkulus aus Nicolas Hartsoekers „Essay de Dioptrique“, 1694. Die damaligen Naturwissenschaftler glaubten unter dem Mikroskop im Spermium einen fertigen Menschen zu erkennen. Dieser fertige Menschensame wurde – so die Annahme – vom Mann im männlich aktiv dominierten Sexualakt – im Körper der Frau abgelegt, der nur noch die Rolle des passiven Gefäßes des Erzeugers zukam.

 

 

 

 

 

Tatsächlich entstand diese Idee der „passiven Gefäßmutter“ nicht erst im 17. Jahrhundert, sondern schon viel früher. Wikipedia schreibt – leider ohne weitere Literaturangabe-, dass die falsche Vorstellung, dass der männliche Same bereits der Mensch in nuce sei, der im Mutterleib quasi wie in einer Nährlösung nur noch heranzureifen brauche, aus dem alten Ägypten stammt. Unter dem ungenauen Begriff „altes Ägypten“, wird in der Regel das pharaonische Ägypten gemeint, das sich tatsächlich durch ein krasses Patriarchat auszeichnet, geht doch die weibliche Genitalverstümmelung als sogenannte „pharaonische Beschneidung“ ebenfalls auf die Herrschaftszeit der Pharaonen zurück. Aber auch dem von den Geisteswissenschaftlern bis heute hoch geschätztem Aristoteles (384-322 v.u.Z.) wird die Aussage zugeschrieben, dass

„der Vater als ganzer Mensch den Samen beiträgt, wogegen die Mutter nichts weiter ist als die Erde, in welcher der Samen wächst“. (www.womenpriests.org/de/traditio/inferior.asp)

Natürlich nahmen die Kirchenväter, welche, das monotheistische Vatergott-Patriarchat durchsetzen wollten, diese Sichtweise des „hochgeschätzten Philosophen“ als Steilvorlage und schrieben auch im Neuen Testament der Bibel diese Interpretation des weiblichen Körpers als Gefäß des Mannes fest, nachdem ja schon im Alten Testament, in den fünf Büchern Mose – welche die Grundlage aller drei monotheistischen Theologien ist, der Same Abrahams mit der Nachkommenschaft und damit mit unilinear patrilinearer Abstammung gleichgesetzt wird. In der unsäglichen Geschichte, in der der mörderische monotheistische Vatergott den Gehorsam Abrahams einfordert, indem er ihn auffordert seinen einzigen geliebten Sohn Isaak als Brandopfer zu opfern, – was erst in letzter Minute in ein Widderopfer umgewandelt wird – lesen wir.

„Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast“. (1. Mose 22, 15-19).

Und im Neuen Testament wird dann die zweite Seite der patriarchalen Medaille – der Same des Mannes als Nachkommenschaft und der Körper der Frau als passives Gefäß wiederaufgenommen und zwar im 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher.

„Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn dies ist Gottes Wille eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu gewinnen wisse, nicht in Leidenschaft der Lust wie die Nationen, die Gott nicht kennen“. (1. Thessalonicher 4, 2-6).

In der Anmerkung zu dem Ausdruck „Gefäß“ finden wir in der Elberfelder Bibel explizit die Erklärung, dass sich das Wort „Gefäß“ auf den Leib, respektive auf den Leib der Frau bezieht.

Lügenwut

Auch wenn die Naturwissenschaften heute nicht mehr davon ausgehen, dass der Same des Mannes bereits den fertigen „Homunculus“ enthält, so sehen wir doch, dass diese tief misogyne Sichtweise in der Gesellschaft tief verankert ist und diese prägt. Große Stützen des Patriarchats sind dabei alle fünf Welttheologien, auch weil die theologische Misogynie durch den staatlich garantierten Schutz der „Religionsfreiheit“ immer weiter fortgeführt werden kann. Mit dem nicht angewandten Antidiskriminierungsgesetz schützt Vater Staat aus „Traditionsgründen“ zudem die Misogynie der Theologien und es gibt keine gesetzliche Handhabe, gegen das täglich mantrahaft wiederholte Bild der „Mutter als Magd des Herrn“, wie es im Katholizismus propagiert wird, oder gegen das „Bild der abgeschafften Mutter“, im Protestantismus, dem der Mythologische Muttermord zugrunde liegt, vorzugehen, genauso wenig wie gegen die Misogynie im Judentum, Islam, im Buddhismus oder Hinduismus. (Armbruster, Kirsten: 2010).

 Angeblich „göttliche Autorität“ schützt die Patriarchen vor der Abschaffung des Patriarchats.

Würde man sich allerdings mit den Ergebnissen der Patriarchatskritikforschung beschäftigen, würde sofort klar, dass die Erfindung der Götter und ihrer Theologien einzig und allein den Zweck hatten, die älteste Religion von Gott MUTTER zu vernichten, sie durch eine falsche Geschichtsschreibung vergessen zu machen und den Mann als Vater mit göttlicher Autorität auszustatten, ein Bild an dem dank erfundener göttlicher Autorität bis in alle Ewigkeit nicht mehr gerüttelt werden soll. Welch krankes Bild von Vaterschaft dabei geschaffen wurde, wird überdeutlich an der oben zitierten Stelle aus dem Alten Testament, wo Gott-Vater von Abraham Gehorsam bis zum Mord seines geliebten Sohnes fordert und zudem in der Kombination von Besitz und Feindbildern den Krieg, die gewaltbasierte Durchsetzung des Patriarchats, gleich noch mit theologisch legitimiert.

Tatsächlich dienen aber nicht nur die Geschichtslüge und die Mann-Gott-Theologielügen der patriarchalen Lügenkriegsfront, sondern auch die Evolutionsbiologie (siehe Essay: Armbruster, Kirsten: „Die Evolution frisst keine Kinder“ LINK) und die Biologie selbst werden dazu missbraucht, um ein dem Patriarchat dienendes Gesellschaftsbild mit einem dienenden Mutterbild weiter zu verfestigen. Wer kann angesichts der hier in diesem Essay aufgezeigten Wichtigkeit der Mütter für die Lebensentstehung, welche die angebliche bipolar-geschlechtliche Gleichordnung von Vater und Mutter komplett aushebelt, noch eine Väterrechtssprechung legitimieren, welche, die Fortpflanzungs-Lebensinvestition eines Vaters mit der einer Mutter gleichsetzt? Das ist ein den neusten Erkenntnissen der Evolutionsbiologie und der Biologie wiedersprechender Justizskandal. Auch hier haben wir – wie bei der stattlich garantierten „Religionsfreiheit gegenüber misogynen Theologien“ ein patriarchatssystemimmanentes Zusammenwirken mit Vater Staat, der sich immer schützend vor das Patriarchat stellt.

Väter sind biologisch wichtig, vätertaugliche, soziale Väter sind wunderbar, aber sie können nur ein Teil sein eines größeren Kollektivs, eines Kollektivs von vielen Menschen, die sich aufgrund des evolutionsbiologisch verankerten kooperativen Aufzuchtverhaltens des Menschen um die MUTTER, die mehr als 90 % der Lebensinvestition bei der Fortpflanzung leistet, gruppieren müssen, um die nächste Generation geschützt aufwachsen zu lassen. Die Paarungsfamilie und die auf ihr gegründete theologisch und staatlich sanktionierte Ehe sowie die damit festgezurrte angebliche Geschlechterpolarität, die auch tiefes Leid für alles diverse Leben jenseits der Geschlechterpolarität impliziert, wie Intersexualität und Transsexualität, diese Paarungsfamilie und die damit einhergehende „Heilige Hochzeit“ ist das Kernstück des Patriarchats. Diese Paarungsfamilie entspricht nicht der Natur des Menschen, sondern bildete sich – wie Gerhard Bott in seinen Veröffentlichungen nachgewiesen hat (Bott, Gerhard 2010 und 2014), erstmals im Laufe des Neolithikums und ihr einziger Zweck war – genauso wie bei den Theologien – die Herrschaft des Vaters, das Patriarchat durchzusetzen.

Es ist höchste Zeit das Herrschaftssystem des Patriarchats zu durchschauen und damit einhergehende festgeschriebene Gesellschaftsbilder zu verändern!

Literatur:

Alberts, Bruce, Dennis Bray, Julian Lewis, Martin Raff, Keith Roberts und James D. Watson: Molecular Biology of the Cell, 1994

Armbruster, Kirsten: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus, 2013

Armbruster, Kirsten: Das Muttertabu oder der Beginn von Religion, 2010

Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter; Essays zur Politischen Theologie, Band 1 und 2: 2009 und 2014

Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur, 2010

                „Mehr über das in den letzten Jahren explosionsartig gestiegene Interesse an mütterlichen Effekten

findet sich bei Pennisi 1996; Fox, Thakar und Mousseau 1997; für einen ausführlichen Überblick siehe Rossiter 1996 sowie Mousseau und Fox, 1998“. (Literaturangaben aus Blaffer Hrdy, Mutter Natur, 2010, S. 631)

Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas; Warum wir alle von sieben Frauen abstammen – revolutionäre Erkenntnisse der Gen-Forschung, 2003

West-Eberhard, Mary Jane: Phenotypic plasticity and the origins of diversity, Annual Review of Ecology and Systematics, 1989, 20, S. 249-278